Tag 3060 und 3061 – Winter im Homeoffice.

Hier passiert literally gar nichts. Ich pröddele im Homeoffice vor mich hin, Herr Rabe war jetzt nach langer Zeit mal wieder im Büro (er war erst krank und dann noch länger wegen dichter Nebenhöhlen nicht fit und es geht ja, wenn’s sein muss monatelang, haben wir ja alle gelernt. Man muss gar nicht alle im Büro anhusten). Das spannendste was heute passiert ist, war, dass ich mit Michel beim Kieferorthopäden war, der die Zahnspange noch mal drei Stufen weiter gedreht hat, aber damit ist dann jetzt auch gut, kein Weiterdrehen mehr. Soweit ich weiß, werden als nächstes die Klötze, die den Unterkiefer nach vorne ziehen, nach und nach runter geschliffen. Wann das ist, müssen wir gucken, schätze ich. Der enorme Überbiss ist aber schon fast halbiert allein durch den geweiteten Oberkiefer. Nächster Termin in sechs Wochen.

Tag 3059 – Zähne zusammenbeißen.

Es war Ballett. Wir waren nur vier und deshalb hat uns die Lehrerin extra gequält. Wahrscheinlich kann ich morgen keinen Schritt mehr gehen.

Muss ich aber auch nicht. Ich hab mich eben aus akuter Unlust heraus dazu entschieden, morgen nicht ins Büro zu fahren. Es gibt keinen Grund, wieso ich das sollte, außer um physisch da zu sein und meinen Report an einer schlechteren Tastatur weiter zu schreiben. Und dann hab ich abends wieder Kopfschmerzen und das Bedürfnis, um acht ins Bett zu gehen, nein danke.

Aber, zurück zum Ballett und zum Titel: man versucht ja, im Gesicht so auszusehen, als sei das alles total mühelos. Als würde man im sommerlichen Sonnenuntergang leicht bedröhnt über eine Blumenwiese schweben. Wenn man aber nur zu viert ist, kann man sich ständig in allen Anstrengungslagen im Spiegel bewundern und ich kann jetzt sagen: ab dem 4. Relevé auf einem Fuß (was nach drei mal 24 auf beiden kommt), ist das beste, was ich noch hinbekomme, ein versteinertes Gesicht, dem man grad so nicht den Schmerz und den drohenden Wadenkrampf ansieht. Also, ich ziehe sie schon noch durch, aber schön ist das nicht mehr, über die Zehen komme ich auch nicht mehr und ich kämpfe hart gegen den Wunsch an, mit den Armen und der Stange nachzuhelfen. Danach fühlt sich das Adagio an wie Ferien, ey. Da kann ich dann auch wieder leicht amüsiert und gar nicht davon betroffen, was der Körper tut, gucken.

Tag 3058 – Ganz normaler Montag.

Die Kinder motzen sich schon morgens an, in der Kantine gibt es nur Salat, auf dem Rückweg vom Büro muss ich im Zug stehen. Bonus: Blutabnahme mit anschließendem dickem blauem Fleck und eine von innen vereiste Frontscheibe am Bahnhof, weil morgens wegen der Blutabnahme keine Zeit mehr war, die Alufolie aufs Auto zu prömmeln (Cardos ist WIRKLICH kein Winterauto).

Lichtblick: Ikea-Blumenbällchen am Abend, danach satt und zufrieden.

Tag 3056 und 3057 – Viel.

Vielleicht sind es auch nur diese neuen Medikamente und ihre Nebenwirkungen, das vorweg.

Aber… ich bin fix und alle. Gestern haben wir bis spät in die Nacht das Wohnzimmer umgeräumt und den neuen Fernseher aufgehängt und uns drüber geärgert, dass die „Birkenfarbene“ Schubladenblende irgendwie sehr rosa ist (die Türfronten der selben Reihe werden morgen umgetauscht, weil uns das wirklich so gar nicht gefällt). Und überlegt, wo all dieses riesige Lego eigentlich hin soll (und keine gute Lösung gefunden).

