Tag 1358 – Zackizacki.

Heute Dinge erledigt. Zeitdruck macht das, weiß ich ja, kenne ich schon. Die SOP ist an die Kolleg*Innen zur Durchsicht verschickt. Der Report, der Freitag raus soll, enthält nun auch alle meine Notizen. Die Checkliste für nächste Woche ist… naja zu 50% fertig, aber ganz fertig muss sie ja auch nicht sein, ich gehe da ja nicht alleine durch alles. Zu Hause dann endlich die meine Bügelwäsche weggebügelt und einen groben Plan gefasst, was ich nächste Woche anziehen könnte und entsprechend einpacken muss. Jetzt kann morgen die Frau Halbesachen kommen und wenn ich heute Abend noch durch ein bis drei Dokumente durchkomme, muss ich morgen nicht mehr ran und kann Spargel essen Wein trinken. Ach ja, Blumen gegossen habe ich auch, den Rasen gesprengt und die Einkaufslieferung verräumt. Die Brotdosen aus den Kinderrucksäcken geholt. Wenn ich’s nicht besser wüsste, würd ich mich für Superfrau halten, aber ich bin nur ich und ohne den Zeitdruck wäre das meiste davon nicht passiert (bzw. sind ja große Teile davon schon seit Wochen nicht passiert).

Was schön war, war Michel beim Erfinden zuhören weil Pippi beim Fernsehen eingeschlafen ist. Ich hab ein ganz wunderbar kreatives großes Kind. Und ein sehr gesprächiges auch. Und niedliches. Und kluges. Und überhaupt. Auch wenn ich mich ein biiiiisschen drauf freue, vier Nächte am Stück allein in einem Bett zu schlafen, ich werd die alle vermissen.

Tag 1353 – Rechner.

Michels Lehrerin rief heute Mittag auf meinem Handy an. Ich denke dann ja immer direkt an BeinbruchGehirnerschütterungPlatzwunde, aber das war es nicht, auch kein Magen-Darm oder ähnliches Grauen, nein, sie wollte nur sagen, dass Michel bei der Lernstandserhebung sehr gut gewesen wäre, Lesen und Schreiben sei top, hören, welcher Buchstabe wo ist und so weiter, alles prima, auch Leseverständnis sei sehr gut und er mache auch im Unterricht sehr gut und eifrig mit. Auch Rechnen klappt gut, manchmal ist er übermütig und macht dann schnellschnell leider manchmal knapp daneben, aber die Konzepte könne er alle und das ist eigentlich alles, was sie von den Kindern zum jetzigen Zeitpunkt erwarten. Also sie sei sehr zufrieden und da könnten wir ja heute gut zu Burger K*ng gehen. Wie auch immer sie darauf kommt, wir waren noch nie mit den Kindern beim Restaurant Zum Goldenen Bogen oder der Konkurrenz. Doch! Letzte Woche als ich mit Pippi beim Baumarkt war, da hab ich mir im Mc Drive einen Kaffee geholt und wär Eis nicht ausverkauft gewesen, hätte ich auch jeder von uns eins gekauft. Aber Eis war aus oder wie Pippi sagt „Wir haben kein Eis gegessen, nur Mama Kaffee.“ Jedenfalls Michels schulische Leistung ist super, das hab ich ihm auch heute Abend gesagt, dass ich das super gut finde, dass er in der Schule gut mitmacht und ihm das Spaß macht und dass er schon ganz viel ganz gut könne, habe die Lehrerin gesagt. Darüber hinaus wird das mit den Kindern von der Lehrerin nicht besprochen, was ich gut finde, ich glaube fest daran, dass man mit Druck (und nichts anderes ist ja öffentliches Leistungs-Vergleichen) in dem Alter mehr kaputt macht als erreicht.

