Tag 3247 – Fortsetzung und echt tighter Rock.

Hab den Titel gestern nicht erklärt, es war ja auch schon spät. Ich habe das Gefühl, ich habe nicht nur kein sonderlich dickes Fell, sondern ich habe einfach gar kein Fell, wie so ein Nacktmull, was bestimmte Dinge angeht. Zum Beispiel die Kommunikation mit anderen Menschen und, speziell, missverstanden zu werden. Da gehen alle Rollos runter. An schlechteren Tagen hab ich nicht mal Haut (also wie so eine gepellte Weißwurst, oder ein Nacktmull ohne Mütze, äh…) und Mittwoch und Donnerstag waren echt schlechte Tage.

Was hatte ich erwartet? Naja, ich hatte zumindest NICHT erwartet, dass Leute in eine simple Bitte ganz offenbar lauter Zeug reininterpretieren, was da nicht steht und ich auch nicht denke. Aber vielleicht ist das halt auch so ein Ding, was eventuell damit zusammenhängt, dass mich missverstanden zu werden so ungemein frustriert. Ich kommuniziere direkt und brauche und erwarte auch dass mit mir direkt kommuniziert wird. Untertöne nehme ich (sogar sehr gut) wahr, die verwirren mich aber meistens und es braucht lange (meistens auch Rückversicherung bei anderen), bis ich die entwirrt habe und eine ungefähre Idee habe, was man mir nonverbal zu vermitteln versuchte. Ich schreibe deshalb selbst auch nichts zwischen die Linien. Viele andere Leute schreiben aber ganz viel zwischen Linien und nehmen daher auch an, dass alle anderen das tun. Und dann passiert halt sowas.

Auch in diesem Fall brauchte es übrigens einen Übersetzer für die Untertöne. Herr Rabe sagte nach einem Blick auf die Replys: Die fühlen sich ertappt, weil die wissen, dass das eigentlich nicht so geil ist, aber sie es trotzdem erlauben, und jetzt hast du ausgesprochen, dass das nicht so geil ist und sie haben ein schlechtes Gewissen.

Das war nicht meine Absicht gewesen, aber ändern kann ich’s jetzt auch nicht mehr. Nächstes mal (hahahahaha als würde ich noch mal irgendwas substantielleres als „Schönes Wetter heute“ da äußern) kommt dann halt noch der Disclaimer dazu, dass ich keinem irgendwas vorwerfe und niemanden shamen möchte.

Auf Twitter hätte ich so eine Reaktion im Übrigen erwartet, auch deshalb bin ich da auch nicht mehr. Und generell habe ich gestern festgestellt, dass ich einfach lieber mit Leuten rede, die im Zweifel nachfragen, wie etwas gemeint ist, bevor sie verbal zuschlagen.

Besonders enttäuschend, dass ich sogar gemacht habe, was ich im Kommunikationsseminar gelernt habe, also das Rezept peinlich genau befolgt, und der Kuchen ist trotzdem leider im Ofen explodiert. Fast so als wären Rezepte nicht auf Menschen anwendbar. Meh. Aber jetzt ist das Krönchen wieder drauf. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, nicht wahr.

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Gestern Abend, ja, das war wirklich feuchtfröhlich. Mit dem kompletten pädagogisch-psychologischen Dienst des Dorfes. Die sind jetzt alle inhabil (ich glaube es heißt auf deutsch befangen?) uns gegenüber. Die Dame, die Michels Vordiagnostik gemacht hat, war auch da. Auch der Kommunenpsychologe war da. Wir hatten echt viel Spaß, die Babysittermama ist eine totale Partyqueen und reißt auch ruhigere Gemüter gnadenlos mit. Bis ich merkte, dass der Fruchtpunsch Alkohol enthielt (man schmeckte das wirklich überhaupt nicht), war es auch schon zu spät und ich hatte zu viel davon intus, als dass ich noch hätte Auto fahren können. Also nicht hackenstramm, andere waren hackenstramm, dagegen war ich richtig zahm angetütert, aber halt jenseits von Fahrtüchtigkeit. Herr Rabe auch, aber dem hatte ich auch nicht ansonsten nur alkoholfreies Radler gekauft. Naja und dann konnte ich auch noch ein drittes Glas davon trinken und weigerte mich auch nicht gegen Mojito. Einen. (Ich mag Mojito echt gerne.) Und irgendwie waren wir dann plötzlich in der einzigen Kneipe des Dorfes (so plötzlich nicht, der Sohn der Chefin der Babysittermama hat uns gefahren, die Chefin ließ sich aber lieber nach Hause statt in die Kneipe bringen, kluge Frau). Da liefen aber nur die selben 5 Lieder in Dauerschleife und der Abstand der Alkoholpegel zwischen mir, Herrn Rabe und dem Kommunenpsychologen nebst Freundin und… dem ganzen Rest war auch auffallend hoch, weshalb wir uns nach einem alkoholfreien Bier verabschiedeten und nach Hause gingen.

