Tag 2726 – Lose Fäden und unbeantwortete Fragen.

So möchte ich nicht ins neue Jahr starten. Am liebsten hätte ich möglichst wenig Ballast und könnte einfach von vorne Anfangen, mit einem neuen Blatt und getauschter Batterie. Das wird wohl nichts, aber ich kann wenigstens hier ein paar Dinge zu Ende erzählen und einen Haken dran machen. (Keine Angst, ich blogge weiter. Ist ja auch eine dieser Routinen geworden, ohne die sich ein Tag unvollständig anfühlt.)

Die Reihenfolge weiß ich nicht mehr, insofern wird das eher so eine lose Sammlung.

  • Ohne Schilddrüse geht es mir prima. Ich hätte die OP früher machen sollen, denn endlich ist wenigstens die ständige Frage „könnte es die Schilddrüse sein?“ bei jedem Wehwehchen und jeder Verstimmung weg. Eine gute Dosis für das Ersatzhormon zu finden, war bei mir nicht besonders schwer und meine Ärzte und Ärztinnen sind eigentlich alle auch Team „Hauptsache, die Patientin fühlt sich gut“ (also nicht nur fixiert auf nominelle Blutwerte und Normbereiche). Die Narbe ist ganz ok geworden, bis auf am rechten Ende, da, wo ich vermute, dass auch die Elektrode für den Stimmbandnerv steckte, da ist sie noch ein mini bisschen rosa. Inzwischen kann ich auch wieder normal singen, das hat aber echt richtig lange gedauert. Ein Jahr bis ok, anderthalb bis fast wie vorher. Auch wenn das ja angeblich niemand gehört hat, dass meine Sprache weniger moduliert war als vorher, hat es mich sehr gestört. Das war aber auch echt das einzige Problem, ansonsten würde ich jeder empfehlen, maximal ein Rezidiv mitzumachen. Die Morbus-Basedow-Antikörper sind bei mir auch weiterhin auf dem Rückzug und nähern sich der Messbarkeitsgrenze. Daumen hoch.
  • Mit der Markgräfin (dem neuen Geigenbogen) bin ich super zufrieden. Es haben sich alle latent vorhandenen Wünsche nach einer besseren Geige in Luft aufgelöst, weil ich so rundum mit dem Klang zufrieden bin. Voll, rund, etwas dunkel, weich, aber präsent (Herr Rabe nennt es laut) und voller facettenreicher Obertöne, was es einfacher macht, zu hören, wie sauber man so spielt (das hat für mich mehr Vor- als Nachteile, weil ich sehr perfektionistisch bin). Gute Saiten und ein guter Bogen machen jede Menge aus, ich kann nur empfehlen, erst mal da zu investieren, bevor man meint, man müsse ein neues Instrument haben.
  • Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Violistin, die mich ganz am Anfang ermutigte, dran zu bleiben. Es war es absolut wert, dran zu bleiben und macht nach wie vor großen Spaß, und, oh Wunder, ich werde auch nach wie vor immer besser, Hurra.
  • Vibrato läuft für mein Können gut, Doppelgriffe laufen so weit echt gut und sogar einfache Akkorde gehen inzwischen. Yeah!
  • Barfußschuhe bzw. Probleme mit einem Hallux. Ich habe festgestellt, dass bei mir das Wichtigste ist, dass der große Zeh GERADEAUS abrollen kann. Das bedeutet, dass ich keine Schuhe tragen kann, die vorne den großen Zeh nach innen „biegen“, was allerdings nahezu alle herkömmlichen Schuhe machen, unter anderem meine geliebten Chucks und Adidas. Es müssen nicht unbedingt Barfußschuhe für mich sein, es gehen alle Schuhe mit breiter Zehenbox. Ich nenne sie liebevoll Ökotrulla-Schuhe (El Naturalista und co.) bzw. Oma-Schuhe (Rieker, Birkenstock und co.). Die sind nicht unbedingt wesentlich günstiger, aber wenigstens zum Teil hübscher und (großer Vorteil) ich bekomme sie hier. Ich bin zu jung für ständige Schmerzen im Fuß, dann lieber Ökotrullaschuhe. Oder halt Barfußschuhe, für noch mehr Komfort und die eingebaute Möglichkeit, beim Stehen mein exorbitantes Bedürfnis nach Bewegung der Füße (auf Zehenspitzen stellen, auswärts drehen, Zehen knacken lassen, Zehen anziehen, einrollen, Mittelfuß hochziehen, kleinen Zeh in den Boden drücken…) erfüllen zu können.
