Tag 3383 und 3384 – Überstanden.

KI-Seminar überlebt. Ich schwöre, wenn ich noch ein Mal das Schaubild aus GAMP 5 sehen muss, zum Verfahren wie man KI trainiert, validiert und testet, schreie ich. Und ehrlich gesagt spricht es nicht für einen professionellen Anbieter solcher Schulungen, wenn sie die Vorträge nicht wenigstens minimal auf Redundanz (und bitte auch, und das nicht nur minimal, auf Relevanz!) prüfen.

Ansonsten war hier sehr viel Leben in den letzten Tagen. Gestern Hobby-Kurs, da bahnen sich dinge an, huiuiui. Es waren aber echt viele krank, scheinbar haben alle grad diverse Atemwegserkrankungen, so schön. Ich lasse Samstag noch schnell DiphteriePolioTetanusKeuchhusten auffrischen, primär wegen letzterem. Aber auch Polio sollte man alle 10 Jahre auffrischen lassen. Hin und wieder, und sogar ganz bald, bin ich ja in Gegenden, wo es noch Polio gibt.

Heute Halloween. Michel wollte gerne als Mädchen verkleidet in die Schule gehen, das ist zwar nicht gruselig, aber eine bessere Ausrede, um das mal auszuprobieren, kriegt er nicht so schnell. Er hat von mir ein Kleid geliehen (das natürlich viel zu groß war, aber es war eines, wo das nicht viel macht) und anderes Zubehör wie eine Strumpfhose. Ich habe CurlyGirl-Haarzeug gekauft und ihn damit die letzten Tage die Haare ein paar mal waschen lassen, um seine Locken richtig rauszuholen. Heute morgen habe ich ihn geschminkt. Und dann hatte ich eine sehr süße Micheline, mit ungerecht dichter Lockenpracht und riesigen braunen Augen. Michel findet die Locken toll und will das jetzt so beibehalten mit dem Curly Girl. Außerdem mag er Strumpfhose tragen und würde sich gerne hin und wieder schminken. Soll er von mir aus gerne alles machen, wenn es ihm Freude macht. So happy wie heute morgen hab ich ihn jedenfalls schon länger nicht gesehen.

Tag 3377 und 3378 – Kurze 22 Monate.

Inzwischen sind sowohl Herr Rabe also auch die Kinder norwegische Staatsbürger. Hat doch nicht 22 Monate gedauert, sondern eher so einen. Jetzt haben sie die doppelte Staatbürgerschaft und können damit jetzt auch norwegische Pässe beantragen, wenn sie wollen. Etwas lustig finde ich, dass im Bescheid steht, dass sie jetzt keine Aufenthaltserlaubnis mehr hier haben. Erst danach steht dann, dass sie die auch nicht mehr brauchen.

Ich habe heute hauptsächlich gearbeitet. Danach habe ich für Pippi sehr schnell ein Leggings- und Shirt-Set in käsegelbem Jersey genäht. Ich hasse ja den Ausdruck „von der Maschine gehüpft“, aber es geht ja doch recht schnell, so simple Dinge aus einfarbigem Jersey zusammenzubasteln. Jetzt kann Pippi morgen als Käse auf ihre Halloweenparty gehen. Fragen Sie einfach nicht, warum Käse. Ich hinterfrage das auch nicht. Ich führe nur aus.

So, jetzt ab ins Bett, Michel muss morgen um halb zehn am anderen Ende von Eidsvoll bei so nem Korpsdings sein. Damit ich mich nicht langweile oder so, muss Pippi da auch hin, aber erst um viertel vor elf. Kann quasi nur hin und her fahren. Toll.

Tag 3365 und 3366 – Nicht erzählte Dinge.