Michel also top Rechner, im Gegensatz zu meinem Arbeits-Rechner (wow, was für eine Überleitung und auch so gar nicht konstruiert oder so…). Mein Account ist seit dem Passwort-Wechsel vor fast einem Monat kaum benutzbar, ständig werde ich rausgeworfen und der Account gesperrt. Meine kleine Morgenroutine sieht deshalb so aus, dass ich bei der Arbeit ankomme, mir einen Kaffee hole, mich an den Rechner setze, 10 Minuten arbeiten kann und dann den Support anrufe, sie mögen doch bitte meinen Account entsperren. Dann kann ich wieder 1-3 Stunden arbeiten und dann beginnt das lustige Spiel von vorn. Es ist zum Haare ausraufen. Der Kollege hinter mir, der im Sommer in Rente geht, bekam heute meine doch deutliche Irritation mit und sorgte kurzerhand dafür, dass ich einen mistneuen Rechner bekam. Hmm, sagte ich noch, ich glaube eigentlich nicht, dass der Rechner schuld ist, es ist irgendwie der Account in dem der Wurm drin ist, aber Widerstand war zwecklos, ich bekam einen neuen. Immerhin durfte ich meinen alten behalten, „falls es doch nix hilft“ zwinkerte mir die IT-Frau zu. Jetzt habe ich also zwei Rechner – meinen ömmeligen alten und einen super schicken neuen. Und die Account-Probleme habe ich selbstredend auch weiter.

Tag 1351 – Nicht viel los.

  • Homeoffice war genau so langweilig wie vermutet
  • Pippis Arzttermin war ok. Es wurde ihr Blut abgenommen, ohne Emla-Pflaster vorher, dementsprechend trägt sie immer noch stolz ihr Pflaster und erzählt jedem und jeder wie doll das weh getan hat
    Elterngespräch im Kindergarten war auch ok. Pippi ist recht weit mit allem und sozial total umgänglich. Voll schön dass sie zu Hause dann die Diktatorin raushängen lässt. Ach ja, meine kleine Maus. Ab Sommer dann in der „Bärenhöhle“, bei den großen Kindern. Zum Abschluss malte Pippi noch lauter Vögel auf die Rückseite des Gesprächsprotokolls. Die Vögel sehen aus wie Kartoffeln in die man rechts und links nen dünnes Stöckchen gesteckt hat, aber MEIN BABY MALT WUNDERHÜBSCHE VÖGEL!!!
    Mit Michel Blumen gegossen
    Babypflanzen umgetopft
    Größere Pflanzen ins Beet und ins Gewächshaus umgesiedelt
    Tomati und Gurki gedüngt und beschnitten. Ich glaube, beide kommen mit der Erde in der sie sind nicht gut klar. Um zu vermeiden, dass sie viel Energie in Früchte stecken, habe ich vorerst alle Blüten und Fruchtansätze entfernt. Gurki ließ außerdem ein paar Blätter, die an den Rändern schon ganz Papier-ig durchscheinend waren. Die eine auf volle Snackgurken-Größe herangewachsene Gurke teilte ich mir mit den Kindern, die war sehr lecker
    Michel Hosen gekauft. Dieses Kind kriegt alles so schnell kaputt. Aber immerhin war Wollunterwäschr auf die Hälfte runtergesetzt, also habe ich zugeschlagen und nächsten Winter haben wir dann schon mal einen guten Grundstock. Außerdem spontan zwei weitere Chinos für mich gekauft, identische, und genau die gleiche habe ich auch schon, aber nun war sie auf 120 Kronen reduziert. Diese Hosen sind super: sehen hinreichend spießig aus um als Business durchzugehen, sind aber so geschnitten, dass sie fast cool aussehen. Darüber hinaus sind sie sehr bequem sowohl zum Sitzen als auch zum drin herum laufen. Jetzt hab ich drei und damit wäre der Signature-Look wohl besiegelt
    Abends Shawarma von Shawarma King, das war lecker aber nun hab ich Sodbrennen. Ich lern’s auch nicht mehr

Tag 1348 – 50 Meter.

