Tag 3587 und 3588 – Mehr Hurra!

Heute habe ich Muskelkater, denn gestern war:

Endlich wieder Ballett.

Es sind ja jetzt Sommerkurse. Ich war bei „Ballet 3, 4 und Erwachsene, wahlfrei Spitze“ sowohl die einzige Erwachsene als auch die einzige ohne Spitzenschuhe. Aber im Gegensatz zu vor einem Jahr noch konnte ich gut mithalten und kam mir nicht die ganze Zeit vor wie ein schwerfälliger Sack Kartoffeln mit rotem Röckchen. Der Muskelkater ist auch beschränkt auf die Waden.

Ansonsten wurde ich gestern in eine Sache reingezogen, an deren Ende ich dann eine Antwort ans Ministerium entwerfen sollte. Warum ich? Naja weil ich die meiste Ahnung von exakt dieser kleinen Nischensache habe. Ganz am Ende des Arbeitstages habe ich diese Antwort runtergeschrieben, an meine Chefin geschickt und heute ging das unverändert ans Ministerium raus (von meiner Chefin), das sich postwendend für die gute Antwort bedankt hat. Bin jetzt wieder nen cm größer.

Heute habe ich nur kurz gearbeitet, dafür in rasendem Tempo. Dienstag früh muss ich nen Vortrag halten und heute habe ich angefangen, den zusammenzuschrauben. Vorher war einfach keine Zeit, unter anderem wegen so Sachen wie der gestern. Ich bin zu 75% fertig geworden, in 2 Stunden.

Dann musste ich Feierabend machen, weil dann eine Freundin kam, die heute Nacht hier übernachtet. Das ist aufregend, weil wir uns bisher hauptsächlich online kennen und uns nur ein Mal in echt getroffen haben. Aber es war wirklich schön, sie zu sehen und wir haben den halben Tag verquatscht, inklusive Spaziergang im Regen zum Supermarkt und zurück. Ich mag so unkomplizierte Menschen.

Insgesamt alles sehr schön in den letzten Tagen.

Tag 3585 und 3586 – Kurs und zurück.

Also in der Schweiz, in meinem 23 Grad warmen Hotelzimmer, habe ich so lala geschlafen. Es war halt warm und als ich morgens aufwachte, war ich dementsprechend nassgeschwitzt. Aber so schlimm war es nicht, ich war einigermaßen ausgeruht und der Kurs war dann auch wirklich gut. Abends mit Essen, wo das Essen selbst so ganz ok war, aber die Gesellschaft umso netter. Nach dem Essen habe ich noch mit dem Lieblingskollegen und ca. 1/4 der kompletten Gesundheitsbehörde Liechtensteins in der Hotelbar gesessen und es war wirklich nett (und nach ein paar Gläsern Wein zum Essen kann man ja den Gutschein, den ich als Entschädigung fürs warme Zimmer bekommen hatte, auch noch nutzen, ist dann auch egal dann ist die Hemmschwelle eh weg). Vielleicht nicht schlau, aber nett. Und Netzwerken ist ja auch so wichtig, ne? Hust.

Andere Inspekteure sind aber auch eher so aus der Fabrik, wo wir komischen Kinder herkommen, insofern kann ich mit denen tatsächlich verhältnismäßig gut socializen.

Heute Morgen ging sogar auch. Im Laufe des Tages bekam ich etwas Kopfschmerzen und wurde auch echt müde, aber heute waren auch den ganzen Tag Workshops, wo man eben diskutieren MUSS und echt knifflige Case Studies bekommt und dann denken MUSS, das ist anstrengend. Außerdem war ich in einer anderen Gruppe als der Lieblingskollege, musste also ganz alleine socializen, huiuiui. Aber auch das ging.

Am Nachmittag vertrödelten der Lieblingskollege und ich ein bisschen Zeit damit, Käse und Schokolade zu kaufen. Ich hatte das vorher recherchiert und man darf 10 kg Käse für den privaten Konsum nach Norwegen importieren. Kinder übrigens erst ab 12. Kinder bis 12 dürfen nur Zuckerkram importieren. Ich habe die 10 kg Quote nicht ausgereizt, aber ein großes Stück Gruyere gekauft, der hier eine halbe Niere kostet und dort nur eine viertel Leber.

Dann vertrödelten wir noch mehr Zeit in der Lounge am Flughafen, wo mich der Lieblingskollege (der hat Gold for Life, wo ich nie hin kommen werde, weil wir keine Statuspunkte mehr gutgeschrieben bekommen) mit hingenommen hatte. Weil wir es nicht lassen können, ständig zu arbeiten, planten wir da die Inspektionen im zweiten Halbjahr. Aber mit Spaß und einem Stück Kuchen dabei.

