Tag 3506 – 200 km nach Süden.

Bin gut im Hotel angekommen und freue mich auf Schlafen. Das Bett ist bequem und die Decke warm, das Reisekissen ist bezogen, die Schlafmaske bereit, die Ohrenstöpsel sitzen. Alle möglichen Wecker sind gestellt.

Eine Woche hier. Könnte sehr viel Arbeit und ansonsten sehr langweilig werden. Die Langeweile setzt schon ein. Aber ich habe ein Buch dabei, das ich jetzt lesen werde, bis die Matratze und die warme Decke ihren endgültigen Effekt haben.

Tag 3504 und 3505 – „Allein“.

Herr Rabe ist mit seiner Arbeit eine sehr norwegische Aktivität ausüben, nämlich auf einer Hütte sein. Morgen kommt er zurück, wir klatschen kurz ab und dann fahre ich auf eine Inspektion. Zwar in Norwegen, aber ich bin trotzdem die ganze Woche weg.

Weil Herr Rabe nicht da ist, bin ich hier alleine zuständig und weil ich in der Situation wirklich Angst hatte, von der für heute geplanten zweiten Gürtelroseimpfung wieder so ausgeknockt zu werden, wie nach der ersten Dosis, habe ich den Termin um zwei Wochen verschoben. Vorher habe ich den Beipackzettel und die Produktinformation durchgelesen, ob das auch wirklich kein Problem ist und nein, ist es wirklich gar nicht.

Pippi übernachtet heute bei einer Freundin, ich bin also mit Michel alleine. Michel sieht man am Wochenende eher selten, der spielt die meiste Zeit Minecraft, Roblox oder Fortnite. Zum Essen kommt er mal raus, oder um zum dritten mal zu fragen, wann Herr Rabe wieder kommt oder bei welcher Freundin denn Pippi genau schläft. Oder was „wir“ morgen machen, das ist seine Lieblingsfrage. Ich verstehe das Bedürfnis dahinter, nämlich möglichst genau Bescheid zu wissen, was passieren wird, sehr gut, aber manchmal amüsiert es mich doch, denn Michel ist am Wochenende wirklich nur mit Gewalt zu was anderem als Computer spielen zu bewegen. Was wir anderen machen, könnte ihm ja so gesehen ziemlich egal sein. Aber nein, er muss das alles ganz dringend wissen.

Was ich morgen mache: Aufstehen, Frühstück, Sport, Packen, Geige, Baden, Aufräumen (vielleicht nicht in dieser Reihenfolge), eventuell die üblichen Wochenenddinge wie Wasser am Aquarium tauschen und Blumen gießen, Essen machen, Essen und dann die Kollegin am Flughafen einsammeln und zum Ort fahren, wo wir dann eine Woche lang sind. Da ist auch ungefähr nichts außer dem Hersteller.

Jetzt mache ich mal das Licht aus, damit das morgen nicht doch noch in Stress ausartet.

Tag 3500 und 3501 – Arbeit, Arbeit.

Gestern war mal wieder so ein Kacktag bei der Arbeit. Ehrlich, wenn ich den eigentlichen Job nicht so mögen würde, ne? Für die Organisation oder die Chefinnen und Chefs bleibe ich jedenfalls nicht da. Die interessieren sich ja auch allesamt nicht für mich (oder irgendwelche anderen Angestellten), außer dass ich gefälligst meinen Job machen soll ohne zu meckern. Während alles, was irgendwie den Hauch von „Extra“ hat, zusammengestrichen wird. Hrmpf.

Heute Homeoffice, das ist schon viel besser, da muss ich wenigstens nicht auch noch für einen Salat mit sehr dürftigen Mengen satt machendem Zubehör 50 Kronen hinblättern. Und ich muss nicht in der lauten Kantine essen.

Und ich kann Michel zum Kieferorthopäden fahren, wo ich dann davon überrumpelt werde, dass die Praxis irgendwie verkauft wurde (?) und der Kieferorthopäde jetzt nicht mehr da ist, dafür aber zwei neue. Und auch irgendwie null Helferinnen? Es ist alles etwas seltsam. Aber die Behandlung soll so weiter laufen, wie gehabt. Neuer Termin nach Ostern. Der neue Kieferorthopäde ist auch wirklich nett, das ist es nicht, ich war nur sehr überrascht.