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Heute morgen war trotzdem hart, ich hatte versprochen, um 11 bei der Pride Parade im Dorf aufzulaufen, deshalb klingelte um neun der Wecker. Mein Kopf erinnerte mich daran, dass ich Alkohol oft echt nicht so gut vertrage, auch in moderaten Mengen nicht. Bis ich meinen (muskelkaterigen) Hintern aus dem Bett gehievt hatte, war es aber auch irgendwie schon nach zehn. Ich warf Brötchen in den Ofen, Herr Rabe machte mir Kaffee, ich wusch meine Haare und schminkte meine Augen ratzfatz in Blau-Lila-Pink mit ordentlich Glitzer (und schminkte den Rest von meinem Gesicht einfach gar nicht, weil keine Zeit) und dann war ich auch nur ein ganz bisschen nach elf bei der Pride. Die war sehr niedlich, wir gingen mit etwa 100 Leuten ein Mal um den Block. Es ist trotzdem wichtig, finde ich, zu zeigen, dass jede*r willkommen ist, solange es nette, weltoffene und tolerante Menschen sind. Von der Party-Truppe von gestern war übrigens nur eine da, mit dickem Kopf aber ansonsten fit. Der Rest wollte kommen, war aber durch verschiedene Umstände verhindert.

Wieder zu Hause aß ich endlich mein Brötchen. Wir schnackten ein bisschen, Herr Rabe und ich, und dann trennten sich unsere Wege, Herr Rabe zum Aufbau mit seiner Band, ich die Kinder von der Korpstour wieder abholen. Die Kinder wollten, zu meiner großen Überraschung, beide nicht mit nach Hause. Michel sagte, es sei SEHR gut gewesen, die Tour. Hach. Das freut mich immer sehr, die haben da einen tollen Zusammenhalt, wo auch Kinder wie Michel, der sonst sozial eher etwas zurückhaltend ist, voll aufgenommen werden. Hach, Hach.

Abends schnappte ich mir dann die Kinder, Papas Auftritt angucken. Und was soll ich sagen, die Band ist einfach richtig gut. Der Sound war gut (ich habe zwei Lautstärkewarnungen von meiner Uhr bekommen), und die drei produzieren ein fettes Brett aus Rock, Punk, (Mainstream) Metal und Indie. Sehr tight, 10 von 10 Punkten von einer sehr kritischen Zuhörerin. Bisher spielen sie nur Coversongs, aber ab dem Sommer möchten sie selbst Lieder schreiben. Das wichtigste aber ist, dass man denen anmerkt, dass sie da echt Spaß dran haben. Eine Stunde lang haben die drei abgeliefert, im Regen und vor einem kleinen Publikum, aber, ich habe das mitverfolgt: das Publikum sind alle bis zum Schluss da geblieben und es kam echt viel Applaus und Jubel. Dafür dass das nicht so viele Leute und Norweger waren, war das Publikum ziemlich laut in seiner positiven Rückmeldung. Pippi fand es auch super, Michel hielt sich am Rand und wollte, glaube ich, hauptsächlich nicht mit den Stufenkameraden sprechen. Die haben inzwischen sehr unterschiedliche Interessen. Tja.

Mit albernen Hüten. Von den coolen Kids geliehen und daher auch zu klein für drei erwachsene Schädel.

