Tag 3051 – Aufgeregt.

Michel fühlt sich eigentlich wieder ganz gut, hatte aber abends wieder erhöhte Temperatur und bleibt deshalb auch morgen zu Hause. Ich habe keinerlei Krankheitssymptome und einen negativen Test. Solange ich nicht morgen früh (um halb sechs, und dann muss ich auch ohne snoozen aufstehen, urgs) krank aufwache, breche ich auf die letzte Inspektion des Jahres auf. Ich bin total aufgeregt, als wäre ich noch nie verreist, bin unnötig viele Schritte beim Packen gelaufen weil ständig irgendwas vergessen und überlege die ganze Zeit, ob ein Paar Schuhe wirklich reicht (ja) und ob nicht doch das Kissen hier bleiben und extra Schuhe mit sollen (nein). Schlafen erscheint mir utopisch. Aber muss ja alles, ne?

Ahhh.

Außerdem heute ein Meeting gehabt, das eine akustische Geduldprobe war, und das ich mehrmals stumm schalten musste, obwohl ich gleich zu Anfang geschrieben hatte, dass für uns zu Hause alle gleich laut und aus der gleichen Richtung aus dem Lautsprecher kommen und dass sie deshalb BITTE nicht alle gleichzeitig reden sollen. Das wurde einfach mal komplett ignoriert. Manche lachen auch echt laut. Auch dass manche nach drei Jahren Homeoffice noch nicht geschnallt haben, dass die Meetingraum-Mikrofone das, was man dem Nachbarn zuraunt, genauso auffangen, als sei man (und alle anderen zu Hause, die das Meeting noch nicht gemutet haben) der Nachbar, oder dass manche den Sinn von Mikrofonen generell nicht so ganz verstanden haben und meinen, da rein rufen zu müssen: ORRRR! Vielleicht bin ich auch extra empfindlich, weil aufgeregt, aber ORRRR!

Tag 3039 – Vorsingen.

Langsam habe ich das Gefühl, einzelnen Menschen, manchmal auch Gruppen von Menschen, kann man ein ganzes Musical aufführen, um zu erklären was man will und/oder was sie falsch machen, und sie raffen es trotzdem einfach nicht. Es ist frustrierend. Und ich habe da keine Lust mehr drauf. Heute ist so ein Tag, wo ich einfach die Kommunikation komplett einstellen will, um meine und die Nerven der anderen zu schonen. Lasst mich einfach alle in Frieden hier meinen Legohaufen sortieren, morgen geht’s bestimmt besser. Bis dahin f*** off.

Tag 3034 – Geschafft!

Heute war erst den ganzen Tag fachliche Diskussion in verschiedenen Gruppen (aber alles inspekteure*innen). Das ging bis vier und war exakt so wie gedacht. Ich hoffe jetzt einfach mal ganz stark, dass die vielen tollen Ideen von heute auch weiter getragen werden und nicht irgendwo auf dem Weg nach oben verhungern, weil sie unbequem sind.

Danach tat ich etwas sehr schlaues: ich ging, trotz Regen, zu Fuß zu dem Restaurant, in dem wir uns zu hyggelig Zusammensein noch treffen wollten. Das dauerte etwa 50 Minuten und danach hatte ich den Kopf wieder frei, die latenten Kopfschmerzen waren weg und meine Laune war ebenfalls viel besser. Was ein flotter Spaziergang mit Wedeln so bewirken kann! Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich da für mich eingestanden bin.

Im Restaurant, das eher eine Bar mit Snacks und Billiardtischen war, gab es erst enttäuschendes Essen (ich hatte extra das vegetarische vorbestellt) und dann eine Runde Shuffleboard. Das ist wie Tisch-Curling mit Sand. Für mich eher nichts. Aber mitgespielt habe ich und es war auch lustig, ich würde mir das nur nicht als meine Freizeitgestaltung aussuchen.