  • Apropos letzter Punkt: ja, das ist auch eine Art von Stimming, eine, die nicht so offensichtlich ist und sich gut „verstecken“ lässt (besser als ständiges Kuli-Gespiele jedenfalls). Mit Michel sind wir immer noch nicht fertig mit der Neurodiversitäts-Diagnostik. Das ist also weiter ein loser Faden. Ob ich je offiziell eine machen kann, ist fraglich, ob sie wirklich nötig ist, auch (let’s face it: es ist recht offensichtlich). Bringen würde sie mir Rechte (hoffe ich), Vorurteile (fürchte ich) und möglicherweise diese verruchten Medikamente, falls ich da auch offiziell ausschlage. So, Sie dürfen jetzt alle augenrollend entfolgen, weil ich mich in die immer länger werdende Reihe der (vorläufig nur selbst diagnostizierten) neurodiversen Eltern mit neurodiversen Kindern stelle.
  • Wir haben leider kein gebrauchtes Drittschwein auftreiben können, aber da mir grad auch die Löffel dafür fehlen, ein weiteres Lebewesen zu versorgen (das heißt ja dann auch wieder öfter sauber machen und so weiter), ist das vielleicht gar nicht so schlimm.
  • Die Schneckenmango lebt! Sie sah sehr lange nicht so aus, es war eigentlich nur ein toter Stock, aber ich habe sie eisern jede Woche gegossen, weil die Wurzeln immer noch ok aussahen. Vor ein paar Wochen entdeckte ich einen kleinen Trieb an der Wurzel und jetzt ist schon ein ca. 7 cm großes neues Mangobäumchen mit zwei Blättchen daraus gewachsen.
  • Die Schnecken selbst sind leider der Erdfliegenseuche zum Opfer gefallen. Die hatten nach meiner Umtopfaktion ja nur noch das Terrarium als Rückzugsort und haben das massiv befallen. Die vier verbliebenen Schnecken kamen kaum noch aus den Häusern und waren alle von den Fliegen selbst befallen, die krochen in die Atemlöcher. Sie hatten einfach kein gutes Schneckenleben mehr unter diesen Umständen und ich habe keine Möglichkeit mehr gesehen, die Fliegen loszuwerden, ohne den Schnecken zu schaden. Das ist ein sehr wunder Punkt, weil ich denke, dass ich mehr hätte machen müssen.
  • Warum hab ich gedacht, Kinder haben sei alternativlos? Ich habe keine Ahnung. Das beschäftigt mich seither, aber ich weiß es einfach nicht. Mir kam einfach nie in den Sinn, dass eine fest heterosexuell verpartnerte Frau mit festem Einkommen, guter Ausbildung, Dach über dem Kopf und (damals noch) robuster Gesundheit nicht als nahezu logische Konsequenz Kinder bekommt oder es zumindest versucht.
  • Konacar bestes Auto. Bin sehr zufrieden, das einzige, was ich vermisse (bei dem Wetter) ist Allradantrieb. Allen anderen Schnickschnack von Carona braucht man bei Licht betrachtet einfach nicht. Die Fahrassistenzsysteme sind, Achtung!, meiner Meinung nach sogar besser, weil Konacar nicht phantombremst, nicht wegen Schneematsch auf der mittleren Fahrbahnmarkierung plötzlich meint, die Gegenspur gehört auch noch zu uns und mitten in der Mitte (also halb im Gegenverkehr) fährt und der Übergang vom Spurhaltesystem zum selber lenken butterweich ist (bei Carona nicht, ganz im Gegenteil). Meine ehrliche Meinung: Tesla hat die Elektroautorevolution so richtig in Gang gebracht mit den ersten E-Autos, die tatsächlich im Alltag wie Verbrenner nutzbar waren, aber inzwischen bauen andere Hersteller einfach bessere, weil technisch rundere und erschwinglichere, E-Autos. Man merkte bei Carona einfach oft, dass da hinter kein erfahrener Autohersteller steckt. Da hilft auch kein Weihnachtsmodus und keine Pupsgeräusche.
  • Den Kastanienmann hab ich nicht zu Ende gelesen, das ist kein gutes Buch.
  • Die Puzzles, die ich vor dem Urlaub gekauft habe, habe ich bisher nicht gepuzzelt, aus Mangel an Zeit, Platz, Löffeln und Muße.
  • Mit der DnD-Kampagne kümmern wir auch nicht weiter, aus den selben Gründen.

