Tag 3236 – Yeah!

Ich muss nächste Woche nicht streiken. Ich habe eine Ausnahme bekommen. Der Weg dahin war etwas holprig und involvierte auch heute noch einige Nachrichten und einiges Durchhängen. Aber am Ende des Tages kam dann die Nachricht. Jetzt ist die HR-Dame – man muss ihr lassen, dass sie sehr wohl am Wochenende arbeitet, wenn ihre halbe Organisation streikt – aber noch ein bisschen panisch, weil die Ausnahme für die nächste Woche gilt statt für den Zeitraum der Inspektion. Das ist mir allerdings grad recht wurscht um ehrlich zu sein. Denn begonnene Dienstreisen ins Ausland dürfen wie geplant beendet werden. Ich schätze, das Direktorat will nur wissen, ob sie mir die IT-Zugänge Montag und Dienstag sperren müssen oder nicht.

Mit der Nachricht zeitgleich bekam ich eine nahezu explosive Migräne. Das war so anstrengend alles die letzten Tage.

Ansonsten habe ich heute nicht viel geschafft. So in der Schwebe sein bekommt mir gar nicht. Das einzige was ich gemacht habe, war nach Råholt zu fahren mit dem Vorsatz, einen neuen Sommerblazer und „Chub Rub Shorts“ zu kaufen. Einen neuen Blazer habe ich nicht, es sind grad grausliche Oversized-Schnitte in, und das finde ich wirklich furchtbar, nicht nur an mir, sondern unabhängig von der Person, die drin steckt. Warum will man aussehen, wie ein Kind, das sich als Erwachsene verkleidet hat? Aber ich habe mehrere Shorts gekauft. Das deutsche Wort will mir ums Verrecken nicht einfallen, den ganzen Tag schon nicht. Hier heißen sie „Biker“, so eng anliegende Hosen bis ca. eine Handbreit überm Knie. Die die ich gekauft habe sind aus Unterhosenstoff und High Waist und sollen eben verhindern, dass ich mir – RADLERHOSEN! So heißen die. Ja. – sollen verhindern, dass ich mir einen Wolf an den Oberschenkeln laufe, wenn ich im Sommer Kleider trage. Also wunde Stellen, wo die Oberschenkel aneinander reiben. Eine von diesen Radlerhosen hatte ich seither auch an und bin sehr zufrieden. Auch damit, dass ich nicht weit über das doppelte für „Bauch weg“ als Zusatzfunktion ausgegeben habe.

Tag 3234 – Dreieinhalb Dinge.

Der Kurs war gut! Hurra! Alles überlebt. Kann mir da auf die Schulter klopfen, finde ich.

Vor dem Kurs jedoch totale Schreckensnachricht: ab Montag muss ich eventuell streiken. Ich kann dann nicht in die USA auf die Inspektion, es sei denn, ich bekomme eine Ausnahmegenehmigung meiner Gewerkschaft. Die ist beantragt (hoffe ich), das muss die Direktion höchstpersönlich beantragen. Ich hatte ja heute keine Zeit, mich um irgendwas zu kümmern, ich war vier Stunden damit beschäftigt, Leuten zu erklären, wie sie ihren (sehr wichtigen) Job machen sollen. Ich verstehe denn Sinn von Streik, ehrlich, ich streike auch gerne Montag und Dienstag, aber ab Mittwoch… halt nicht. Und wenn, muss ich bitte irgendwas schriftlich haben. Ich schreibe da dann nicht Dienstag Abend ne SMS (weil das Direktorat mir wohl auch meinen PC abnehmen wird) „Surprise, ich komme übrigens morgen nicht, ich streike! Beste Grüße, viel Spaß in USA-Land!“. Diese ganze Streiksache macht mich ehrlich gesagt komplett irre. Nicht zu wissen, was passieren wird, alles kann sich innerhalb von 5 Minuten ändern… Ich will nur noch schreiend und Haare raufend im Kreis rennen.

Um auf andere Gedanken zu kommen, und um einen gemachten Plan durchzuziehen, war ich nach dem Kurs beim Ballett und danach noch beim Krafttraining. Es sind wieder Sommerkurse und dieses Mal ist das Ballett deutlich machbarer, da kann ich dann noch Krafttraining dranhängen. Dachte ich. Dann starb ich halb, mein Beckenboden weinte, ich war hinterher in Schweiß gebadet inklusive Body und Hose, aber zufrieden war ich auch. Besonders schön: weil Pippi die Stunde vor mir hat und dann da auf mich wartet, hat sie beim Krafttraining ein bisschen mitgemacht, das war sehr niedlich.

