Tag 3763 – 3765 – kurze Meldung.

Bin gestern und vorgestern einfach sang- und klanglos eingeschlafen. Viel zu spät natürlich. Aber hier ist auch echt viel los. Mittwoch haben wir ein wenig gearbeitet, ein wenig gesportelt und viel versucht, den Jetlag zu bekämpfen. Gestern war Inspektion, heute auch. Kurz dachte ich gestern, am Mittagessen sei irgendwas nicht gut gewesen. Aber bis zum Abendessen ging das dann wieder und zum Abendessen habe ich mir dann einfach kurzerhand alle Innereien weggebrannt mit wirklich, wirklich scharfem Essen. Aber lecker. Zwei Currys, ganz simpel, dazu Naan und nach den ersten Bissen dazu dann auch Curd Rice. Danach haben wir noch die Hochzeit fotografiert, die hier im Hotel stattfand. Komplett wilde Sache.

Ein klitzekleiner Ausschnitt: der Eingang zum Festivalplatz, wo zwei Bühnen aufgebaut waren, die Gäste auf Samt-Sofas platznehmen konnten und etwa 20 Blumenläden ihren gesamten Warenbestand ausgeleert zu haben schienen.

Dazu gab es Feuerwerk, unfassbar schicke Menschen, eine Trommelband und Tanz.

Heute dann wieder Inspektion. Morgen auch. So schön, dass die norwegischen Arbeitszeitgesetze außerhalb Norwegens nicht gelten.

Indien ist schon echt sehr anders.

Tag 3761 – Schneller schlafen.

Heute war ich fahrig, unkonzentriert und aufgeregt. Morgen geht es mal wieder nach Indien, nur muss ich dieses Mal die ganze Chose leiten. Ich fühle mich schlecht vorbereitet (bin ich nicht) und generell hab ich so vieles nicht gemacht, was ich hätte machen müssen, es ist furchtbar.

Herr Rabe und ich haben zu Hause auch fast nur abgeklatscht. Auch das ist blöd.

Egal. Es kommt wie es kommt. Und ich treffe den Lieblingskollegen um 5 Uhr in der Lobby, muss also jetzt echt schlafen. Gute Nacht!

Tag 3753 – Nur Alltag.

Furchtbar langweilig tatsächlich. Aber auch sehr gut. Lauter Routinen. Arbeit/Arbeit/Schule/Schule. Danach fahren wir in einem überfüllten Zug nach Hause, Einkaufen, Essen machen, einer fährt mit Michel zum Trompetenunterricht (er ist seit einem halben Jahr doch umgestiegen, er wollte ja ursprünglich für immer beim Kornett bleiben). Ich habe Streichorchester, von dem ich hier noch nie was erzählt habe, glaube ich. Quasi ein Geheimnis. Es ist auch nix dolles, aber macht Spaß. Und ich lerne was. Danach mache ich noch Sport, Herr Rabe bringt Pippi ins Bett, Michel geht selbständig ins Bett, ich dusche und dödele dann noch ein bisschen rum und jetzt ist Schlafenszeit. Morgen Büro und dann Geigenstunde – Schauen, was ich in einer Woche mit der Rode Etüde habe ausrichten können. Und einen Blick auf Eine kleine Nachtmusik 4. Satz werfen, die ganzen Verzierungen bringen mich sehr stark ins Schwitzen.

Tag 3750 – Uffz, aber in gut.

Wir hatten „Abteilungstag“, vielleicht ist das einer der Tage im Halbjahr, den ich am meisten hasse. Das ist den ganzen Tag bei der Arbeit aufeinander hocken für „fachlichen Input“ (der irgendwie für 23 Leute mit komplett unterschiedlichen Aufgaben passen soll, also meist nur an der Oberfläche rumkratzt und keinen wirklich weiter bringt) und dann noch „was schönes“ miteinander machen. Also essen gehen. Um vier. Wie so Rentner.

Aber – es war (nach dem wirklich stellenweise quälend ätzenden Arbeitsteil) sehr nett und vor allem lecker beim Essen und weil danach ja noch sehr viel vom Abend übrig war, waren wir noch mit einigen in der Bar oben auf dem Munch-Museum und das war auch schön. (Anmerkung: das ist eine sensorisch angenehme Bar. Dunkel und nicht laut. Und man kann rausgucken und hat super Aussicht über Oslo.) Wir sind sogar fast ein bisschen versackt! Uiuiui.

