Morgen ist Herr Rabes Geburtstag, und Inspektion. Sehr ungünstig in der Kombination, um ehrlich zu sein, und es tut mir auch schrecklich leid, und ich werde (das tut mir auch leid, aber weniger) morgen meiner Kollegin so auf den Zeiger gehen, dass wir früh(-ish, also hoffentlich so gegen sechs) fertig werden. Damit ich aber morgen früh wenigstens noch Kaffee machen und Kerzen auf den Kuchen machen kann, muss ich JETZT das Licht ausmachen.
Tag 3215 – Monothematisch über Wechselwarme.
Ich hatte einen nicht so optimalen Tag ehrlich gesagt, der Zyklus macht halt tatsächlich ab dem Tag des Eisprungs schlagartig gar keinen Spaß mehr, es ist so ein Rotz. Alle meine Eigenarten potenzieren sich, ich bin sofort gestresst und überfordert und kacke alle um mich rum an, außer Herrn Rabe, der muss sich dafür mein selbstmitleidiges Geheul anhören. Dem ganzen setzte die Krone auf, dass mir im Baumarkt eine Dose Bauschaum (man kann durchaus täglich in den Baumarkt fahren und Bauschaum kaufen, so ne Dose ist gar nicht mal so ergiebig) auf den nur mit einem Birkenstock(artigen) Latschen bekleideten Fuß fiel, was 1. ordentlich weh tat und 2. dazu führte, dass etwas Schaum rausspritzte und meine Latschen vollsaute. Ok, auch den Boden im Baumarkt, aber der hat wenigstens nicht obendrein Hormone und einen fetten blauen Fleck quer über drei Zehen.
Gut: das Terrarium ist sehr nah an der nächsten Bauphase. Der Boden ist jetzt drin und wenn der Bauschaum, der das alles zum Teil zusammen hält, morgen ausgehärtet ist, kann ich selbigen noch ein bisschen zurechtstutzen und dann anfangen, alles mit Fliesenkleber zu versiegeln. Warum Fliesenkleber? Ich habe keine Ahnung. Die Anleitungen im Internet sagen das (einstimmig), also mache ich das. Mehrere Schichten Fliesenkleber soll man nehmen, erst dünn angerührt, zum Schluss dicker, um alle Styropor- und Bauschaumflächen zu versiegeln. In die letzte kann man dann noch etwas Sand rühren, oder an die feuchten Flächen farbigen Sand „werfen“ oder den rein drücken, für die Optik. Zum Schluss kann man alles übermalen. Wenn man ein sehr feuchtes Terrarium hat (für Frösche zum Beispiel) soll man vor der Farbe noch so ein zwei-Komponenten-Versiegelungs-Zeug drauf machen, dann ist es richtig wasserdicht und man kann sogar kleine Wasserstellen haben. Wir brauchen das nicht, wir brauchen ja verhältnismäßig moderate Termitenbau-Luftfeuchtigkeit.
Größte Herausforderung: Aus Gründen musste ich die große Steckdose des Thermostats durch eins der Lüftungslöcher prömmeln. Leider war die Steckdose knapp zu groß für das Loch. Mit ein paar mal hin und her drehen und verschiedene Winkel ausprobieren fand ich am Ende doch eine Stellung, in der es gerade so, also wirklich auf den Millimeter genau, passte. Da war ich aber auch schon wieder Kurs zum Nervenzusammenbruch.
That said, ich glaube, Monty fühlt sich inzwischen halbwegs wohl. Heute hat hen eine kleine Ratte gefressen, zwar nicht von der Pinzette, sondern vom „heißen Stein“ (aka dem Stein, der direkt unter der 32-Grad-Wärmelampe liegt), aber Greg war währenddessen weggesperrt (mit einer Maus, die hen aber nicht interessierte). Jetzt sind die Mäuse alle und wir haben nur noch Ratten. Monty frisst ja scheinbar problemlos Ratte, Greg kriegen wir da sicher auch noch hin. Und getrennte Wohnungen können eigentlich nur positiv sein für die zwei. Ich bin recht zufrieden, dass Monty jetzt bei zwei aufeinander folgenden Fütterungsversuchen was gefressen hat, mit einer völlig problemlosen Häutung dazwischen. Vielleicht sind wir ja über den Berg mit Monty?
Tag 3213 und 3214 – Gibt nicht so viel zu erzählen.