Abends Geige gespielt und mich darin gesonnt, dass mein Lehrer am Sonntag sehr viel Lob für mich hatte. Aufgrund von Erkältung hatte ich die Stunde kurzfristig auf online umgebucht, dann bin ich auch weniger nervös. Ich wollte aber wirklich in erster Linie nicht meinen Lehrer anstecken, der ist ja auch Gesangslehrer und professioneller Sänger. Muss ja nicht sein, meine Viren mehr als nötig zu verteilen. Gestern war ich dann abends auch nicht beim Ballett, aus dem selben Grund. Aber im Büro war ich, das sagt jetzt sicher ganz viel über meine Prioritäten aus. Fit genug für Sport bin ich nämlich durchaus, Herr Rabe und ich haben gestern und heute auch fleißig das Programm durchgezogen. (Gedenken Sie so ca. übermorgen ruhig Herrn Rabe, ich sehe schrecklichen Muskelkater am Horizont aufziehen.)

Apropos Geige: ich muss jetzt wirklich eigentlich immer mit Gehörschutz üben, weil irgendwas passiert ist, das macht, dass ich jetzt viel mehr Geräusch erzeuge als vor ein paar… ja tatsächlich Wochen noch. Es ist laut. Und danach klingeln meine Ohren, besonders das linke, was mir gar nicht gefällt.

Älter werden ist nichts für Feiglinge.

Tag 3499 – Alle wieder beisammen.

Herr Rabe und ich haben heute eine Stunde lang am Flughafen rumgestanden, aber die Belohnung kam irgendwann dann doch aus dem Terminal spaziert. Die Kinder hatten eine gute Zeit in Brighton und sind trotzdem auch froh, wieder da zu sein, zumindest Pippi. Michel hat so gar keine Lust auf Schule morgen. Verständlich.

Deutschland hat gewählt. Herr Rabe hat nicht gewählt, weil bei ihm, wie so vielen anderen Auslandsdeutschen (unter anderem wohl dem Botschafter in London), die Wahlunterlagen nicht rechtzeitig ankamen. Das ist Käse, liebes deutsches Wahlsystem.

Es ist ja nun genauso gekommen, wie befürchtet, aber es gibt meiner Meinung nach trotzdem ein paar gute Nachrichten. Eine sehr hohe Wahlbeteiligung – Politikverdrossenheit my ass. Mehr als die Hälfte der Leute haben weder rechts gewählt noch eine Partei, die dann ja doch mit Stimmen von rechts Politik durchdrückt, wenn es ihnen passt. Und es wird mit der Linken ein überraschend starkes Gegengewicht zu den Rechten in der Opposition geben. Denke ich. Hoffe ich. Und dann gucken wir mal, was jetzt von den ganzen vorher großmäulig „ausgeschlossenen“ Koalitionen doch in Frage kommt. (Hauptsache nicht schwarz-braun. Angeblich will der Fritzl ja jetzt doch Die Brandmauer(TM) behalten, aber ich fürchte, sein Brandmäuerchen ist eine halb durchgeweichte, kniehohe Geschichte aus Pappmaché. Aber so, sorry, bescheuert ist hoffentlich nicht mal der Fritzl.)

So. Jetzt Bett. Ich werde meine neuen, gekühlten Schlafmaskenkissen ausprobieren, einfach aus Spaß.

Tag 3498 – Haare ab und ein kleiner Shopping-Ausflug.

Herr Rabe und ich sind heute nach Oslo gefahren, zum Haare schneiden und weil ich was zurückgeben wollte. Dann hat mich Herr Rabe noch in den tollen Handschuhladen geschickt, um Lederpflege zu kaufen, und dann hab ich irgendwie auch Handschuhe gekauft, tolle, blaue Lederhandschuhe mit Wollfutter. Ich bin jetzt groß und muss gar nicht mehr die allerbilligsten Strick-Handschuhe im Dreierpack an der Kasse bei Lindex kaufen. Nämlich.

Als ich Herrn Rabe wieder traf waren seine Haare zwar nicht kurz, aber doch deutlich kürzer als vorher. Meine allerdings auch. Nur waren die vorher kurz und sind jetzt wieder richtig kurz. Jetzt friere ich am Kopf ohne Mütze wieder.

