Tag 3582 – Hurra!

Hurra für Norwegen, Nationalfeiertag, großer Trachten-und-Tröten-Tag. Hurra!

Hurra, dass mein Kleid wieder passt!

Hurra, dass Israel (knapp) den ESC nicht gewonnen hat.

Anbei ein paar Bilder.

Windig. Aber smart: Schuhe in der Hand. Auf dem Rückweg war ich statt Smart stolz und jetzt habe ich schlimme Blasen.

Leicht abgekämpft.
Irgendwann dazwischen. So. Viele. Leute.

Ich bin echt platt jetzt. Das sind wir alle. Aber Hurra!

Übrigens ist der Schulkorps inzwischen echt gut geworden. Auch dafür ein Hip Hip Hurra!

Tag 3581 – JA.

Wir haben heute Aussicht gekauft. Tatsächlich haben wir das „einfach mal so“ gemacht. Am 15.07. kriegen wir die Schlüssel. Es ist sehr verrückt.

Wir haben nicht mal den kompletten, aufgerufenen Preis bezahlt. Dank der Bankfrau, muss man sagen, und der Maklerin, weil ich wahrscheinlich direkt den aufgerufenen Preis angeboten hätte und dann hätte es keine Verhandlung gegeben. So haben wir uns mit den Verkäufern halt auf was in der Mitte zwischen dem, was wir zuerst angeboten hatten, und dem aufgerufenen Preis geeinigt. (Als würde man irgendwie ein besonders schönes Huhn auf dem Markt kaufen.)

Und wie das dann in Norwegen so ist, am Ende akzeptiert man Gebote per SMS.

Man muss dazu sagen, dass wir uns natürlich ganz am Anfang ein mal ausgewiesen haben (per BankID, also elektronisch) und auch den Namen und die Telefonnummer unserer Bankberaterin angeben mussten, damit die Maklerin verifizieren kann, dass wir uns das auch leisten können. Aber ja, ganz am Ende kauft man ein Haus dadurch, dass man eine SMS mit Ja beantwortet.

Ich schätze mal, man verkauft Häuser auch so. Wir werden das dann demnächst verifizieren. Aus einer reinen Übersprungshandlung heraus habe ich auch direkt ein paar zu-verschenken-Kartons bei Finn besorgt und rituell die erste Kiste gepackt. Ich habe auch ein Foto davon gemacht, aber war wohl zu fahrig, das ist etwa so scharf, als hätte ich das aus einer fahrenden Achterbahn geschossen.

Meine Güte, was für ein Tag.

Aber: wir haben demnächst ein richtiges Gästezimmer. Ein reines Gästezimmer, in dem niemand zusätzlich noch arbeiten muss, und es wird auch eine Tür haben. Zusätzlich zu dem Gästezimmer werden wir ein Homeoffice haben, das ebenfalls eine Tür hat, zwei Wohnzimmer und ein zusätzliches Nerd-Zimmer, wo alles von drülf Musikinstrumenten bis Sportzeug drin sein kann. Wir werden jede Menge Lagerräume haben, jede Menge Schränke und eine Küche, die ich nicht ständig renovieren will. Ok, Omafliesen an der Rückwand in der Küche. Aber die kann man ja zum Beispiel lackieren. Und es sind immerhin Fliesen, keine Strukturtapete. Haben Sie schon mal versucht, Tomatensauße von Strukturtapete zu waschen, ohne auch gleich die Farbe abzuwaschen? Ich schon. Wir werden außerdem eine Garage haben UND eine Werkstatt (im Keller) UND einen Schuppen, UND so ein lustiges Gartenhäuschen, in dem ich nicht war, das über dem Haus thront.

Und direkt hinterm Haus fängt der Wald an. Der, in dem ich im Herbst immer Pilze sammele.

Nur den Holunder werde ich sehr vermissen. Und den Rhabarber. Vielleicht auch andere Teile des Gartens. Aber Holunder und Rhabarber kann man ja auch neu einpflanzen, das wächst ja schnell.

Tag 3579 und 3580 – Wie soll man denn so schlafen?

Gestern war Inspektion, Inspektion und Inspektion. Nichts spannendes.

