Tag 3367 und 3368 – Es passiert einfach nichts.

Routine, und das ist ja auch mal sehr schön.

Gestern Büro, abends Ballett. Büro war den ganzen Tag Meetings und ein etwas seltsames Personalgespräch. Aber das möchte ich hier nicht ausführen. Dass es seltsam war muss reichen. Vielleicht darf ich auf nen Kurs in den USA, da würde ich vermutlich nicht nein zu sagen. Ballett war gut. Habe mich ein bisschen geärgert, dass meine Uhr mir kein Training anrechnet, wenn ich nicht konstant mit dem Arm wedele. An der Stange wedelt man nicht, aber das ist dadurch nicht weniger anstrengend. Blöde Uhr.

Heute Homeoffice, komplett lächerlich unproduktiv. Deshalb fahre ich morgen ins Büro um den externen Druck zu maximieren und dann bin ich ja erst abends nach zehn zu Hause (der Kurs geht bis 21 Uhr, Routine) und deshalb habe ich heute dann auch schon fürs Wochenende gepackt. Ich fahre zum Landestreffen des 2%-Clubs, das wird sehr aufregend. Aber deshalb muss ich auch morgen WIRKLICH meine Präsentation fertig bekommen, die ich Dienstag halte, weil ich Donnerstag und Freitag dann frei habe und Montag wieder nur Meetings sind. Und Ballett natürlich. Routine.

Tag 3365 und 3366 – Nicht erzählte Dinge.

Gestern hatte Michel einen eher so mittelguten Tag. Seine schrecklichen Eltern haben ihn nämlich dazu gezwungen, mit dem Kornett einen Auftritt zu machen, wie er es vor mehreren Wochen zugesagt hatte. Nun ist es aber ja so, dass Michel eher nicht übt, auch nicht, wenn ein Auftritt ansteht und dann kommen irgendwann die Nerven und dann geht es halt auch nicht mehr. Von seiner Mutter hat er zwar vieles geerbt, aber nicht das niemals aufgeben, Augen zu und durch, Scheiße mit Schwung. Das nicht. Ich musste das Projekt, ihm gut zuzureden, dann auch irgendwann aufgeben. Herr Rabe hat es dann aber irgendwie hinbekommen und abends ist Michel aufgetreten. Ich finde, allein dafür, dass er es durchgezogen hat, verdient er den fettesten Applaus des Abends, vier Stunden vorher sah es nämlich nicht danach aus. Aber jetzt hat er wieder eine Erfahrung im Sack, nämlich dass man daran nicht stirbt, nicht mal, wenn man nicht genug geübt hat. (Plus die Erfahrung, dass seine schrecklichen Eltern beinhart sind, wenn es ums Handtuch werfen aus Bequemlichkeit oder Angst geht. Die schrecklichen Eltern tun dafür dann auch wieder ein paar Geldeinheiten in die Therapiekasse.) (Oh und plus die Erfahrung, dass der Kornettlehrer gar nicht mal so begeistert über die Kinder ist, die gar nicht auftauchen.)

Heute war im Gegenzug „Kinder“geburtstag, mit seinen drei besten Kumpels waren er und Herr Rabe im Escape Room in Oslo. Das war wohl super gut, rundum. Vielleicht sind wir doch nicht die allergrausamsten Eltern der Welt.

Und da kommen wir zu den nicht erzählten Dingen: ich nutzte die Zeit, nachdem ich meine Mutter zum Flughafen gebracht hatte und Herr Rabe und Michel unterwegs waren, dazu, joggen zu gehen. Ja, da habe ich immer wieder und auch noch vor kurzem gesagt, dass das niemals passieren wird, weil laufen eine würdelose Bewegungsform ist, aber jetzt war es irgendwie doch schon das vierte oder fünfte mal. Auch daran stirbt man nicht, habe ich dabei festgestellt. Es macht nur auch keinen Spaß, aber die Sportprogramme wollen ja irgendwie immer Ruhetage haben und ich werde von Ruhetagen leider unruhig und unleidlich. Also… jogge ich. Meine Spazierrunden. Das dauert unter 30 Minuten, ich schwitze ordentlich und dann ist auch gut. Angefangen habe ich im Schneckentempo, mit dem einzigen Ziel, die Strecke durchzulaufen. Heute war ich viel zu schnell unterwegs, da hatte ich hinterher Husten, das soll so nicht sein, glaube ich. Also heute, das habe ich nachgeguckt, habe ich für 2,95 km so viel Zeit gebraucht wie für 2,4 km beim ersten Mal. Das wird alles kein neues Hobby, ganz sicher nicht, aber so ein mal die Woche ist das ganz ok und besser als sonntags abends alles hassen, weil man sich nicht ausreichend bewegt hat und nicht schlafen kann.