Gestern hatte Michel einen eher so mittelguten Tag. Seine schrecklichen Eltern haben ihn nämlich dazu gezwungen, mit dem Kornett einen Auftritt zu machen, wie er es vor mehreren Wochen zugesagt hatte. Nun ist es aber ja so, dass Michel eher nicht übt, auch nicht, wenn ein Auftritt ansteht und dann kommen irgendwann die Nerven und dann geht es halt auch nicht mehr. Von seiner Mutter hat er zwar vieles geerbt, aber nicht das niemals aufgeben, Augen zu und durch, Scheiße mit Schwung. Das nicht. Ich musste das Projekt, ihm gut zuzureden, dann auch irgendwann aufgeben. Herr Rabe hat es dann aber irgendwie hinbekommen und abends ist Michel aufgetreten. Ich finde, allein dafür, dass er es durchgezogen hat, verdient er den fettesten Applaus des Abends, vier Stunden vorher sah es nämlich nicht danach aus. Aber jetzt hat er wieder eine Erfahrung im Sack, nämlich dass man daran nicht stirbt, nicht mal, wenn man nicht genug geübt hat. (Plus die Erfahrung, dass seine schrecklichen Eltern beinhart sind, wenn es ums Handtuch werfen aus Bequemlichkeit oder Angst geht. Die schrecklichen Eltern tun dafür dann auch wieder ein paar Geldeinheiten in die Therapiekasse.) (Oh und plus die Erfahrung, dass der Kornettlehrer gar nicht mal so begeistert über die Kinder ist, die gar nicht auftauchen.)

Heute war im Gegenzug „Kinder“geburtstag, mit seinen drei besten Kumpels waren er und Herr Rabe im Escape Room in Oslo. Das war wohl super gut, rundum. Vielleicht sind wir doch nicht die allergrausamsten Eltern der Welt.

Und da kommen wir zu den nicht erzählten Dingen: ich nutzte die Zeit, nachdem ich meine Mutter zum Flughafen gebracht hatte und Herr Rabe und Michel unterwegs waren, dazu, joggen zu gehen. Ja, da habe ich immer wieder und auch noch vor kurzem gesagt, dass das niemals passieren wird, weil laufen eine würdelose Bewegungsform ist, aber jetzt war es irgendwie doch schon das vierte oder fünfte mal. Auch daran stirbt man nicht, habe ich dabei festgestellt. Es macht nur auch keinen Spaß, aber die Sportprogramme wollen ja irgendwie immer Ruhetage haben und ich werde von Ruhetagen leider unruhig und unleidlich. Also… jogge ich. Meine Spazierrunden. Das dauert unter 30 Minuten, ich schwitze ordentlich und dann ist auch gut. Angefangen habe ich im Schneckentempo, mit dem einzigen Ziel, die Strecke durchzulaufen. Heute war ich viel zu schnell unterwegs, da hatte ich hinterher Husten, das soll so nicht sein, glaube ich. Also heute, das habe ich nachgeguckt, habe ich für 2,95 km so viel Zeit gebraucht wie für 2,4 km beim ersten Mal. Das wird alles kein neues Hobby, ganz sicher nicht, aber so ein mal die Woche ist das ganz ok und besser als sonntags abends alles hassen, weil man sich nicht ausreichend bewegt hat und nicht schlafen kann.

Im Nachhinein bin ich im Übrigen extra sauer auf meine Sportlehrerinnen und -Lehrer im Gymnasium, die einfach nur, ohne jede Erklärung oder Vorbereitung, gesagt haben „lauft mal nen km um den Sportplatz, ihr habt [x, weiß nicht mehr] Minuten.“. Und wirklich immer bin ich nach spätestens der ersten Runde entweder röchelnd mit dem Gefühl, meine Lungenschleimhaut löse sich einfach ab, oder mit furchtbarem Seitenstechen zusammengeklappt. Ich dachte echt, ich kann das einfach nicht. Im Nachhinein bin ich sicherlich mit einer Geschwindigkeit weit über meinen Fähigkeiten gestartet, aber das hat nie wer gesagt. Es war einfach „mach mal, jeder kann laufen“ (gegendert haben Lehrerinnen und Lehrer damals auch noch nicht). Aber mit einer gewissen Grundkondition, die man ja aufbauen kann, und einem ausreichend geringen Tempo geht nicht nur ein, sondern sogar 3 km. Besonders doll ärgert mich im Übrigen, dass ich ja durchaus sportlich war. Andere Kinder waren das nicht, denen ging es vermutlich bei absolut jeder Sportart etwa so wie mir beim Dauerlauf und beim Werfen. Sportdidaktik von 1998 kann im Nachhinein in die Tonne.