Die Kinder haben in unserem Bullerbü-Reihenhausdorf ihren Radius um ein weiteres Haus erweitert. Nämlich das, zu dem es vom Nachbargarten einen Durchgang gibt. Also sie können von unserem Garten durch den Nachbargarten in den Garten von „M.! M., aus meiner Schule!!!“ gehen. Ich kenne M. nicht, habe nur vage Erinnerungen an den Vater von M. und naja. Ich bin dann heute mal mich vorstellen gegangen, wenn absehbar ist, dass die Rabe-schen Rübennasen da bei jeder Gelegenheit auf dem Trampolin hopsen werden, erscheint mir das doch sehr geboten. Damit haben die Kinder nun drei Nachbarshäuser quasi annektiert und gehen ein und aus wie sie wollen (die anderen Kinder bei uns auch, wobei L. von gegenüber immer sehr höflich fragt, ob sie mit hoch gehen darf). Ich finde das ganz super und bin stolz und froh und alles über die selbständigen kleinen Zwerge, aber morgen werden wir dann mal eine neue Regel einführen, nämlich: Mama will immer wissen, wo ihr grade seid. Wenn ihr von Haus A zu Haus B geht, sagt Bescheid. Ich komme mir gebührend helikopterig und albern dabei vor, aber was soll’s. Meine Babies! Pippi ist erst drei!!! Und Michel hat grad mal seinen dritten Milchzahn* verloren! Babies!!! Wahhh! Die können doch nicht einfach hier herumstreunern! (Natürlich doch. Wurzeln, Flügel, Dings. Uff.)

*und er sieht soooo niedlich mit dieser Zahnlücke aus, es ist so so so hach. Wird wohl auch nicht lange währen, denn der neue Zahn schaut schon raus. Wie irre das ist, diese Phase ist so kurz und kommt nie wieder. Verrückt.

Tag 1340 – Rumms!

Neulich sagte Herr Rabe: Müsste Michel nicht langsam mal wieder Zähne verlieren?

Hmmhmm, sagte ich.

Vor ein paar Tagen sah ich, dass Michels Schneidezähne oben anders aussahen, schief waren die immer ein bisschen, nämlich der eine leicht über dem anderen, der eine war auch seit einem Sturz vom Sofa mit einem Jahr leicht gräulich, aber das sei nicht schlimm, sagte die Zahnärztin. Jetzt war aber der eine Zahn noch mehr über dem anderen und zum Zahn daneben war eine Lücke entstanden.

Hmm, dachte ich.

Heute morgen fragte ich Michel, ob denn eigentlich der Zahn wackele.

Ein bisschen, sagte Michel und ließ mich wackeln. Ein bisschen wackelte der Zahn, und zwar seitwärts. Nach hinten konnte er ja nicht wackeln, da ist ja der andere Zahn.

In einer Woche oder so, dachte ich.

Heute Abend spielten die Kinder. Gar nicht mal sonderlich wild. Doch plötzlich:

*Rumms*

Au! Michel! Orrrr!

*Spuckgeräusche*

Was ist das?

Du hast Blut!

Das ist mein Zahn!

Hast du Aua? Du hast Blut!

MAMA, PAPA, PIPPI HAT MIR MEINEN ZAHN AUSGESCHLAGEN!

Und da stand das Kind, mit ziemlich stark blutender Zahnlücke und Schneidezahn in der Hand, aufgekratzt wie 10 Frettchen zur Fütterungszeit. Pippi mit großen Augen daneben.

Und ich glaub, so schnell hauen die nicht mehr absichtlich die Köpfe gegeneinander.

Tag 1333 – Diesdas.

„Mamaaaa! Die Tomaten sind rot!!!“

Ganz kurz hatten wir ziemlich viele reife Kirschtomaten.

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„Wääähhääähhääähhhh!“

„Was ist passiert?“

„Michel hat Dumming zu mir gesagt!“

„Pippi hat meine Aufkleber genommen!“

„Meine waren alle! Dumming! Wääähhhhääähhh!“

(Ungefähr so ist es mit Pippi zur Zeit. Sie meint, für sie als selbsterklärte Königin gelten hier andere Regeln als für den Rest von uns. Mitunter ist es sogar lustig.)