Das war schön. Herr Rabe sieht auch einfach sehr gut aus, muss ich sagen, ich stehe inzwischen auf Ü-40-Jährige Bassisten mit grauen Strähnen in langen Haaren. So gesehen sollte ich der Band vielleicht keinen weiteren Erfolg wünschen (hinterher kommt Herr Rabe noch rum und wird von Groupies belagert), aber ich glaube, da habe ich ganz schlechte Karten, das war sehr solide abgeliefert heute.

Bämm!

Tag 3243 und 3244 – Sommerfest.

Alle Jahre wieder sind Schuljahresabschlussfeiern. Seit letztem Jahr irgendwie für die ganze Schule zusammen, als wäre eine Klasse oder eine Schule noch nicht genug Halligalli. Letztes Jahr war ich glaube ich in Korea, als das war? Oder, nee, ich war stattdessen beim Ballett, weil ich solche Veranstaltungen ja hasse, richtig. Heute war es jedenfalls wieder soweit. Es war Gewitter angekündigt und kam dann auch, aber das Programm wurde durchgezogen. Viele Eltern drängten sich unter das Vordach, während die Kinder stufenweise im Regen standen und sangen und tanzten, übertönt vom Donner und dem Gelaber der Eltern. Weder die Eltern noch die grad nicht beschäftigten Kinder waren leise, unter dem Vordach konnte man die singenden Kinder kaum hören, weil sich alle unterhielten. Ich habe zusätzlich zu meinen normalen Empfindlichkeiten grad mal wieder zyklusbedingt Laune und wollte in schneller, zyklischer Abfolge schreiend wegrennen, mir schreiend die Ohren zuhalten, alle Anschreien dass sie gefälligst die Fresse halten sollen und die Person hinter mir, die extrem laut klatschen konnte, erwürgen. Ja toll, du kannst super laut klatschen, bisste bestimmt voll stolz drauf HÖR AUF DAMIT JETZT SOFORT SONST KLATSCHT GLEICH WAS ANDERES. Ich habe nichts davon gemacht, nur immer mal wieder wegen der klatschenden Person gezuckt und versucht, das ganze irgendwie auszuhalten. Ich kann es nicht erklären, aber das Gelaber löste bei mir extremen Stress und körperliches Unbehagen aus, wie ekligen Stoff anfassen, und das Klatschen tut mir weh als würde ich geschlagen.

Beide Kinder haben ihre Performances gut gemacht und waren danach froh, in die Klassenräume zu gehen, raus aus dem Regen. Ich… nicht so. Weil da waren auch wieder viele Leute, diesmal im Raum, manche kenne ich, aber reden war da schon eher nur noch rudimentär bei mir. Ich war etwa 2 Minuten in Michels Klassenraum, wo alle durcheinander liefen, dann ging ich raus und atmete ein bisschen in der Garderobe herum. In den folgenden 10 Minuten guckte ich erst aus dem Fenster, fand dann einen Handschuh von Michel, und dann hatte ich zu tun, weil unter den Garderobenschränken noch weitere Dinge hervorblitzten. Ich zog zwei weitere Handschuhe von Michel, einen Handschuh von einem anderen Kind, einen Buff von Michel und ein Reflexarmband unter den Schränken hervor. Das Verlieren von Dingen, wie zum Beispiel Handschuhen, ist bei ADHS übrigens ein reelles, belastendes und teures Problem. Jetzt haben wir… drei Handschuhe. Vielleicht können wir die hier zu Hause mit anderen Handschuhen verheiraten, der nächste Winter kommt sicher.

Nachdem ich auf dem Boden rumgekrochen war, war der Klassenraum etwas leerer und ich machte eine kurze Tour, gucken, was die Kinder dieses Jahr so gemacht haben. Sehr sehr viele Ausflüge haben sie gemacht. Michel kam mir plötzlich mit einer Cola entgegen, die hatte der Schulelternrat ausgeteilt und er war natürlich begeistert und hatte die halbe Flasche auch schon intus. Jedes Kind hat einen halben Liter Cola bekommen. Abends um halb sieben. Ich wurde Zeugin, wie einem kleinen Geschwister, vielleicht so 4 oder 5 Jahre alt, geholfen wurde, aus der Colaflasche zu trinken. Mir fiel alles aus dem Gesicht, und so ganz kann ich das auch immer noch nicht fassen. Ich werde das morgen mal ansprechen, öffentlich, das geht so nicht, saufen die Lack oder was? Aber ich muss erst runter kommen, sonst werde ich unnötig bissig in meiner Kritik.