Heute war auch Inspektion und am Ende saß ich da sehr auf heißen Kohlen, weil ich nach Hause wollte. Der Lieblingskollege hatte aber jede Menge Zeit und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich hatte ihm gesagt, dass wir zu einer „Visning“ wollten, aber das hatte er wohl vergessen. Eine visning ist eine Hausbesichtigung. Man macht das ja hier völlig anders als in Deutschland und guckt das Haus nur ein Mal für maximal eine Stunde an. Am nächsten Tag kann man dann darauf bieten. Heute musste Herr Rabe dann eben schon mal vor fahren und ich kam dann kurz vor knapp noch dazu. Der Lieblingskollege hatte mich dort hin gefahren (das ist nicht weit von hier, keine fünf Minuten mit dem Auto) und den letzten Weg den Berg hoch habe ich dann zu Fuß zurückgelegt. Der Berg ist auch das einzige, was mich etwas abschreckt. Weil das da ECHT steil ist. So, dass ich Angst habe, dass zwei von zwei Autos da im Winter nicht hoch kommen. Dagegen ist der Weg, auf dem ich mich im Januar fest gefahren habe, ein kleiner Hügel. Aber wenn man auf einem Berg ist, hat man Aussicht.

Ich sage es mal so: ich habe das jetzt alles sehr genau ausgerechnet, was wir uns leisten können. Sehr, sehr genau. Auch mit der Bank abgeklärt. (Im Dezember hier auf diesem Kanal dann die große Überraschung, dass man im Winter den Weg nicht hoch kommt, bleiben Sie dran!)

Tag 3578 – Alle Finger noch dran.

Pippi hat sich heute in der Schule so derbe an einer Glasscherbe von einem kaputten Bilderrahmen in den Finger geschnitten, dass es genäht werden musste. Ich bin zwar nicht weit weg, aber zu weit für schnell mal hin fahren und mit Pippi zum Arzt zum Nähen, also wurde Herr Rabes Tag auch komplett umgeschmissen. Michel hatte auch in der Schule nur mitbekommen, dass „das Kind, das sich verletzt hat“ Pippi war und war dann ganz besorgt. Insgesamt alles echt nicht so schon für alle Raben.

Nach der Betäubung war Pippi eigentlich ganz guter Dinge und es ist wohl wirklich nur ne Fleischwunde, aber sowas braucht man ja trotzdem nicht.

Tag 3577 – Kein Shopping.

Wir haben heute kein Haus gekauft. Das ist aber auch nicht schlimm.

Bei der Arbeit sind Dinge zwischenmenschlich schwierig. Ich weiß noch nicht, was ich da machen soll. Der Lieblingskollege sagte bereits, dass ich es eh nur falsch machen kann und ich fürchte, damit hat er recht. Auf der anderen Seite kann ich es dann aber so machen, wie es sich für mich richtig anfühlt, wenn die Konsequenzen eh alle die gleichen sind, ob ich nun strategisch denke oder irgendwie versuche, allen alles recht zu machen (was nicht geht, außer ich räume still, dauerhaft und massiv hinter anderen her, was ein Rezept für eine sehr unzufriedene Frau Rabe ist) oder drauf scheiße was die Chefinnen von mir halten und meine Integrität wahre. Aber ich fühle mich von den Chefinnen im Stich gelassen und das ist auch kein schönes Gefühl.

Ich schiebe das trotzdem erst mal bis Ende nächster Woche von mir, ich hab keine Zeit dafür. So.

Abends war ich beim Sommerkurs vom Tanzen, heute: Krafttraining. Es war ein Zirkeltraining im Tabata-Stil, und es hat mir Spaß gemacht. Ich bin nicht gestorben, im Gegenteil, ich habe teils schwierigere Übungen gemacht, weil ich manche der Übungen zu Hause normalerweise mit Gewichten mache, da sind mir 4 x 20 Sekunden ohne Gewichte zu wenig. Vor nem Jahr bin ich da noch halb tot rausgekrochen, jetzt kann ich den 15-Jährigen einen vor-burpeen (von Liegestützen, Squats und Leg Drops ganz zu schweigen). Muhaha.

Morgen wieder Inspektion, deshalb jetzt schnell Licht aus.

Tag 3575 und 3576 – Keine Bilder.