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Fingernägel. So ein Thema, quasi ein Dauerbrenner. Seit Anfang des Jahres habe ich sie meistens von Sonntag abends bis Freitag abends lackiert gehabt, dann entfert, in der Zwischenzeit immer schön Handcreme und Sonntags halt neu. Spätestens jede dritte Woche habe ich Pflegelack genommen statt Nagellack. Die letzten zwei Wochen habe ich sie komplett nackt gelassen und mehrmals täglich gecremt. Und was hat das alles gebracht? Wenig. Sie sind trocken. Sie sind auch sehr hart, deshalb brechen sie schnell. Ich find das nicht mal schlimm, eigentlich, ich kann damit leben, halt immer Nagellack zu tragen. Ich möchte nur ein fettes „MÖÖÖÖÖÖP!“ an diese ganzen Beautyblogs senden, die irgendwas von „wenn du ab und zu eine Nagellackpause einlegst“ säuseln. Nägel sind totes Material, die atmen nicht und brauchen auch keine Speziallacke, die ihnen „Nährstoffe zuführen“. Wenn man mit Lösemitteln rangeht, entzieht man ihnen Öle, das macht sie spröde und trocken, man kann die Öle aber nicht einfach wieder reintun und dann ist alles gut. Nach einer gewissen Anzahl Behandlungen mit Lösemittel ist der Nagel halt hin. In meinem Fall jetzt etwa auf der halben Länge. Also hört auf, so einen Blödsinn zu erzählen wie dass ne Pause reicht um gesunde Nägel zu haben. Möglichst im nächsten Atemzug noch den nächsten supertollrn Speziallack mit Aminopeptid-DNA-Control-Complex und Nanogoldpartikeln und das ganze für den Preis von einem kleineren Rubin. Pfft. (Und nee. Künstliche Fingernägel sind für mich keine Lösung.)

Tag 1326 – Ausgerüstet.

Heute ein mittleres Vermögen ausgegeben, um Michel für den Sport-Hort auszustatten. Plötzlich braucht das Kind Hallenschuhe, Draußen-Sportschuhe, Trainingskleidung für drinnen und draußen und noch ein paar Schichten für sportliches zwiebeln: es ist ja noch nicht wirklich Frühling, wenn der Sportplatz nicht grad in der prallen Sonne liegt, ist es mit nem Windjäckchen über nem T-Shirt nicht getan. Allerdings bewegen die Kinder sich ja auch, es muss also möglich sein, was auszuziehen, möglichst mehrmals.

Mit dieser Mission brachen wir also heute auf, das Kind einzukleiden. Natürlich schlief Pippi, die alte Rübennase, im Auto ein, aber das war nicht so schlimm, so konnte ich in Ruhe mit Michel einkaufen, während Herr Rabe mit ihr im Auto sitzen blieb. Michel war vor allem auf einen Turnbeutel scharf und, Spoiler: der war das einzige, das wir nicht bekommen haben. Dann blieb er in der Nachbarabteilung hängen, vorm Lego. Erst ärgerte ich mich darüber, dann war’s allerdings sehr praktisch, denn ich konnte nach den entsprechenden Klamotten ganz in Ruhe suchen, eine Vorauswahl nach Muster und Preis treffen und dann Michel vorm Lego-Regal in seinem Hypnoseartigen Zustand anprobieren lassen. Wenn ich ohne Kinder einkaufe, unterschätze ich ja grundsätzlich Pippis und überschätze Michels Körpergröße, deshalb ist anprobieren schon gut. Als wir fast fertig waren, meinte Michel, den Blick weiter fest auf das Lego-Regal gerichtet: „Das hier oder das hier wünsche ich mir.“ und als ich dann sagte, dass er sich eins davon von seinem gesparten Taschengeld kaufen könne, war er ganz aus dem Häuschen. „Aber erst suchen wir die Sachen zusammen, die du für den Sport-Hort brauchst!“ Ab da ging es eh super, Michel probierte an, meinte „Super, Mama, guck, wie schnell ich damit rennen kann!“ und flitzte eine Runde durch den Laden, so schnell er konnte. Am Ende hatten wir alles bis auf Schuhe in diesem einen Laden gefunden, Michel ist jetzt der erste in der Familie der so eine schreckliche Sporthose mit Reißverschlüssen an den Waden besitzt, er braucht aber eigentlich diese Reißverschlüsse null, weil an dem kleinen Spargeltarzan auch diese Hose natürlich schlackert. An der Kasse bezahlte ich dann den riesigen Klamottenhaufen und Michel, super stolz, sein Lego. Hach, der Große.