Das Essen war Libanesisch, genauer große Meze-Platten zum Teilen für alle. Das war wirklich sehr sehr lecker. Falafel kriegt man hier äußerst selten in der Qualität, so gute habe ich zuletzt in Berlin gegessen.

Jetzt bin ich aber auch echt geschafft von dem Tag, meine Güte, war der lang. Und so viele Leute.

Tag 3746 und 3747 – Erste und letzte Male.

Gestern war Nix. Nur Büro. Naja, und unsere Chefin wird nicht weg befördert. Das kam auch gestern offiziell raus (ich wusste das schon länger, weil ich Hobbydetektivin bin). Die Chefin ist darüber, das wurde heute sehr deutlich absolut nicht amused. Der Direktor hat sich aber auch denkbar ungeschickt ausgedrückt. Anyway, sie bleibt uns erhalten.

Heute hatte ich quasi den ganzen Tag Meetings mit dem Lieblingskollegen, um die Indien-Inspektion vorzubereiten. Dazu hatte ich (unter anderem, man kriegt ja bei uns nicht für nen ganzen Tag nen Raum, wenn man den nicht ein Jahr im Voraus bucht) den größten Meetingraum, den wir haben, gebucht, damit wir auch die größte Leinwand haben, denn manche Dinge muss man in WIRKLICH, WIRKLICH groß sehen, um sie… naja auch dann nicht so richtig zu verstehen. Diese Firma hat irgendwie eine ganz eigene Logik, die sich uns nicht erschließt. Aber das ist nur eine Nebengeschichte, denn wir haben heute auch Abschied von eben diesem Meetingraum genommen. Ab morgen ist das ein „Nationaler Bereitschaftsraum“, abhörsicher, diesdastralala und dann eben auch Zugangskontrolliert. Normalsterbliche wie wir kommen dann da einfach nicht mehr rein. Warum man, in einem Haus, in dem ständiger Meetingraummangel herrscht, einen von zwei großen Meetingräumen für den weit überwiegenden Teil der Belegschaft sperrt, weiß der Geier. Ich habe mich beschwert, mehr kann ich auch nicht machen.

Abends beim Ballett war „Freunde-Woche“, man konnte eine*n Freund*in mitbringen und die konnten dann mitmachen. Ich habe keine Freund*innen… äh… mitgebracht, ähäm, aber andere hatten das und da waren heute vier sehr tapfere Damen, die durch eine komplette Ballettstunde mit nur minimalen Modifikationen geschleift wurden. Teilweise taten sie mir ein bisschen leid, wer muss schon in der ersten Ballettstunde seines Lebens direkt Pirouetten drehen (aus der fünften!!!), aber sie haben sich wacker geschlagen, hatten Humor dabei und keuchten nur gelegentlich. Applaus an die Truppe, Respekt, echt.

Heute hat es auch das erste Mal in diesem Winter geschneit. Nur ein bisschen, aber Auto fahren war trotzdem etwas langwieriger als sonst so. Man muss sich jedes Jahr aufs Neue dran gewöhnen, auf Schnee und glatten Straßen zu fahren. Alle anderen auch. Die ersten Tage sollte man da wirklich etwas Nachsicht zeigen und etwas mehr Zeit einplanen, dann geht das auch bald alles wieder. Was aber spannend war: das erste Mal unsere beheizte Straße hoch.

Es ging tatsächlich ganz ok. Augen zu, „Gas“ geben, und durch. Vorher, das haben wir als Tipp bekommen, ein paar mal Lichthupen, FALLS von oben wer kommt, denn man möchte sich wirklich nicht plötzlich gegenüberstehen, sonst muss man rückwärts wieder runter (was wohl öfter mal schief geht). Dann sollte man lieber waren, bis das Auto von oben unten angekommen ist.

Tag 3733 – 3735 – Arbeit Arbeit und jetzt nicht mehr.

Zwei Tage Homeoffice. Meine Produktivität war… sehr durchwachsen. Ich versuche, zu akzeptieren, dass das nun mal so ist, und mich dafür nicht fertig zu machen. Das ist manchmal nicht einfach. Aber am Ende kommt ja immer noch eine überdurchschnittliche Arbeitnehmerin (mit unterdurchschnittlichem Gehalt) dabei raus.