Ich wollte da schon echt gerne nach Hause, aber ging noch in Pippis Klasse vorbei, in der Hoffnung, da Pippi und Herrn Rabe abholen zu können. Auch da: Chaos, alle laut, und alle Kinder, 8-9-Jährige, mit einem halben Liter Cola. Herr Rabe hatte Pippi untersagt, mehr als einen Schluck davon zu trinken, und Pippi war deshalb natürlich sauer, weil alle anderen dürfen ja. Ja, alle anderen werden auch von allen anderen Eltern ins Bett gebracht, die sind das Problem von deren eigenen Eltern, liebes Kind.

Ich schleifte dann mehr oder weniger eine moppernde Pippi zum Auto, die, als Michel überglücklich mit seiner leeren Flasche herumwinkte, völlig eskalierte und gemeine Sachen sagte. Während ich mich ja eh eigentlich nur noch irgendwo in Embryonalstellung zusammenrollen wollte. Das tat ich zu Hause dann auch mehr oder weniger, eine Stunde Sommerfest zieht eine Stunde wortlos im Bett nach sich.

War Kacke, nächstes Jahr ist hoffentlich wieder Ballett an dem Tag.

Tag 3242 – Fertig.

Ich jetlagge immer noch ein bisschen herum und wollte heute genauso wenig aufstehen, wie die liebreizenden Kinder. Aber ich wollte/musste ja ins Büro, und nach dem Büro wollte ich in Oslo noch drülf Dinge tun. Dann war das Büro doof zu mir, da waren zu viele Meetings und zu hell und überhaupt und danach die drülf Dinge liefen auch nicht wie geplant und das war alles doof und ich danach total platt. Nun ist es so, dass ich tatsächlich seit Donnerstag einen Zettel habe, der bestätigt, dass ich mir nicht einbilde, dass manche Dinge, die für andere kein Problem sind, mich völlig auspumpen, aber da muss ich erst mal selbst irgendwie Worte für finden. Bald, sicher.

Nach dem Arbeitstag war ich jedenfalls erst mal zwei Stunden im Bett und ausgeknockt von allem, dann migränig und Kinder ins Bett steckend und müde und jetzt bin ich trotzdem wieder wach, ächz. Pippi hat übrigens, das ist mir beim ins Bett komplimentieren wieder aufgefallen, beeindruckend dreckige Füße in beeindruckend kurzer Zeit, auch diesen Sommer wieder. Riesengroße, dreckige Füße. Da Pippi ja auch schnell braun wird, weiß man an anderen Stellen ihres Körpers im Sommer oft nicht, ob das alles vielleicht nach einem Bad ganz anders aussieht, aber bei den Füßen kann man da ja schon recht sicher sein. Und irgendwie finde ich gut, dass sie so ein Dreckfußkind ist, vorm Fernseher bleiben die Füße nämlich gemeinhin sauber.

Abends habe ich ein bisschen die Danger Noodles hantiert, damit die daran halbwegs gewöhnt bleiben. Monty zieht sich eigentlich zuverlässig jetzt jede Woche eine Ratte rein, die Greg aber standhaft verschmäht. Deshalb ist Monty jetzt auch deutlich größer als Greg. Das wird sich schon irgendwann geben, der Hunger wird’s schon irgendwann auch bei Greg reintreiben. Vielleicht taue ich noch mal ne Maus im selben Wasser auf und versuche Greg eine mausduftende Ratte unterzujubeln, aber erst mal bleibe ich recht entspannt. Dünn ist Greg noch nicht, und Monty hat ja irgendwann den Hungerstreik auch beendet und seither läuft es eigentlich gut. Das Terrarium ist offenbar auch angenommen, beide liegen an den unterschiedlichsten Stellen immer mal wieder rum und so soll es ja auch sein, dafür gibt es ja verschiedene Zonen da. Etwas wärmer, etwas kühler, etwas feuchter, etwas trockener. Bester Platz tagsüber scheint hinterm Farn zu sein, alternativ liegt Monty auch gerne in der Höhle auf der warmen Seite. Greg hat heute noch mal versucht, sich unter die Kokosnuss zu quetschen, aber das passt inzwischen dann doch nicht mehr und es sieht eher aus, als würde Greg die Kokosnuss auf dem Rücken herumtragen, wie so ein Einsiedlerkrebs seine Muschel.