Es ist endlich Frühling. Über 15 Grad, Sonnenschein, es wird vorsichtig grün draußen. ENDLICH! Der eine Krokus im Garten blüht auch wieder.
Dann kann man auch endlich wieder Gartenarbeit… bleiben lassen. Werde wohl am Wochenende die Weide beschneiden müssen, und so weiter und so fort, leider hat auch das Wochenende nur eine begrenzte Anzahl Stunden.
Ich habe gestern beim Optiker verschiedene Filtergläser ausprobiert und bekomme jetzt eine nicht sprichwörtliche sondern sehr handfeste rosa Brille. Gegen so Orte wie den Kieferorthopäden, in dessen Räumlichkeiten ich mich nur mit Sonnenbrille aufhalten kann, weil alles so hell und weiß eingerichtet ist. Es ist brutal. Aber wenn man drinnen Sonnenbrille trägt, behandeln Leute eine komisch, das habe ich heute bei besagtem Kieferorthopäden für Sie ausprobiert. Latent unfreundlich und nicht nur latent herablassend.
In freien Minuten bastle ich weiter am Terrarium. Bauschaum ist irgendwas zwischen Wunder und totaler Pest. Aber mit Bauschaum kann man Styropor bombenfest zusammenkleben. Man muss nur zusätzlich alles mit Zahnstochern stabilisieren, sonst drückt der Bauschaum alles auseinander. Der Bauschaum macht auch lustige Formen und gibt dem ganzen Struktur. Wenn morgen alles wieder fest ist, muss noch der Boden rein, da muss ich nur noch was überlegen, wie ich es hinbekomme, dass keine Schlange unter die Fliesen kriechen kann. Die sollen nämlich eigentlich nur lose aufliegen. Aber vielleicht überlege ich mir das morgen noch spontan anders.
„Spontan“, so wie ich alles spontan mache, ähäm. Niemand hat Prototypen aus Pappe gebaut, um das Styropor gleich passgenau zurechtschneiden zu können! Niemand hatte auch schon bei der Planung zweieinhalb nahezu-Meltdowns, weil ja was schief gehen KÖNNTE und WAS DANN???
Tag 3212 – Service.
Busy Tag, die Kinder hatten Korps-Auftrag und haben an verschiedenen Institutionen (Altenheim etc.) gespielt, ich habe am Terrarium gewerkelt. Dann war trotz Feiertag Kletterkurs. Herr Rabe und ich sind weiterhin etwa gleich schlecht und wesentlich schlechter als die Kinder. Die orangenen Boulder gehen alle, die grünen gehen zum allergrößten Teil, die blauen gehen aber leider irgendwie gar nicht. Heute habe ich immerhin ein paar der Einstiege geschafft/kapiert, kam aber nach zwei, drei Griffen nicht mehr weiter. Einer (1) ging bis zum drittletzten Griff, da war ich schon sehr stolz. Bei dem bin ich auch tatsächlich einfach rausgefallen und drei Meter gefallen, da bin ich ebenfalls stolz, dass das nicht zu „ok, ich mache das hier einfach nie wieder, byeeee“ geführt hat. Morgen tut mir sicher wieder alles weh. Abends war ich dann noch libanesisch essen, mit der Balletttruppe, weil die Saison jetzt abgeschlossen ist. Das war sehr viel und sehr lecker.
Die Terrarienbasteleien haben eine Erkenntnis herbeigeführt, die ich Ihnen nicht vorenthalten will: Pattex Kontaktkleber aus der großen Dose löst Styropor einfach auf. Das wird bei Kontakt mit dem Kleber ganz weich und knistert lustig, wenn die Bläschen kollabieren. Für meine Terrarienpläne ist das jetzt eher ungünstig, muss ich sagen. Auch weil ich vermute, dass das Problem bei den meisten normalen Klebern auftreten würde. Styroporkleber habe ich hier noch nicht gesehen. Morgen werde ich mal Plan B(auschaum) ausprobieren.
Tag 3211 – Fliesen, Dachse, Wechselwarme, Schlaumeier.
Eigentlich total monothematisch, diese scheinbar unzusammenhängenden Begriffe.