Tag 1325 – Alle wieder da.

Herr Rabe ist wieder da. Wir haben ihn vorhin vom Bahnhof abgeholt, alle drei, die zwei Pappnasen* und ich.

Die Kinder und ich sind eigentlich ganz gut miteinander ausgekommen. Wenn sie müssen, machen sie wirklich gut mit, das hätte ich ja nie gedacht, aber es klappte heute morgen echt wie am Schnürchen und sogar fast ohne Streit**. Michel hat das Zwiebelprinzip echt verinnerlicht***.

Herr Rabe hat vom Flughafen allerdings Gin mitgebracht und einen hab ich auf meinen Sodbrennigen Magen getrunken, das war aus mehreren Gründen ne doofe Idee und jetzt wird der Beitrag wieder eher kurz, das ist besser als wirr.

Dienstag geht’s los mit Sport-Hort. Wir sind alle aufgeregt und müssen dann morgen wohl mal richtiges Sportzeug für Michel kaufen.

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*Die Kinder hatten sich Pappnasen gebaut, bevor wir Herrn Rabe abholten. Das war sehr niedlich, eh schon und dass Pippi mitsamt Pappnase auf und giftgrünen Regenhandschuhen auf dem Weg zum Bahnhof einschlief noch mal mehr.

**Wenn man „MAMA! PIPPI ZIEHT WIEDER DEN SCHLÜPFER VON GESTERN AN!!!“ mal außen vor lässt.

***vier T-Shirts hatte er heut übereinander an.

Tag 1322 – Vernachlässigt.

In den Tagen seit Sonntag verzeichne ich hier einen erhöhten Andrang. Ich habe da so eine Ahnung, wie das kommen könnte und weil ich bemüht bin, ein positives Menschenbild zu haben, rede ich mir ein, diese mehr Leser*Innen sind hier, weil sie die andere Seite zu einem Konflikt hören wollen. Ich muss Sie aber da leider enttäuschen: dieser Konflikt geht nur mich und die andere Person was an und ich werde mich dazu hier nicht äußern. Das heißt nicht, dass mir die ganze Sache am Hintern vorbei geht, sie mich nicht beschäftigt oder ich nicht sogar einen ganzen Haufen Emotionen dazu habe. Nur Reden – wie gesagt – möchte ich wenn dann mit der anderen Person und ohne dass Sie alle dabei Popcorn mampfend zusehen.

Ja? Ja. Weiter im Text.

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Hier einiges vernachlässigt, wie mir scheint. Entschuldigung dafür. Ich war viel müde und andere Gründe gab’s auch, die sind jetzt aber mal egal. Jedenfalls muss ich wohl was nachholen. Ich versuche es mal.

Die Kinder. Sie sind sehr super. Michel wird jetzt richtig selbständig und packt seine Hausaufgaben direkt nach der Schule auf den Tisch, liest sich selbst die Aufgabenstellungen vor und legt dann los. Das macht es mir viel einfacher, ihn alle Fehler machen zu lassen, die er machen muss, um daraus zu lernen. Wenn ich daneben sitze, juckt es mir immer in den Fingern, ihn zu korrigieren, das ist einfacher, wenn ich eben nur grob im selben Raum bin und andere Dinge tue, Blumen gießen, Kochen, sowas halt. Dann kann ich trotzdem noch sagen, wie das „hinten am Fuß“ heißt, kriege aber keine Stresspusteln wenn ich sehe, wie krakelig Michel „HÆL“ schreibt oder dass die Hälfte der 2-en und 4-en immernoch spiegelverkehrt ist. Heute musste Michel Fragen lesen und dann ja oder nein ankreuzen, eine dieser Fragen lautete „Har du rene tær?“ (Hast du saubere Zehen?“) und Michel so „Æ kan sjekk.“ (Ich kann gucken.), zieht eine Docke aus, inspiziert seinen Fuß und dann: „Niks!“ und kreuzt nein an. Ich hätte mich beömmeln können. Wie Michel sagen würde: Tipptopp, tommel opp (tipptopp, Daumen hoch). Nächste Woche fängt Michel mit drei Nachmittagen pro Woche im Sport-Hort an. Dann kostet uns das ~nur~ 1000 Kronen mehr im Monat als jetzt, dafür kann er morgens und an zwei Nachmittagen zum Schul-Hort gehen. Ich hoffe das wird gut.