Im Nachhinein bin ich im Übrigen extra sauer auf meine Sportlehrerinnen und -Lehrer im Gymnasium, die einfach nur, ohne jede Erklärung oder Vorbereitung, gesagt haben „lauft mal nen km um den Sportplatz, ihr habt [x, weiß nicht mehr] Minuten.“. Und wirklich immer bin ich nach spätestens der ersten Runde entweder röchelnd mit dem Gefühl, meine Lungenschleimhaut löse sich einfach ab, oder mit furchtbarem Seitenstechen zusammengeklappt. Ich dachte echt, ich kann das einfach nicht. Im Nachhinein bin ich sicherlich mit einer Geschwindigkeit weit über meinen Fähigkeiten gestartet, aber das hat nie wer gesagt. Es war einfach „mach mal, jeder kann laufen“ (gegendert haben Lehrerinnen und Lehrer damals auch noch nicht). Aber mit einer gewissen Grundkondition, die man ja aufbauen kann, und einem ausreichend geringen Tempo geht nicht nur ein, sondern sogar 3 km. Besonders doll ärgert mich im Übrigen, dass ich ja durchaus sportlich war. Andere Kinder waren das nicht, denen ging es vermutlich bei absolut jeder Sportart etwa so wie mir beim Dauerlauf und beim Werfen. Sportdidaktik von 1998 kann im Nachhinein in die Tonne.

Was anderes, was ich nie erzählt habe, weil einfach zu viel Trubel war: Herr Rabe hat Cardos verkauft und ein wesentliches Upgrade erworben. Von Zitrön zu Zö. Jetzt steht vor unserer Tür ein Renault Zoe neueren Jahrgangs, mit fast der vierfachen Reichweite von Cardos, und steuerbar über eine App, das heißt, man muss nicht im Winter in ein -20 Grad kaltes Auto steigen. Rückfahrkamera, Tempomat und all so, ich kann da nur für mich sprechen, aber für mich heutzutage normale Funktionen hat Zö auch. Ich will darauf nicht mehr verzichten, vor allem hier in Norwegen nicht, wo Fahren im Allgemeinen überaus gechillt ist. Insofern habe ich Herr Rabe dabei bereitwillig unterstützt, Cardos auszutauschen. Und die Reichweite macht auch, dass man nicht mehr im Dorf festsitzt, wenn die andere Person mit Konacar unterwegs ist. Für Kieferorthopäde und ähnliche Touren ist das durchaus von Vorteil.

Nur einen Namen braucht es noch, das Zö.

(Tag 3363 und) 3364 – Happy Birthday!

Michel hat Geburtstag! Er ist jetzt schon 12 und in allen Belangen groß, außer wenn er Abends zum Einschlafen nach einem weiteren Kuscheltier verlangt. Ich kann noch nicht so ganz fassen, dass er schon 12 ist, aber es spricht alles dafür, dass es so ist. Eben war er noch vier und wollte, dass man den Kuchen EXAKT SO aufschneidet, wie er sich das ausgedacht hatte. Jetzt geht er, an seinem eigenen Geburtstag, nach der Schule mit einem Schulfreund nach Hause. Als Geburtstagsessen hat er sich Sushi gewünscht (und bekommen) und als Abendgestaltung wollte er Beetlejuice, den alten, aus den 80ern, mit der ganzen Familie gucken. Auf seinen Wunsch hin gab es Zitronenkuchen. Geschenke gab es auch, unter anderem ein Schwert, das ich nach einem mittleren Drama auf dem Sparrenburgfest in Bielefeld heimlich gekauft habe und das seither gut versteckt war. Er hat sich ehrlich gefreut, vor allem das Schwert war eine wirkliche Überraschung.

