Sehr im Inspektionstunnel. Sehr müde auch, nach sehr langen Tagen mit sehr vielen Menschen die ganze Zeit. Anstrengend. Ächz. Zwei Tage noch.
Arbeit
Tag 3507 – Fertig.
Jesus, was ein langer Tag. Inspizier, inspizier, kein, nada, null, Tageslicht gesehen. Bis auf für Klo nicht mal den Meetingraum verlassen. Ächz.
Morgen den ganzen Tag plant tour, anders anstrengend.
Ich bin schon sehr zufrieden mit mir, dass ich abends im Hotelzimmer noch ein kleines Workout eingeschoben habe. Wider dem körperlichem Verfall. Leider habe ich auch gar nicht mal so gut geschlafen, ich hatte irgendwie Angst, zu verschlafen und war deshalb dauernd wach. Blöd.
Tag 3506 – 200 km nach Süden.
Bin gut im Hotel angekommen und freue mich auf Schlafen. Das Bett ist bequem und die Decke warm, das Reisekissen ist bezogen, die Schlafmaske bereit, die Ohrenstöpsel sitzen. Alle möglichen Wecker sind gestellt.
Eine Woche hier. Könnte sehr viel Arbeit und ansonsten sehr langweilig werden. Die Langeweile setzt schon ein. Aber ich habe ein Buch dabei, das ich jetzt lesen werde, bis die Matratze und die warme Decke ihren endgültigen Effekt haben.
Tag 3504 und 3505 – „Allein“.
Herr Rabe ist mit seiner Arbeit eine sehr norwegische Aktivität ausüben, nämlich auf einer Hütte sein. Morgen kommt er zurück, wir klatschen kurz ab und dann fahre ich auf eine Inspektion. Zwar in Norwegen, aber ich bin trotzdem die ganze Woche weg.
Weil Herr Rabe nicht da ist, bin ich hier alleine zuständig und weil ich in der Situation wirklich Angst hatte, von der für heute geplanten zweiten Gürtelroseimpfung wieder so ausgeknockt zu werden, wie nach der ersten Dosis, habe ich den Termin um zwei Wochen verschoben. Vorher habe ich den Beipackzettel und die Produktinformation durchgelesen, ob das auch wirklich kein Problem ist und nein, ist es wirklich gar nicht.
Pippi übernachtet heute bei einer Freundin, ich bin also mit Michel alleine. Michel sieht man am Wochenende eher selten, der spielt die meiste Zeit Minecraft, Roblox oder Fortnite. Zum Essen kommt er mal raus, oder um zum dritten mal zu fragen, wann Herr Rabe wieder kommt oder bei welcher Freundin denn Pippi genau schläft. Oder was „wir“ morgen machen, das ist seine Lieblingsfrage. Ich verstehe das Bedürfnis dahinter, nämlich möglichst genau Bescheid zu wissen, was passieren wird, sehr gut, aber manchmal amüsiert es mich doch, denn Michel ist am Wochenende wirklich nur mit Gewalt zu was anderem als Computer spielen zu bewegen. Was wir anderen machen, könnte ihm ja so gesehen ziemlich egal sein. Aber nein, er muss das alles ganz dringend wissen.
Was ich morgen mache: Aufstehen, Frühstück, Sport, Packen, Geige, Baden, Aufräumen (vielleicht nicht in dieser Reihenfolge), eventuell die üblichen Wochenenddinge wie Wasser am Aquarium tauschen und Blumen gießen, Essen machen, Essen und dann die Kollegin am Flughafen einsammeln und zum Ort fahren, wo wir dann eine Woche lang sind. Da ist auch ungefähr nichts außer dem Hersteller.
Jetzt mache ich mal das Licht aus, damit das morgen nicht doch noch in Stress ausartet.
Tag 3493 – [Mir fällt kein Titel ein.]
Michel geht es viel besser und Pippi scheint auch fit wie ein Turnschuh zu sein. Gut.
Bei der Arbeit langweilige, doofe Sachen gemacht. Die sind jetzt aber erledigt. Morgen Homeoffice für minimal weniger langweilige, doofe Sachen.
Abends 70 Minuten Sport, es sind ja Ferien, da ist kein Ballett. Aber dieses Workout hatte es in sich, morgen kann ich wahrscheinlich nichts bewegen. Es ist aber, das weiß ich bei der zweiten Runde, das längste Workout des vier Wochen Programmes.
Wenn die Kinder nicht tausendundeine Nachmittagsveranstaltung haben und Herr Rabe und ich früh Feierabend machen, haben wir noch echt viel vom Nachmittag. Das ist auch mal echt schön.
Tag 3490 – Hurra!