Heute hatte ich aber frei. Morgen habe ich auch frei. Ich bin nämlich wieder auf dem Landestreffen des 2%-Clubs. Das stresst mich offenbar, denn ich habe direkt erst mal meine Kosmetik- und sonstige Badezimmersachen fein säuberlich aufgereiht und symmetrisch ausgerichtet. Aber es ist wie auch beim letzten Mal: alle hier sind so nett und interessant, es macht mich sehr glücklich. Selbst Sauna mit mir völlig unbekannten Leuten war gut. (Anmerkung: man geht hier in Badekleidung in die Sauna. Immer.) Es ist echt lange her, dass ich in einer Sauna Bier getrunken habe. Zwischen den Saunagängen habe ich mich sogar im Kanal abgekühlt, also fast Eisbaden, das Wasser kommt aus dem Fjord. Beim letzten Mal war ich sogar bis zum Bauchnabel drin!

Danach noch viele schöne Gespräche gehabt, aber um elf war die Luft bei aller Liebe raus und ich begab mich auf mein Zimmer. Platt wie ein Brötchen.

Tag 3732 – Uffz.

Nach einem Tag im Büro mit allen Aufs und Abs, die das so mit sich bringt, bin ich hundemüde und habe Kopfschmerzen. Ich gehe jetzt ins Bett und hoffe, dass das dann auch das Ende des Jetlags ist.

Die letzte session des Sportprogramms muss auch bis morgen warten, ich bin echt erschossen.

Derweil hat sich Herr Rabe heute eine Winterjacke gekauft, von so einer sehr bekannten nordischen Outdoormarke, weil eine Kollegin da Rabattcoupons hatte. Er liegt mir schon seit 1,5 Wintern damit in den Ohren, dass er mal eine neue Winterjacke braucht, weil seine einfach ziemlich fertig ist, aber irgendwas in nicht schwarz, dunkelblau, braun oder dunkelgrau zu kriegen, ist echt schwierig. Seine neue wird jetzt feuerrot und der Stoff ist so Special, dass er auf der Webseite mit einem Hans Zimmer-artigen Soundtrack untermalt wird. Man könnte von der Marke auch Jacken für Expeditionen in die Arktis kaufen, aber da hab ich dann doch ein Veto eingelegt, das fand ich dann fürs Pendeln zwischen Eidsvoll und Oslo sowohl optisch als auch preislich etwas überkandidelt.

Tag 3725 bis 3726,5 – USA Teil 3.

Die letzten zwei Tage in den USA waren relativ unspektakulär, aber da war dann auch die Luft irgendwie ein bisschen raus und alle wollten gerne einfach nach Hause. Montag früh machte ich mein letztes Training in den USA, dafür zum ersten Mal mit Publikum. Zwei sehr sporty Gymbro-Amerikaner beäugten mich, wie ich Übungen machte, die vermutlich von außen sehr seltsam aussahen. Von innen waren sie sehr anstrengend, obwohl es nichts war gegen den einen Tag, als mich hinterher der Hotelchef fragte, ob alles ok sei, er hätte „Aktivität“ gehört und sich etwas Sorgen gemacht. Ja, nee, äh, alles gut, war halt anstrengend. Hust. Das Programm hat Tage mit „Gewichtheben“ und Tage mit Balance und Core und das auch wieder mit und ohne Gewichte. Heute war zum Beispiel ohne Gewichte. Was gut war, weil mir von den letzten zwei Gewichte-Tagen immer noch die Hände weh tun. Trotzdem werde ich morgen über Muskelkater jammern, wenn ich das brutale einstündige Total Body Workout (mit Gewichten) absolviere. Letzte Woche machte ich das am Samstag, bevor ich nach New York fuhr. Wach war ich ja eh und Frühstück gab es auch erst ab halb acht. Und letzten Montag mit Publikum war eben Balance mit Gewichten, also so Zeug wie in der Schulterbrücke stehend mit einem Bein ausgestreckt einen Bogen von links nach rechts und zurück machen, während man auf der gleichen Seite mit dem Arm eine Hantel über dem Kopf balanciert. Versuchen Sie ruhig einfach mal diese Stellung zu machen, ohne Hantel, und ohne den Halbkreis mit dem Bein, dann wissen Sie, warum sich den Gymbros ein unterhaltsamer Anblick bot. Da war ich auch schon recht fertig, also knallrot im Gesicht und an wenig attraktiven Stellen nassgeschwitzt. Ok, sind Schweißflecken irgendwo bei irgendwem attraktiv?