Michel sagt, er hatte einen guten Tag. Das ist die Hauptsache. Ich bin sehr stolz auf ihn und ein bisschen gerührt von diesem großen, selbstständigen, tollen Kind. Hachz hachz.

Tag 3362 – So lala, so lala.

Aus Gründen, die ich hier nicht kundtun kann, weil dann Personen, die einen kack Job machen, identifiziert werden könnten, war mein Arbeitstag in weiten Strecken scheiße. Mein Lieblingskollege weiß jetzt dann auch, dass ich nicht aus Stein bin, sondern ein Mensch mit Gefühlen, die hin und wieder mal raus kommen. Er ist dann lieb, auch wenn er nicht so ganz damit umgehen kann. Ich hatte heute, ebenfalls aus Gründen, echt viele Gefühle.

Beim Kurs waren auch Gefühle. Nicht bei mir, sondern bei der Kursleiterin. Zwei Freundinnen von ihr sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das hat sie (total verständlicher Weise) sehr mitgenommen. Weil sie aber unbedingt den Kurs machen wollte, haben wir das gemacht (auch wenn wirklich alle gesagt haben, es sei kein Problem, heute ausfallen zu lassen). Und dann war es sehr lustig und ein bisschen emotional, alles durcheinander.

Insgesamt ein sehr durchwachsener Tag.

Tag 3359 – Getrennte Wege.

Heute hatte ich eine Geigenstunde und währenddessen (und noch etwas länger) waren meine Mutter, Herr Rabe und Pippi im Munch-Museum. Beides war sehr gut. Und weil die anderen noch länger brauchten, konnte ich noch in Ruhe Sport machen und sehr leckeres Essen kochen. Michel hat sich zwei mal Gemüse (!!!) nachgenommen, und mehrmals gesagt, dass das Essen soooo lecker sei. Dabei war es ein relativ schnöder Braten (der noch im Gefrierschrank war, von lokalem Freilandschwein) mit Kartoffeln, TK-Gemüsemischung, Sauce und, das hat Michel aber nicht gegessen, Pilzen aus dem Wald. Also ja, war schon lecker, aber dass ausgerechnet Michel sich Braten, Kartoffeln, Sauce und Gemüse reinschaufelt, als bekäme er sonst höchstens mal Knäckebrot, wunderte mich doch ein wenig. Aber ich beschwere mich nicht darüber. Ich male mir nur den Tag rot im Kalender an.

Tag 3358 – Seltsame Filme.

Heute ist nicht viel passiert hier im Rabenhaus. Außer dass Herr Rabe und ich abends ins Kino gegangen sind, in „Joker – Folie à deux“. Den ersten Joker-Film mit Joaquin Phoenix fand ich super, wenn auch brutal auf vielen Ebenen. Der zweite Film jetzt war ein Ritt, ein gut erzählter, etwas weniger brutaler, mit eindrücklich dreckiger Bildsprache. Aber ein Ritt. Mehr oder weniger random wird gesungen, es wird mehr und mehr klar, dass das sowohl Realitätsflucht als auch Kommunikationsverweigerung ist. Die ganze Geschichte strickt sich um: ist er nun der Joker, oder ist er nur zum Teil der Joker, oder ist er einfach er selbst und traumatisiert ohne Ende. Alle möglichen Parts in der Geschichte wollen entweder das eine oder das andere, nur er selbst hängt irgendwie dazwischen und wird ziemlich viel rumgeschubst. Niemand ist eindeutig gut oder böse, wie im richtigen Leben. Das Ende (das spoilere ich jetzt hier nicht) lässt einen, zumindest mich, einigermaßen ratlos zurück.

Also, Fazit: war schon gut, aber auch echt seltsam.

Ebenfalls Fazit: There‘s always a Joker in the pack.

Tag 3357 – Paradox.

Wir haben heute zwei Dinge getan: erst haben wir für die Kinder die Anträge auf die doppelte Staatsbürgerschaft abgegeben. Dafür mussten wir allesamt bei der Polizei aufschlagen. Dann wurden unsere Pässe kopiert, alle, auch die abgelaufenen, viel Papier abgeliefert und das war’s. Jetzt wird es bis zu 22 Monate dauern, bis irgendwas passiert. Herr Rabe hat den Antrag für sich schon letzte Woche abgeliefert, dauert aber genauso lange.