Das Flugzeug nach Hause hatte dann etwas Verspätung, was wirklich ungünstig war. Ich habe jetzt aber mal getestet, wie schnell ich im Zweifel vom Flugzeug (mit nur Handgepäck) bis zum Zug laufen kann. 5 Minuten, ist die Antwort. Das ist von den E-Gates durch den Zoll durch den halben Flughafen. Beliebt macht man sich da nicht, weil man einige Leute, die um viertel nach zwölf nachts die Ruhe weg haben, unachtsam überholen und sich vorbei quetschen muss, aber dafür habe ich den Zug bekommen und musste nicht 40 Minuten auf den nächsten warten. Sonst würde ich auch nicht jetzt in meinem eigenen Bett liegen.

Das war ein wilder Trip, aber gerne wieder. Diese Swissmedic-Kurse sind wirklich immer gut.

Tag 3579 und 3580 – Wie soll man denn so schlafen?

Gestern war Inspektion, Inspektion und Inspektion. Nichts spannendes.

Heute war auch Inspektion und am Ende saß ich da sehr auf heißen Kohlen, weil ich nach Hause wollte. Der Lieblingskollege hatte aber jede Menge Zeit und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich hatte ihm gesagt, dass wir zu einer „Visning“ wollten, aber das hatte er wohl vergessen. Eine visning ist eine Hausbesichtigung. Man macht das ja hier völlig anders als in Deutschland und guckt das Haus nur ein Mal für maximal eine Stunde an. Am nächsten Tag kann man dann darauf bieten. Heute musste Herr Rabe dann eben schon mal vor fahren und ich kam dann kurz vor knapp noch dazu. Der Lieblingskollege hatte mich dort hin gefahren (das ist nicht weit von hier, keine fünf Minuten mit dem Auto) und den letzten Weg den Berg hoch habe ich dann zu Fuß zurückgelegt. Der Berg ist auch das einzige, was mich etwas abschreckt. Weil das da ECHT steil ist. So, dass ich Angst habe, dass zwei von zwei Autos da im Winter nicht hoch kommen. Dagegen ist der Weg, auf dem ich mich im Januar fest gefahren habe, ein kleiner Hügel. Aber wenn man auf einem Berg ist, hat man Aussicht.

Ich sage es mal so: ich habe das jetzt alles sehr genau ausgerechnet, was wir uns leisten können. Sehr, sehr genau. Auch mit der Bank abgeklärt. (Im Dezember hier auf diesem Kanal dann die große Überraschung, dass man im Winter den Weg nicht hoch kommt, bleiben Sie dran!)

Tag 3572 und 3573 – Piep aus dem Inspektionstunnel.

Bin ziemlich müde, was wohl normal ist nach einem langen Tag mit einigen Kilometern Wegstrecke durch eine Produktionsanlage. Ächz.

Aber gestern Burlesque war gut und ich hab jetzt ein „Underbust“-Korsett, dass ich vielleicht öfter tragen sollte.

Erstaunlicherweise kann man damit auch ganz gut tanzen. Und ich habe Lob bekommen für meine Bumps. Hatte ich bisher nie gedacht, dass ich ausgerechnet Bumps kann, hatte mich eher so bei Grinds verortet, aber ich nehme was ich kriegen kann an Lob, ne?

(Bumps sind „Stöße“ mit der Hüfte oder dem Brustkorb. Grinds sind kreisende Bewegungen.)

Tag 3565 – Alles gemacht (fast).

So ein Mittwoch vorm Feiertag kann ja schnell mal ausarten, weil da ja ein Brückentag kommt und dann macht man ja langes Wochenende und deshalb muss Mittwoch alles fertig werden.

Außer man mogelt und arbeitet Freitag doch, hat sich aber im Kalender als abwesend eingetragen. Denn dann gibt es ein Fünkchen Hoffnung, dass man am Freitag in Frieden vor sich hin arbeiten kann und Dinge wegarbeiten kann. Dann muss man auch Mittwoch nicht bis ewig arbeiten. Dann kann man auch zum auf Mittwoch verschobenen Zirkeltraining gehen. Da man vorher schon eingesehen hat, dass das dann eng wird mit Geige üben im Übungshotel, hat man das Übungshotel gecancelt. Und dann wird das Zirkeltraining noch ne Stunde nach vorne gezogen, damit man danach auf der Dachterrasse zusammen sitzen und wahlfreie Getränke genießen kann. Plötzlich hat man viel Freizeit und trinkt ein Bier auf der Dachterrasse, direkt nach dem Training und nachdem das Mittagessen eher sparsam ausfiel. Dann hat man danach echt gute Laune.