Ich glaube, das war’s vorerst. Dieses Jahr möchte ich einfach gern abhaken, war nicht so doll, vor allem hinten raus nicht. Mein einziger guter Vorsatz fürs nächste Jahr: mehr (haha, überhaupt mal) nein sagen und Aufgaben loswerden, damit wieder mehr Zeit für mich bleibt.

Tag 2725 – Piep.

Meh, Freitag Abend und müde und Kopf voll aber einzelne Gedanken wollen sich nicht fassen lassen. Das Wetter ist auch wieder zum abgewöhnen, es regnet auf festgebackenen Schnee, da ist selbst Müll rausbringen Risikosport. Vorgestern, bei -13 Grad, dachte ich noch, ach, was ist das schön hier. Haha. Und dann kommt wieder dieses Wetter. Meh, meh, meh.

Morgen muss ich mich echt um diese Foto-Sache hier auf dem Blog kümmern, das ist ja kein Zustand hier.

Tag 2724 – Piek.

Meine Omi hört man bis hierher im Grab rotieren. Die hat immer geschimpft, dass man als Eltern ja auf jedes Kratzerchen Pflaster klebt und pustet und hofft, dass ja nichts zurückbleibt, und dann gehen die Kinder hin und bohren Löcher in sich rein. Sie bezog sich damit auf Ohrlöcher. Pippi (jetzt wieder quietschfidel) liegt uns seit einem Jahr in den Ohren damit, dass sie Ohrlöcher haben will und so langsam knicken um uns rum immer mehr Eltern ein, was dann auch noch „Aber die X hat auch welche!!!“ mit sich bringt. Dazu kommt, dass ich selbst nen Haufen Löcher in den Ohren habe und die ersten davon habe ich auch mit sechs oder sieben bekommen, glaube ich. Super Argumente, warum man das auf gar keinen Fall machen sollte, habe ich also nicht und nachdem wir Eltern das intern besprochen hatten, lag ein Ohrlöchergutschein unterm Baum.