Apropos frieren: der Winter ist jetzt wieder zum Abgewöhnen. Es sind 2-3 Plusgrade und dabei nieselt es die ganze Zeit. Es ist alles grau und alles ist vereist, bis auf da, wo es matschig ist. Die feuchte Kälte kriecht überall rein und man friert mehr als bei trockenen -10 Grad. Eklig. Kann bald Frühling sein?

Tag 3497 – Eltern gehen aus.

Die Kinder haben es gut, wir haben es auch gut. Deshalb waren wir est eine sehr leckere Pizza essen und dann beim „Burlesque-Karaoke“, was eine herrlich chaotische Mischung aus Burlesque, Karaoke und Impro war. Ich bin schon allein damit zufrieden, dass ich eine Dreiviertel Stunde in ein aufwändigeres Make-Up gesteckt habe, das mache ich auch viel zu selten.

Jetzt habe ich allerdings zwei große Bier intus und da ich quasi nichts mehr vertrage, muss ich jetzt ins Bett. Hier nur ein Bild:

Nicht so super gut getroffen. Naja.

Tag 3496 – Erstmal Sofa.

Den heutigen Tag kann man von meiner Seite getrost vergessen, aufgrund von einer unglücklichen Mischung aus Zyklusende, Wetterumschwung und plötzlicher Entspannung habe ich quasi den ganzen Tag wie verkatert auf dem Sofa rumgehangen. Kopfschmerzen, Kreislauf und allgemeine Schlappheit. Tjanun. Passiert.

Die Kinder haben es sehr gut. Wir haben viele Bilder bekommen, heute waren sie in einem Zoo und haben alle möglichen Reptilien anfassen dürfen. Michel hat mich auch heute Morgen angerufen, weil das Paket mit den Schlafmasken, die ich zu meiner Schwägerin bestellt hatte, endlich angekommen ist, und er wissen wollte, was da drin ist. Eine der Schlafmasken hatte ich für ihn bestellt, nachdem er mir neulich meine geklaut hat, weil er die so toll findet. Dann hat er, als er krank war, gefühlt fünf Liter da rein geschwitzt, das fand ich wiederum nicht so toll (obwohl man die Masken in der Maschine waschen kann, was ich dann auch direkt gemacht habe). Generell finde ich das ja eine der ätzenderen Nebenwirkungen am Kinder haben, dass die so gar keinen Respekt davor haben, was MIR gehört. Schlafmasken, Lippenpflegestifte, Nasenspray, Zahnpasta, Pinzetten, selbst das Dings zum Mitesser entfernen. Alles wird mir gemopst. Dann sage ich, ich hätte es gerne wieder, zu beiden Kindern, und dann taucht es irgendwann ganz zufällig wieder auf. Jedenfalls habe ich Michel eine eigene Schlafmaske bestellt und mir ein Upgrade für meine, und extra Augenkissen für geschwollene Augen (Post Meltdown. Passiert ja auch mal.). Letztere kann man kühlen, weshalb die eventuell auch bei Migräne ganz angenehm sind. Michel hat beim Paket aufmachen dann natürlich gleich die Werbung für die weiteren Produkte studiert und möchte jetzt am liebsten ebenfalls direkt upgraden – auf eine Schlafbrille mit extra Gewicht. Das wiederum stelle ich mir ja ganz furchtbar vor. Aber ich denke eh, wir gucken erst mal, ob er die Basisversion denn tatsächlich dauerhaft nutzt.

Wenn Sie sich jetzt fragen, was das für spezielle Schlafbrillen sind: die Marke heißt Manta, ich habe jetzt seit eineinhalb Jahren das Basismodell und bin sehr zufrieden. Es ist genau genommen die einzige Schlafbrille, die ich bei meiner Augenform tragen kann. Alle anderen, die ich probiert habe, drücken auf den Augapfel und dann kann ich morgens nicht richtig sehen, weil der Augapfel minimal platt gedrückt ist. Die von Manta haben aber einen gepolsterten Ring ums Auge rum, der einengen bis zwei Zentimeter Abstand zwischen Auge und Maske schafft. Ich kann die Augen unten drunter sogar aufmachen, wenn ich will. Auf der Seite schlafen geht auch gut, weil die Ringe außen, also an der Schläfe, abgeflacht sind. Ich bin davon sehr überzeugt und schlafe damit besser als ohne, auch im Winter, wenn es nicht um vier Uhr morgens schon hell wird. Von der Werbung hier habe ich nichts, das ist wirklich reine Überzeugung. Der Kundenservice ist im Übrigen auch sehr nett und hilfsbereit, zumindest der in UK (mit anderen hatte ich noch keinen Kontakt).