Endlich, ENDLICH ist das Ergebnis des Streiks (erinnern Sie sich? Der war im Mai letzten Jahres) da. Es bleiben zwei Verträge, ein gesonderter Vertrag für die Akademiker im Staat. Das wussten wir inzwischen auch schon seit… November oder so, das wurde ja von einer Schiedsstelle entschieden. Gestern (!!!) waren die Gehaltsverhandlungen. Und heute bekamen wir das Ergebnis mitgeteilt. Und ich habe, tatsächlich wider Erwarten, einen neuen Titel bekommen und bin jetzt „Inspektor II“. Wider Erwarten, weil ich dachte, ich sei dafür noch nicht qualifiziert, weil man da 12 Jahre Arbeitserfahrung braucht. Ich betrachte die Zeit, die ich mit Promovieren verbracht habe, nie als Arbeitserfahrung. Nicht falsch verstehen, ich sage nicht, die sei nichts wert oder so, nur als „Erfahrung mit dem richtigen Leben“ verbuche ich das irgendwie nicht. Und ohne die Zeit komme ich auf 10 Jahre echte Arbeit. Meine Union sieht das anders und jetzt wurde ich sozusagen zum Senior befördert. Und das hat tatsächlich, EIN EINZIGES MAL, mit sich gebracht, dass ich mehr Geld rausbekommen habe, als ich gefordert hatte. Nur marginal viel, 0,2% um genau zu sein, aber hey, ich beschwere mich nicht. (Das bedeutet immer noch einen leichten Reallohnrückgang. Aber nicht so schlimm, wie es hätte sein können und für viele auch gekommen ist.)
Ganz nett ist, dass ich das jetzt im März, vielleicht sogar direkt an meinem Geburtstag, für 9 Monate nachgezahlt bekomme, pluss anteilig auch die Überstunden, die ich seitdem geleistet habe. Das wird ein nettes kleines Geburtstagsgeschenk.
Tag 3481 und 3482 – Abgehakt.
Einmal Inspektion und zurück. 180 km oder so von zu Hause, auf dem Weg den Lieblingskollegen eingesammelt, ein bisschen inspizieren für zwei Tage und zurück. Völlig ok tatsächlich und eine Inspektion abgehakt. Manchmal ist es echt schön, so Routinedinger zu fahren, die man auch im Halbschlaf machen könnte, die auch echt ordentlich sind, die aber halt ihr Zertifikat brauchen. Es muss echt nicht immer alles dramatisch sein.
Einziges Drama: gestern Abend kreisten mehrere Hubschrauber unbeleuchtet gefühlt (und laut Lokalzeitung wohl auch tatsächlich) direkt über dem Hotel herum. Es war, wie ebenfalls die Lokalzeitung wusste, wohl eine Militärübung. Wunderschön, da schläft es sich gleich doppelt so gut. Nicht. Ein Hoch auf die Ohrenstöpsel, trotzdem dauerte es ewig, bis ich einschlafen konnte.
Daran möglicherweise mit Schuld ein inneres Drama, das ich hier aber nicht auswalzen kann, wenn dann mit Passwort, hinterher liest der Feind mit und dann muss ich auswandern. Schon wieder. Das ist mir zu anstrengend.
Tag 3479 und 3480 – Büro und seine Nachwirkungen.
Gestern war eigentlich ein okayer Tag, nur etwas voll. Ich hatte 30 Minuten Mittagspause und ansonsten den ganzen Tag über Meetings „butt-to-butt“. Trotzdem dachte ich auf dem Weg zum Zug noch, dass es eigentlich ein recht produktiver Tag war.
Ich hetzte nach Hause, um Michel zum Kornettunterricht zu fahren. In der Tagesplanung war nicht vorgesehen, dass der Zug zehn Minuten extra im Tunnel rumsteht. Wieder zu Hause machte ich Essen. Dann fuhr ich zum Ballett (bevor ich selbst was gegessen hatte).
Beim Ballett sagte die Lehrerin, ich sei so schön anzusehen, und ich sagte danke. Immerhin. Jetzt würde ich das auch gerne so sehen, ich sehe irgendwie immer nur Beine, die nicht hoch genug gehen, Füße, die den wahrscheinlich flachesten Spann der Welt haben, ein Relevé, das höher sein könnte, Passés, die höher sein könnten, generell könnte alles stabiler sein, das nicht auf einem flachen Fuß stattfindet und Drehungen sind ja nun mal leider tagesformabhängig, gestern war kein Dreh-Tag. Ich arbeite an einer weniger kritischen Einstellung gegenüber mir selbst und sage deshalb jetzt was ich kann: 1) Arme, Kopf, Hals, Schultern 2) Musikalität 3) alles was Kraft braucht, also Pliés, Fondues, Springen, etc. und aus irgendeinem Grund 4) Flexibilität und Kraft im unteren Rücken, sprich, ich kann meine Beine nach hinten gut heben. Und bei all dem Gemecker oben: das ist Jammern auf hohem Niveau, gestern habe ich die Beine im Adagio eigentlich immer knapp über Hüfthöhe bekommen. Mit fast 40 und der Anatomie einer Preisboxerin.