Rekord!

Halbe Sache: innerhalb von 5 Wochen haben jetzt drei Leute mein Norwegisch (gegenüber dritten aber in meiner Anwesenheit) als respektive „sehr, sehr gut mit kaum Akzent“, „exzellent“ und „unglaublich gut“ bezeichnet. Gestern hat eine Norwegerin, die selbst über 10 Jahre in Deutschland gelebt hat und die mit einem Deutschen verheiratet ist, gefragt, wo ich herkomme, sie konnte den Akzent nicht heraushören. Das macht mich schon ein bisschen stolz. Ok, das macht mich sehr stolz. Da ist dann auch nicht so schlimm, wenn mir in vier Stunden Kurs mal „genau“ rausrutscht.

Tag 3233 – Superflink!

Arbeit, Arbeit und am Ende noch socializen mit mir unbekannten Personen, nämlich den anderen Vortragenden von dem Kurs der grad läuft. Arbeit: Meeting mit den deutschen Inspektoren mit denen ich nächste Woche in den USA bin (meine Güte, wie jung die sind!) und dann auch noch Verabschiedung einer Kollegin in den Ruhestand.

Ich bin jetzt echt gar, zu 1000% gar, aber ich war auch den ganzen Tag vorbildlich normal. Zu allem Überfluss (oder weil ich so gar bin, sodass sich mein Gehirn plötzlich an sowas aufhängt?) ist mir auf dem Heimweg eine Ungenauigkeit in der Präsentation eingefallen. Ich werde noch bekloppt.

Aaaaaaber die Aussicht vom Restaurant war wunderbar.

Bei Ankunft, da unten links baden Leute. Rechts das Munch-Museum, dahinter die Oper.
Bei Abfahrt.
Kunst in Abendsonne
Müde in Abendsonne.

Tag 3232 – Jaauuuul!

Aaaalso, mein Vortrag ist jetzt fertig, sogar schon exportiert nach pdf, damit ich nicht auf dumme doch-noch-mal-schnell Ideen komme.

Ansonsten war der Arbeitstag so lala. Auf dem Hin- und Rückweg im Zug stehen müssen war jetzt auch nicht so eine große Freude.

Michels Lehrerin ist seit dem Vorfall, wegen dem sich die Kinder bei der Rektorin beschwert haben, krank geschrieben. Das tut mir für die Lehrerin natürlich leid, man ist ja nicht aus Spaß krank, aber wir haben einen viel ausgeglicheneren und fröhlicheren Michel zu Hause, das fällt sehr stark auf.

Es sind nur noch knappe fünf Wochen Schule, dann sind Sommerferien. Verrückt, wie schnell das geht. Nach den Ferien wird Pippi auch nicht mehr zum Hort gehen und wir haben dann gar kein Kind mehr in irgendeiner Form von Betreuung, das ist auch einigermaßen verrückt. Die waren neulich noch speckige Babies!

Ich hatte ja nicht so sehr viel Zeit zum Üben in den letzten Wochen, aber mit sehr viel Geduld habe ich die zwei Zeilen mit den Doppelgriffen (ab Takt 19) jetzt bald soweit, dass es sich nicht mehr anhört, als würde man zwei Katzen gleichzeitig quälen. Man muss auch ein bisschen die Augen zudrücken, was das Tempo und insbesondere die Länge der 32stel angeht. Ich hatte mir das nicht so schwer vorgestellt, um ganz ehrlich zu sein. Aber Lagenwechsel und dabei auch noch von 1-3 auf 2-4 und so Faxen… es ist ein Wunder, dass ich noch nicht den Hals meiner Geige zerquetscht habe. Apropos 2-4: Ich wünsche mir einen einen Zentimeter längeren kleinen Finger links, wie lässt sich das realisieren?

So viel Arbeit für 8 Takte. Das mache ich auch nicht noch mal. Im Grunde habe ich jetzt drei Wochen nicht viel anderes geübt.

Tag 3230 und 3231 – Hmm.