Beim Terrarium habe ich Kabelkanäle zurechtgesägt, um dann festzustellen, dass, wenn man vier mal 45 cm plus mehrere weitere Stücke braucht, 2 Meter wohl nicht reichen werden. In solchen Momenten zweifle ich meinen Intellekt an. Ich war deshalb heute zwei mal im Baumarkt, einmal auf dem Rückweg von der Arbeit um eine weitere Tube Aquariensilikon zu kaufen und einmal um weitere 2 Meter Kabelkanal zu kaufen. Aber da konnte ich dann gleich weiter fahren um Fliesen abzuholen, die im dörflichen Nachbardorf Hurdal zu verschenken waren. Wir brauchen ja nur total wenige Fliesen und meistens sind das riesige Pakete. Ein angebrochenes Paket zu verschenken klang gut. Nur ist Hurdal flächenmäßig echt groß und es stellte sich heraus, dass die Fliesen am äußersten Zipfel, in 45 Minuten Fahrzeit, abzuholen waren. Da fuhr ich also hin, einmal um den Hurdalsjøen bei wunderbarem Abendwetter und das hatte schon was von der wilden Naturromantik, die man in Reiseführern findet. Die letzten 3 km waren aber dann nur noch unromantisch rumpelnder Schotterweg, auf dem mir außerdem ein Dachs und ein Fuchs begegneten (und viele Katzen), die erstaunlich wenig Respekt vor dem Auto hatten. An der Landstraße hatte ich schon einen Elch gesehen. Reinste Wildnis hier. Die Fliesen wurden mir von einer Frau mit Dreadlocks und Wollpulli überreicht, was mich schon gar nicht mehr überraschte.
Zu Hause stellte ich fest, dass Montys Häutung dieses Mal vorbildlich war. Hurra, hurra, Monty scheint sich einigermaßen eingelebt zu haben.
Achtung Bilder gleich.
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Es ist auch faszinierend, wie schnell das jetzt ging. Einmal was gefressen, Zack, Häutung einläuten, tagelang matt (am Ende aber wieder normal) aussehend nur rumliegen, Haut ausziehen, sofort wieder rumturnen. Ich gehe davon aus, dass ich morgen dann auch wieder ein Häufchen finden werde, die halten oft, und unsere gehören wohl dazu, ein, bis die Häutung durch ist und ich habe letzte Woche nur ein Häufchen (entsprechend eines Kleinnagers) gefunden. Das ist weniger eklig, als es jetzt klingt. Man muss kleine und große Schlangengeschäfte regelmäßig entfernen, weil die Schlangen sich sonst nicht wohl fühlen, aber beides ist sehr fest (komplett ausgetrocknet sogar steinhart) und dementsprechend einfach aufzusammeln. Von einem Kleinnager bleibt auch erstaunlich wenig übrig, wenn es die 60-70 cm durch die Schlange gewandert ist.
Tag 3210 – Kann ja so schwer nicht sein.
Wie ich dauernd Dinge unterschätze. Einen Inspektionsplan machen. Aquariensilikon aus einer kleinen Tube in die Terrarienritzen schmieren. Jetzt tun mir meine Hände weh vom Rausdrücken des Silikons und der Kopf auch, weil ich mit dem Kopf in dem Terrarium hing und die Essigsäuredämpfe vom Silikon inhalierte.
Sorry, mehr ist nicht zu erzählen. Abends bin ich einigermaßen erschossen in Pippis Bett eingeschlafen, das war heute alles ein bisschen viel.
Tag 3209 – Basteln.
Ich habe das Terrarium zusammengebaut. Jetzt muss „nur noch“ (in RIESIGEN Anführungszeichen) Deko und Heiz-Dinge rein. Also quasi nur noch Kleinigkeiten. Nein, Spaß beiseite, wir könnten das natürlich viel einfacher gestalten, aber haben ja Zeit und bauen deshalb ein Fußbodenbeheiztes* Terrarium mit versteckten Kabeln und so weiter. Ich habe die Innenmaße aus der Terrariumsverpackungspappe nachgebastelt, um mir die Dinge besser vorstellen und einen Plan machen zu können, aber weil wir als ersten Schritt nach dem Zusammenbau Silikon brauchen, um die Kanten (und, liebe Anleitung, auch all die Löcher von den innen liegenden Schrauben, denn auch da ist ja offene Spanplatte und wir wollen ja nicht, dass da Feuchtigkeit reinzieht, NICHT WAHR?) zu versiegeln, kamen wir heute nicht weiter als das.
