Tag 3612 und 3613 – Inspektionstunnel.

Eigentlich geht es sogar, aber erzählen darf ich ja eh nichts. Andeuten kann ich ja, dass die Firma nen riesigen Stein bei mir im Brett hat, weil sie nach ner dummen – sehr teuren – Entscheidung, komplett zurückgerudert ist, statt noch mehr Geld in einem hoffnungslosen Projekt zu versenken. Das machen die wenigsten, inklusive meines eigenen Arbeitgebers. Das Reiten toter Pferde ist sehr weit verbreitet. Die Firma hier hat tatsächlich sogar recht schnell eingesehen, dass das schicke neue Pferd mindestens im Koma liegt und dann doch ein langsames, altes Pferd besser ist als gar keins. Inzwischen ist das neue shiny Pferd tatsächlich komplett beerdigt. Ich kann das nicht genug loben, echt mal.

Was sonst geschah: Ich bin gestern morgen auf dem Weg zum Auto die Treppe runtergefallen und habe mir meinen kleinen Finger fies an der Wand aufgeschrappt. Da ist seither ein Blasenpflaster drauf (feuchte Okklusion ftw, aber eigentlich hatte ich auch in meinem Rucksack nichts anderes). Heute musste ich neue besorgen, hier ist zum Glück ein kleiner Supermarkt. Ansonsten ist hier literally gar nichts, selbst zum Essen muss man 30 Minuten fahren. „Es gibt die Tankstelle, die haben auch Burger… ja, ok und das Hotel halt.“ Das Hotelrestaurant ist nur leider sehr teuer, wir können uns schlicht nicht leisten, hier täglich zu essen.

Aaaaber das Hotel hat einen (leicht schäbigen) Fitnessraum. Gestern habe ich Krafttraining gemacht, heute Yoga. Letzteres, weil ich jetzt zwei Tage je 9 Stunden lang auf so Wartezimmerstühlen aus den 90ern gesessen habe und mein unterer Rücken sich darüber sehr eindrücklich beschwert. Man wird ja nicht jünger, ne?

Man kann hier auch sicher schön laufen gehen, das probiere ich morgen mal. Heute war ich mit dem Lieblingskollegen „nur“ spazieren.

Am allerliebsten würde ich aber grad zu Hause, denn Herr Rabe tut mir sehr leid, der muss das Haus ganz allein zur Visning morgen fertig kriegen. Wäre ich an seiner Stelle, hätte ich mir schon mindestens die Krätze an den Hals gewünscht, dafür, dass ich einfach so abdampfe und ihn damit allein lasse.

Tag 3607 – Uffz.

Ich war im Büro. Ich musste, denn ich hatte so ein Beratungsgespräch, das machen wir ja manchmal, wir beraten Leute. Das finde ich seltsam, ich spiele doch nur Erwachsen. Aber egal, ich überlebte das und auch den Rest des Tages, aber ich habe mich auch über vieles da sehr geärgert heute. Manchmal möchte ich die meisten da einfach zum Mond schießen. Oder schütteln. Oder erst schütteln, dann zum Mond schießen. Dann können sie da von mir aus weiter ihre respektiven Jobs nicht machen, das ist mir dann egal.

Nach der Arbeit habe ich Unkraut gejätet, es ist viel Unkraut zu jäten, ich bin etwa halb fertig geworden, dann gab es essen. Nach dem Essen mussten wir das Auto (Zwoe) zum Service fahren, der wird dann morgen gemacht. Danach haben wir das Aquarium von Pippi sauber gemacht weil die Blumen dringend gegossen werden mussten weil das echt nötig war. Die Kinder haben wir auch sauber gemacht, auch das war echt nötig. Am Wochenende werden wir wohl wieder sehr viel putzen und die Putzhilfe muss sich neue Kunden suchen.

Laune ist immer noch ungenießbar. Sorry alle, die heute von mir mails bekommen haben.

Tag 3599 – Noch mal Piep.

Inspektion geht eigentlich, aber ich war den ganzen Tag zum Umfallen müde. Es war richtig Arbeit, mich wachzuhalten. Deshalb mache ich lieber jetzt auch das Licht aus.

Nach dem Abendessen habe ich noch einen Spaziergang gemacht, durch diesen Ort, der, laut Einheimischen, nicht wirklich eine touristische Perle ist. Ich lief einfach drauf los und fand Fjord, Hügel, einen Waldweg und am Ende des Waldwegs etwas total spannendes.

Nämlich:

So, äh, schön hier.

Tag 3587 und 3588 – Mehr Hurra!

Heute habe ich Muskelkater, denn gestern war:

Endlich wieder Ballett.

Es sind ja jetzt Sommerkurse. Ich war bei „Ballet 3, 4 und Erwachsene, wahlfrei Spitze“ sowohl die einzige Erwachsene als auch die einzige ohne Spitzenschuhe. Aber im Gegensatz zu vor einem Jahr noch konnte ich gut mithalten und kam mir nicht die ganze Zeit vor wie ein schwerfälliger Sack Kartoffeln mit rotem Röckchen. Der Muskelkater ist auch beschränkt auf die Waden.