Gestern hatten die Kinder ein Korps-Treffen in einem Militärlager, da sind sie mit mehreren anderen Korpsen rummarschiert und haben ihre Märsche und andere Stücke gespielt und das war für die Kinder sehr schön. Es gab eine Medaille nachher, die an die Uniform zu den anderen Medaillen gepinnt wird. Ich stand derweil in dem Militärlager im Kiosk und habe Kaffee und Boller verkauft, was das Zeug hielt. Das war auch ganz gut, weil ich dann nicht so viel Zeit hatte, mich zwischen den ganzen Panzern und Waffen und olivgrünen Uniformen super unwohl zu fühlen. Ich mag diesen ganzen Militärkram echt überhaupt nicht, aber der hat 1. in Norwegen einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland und 2. jährt sich für die Norweger dieses Jahr die Befreiung ihres Landes zum 80. mal. Das ist hier ein Anlass zum feierlichen Gedenken. Generell wird ja am 8. Mai auch von vielen geflaggt, aber dieses Jahr gibt es eben einiges „Extra“, wie Korps-Treffen in Militärlagern.

Danach war etwas Stress. In zwei Stunden wurde mich selbst Umziehen und Schminken, Kinder zum Umziehen und Pippi zum Duschen nötigen, Michel zu seinem Kumpel fahren, Einkaufen und Pippi zum Packen ihrer Übernachtungssachen anhalten gequetscht. Am Ende vergaß ich leider ausgerechnet die Tiefkühltüte auszuräumen, die stand noch im Flur, als Herr Rabe und ich um Mitternacht wieder nach Hause kamen.

Herrn Rabe traf ich nämlich in Oslo, wo wir zum Burlesque-Karaoke gingen. Um 18:30, weil halt. Es war sehr sehr lustig und wir haben sogar gesungen, auf der Bühne, das arme Publikum. Aber wir hatten Spaß, das ist ja das wichtigste. Außerdem waren es wieder tolle Performances und ich Fangirle ab jetzt dann eine Dragqueen (Salty), die auch Draglesque macht. Was. Für. Eine. Show.

Weil das so früh angefangen hatte, war es aber auch früh vorbei, also hatte ich uns beim Inder noch schnell einen Tisch zu 21 Uhr reserviert. Der Pepper’n Gror, sehr zu empfehlen! Inzwischen war dann auch klar, dass Michel bei seinem Kumpel übernachten wollte, wir hatten also keine Kinderverantwortung. Das war mal wieder sehr schön. Lange Gespräche mit Herrn Rabe über alles mögliche, hach. Bei einem Spaziergang vom Bahnhof nach Hause (weil wir beide Bier getrunken hatten) setzten wir das fort. Es war wirklich ein schöner Abend.

Heute haben wir dann eine Joggingtour zum Bahnhof gemacht, um die Autos abzuholen. Spontan noch ein Haus besichtigt, das wirklich direkt am Bahnhof liegt (im Schlendertempo 5 Minuten zu Fuß). Schön groß, schöner Garten, ein Keller und eine richtige Waschküche, die Küche ist niedlich (und hat eine Echtholzarbeitsplatte, genau wie ich sie haben will), sehr viele Einbauschränke in bereits abgebeiztem Echtholz, im Keller ist eine Sauna und eine Garage gibt es auch. Es gibt aber auch keinerlei Ventilation, überall Stofffasertapeten aus den 90ern, 2 winzige Bäder, davon eins renovierungsbedürftig (inklusive Fußboden rausreißen), im Waschkeller muss ebenfalls der Boden aufgerissen und eine vernünftige Membran verlegt werden und der Abwasserablauf saniert werden und zur Drainage rund ums Haus und eventueller Feuchtigkeit im Keller sagt der Sachverständige in seinem Report „die Drainage, so vorhanden, ist entweder beschädigt oder hat ihr Lebensalter erreicht, jedenfalls scheint sie nicht zu funktionieren“. Also das Haus an sich ist wirklich schön, es gibt mir so richtige „Oma-Haus“-Vibes, aber ich schätze locker eine extra Million Kronen muss man da rein investieren, damit man sich sicher sein kann, dass einem nicht irgendwann das Fundament wegrottet. Ob ich das will… zweifelhaft. Aber am Donnerstag gucken wir vielleicht noch ein Haus an, das wo ganz anders liegt, aber einen wesentlich besseren Standard hat. Wir werden sehen. Eigentlich will ich ja auch gar nicht umziehen (auf keinen Fall, eigentlich), aber mehr Platz haben wäre schon echt schön.

