Tag 3558 – Endlich überwunden.

Ich bin, aus Gründen, in einem Hotel in Oslo und inspiziere so rum. Es gab schon schrecklichere Inspektionen, muss ich sagen, bisher ist das nett und die sind sehr ordentlich. Und sie versuchen, mich zu ködern, bei ihnen zu arbeiten, das finde ich sehr schmeichelhaft.

Also scheinbar hinterlasse ich ja positive Eindrücke. Da gibt es schlimmeres!

Ich habe wohl auch sonst vielleicht meine Leistung unterschätzt, jedenfalls habe ich direkt mit meinem Dezembersolo ein neues Solo gelandet. Ähäm. Da ich es dafür bei YouTube hochladen musste, kann ich es Ihnen ja jetzt auch zeigen. YOLO. Achtung: das ist mit Ausziehen, ich bin nicht nackt am Ende, aber schon, äh, sehr knapp bekleidet. Sehr sehr.

https://youtu.be/98xKPKQid7c?si=rZygSRuhM1VN3ucF

Tag 3557 – Zu viele Meetings.

Ächz. Zu langer Tag im Büro. Macht keinen Spaß da. Da sind alle bekloppt, außer dem Lieblingskollegen. Also der ist auch bekloppt, aber er freut sich auch ehrlich nen Loch in den Bauch über ein mitgebrachtes Glas mit Lemon Curd. Mich macht das immer sehr glücklich, wenn sich der grumpy Mann so freut. Hach. Wir haben auch ein bisschen rumgefrotzelt, dass wir uns zur Inspektionsplanung mangels Zeit im Kalender aber sich nähernder Frist einfach an einem Samstag Abend treffen (also mit der Lieblingskollegin auch, nicht nur wir zwei). Nach ner Flasche Wein geht das nämlich alles viel entspannter von der Hand. Außerdem meckern wir ja immer drüber, dass wir so wenige soziale Zusammenkünfte haben, und wenn, dann immer mit gleich 20 Leuten. Wir sind nämlich alle drei ziemlich introvertiert und weirdos. Aber zu dritt funktionieren wir super.

Anyway. Morgen ist Inspektion. Aus Gründen gehe ich ins Hotel. Obwohl es in Oslo ist. Aber deshalb muss ich jetzt auch schlafen. Gute Nacht.

Tag 3555 und 3556 – Ostern schon wieder vorbei.

Uffz. Passenderweise kann ich nicht schlafen, muss morgen aber früh aufstehen. Super, wirklich.

Ostern war irgendwie so lala muss ich sagen. Es war dann schön, als hier wieder alle zusammen waren, aber vorher war eher so meh. Liegt an Laune, die sich halt voll entfaltet, wenn ich nichts dringend muss, das Leute von mir erwarten. Aber ich ärgere mich, irgendwie fühlt es sich an, als habe ich eine Woche Urlaub komplett vergeudet.

Heute hatten wir ein letztes Mal Ballett vor der Aufführung. Ja, am Feiertag. Wegen der Aufführung eben. Danach haben wir dann… auch nix mehr. Ich hoffe, sie bieten Sommerkurse an, aber bis jetzt steht noch nichts im Internet dazu. Die Aufführung wird schon werden, aber heute war noch mal brutal. Die Blase unter meinem großen Zeh ist dann jetzt auch auf und die da noch sehr dünne Haut wird dann für Donnerstag und Samstag wohl lieber mit Tape geschützt, sonst ist Blut im Ballettschläppchen, das möchte keiner.

Apropos Ballettschläppchen: die halten bei mir tatsächlich nur noch eine Saison. Ich habe die im letzten Sommer gekauft und jetzt betrachte ich sie schon immer sehr argwöhnisch, ob sie noch durchhalten. Am großen Zeh ist der Stoff schon seeeehr dünn. Früher habe ich ein Paar mehrere Jahre getragen. Fast so, als wäre meine Technik besser geworden und als würden dadurch die Schuhe schneller verschleißen. Sachen gibt’s.

Exakt diesen Schuh kaufe ich aber nicht noch mal, der verdreht sich unter dem Fuß und nervt mich damit zu Tode. Gut, der Schuh davor machte das auch. Aber die im Laden können da sicher helfen.

Tag 3553 und 3554 – Alle wieder da.

Herr Rabe und Pippi sind gestern wieder nach Hause gekommen, problemlos, und das ist sehr schön. Es war sehr leise ohne Pippi und sehr komisch ohne Herrn Rabe. Michel und Pippi streiten natürlich direkt wieder, das ist weniger schön.