Tag 3232 – Jaauuuul!

Aaaalso, mein Vortrag ist jetzt fertig, sogar schon exportiert nach pdf, damit ich nicht auf dumme doch-noch-mal-schnell Ideen komme.

Ansonsten war der Arbeitstag so lala. Auf dem Hin- und Rückweg im Zug stehen müssen war jetzt auch nicht so eine große Freude.

Michels Lehrerin ist seit dem Vorfall, wegen dem sich die Kinder bei der Rektorin beschwert haben, krank geschrieben. Das tut mir für die Lehrerin natürlich leid, man ist ja nicht aus Spaß krank, aber wir haben einen viel ausgeglicheneren und fröhlicheren Michel zu Hause, das fällt sehr stark auf.

Es sind nur noch knappe fünf Wochen Schule, dann sind Sommerferien. Verrückt, wie schnell das geht. Nach den Ferien wird Pippi auch nicht mehr zum Hort gehen und wir haben dann gar kein Kind mehr in irgendeiner Form von Betreuung, das ist auch einigermaßen verrückt. Die waren neulich noch speckige Babies!

Ich hatte ja nicht so sehr viel Zeit zum Üben in den letzten Wochen, aber mit sehr viel Geduld habe ich die zwei Zeilen mit den Doppelgriffen (ab Takt 19) jetzt bald soweit, dass es sich nicht mehr anhört, als würde man zwei Katzen gleichzeitig quälen. Man muss auch ein bisschen die Augen zudrücken, was das Tempo und insbesondere die Länge der 32stel angeht. Ich hatte mir das nicht so schwer vorgestellt, um ganz ehrlich zu sein. Aber Lagenwechsel und dabei auch noch von 1-3 auf 2-4 und so Faxen… es ist ein Wunder, dass ich noch nicht den Hals meiner Geige zerquetscht habe. Apropos 2-4: Ich wünsche mir einen einen Zentimeter längeren kleinen Finger links, wie lässt sich das realisieren?

So viel Arbeit für 8 Takte. Das mache ich auch nicht noch mal. Im Grunde habe ich jetzt drei Wochen nicht viel anderes geübt.

Tag 3227 – Wie am Schnürchen!

Ich arbeitete ja erst ab Mittags, weshalb ich… um kurz vor acht aufstand und mit Herrn Rabe die Bude aufräumte, damit die Putzhilfe auch tatsächlich putzen konnte. Danach arbeitete ich viele Stunden, weil ich eigentlich gar keine Zeit habe, halbe Tage „frei“ zu machen (hatte ja nicht frei, hatte Ruhezeit). Spontan fuhr ich außerdem nach Oslo, um mein Piercing wieder einsetzen zu lassen. Hin, Piercing rein, zur… doch nicht, irgendwas brannte an der Strecke und dann hieß es erst, der Zug würde direkt wieder umdrehen, wir müssten alle raus, dann aber doch wieder alle rein, weil der Zug doch weiterfährt, aber über die Bummelstrecke, auf der Bummelstrecke gab es dann auch noch eine Reihe Stops scheinbar ohne Anlass und am Ende war eine extra halbe Stunde für das Hin und Her draufgegangen. Dafür war ich auch nur eine viertel Stunde nach der Schwägerin in Eidsvoll.