Heute war wegen Umräumen und Fernseherverpackung ein solches Chaos, dass ich sehr gestresst war und am liebsten weggerannt wäre. Außerdem hatten wir gestern Abend vor lauter Räumerei vergessen, dass wir noch hätten einkaufen müssen. Heute gab es deshalb die letzten 2 Brötchen, die letzten 3 Croissants und als Abendessen die norwegische Version von Dosenravioli aus dem Krisenvorrat (die wären aber eh bald abgelaufen und müssen deshalb weg). All das + die lange To-Do-Liste = Stress.

Vielleicht war auch eigentlich keine so gute Idee, gestern noch was soziales zu machen, aber ich war von einer Handvoll neurodiverser (hauptsächlich autistischer) Frauen zu einem informellen Treffen eingeladen worden, und fand das so lieb, dass ich ja sagte. Und es war auch wirklich schön, die anderen 4 waren alle sehr sehr nett und interessant und augenscheinlich erst mal „normal“, was ich sehr beruhigend fand, ich bin schließlich auch total normal, ähäm. Ich musste auch keine Diagnose vorlegen, um akzeptiert zu werden, auch das war sehr beruhigend. Die eine hatte in ihrem aktuellen Hyperfokus für alle kleine Bändchen gebastelt, auf denen „Neurospicy“ steht, jetzt bin ich also Mitglied in sowas wie einem Club. Und es tut auch mal gut, ein paar ähnliche Erfahrungen teilen zu können. Ich mag die gern, aber natürlich war das ziemlich anstrengend, ich kannte die ja vorher nicht und das war alles aufregend und so weiter.

In Kombination war das Wochenende vielleicht etwas zu ambitioniert. Und schon ist es vorbei, so ein Rotz.

Tag 3055 – Zu Hause, Müde, Spät, diesdas.

Wir haben jetzt einen neuen Fernseher, der keinen grünen Fleck in der Mitte hat. Das ist sehr schön. Eine Folge Simpsons verifizierte die Fleckfreiheit. Ansonsten war die Inspektion heute sehr seltsam, sehr schnell vorbei und wir trotzdem nicht eher zu Hause. Abends habe ich eine Dreiviertel Stunde schlecht Geige gespielt, also tatsächlich schlecht, mein Hirn war nicht ganz da und dann machen die Finger auch was sie wollen.

Tag 3051 – Aufgeregt.

Michel fühlt sich eigentlich wieder ganz gut, hatte aber abends wieder erhöhte Temperatur und bleibt deshalb auch morgen zu Hause. Ich habe keinerlei Krankheitssymptome und einen negativen Test. Solange ich nicht morgen früh (um halb sechs, und dann muss ich auch ohne snoozen aufstehen, urgs) krank aufwache, breche ich auf die letzte Inspektion des Jahres auf. Ich bin total aufgeregt, als wäre ich noch nie verreist, bin unnötig viele Schritte beim Packen gelaufen weil ständig irgendwas vergessen und überlege die ganze Zeit, ob ein Paar Schuhe wirklich reicht (ja) und ob nicht doch das Kissen hier bleiben und extra Schuhe mit sollen (nein). Schlafen erscheint mir utopisch. Aber muss ja alles, ne?

Ahhh.

Außerdem heute ein Meeting gehabt, das eine akustische Geduldprobe war, und das ich mehrmals stumm schalten musste, obwohl ich gleich zu Anfang geschrieben hatte, dass für uns zu Hause alle gleich laut und aus der gleichen Richtung aus dem Lautsprecher kommen und dass sie deshalb BITTE nicht alle gleichzeitig reden sollen. Das wurde einfach mal komplett ignoriert. Manche lachen auch echt laut. Auch dass manche nach drei Jahren Homeoffice noch nicht geschnallt haben, dass die Meetingraum-Mikrofone das, was man dem Nachbarn zuraunt, genauso auffangen, als sei man (und alle anderen zu Hause, die das Meeting noch nicht gemutet haben) der Nachbar, oder dass manche den Sinn von Mikrofonen generell nicht so ganz verstanden haben und meinen, da rein rufen zu müssen: ORRRR! Vielleicht bin ich auch extra empfindlich, weil aufgeregt, aber ORRRR!