Ich schlafe schlecht. Also, ich schlafe in erster Linie viel zu spät. Das ist auch nicht so schön. Dabei habe ich mir extra nen Wecker gestellt, damit sich mein Schlafrhythmus nicht zu sehr verschiebt. Hat halt nur nicht geholfen, weil ich trotzdem erst nach dem Mittag in die Gänge komme und dann auch nur im Schneckentempo mache, bis abends. Abends bin ich dann aktiv. Hrmpf.

Heute gab es aus Deutschland importierten Spargel. Ich mag Spargel echt gerne, aber hier gibt es keinen (weißen) Spargel. Ich habe genau ein Mal welchen im Supermarkt gesehen, und der war furztrocken, der hatte sogar die Gummiphase schon hinter sich. Ich wette, gekocht hätte man zwischen dem und irgendeinem Stöckchen aus dem Wald keinen Unterschied gemerkt. Und dafür wollten die Mondpreise. Also nee, nein Danke. Grünen Spargel gibt es, und ab und zu kaufen wir auch welchen (auch da muss man sehr gucken, dass der frisch ist). Der ist lecker vom Grill oder einfach in der Pfanne gebraten, aber ist halt was anderes als weißer Spargel. Also ist die (ungeschriebene) Regel: wenn einer von uns zur Spargelzeit in Deutschland ist, wird Spargel mitgebracht. Da das nur alle drei Jahre (im Schnitt) passiert, ist uns dann der Preis auch egal. Und ich kann sagen: der Bielefelder Spargel war sehr, sehr lecker. Das fand selbst Pippi. Michel hat auch probiert, fand aber, das schmecke wie „Wasser mit Fasern“ und hat dann weiter Kartoffeln mit (leider konsistenzmäßig missglückter) Sauce Hollandaise gegessen. Oder Sosshollidays, wie ich es neulich im Internet las.

Apropos Michel: gestern habe ich gewagt, Fisch statt Pizza zu machen, das missfiel Michel sehr, ich kann doch nicht einfach so von der Freitags-Pizza-Regel abweichen! Aber ich selbst kann auch nicht von der Karfreitags-Fisch-Regel abweichen und mir war kurz entfallen, dass das eventuell einen Konflikt mit sich bringen könnte. Michel hat gestern also nackten Reis gegessen und war allgemein empört. Er hat deshalb auch heute beim Spargel argwöhnisch gefragt, ob das auch „so eine komische deutsche Ostersache“ sei. (Der Fisch war lecker, es war Heilbutt mit selbst gemachtem Pesto und Frischkäse-Parmesan-Creme überbacken. Aber auch da haben wir gestern beschlossen: wir kaufen so selten Heilbutt, das nächste Mal gönnen wir uns das grätenfreie Filet statt Scheiben.)

Apropos Pesto: ich fürchte, wir müssen ein neues Messer für den Blender kaufen. Das hatte gestern echt Probleme mit den Pinienkernen.

Tag 3551 und 3552 – Laune, leider.

Ich habe heute, nach langem Hadern, das Choreografieprojekt erst mal dran gegeben. Ich schaffe es nicht, zur Zeit. Ich habe tausend Ideen, aber keinen Antrieb, sie umzusetzen, mit dem Ergebnis und mir und überhaupt allem bin ich eh nicht zufrieden und ganz generell hätte ich beim Planen meinen Zyklus berücksichtigen müssen. Habe ich nicht und jetzt will ich nur Schokolade essend mich selbst bemitleiden, aber auf gar keinen Fall möchte ich kreativ sein, meinen Körper zeigen, oder eine lustige Nummer vorführen. Nein. Komplette Verweigerung auf allen Ebenen.

Jetzt geht es mir etwas besser, wo ich mir immerhin das eingestanden habe. Die Küche habe ich auch schon umgeräumt, dann können morgen Herr Rabe und Pippi auch wieder nach Hause kommen. Michel ist schon wieder da. Der hatte eine gute Zeit bei seinem Kumpel, ist aber auch froh, wieder sein eigenes Bett zu haben.

Tag 3549 und 3550 – Ganz allein.

Gestern hatte ich große Mühe, in Gang zu kommen, Tjanun. Dafür hat man ja auch Ferien, nicht wahr. Bestimmt.