Ansonsten laufen die 17. Mai-Vorbereitungen auf Hochtouren. Besagte Schwägerin möchte sich dieses Jahr das Spektakel mal anschauen. Im Hause Rabe wurden Hemden gebügelt, Sterne an Uniformsjacken genäht, Kleider anprobiert (alle durch nicht-Tragen geschrumpft, hrmpf) und Kinder gereinigt. Beide Kinder wollten nach der Reinigung dass ich Dinge mit ihren Haaren tue, Pippi flechten (im Bauernzopf) und Michel föhnen. Michel hat unfair langes, dichtes und dickes Haar und dazu auch noch Locken. Föhnen dauerte so ungefähr ewig und am Ende war es immer noch leicht feucht, aber besser als mit ganz nassen Haaren ins Bett und morgen mit einem Vogelnest auf dem Kopf aufwachen. Pippi hat übrigens meine Haare geerbt. Dünne Fusseln und schnell nachfettende Kopfhaut. Da muss man recht häufig waschen und das macht die Fusseln an den Enden auch nicht stabiler.

Tag 3219 – Check.

Inspektion überstanden. War verhältnismäßig ok, spannend, aber kann (im Sinne von darf) nichts dazu erzählen. Aber ist erledigt jetzt, Check, nächste Aufgabe. Montag geht’s zu einem Kurs in die Schweiz.

Danach wie üblich ziemlich Pudding, und (wetterbedingt? Es war ziemlich eklig draußen, so als würde es jeden Moment regnen, aber es kam nichts. Der Nieser, der nicht rauskommt, in Wetterform) leicht migränig. Einkaufen vorm Feiertag, ein bisschen eine darüber einigermaßen schockierte Schlange (Monty) „bekuscheln“ (auf meinen Armen rumliegen und -kriechen lassen) und mich an der tatsächlich immens beruhigenden Wirkung dessen erfreuen. Dann die ihrerseits darüber sicher beruhigte Schlange zurücksetzen und das zweite Kind ins Bett bringen. Meine beiden Kinder sind sehr niedlich, wenn sie schlafen, ich habe das heute noch mal verifiziert. Da sehen die gar nicht aus wie 8 und 11.

Jetzt muss ich aber auch schlafen. Vielleicht auch niedlich, das wage ich aber nicht zu behaupten.

Tag 3217 – Alles Gute!

Herr Rabe hat Geburtstag, Hurra, Hurra, Hurra!

Der beste Mann der Welt, bester Vater unserer Kinder und er schnarcht auch nur ganz selten und ganz leise, ehrlich wahr!

Nein, Spaß beiseite: ich freue mich, schon zum 17. Mal mit Herrn Rabe Geburtstag feiern zu dürfen. Manche Menschen werden ja mit den Jahren immer besser und facettenreicher, ich werde hier jetzt nicht das Wein-Klischee bedienen, aber Sie wissen, was ich meine. Ich finde es schön, daran teilzuhaben.

Alles was ich sonst noch schreiben könnte, wäre viel zu privat, das sage ich ihm dann doch lieber persönlich. Dem besten Mann.

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Uns wächst hier demnächst übrigens der Bedürfnisorientierungsorden: Pippi will seit Samstag im Zelt schlafen. Samstag waren auch tagsüber 24 Grad und nachts noch so 12-15 und es war Wochenende. Pippi will das aber weiterhin, auch wenn es heute tagsüber 12 Grad waren und heute Nacht runter gehen soll auf 4. Uns fällt kein guter Grund ein, dazu nein zu sagen, also schläft Pippi draußen, auf einer Luftmatratze mit Schaffellen drauf, unter zwei Bettdecken und in einem Fleece-Onesie und Wollsocken. Nachdem sie eingeschlafen war und ich meinen schlotternden Körper aus dem Zelt pellen musste, setzte ich ihr noch meine Mütze auf und dachte dabei an die schöne Liedzeile „Mir ist kalt, zieh‘ jetzt bitte deine Jacke an!“.

Tag 3207 und 3208 – Mädchenkram.

Gestern war ich mit Pippi alleine, weil Herr Rabe auf einer Beerdigung war und Michel bei seinem Kumpel übernachtet. Wir hatten also „Mädchenabend“ und was macht man da?

1. Shoppen – wir waren beim Optiker, einen Termin ausmachen, damit ich getönte Gläser ausprobieren kann und dann bei Lindex, wo ich ein Paket mit diverser Business-tauglicher Kleidung hinbestellt habe.