Dann waren wir im Paradoxmuseum in Oslo, das ist ein kleines Museum mit allerlei optischen Täuschungen, Spiegelkabinetten und dergleichen. Sehr unterhaltsam (aber schon auch kostenintensiv).

Leider habe ich nur ein blogfreundliches Bild gemacht, aber das ist dafür auch echt cool.

Am gruseligsten war ein Tunnel, durch den man gehen konnte und der von außen komplett unspektakulär aussah. Aber in dem Tunnel drehte sich die Röhre um einen rum und es war unmöglich, da drin mit offenen Augen das Gleichgewicht zu halten. Es wurde sofort besser, wenn man die Augen zugemacht hat, aber es war wirklich nicht möglich, den Körper anderweitig davon zu überzeugen, dass der Boden nicht zur Seite kippt.

Am Ende hat Herr Rabe noch ein Folterwerkzeug gekauft, also so ein Geduldsspiel, bei der man eine „Schlange“ aus Würfeln wieder in einen 3x3x3-Würfel zusammenfalten muss. Manchmal frage ich mich, ob er weiß, mit wem er zusammen lebt.

Tag 3355 und 3356 – Urlaubsaktivitäten.

Gestern: ich habe meine Haare blondiert. Dieses Mal sind sie tatsächlich weiß geworden. Und das ging so:

  • 3 % (ja, das ist niedrig) Peroxidentwickler im Verhältnis 2:1 mit
  • Schwarzem Blondierpulver (gegen Gelbstich, angeblich) mischen
  • Auftragen. Viel, aber das hauptsächlich weil ich halt zu viel angemischt hatte. Aber dann braucht sich eine wie ich, mit kurzen Haaren, auch keine Gedanken um gleichmäßiges Auftragen machen, das wird einfach alles reingematscht, fertig.
  • Haube auf und Einwirken lassen, und zwar schockierende 1,5 Stunden. Zwischendurch mal gucken, ob sich die Haare schon auflösen. 3% Peroxid ist aber so niedrig, dass das nicht passieren dürfte. Die Theorie ist außerdem, dass das niedrig konzentrierte Peroxid länger reagiert und dann über die lange Zeit eben auch die gelben und grünen Pigmente wegbekommt. Ich war (das mag jetzt ebenfalls schockieren) zu schlecht in Chemie um das beurteilen zu können. Es hat aber tatsächlich länger gedauert, bis merklich was passierte, es hat auf der Kopfhaut weniger gejuckt und das Farbergebnis spricht auch für sich. Die Haare sind auch noch ok intakt, blondiert halt, aber nicht übermäßig kaputt.
  • Auswaschen, fertig.

Ich hab leider keine Lila Spülung mehr, die wäre sicher gut gewesen hinterher.

Ich lasse das glaube ich erst mal ein paar Tage so.

… Weil’s in den 80ern Mode war…

Danach waren wir bei einem Minikonzert, Michel war jetzt 3 Tage auf einem Bandkurs und hat in einer Band gesungen und Kornett gespielt. Das fand er wohl gut und hat er auch gut gemacht. Die zwei Bands haben jeweils ein Lied gespielt. Aber für 3 Tage á 4 Stunden schon sehr ordentlich.

Abends war für mich Geige üben im Übungshotel und dann Hobby-Kurs. Mir ist dabei jemand übel auf den Fuß getreten, ich dachte erst, es sei mindestens was gebrochen, aber es ist scheints nur blau und schmerzhaft. Aber ansonsten war der Kurs gut.

Heute haben Michel, meine Mutter und ich eine Rundfahrt durch den Oslofjord auf einem Ausflugsboot gemacht. Mit Audioguide und in bestem Herbstwetter, bei 15 Grad und blauem Himmel. Das war richtig schön, kann man durchaus mal machen, wenn man Gäste hat, die nicht so gut zu Fuß sind. Ich habe nur leider außer einem Selfie mit Michel gar keine Fotos gemacht. Schlechte Bloggerin…

So, die Augen fallen zu, es ist Zeit für Licht aus.