Was anderes, was ich nie erzählt habe, weil einfach zu viel Trubel war: Herr Rabe hat Cardos verkauft und ein wesentliches Upgrade erworben. Von Zitrön zu Zö. Jetzt steht vor unserer Tür ein Renault Zoe neueren Jahrgangs, mit fast der vierfachen Reichweite von Cardos, und steuerbar über eine App, das heißt, man muss nicht im Winter in ein -20 Grad kaltes Auto steigen. Rückfahrkamera, Tempomat und all so, ich kann da nur für mich sprechen, aber für mich heutzutage normale Funktionen hat Zö auch. Ich will darauf nicht mehr verzichten, vor allem hier in Norwegen nicht, wo Fahren im Allgemeinen überaus gechillt ist. Insofern habe ich Herr Rabe dabei bereitwillig unterstützt, Cardos auszutauschen. Und die Reichweite macht auch, dass man nicht mehr im Dorf festsitzt, wenn die andere Person mit Konacar unterwegs ist. Für Kieferorthopäde und ähnliche Touren ist das durchaus von Vorteil.

Nur einen Namen braucht es noch, das Zö.

(Tag 3363 und) 3364 – Happy Birthday!

Michel hat Geburtstag! Er ist jetzt schon 12 und in allen Belangen groß, außer wenn er Abends zum Einschlafen nach einem weiteren Kuscheltier verlangt. Ich kann noch nicht so ganz fassen, dass er schon 12 ist, aber es spricht alles dafür, dass es so ist. Eben war er noch vier und wollte, dass man den Kuchen EXAKT SO aufschneidet, wie er sich das ausgedacht hatte. Jetzt geht er, an seinem eigenen Geburtstag, nach der Schule mit einem Schulfreund nach Hause. Als Geburtstagsessen hat er sich Sushi gewünscht (und bekommen) und als Abendgestaltung wollte er Beetlejuice, den alten, aus den 80ern, mit der ganzen Familie gucken. Auf seinen Wunsch hin gab es Zitronenkuchen. Geschenke gab es auch, unter anderem ein Schwert, das ich nach einem mittleren Drama auf dem Sparrenburgfest in Bielefeld heimlich gekauft habe und das seither gut versteckt war. Er hat sich ehrlich gefreut, vor allem das Schwert war eine wirkliche Überraschung.

Michel sagt, er hatte einen guten Tag. Das ist die Hauptsache. Ich bin sehr stolz auf ihn und ein bisschen gerührt von diesem großen, selbstständigen, tollen Kind. Hachz hachz.

Tag 3359 – Getrennte Wege.

Heute hatte ich eine Geigenstunde und währenddessen (und noch etwas länger) waren meine Mutter, Herr Rabe und Pippi im Munch-Museum. Beides war sehr gut. Und weil die anderen noch länger brauchten, konnte ich noch in Ruhe Sport machen und sehr leckeres Essen kochen. Michel hat sich zwei mal Gemüse (!!!) nachgenommen, und mehrmals gesagt, dass das Essen soooo lecker sei. Dabei war es ein relativ schnöder Braten (der noch im Gefrierschrank war, von lokalem Freilandschwein) mit Kartoffeln, TK-Gemüsemischung, Sauce und, das hat Michel aber nicht gegessen, Pilzen aus dem Wald. Also ja, war schon lecker, aber dass ausgerechnet Michel sich Braten, Kartoffeln, Sauce und Gemüse reinschaufelt, als bekäme er sonst höchstens mal Knäckebrot, wunderte mich doch ein wenig. Aber ich beschwere mich nicht darüber. Ich male mir nur den Tag rot im Kalender an.