Der Besuch fuhr gestern wieder nach Hause und behauptet, es war schön bei uns. Das Wetter hat sich aber auch wirklich alle Mühe gegeben, es ist jetzt schon seit über einer Woche durchgehend tagsüber über 20 Grad und herrlicher Sonnenschein. Die Natur explodiert total, so sehr, dass mir das sogar ein bisschen zu schnell geht. Tatsächlich explodieren auch die Pollenbeutel an diversen Pflanzen inklusive Nadelbäumen und ALLES ist IMMER sofort mit gelbem Pollen bedeckt. Frisch geputzte Fenster, Autos, der Terrassentisch, Brillengläser, Kleidung, das Zelt (in dem Pippi nach wie vor schläft). Pollen überall. Niemand hier hat eine Pollenallergie, aber ich wache trotzdem jeden Tag mit einer verstopften Nase auf und putze dann erst mal reichlich (sorry, TMI) grüngelben Gubbel raus. Danach geht es und ansonsten habe ich keinerlei Symptome von weder Allergie noch Erkältung, außerdem war es in der Schweiz schlagartig wie weggezaubert, insofern schiebe ich es tatsächlich auf entweder Pollen oder sonst irgendwas hier zu Hause im Bett.

Gestern war ich dann aber tatsächlich von allem so erledigt, dass ich eigentlich um acht hätte ins Bett gehen sollen. Los war mit mir eh nichts mehr. Ich habe dann auch nicht so recht Zugriff auf mein Gehirn und die Pipeline Gedanken —> Kommunikation hat einen gordischen Knoten* und deshalb habe ich auch das mit dem Bloggen lieber gelassen.

Heute war ausschlafen und dann diverses Zeug rödeln und ich habe ein paar Stunden gearbeitet. Ich muss Donnerstag einen Kurs (vier Zeitstunden) halten und die Präsentation war erst zu 60% fertig, weil immer irgendwas anderes wichtiger war. Jetzt ist sie aber zu 95% fertig und was noch fehlt, ist auch nicht so wichtig. Morgen muss ich dringend was anderes tun und Mittwoch muss ich dann die Präsentation für Freitag (eine Stunde, ähnliches Thema aber anderes Publikum) zusammenkloppen. Diverses Zeug: Herr Rabe hat an beiden Autos die Reifen gewechselt, ich habe am „alten“ Terrarium herumgepinselt. Gestern hatte ich da die Blumentöpfe drin aufgehängt und den Spalt von der Ex-Trennwand zugemacht. Mit Bauschaum, meinem guten Freund und treuen Begleiter. Die Schlangis wohnen so lange wie das „alte“ Terrarium renoviert wird zu zweit im „neuen“ Terrarium, wo sie sich bisher recht wohl zu fühlen scheinen, sie kriechen jedenfalls nicht rastlos herum. Greg ist hinter dem Farn im Lüftungsloch eingezogen, Lüftungslöcher sind anscheinend terrarienübergreifend der heiße Scheiß.

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*das hat auch alles Namen in Weirdo-Land, aber ich traue mich nicht, mir die anzumaßen, bevor ich nicht mehr als eine vage Aussage der Diagnostikerin habe.

Tag 3227 – Wie am Schnürchen!

Ich arbeitete ja erst ab Mittags, weshalb ich… um kurz vor acht aufstand und mit Herrn Rabe die Bude aufräumte, damit die Putzhilfe auch tatsächlich putzen konnte. Danach arbeitete ich viele Stunden, weil ich eigentlich gar keine Zeit habe, halbe Tage „frei“ zu machen (hatte ja nicht frei, hatte Ruhezeit). Spontan fuhr ich außerdem nach Oslo, um mein Piercing wieder einsetzen zu lassen. Hin, Piercing rein, zur… doch nicht, irgendwas brannte an der Strecke und dann hieß es erst, der Zug würde direkt wieder umdrehen, wir müssten alle raus, dann aber doch wieder alle rein, weil der Zug doch weiterfährt, aber über die Bummelstrecke, auf der Bummelstrecke gab es dann auch noch eine Reihe Stops scheinbar ohne Anlass und am Ende war eine extra halbe Stunde für das Hin und Her draufgegangen. Dafür war ich auch nur eine viertel Stunde nach der Schwägerin in Eidsvoll.

Ansonsten laufen die 17. Mai-Vorbereitungen auf Hochtouren. Besagte Schwägerin möchte sich dieses Jahr das Spektakel mal anschauen. Im Hause Rabe wurden Hemden gebügelt, Sterne an Uniformsjacken genäht, Kleider anprobiert (alle durch nicht-Tragen geschrumpft, hrmpf) und Kinder gereinigt. Beide Kinder wollten nach der Reinigung dass ich Dinge mit ihren Haaren tue, Pippi flechten (im Bauernzopf) und Michel föhnen. Michel hat unfair langes, dichtes und dickes Haar und dazu auch noch Locken. Föhnen dauerte so ungefähr ewig und am Ende war es immer noch leicht feucht, aber besser als mit ganz nassen Haaren ins Bett und morgen mit einem Vogelnest auf dem Kopf aufwachen. Pippi hat übrigens meine Haare geerbt. Dünne Fusseln und schnell nachfettende Kopfhaut. Da muss man recht häufig waschen und das macht die Fusseln an den Enden auch nicht stabiler.