Morgen wird hoffentlich produktiver. Abends gehen wir aus, wie so Erwachsene an einem Freitag Abend. Spannend.

Tag 3494 und 3495 – Kinder erfolgreich verschickt.

Huff, was für ein Akt. Zwei aufgeregte Kinder zum Packen überreden, dann dazu überreden, einen Teil der Sachen wieder auszupacken, weil sie ja gar nicht auf eine vierwöchige Reise gehen, dann dazu überreden eine der Dauer des Aufenthaltes angemessene Anzahl Unterhosen mitzunehmen. Mehrmals selbst dabei kurz vorm Meltdown sein, weil die Kinder wild durch die Gegend springen und random IRGENDWELCHE Dinge tun, die nur marginal mit Packen zu tun haben. Außerdem ist Zyklusende sehr sehr bald und es ist Laune und Migräne (gestern) und überhaupt alles.

Heute ging dann alles verhältnismäßig glatt, jedenfalls für mich, denn ich ging nur bis zur Sicherheitskontrolle mit. Wir hatten Pippi fürs unbegleitete Fliegen angemeldet, Michel konnte da ein bisschen von nutznießen, aber hatte keine „eigene“ Betreuung. Herr Rabe konnte die zwei durch die Sicherheitskontrolle und bis zur Passkontrolle begleiten, mit einem „Begleiterpass“. Da standen sie dann ewig rum, weil der Flug verspätet war, allein reisende Kinder aber erst kurz vor knapp an der Passkontrolle abgeholt werden. Aber irgendwann kam dann doch jemand und dann musste Herr Rabe „nur noch“ warten, bis das Flugzeug tatsächlich in der Luft war.

Von der Schwägerin bekamen wir Updates vom Abholen und vom Abendessen, von den Kindern selbst kam bisher gar nichts. Dann geht es ihnen wohl gut.

Herr Rabe und ich versuchen uns derweil an die Stille zu gewöhnen. Ich hab obendrein ja auch noch den Rest der Woche frei, so viel freie Zeit ohne Verantwortung, es ist der Wahnsinn!

___

Heute ging ein neuer Burlesque-Kurs los, hach. Jetzt muss ich ein Korsett kaufen, ohjemine. Und ich muss auch echt mal mit meinem Fuß zum Arzt, komme mir aber etwas albern dabei vor. „Hallo, mein Zeh tut weh, zu viel gestrippt…“ Deshalb habe ich das auch seit zwei Monaten rausgeschoben, aber es wird halt einfach nicht besser. (Der sagt dann bestimmt, dass ich halt weder Ballett noch Burlesque machen sollte, bis das(TM) weg ist, aber das kommt leider gar nicht in die Tüte, schon mal gar nicht ohne zu wissen, was genau das(TM) ist. Ja, eher schwierige, starrsinnige, besserwisserige Patientin hier.)

Tag 3493 – [Mir fällt kein Titel ein.]

Michel geht es viel besser und Pippi scheint auch fit wie ein Turnschuh zu sein. Gut.

Bei der Arbeit langweilige, doofe Sachen gemacht. Die sind jetzt aber erledigt. Morgen Homeoffice für minimal weniger langweilige, doofe Sachen.

Abends 70 Minuten Sport, es sind ja Ferien, da ist kein Ballett. Aber dieses Workout hatte es in sich, morgen kann ich wahrscheinlich nichts bewegen. Es ist aber, das weiß ich bei der zweiten Runde, das längste Workout des vier Wochen Programmes.

Wenn die Kinder nicht tausendundeine Nachmittagsveranstaltung haben und Herr Rabe und ich früh Feierabend machen, haben wir noch echt viel vom Nachmittag. Das ist auch mal echt schön.