Aber man hat ja Ideen, wie man die unerwartete Freizeit zwischen Dachterrasse und Burlesque-Kurs füllen kann, und geht zum Stoffladen (dem Einwanderer-Stoffladen). Da kauft man Paillettenstoff, weil halt. Von da geht man zum Piercingstudio und lässt sich den Rook-Stecker wieder ins Ohr basteln (man schleppt schon seit Tagen sowohl Ring als auch Garantiezettel mit sich rum). Von da weiter zum Friseur, weil es schon wieder nötig ist. Von da zum Burlesque, auf dem Weg noch einen Happen zu Essen holen und unterwegs essen. Immer noch sehr beschwingt. Dann eben Burlesque und dann nach Hause. So kriegt man einen Tag durchaus voll.

Das einzige, was ich nicht gemacht habe, ist Geige gespielt.

Tag 3563 und 3564 – Normaler Arbeitswahnsinn.

Nach der Inspektion ist sowohl nach der Inspektion und auch nach der vorherigen Inspektion, als auch vor der nächsten Inspektion. Ich schreibe also zwei Reports und bereite die nächste Inspektion vor. Zwischendurch teste ich im IT-Projekt rum, wo sie in den letzten knapp drei Jahren NICHTS gelernt haben und wir wieder alles auf den letzten Drücker auf den Tisch kriegen und dann heißt es sinngemäß „wenn ihr dazu nicht ja sagt, verzögert ihr das ganze Projekt ganz massiv und das kostet dann irre viel Geld“. Ich hab das ja schon mehrfach gesagt, aber dieses Projekt geht mir SO auf den Senkel. Gestern habe ich gleich zwei Kolleginnen wirklich fies angeranzt, weil mein Geduldsfaden von diesem Projekt schon auf dem Weg zur Arbeit komplett aufgebraucht worden war. Also so, dass sich Leute umgedreht haben, wer da so rumkeift. Ich HASSE dieses Projekt.

Ach ja: es ist wieder soweit, es wird gemunkelt, dass wir dieses Jahr auch wieder streiken. Ich habe also heute Urlaub beantragt für die Tage, wo ich frei haben muss, weil ich private Pläne habe. Genehmigter Urlaub kann auch im Fall eines Streiks wahrgenommen werden. Überstunden abfeiern nicht. Aber ich habe echt viele Urlaubstage übrig, insofern passt das schon. Ich überlege immer noch, ob ich der Gewerkschaft schreibe, dass ich aus gesundheitlichen Gründen bitte vom Streik ausgenommen werden will. Letztes Jahr war wirklich kein Spaß und ich nicht nur am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Heute hatten wir ein Gespräch mit der Schulleitung, um über die Situation mit der Klassenlehrerin von Michel zu sprechen und es war wirklich gut. Zum ersten Mal habe ich in einem ernsten Gespräch mit der Schule das Gefühl gehabt, dass uns erst mal geglaubt und zugehört wird und nicht in erster Linie die Schuld bei Michel gesucht und jeglicher Anteil, den die Erwachsenen an der Eskalation haben könnten, abgeblockt wird. Das geht jetzt so seinen Gang. Es sind aber auch nur noch 33 Schultage auf dieser Schule für Michel, es ist also, egal wie es läuft, ein Ende in Sicht. Ich wünsche mir für ihn nur, dass es ein gutes Ende wird und er nicht mit dem Gefühl, dass man von den Erwachsenen in der Schule keine Hilfe bekommt, wenn andere Erwachsene sich daneben benehmen, die Schule wechselt.

Pippi hat sich einen Milch-Eckzahn rausgerupft. Bis der endlich draußen war, war aber heute alles komplett falsch und ein riesiges Drama wegen jedem Pups. Ich finde das sehr anstrengend. Sie sicher auch. Aber ich hoffe echt, bis zum nächsten Wackelzahn ist es noch etwas hin.

Außerdem war heute irgendwas mit dem Wetter, am späten Nachmittag explodierte plötzlich mein Kopf und ich musste mich ins Bett legen, wo ich dann auch erst mal eingeschlafen bin. Bis dahin war alles gut, gestern bin ich sogar vor Energie überschäumend abends eine Runde joggen gewesen und es war zum ersten Mal nicht total ätzend sondern tatsächlich ok. (Meine Laufschuhe waren die Investition wert, ich merke, dass ich damit mehr bouncy laufe und nicht so hart in die Knie knalle. Das macht auch gleich mehr Spaß.)

Tag 3558 – Endlich überwunden.