Tag 3354 – Ein paar Tage frei.

Yeah, Herr Rabe und ich haben den Rest der Woche frei. Für mich war das heute mit einem Endspurt verbunden, der vor allem daraus bestand, noch schnell 194 Änderungswünsche ins IT-Projekt einzutöckeln. Das muss ja alles immer nach Schema F ausgiebigst aufgeschrieben werden, für besonders dumme Dummies, deshalb dauert das selbst für die simpelsten Dinge („mach mit Dings exakt das gleiche wie du schon mit Bumms machst“) ewig.

Ansonsten war hier nur ein bisschen Mädchendrama. Neunjährige sind so lala groß und da kann es sich erst mal ganz toll anhören, bei der Freundin zu übernachten, aber ist dann doch ein bisschen viel, wenn es erst mal spät und die Gefühle groß sind.

Dass endlich neue und weitere Fische im Aquarium eingezogen sind, ist da ein kleiner Trost, aber echt nur ein kleiner. Viele kleine Tröste, eigentlich. Babyfisch geht es auch gut, und das Wasser ist endlich, endlich optimal. Das Nitrat und Nitrit ist endlich unten, Wasserhärte ist gut, alles gut. Hoffentlich überleben die neuen Fische länger. Erste Feststellung: Guppys sind, gemessen an Platys, total hektisch. (Vor allem Babyfisch. Der ist mega hektisch und flitzt nur rum. Aber der hat auch echt Mühe, gegen den Pumpenstrom anzukommen, der ist ja noch Miniklein.)

Hatte ich von Babyfisch eigentlich erzählt? Ich glaube nicht. Babyfisch ist neulich einfach im Aquarium entstanden, dabei war ich sicher, dass wir keine Männchen mehr haben. Das kam etwas überraschend, in dem Aquarium mit immer noch schlechten Wasserwerten und in dem dauernd Guppys starben, erwartete ich alles, nur keinen Nachwuchs.

Tag 3326 – Vier Bier!

Heute, während wir Apfelpfannkuchen aßen und ich ganz sentimental war, aber meine Kinder mich nur verständnislos fragten, was ich an Äpfeln in Pfannkuchen gut finde, hatte ich mit den Kindern ein Gespräch.

Pippi: „Mama? Hast du schon mal Bier getrunken?“

Ich: „Ja.“

Pippi, geschockt: „Und Wein?“

Ich: „Ja, auch Wein.“

Pippi, mich ansehend als hätte ich grad gesagt, dass ich mir jedes Wochenende die Nasenscheidewand wegkokse: „Und glaubst du, Papa hat das auch schon mal gemacht?“

Ich, mühsam Lachen unterdrückend: „Ja, Papa hat auch schon mal Bier und Wein getrunken.“

Pippi: „Weißt du was? Als von N. die Katze gestorben ist, hat der Papa von N. vier Bier getrunken! Ehrlich wahr!“

Ich: „…“

Pippi: „… alkoholfreie!“

Ich, weiter mühsam Lachen unterdrückend: „Also ich trinke auch gerne alkoholfreies Bier.“

Michel: „Ich hab das mal probiert, aber ich mag das nicht.“

Ich: „Muss man ja auch nicht, das ist halt eigentlich auch für Erwachsene, auch wenn kein Alkohol drin ist.“

Michel: „Vielleicht mag ich das ja jetzt. Können wir mal nen Film gucken?“

Ich: „Wie, nen Bier-Film? Damit du alkoholfreies Bier probieren kannst?“

Michel: „Ja. Können wir Der Hobbit 2 gucken?“

Ich: „…“

Pippi: „In Deutschland trinken die Leute viel mehr Bier.“

Ich: „…“

Michel: „Ja, die haben da sogar nen ganzen Tag für.“

Ich: „???“

Michel: „Ja. Oktoberfest.“

Es folgte noch eine kleine Aufklärung über das Oktoberfest und dass gar nicht in ganz Deutschland Oktoberfest ist und so, aber den Auszug oben wollte ich Ihnen nicht vorenthalten.