Anyway. Montag Abend gingen wir noch mal zu dem super Burgerrestaurant und danach noch in eine Sportsbar, wo ich in den zweifelhaften Genuss kam, mein erstes Dreiviertel American Football-Match zu sehen. Der Verlobte von Taylor Swift gegen irgendwen, man möge mir vergeben, das ist wirklich einfach so gar nicht mein Sport und deshalb habe ich auch nicht aufgepasst. Generell finde ich ja Sport gucken total lahm. In der Sportsbar liefen außerdem auf mindestens 10 Bildschirmen mindestens 5 verschiedene Sportarten (Golf, Baseball, Football, Basketball und Soccer, meine ich) und es hatte so eine Schwimmbadakustik, die ich so gar nicht gut abkann. Zwei Bier halfen, aber gut ist das ja auch nicht. Aber mei, letzter Abend.

Dienstag wurden wir etwas früher als erwartet fertig, es war quasi kein Verkehr und Mietwagen abgeben war auch problemlos, sodass ich schon fast Angst hatte, dass ich meinen Koffer noch gar nicht würde abgeben können. Ging dann aber doch (grade so). Newark hat an Terminal B jetzt auch diese Hightech-Scanner fürs Handgepäck, wo man einfach alles im Rucksack lassen kann und auch Flüssigkeiten nicht mehr in einen 1L-Beutel quetschen muss. Man muss nicht mal mehr die Schuhe ausziehen! Ich war sehr angetan.

Nicht von der Lounge, die SAS-Lounge in Newark ist total abgeranzt und eigentlich einer Lounge nicht würdig. Also, besser als am Gate rumsitzen (Newark ist jetzt generell ein bisschen in die Jahre gekommen und nicht sehr schön), aber nur knapp. Drei Stunden saß ich da und arbeitete ein bisschen halbherzig herum. Internet ging auch nicht und ich wollte einfach nach Hause. Mich nervten alle Leute immer mehr, die Leute, die viel zu viel Parfüm auftragen, die Leute, die viel zu laut reden, die Leute, die in ner übervollen Lounge ihrem Rucksack einen Sitzplatz gönnen… meine Batterien waren komplett leer und die seit einer Woche unterdrückte Laune brach quasi wie ein Vulkan aus. Ich hatte Lust auf Gewalt, beschränkte mich aber auf eisige Blicke an Rucksack-Mann und Parfüm-Frau und Laber-Paar.

Im Flugzeug angekommen ging es dann, der Computer war dann auch fast leer und ich las in meinem Buch bis zum Essen. Danach legte ich mich hin. Nach drei Stunden (ungelogen) wurden wir alle geweckt, weil sie sich mit der Frühstückszeit vertan hatten. Immerhin konnte ich nach dem Frühstück noch etwas dösen. Trotzdem war ich den Rest des Tages komplett erschossen, das war eine viel zu kurze Nacht.

Nach dem Zwischenstopp in Arlanda ging es mit einer Salamischeibe weiter.

Die gehörte vermutlich ebenfalls zu einem Frühstück. Ich habe keine Ahnung, was theoretisch auf dem Flug serviert wurde, ich habe ans Fenster gelehnt geschlafen. Kalt war es auf dem Flug und die Sitze sehr durchgesessen, und die Laune, und die Überreizung… Ich war wirklich nicht die beste Version meiner selbst.

Aber, worauf ich an dieser Stelle mal Lobeshymnen singen muss: formgegossene Ohrenstöpsel zum Schlafen. Oder auch nur zum im Flugzeug sitzen. Beste Anschaffung. Damit kann ich ÜBERALL schlafen. Die Klimaanlage im Hotel in New York hörte sich an, wie ein startendes Flugzeug. Der Kühlschrank im New Jersey-Kaff ebenso. Flugzeuge sind laut, Menschen sind laut. Mit den Dingern drin ist das alles egal. Die waren wirklich jeden Cent wert. Also sie haben auch wirklich einige Cents gekostet, das will ich gar nicht klein reden, aber wenn man das Geld hat und wegen Geräuschen Probleme mit dem Schlafen hat, ist das eine gute Anschaffung. Meine sind auch ganz weich und stören überhaupt nicht. Auf der Reise wollte ich sie irgendwann gar nicht mehr raus nehmen, aber man hört dann halt auch die Umgebung nicht. Das ist eher ungünstig, zum Beispiel an Flughäfen.