Nur machen wir das dann auch richtig. Der Ohrlöchergutschein kam vom Piercingstudio in Oslo, bei dem ich auch schon ein paar mal war, um Schmuck zu kaufen und einsetzen zu lassen. Das macht einen guten Eindruck und sie haben einen langen Artikel auf ihrer Webseite, warum man Ohrlöcher nicht mit der Maschine schießen lassen sollte, und dass sie deshalb auch bei Kindern Ohrlöcher machen (viele Studios hier haben eine 12-Jahres-Altersgrenze, dieses aber nicht). Warum nicht mit der Maschine? Nun, erstens ist die Maschine selbst nicht steril. Dann sind diese ersten Stecker, die da durchgetackert werden, oft zu dick, zu stumpf und zu kurz. Dadurch wird Gewebe eher verdrängt als sauber durchstochen, es kann Narben geben und dadurch schief werden oder wieder zuwachsen, wenn man mal 2 Wochen keinen Stecker trägt, und dadurch dass sie zu kurz sind und der Verschluss oft sehr hart drauf gepresst wird, ist die Durchblutung oft nicht optimal und das ist ebenfalls für die Heilung nicht gut. Beim Piercen wird eine sterile Einmal-Kanüle durchgestochen, die wesentlich schärfer ist und ein „echtes“ Loch macht (man kann sich das wie einen Plätzchenausstecher vorstellen, im Gegensatz zu einem Speer). Dann wird ein sterilisierter Stecker in das Loch gesetzt und mit einer sterilisierten Schraubkugel verschlossen. Beides ist aus Chirurgenstahl oder Titan, nicht legiert und damit unbedenklich, was Allergien angeht. Der Stab ist zu Anfang ein gutes Stück länger als der Stichkanal, weil verletztes Gewebe anschwillt und das auch können soll, ohne dass der Verschluss dann das Ablaufen von eventuellem Sekret behindert. Ich hatte ja lange ein Zungenpiercing, das muss man am Anfang alle paar Tage gegen ein kürzeres tauschen, weil man sonst, wenn die Zunge abschwillt, einen unverhältnismäßig langen Stab im Mund hat, auf den man auch gerne mal drauf beißt, was sehr unangenehm ist. Aber ich schweife ab, deshalb jedenfalls vom Profi gestochene Löcher statt vom Friseur/Juwelier gestanzte. Außerdem bekommen Piercingstudios wesentlich öfter Besuch von den zuständigen Behörden als Friseure oder Juweliere (letztere, vermute ich mal, bekommen entweder nie oder nur ganz am Anfang, bevor sie diesen Service anbieten dürfen, solchen Besuch). Piercer*Innen sind eben professionelle Löchermacher*Innen, nicht professionelle Schmuckverkäufer*Innen die auch hin und wieder Löcher tackern.

Ich kann ja jetzt nur für dieses Studio (und das in Bielefeld, bei dem alle meine anderen Löcher gemacht wurden) sprechen, aber die machen das außerdem echt super. Schon allein, dass das vorher aufgemalt wird, damit man anhand des Spiegelbildes ja oder nein sagen kann, BEVOR man unwiederbringlich Löcher macht, finde ich echt einen Vorteil. Außerdem waren die mit Pippi, die verständlicher Weise aufgeregt war, total lieb. Die Piercerin erklärte, was sie macht, Pippi durfte mit der Zange herumspielen, sie durfte auch auf meinem Schoß sitzen und als sie kurz vorher in Tränen ausbrach, war auch das kein Drama, sondern ganz verständlich und in Ordnung. Es wurde nichts beschönt, sondern kindgerecht erklärt, dass es kurz wehtut, aber echt nur ganz kurz. Weil es zwei Löcher sein sollten, durfte Pippi auch wählen, ob zwei Piercerinnen gleichzeitig beide Löcher stechen sollen, was Pippi annahm. Bis drei gezählt (Pippi durfte zählen), Zack, zwei Löcher drin. Pippi bekam hinterher eine Urkunde und einen Anstecker für Tapferkeit. Bei mir bedankte sich die Piercerin sogar, dass wir unsere Kinder piercen lassen statt die Löcher mit der Pistole schießen zu lassen. Alles in allem war das ein total positives Erlebnis, bei dem ich mich und mein Kind gut aufgehoben und in professionellen Händen fühlte. Es ist und bleibt eine selbst gewählte, völlig unnötige Verletzung, aber wenn man sich nun dazu entschieden hat, würde ich es jederzeit wieder auf diese Art machen, wenn nicht zwei Löcher erst mal reichen würden. Pippi ist auch mega stolz und guckt sich und ihre Ohren jetzt sehr gern im Spiegel an. Ich bin gespannt, was für wilde Geschichten sie morgen ihrer Freundin davon erzählt.

P.S. Michel will jetzt auch, mal gucken, ob er sich das noch anders überlegt.

Tag 2720 – Grad noch…

… gefehlt: Pippi ist richtig krank, das linke Ohr ist entzündet und tut ihr offensichtlich sehr doll weh und die Nase produziert so viel Schnodder, dass wir ihr zu Weihnachten eine eigene kleine Papiermühle für die Taschentücher hätten schenken sollen. Dazu leichtes Fieber, also insgesamt eine fette Erkältung mit einer daraus resultierenden Mittelohrentzündung. Nichts, was nicht innerhalb weniger Tage vermutlich von selbst wesentlich besser wird, aber scheiße genug wenn man es hat (oder ein Kind damit hat, das dementsprechend beschissen schläft und tagsüber drauf ist). Arme Maus. (Jaja, wir machen, was wir können, Wärme, Schmerzmittel, inhalieren… aber es tut halt einfach sau weh.)