(Und den Kindern erzähle ich nichts davon, was Herr Rabe und ich alles schon zusammen erlebt haben, wo Bier, Wein und andere alkoholische Getränke involviert waren. Oder dass wir auch mit den Eltern von N. schon mal nicht-alkoholfreie Getränke genossen haben.)

Tag 3323 – Entspannung pur!

Nach der letzten Woche haben wir heute direkt mal Pippis Geburtstag mit den Mädchen aus ihrer Klasse nachgefeiert. Das war laut, bunt, leicht chaotisch aber friedlich. Wir beglückwünschen uns an dieser Stelle kurz dafür, doch zwei Backmischungen gekauft zu haben, denn nur ein Blech Brownies wäre tatsächlich zu wenig gewesen. 9 Mädchen zwischen 8 und 9 Jahren hauen ganz gut rein. Ein Mädchen hatte Angst vor Wunderkerzen, ich fühlte da sehr mit und dann haben wir die Wunderkerze in Form einer 9 doch lieber erst nach dem Geburtstag angemacht. Zwischendurch haben Herr Rabe und ich doch lieber noch mal schnell die Backmischungspackungen aus dem Müll gefischt, um zu gucken, ob da auch WIRKLICH keine Laktose drin ist. Wie das halt so ist. Es ist wirklich keine Laktose drin und das ist auch einer der Gründe, weshalb wir für so Geburtstage etc. Backmischungen kaufen. Es ist damit etwas einfacher, keinen unabsichtlich zu vergiften. Die Kinder wissen erfahrungsgemäß auch nicht zu schätzen, wenn man 3 Stunden mit Liebe (oder, in meinem Fall gestern Abend, todmüde) in der Küche gestanden und gebacken hat. Mit unseren begrenzten zeitlichen Ressourcen greifen wir da dankbar auf Conveniencewaren zurück.

Das Wetter war super, wir konnten für Pippi sogar die Flagge raushängen (das machen wir an ihrem tatsächlichen Geburtstag ja nicht) und jetzt denken hoffentlich nicht alle Nachbarn, wir würden hier groß die zweite Hochzeit von [Prinzessin] Märtha Louise begehen. Die auf dem Trampolin hüpfende und allerlei Draußenspielzeug verteilende Mädchenhorde dürfte aber zumindest ein Hinweis gewesen sein.

Alle hatten eine gute Zeit, glaube ich. Ich hab das auch überlebt, das wird mit dem steigenden Alter der Kinder auch alles einfacher. Hachja.

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Anekdote: Michel wollte gerne den kleinen Hobbit lesen, am liebsten auf Englisch*, aber wir haben ihn nur auf Deutsch da. Auf der ersten Seite fragte er, was das für Zeichen seien? Runen, sagte ich, die kann man nicht lesen, es sei denn, man ist ein Zwerg. „Aber ich bin ein Zwerg!“ sagte Michel und grinste verschmitzt. Und ja, mein Zwerg ist er auch mit fast 1,60 m und bald meiner Schuhgröße noch. Hachhachja.

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*auf Englisch fand ich auf die Schnelle nur die Hunger Games Trilogie, da weiß ich jetzt nicht ob das schon so gut ist, von Kindern, die sich gegenseitig (oft ziemlich brutal) umbringen, zu lesen. Andererseits hab ich in dem Alter höchst erbauliches von Gudrun Pausewang gelesen, und wenig später tonnenweise Hohlbein… und dann den Herrn der Ringe, tatsächlich. Vielleicht unterschätze ich ihn da auch.

Tag 3312 – Platt.

Michel ist direkt erst mal krank und früher aus der Schule nach Hause gekommen. Erkältung, nichts schlimmeres, Covid-Test negativ.