Anyway. Ich hatte schon seit Nachmittags latente Kopfschmerzen, dachte aber, das ließe sich bestimmt wegschlafen. Ich lerne das in diesem Leben auch nicht mehr: das klappt NIE. Einfach nie. Das klappte auch von gestern auf heute nicht, eher im Gegenteil. Ich wachte mit Migräne auf. Ich nahm dann eine Tablette (gestern Abend hätte es wahrscheinlich eine Ibuprofen getan) und manchmal macht mein Körper dann echt lustige Sachen mit seinem Kreislauf, so auch heute. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und war nur froh, als ich die Kinder in der Schule hatte und mich wieder hinlegen konnte. Jetzt nicht mehr mit Kopfschmerzen, dafür aber mit gefühlt keinem Blutdruck, leichter Übelkeit und Klingeln in den Ohren. Brav, weil wir das jetzt müssen, schrieb ich meiner Chefin eine SMS, dass ich krank sei und dann schlief ich noch mal drei Stunden. Es ist selten (zum Glück) dass ich so starke Nebenwirkungen von den Migränemedikamenten kriege, aber wenn es auftritt, geht echt gar nichts mehr.
Mich lässt der Gedanke nicht los, dass ich einen Tag im Büro mit einem halben Tag im Bett bezahlt habe und das gefällt mir nicht.
Tag 3474 und 3475 – Drunter und drüber.
Mein Jetlag ist immer noch da, erkennbar an der Uhrzeit. Naja. Wird schon wieder. Morgens möchte ich allerdings definitiv nicht aufstehen und hasse den Wecker inbrünstig für das Klingeln.
Was gäbe es da schöneres, als drei Tage in einem Webinar über Risikomanagement rumzuhängen? Spoiler: sehr vieles. Aber immerhin im Homeoffice. Im Nachhinein bin ich auch gar nicht mehr so traurig, dass ich Montag wegen der Flugverspätung nicht im Büro beim 60. Geburtstag einer Kollegin war, denn mein Lieblingskollege hat da wohl versehentlich ein bisschen gesuperspreadert. Er selbst wurde in der Nacht auf Dienstag krank und seit heute ist das halbe Inspektorat krank. Ausgerechnet der Lieblingskollege, der ist nämlich ein bisschen germophob (Berufsschaden). Aber er wusste ja nicht, dass er sich was eingefangen hatte. Es ist irgendeine Halsschmerzen-Husten-hohes-Fieber-Krankheit, die kein Covid ist. Dem Lieblingskollegen ging es aber heute schon viel besser, ich gehe davon aus, dass der Rest der Inspekteur*innen das auch überleben wird. Leid tun sie mir trotzdem. Ich bin gespannt, ob ich morgen dann alleine im wöchentlichen Kaffee-Meeting sitze, weil alle darnieder liegen.
Ansonsten geht es politisch allerorten rund. Die Orange drüben schmeißt den halben Staatsapparat raus, wir (im Inspektorat) sehen den Vertrag zwischen der EU und den USA zur gegenseitigen Anerkennung von Inspektionen schon am seidenen Faden hängen. Das wäre blöd, der Vertrag macht nämlich, dass wir für die allermeisten Medikamente eben NICHT in die USA reisen müssen, um uns selbst zu überzeugen, dass die gut hergestellt werden, sondern dass wir uns da auf das Urteil der FDA verlassen. Und umgekehrt. Niemand will für die Inspektion irgendeines Paracetamolherstellers extra in die USA reisen. Anyway. Die Orange ist also wie immer komplett Gaga. Der Merz Fritzl aber ja wohl auch, der hat ja wohl den A… auf und den Schuss nicht gehört und überhaupt. Und auch hier ist politisches Chaos, nachdem sich die zwei Koalitionsparteien über Energiepolitik in die Haare bekommen haben. Jetzt geht man getrennte Wege, es müssen ein knappes Duzend Minister*innenposten neu besetzt werden und am Ende haben wir bis zum Herbst voraussichtlich eine Ein-Parteien-Minderheitsregierung, die nichts alleine entscheiden kann. Dann sind eh Wahlen.
Überall also Chaos. Würde dazu gerne mal die Risikoanalysen sehen. Ach, gibt’s nicht??? Hmm!
Tag 3472 – Ausatmen.
Ich bin zu Hause. Es hat dann, dank eines kleinen Sprints durch den Flughafen von Reykjavik, doch geklappt mit dem Anschluss. Aber was für ein Gerödel. Im Flugzeug schlafen konnte ich auch kaum, es war einfach zu unbequem ohne einen Sitz, den man flach machen kann (ja, da bin ich verwöhnt).
Jetzt muss ich dringend ausnutzen, dass ich tatsächlich jetzt gerade müde bin. Gute Nacht!