Abends haben Michel und ich dann die Schlangen gewogen. Endlich. Gestern hatte ich Greg Ratte angeboten, erfolglos, und Monty saß matt und mit rosa Bauch im Lüftungsloch, scheinbar hat die einmalige Aufnahme von Nahrung direkt zur nächsten Häutung geführt. Aber heute fischte ich einigermaßen rücksichtslos beide mal aus dem Terrarium zur Untersuchung und Menschengewöhnung und Wiegen. Sehr unterschiedliche Charaktere: Monty stellt sich einfach tot und bewegt sich möglichst wenig, während Greg einem fast vom Arm hüpft und hektisch herumzüngelt. Monty in die Schüssel kriegen war auch gar kein Problem, hen hatte da so die Schnauze voll, dass hen einfach einen Ball machte. Das machen die ja so, wenn sie noch klein sind und Angst haben, daher auch der englische Begriff Ball Python. Greg hingegen musste mit vier Händen mehr oder weniger in die Schüssel gestopft werden, hen ist wie drei Sack Flöhe. Aber jetzt wissen wir: Monty ist gar nicht kleiner als Greg.


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*jada Jada, Wärme muss von oben kommen. Nur dass diese Schlangen Erdlochbewohnend sind, denen ist egal, wo die Wärme her kommt, bzw. mögen die es am liebsten, wenn alles gut durchgewärmt ist und direkte Sonne vermeiden sie als nachtaktive Tiere auch. Die Lampe im Terrarium dient nur den Pflanzen und den Halter*innen, weshalb wir für Monty’s Terrarium jetzt auch einfach eine Pflanzen-LED-Leiste gekauft haben. Eine für Gewächshäuser und dergleichen, es ist ja kein tropisches Terrarium mit 95% Luftfeuchtigkeit, es braucht also keine Superultrawasserdichte-bis-x-Meter-Wassersäule-Lampe. Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium sollte ca. einem norwegischen Sommertag an dem es morgens geregnet hat, entsprechen. Das schafft eine Gewächshauslampe.
Tag 3207 und 3208 – Mädchenkram.
Gestern war ich mit Pippi alleine, weil Herr Rabe auf einer Beerdigung war und Michel bei seinem Kumpel übernachtet. Wir hatten also „Mädchenabend“ und was macht man da?
1. Shoppen – wir waren beim Optiker, einen Termin ausmachen, damit ich getönte Gläser ausprobieren kann und dann bei Lindex, wo ich ein Paket mit diverser Business-tauglicher Kleidung hinbestellt habe.
2. Beauty – danach waren wir Haare schneiden. Spontan beim Flughafen beim Drop-In-Friseur – es muss ja auch Vorteile haben, wenn man 10 Zugminuten vom Flughafen entfernt wohnt. Ich hatte einen Haarschnitt dringend nötig, Pippi aber eigentlich noch viel mehr, die hat das letzte mal irgendwann in der Pandemie die Haare geschnitten bekommen und da sie meine Haarstruktur geerbt hat, waren die Spitzen wirklich sehr fransig und splissig. Der Friseur spricht nur Englisch, aber das ist für eine Weltgewandte Achtjährige, die ständig YouTube Kids guckt, ja gar kein Problem. Sie hat total problemlos mit dem Friseur gesprochen und seine Aussprache korrigiert, so lieb, dieses Kind. Sie hat allerdings auch nicht aufgehört, zu labern. Während ihres Haarschnittes und während meines auch nicht. Während meines rollte sie aber noch auf einem Sattelstuhl kreuz und quer durch den Salon. Wie viel Energie kann ein Kind haben?

3. Schick essen gehen – Der Flughafen hat ja auch eine Reihe Restaurants, Pippi wählte das, wo es Sushi gibt. Für mich gab es Ramen mit Pilzen und Tofu (und Gemüse und so weiter). Das war sehr lecker, aber Pippi laberte mir dabei konstant ein Schnitzel an die Backe (außer wenn sie sang. Dann nicht, aber dann sang sie halt). Dieses Kind ist ja sehr süß, aber auch ein nie endender Quell von Geräusch und Bewegung. Jetzt ist so ein Flughafen ja auch nicht der ruhigste Ort, in Kombination war das alles etwas anstrengend für mich. Ich kam auch viel zu spät darauf, dass ich ja meine anti-nerv-Ohrstöpsel dabei hatte. Pippi war jedenfalls höchst zufrieden mit ihrem Haarschnitt und ihrem Sushi und generell dem Tag und so fuhren wir nach Hause. Es gab noch einen Zwischenfall, weil Madame so lange auf dem Klo brauchte, dass wir den Zug verpassten, aber Schwamm drüber.