Apropos Freizeitgestaltung: meine ruft nach Bett. Ich war schon deutlich erschossener nach solchen Tagen, muss ich sagen, der Spaziergang war sehr sinnvoll. Aber vor Energie sprudelnd bin ich jetzt grad nicht.

Tag 3032 und 3033 – News vom IT-Projekt.

Kurz erklärt: weiterhin alle komplett bekloppt da. Wenn ich (ich!) schon Wogen glätte, damit Leute sich nicht in Gruppenchats an die Gurgel gehen, sind Dinge definitiv entgleist.

Ansonsten hab ich bei der Arbeit tatsächlich durch Gemecker positive Entwicklungen bewirkt. Hilft nur nicht gegen den Frust, der sich einstellte, als ich gestern das Ergebnis der Gehaltsverhandlungen erfahren habe, denn in meinem Fall ist das – wieder – ein schlechter Witz, was dabei rausgekommen ist.

Zu Hause ist alles wie immer, das eine Kind schreit den Computer an (bzw. sein Telefon, wo er mit seinem Kumpel spricht, nur dass sie bei der Lautstärke eigentlich gar kein Telefon bräuchten) und das andere Kind bastelt sehr fitzelige und detailreiche Spielzeuge aus Papier, kleine Figürchen mit ihren eigenen winzigen Zahnbürsten, Schlafmasken und Bubble-Tea-Bechern, mit Schuhen zum Wechseln und einem Bett zum drin schlafen. Natürlich kann man alles abnehmen und miteinander kombinieren, wie bei diesen Anzieh-Bildchen aus Pappe früher, nur viel kleiner und mit viel mehr Kram. Wir finden nach so Bastelexzessen manchmal kleine Artefakte und freuen uns.

Morgen ist den ganzen Tag und bis abends soziales HalliGalli bei und mit der Arbeit, vielleicht kann ich deshalb zur Vorbereitung schon mal nicht schlafen. Es wird schon gehen, schon klar, ich habe auch bereits Maßnahmen(TM) angekündigt, damit ich nicht hinterher (wieder) komplett tot bin, aber Lust habe ich offen gestanden nicht darauf. Einfach gar nicht.

Tag 3026 und 3027 – Fertig!

Also, Mittwoch war schlimm. Donnerstag und Freitag war wesentlich besser, aber Mittwoch war einfach furchtbar. Es hängt mir noch ein bisschen nach, weil ich noch nie bei einer Inspektion so… überladen war, dass keine Konzentration mehr möglich war. Dabei war ich in genau dieser Fabrik sogar schon mal. Und da roch es genauso und war sicher auch genauso laut. Hell sicherlich auch. Ich schiebe einen Teil der Empfindlichkeit tatsächlich auf meinen Geruchssinn, der ist manchmal halt so on Fire, dass ich beim Hereintragen des Obsttellers denke, jemand hat Schnaps mitgebracht, dabei ist es nur die Ananas. Oder heute, dass jemand Zitronenbonbons lutscht, dabei war es Mandarine auf dem Teller. Jedenfalls war es kein so gutes Erlebnis dieses Mal. Es riecht nicht schlecht in der Fabrik, im Gegenteil, es riecht halt nach beliebten Aromen für Medikamente, aber es ist sehr intensiv. Keine Ahnung, wie ich das vor vier Jahren ausgehalten hab, dieses Mal war irgendwann mein Gehirn nur noch gefüllt mit einer Mischung aus Zitronen- und Pfefferminzgeruch und dem rhythmischen Lärm der Verpackungslinie. Ich bekam Gesprächsfetzen mit, aber mehr auch nicht. So kann eine nicht so gut inspizieren, um ehrlich zu sein.

Danach platzte mir nahezu der Schädel, der gestern auch noch irgendwie wattig war. Im Labor war ich einigermaßen froh, dass die unter anderem einen Raum haben, in dem lichtempfindliche Stoffe hantiert werden. Da hätte ich mich gut länger aufhalten können. Der Rest seither war Durchgang von Dokumenten und ich habe wieder total viel gelernt und würde jetzt gerne spontan noch viel mehr über galenische Pharmazie lernen, aber haha, wann.