Tja, und dann war ich ja wieder hier. Langsam und mit fiesem Jetlag (immer noch, die Uhrzeit verrät es). Ich habe sowohl Donnerstag als auch Freitag ein Nickerchen nach dem Mittagessen gemacht, weil einfach nichts mehr ging. Mein Sportprogramm habe ich Donnerstag fortgesetzt, vor der Arbeit, wenn auch nicht so früh. Aber um morgens in die Gänge zu kommen, ist Sport echt ganz gut. Donnerstag habe ich auch meine Geige wieder ausgepackt und das war schön. Mit dem getapten Ringfinger geht das sogar ganz ok, ist ja die rechte Hand, das ist vielleicht der eine Finger, den man zum Geige spielen am wenigsten braucht. Glück im Unglück. Heute ist, wenn ich richtig gerechnet habe, Tag 3730. so schnell sind fast zwei Wochen rum.

Tag 3719 – 3722 – USA Teil 1.

Dienstag morgen ging es sehr früh los zum Bahnhof und dann zum Flughafen. Wie immer habe ich vergessen, dass der Zug um 07:01 von Gleis drei fährt, aber weil wir echt früh dran sind, kriege ich ihn trotzdem. Morgens habe ich noch ein Fleece, meinen Regenmantel, Mütze, Schal und Handschuhe eingepackt. Kann an der Ostküste ja kalt und nass werden.

Am Flughafen geht alles total smooth. Wir haben da jetzt so „Brotkästen“, wo man den Koffer abgeben kann. Ich konnte sogar online einchecken. Niemand will mein ESTA sehen. Oder sonst irgendwas.

Am Flughafen kaufe ich mir noch ein Buch, hänge ein bisschen in der Lounge ab, trinke Kaffee und schlendere dann zum Flugzeug. Ich habe wirklich reichlich Zeit. In Kopenhagen habe ich dann noch mehr Zeit. Dann ruft aber erst der IT-Däne mich an (das ist so eine lange Geschichte, die ich noch erzählen muss) und dann mein Kollege. Schwupps, ist es Zeit, in das große Flugzeug zu steigen.

Dort funktioniert das Internet eher so meh, ich arbeite trotzdem, weil ich mich ja irgendwie auf die Inspektion auch vorbereiten muss. Außerdem mache ich den Fehler, ein winziges Glas Champagner zu trinken. Quasi sofort bekomme ich Migräne. Ich habe nur leider nur noch wenig Migränetabletten. Ich versuche es wegzuschlafen, was nicht funktioniert (tut es nie, wann lerne ich das?).

Ebenfalls noch im Flugzeug, weil ich feststelle, dass meine Hände kalt sind, rupfe ich mit sanfter Gewalt und viel Seife den Ehering von meinem vom Bowling beschädigten Finger. Es tut weh und wird das auch weiter tun. Stand heute habe ich den Ring nicht wieder getragen und stattdessen das Gelenk getaped.

In Newark angekommen geht alles total schnell. Die einzige Frage, die mir am Immigrations-Schalter gestellt wird, ist, ob ich Obst dabei habe. Naja, die haben ja auch seit Wochen kein Geld bekommen. Aber mein lupenreines Reisehandy wird nicht eines Blickes gewürdigt. Auch nicht mein ESTA, meine Rückflugbestätigung oder meine Hotelbuchung. Nichts.

Am Gepäckband kommt mein Koffer quasi sofort. Innerhalb von dreißig Minuten nach Aufsetzen des Flugzeugs bin ich aus dem Flughafen raus und fange sofort an zu schwitzen, es sind 21 Grad. Ich frage mich, warum alle Jacken tragen und angele meine Sonnenbrille aus dem Rucksack. Mein Uber kommt auch quasi direkt. Es läuft wirklich alles nahezu gruselig glatt. Jesus fährt mich ins Hotel, auch das ist ereignislos. Ich checke ein und bin kurz empört: ich habe nicht das gleiche Zimmer wie bei den letzten beiden Malen! Ist aber nicht so schlimm, das Zimmer ist eigentlich schöner, nicht so dunkel und es hat auch keinen Teppich, und die Klimaanlage ist neuer und nicht ganz so laut. Es ist inzwischen viertel nach vier.

Sehr amerikanisch.

Ich packe aus und versuche weiterhin alles, meine Kopfschmerzen loszuwerden. Eine Migränetablette ist schon drin, jetzt habe ich noch von jeder Sorte eine, das finde ich für eine voraussichtlich ereignisreiche Woche ein bisschen wenig. Auf dem Weg, etwas zum Essen zu finden, gehe ich deshalb erstmal den Supermarkt inspizieren.

Es ist Halloween!
Ein Teil der Pharmacy-Abteilung.