Heute war besser, erstens war die Putzhilfe da und deshalb mussten wir zumindest schon mal aufstehen und uns anziehen und das zu einer normalen Uhrzeit. Danach war das Haus auch sauber. Außerdem wollte Michel dann bittedanke gerne zu seinem Kumpel gebracht werden, um da zu übernachten. Und seitdem bin ich hier ganz allein in einem sauberen Haus. Das ist sehr ungewohnt. Ich habe dann, um nicht nur rumzugammeln, wie ungefähr ganz Øvre Romerike den Gartenabfall zur Entsorgungsstation gefahren (da war es gerammelt voll, und alle kippten massenweise Gartenabfälle auf den Mount Kompost, der da schon auf wirklich imposante Größe angewachsen ist) und dann war ich ausgiebig im Second-Hand-Laden bummeln. Ich habe brutal hohe Stöckelschuhe gefunden (in denen ich mit ein bisschen Übung aber erstaunlich gut laufen kann. Halt so für 5 Minuten, dann schlafen meine Zeigezehen ein, da wird wohl was eingeklemmt. Aber mehr braucht es ja auch nicht für eine Burlesque-Nummer) und ein paar alberne Kleider, sowie eine „Biker“-Jacke aus Paillettenstoff, ein Traum der gender-nonkonformität. Der Second-Hand-Laden ist neu und wirklich sehr schön gemacht. Das Konzept ist eher Flohmarkt-ähnlich, man kann da „Stände“, eher so Regalmeter, mieten und dann sein Zeug da anbieten. Nur Kleidung, Schuhe und Assessoires. Für die Kund*innen ist es wie ein leicht unaufgeräumter Klamottenladen, wobei die Stände beschriftet sind mit wenigstens Größen und einige Kleidungsstücke hängen auch thematisch zusammen in Ecken, zum Beispiel Abendkleider oder Winterjacken. Es gibt ein großes Schuhregal und vernünftige Umkleidekabinen. Wie in nem Laden hängt man nach dem Anprobieren alles was man nicht haben will auf einen Ständer und die Angestellten räumen das anhand der Strichkodes wieder zurück an die richtigen Stände. Ich bin wirklich angetan von dem Konzept. Woran sie arbeiten könnten, ist, dass es offenbar Leute gibt, die sowas als Geschäftsmodell haben. Da hängt dann drei mal das gleiche Stück, mit dem Händler-Etikett noch dran, also komplett neu. Aber vielleicht bin ich da auch nur empfindlich, weil das meiner Vorstellung von Second Hand nicht entspricht. Anyway, ein schöner Ausflug.

Dann habe ich die Küche leergeräumt, die Rollläden runtergelassen und dann zunehmend verzweifelt versucht, mir eine Choreografie auszudenken, von der ich bis dahin überzeugt war, dass sie eigentlich schon fertig in meinem Kopf ist. Stellt sich raus: nein. Einfach nein, einfach gar nicht. Ich bin jetzt so halb fertig, ich musste nämlich auch noch einkaufen und das wurde alles knapp plötzlich. Hmmhmmhmm, mal gucken, was ich mit diesen Plänen so mache. Vielleicht muss ich auch ein paar Darlings killen, wie man so schön sagt, aber das fällt mir immer sehr schwer, egal bei was.

Jetzt liege ich im Bett und habe mir, da unsere Bettdecke in der Waschmaschine ist, Michels Gewichtsdecke ausgeliehen. Wenn ich jetzt nicht schlafe wie ein Stein weiß ich auch nicht.

Tag 3548 – Erster Ferientag schon rum.

Herr Rabe und Pippi sind gut in Deutschland angekommen. Jetzt ist es hier schon viel stiller als normalerweise. Michel war heute mit seinen Schulfreunden schwimmen, was fast glatt gelaufen ist, nur eine vergessene Badehose und generelle Verwirrung wegen Eintritt bezahlen, die Kinder sind allesamt nicht so fokussiert, glaube ich. Ich war derweil in Oslo zu einer Geigenstunde. Die war soweit ganz ok. Bach ist schon eher anspruchsvoll, selbst die einfachen Stücke. Aber so schön dabei. Hach.

Ansonsten habe ich Sport gemacht, gebadet, Michel und ich haben Sushi gegessen und ich habe abends Kleider anprobiert, die lange gar nicht mehr zugingen. Aber jetzt gehen sie zu und ich kann dann auch noch atmen. Nachdem mir meine Inspektionshosen (von denen ich ja drei identische habe) nämlich jetzt alle nicht mehr passen, dachte ich, ich könnte diese heiß geliebten Kleider mal wieder anprobieren. Ich weiß, von Größe 42 abzunehmen ist Meckern auf sehr hohem Niveau und es ging (und geht) mir ja auch nicht zentral ums abnehmen (sonst würde ich weniger essen und das möchte ich gar nicht). Aber mehr generelle Fitness, mehr machen können, weniger Wehwehchen haben, besser schlafen und weniger weich überall sein, hat inzwischen zwei Kleidergrößen weniger als Nebenwirkung gehabt. Was eben nur heißt, dass mir jetzt meine Klamotten von vor Covid und diesem phasenweise immer wieder ungesunden Job wieder passen. Ich bin da sehr stolz drauf, das habe ich nämlich ganz allein so durchgezogen. Und ziehe weiter durch. Und ohne weniger essen. Oder irgendwas nicht mehr essen. Tragisch, übrigens, dass ich am Samstag keine Biscoff-Creme bekommen habe, ich hoffe inständig, dass der Laden, wo ich die kaufe, die nicht dauerhaft aus dem Programm genommen hat. Das wäre wirklich ein großer Verlust für mich.

