Tag 799 – We survived Kindergeburtstag.

Aber auch nur knapp.

Nein, es war eigentlich doch ganz in Ordnung, ABER.

Sieben Kinder zwischen 2 und 5 (Median bei 5 ;) ) sind einfach laut. Und wuselig. Und dann noch kleine Individuen, zwei davon kennt man sehr gut, eins recht gut, zwei mittel und eins fast gar nicht… puh. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht so ganz damit gerechnet, dass Pippi komplett anti-alles sein würde, eifersüchtig hoch zehn und bei jedem „Warte“ oder gar „Nein, das ist Michels!“ einen Wutanfall sondergleichen hinlegen würde. Das ging soweit, dass ich sie irgendwann ins Bad trug, wo sie dann (in meinem Beisein) ihren Frust darüber, dass auch sie nur EIN Überraschungsei haben durfte, herausbrüllte. Ausdauernd und mit Schlagen, Treten und auf den Boden werfen. Wie im Film. Aber wenigstens standen dann nicht noch drei große Kinder neben mir und fragten „Warum weint Pippi so?“.

Aber ansonsten war es alles ganz ok, Michel hatte Spaß, die anderen Kinder auch, selbst die Wohnung* ist stehen geblieben und als Belohnung** hab ich mir tatsächlich ein Glas Wein und das Auspacken meines ColourPop-Pakets gegönnt. Huiuiui, es wird ein bunter Herbst, sage ich Ihnen!

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* und alle Norweger, die hier reinkommen, so: „Boah, so eine große Wohnung!“. Hmm. Ich glaube ja, das täuscht. 75 Quadratmeter sind jetzt nicht gerade üppig, auch in Norwegen nicht. Aber bis auf das Schuhschachtelgroße Kinderzimmer sind halt unsere Räume groß und offen. Norweger hätten vermutlich auf demselben Raum drei Schlafzimmer und entsprechend gedrungen würde auch alles aussehen. Da wirkt unsere Wohnung natürlich riesig gegen.

** nach dem Aufräumen für die Putzfrau, versteht sich.

Tag 156 – Babymassage

Als das Kind damals ein Baby war, machten wir einen Babymassagekurs. Der ging über mehrere Termine (4? 5?) und jeweils 30 Minuten. Geleitet war der Kurs von einer Hebamme mit irgendeiner Babymassagefortbildung, wir saßen zu sechst mit unseren nackten Speckbabys auf dem Boden in einem krass überheizten Raum und massierten was das Zeug hielt. Das Babykind pullerte mich in den 30 Minuten jedes Mal zwei- bis dreimal an, sodass ich ab dem zweiten Mal nur noch in abgeranzter Jogginghose und bei 60 Grad waschbarem Hemdchen hinging. Das Babykind genoss die Massage eigentlich immer sehr und hielt mir irgendwann sogar zufrieden Grinsend seine Füße hin, damit ich die auch gut kneten konnte. Nur Gesicht und Kopf allgemein, das konnte es nicht haben und fing an zu weinen oder den Kopf wegzudrehen. Das ist die Vorgeschichte.

Heute war ich mit dem Baby beim Babymassagekurs. Ein Termin, 45 Minuten. Geleitet von einer Physiotherapeutin mit irgend einer Babymassagefortbildung, ich weiß nicht, wie viele wir waren, vielleicht so 40? Es war jedenfalls super voll. Wir saßen mit unseren Speckbabys, die alle noch eine Windel anhatten, in einem krass überheizten Raum und versuchten, vor lauter Babygequengel und -geschrei* irgendwas von dem zu verstehen, was die Physiotherapeutin erzählte. Um das Baby vernünftig massieren zu können, hatte ich ihm irgendwann trotz der pikierten Blicke meiner Nachbar*Innen (es waren auch zwei Papas da) die Windel auch ausgezogen, ich bin ja eine erfahrene Babymasseurin und hatte eine saugfähige Wegwerfwickelunterlage mitgebracht. Nun ist ja das Baby sehr mobil und außerdem gab es ja sooooo viel für das Baby zu sehen, andere Babys, andere Mütter, die Spielzeuge anderer Babys, die Wasserflaschen anderer Mütter, jedenfalls drehte sich das Baby ständig weg und rum und interessierte sich eher am Rande für meine Massageversuche. Mit zunehmender Menge auf dem Baby verteilten Babyöls wurde es auch immer schwieriger, das zappelnde Baby in eine Maggagegerechte Position zu bringen, bis es mehr einem ungleichen Wrestlingkampf (schon mal versucht, eine mit Seife eingeschmierte Babyrobbe festzuhalten? Ich auch nicht. Aber so stelle ich es mir vor.) glich. Das war mir dann zu doof und ich massierte ein bisschen den Rücken des im Vierfüßlerstand wesentlich weniger zappeligen Babys. Das fand das Baby offensichtlich toll, so toll, dass es auf die Unterlage pullerte (mehr pikierte Blicke meiner Nachbar*Innen), aber dafür war die Unterlage ja da. Nachdem die Blase leer war, durfte ich das Baby sogar wieder rumdrehen und ihm das Gesicht massieren, was es, im Gegensatz zu wirklich allen anderen Babys im Raum, sehr genoss. 