Pippi hat weiterhin Phase und manchmal möchte ich sie im Wald aussetzen, auf dass sie von einem freundlichen Wolfsrudel aufgezogen würde, aber dann gucke ich Michel an und weiß, es wird besser werden, und Pippi ist ja schon auch toll, nur halt eher so… im Großen und Ganzen toll, in den einzelnen Situationen muss ich momentan oft Herrn Rabe die Erziehungsarbeit überlassen, weil ich sonst innerhalb von Sekunden auf 180 bin und rumbrülle. Bald, bald, ist bestimmt auch diese Phase vorbei.

Sonst so: Arbeit. Viel Arbeit. Ich habe grad mal nachgeguckt: ich habe nach den drei Monaten jetzt 73 Stunden und 25 Minuten Überstunden. Dabei habe ich schon zwei volle Tage abgefeiert. Der Großteil dieser Stunden wird in den Sommerferien abgefeiert, da ich ja letztes Jahr nicht dort gearbeitet habe, steht mir zwar Urlaub zu, aber kein Feriengeld, sprich: wenn ich die Urlaubstage nehme, kriege ich die halt vom Lohn abgezogen. Das ist in den Fällen ja noch ok, wo man von einem anderen Arbeitgeber kommt, der einem ja beim Vertragsende das Feriengeld ausbezahlen muss, wenn man aber arbeitslos war und genau 0 Kronen Feriengeld angesammelt hat, ist das Recht kacke. Deshalb ein Hoch auf die Überstunden, denn sie sichern mir Urlaub ohne dass es hässlich große Löcher in die Haushaltskasse reißt. Groß wegfahren werden wir aber dieses Jahr wohl nicht.

Ja, so viel Arbeit ist sauanstrengend. Ich bin, Überraschung, nicht jemand, der nach Arbeitstagen von 9-19 Uhr noch die Energie für mehr als Essen–>Bett aufbringt. Pendeln, Arbeit, Pendeln, Schlafen, Repeat. Ich glaube auch nicht, dass sich das mit mehr Erfahrung bessern wird. Aber, und das ist der wichtige Punkt: es macht Spaß. Ich habe immernoch das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben. Ich kann mein Glück kaum fassen, ich sitze da in der Behörde, ich darf richtig interessante Sachen machen, mir wird auch intern schon richtig viel zugetraut und ich liebe es einfach. Ich mag meine Inspektør-Kolleginnen und Kollegen und dass das alles so grade-raus-e Menschen mit zum Großteil sehr trockenem Humor sind. Auch wenn die meisten meine Eltern sein könnten, hab ich das Gefühl, ich passe da hin. Und das ist ja nur die Seite im Büro*, wenn wir „draußen“ sind, auf Inspektion, sehe ich so viele verschiedene Pharmahersteller wie in keinem anderen Job in der Branche. Es ist immer anders, aber immer interessant. Kein Tag wie der andere und das liebe ich. Ich werd auch besser im Fragen und vor allem lockerer im Umgang mit all diesen Leuten, ich werd nur noch ein bisschen rot, wenn Leute meinen beruflichen Hintergrund abklopfen und habe gelernt, bei Diskussionen um das Pharmaziestudium und wie schwer ja Qualified Persons zu kriegen sind einfach aus dem Fenster zu gucken. Und der Rest kommt sicher mit der Erfahrung.

Neulich hab ich sogar meiner Kollegin erzählt, dass mich die Chipsfabrik nie bezahlt hat und ich da noch im Insolvenzverfahren drin hänge und auf mein Geld warte und dass das ordentlich kacke ist. Das ist für „immer fröhlich, nie persönlich“, was ich in den ersten Wochen gefahren habe schon eine große Entwicklung, mehr muss auch erstmal nicht sein, aber ich finde wenn man so eng zusammenarbeitet wie wir kann man zumindest ab und zu mal durchblitzen lassen, dass man ein Mensch mit Gefühlen ist.