… gefehlt und…

… gut gegangen: Ich dachte heute, es sei eine gute Idee, den Backofen nach dem Braten gestern mal sauberzumachen, bevor heute der Fisch reinwandert. Also machte ich den Ofen sauber, wie ich das immer so mache und danach wollte ich den Ofen vorheizen und *pling* flog die Sicherung raus. Licht ging, alles andere im Ofen führte zum selben Resultat. Google sagte, dass wahrscheinlich irgendwo beim sauber machen Wasser rein gelaufen sei, und dass man es trocknen lassen sollte und dann noch mal gucken (außerdem mache Rasierschaum sowohl Ofen als auch Sicherung (???) zuverlässig sauber, was auch immer das mit dem Problem zu tun hat, aber es war eine hoch gerankte Antwort). Aber auch nach zwei Stunden ohne Tür im Ofen flog die Sicherung jedes Mal raus, wenn ich ihn anschaltete. In der Zwischenzeit hatte sich aber Herr Rabe in die Thematik per YouTube eingearbeitet. Und so schritt er zu Werke, den Backofen ausbauen, dann auseinanderbauen, überall messen, wo der Kurzschluss ist (erfolglos) und schlussendlich trotzdem den Übeltäter hervorzaubern. Die Heizspirale für Oberhitze ist hinüber. Sie ist unter anderem verformt, das allein wäre aber vermutlich nicht so schlimm, allerdings ist auch ihr Mantel geplatzt und vermutlich ist da das Putzmittel rein gekommen und hat den Kurzschluss verursacht. Der Ofen ist 10 Jahre alt und ich rechnete fest damit, dass das sein Todesurteil sei, aber ein Hoch auf die Gütersloher Markenware und Herrn Rabe, der einen norwegischen Händler aufgetrieben hat, bei dem man problemlos Ersatzteile wie Heizspiralen für diese Markenware bestellen kann. Herr Rabe checkte noch gewissenhaft die übrigen Heizelemente durch, die aber alle ok aussehen und bastelte den Ofen dann wieder zusammen. Ich hatte den Eindruck, er hatte da Spaß dran, während ich eher so innerlich schreiend im Kreis lief, weil wir den Backofen wirklich oft benutzen und es war doch der Fisch geplant und der hält ja nicht ewig so frisch im Kühlschrank und ohgottogottogott Panik. Am Ende klemmte Herr Rabe noch die kaputte Heizspirale ab, und siehe da: der Ofen funktioniert auch ohne, jedenfalls Umluft und Unterhitze funktionieren ohne Probleme, jetzt, wo es keinen Kurzschluss mehr gibt. Es gab dann sogar noch Fisch, aus dem sauberen Backofen (Umluft), und er war sehr lecker, wenn auch spät.

Ich empfehle nicht, an den Feiertagen den Ofen „mal grad“ zu putzen. Machen Sie das nicht. Never putz a running Ofen, oder eher, Never putz an Ofen you need later that day.

Heute Herrn Rabe ewig dankbar.

Tag 2719 – Frohe Weihnachten!

Ich hoffe ehrlich, Sie hatten alle einen ähnlich entspannten Heiligabend wie wir. Wir haben sehr lecker gegessen, beschert, einen Weihnachtsfilm geguckt, dabei ist Pippi (die leider wieder krank ist) eingeschlafen. Michel, Herr Rabe und ich haben dann noch Lego gebaut, jede/r sein/ihr Set und Michel baut tatsächlich immer noch, fueled by julebrus (Weihnachtslimo).

Früher war mehr Lametta, aber das war ganz früher ja auch noch aus Blei, heute undenkbar. Früher war auch mehr schick machen, das war heute nicht drin, weil warmes Essen und eine saubere Wohnung priorisiert wurde. Vielleicht wird das eine neue Tradition, Weihnachten in exakt den Klamotten, in denen man Lust hat, sich sinnlosen Winterspeck anzufuttern. Weil früher war auch mehr Stress.