Was ich damit sagen will: das Baby und das Kind sehen sich so ähnlich, aber sie sind so unterschiedlich im Wesen, es ist faszinierend. 

Und: was haben die Norweger*Innen eigentlich für ein Problem mit Nacktheit?

Auf die Gefahr hin, dass mich jetzt gleich alle hassen: mit David Bowie kann ich so gar nix anfangen. Mein einziger Bezug zu ihm ist „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, in dem Christiane F. auf einem David Bowie-Konzert ihren ersten Schuss von einem Freund gesetzt bekommt. Dieses Buch hat bei mir einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlassen, aus Gründen, und deshalb war mir Bowie völlig unverschuldet immer irgendwie suspekt. 

Aber die Nachricht von Alan Rickmans Tod hat mich, ja, getroffen klingt irgendwie blöd, aber berührt passt auch nicht, vielleicht am ehesten kurz traurig gemacht. So ein guter Schauspieler. Krebs ist echt scheiße. Und je mehr ich über Krebs weiß, desto scheißerer finde ich den. 

Und den Film gabs dann weder bei Netflix, noch bei iTunes. Und YouTube ging auch irgendwie nicht. Hrmpf. Muss ich wohl doch alle Harry Potter-Filme nochmal gucken. Und Das Parfum. Und Stirb Langsam. Und Robin Hood. Das wird ein faules Wochenende. 

*(wenn man doch merkt, dass dem Baby das so gar nicht gefällt, warum massiert man dann stoisch am hysterisch brüllenden Säugling herum? Mir schoss schon die Milch ein, das arme Würmchen.)

Tag 154 – #12von12 Januar ’16

Heute ist wieder der 12., das erste Mal in diesem Jahr und das heißt, es ist #12von12! Hurra! (Für die, die hier neu sind und nicht schon anderswoher wissen, was das ist: Man macht am 12. des Monats 12 Bilder, schreibt eventuell noch was dazu und verlinkt den ganzen Spaß dann beim Kännchen-Blog.)

Hier ging der Tag los wie immer, die Kinder schliefen noch und ich schlich mich aus dem Bett. Erstmal Kaffee.

Nach dem Anziehen und dem ersten Schluck Kaffee dann die Kinder wecken.

Plan scheiterte zunächst an deren Niedlichkeit.

Irgendwann war ich dann aber doch fertig mit die beiden Anhimmeln und weckte das Kind. Das Kind himmelte dann ein bisschen das schlafende Baby an, streichelte ihm über den Kopf und weckte es mit einem Küsschen (!!!) und freute sich dann darüber, dass das Baby so niedlich rumblinzelte und ihn dann fett angrinste. Da kriegte das Baby noch eine dicke Umarmung und ich schmolz vor Rührung über so viel Geschwisterliebe. Hachz.

Dann Kindergartenabliefern und so, unspektakulär das Ganze. Das Baby schlief auf dem Rückweg ein und so konnte ich noch schnell die Betten abziehen, bevor es wieder wach wurde. Denn von beiden Betten mussten die Laken gewaschen werden. Das Kind sollte wirklich abends nichts mehr trinken. Oder wir müssen es nochmal wecken, um aufs Klo zu gehen.

Zum Duschen noch nen Käffchen. Das Baby spielt auf dem Fußboden vor der Dusche rum und freut sich über seine nackte Mama das lustige Plätschern. 

Sie nehmen doch auch ne Kanne Kaffee mit zum Duschen, oder?


Auf zum Gesundheitszentrum, Kontrolle steht heute an. Etwas spät dran, eigentlich sollte die zum 5. Monat sein, aber da waren wir ja in Deutschland. Baby pennt natürlich genau passend vor der Tür ein.

Das Baby ist (Überraschung!!!) für sein Alter auf allen Gebieten (also motorisch und „sprachlich“) sehr weit. Was ich wirklich nicht wusste, ist dass die meisten Babys erst später mit „Bwwwww“ und „Wewewewewewewe“ und „Mamamamamamama“ anfangen. Größe, Gewicht, BMI, Kopfumfang sind alles totaler Durchschnitt, kein Gerede mehr von „hat zu wenig zugenommen“. Dafür war Impfen wieder fies (und später wurde mir dann klar, wieso in den Nebenwirkungslisten „vermehrtes Schreien“ steht. Eieiei. Aber besser als Keuchhusten allemal.).