Apropos wann: gute Nacht!

Tag 3016 – Leberwurst.

Leberwurst ist ja so etwa eins der ekligsten Nahrungsmittel überhaupt. Farbe, Konsistenz, Geruch – wäh. Grob oder fein, egal – wäh. Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren, wäh. In Norwegen erfreut sich die Leberwurst größter Beliebtheit, vor allem als Eisenquelle für Kleinkinder. Was sicherlich überhaupt nichts damit zu tun hat, dass die mit einem fröhlichen Kindergesicht von anno AlsAllesNochWieFrüherWar und in großen Lettern den grandiosen Eisengehalt anpreisend beworben wird. Neulich dann aber Skandal! Leberwurst für Kinder (ja, es gibt offenbar noch mal extra Kinderleberwurst, auf der nicht das fröhliche Kind ist! Oder vielleicht ein noch fröhlicheres Kind? Man weiß es nicht) enthält voll viel „Müll“, Wasser und Gewürze! Und sowas gibt man Kindern!!! Große Aufregung. Währenddessen waren Herr Rabe und ich einigermaßen verwirrt, denken die denn echt, Leberwurst sei nur pürierte Leber in Dosen? Ist das nicht allgemein bekannt, dass das in erster Linie zur Unkenntlichkeit vermantschte Schlachtabfälle mit eben Gewürzen sind, also (billige) Wurst generell, aber Leberwurst besonders? Mal abgesehen davon, dass Leber ja nun auch nicht sonderlich gesund ist. Hmm lecker, die Müllhalde des Körpers essen, in der sich all die unausscheidbaren Stoffe sammeln. Ich mag übrigens Leber generell auch nicht. Merkt man kaum, ne? Meine Kinder sind glücklicherweise auch ohne Leberwurst beide über 1,30 m groß geworden. Bisher, Trend weiter steigend.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte: der Lieblingskollege macht seit nunmehr einer Woche einen auf beleidigte Leberwurst und benimmt sich wie ein Kleinkind, dem man seine Grinsekinddosen-Leberwurst-Stulle weggenommen hat. So langsam fällt mir nichts mehr dazu ein, als hart mit den Augen zu rollen. Ich fürchte, Erziehungstipps fruchten bei Ü50-Jährigen auch nicht mehr, auch nicht, wenn die sich benehmen, als wären sie höchstens 1/10 so alt. Lebensziel: den Kindern ein vernünftiges Konfliktverhalten beibringen.

Tag 3007 – Fertig und platt.

Wir sind ein müder Haufen hier. Aber macht nichts, ist ja Wochenende.

Dinge die heute fertig wurden:

  • Meine Schulung, heute war es wesentlich mehr Information und dadurch für mich wesentlich einfacher, den Fokus zu halten und nicht gedanklich abzudriften
  • Eragon vorlesen. Alle Teile. Das hat lange gedauert und ich bin eigentlich echt froh, dass es vorbei ist. Ist so ganz nett, als Einstieg in Fantasy, würde ich sagen, aber nach dem ersten Buch ist es so sehr Tolkien mit Drachen*, dass es zumindest mich nervt.

Ansonsten übernachtet Pippi heute bis Sonntag mit ihrer Kindergartenfreundin „auf der Hütte“, die Familie der Freundin hat offenbar eine Familienhütte am Sjusjøen. Damit ist Pippi die erste in der Familie, die auf eine Hüttentour eingeladen ist. Applaus, Applaus! Außer Pippi und der Freundin da: die Mama der Freundin und ihr Freund, sowie „Moffar“ (Opa mütterlicherseits) und „Dama hans“ (seine Freundin). Ich hoffe, sie haben alle eine gute Zeit und die Erwachsenen können sich auch ein bisschen erholen, Pippi und ihre Freundin sind zusammen eine echte Handvoll.