Danach habe ich angefangen, etwas aus Paillettenstoff zu machen und das mache ich auch so schnell nicht wieder. ÜBERALL sind jetzt Pailletten. Der Staubsauger weint auch schon.

Nur Bilder habe ich das ganze Wochenende nicht gemacht.

Tag 3572 und 3573 – Piep aus dem Inspektionstunnel.

Bin ziemlich müde, was wohl normal ist nach einem langen Tag mit einigen Kilometern Wegstrecke durch eine Produktionsanlage. Ächz.

Aber gestern Burlesque war gut und ich hab jetzt ein „Underbust“-Korsett, dass ich vielleicht öfter tragen sollte.

Erstaunlicherweise kann man damit auch ganz gut tanzen. Und ich habe Lob bekommen für meine Bumps. Hatte ich bisher nie gedacht, dass ich ausgerechnet Bumps kann, hatte mich eher so bei Grinds verortet, aber ich nehme was ich kriegen kann an Lob, ne?

(Bumps sind „Stöße“ mit der Hüfte oder dem Brustkorb. Grinds sind kreisende Bewegungen.)

Tag 3570 und 3571 – Herzlichen Glückwunsch!

[Gestern war nur Arbeit, abends war ich mit 2 von den Ballettdamen essen und dann habe ich Kuchen gebacken. Unspektakulärer Tag.]

Heute hat Herr Rabe Geburtstag und er wird spektakuläre 42 Jahre alt! Also quasi weise. Ich bin sehr froh, dass Herr Rabe Geburtstag mit uns feiert, weil alle Alternativen echt nicht schön wären. Ich hoffe, wir können noch mindestens 42 weitere Geburtstage zusammen feiern. Ich mag den nämlich sehr, den Herrn Rabe.

Tag 3568 und 3569 – Wochenende im Schnellabriss.

Eieiei, es ist schon wieder so spät.

Gestern: wir waren alle zusammen in Oslo. Es gab einiges zu besorgen, weiße, kurzärmelige Hemden für die Kinder, geheime Geheimnisdinge für Menschen, die bald Geburtstag haben, glitzernde Stoffe und anderen Glitzerkram für mich, einen Anzug für Herrn Rabe und Pippi wollte gerne Haare schneiden. Haben wir alles gemacht, nur einen Anzug haben wir nicht bekommen. Pippis Fusselhaare sind jetzt unten begradigt und sehr viele kaputte Spitzen ab.

Außerdem war der Kauf eines BHs etwas frustig. Ich dachte, jetzt, wo ich meine BH-Größe kenne, könnte ich einfach in einen Laden gehen und einen günstigen BH in dieser Größe kaufen, aber nein. Die saßen alle s scheiße, auch in den Größen „drumrum“. Am Ende habe ich dann wieder im teuren Laden einen bestellt.

Heute hatte ich eine Geigenstunde, die war gut, wir haben ein bisschen Duett gespielt. Nur dass der Geigenlehrer mich mit Bartok-Duetten quält, ist etwas, äh, eher so mittel. Vorsichtig ausgedrückt. Das sind alles sowohl harmonisch als auch rhythmisch ungewohnte Dinge, mit random Taktartwechseln und ähnlichem. Ich möchte das nicht, ich möchte in Frieden Bach spielen, wo ich mich drauf verlassen kann, dass nicht plötzlich irgendwo ne kleine Prim als Doppelgriff auftaucht, oder munter zwischen 6/8-, 5/8- und 3/4-Takt hin und her gewechselt wird.

Den Rest des Tages habe ich erst (produktiv, zum Beispiel habe ich das Aquarium sauber gemacht und meine Sachen für morgen gepackt) prokrastiniert, und dann habe ich Intros für meinen Auftritt am 30. geschrieben, sowohl für die Show als auch für Social Media, ich habe Bilder hochgeladen und alles, urgs, ich hasse mich selbst zu promoten. Aber she’s a showgirl. Da gehört das dazu. Abgeschickt habe ich das 10 Minuten vor der Frist. Was die besten Bewerbungen sein können, die für meinen Job habe ich auch so abgeschickt.