Erst mal Nickerchen/Netflixen.


Netflixen war nicht wegen technischem Problem, also döste ich auch mit dem Baby herum bis die anderen Familienmitglieder wieder da waren.

12von12-ing. Das Baby ist in der Mundwinkelgrabschphase.


Das Baby wollte auch mal auf Papa schlafen und sorgte für einen weiteren Awwwww-Moment.

Auch im Schlaf noch den Fuß festhalten.


Jaha, I’m a weirdo.

Mein meditativer Moment des Tages: Kinderzahnbürste ausspülen. Die Zahnpasta schält sich in so lustigen Würstchen zwischen den Borsten her.


Nach dem Essen und dem Kind-ins-Bett-bringen (Kind war total übermüdet und rastete komplett aus, weil ich ihm die Zähne putzen wollte und dann nochmal, weil ich ihm nicht die Zähne geputzt hatte…) dann Aufgabenverteilung: einer Baby, einer Küche. Naja. Ich hab das Baby ja schon den ganzen Tag an der Backe um mich rum.

Und dann: Jetzt.

Zum Bloggen was härteres sls Stilltee: alkoholfreies Bier. Ich bin so Punk.

Tag 105 – 4 Monate und 1 Tag

Mein liebes kleines Mausemädchen,
heute bist du vier Monate und einen Tag alt.
Vor vier Monaten und einem Tag um diese Zeit saß ich auf dem Sofa, las* und veratmete sehr regelmäßige und einigermaßen schmerzhafte Wehen. Und hoffte sehr darauf, dass dein Bruder schnell in den Schlaf finden würde und meine Taktik „Ich setz mich jetzt hier auf den Poppes, es heißt ja Bewegung treibt die Geburt voran, dann tut Stillsitzen bestimmt das Gegenteil“ aufgehen würde.
Und jetzt sitze ich auf dem gleichen Sofa, du liegst auf meinem Schoß und schläfst, um mich rum das Chaos. Dein Papa ist beim Fußball und dein Bruder schläft schon, bei uns im Bett, denn er ist krank. Genauso wie vor vier Monaten und 2 Tagen, Fieber und Schlappsein und Husten.
Wenn ich an deine Geburt und die Tage drumherum denke, kommt mir das schon alles ganz verrückt vor. Aber so war es halt, dein Bruder war einen Tag vorher noch ziemlich krank, die Großeltern grade einen Tag vorher abgereist, ich war am Tag deiner Geburt noch einkaufen (mit Wehen) und habe Marmelade gekocht (mit Wehen) und hatte Besuch von einer lieben Freundin, die mir eröffnete, sie sei auch schwanger (mit Wehen, also ich). Diese Freundin hat jetzt einen sehr hübschen kleinen Babybauch, aber ich schweife ab.
Das passiert mir immer öfter, das Abschweifen. Es muss die Stilldemenz sein. Ich habe das Gefühl, im gleichen Tempo wie du Sachen lernst, werde ich vergesslicher und mein Gehirn siebiger. Und du lernst schnell. Seit ein paar Tagen befühlst du deine Spielzeuge und dein Spieltrapez. Neulich noch konntest du höchstens mal ungezielt dagegen hauen, jetzt steckst du deine Arme aus und die Hände untersuchen alles, was sie zu fassen bekommen. Am interessantesten findest du mein Gesicht, meine Nase, Augen, Lippen. Alles wird befühlt und manchmal auch übermütig gekniffen oder gerissen (Au.). Überhaupt bist du unheimlich aufmerksam und wissbegierig. Ich kann nichts mehr essen oder trinken, ohne dass du mir alles in den Mund guckst. Dein Bruder ist dein größter Held, wenn er da ist, bist du fast immer fröhlich und verfolgst alles was er tut. Bloß wenn er weint, dann weinst du sofort mit, denn dann muss ja mindestens der Weltuntergang bevorstehen. Dein erster Blick morgens ist zu mir: breites Grinsen. Der zweite ist zum Kind: breites Grinsen und dann: Fokus. Was macht es? Turnt es? Spricht es? Vom Kind lässt du dir auch alles gefallen, alles ist ja irgendwie trotzdem interessant. Oh, so fühlt sich das also an, wenn sich jemand im Bett auf meine Hand kniet. Faszinierend. Hand im Gesicht. Aha. Auto auf dem Kopf. Hihi, das kitzelt.
Seit ein paar Tagen kannst du richtig herzlich lachen, wenn ich dich mit viel Geräusch auf die Wangen küsse. Ein meckerndes Babylachen, bei dem mein Herz platzt.
Nur wenige Sachen findest du richtig scheiße. Baden zum Beispiel. Das macht dir irgendwie Angst und ich finde das sehr schade, weil wir anderen eigentlich alle Baden ganz toll finden. Aber du brüllst wie am Spieß und siehst mich mit diesem „Rette Mich!!!“-Blick an, dass mir fast die Tränen kommen. Manchmal findest du Auto fahren doof. Manchmal deinen Kinderwagen. Manchmal die Trage. Und immer: angezogen werden.
Du bist unheimlich stark, du willst nicht babymäßig auf dem Arm liegen, mindestens sitzen und eigentlich stehen. Du kannst dich schon prima aufsetzen, wenn man dir die Hände hinhält und eine Hand reicht dir zum Festhalten, um ein, zwei Minuten stabil zu sitzen. Du rollst dich dauernd auf den Bauch und kullerst mir so im Bett hinterher, wenn ich mal zwei Zentimeter von dir wegrutsche. Überhaupt weißt du sehr genau, was du willst: Ständig in meiner unmittelbaren Nähe sein, möglichst herumgetragen werden. Schlafen nur auf der Seite oder auf dem Bauch oder auf dem Bauch auf meinem Bauch. Wenn du Hunger hast, ziehst du mich quasi mit Blicken aus. Du magst wenn ich singe, egal was und egal wie falsch. Du liebst Massagen. Und wenn wir mal nicht machen, was du möchtest, wird gnadenlos gebrüllt. Da ist keine Geduld, kein anfängliches Gemecker, du schöpfst sofort dein ganzes stimmliches Repertoire aus.