2. Beauty – danach waren wir Haare schneiden. Spontan beim Flughafen beim Drop-In-Friseur – es muss ja auch Vorteile haben, wenn man 10 Zugminuten vom Flughafen entfernt wohnt. Ich hatte einen Haarschnitt dringend nötig, Pippi aber eigentlich noch viel mehr, die hat das letzte mal irgendwann in der Pandemie die Haare geschnitten bekommen und da sie meine Haarstruktur geerbt hat, waren die Spitzen wirklich sehr fransig und splissig. Der Friseur spricht nur Englisch, aber das ist für eine Weltgewandte Achtjährige, die ständig YouTube Kids guckt, ja gar kein Problem. Sie hat total problemlos mit dem Friseur gesprochen und seine Aussprache korrigiert, so lieb, dieses Kind. Sie hat allerdings auch nicht aufgehört, zu labern. Während ihres Haarschnittes und während meines auch nicht. Während meines rollte sie aber noch auf einem Sattelstuhl kreuz und quer durch den Salon. Wie viel Energie kann ein Kind haben?

Da sitzt Pippi auf einem Kissen, aber sie ist tatsächlich auch einfach sehr groß geworden.

3. Schick essen gehen – Der Flughafen hat ja auch eine Reihe Restaurants, Pippi wählte das, wo es Sushi gibt. Für mich gab es Ramen mit Pilzen und Tofu (und Gemüse und so weiter). Das war sehr lecker, aber Pippi laberte mir dabei konstant ein Schnitzel an die Backe (außer wenn sie sang. Dann nicht, aber dann sang sie halt). Dieses Kind ist ja sehr süß, aber auch ein nie endender Quell von Geräusch und Bewegung. Jetzt ist so ein Flughafen ja auch nicht der ruhigste Ort, in Kombination war das alles etwas anstrengend für mich. Ich kam auch viel zu spät darauf, dass ich ja meine anti-nerv-Ohrstöpsel dabei hatte. Pippi war jedenfalls höchst zufrieden mit ihrem Haarschnitt und ihrem Sushi und generell dem Tag und so fuhren wir nach Hause. Es gab noch einen Zwischenfall, weil Madame so lange auf dem Klo brauchte, dass wir den Zug verpassten, aber Schwamm drüber.

4. Noch mehr Beauty – Wegen heutigem Tanzauftritt hatte ich Pippi versprochen, dass ich ihr die Fingernägel rosa lackiere. Sie hatte das selbst versucht, aber nicht gut hinbekommen, keinen Überlack genommen und dann zu früh draufgetatscht. Als ich ihr die Fingernägel lackierte hielt sie tatsächlich durch zwei Schichten Lack plus Überlack still! Das Ergebnis war auch wirklich hübsch, ein hellrosa Ballettmädchen-Traum. Der Nagellack muss mal in einem Adventskalender gewesen sein, so eine Farbe würde ich mir nicht selbst kaufen. Ich habe ihn jetzt offiziell an Pippi abgetreten.

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Heute dann großer Auftritt für zwei Raben, grob geschätzt ca. 200 weitere Mädchen und Frauen und exakt einen Jungen. Es ist traurig, wie wenig anziehend Tanz auf Jungs wirkt. Normalerweise sind wenigstens noch ein paar HipHop-Jungs dabei, aber die sind wohl auf irgendeinem Wettbewerb grad. Trotzdem eine Schande, selbst wenn es sonst 3 Jungs auf 200 Mädchen sind.

Der Auftritt lief ganz ok für mich, ich habe leider nur ein Foto wo sonst niemand erkennbar drauf ist, und das ist von der Generalprobe.

Frau Rabe friemelt an ihren Fingern herum, die 100.000ste. Die Jacke war nur zum warm bleiben. Und es war vor dem Haare schneiden.

Pippi hat den Auftritt auch sehr gut gemeistert, sie hat sogar beide Shows heute getanzt. Mit Rad schlagen und Spagat am Ende! Zwischen den Shows waren wir Eis essen und frische Luft schnappen. Ich hatte mich für beide Shows als Freiwillige gemeldet und musste aufpassen, dass mir von einer Horde 10-12-Jähriger keine abhanden kommt. In der Praxis hieß das, dass ich etwa 8492 mal mit verschiedenen Mädchentrupps aufs Klo gegangen bin, Dutts gefixt habe, Pflaster und Tape verteilt habe und mittendrin feststellen musste, dass ich die falsche Liste in der Hand habe. Es löste sich trotzdem irgendwie und am Ende hatte ich alle zwei mal ein- und wieder ausgetragen und konnte sie nach Hause schicken. Hurra!