Tag 3050 – Zwei kleine Updates.

Michel geht es besser, aber noch nicht gut. Er bleibt morgen zu Hause und ich auch – hoffend, dass ich mich nicht angesteckt habe, weil ich eigentlich Dienstag auf eine Inspektionsreise aufbreche. Ähäm.

Das andere Update hängt damit zusammen. Ich rantete neulich über Bügeln und die Sicherheitsrisiken von Bügeleisen. Dienstag und die Tage darauf brauche ich gebügelte Kleidung, insbesondere Blusen und heute habe ich mir einen hübschen, aber schmerzhaften rosa Streifen auf die Oberseite des linken kleinen Fingers gebrannt. Ich hasse Bügeln dadurch jetzt nicht unbedingt weniger. Vielleicht steige ich echt komplett auf Jersey um, einfach nur um nicht mehr bügeln zu müssen.

Tag 3048 – Müde.

Ich bin hundemüde. Zu nichts in der Lage, auch wieder Kopfschmerzen gehabt, auf dem Sofa eingeschlafen. Vielleicht sind das Nebenwirkungen eines neuen Medikaments, das ich nehme. Nicht aufregendes, ich möchte es eigentlich auch gar nicht nehmen, weil ich eben vor solchen Nebenwirkungen Angst habe. Ich werde das beobachten, jetzt aber erst mal schlafen. Vielleicht sind es auch ganz einfach Nebenwirkungen von einem Tag im Büro, mit Team-Tag (viel Zeitverschwendung), gemeinsamem Mittagessen (schon wieder Salat, ich hab keine Lust auf täglich Salat, doofe Kantine mit ihrem Fleisch-Fetisch) und einem geschlossenen Café unten im Gebäude, bei dem man normalerweise sehr teuren aber wenigstens guten Kaffe bekommt. Alles viel. Könnte halt auch das sein.

Tag 3047 – Hach.

Sie sind alle sehr lieb. Wirklich. Ich antworte auch, sobald meine rasenden Kopfschmerzen besser sind. Versprochen. Aber nach einem Tag im Büro mit der Schulsituation im Hinterkopf und auf dem Rückweg meine Gedanken und Wünsche zu dem Thema auf Norwegisch semi-geordnet aufschreibend bin ich furchtbar platt. Ich ging mich sogar zu Hause direkt hinlegen, was aber nicht half, im Gegenteil, die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Michel ist auch alle und hat sich vorhin mit Herrn Rabe angeschrien, obwohl Herr Rabe eine Engelsgeduld hat und nur bei schlimmer Provokation laut wird. Vielleicht ist auch Herr Rabe alle, auf jeden Fall ist der erkältet. Bzw. hat seine Erkältung von neulich die Etage gewechselt und sitzt jetzt nicht mehr so sehr tief und schleimig in den Bronchien sondern in den Nebenhöhlen. Wir sind alle ein müder, geschaffter Haufen. Gut dass morgen keine Schule ist, es ist ein beweglicher Ferientag.

Tag 3045 – Viel los.

Theoretisch hätte ich heute was zu erzählen, der Tag war voll und bestand zu einem Teil aus Detektivarbeit, aber praktisch ist es total spät. Dann muss ich Ihnen ein anderes mal erzählen, wie Pippi meinen (!) einen (!!) rosa Ballettschuh verklüngelte. Alles gut, die Ballettschule fand ihn und wir sind wieder vereint, sie dachten sogar „das könnte Renanas sein…“ bevor ich schrieb „habt ihr zufällig einen einzelnen Bloch Schuh in Größe 6C gefunden, weil wenn nicht, ist Pippi schlagartig ca. 400 Kronen ärmer…“. Aber… Rübennase! Orrr.