Es gibt keine rezeptfreien Triptane, also kaufe ich irgendwas mit „Migräne“ im Titel, in dem alles mögliche mit Koffein kombiniert ist (bevor Sie jetzt Angst um meine Leber bekommen: in Deutschland gibt es das selbe Zeug, nur in doppelter Dosierung, rezeptfrei in der Apotheke). Und eine Dose Melatonin. Und eine Bodylotion, weil im Hotel nur ein winziges Fläschchen ist. Die Bodylotion (Walgreens Eigenmarke) entpuppt sich als Glücksgriff, die ist wirklich gut. Gut, dass die, typisch USA, ein riesiger Pott ist, da hab ich noch ne Weile was von.

Inzwischen ist es sechs und ich habe echt Hunger. Ich finde einen Laden namens Let‘s Noodle mit guten Bewertungen. Dort angekommen bin ich leicht irritiert, weil alle Bedienungen und generell alle sichtbaren Angestellten aussehen, als seien sie maximal 14 Jahre alt. Also ungelogen und nicht übertrieben. Ich überlege immer noch, ob das so eine Art Schulprojekt gewesen sein könnte. Aber die Nudeln sind gut.

Auf dem Rückweg gehe ich noch mal in den Supermarkt und kaufe Müsliriegel und Wasser. Wieder im Hotel angekommen schreiben die deutschen Inspektoren, dass sie in einer Stunde ca. da sind. Trotz Koffein-Kombipräparat merkt mein Körper aber, dass es eigentlich zwei Uhr nachts ist. Nach einer kleinen Bügelrunde (selbst die am besten eingepackten Blusen haben nach dem Auspacken Kofferfalten) falle ich ins Bett und schlafe…

… bis viertel vor vier. Juhu. Ab fünf kann man in den Fitnessraum, ab halb sieben gibt es Frühstück. Jetzt kommen die Müsliriegel und das Wasser zum Einsatz. So mache ich mir in der Mikrowelle Wasser heiß und habe, dank mitgebrachten Instant-Capuccinotütchen, immerhin Kaffee. Und viel Zeit, ein Sportprogramm auszusuchen. Die Wahl fällt auf Heavy Lifting. Spoiler: ich werde das bereuen.

Außerdem probiere ich aus, ob man in den USA mit nem norwegischen Pass und dreieinhalb Klicks sich Triptane verschreiben lassen und ans Hotel liefern lassen kann. Antwort: ja. Es ist wild.

Um zehn vor sechs ist das Sportprogramm durch, ich gehe duschen und ziehe mich an. Schminke mich und bin um kurz vor sieben beim Frühstück. Da treffe ich auch die deutschen Inspektoren. Den einen kannte ich ja schon, den anderen nur vom Bildschirm. Beide sind nett. Der „neue“ ist eher still. Gar nicht wie der andere.

Wir fahren zur Site und davon darf ich ja nichts erzählen. Es ist alles sehr viel besser als beim letzten Mal. Sie haben offenbar auch ein bisschen Angst vor uns (naja, letztes Mal lief auch echt nicht so gut für die). Das schadet ja nicht. Zeitmanagement klappt dieses Mal besser und wir sind eigentlich an allen Tagen zwischen fünf und halb sechs wieder draußen. Dann gehen wir essen und dann falle ich auch direkt wieder ins Koma. Am nächsten Morgen dann das gleiche Spiel, ich bin total früh wach, mache Sport, trinke Tütencappucino und esse Müsliriegel. So vergehen die Tage bis Freitag Nachmittag.

Am Donnerstag bekomme ich zum Abendessen eine Pizza, die so enorm ist, dass ich nach einem Drittel bereits kapituliere. Totale Verschwendung, ich kann die ja nicht mal mitnehmen.

Freitag Abend fahren die deutschen Inspektoren schon mal nach New York, das war mir aber zu teuer. Ich gehe stattdessen mit mir allein sehr lecker indisch essen – nur um festzustellen, dass deren Applepay-Terminal nicht geht und ich natürlich keine physische Karte dabei habe UND keine meiner Kreditkartennummern aus dem Kopf weiß. Handy hilft auch nicht. Was hilft: der sehr nette Restaurantbesitzer, der mich einfach ziehen lässt, unter dem Versprechen, ihn vom Hotel aus anzurufen und meine Kreditkartennummer durchzugeben. Telefonisch. Auch das: Wild. Ich habe seither bestimmt 26 mal geguckt, ob auch wirklich keine komischen Abbuchungen auf meiner Karte sind. Aber nein. Hat alles geklappt.

Hier mache ich erst mal Schluss, aufgrund der Uhrzeit und der Wirkung der amerikanischenMelatonintablette.