Tag 2718 – Vorweihnaaaaaaahhhh!

Urgs, muss das vor Weihnachten immer so stressig sein? Müssen alle unbedingt noch einkaufen, wenn ich auch unbedingt noch einkaufen muss? Müssen Leute dringend ihre Babies und Kleinkinder mit zum Einkaufen nehmen? Ich schätze, ja. Und ich will da auch eigentlich keinen verurteilen, aber für mich ist das ein maximaler Albtraum und hätte ich nicht auch zur Apotheke gemusst, ein Rezept abholen, hätte ich das Einkaufen mit großer Freude Herrn Rabe überlassen. Der hat derweil geräumt.

Nach so ner Tour schaffe ich es knapp nach Hause und kollabiere dann noch mit der Mütze auf auf dem Sofa, wo ich nicht mal in der Lage bin, mein Handy zu holen oder mit irgendwas sinnvollerem als „hmmmnnnäää“ zu antworten, wenn Herr Rabe fragt, ob ich irgendwas brauche oder mich hinlegen möchte.

Vergessen habe ich übrigens obendrein einiges, weil irgendwann mein Hirn nicht mehr so ganz wollte, wie ich.

Kurz: ein Tag, den wir wieder mal in die Kategorie „für die Tonne“ und „Frau Rabe ist seltsam“ einsortieren.

P.S. Warum klingt Bach so leicht und ist so schwer?

Tag 2717 – Weiß oder Matsch?

Hier schwingt dauernd das Wetter um, kein Wunder, dass ich Kopfschmerzen habe. Letzte Woche waren noch -15 Grad, jetzt waren zwei Tage +-1 Grad, dabei aber auch Regen, heute war Schneesturm bei -1 Grad, morgen sollen es wieder -8 Grad werden und Samstag und Sonntag dann runter bis -18. Nächste Woche dann wieder Tauwetter. Yeah.

Michels Übernachtungsbesuch war gut (wenig Schlaf und viel Alberei, wie das halt ist mit 10) und was wohl auch gut war, war sein spontaner „Auftritt“ gestern in der Klasse. Er hat zwei Weihnachtslieder auf dem Kornett gespielt. Einfach so. Dienstag Abend hat er die dann auch drei mal geübt und dabei 5000% Fortschritt gemacht. Ich bin super stolz auf ihn, er macht das super (wenn er doch nur mehr üben würde…!). Seine einzige Klage heute war, dass die Klasse „zu viel“ applaudiert hat. Hach, Hach.

Ich durfte, als ich Michel abholen wollte und dann aber noch spontan auf einen Kaffee blieb (was dämlich war, so unvorbereitet, weil ich eigentlich keine Ressourcen für Socializen hatte heute, aber egal, man will ja auch nicht unhöflich sein), sehr ausgiebig ein klitzekleines Schoßhündchen von schätzungsweise 35 kg und guter Kniehöhe Stockmaß streicheln, denn dieses arme, arme Tier wird offenbar nie gestreichelt und musste deshalb sehr dringend sehr nah bei mir sein, mehrmals auch mehr oder weniger auf meinem Schoß. Ich mag Hunde meistens eher so mittel gerne, viele Hunde riechen sehr unangenehm für mich, aber der hier war super und sehr flauschig. Ein bisschen wie Babies: ich will kein eigenes haben, aber so zu Besuch, gut gelaunt und nicht stinkend sind die schon super.

Tag 2716 – Nicht der Rede wert.

Vergessen wir diesen Tag einfach. Würd gern berichten können wie ich gleichzeitig optimal entspannt, Self-Care gemacht und Weihnachten vorbereitet habe, aber das wären gleich drei Lügen auf einmal, und ich kann ja so schlecht lügen.

