Tag 2980 – Laune.

Schlimme Laune. Nehme seit zwei Monaten nichts mehr gegen das PMDS, weil ich wissen will, ob das absurde Schwitzen daran liegt (ja). Habe aber dementsprechend echt… Laune. Dazu kommt, dass ich wirklich gar keine Lust habe, ins Büro zu fahren, weil ich Menschen hasse und mit niemandem reden will und die scheiß Züge immer noch nicht wieder normal fahren. Falls ich mich dazu prügle, da morgen hinzufahren, muss ich jedenfalls sehr aufpassen, dass ich nicht ungefiltert meine Meinung zu diversen Dingen sage.

(Beispiel: am Freitag ist ein Halbtagsmeeting ohne Agenda. Wenn es bis Mittwoch dazu keine gibt, spiele ich sehr konkret mit dem Gedanken, dieses Meeting ausfallen zu lassen, mit der Begründung, dass ich diese drei Stunden gut mit tatsächlicher Arbeit füllen kann. Nächste Woche Mittwoch dann noch mal das Gleiche. Nein, ich weiß auch nicht, warum mein Arbeitgeber meint, das sei supi, die Arbeitszeit von 20+ Leuten für einen halben Tag durch Mysterymeetings ohne Plan und Ziel zu verschwenden.)

Tag 2979 – Kartoffeln.

Weiterhin nicht gesellschaftsfähig. Einfach gar nicht. Aber einen Eimer (ich schätze so 10 kg) Kartoffeln habe ich geerntet. Das war eine politische Aktion, ein paar lokale Bauern haben auf einem Feld direkt am Einkaufszentrum Kartoffeln gesetzt um auf den Schutz von Ackerflächen aufmerksam zu machen. Das Stück Land hat eine ideale Größe für ein Baugrundstück für ein Einfamilienhaus. ODER man pflanzt darauf Kartoffeln, dann hat man 8 Tonnen Kartoffeln. Die lokalen Bauern haben das aber nicht zum Profit gemacht, sondern halt als politische Aktion und deshalb konnte man da heute umsonst Kartoffeln holen. Ein Bauer hat einen 56 Jahre alten Traktor gestellt, mit dem wurden die Kartoffeln ausgegraben. Einsammeln musste man selbst, aber selbst mein riesiger Bau-Eimer war in 5 Minuten voll. So viel Essen! Meine Güte. Wir werden viel mehr Kartoffeln essen müssen, als wir das so gewohnt sind. Zum Abschluss habe ich dann noch ein bisschen Geld für die Minenräumung auf Ukrainischen Ackerflächen gespendet. Und mich dann wieder in meine Höhle zurück gezogen und möglichst wenig kommuniziert.

Tag 2976-2978 – Aufgetaucht.

Die Inspektion war echt ok, aber sehr (sehr) anstrengend. Ich bin jetzt wieder da, aber nicht gesprächig, eher im Gegenteil. Außerdem musste ich heute nach der Inspektion noch beim Piercingstudio vorbei, weil ich den einen Stecker im Ohr ums Verrecken nicht mehr rein bekam (nach 4 Tagen und ein anderer ging problemlos rein, also an zugewachsen lag es definitiv nicht, nur an dicken Fingern und mit kleinen Dingelchen rumfriemeln ohne was zu sehen). Also noch mehr mit Leuten reden. Dann nach Hause und all das ohne Kopfhörer, die waren nämlich leer. Dass ich niemanden erschlagen habe, grenzt an ein Wunder. Auch, dass ich das nicht schon an einem der anderen Tage gemacht habe. Warum tragen manche Leute so viel Parfum? Nicht nur Frauen/Mädchen, auch Männer/Jungs. Man muss doch nicht in Moschus baden, um wohlriechend zu sein! Manche missverstehen aber scheinbar den Sinn einer Dusche und übertünchen starke Shampoo-Gerüche eiskalt mit Moschus. Mozart und andere Perückenheinis wären bestimmt stolz. Moschus ist das Vanille der Männerparfums. Also – nichts für mich. Uahrgh.

Außerdem war gestern ultimatives Zugchaos. Es fuhr einfach gar nichts. Herr Rabe schrieb mir das glücklicherweise, sodass ich direkt vom Hersteller aus ein Taxi nehmen konnte. Aber ein Taxi von Oslo bis nach Eidsvoll ist schon auch nicht billig, um das mal vorsichtig auszudrücken

Tag 2972 und 2973 – Warten auf Regen.