4. Noch mehr Beauty – Wegen heutigem Tanzauftritt hatte ich Pippi versprochen, dass ich ihr die Fingernägel rosa lackiere. Sie hatte das selbst versucht, aber nicht gut hinbekommen, keinen Überlack genommen und dann zu früh draufgetatscht. Als ich ihr die Fingernägel lackierte hielt sie tatsächlich durch zwei Schichten Lack plus Überlack still! Das Ergebnis war auch wirklich hübsch, ein hellrosa Ballettmädchen-Traum. Der Nagellack muss mal in einem Adventskalender gewesen sein, so eine Farbe würde ich mir nicht selbst kaufen. Ich habe ihn jetzt offiziell an Pippi abgetreten.
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Heute dann großer Auftritt für zwei Raben, grob geschätzt ca. 200 weitere Mädchen und Frauen und exakt einen Jungen. Es ist traurig, wie wenig anziehend Tanz auf Jungs wirkt. Normalerweise sind wenigstens noch ein paar HipHop-Jungs dabei, aber die sind wohl auf irgendeinem Wettbewerb grad. Trotzdem eine Schande, selbst wenn es sonst 3 Jungs auf 200 Mädchen sind.
Der Auftritt lief ganz ok für mich, ich habe leider nur ein Foto wo sonst niemand erkennbar drauf ist, und das ist von der Generalprobe.

Pippi hat den Auftritt auch sehr gut gemeistert, sie hat sogar beide Shows heute getanzt. Mit Rad schlagen und Spagat am Ende! Zwischen den Shows waren wir Eis essen und frische Luft schnappen. Ich hatte mich für beide Shows als Freiwillige gemeldet und musste aufpassen, dass mir von einer Horde 10-12-Jähriger keine abhanden kommt. In der Praxis hieß das, dass ich etwa 8492 mal mit verschiedenen Mädchentrupps aufs Klo gegangen bin, Dutts gefixt habe, Pflaster und Tape verteilt habe und mittendrin feststellen musste, dass ich die falsche Liste in der Hand habe. Es löste sich trotzdem irgendwie und am Ende hatte ich alle zwei mal ein- und wieder ausgetragen und konnte sie nach Hause schicken. Hurra!
Das war alles relativ anstrengend. Das merkte ich daran, dass mich maßlos aufregt(e), dass der „Döner“-Foodtruck keinen sich drehenden Spieß hat und auch kein Der Gerät(TM), sondern das Fleisch in der Pfanne brät. Das ist FALSCH, ich weiß das, weil ich aus dem Land des Döners komme. Ähäm.
Jetzt Bett ist dringend nötig.
Tag 3206 – Auuuuu!
Mein Körper fühlt sich an wie zermantscht, alles tut weh. Die Generalprobe für die Tanzshow am Samstag war zusätzlich zu allem anderen eine eher mäßige Idee, aber nicht zur Generalprobe gehen geht ja auch nicht.
Das Elterngespräch mit meiner Chefin war so lala, ehrlich gesagt. Komisch, die ist gar nicht begeistert davon, wenn die jüngste ihrer Angestellten sagt, dass es uncool ist, dass immer nur oben drauf gepackt wird, ohne dass was anderes weggenommen wird, dass das zu Überarbeitung und explodierenden Stundenkonten führt. Dann sagt die, dass man selbst dafür sorgen muss, dass es nicht zu viel wird. Komisch, ich dachte ja irgendwie das sei so etwa im Kern das, was eine Personalverantwortliche tut, so, den Überblick behalten, was die einzelnen so tun und brauchen und nicht brauchen. Aber vielleicht vertue ich mich da und die Aufgabe einer Personalverantwortlichen ist lediglich, alle drei Monate ein Personalgespräch durchzuführen, wo aber ausschließlich darüber gesprochen wird, wie supidupi alles ist und alles andere müssen die Angestellten selbst irgendwie regeln. Oh, wir haben auch noch darüber geredet, inwiefern ich in Übereinstimmung mit den Werten des Direktorates arbeite und handle. Die Werte sind: Teilen, Neugierde, Glaubwürdigkeit und Handlungskraft. Also komplett leere, generische Worthülsen und darüber hinaus ein Verb und drei Nomen, was mich seit dem ersten Tag kirre macht. Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass ich den Teil vom Referat bisher immer einfach weggelassen habe, weil ich das sinnlos finde. Wer soll sich denn bitte nicht hinter diese Werte stellen können? „Näää, ich hasse es, Neues zu lernen und lüge wie gedruckt, dazu bin ich faul ohne Ende.“ Oder wie?