Ansonsten wurde ich gestern in eine Sache reingezogen, an deren Ende ich dann eine Antwort ans Ministerium entwerfen sollte. Warum ich? Naja weil ich die meiste Ahnung von exakt dieser kleinen Nischensache habe. Ganz am Ende des Arbeitstages habe ich diese Antwort runtergeschrieben, an meine Chefin geschickt und heute ging das unverändert ans Ministerium raus (von meiner Chefin), das sich postwendend für die gute Antwort bedankt hat. Bin jetzt wieder nen cm größer.

Heute habe ich nur kurz gearbeitet, dafür in rasendem Tempo. Dienstag früh muss ich nen Vortrag halten und heute habe ich angefangen, den zusammenzuschrauben. Vorher war einfach keine Zeit, unter anderem wegen so Sachen wie der gestern. Ich bin zu 75% fertig geworden, in 2 Stunden.

Dann musste ich Feierabend machen, weil dann eine Freundin kam, die heute Nacht hier übernachtet. Das ist aufregend, weil wir uns bisher hauptsächlich online kennen und uns nur ein Mal in echt getroffen haben. Aber es war wirklich schön, sie zu sehen und wir haben den halben Tag verquatscht, inklusive Spaziergang im Regen zum Supermarkt und zurück. Ich mag so unkomplizierte Menschen.

Insgesamt alles sehr schön in den letzten Tagen.

Tag 3585 und 3586 – Kurs und zurück.

Also in der Schweiz, in meinem 23 Grad warmen Hotelzimmer, habe ich so lala geschlafen. Es war halt warm und als ich morgens aufwachte, war ich dementsprechend nassgeschwitzt. Aber so schlimm war es nicht, ich war einigermaßen ausgeruht und der Kurs war dann auch wirklich gut. Abends mit Essen, wo das Essen selbst so ganz ok war, aber die Gesellschaft umso netter. Nach dem Essen habe ich noch mit dem Lieblingskollegen und ca. 1/4 der kompletten Gesundheitsbehörde Liechtensteins in der Hotelbar gesessen und es war wirklich nett (und nach ein paar Gläsern Wein zum Essen kann man ja den Gutschein, den ich als Entschädigung fürs warme Zimmer bekommen hatte, auch noch nutzen, ist dann auch egal dann ist die Hemmschwelle eh weg). Vielleicht nicht schlau, aber nett. Und Netzwerken ist ja auch so wichtig, ne? Hust.

Andere Inspekteure sind aber auch eher so aus der Fabrik, wo wir komischen Kinder herkommen, insofern kann ich mit denen tatsächlich verhältnismäßig gut socializen.

Heute Morgen ging sogar auch. Im Laufe des Tages bekam ich etwas Kopfschmerzen und wurde auch echt müde, aber heute waren auch den ganzen Tag Workshops, wo man eben diskutieren MUSS und echt knifflige Case Studies bekommt und dann denken MUSS, das ist anstrengend. Außerdem war ich in einer anderen Gruppe als der Lieblingskollege, musste also ganz alleine socializen, huiuiui. Aber auch das ging.

Am Nachmittag vertrödelten der Lieblingskollege und ich ein bisschen Zeit damit, Käse und Schokolade zu kaufen. Ich hatte das vorher recherchiert und man darf 10 kg Käse für den privaten Konsum nach Norwegen importieren. Kinder übrigens erst ab 12. Kinder bis 12 dürfen nur Zuckerkram importieren. Ich habe die 10 kg Quote nicht ausgereizt, aber ein großes Stück Gruyere gekauft, der hier eine halbe Niere kostet und dort nur eine viertel Leber.

Dann vertrödelten wir noch mehr Zeit in der Lounge am Flughafen, wo mich der Lieblingskollege (der hat Gold for Life, wo ich nie hin kommen werde, weil wir keine Statuspunkte mehr gutgeschrieben bekommen) mit hingenommen hatte. Weil wir es nicht lassen können, ständig zu arbeiten, planten wir da die Inspektionen im zweiten Halbjahr. Aber mit Spaß und einem Stück Kuchen dabei.

Das Flugzeug nach Hause hatte dann etwas Verspätung, was wirklich ungünstig war. Ich habe jetzt aber mal getestet, wie schnell ich im Zweifel vom Flugzeug (mit nur Handgepäck) bis zum Zug laufen kann. 5 Minuten, ist die Antwort. Das ist von den E-Gates durch den Zoll durch den halben Flughafen. Beliebt macht man sich da nicht, weil man einige Leute, die um viertel nach zwölf nachts die Ruhe weg haben, unachtsam überholen und sich vorbei quetschen muss, aber dafür habe ich den Zug bekommen und musste nicht 40 Minuten auf den nächsten warten. Sonst würde ich auch nicht jetzt in meinem eigenen Bett liegen.