Das war alles relativ anstrengend. Das merkte ich daran, dass mich maßlos aufregt(e), dass der „Döner“-Foodtruck keinen sich drehenden Spieß hat und auch kein Der Gerät(TM), sondern das Fleisch in der Pfanne brät. Das ist FALSCH, ich weiß das, weil ich aus dem Land des Döners komme. Ähäm.

Jetzt Bett ist dringend nötig.

Tag 3205 – Hmm okay.

Elterngespräch Nummer 2, mit Michel, und es war… okay? Ich bin einigermaßen irritiert, ehrlich gesagt. Vielleicht hat die Lehrerin aber auch inzwischen eingesehen, dass, wenn plötzlich 2/3 der Klasse irgendwelche Probleme haben, eventuell gar nicht die individuellen Kinder alle individuelle Ursachen dafür mitbringen. Jedenfalls ist Michel (ausgerechnet) in Mathe inzwischen weiter als alle anderen in der Klasse, behauptet aber weiterhin, das nicht zu können. Alle anderen Fächer waren ja noch nie ein Problem und sind es auch weiter nicht. Faszinierende Erkenntnis, die aber ungefähr alles erklärt, was mir seit 6,5 Schuljahren regelmäßig Augenzucken beschert: in Norwegen werden Rechtschreibfehler nicht mehr korrigiert und Rechtschreibung nicht bewertet. Es ist egal, man hat eh immer ein Autokorrekturwerkzeug dabei, es kommt mit der Zeit oft eh von allein (und wenn nicht, ist es ja egal, weil wir jederzeit Hilfsmittel zur Hand haben) und es ist wichtiger, einen sinnvollen Fließtext schreiben zu können, als dass dieser fehlerfrei ist. Ich bin echt fasziniert davon. Ich frage mich auch, ob das schon bis zu Arbeitgebern etc. durchgedrungen ist. Aber egal. Jedenfalls ist Michel gut in der Schule und eckt scheinbar auch nicht mehr so viel mit der Lehrerin an. Das ist gut, auch wenn ich dem Braten noch nicht zu 100% traue.

Abends waren wir alle klettern, woran selbst Michel einigermaßen Spaß hat, seit er weiß, dass er besser als seine Eltern darin ist. Er wiegt halt nichts und hat lange Gräten, das ist ein echter Vorteil. Herr Rabe und ich wiegen schon was. Ich bin geschmeidiger, er hat mehr Kraft. Insgesamt sind wir so ca. gleich schlecht gut. Allerdings habe ich mir an einem Boulder einen ganz enorm dicken Splitter unter den Fingernagel des rechten Zeigefingers gerammt und erst als ich am vorletzten Griff aufgeben musste, weil keine Kraft mehr irgendwo war, gemerkt, dass das ordentlich blutete. Nachdem ich den Splitter rausgezogen hatte, blutete es noch mehr und ich musste mir ein Plaster holen, was ich wenig später an einem anderen Boulder verlor. Das war dann aber auch der letzte, da waren meine Arme schon nur noch unbenutzbarer Pudding.

Ich kann übrigens nicht empfehlen, mit Post-Kletter-Nudelarmen Geige zu spielen. Ich konnte knapp die Saiten runter drücken und hatte auch etwa gar keine Koordination mehr. Also das war in seiner Lächerlichkeit schon fast wieder lustig.

Anyway. Morgen habe ich dann selbst „Elterngespräch“ (Mitarbeitergespräch), nur muss ich da, zu Michels Bestürzung, ganz alleine hingehen. Ich hatte überlegt, ob ich wohl einen emotional support husband dabei haben kann, aber ich will ja auch nicht komischer erscheinen als unbedingt nötig. Ich nehme Daumen für das Gespräch, echt, weil ich eine ganze Reihe unangenehmer Dinge ansprechen muss, damit sie endlich besser werden, und ein Teil dieser Dinge ist direkte Kritik an meiner Chefin. Hurra.