Tag 3226 – Leicht anstrengende Heimreise.

Zweiter Kurstag, im wesentlichen Workshops. Inspekteure sind, selbst wenn sie geballt auftreten, oft erstaunlich schüchtern und niemand will präsentieren. Aber ich will mir ja gerne nen internationalen Namen machen, da schadet es ja nicht, aufzufallen. Rede ich mir ein.

Mein Akku war danach ziemlich leer und die rosa Brille musste her. Ich merke aber: der Lieblingskollege ist eine der wenigen Personen (eigentlich nahezu der einzige außerhalb meiner Familie) die mich nicht sozial zusätzlich noch auspumpen. Dafür kriegt er gleich noch ein Sternchen ins Schönschreibheft. Da macht dann auch nicht so viel, dass nahezu einer meiner wiederkehrenden Albträume wahr wurde. Der Zug zum Flughafen war nämlich plötzlich 25 Minuten verspätet und wir überlegten sehr schnell hin und her ob wir am Bahnhof raus springen und stattdessen ein Taxi nehmen sollten. Wir harrten aber dann doch im Zug aus, dann waren’s auch zwischendurch nur noch 17 Minuten und dann aber doch wieder etwas über 20, und am Ende kamen wir 50 Minuten vor Abflug am Flughafen an. Natürlich online schon eingecheckt, aber das hilft ja nicht viel. Also joggten wir durch den uns beiden (bis auf den Hinflug) unbekannten Flughafen direkt durch zur Sicherheitskontrolle, wo wir uns auch an zwei, drei Gruppen vor sich hin schlurfender Ferienreisender einfach kackdreist vorbei mogelten. Mein Albtraum ist, dass ich in der Kontrolle dann nichts geregelt bekomme und alles durchsucht werden muss und ewig dauert und ich deshalb den Flug verpasse. Das war aber nicht so, ich zog noch im Laufen Gürtel und Uhr aus, warf alles in eine Kiste, holte Flüssigkeitentüte, Kaffebecher und Laptop aus dem Rucksack und warf all das in eine zweite Kiste (den Kaffeebecher aufgeschraubt, damit klar ist, das der leer ist), ging durch den Metalldetektor, nichts piepte, bekam an der anderen Seite mein Zeug problemlos wieder, packte alles in Windeseile in den Rucksack zurück und zog mir wieder im Laufen Uhr und Gürtel wieder an. Wir waren tatsächlich 7 Minuten nach Ankunft des Zuges durch die Sicherheitskontrolle durch und hatten dann auch erstmal eine entspanntere Zeit und konnten zum Beispiel den dringend benötigten Toilettengang endlich erledigen und ein Sandwich kaufen, um nicht zu verhungern. Ich brauche das jetzt nicht so dringend noch mal, ehrlich gesagt. Also durch Flughäfen joggen.

Der Flug war dann unspektakulär. Ich liebe meine rosa Brille bisher sehr, das fiel im Flugzeug mit dem künstlichen Licht überall sehr auf. Am Ende wurde es noch mal etwas hektisch, weil das (pünktliche) Flugzeug schon mal zur Übernachtungsposition fuhr und wir dann mit dem Shuttle zum Terminal fahren mussten, was natürlich Zeit fraß. Mein Zug nach Eidsvoll war dann aber genau die passenden 2 Minuten verspätet, die ich extra brauchte, um ihn noch zu kriegen (mit einem weiteren kleinen Sprint). Und so kam ich doch schon um kurz vor halb eins zu Hause an. Der nächste Zug wäre halt erst eine halbe Stunde später gefahren.

Morgen arbeite ich dann erst ab mittags. Mir stehen 11 Stunden frei zwischen zwei Arbeitstagen zu.

Tag 3225 – Luxuskurs.

Aaaaaalso, nichts gegen Brüssel, aber hier haben wir drei-Gänge Menü zum Mittag- und Abendessen und abends sogar Wein zum Essen, sowas kenne ich ja gar nicht mehr, dass das einfach mit drin ist. In Norwegen ist Alkohol nie einfach mit drin, weil sich Norweger sonst sofort kollektiv unter den Tisch saufen. Anyway, ich habe mich beim Wein doch sehr zurückgehalten, das ist hier eh alles schon viel, es braucht nicht noch einen Kater oben drauf.