Den Rest der Chipsgeschichte erzähle ich dann, wenn die Kollegin in Rente geht oder so. Das ist in ca. 10 Jahren, bis dahin kann ich das in eine lustige Dinnerpartygeschichte verpacken.

Also kurz und gut: super Job. Super anstrengend, super steile Lernkurve (das ist alles so ganz anders als absolut ales, was ich vorher gemacht habe!), super interessant, halt super. Jackpot.

Ansonsten: heute bei der Endokrinologin im Krankenhaus gewesen, endlich. War so hal gut und halb scheiße, denn jetzt grad sieht zwar alles tipptopp tommel opp aus, aber sie machte mir keine große Hoffnung darauf, dass das mein letztes Rezidiv war. Ich solle schon mal über eine mir passende Entfernungsmethode nachdenken, wegen der Augen käme aber eigentlich eh nur OP in Frage. Und das könnte man auch präventiv machen, man müsse nicht aufs Rezidiv warten**. Das muss ich nun erstmal verdauen, vielleicht bei einem Gin.

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*Großraumbüros hat allerdings der Teufel gemacht.

**letzteres kommentierte ich trocken mit „Das mache ich nicht solange wir einen Mangel*** an Levaxin haben!“, das sah die Ärztin dann auch ein.

***Medikamentenmangel. It’s a fucking big thing in Norway. Menschen auf derselben Etage wie wir drehen recht frei.

Tag 1320 – Tom, die Schildkröte.

Michel und ich waren heute bei der Java Zone Kids, einer Veranstaltung, in der Herr Rabe über eine Ecke seine Finger drin hat. Es gibt da verschiedene Workshops zum Programmieren für Kinder und Jugendliche von ca. 8 bis ca. 16 Jahre. Nun ist Michel ja grad mal Sechseinhalb, es musste also ein Elter mit. Und Herr Rabe kann ja programmieren. Kurz gesagt: ich habe heute ein bisschen programmieren gelernt.

Es ging um ein simples Grafik-Programm. Ein Dreieck (Tom, die Schildkröte) „malt“ Dinge auf den Bildschirm. Vorwärts, 90 Grad links, vorwärts, 90 Grad links, nach vier mal hat man ein Quadrat. Sowas halt.

Bildschirm nach vorne, damit die Kinder nicht drauf gucken.

Mit Tom kann man natürlich noch viel mehr machen. Logischerweise. Es ging aber für die Kinder in einem guten, weil langsamem Tempo voran und so hatten wir nach einer Stunde einen Stern gezeichnet. Michel brauchte ein bisschen Hilfe beim Eintippen, aber zum Beispiel die richtige Gradzahl durch Rantasten finden hat er sehr gut hinbekommen.

Danach war eine Pause dringend nötig und zum Glück gab es auch Pizza für alle. Und Cola, was ich bei 8-Jährigen mit einer bis zum Anschlag hochgezogen Augenbraue betrachtete, Michel bekam Fanta.

Eigentlich hätte es für Michel damit auch gereicht, aber er wollte unbedingt weitermachen und so malten wir noch weiter: durch Einbringen verschiedener Random-Variablen und Schleifen einen ganzen Sternenhimmel mit unterschiedlich großen Sternen.

Genau genommen war das dann eher ich als er.

Und ganz genau genommen kostete es mich recht viel Selbstbeherrschung, Michel den Rechner nicht wegzunehmen, als er anfing, in die Variablen für Abstand und Größe und Anzahl der Sterne Zahlen wie 1234567890 einzugeben, was natürlich zu absurden Prozesslängen führte, sowie dazu, dass man nichts sah, weil die 100 m großen Sterne halt 1 km voneinander entfernt waren, das sieht man auf einem handelsüblichen Notebook schlecht.

Mit ein wenig Lenken von meiner Seite malte Michel dann aber noch ein paar richtige Sternenhimmel. Und dann noch mal ein paar mit extra vielen Sternen.

Mehr so ne Supernova.

Das hat wirklich Spaß gemacht, mir eh und Michel auch, nächstes Jahr kann er dann bestimmt schon viel mehr selbst. Dann muss ich so teilnehmen.

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Ansonsten heute traurig gewesen.