Das war ein wilder Trip, aber gerne wieder. Diese Swissmedic-Kurse sind wirklich immer gut.

Tag 3579 und 3580 – Wie soll man denn so schlafen?

Gestern war Inspektion, Inspektion und Inspektion. Nichts spannendes.

Heute war auch Inspektion und am Ende saß ich da sehr auf heißen Kohlen, weil ich nach Hause wollte. Der Lieblingskollege hatte aber jede Menge Zeit und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich hatte ihm gesagt, dass wir zu einer „Visning“ wollten, aber das hatte er wohl vergessen. Eine visning ist eine Hausbesichtigung. Man macht das ja hier völlig anders als in Deutschland und guckt das Haus nur ein Mal für maximal eine Stunde an. Am nächsten Tag kann man dann darauf bieten. Heute musste Herr Rabe dann eben schon mal vor fahren und ich kam dann kurz vor knapp noch dazu. Der Lieblingskollege hatte mich dort hin gefahren (das ist nicht weit von hier, keine fünf Minuten mit dem Auto) und den letzten Weg den Berg hoch habe ich dann zu Fuß zurückgelegt. Der Berg ist auch das einzige, was mich etwas abschreckt. Weil das da ECHT steil ist. So, dass ich Angst habe, dass zwei von zwei Autos da im Winter nicht hoch kommen. Dagegen ist der Weg, auf dem ich mich im Januar fest gefahren habe, ein kleiner Hügel. Aber wenn man auf einem Berg ist, hat man Aussicht.

Ich sage es mal so: ich habe das jetzt alles sehr genau ausgerechnet, was wir uns leisten können. Sehr, sehr genau. Auch mit der Bank abgeklärt. (Im Dezember hier auf diesem Kanal dann die große Überraschung, dass man im Winter den Weg nicht hoch kommt, bleiben Sie dran!)

Tag 3572 und 3573 – Piep aus dem Inspektionstunnel.

Bin ziemlich müde, was wohl normal ist nach einem langen Tag mit einigen Kilometern Wegstrecke durch eine Produktionsanlage. Ächz.

Aber gestern Burlesque war gut und ich hab jetzt ein „Underbust“-Korsett, dass ich vielleicht öfter tragen sollte.

Erstaunlicherweise kann man damit auch ganz gut tanzen. Und ich habe Lob bekommen für meine Bumps. Hatte ich bisher nie gedacht, dass ich ausgerechnet Bumps kann, hatte mich eher so bei Grinds verortet, aber ich nehme was ich kriegen kann an Lob, ne?

(Bumps sind „Stöße“ mit der Hüfte oder dem Brustkorb. Grinds sind kreisende Bewegungen.)

Tag 3565 – Alles gemacht (fast).

So ein Mittwoch vorm Feiertag kann ja schnell mal ausarten, weil da ja ein Brückentag kommt und dann macht man ja langes Wochenende und deshalb muss Mittwoch alles fertig werden.

Außer man mogelt und arbeitet Freitag doch, hat sich aber im Kalender als abwesend eingetragen. Denn dann gibt es ein Fünkchen Hoffnung, dass man am Freitag in Frieden vor sich hin arbeiten kann und Dinge wegarbeiten kann. Dann muss man auch Mittwoch nicht bis ewig arbeiten. Dann kann man auch zum auf Mittwoch verschobenen Zirkeltraining gehen. Da man vorher schon eingesehen hat, dass das dann eng wird mit Geige üben im Übungshotel, hat man das Übungshotel gecancelt. Und dann wird das Zirkeltraining noch ne Stunde nach vorne gezogen, damit man danach auf der Dachterrasse zusammen sitzen und wahlfreie Getränke genießen kann. Plötzlich hat man viel Freizeit und trinkt ein Bier auf der Dachterrasse, direkt nach dem Training und nachdem das Mittagessen eher sparsam ausfiel. Dann hat man danach echt gute Laune.

Aber man hat ja Ideen, wie man die unerwartete Freizeit zwischen Dachterrasse und Burlesque-Kurs füllen kann, und geht zum Stoffladen (dem Einwanderer-Stoffladen). Da kauft man Paillettenstoff, weil halt. Von da geht man zum Piercingstudio und lässt sich den Rook-Stecker wieder ins Ohr basteln (man schleppt schon seit Tagen sowohl Ring als auch Garantiezettel mit sich rum). Von da weiter zum Friseur, weil es schon wieder nötig ist. Von da zum Burlesque, auf dem Weg noch einen Happen zu Essen holen und unterwegs essen. Immer noch sehr beschwingt. Dann eben Burlesque und dann nach Hause. So kriegt man einen Tag durchaus voll.

Das einzige, was ich nicht gemacht habe, ist Geige gespielt.