Ich bin, aus Gründen, in einem Hotel in Oslo und inspiziere so rum. Es gab schon schrecklichere Inspektionen, muss ich sagen, bisher ist das nett und die sind sehr ordentlich. Und sie versuchen, mich zu ködern, bei ihnen zu arbeiten, das finde ich sehr schmeichelhaft.

Also scheinbar hinterlasse ich ja positive Eindrücke. Da gibt es schlimmeres!

Ich habe wohl auch sonst vielleicht meine Leistung unterschätzt, jedenfalls habe ich direkt mit meinem Dezembersolo ein neues Solo gelandet. Ähäm. Da ich es dafür bei YouTube hochladen musste, kann ich es Ihnen ja jetzt auch zeigen. YOLO. Achtung: das ist mit Ausziehen, ich bin nicht nackt am Ende, aber schon, äh, sehr knapp bekleidet. Sehr sehr.

https://youtu.be/98xKPKQid7c?si=rZygSRuhM1VN3ucF

Tag 3557 – Zu viele Meetings.

Ächz. Zu langer Tag im Büro. Macht keinen Spaß da. Da sind alle bekloppt, außer dem Lieblingskollegen. Also der ist auch bekloppt, aber er freut sich auch ehrlich nen Loch in den Bauch über ein mitgebrachtes Glas mit Lemon Curd. Mich macht das immer sehr glücklich, wenn sich der grumpy Mann so freut. Hach. Wir haben auch ein bisschen rumgefrotzelt, dass wir uns zur Inspektionsplanung mangels Zeit im Kalender aber sich nähernder Frist einfach an einem Samstag Abend treffen (also mit der Lieblingskollegin auch, nicht nur wir zwei). Nach ner Flasche Wein geht das nämlich alles viel entspannter von der Hand. Außerdem meckern wir ja immer drüber, dass wir so wenige soziale Zusammenkünfte haben, und wenn, dann immer mit gleich 20 Leuten. Wir sind nämlich alle drei ziemlich introvertiert und weirdos. Aber zu dritt funktionieren wir super.

Anyway. Morgen ist Inspektion. Aus Gründen gehe ich ins Hotel. Obwohl es in Oslo ist. Aber deshalb muss ich jetzt auch schlafen. Gute Nacht.

Tag 3546 und 3547 – Wieder zu Hause.

Ich bin gestern nach der Inspektion ziemlich problemlos wieder nach Hause gekommen. Trotz Anfang der Osterferien, was meine Kollegin und ich nicht so ganz auf dem Schirm hatten, als wir gebucht haben. Aber abgesehen davon, dass wir ein bisschen länger als üblich auf unser Gepäck warten mussten, lief alles glatt. Ich machte nur am Flughafen den Fehler, in meine Mails zu schauen und regte mich daraufhin sehr über meine Chefin auf. Tja.

Jetzt ist Urlaub. Für alle. Herr Rabe und Pippi fahren morgen nach Deutschland und sind dann da bis Karfreitag. Michel und ich rödeln hier zu Hause vor uns hin. Ich glaube, das ist so gut für alle. Ich hab nach Ostern direkt die nächste Inspektion und verreisen wäre mir grad echt zu viel.

Für Michel ist gut, Ferien von der Lehrerin zu haben. Pippi vermisst ihre Lehrerin und ihre Klassenkameradinnen jetzt schon und war auch kurz neidisch, weil sie dachte, am Dienstag sei Korps, wo Michel dann hin gehen könnte, aber sie nicht. Was aber ja Quatsch ist, in den Ferien ist kein Korps und auch sonst nichts. Lediglich Ostermontag ist Tanzen, weil es das letzte reguläre Training vor der Show ist.

Wir haben gestern noch einiges Haarsträubendes über die Lehrerin von Michel erfahren, das will ich hier gar nicht breittreten, aber das geht zum Teil echt auf keine Kuhhaut mehr. Da sind wir schon im illegalen Bereich, bei manchen Dingen. Und das weiß die Schule auch und trotzdem passiert irgendwie nichts außer Meetings mit einzelnen Eltern und der Schulleitung. Immer wieder in neuen Runden und Konstellationen, zwischendurch kündigt dann noch kurz die Schulleitung. So kann da halt auch nichts bei rum kommen.

Immerhin sagt Michel, die Lehrerin hätte gesagt, an der neuen Schule (die barneskole zieht in den Sommerferien in das neue Gebäude um) würde sie Werken unterrichten. Das heißt, sie bekäme dann keine Klassenleitung. Das wäre sehr schön für Pippi.

Derweil war Herr Rabe heute Abend (zufällig, vorher kannten die sich nicht) mit einem der potentiellen neuen Klassenlehrer von Michel auf einem Konzert und Bier trinken. Das ist hier wirklich ein Dorf.