Der Rest vom Arbeitstag war auch eher mäßig und involvierte eine weinende Kollegin, womit ich ja super umgehen kann (also quasi gar nicht).
Ich bin müde. Und muss darüber nachdenken, ob es realistisch ist, zu erwarten, dass eine personalverantwortliche Chefin in der Lage ist, die Aufgaben und die Belastung von knapp 20 Menschen (die aber alle im selben Team sind und deren Kalender alle einsehbar sind) im Blick zu behalten, an die Kolleg*innen weiter zu geben, wenn jemand ausfällt und zu priorisieren, was gemacht werden soll und was nicht, wenn die Ressourcen knapp sind. Und was die Chefin von uns erwarten kann. Und weil ich darüber nachdenken muss werde ich noch viel müder.
Tag 3205 – Hmm okay.
Elterngespräch Nummer 2, mit Michel, und es war… okay? Ich bin einigermaßen irritiert, ehrlich gesagt. Vielleicht hat die Lehrerin aber auch inzwischen eingesehen, dass, wenn plötzlich 2/3 der Klasse irgendwelche Probleme haben, eventuell gar nicht die individuellen Kinder alle individuelle Ursachen dafür mitbringen. Jedenfalls ist Michel (ausgerechnet) in Mathe inzwischen weiter als alle anderen in der Klasse, behauptet aber weiterhin, das nicht zu können. Alle anderen Fächer waren ja noch nie ein Problem und sind es auch weiter nicht. Faszinierende Erkenntnis, die aber ungefähr alles erklärt, was mir seit 6,5 Schuljahren regelmäßig Augenzucken beschert: in Norwegen werden Rechtschreibfehler nicht mehr korrigiert und Rechtschreibung nicht bewertet. Es ist egal, man hat eh immer ein Autokorrekturwerkzeug dabei, es kommt mit der Zeit oft eh von allein (und wenn nicht, ist es ja egal, weil wir jederzeit Hilfsmittel zur Hand haben) und es ist wichtiger, einen sinnvollen Fließtext schreiben zu können, als dass dieser fehlerfrei ist. Ich bin echt fasziniert davon. Ich frage mich auch, ob das schon bis zu Arbeitgebern etc. durchgedrungen ist. Aber egal. Jedenfalls ist Michel gut in der Schule und eckt scheinbar auch nicht mehr so viel mit der Lehrerin an. Das ist gut, auch wenn ich dem Braten noch nicht zu 100% traue.
Abends waren wir alle klettern, woran selbst Michel einigermaßen Spaß hat, seit er weiß, dass er besser als seine Eltern darin ist. Er wiegt halt nichts und hat lange Gräten, das ist ein echter Vorteil. Herr Rabe und ich wiegen schon was. Ich bin geschmeidiger, er hat mehr Kraft. Insgesamt sind wir so ca. gleich schlecht gut. Allerdings habe ich mir an einem Boulder einen ganz enorm dicken Splitter unter den Fingernagel des rechten Zeigefingers gerammt und erst als ich am vorletzten Griff aufgeben musste, weil keine Kraft mehr irgendwo war, gemerkt, dass das ordentlich blutete. Nachdem ich den Splitter rausgezogen hatte, blutete es noch mehr und ich musste mir ein Plaster holen, was ich wenig später an einem anderen Boulder verlor. Das war dann aber auch der letzte, da waren meine Arme schon nur noch unbenutzbarer Pudding.
Ich kann übrigens nicht empfehlen, mit Post-Kletter-Nudelarmen Geige zu spielen. Ich konnte knapp die Saiten runter drücken und hatte auch etwa gar keine Koordination mehr. Also das war in seiner Lächerlichkeit schon fast wieder lustig.
Anyway. Morgen habe ich dann selbst „Elterngespräch“ (Mitarbeitergespräch), nur muss ich da, zu Michels Bestürzung, ganz alleine hingehen. Ich hatte überlegt, ob ich wohl einen emotional support husband dabei haben kann, aber ich will ja auch nicht komischer erscheinen als unbedingt nötig. Ich nehme Daumen für das Gespräch, echt, weil ich eine ganze Reihe unangenehmer Dinge ansprechen muss, damit sie endlich besser werden, und ein Teil dieser Dinge ist direkte Kritik an meiner Chefin. Hurra.