Der Mantel ist fertig und bis auf die allerletzte Naht, die ich wieder auftrennen werde, sobald ich mir einen neuen Auftrenner besorgt habe (der alte ist irgendwie verdunstet…) bin ich sehr zufrieden. Nur Bilder von auf dem Bügel, nicht an mir, ich war heute optisch nicht präsentabel.

Von vorne
Von hinten (find the Whoopsie).
Vorne halb offen, noch ein Whoopsie, das ich aber zum Feature erklärt habe.

Jetzt ist natürlich mindestens eine Woche Sonnenschein und 20 Grad aufwärts angekündigt.

Sehr viel anderes habe ich nicht gemacht. Gebügelt und mich vor der kommenden Woche gegruselt. Falls ich mich nicht melde, bin ich im Inspektionstunnel oder irgendwann morgens beim Versuch, Pippi um 07:20 Uhr schulfertig zu haben, geplatzt.

Tag 2971 – Platt.

Hab’s übertrieben diese Woche, Dienstag tanzen (erstes Mal nach den Ferien, neuer Kurs, neue Leute usw.), Mittwoch „Abschied“ eines hochprofilierten Mitarbeiters des Werkes (1,5 Stunden Vorlesung plus Reden und Kuchen) in den Ruhestand, anschließend weiter Arbeit bis viel zu spät, Donnerstag Vortrag, heute Geigenstunde. Vier mal im Büro gewesen. Vier mal in der Kantine gegessen. Vier mal hin und her Zug gefahren, keiner der Züge war pünktlich außer dem einen, den ich verpasst habe, weil die T-Bane zu spät kam. Einmal musste ich Bus ab Eidsvoll Verk fahren. Einmal musste ich ab Lillestrøm stehen, weil der Zug so bumsvoll war (Freitag Nachmittag im Zug nach Lillehammer, wenn gutes Wetter angekündigt ist, ist für Hartgesottene oder die mit Platzreservierung). Es ist immer noch Wasser im Bahnhof und wir kommen nur ein Mal pro Stunde nach Hause.

All das war ein bisschen zu viel, das merke ich aber erst seit es vorbei ist. Bin einfach hundemüde und noch näher am Wasser gebaut, als eh schon*. Gestern habe ich ja offenbar schon vergessen, den Beitrag zu veröffentlichen, dabei ist das ein Klick und fertig.

___

*und dann gucke ich noch die letzte Folge der zweiten Staffel von The Bear, das war keine so gute Idee, schon allein weil es nicht vorbei sein soll. Das ist echt eine der besten Serien seit… immer, vermutlich. Obwohl oder gerade weil einzelne Folgen echt hart anzuschauen sind und zwar nicht, weil sie auf die Tränendrüse drücken oder irgendwie brutal sind, sondern aus anderen Gründen. Unter anderem die erste Folge ist so, wenn Sie die Serie also nicht kennen, lassen Sie sich nicht von der ersten Folge abschrecken.

Tag 2970 – Total beeindruckend.

Heute habe ich einen Vortrag gehalten. Das war relativ spontan, ich hab das erst vor zwei Wochen erfahren, dass ich heute bei so einer Industrievereinigung was zur behördlichen Regulierung von bestimmten Medikamenten sagen soll. Aber Renana macht das schon, ist die Devise meiner Chefin und ich hab ja schon ganz andere Sachen überlebt ist meine. Was aber ganz lustig ist, ist, hinterher Kommentare zu kriegen, die so gar nicht mit meiner Selbstwahrnehmung übereinanderpassen. In meinem Kopf selbst bin ich total nervös und hauptsächlich darauf bedacht, nicht durchblicken zu lassen, dass ich mir vor diesen ganzen Firmenchefs und -Chefinnen bald in die Hose mache. Nach außen bin ich total locker, „gar nicht wie eine Inspekteurin“ und total gut im engagierenden vortragen. Ich wirke auch scheinbar so kompetent, dass man mich hinterher zwischen Pizza und Cola alles mögliche fachliche fragt.

Es war eine okaye Erfahrung. Hab ich halt wieder was überlebt und mein immens kompetentes* Gesicht herumgezeigt. Das nächste mal wird schon wieder weniger schlimm! (Gute Devise eigentlich.)