Und dabei bist du so unfassbar niedlich**, dass man dich einfach lieb haben muss.

Murch und :* –

Deine Mama

 

*Allerdings weiß ich nicht mehr, was. Gab spannenderes.
**Dieses Lachgrübchen! Dieses Haarwirbelchen! Diese Speckfüßchen! Diese perfekten kleinen Hände!

Tag 77 – Ikke lov! *kann Spuren von mütterlicher Gefühlsduselei enthalten*

Mein liebes großes Kind,
Ich weiß, du glaubst ich seh das nicht, aber ich weiß genau, wie lieb du das Baby hast. Mir platzt jedes Mal fast das Herz wenn du angerannt kommst und aufgeregt rufst „Baby wach ewort!“ oder „Oh Nein! Baby weint!“, als hätte ich das nicht schon selbst mitbekommen. Wenn wir uns morgens anziehen, um zum Kindergarten zu gehen, fragst du ständig, ob auch das Baby mitkommt. Das Baby muss natürlich auch Mütze, Jacke und Handschuhe anziehen, so wie du. Wenn wir zum Tanzen gehen, soll auch das Baby ein Kleid anziehen, damit es gut mittanzen kann. Deine Kindergartenkumpels dürfen das Baby noch nicht mal ansehen, geschweige denn streicheln. Das Baby soll mit dir zusammen baden. Wenn du spielst, fahren deine Autos auch über das Baby und wenn das Baby unter seinem Spieltrapez liegt, stupst du das Bärchen an, damit es klingelt. Du erklärst dem Baby, dass es Sachen nicht in den Mund nehmen darf oder nicht hauen darf oder mich nicht beim Stillen beißen darf. Dass es nicht an seinen Fingern lutschen soll. Alles was du nicht darfst wird beim Baby von dir mit einem empörten „Ikke lov!“ kommentiert, „Nicht erlaubt!“. So gibst du dein Wissen weiter. Und wenn du denkst, ich sehe nicht hin, nimmst du manchmal seine kleine Hand in deine etwas größere. Oder streichst ganz vorsichtig mit zwei Fingern über die weichen Babyhaare. Da wird mir immer ganz warm ums Herz und ich bin unheimlich stolz, ein so unfassbar tolles und liebevolles und empathisches Kind zu haben.

Heute hast du das Baby, das meckerte, weil es sich auf den Bauch drehen wollte und nicht weiterkam, einfach herumgedreht. Unendliche Dankbarkeit sprach aus dem Blick des Babys. Überhaupt bist du für das Baby das Allergrößte. Wenn du da bist, kann es seinen Blick kaum von dir losreißen. Wenn du weinst, weint es mit. Ich bin sicher, es hat dich genauso lieb, wie du es.

Sicher werden auch noch andere Phasen kommen. Ihr werdet euch streiten, wie es nur Geschwister können. Und dann werdet ihr euch vertragen, wie es auch nur Geschwister können. Und das ganze mehrmals täglich. Aber diese besondere Beziehung zwischen euch, die bleibt. Ob ihr es wollt oder nicht.

<3 Deine Mama (die einen kleinen Bruder hat, den du nicht kennst)