Morgen ist bestimmt besser. Und etwas ist tatsächlich auch echt super: Michel hat sich spontan überlegt, bei seinem Kumpel zu übernachten. Er ist nach der Schule heute mit zu dem Kumpel gegangen, sie haben Kekse gebacken, und als Herr Rabe mal vorsichtig anfragte, wann wir ihn denn abholen sollen, kam als Antwort „morgen!“. Also hat Herr Rabe nur einen Haufen Zeug zum Kumpel gefahren, Michel braucht zum Übernachten ein klitzkleines bisschen mehr Kram, als Pippi. Also tatsächlich, weil er wegen der Hausstaubmilbenallergie wesentlich besser mit seinem eigenen Bettzeug schläft als mit Gästebettzeug. Ach, schön, dass er das jetzt so kann, einfach so.

Tag 2714 – Überraschend.

Ich war heute beim Zahnarzt. Das war sehr aufregend für mich und wenn sie schon bei der Vorstellung von Zahnarztbesuchen Schweißausbrüche kriegen, warne ich sie lieber vor, aber es muss raus.

Normalerweise habe ich ja nichts an meinen Zähnen. Normalerweise knöpft der Zahnarzt mir für ein bisschen Alibi-Gekratze an minimalem Zahnstein bei der Vorsorge Geld ab und schickt mich dann wieder weg. Letztes Mal aber nicht, letztes Mal machten wir einen neuen Termin aus, um zwei sehr kleine, aber inzwischen weiche, Karieslöcher zu füllen. UIUIUI! Gleich zwei. Für mich überraschend bot der Zahnarzt da schon eine Betäubung an, was ich absurd fand, weil er ja gesagt hatte, wie klein diese Löcher sind und ich auch beim rumstochern nichts gemerkt hatte.

Heute war also dieser Termin und es kamen noch ein paar Überraschungen dazu, für mich Zahnarzt-Noob jedenfalls. 1. wie unangenehm ist denn diese Druckluftdüse bitte? Die Luft ist ja eiskalt! 2. Wie schnell das ging. Oben hat er vielleicht 20 Sekunden gebohrt und dann noch mal 40 Sekunden die sehr tiefen Furchen in dem Backenzahn eingeebnet. Unten dauerte es etwa doppelt so lange. 3. Das tut ja doch weh! Also unten tat es weh. Oben nicht. Aber unten war es so ein Gefühl, wie wenn die in der Sensodyne-Werbung Eis essen, nur halt nicht ein Mal kurz sondern nach den ersten Sekunden den ganzen Rest der Zeit. Gerade als ich beschlossen hatte, dass ich doch gern mal ne Pause hätte, war er fertig.

Dann kamen die Füllungen, nichts spektakuläres, so ein Plastikzeug, das mit einer Mini-UV-Lampe gehärtet wird. Mein Mund hat jetzt von innen mehr UV-Licht abbekommen, als ich im letzten Monat, schätze ich. Noch mal abgeschliffen, drüberpoliert, fühlt sich alles gut an? Ja? Ok, dann war’s das. 4. Nach 15 Minuten war ich fertig. 5. Uiuiui, teuer. Nicht teurer als erwartet, bzw. hatte ich es mir sogar schlimmer vorgestellt, aber hier in Norwegen muss man ja als Erwachsene im Normalfall alle zahnärztliche Versorgung selbst zahlen und dann kosten zwei winzige Füllungen halt 1800 Kronen.

6. Heute Abend merkte ich außen am Zahn unten (die Löcher waren ja nur in den Kauflächen gewesen) eine rauhe Stelle mit der Zunge, worauf ich nicht sein lassen konnte, daran rumzufriemeln und im Endeffekt brauchte es nur ein Mal Kratzen mit dem Fingernagel, da hatte ich ein paar kleine Plastikfüllungssplitterchen in der Hand. Ich glaube, die kamen nur außen vom Zahn, sind also wahrscheinlich da runter gelaufen als das Zeug noch weich war, aber ich rufe doch lieber morgen früh noch mal den Zahnarzt an, ob das so richtig ist. Es tut jedenfalls nichts weh, nichts ist schmerzempfindlich, sieht auch alles tiptop aus, aber es sind meine ersten Füllungen, ich hab doch keine Ahnung.

Das alles war so aufregend, dass ich danach echt platt war, mich nicht konzentrieren konnte und später noch Migräne bekam. (7., aber eigentlich ist das nicht überraschend, ich kenne mich ja inzwischen.)