So, gute Nacht. Es ist spät, Herr Rabe schnarcht atmet schon schwer.

Tag 3006 – Müde.

Ich habe die besten Leserinnen! Vielen Dank! Jetzt muss ich nur noch vier Monate rückwirkend korrigieren…

Habe den ganzen Arbeitstag in einer Schulung gesessen und bin ziemlich durch jetzt. Morgen noch mal, dann ist Wochenende.

Zyklus meldet sich auch schon wieder mit der Nerv-Phase. Erst mal alle und alles hassen. Bald kommt dann die Heule-Phase. Ich bin noch nicht fertig mit überlegen, ob der kleine Effekt der Antidepressiva das Schwitzen wie Sau wert ist.

Immerhin: der Muskelkater ist auf dem Weg der Besserung. Es geht seit mittags ca. stündlich besser. Werde also vermutlich auch dieses Mal überleben.

Nun ja. Ich gehe jetzt ins Bett. Dann gibt es immerhin fast 8 Stunden Schlaf, weil ich wegen der Schulung (fängt spät an und geht lang, weil sie international ist) nicht ganz so früh aufstehen muss.

Tag 2999 und 3000 – Verschnaufen.

Fertig inspiziert. Hurra! Wir waren sogar früher fertig als geplant. So konnte ich den Rest des Arbeitstages (etwa 30 Minuten) nutzen, um meinen Antrag auf mehr Gehalt bei den jährlichen Gehaltsverhandlungen einzureichen. Ich hasse das sehr, weil es so ein ekliger Mischmasch aus selbst verhandeln und die Verhandlung anderen (der Gewerkschaft z.B.) überlassen ist. Wir reichen was ein, mit Begründung warum wir „besser“ als 80% der anderen Angestellten sind, dann geht das durch drei oder vier (weiß ich grad nicht mehr, das System ist so unübersichtlich) Priorisierungsrunden und am Ende kommt irgendwas dabei raus. Involviert ist man selbst nur zu Anfang, danach muss man dem System vertrauen. Letztes Jahr habe ich ein trauriges Prozent durch diesen Prozess bekommen, mein Vertrauen in das System ist gelinde gesagt etwas angeschlagen.

Wie dem auch sei, ich holte dann Pippi ab und fuhr quasi direkt weiter zu meiner Geigenstunde. Die war tatsächlich überraschend gut, ich habe Lob bekommen für meinen Bach (!!!) aber auch Tchaikovsky und er sagte was von Durchbruch und enormer Verbesserung. Wir diskutierten ein paar fortgeschrittene Konzepte, ich erfuhr (durch Schmerz), dass er nicht gut Klavier vom Blatt ablesen kann und um zu vermeiden, dass ich wieder erst in 6 Wochen eine Stunde abgemacht bekomme, haben wir direkt in zwei Wochen den nächsten Termin ausgemacht. Bis dahin werde ich mich im Übertreiben üben, damit ich ein paar extra Sicherheitslayers habe, die ich bei Nervosität einfach abziehen kann und darunter ist es trotzdem noch hübsch, sauber und interessant.

Montag und Dienstag habe ich mir spontan frei genommen und ich werde auch konsequent keinen Finger fürs Werk rühren. Dafür bin ich auch viel zu platt. Und habe zu viel zu tun damit, Bach und Tchaikovsky innerhalb von zwei Wochen fertig zu polieren.

Tag 2998 – Es ist alles kompliziert.

Die Inspektion grad ist noch mal auf anderen Ebenen eine Herausforderung als eh schon. Meine nicht vorhandenen pädagogischen Fähigkeiten werden auf die Probe gestellt und gleichzeitig versuche ich irgendwie im Alleingang das leckende Inspektions-Boot an Land zu rudern, ohne dass selbiges allzu offensichtlich ist.

Und jetzt mache ich die Augen zu, morgen muss ich wieder für mindestens 1,5 Leute arbeiten. Hmm.