Tag 3541 und 3542 – Ächz.

Oha, Hormone. Plötzlicher Abfall von irgendwas, quasi ins Bodenlose, und meine Laune geht direkt mit. Ich will nicht mit meiner Kollegin streiten (muss aber, weil sie Quark gemacht hat), ich will nicht mit meinem Arzt streiten (muss aber, wegen Schilddrüse, die nicht mehr da ist, und anderen Hormonen), ich will nicht mit Michels Lehrerin streiten (muss aber, aus Gründen). Speziell letzteres möchte ich nicht, es sind noch 2 Monate an dieser Schule, herrgottnochmal. Kann man da nicht vielleicht einfach sein lassen, wieder alles anzuzünden? Also die Lehrerin. 12-Jährige sind halt 12-Jährige, da ist manchmal nicht so sehr viel Selbstreflexion und nur rudimentäre Impulskontrolle vorhanden, dass die das nicht so raus haben, die Streichhölzer im Rucksack zu lassen, finde ich relativ normal. Wir arbeiten dran, aber das gleiche erwarte ich auch von einer Lehrerin meines Alters.

Außerdem war Tanzen und wir haben die Choreografie gefühlt 35 mal durchgetanzt, davon 4 oder 5 mal im großen Saal (der immer noch kleiner ist, als die Bühne). Jetzt fühlt sich mein linkes Bein an, als würde es heute Nacht einfach abfallen, unter dem großen Zeh hat sich eine richtig miese Blase gebildet und ich bin so platt und weinerlich und generell unpässlich.

Jaja, ich nehm ja meine Pillen schon.

Tag 3538 – 3540 – Viel.

Hier ist ein bisschen viel los und zusammen mit der Zeitumstellung von letzter Woche, die immer noch mit sich bringt, dass ich viel zu spät ins Bett komme, ist das alles nicht so gut.

Donnerstag war ich im Büro, dann da beim Sport und dann wollte ich mir noch kurz die Haare schneiden lassen, was dann aber länger dauerte wegen Wartezeit und dann war es nicht mal gut. Was mir aber erst heute so richtig auffiel, dass zum Beispiel um die Ohren rum nicht richtig geschnitten wurde, sodass da noch lange Haare abstehen. Jedenfalls war es Donnerstag dann am Ende spät.

Gestern habe ich einige Überstunden gemacht, damit ein Report eventuell Montag fertig werden kann. Das ist langweilig für Sie zu hören. Das interessanteste, was passiert ist, war, dass ich bei einem Zuhör-Meeting erfahren habe, dass manche Männer sich Eigenfett an ihren Willy transplantieren lassen, damit der dicker wird. Ja. The more you know.

Heute habe ich Michel und seine Kumpels ins Kino gebracht, die haben den Minecraft-Film angeschaut. Das war wohl gut. Danach bin ich mit Pippi nach Oslo gefahren (wo Herr Rabe heute einen Workshop hatte) und habe viel Geld ausgegeben. Pippi hat jetzt „Marschschuhe“, die ihr passen, also komplett schwarze, bequeme Turnschuhe mit guter Sohle, um damit am 17. Mai den ganzen Tag zu marschieren. Aus der Damenabteilung, weil Pippi für eine Neunjährige enorm große Füße hat. Außerdem hatte die Damenabteilung ein viel größeres Angebot. Ich habe jetzt richtige Laufschuhe, für meine gelegentlichen Joggingtouren. Mit Laufbandanalyse und Fußabdruck-Analyse und allem. Wenn man da hin geht und sagt „Ich hasse laufen, aber ich mache es halt und die Schuhe sollten mich vielleicht nicht auch noch daran hindern“ verstehen die das erstaunlich gut und jetzt habe ich einen soliden Hobbyschuh mit guter Dämpfung, der breit und stabil ist und mit dem man keine Rennen gewinnt, aber der die Gelenke nett behandelt. Das war auch ein relativ günstiges unter all den absurd teuren Modellen.

Pippi hat in Oslo ein Dubai-Eis gegessen, das ihr gar nicht mal so gut geschmeckt hat. Aber wenn man neun ist, muss man das grade trotzdem haben.

Danach war ich ziemlich gar und bin im Zug nach Hause eingeschlafen. Anstrengend, dieses draußen sein.