Arbeit heute zu lang und einigermaßen absurd. Wofür bei uns, vor allem auf der Personalseite, Geld rausgehauen wird und wofür nicht, ist schon echt… [ungläubige Stille]. Noch 20 Stunden, dann ist mein Flexiarbeitszeitkonto voll und ich werde dann immer schön nach meiner Arbeitszeit nach Hause gehen/den Computer ausmachen oder bezahlte Überstunden machen. Sonst sieht es ja niemand, dass es nicht tragbar ist.

Nach der Arbeit war es aber immerhin so spät, dass ich mein Sportprogramm im Trainingsraum komplett alleine machen konnte. Wenn ich alleine bin, mache ich das gerne total selbstverliebt nur in Trainingshose und Sport-BH (der ja mehr verdeckt als die meisten Bikinis) und erfreue mich daran, den Muskeln beim wachsen zuzugucken. so langsam sieht man nämlich auch echte Muskeldefinition überall. Mit meinen Beinen bin ich soweit schon zufrieden, an den Armen geht noch ein bisschen was, Bauch geht noch einiges, aber ist auch schon viel besser als vor 6 Wochen noch. Ein bisschen lustig finde ich, dass ich früher immer Angst hatte, zu viele Muskeln speziell an den Armen zu kriegen, und heute denke ich darüber komplett anders und finde ein Preisboxerinnenaussehen durchaus erstrebenswert. Lieber Preisboxerin als Marathonläuferin jedenfalls. Vielleicht spielt da auch die Erkenntnis mit rein, dass ich deutlich eher die Preisboxerinnengene habe. Früher fand ich immer furchtbar, dass ich so schnell Muskeln aufbaue, heute denke ich HURR HURR HER MIT DEN GRÖẞEREN HANTELN, EINMAL GEHT NOCH, NO PAIN NO GAIN!!! Und es zahlt sich ja auch aus, ich kann jetzt deutlich schwerer heben (aus Ober- und Unterkörper) als vor sechs Wochen noch. Das ständige Cardiotraining hilft auch, ich sterbe nicht mehr ganz so doll und kann meistens die Übungen voll durchziehen, auch das war, das ist ein bisschen unangenehm zuzugeben, vor ein paar Wochen noch anders. Ich war echt nicht fit Anfang Juli, wesentlich weniger fit als ich sein will jedenfalls, und das mochte ich ganz und gar nicht. Ich möchte nicht nach einer Stunde Krafttraining für Tänzer*innen anschließend krank sein, weil ich eigentlich nicht mithalten konnte und weit über meine Grenzen gegangen bin. Lieber wieder eine bessere Grundfitness erreichen, dann gehen auch solche Sondertrainings wieder.

Trotzdem bin ich natürlich nach einem Tag mit 90 Trainingsminuten platt, sehr, aber das ist auch ganz nett eigentlich, es schläft sich nämlich dann viel besser.

Tag 3308 und 3309 – Kind wieder da.

Gestern war nur Arbeit.

Heute haben wir Michel wieder abholen können. Ein von Mücken zerstochenes Kind mit einem verrenkten Fuß (nichts schlimmes, wie es aussieht), komplett mit Kugelschreiber angemalt und mit sehr großem Hunger. Das Essen war da, wenig überraschend, nicht so seine Sache, und gelangweilt haben sie sich auch (manchmal. Ich glaube das war nicht so schlimm). Jetzt ist er sehr happy, wieder sein Handy und seinen Computer und sein eigenes Bett zu haben. Seine erste Frage war, ob Greg sich gehäutet hat, und ja, gestern, also gibt es gleich was zu futtern, Greg wartet schon ungeduldig an der Scheibe. Mal gucken, ob Michel das selber machen möchte, wir haben extra eine längere Pinzette (nee, so heißt das nicht, das ist so ein OP-Besteck-Ding, das aussieht wie eine Schere, aber zum Festhalten und festklemmen ist, ähhhh…) gekauft. Ich werde jedenfalls danach nur noch Duschen und dann direkt ins Bett plumpsen, ich bin nach einer Woche Arbeit recht geschafft.