Ansonsten alles gut, ich finde, ich schlage mich wacker im Socializen. Der Lieblingskollege (der sozial noch mehr awkward ist als ich, aber selbstverständlich ganz normal, ähäm) auch. Wir sind sehr flink. Schulterklopf und ab ins Bett.

Tag 3219 – Check.

Inspektion überstanden. War verhältnismäßig ok, spannend, aber kann (im Sinne von darf) nichts dazu erzählen. Aber ist erledigt jetzt, Check, nächste Aufgabe. Montag geht’s zu einem Kurs in die Schweiz.

Danach wie üblich ziemlich Pudding, und (wetterbedingt? Es war ziemlich eklig draußen, so als würde es jeden Moment regnen, aber es kam nichts. Der Nieser, der nicht rauskommt, in Wetterform) leicht migränig. Einkaufen vorm Feiertag, ein bisschen eine darüber einigermaßen schockierte Schlange (Monty) „bekuscheln“ (auf meinen Armen rumliegen und -kriechen lassen) und mich an der tatsächlich immens beruhigenden Wirkung dessen erfreuen. Dann die ihrerseits darüber sicher beruhigte Schlange zurücksetzen und das zweite Kind ins Bett bringen. Meine beiden Kinder sind sehr niedlich, wenn sie schlafen, ich habe das heute noch mal verifiziert. Da sehen die gar nicht aus wie 8 und 11.

Jetzt muss ich aber auch schlafen. Vielleicht auch niedlich, das wage ich aber nicht zu behaupten.

Tag 3206 – Auuuuu!

Mein Körper fühlt sich an wie zermantscht, alles tut weh. Die Generalprobe für die Tanzshow am Samstag war zusätzlich zu allem anderen eine eher mäßige Idee, aber nicht zur Generalprobe gehen geht ja auch nicht.

Das Elterngespräch mit meiner Chefin war so lala, ehrlich gesagt. Komisch, die ist gar nicht begeistert davon, wenn die jüngste ihrer Angestellten sagt, dass es uncool ist, dass immer nur oben drauf gepackt wird, ohne dass was anderes weggenommen wird, dass das zu Überarbeitung und explodierenden Stundenkonten führt. Dann sagt die, dass man selbst dafür sorgen muss, dass es nicht zu viel wird. Komisch, ich dachte ja irgendwie das sei so etwa im Kern das, was eine Personalverantwortliche tut, so, den Überblick behalten, was die einzelnen so tun und brauchen und nicht brauchen. Aber vielleicht vertue ich mich da und die Aufgabe einer Personalverantwortlichen ist lediglich, alle drei Monate ein Personalgespräch durchzuführen, wo aber ausschließlich darüber gesprochen wird, wie supidupi alles ist und alles andere müssen die Angestellten selbst irgendwie regeln. Oh, wir haben auch noch darüber geredet, inwiefern ich in Übereinstimmung mit den Werten des Direktorates arbeite und handle. Die Werte sind: Teilen, Neugierde, Glaubwürdigkeit und Handlungskraft. Also komplett leere, generische Worthülsen und darüber hinaus ein Verb und drei Nomen, was mich seit dem ersten Tag kirre macht. Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass ich den Teil vom Referat bisher immer einfach weggelassen habe, weil ich das sinnlos finde. Wer soll sich denn bitte nicht hinter diese Werte stellen können? „Näää, ich hasse es, Neues zu lernen und lüge wie gedruckt, dazu bin ich faul ohne Ende.“ Oder wie?

Der Rest vom Arbeitstag war auch eher mäßig und involvierte eine weinende Kollegin, womit ich ja super umgehen kann (also quasi gar nicht).

Ich bin müde. Und muss darüber nachdenken, ob es realistisch ist, zu erwarten, dass eine personalverantwortliche Chefin in der Lage ist, die Aufgaben und die Belastung von knapp 20 Menschen (die aber alle im selben Team sind und deren Kalender alle einsehbar sind) im Blick zu behalten, an die Kolleg*innen weiter zu geben, wenn jemand ausfällt und zu priorisieren, was gemacht werden soll und was nicht, wenn die Ressourcen knapp sind. Und was die Chefin von uns erwarten kann. Und weil ich darüber nachdenken muss werde ich noch viel müder.