Vielleicht tut mir beim nächsten Mal hinterher auch das Gesicht nicht weh, weil es anscheinend vom ganzen kompetent wirken und freundlich und natürlich im Zusammensein mit völlig fremden Menschen sein total verspannt ist. Das Gesicht. Ich wusste gar nicht, dass man da verspannen kann, obwohl ich das Gefühl an sich sehr gut kenne. Ich konnte es nur nicht einordnen. Heute hätte ich aber echt gerne eine Gesichtsmassage bekommen. Grimassen schneiden half aber auch.**

___

*es ist kompliziert. Ich kann ja echt was, zum Beispiel weiß ich echt viel über dieses ganze Regelwerk und ich bin eine gute Inspekteurin. Scheinbar kann ich auch echt gut Vorträge dazu halten, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Aber die Rückmeldungen sagen das und zwar auch spontane von Fremden (nicht nur von Kolleginnen, die sind ja fast wie Mütter. Aber Fremde könnten ja einfach gar nichts sagen.) Aber solange ich nicht absolut alles kann und weiß und allgemein perfekt bin, habe ich echt Schwierigkeiten das auch so auszusprechen, ohne es ins Lächerliche zu ziehen.

**vielleicht kommt auch ein Teil meiner Kopfschmerzen von verspannten Gesichtszügen? Das würde viel erklären. Ich habe schon länger zumindest meinen Kiefer dazu im Verdacht, weil ich oft ganz buchstäblich die Zähne zusammen beiße. Ich muss das mal beobachten.

Tag 2968 und 2969 – Autschn.

Gestern war die erste Ballettstunde nach den Ferien und es war fast wie immer. Nicht ganz. Ich war wie immer, habe also ohne Rücksicht auf knappe zwei Monate Pause Vollgas gegeben. Die Ballettlehrerin hat aber das Niveau ein Stück angezogen. Wir machen sogar ein paar der Übungen aus dem mörderischen Sommerkurs, unter anderem das Hüpfen auf einem Bein (klingt einfach, ne? Ist es nicht. Versuchen Sie mal auf einem Bein zu hüpfen, aber eigentlich fast (möglichst?) nur aus dem Sprungelenk, ohne den Oberkörper mitzubewegen oder sonstwie Schwung zu holen, und jedes Mal müssen Sie so hoch kommen, dass Sie den Fuß im Sprung ganz durchstrecken können. Acht mal, dann das andere Bein, dann zwei mal 4, 2, 2, 1, 1, 1, 1). Ich kam sogar ganz gut mit, habe ja auch den Sommerkurs überlebt. Aber seit heute Nachmittag fängt alles an meinem Körper an, wehzutun.

Und weil es ja nicht sein kann, nur in den Beinen und im Bauch, Rücken und Hintern Muskelkater zu kriegen, habe ich heute morgen dann bei der Arbeit noch ein Krafttraining für Schultern, oberen Rücken und Arme gemacht. In erster Linie, weil mir schon wieder die Schulter weh tut von am Rechner hocken.

Das wird ein feiner Muskelkater.

P.S. ich habe mir ja neue Ballettschuhe kaufen müssen, weil sich meine großen Zehen aus den alten befreit hatten, jetzt habe ich Schläppchen von Bloch, die mir erst zu klein vorkamen, die aber astrein sitzen. Endlich wandert die Sohle unter dem Ballen nicht mehr herum und nervt unsäglich dabei. Außerdem habe ich mir am Wochenende aus der Grabbelkiste beim Ballettladen ein Trikot gekauft, das mir sehr gefällt. Es fühlt sich nämlich sehr viel mehr als mein bisheriges so an, als sei man vollständig bekleidet. Nur die Farbe war nicht so klug gewählt (gut, es gab keine Wahl, Grabbelkiste halt), in grau sieht man dunkle Schweißflecken halt optimal. Oder wie ein Mädchen es ausdrückte, als wir Muttis nach dem Training aus dem Raum kamen: Puh, die stinken! (Japp, ist mir aber egal, so ist das halt, wenn man beim Sport schwitzt und älter als 10 ist.)

Tag 2966 und 2967 – Alte Bekannte.

Ich hab die Nähmaschine aus dem Haufen an Zeug auf dem Nähtisch ausgegraben und angefangen, mir einen himbeerfarbenen Softshellmantel zu nähen. Das ist noch nicht schwierig genug und ich hab ja auch im letzten Jahr quantitativ total viel Übung gehabt, ich mache also alles anders als es im Schnittmuster steht. Eine Kapuze dran, ohne ein Schnittmuster für eine Kapuze zu haben. Reißverschluss statt Knöpfe – das könnte einfacher sein, es handelt sich aber um einen Mantel mit asymmetrischem Überlapp, ich muss also den einen Teil vom Reißverschluss irgendwie quasi mitten in den Stoff einsetzen. Kein Wendemantel, sondern mit Belegen (hauptsächlich weil der als Wendemantel vermutlich viel zu warm würde). Ziernähte in Kontrastfarbe, um das ganze Pink optisch zu unterbrechen.

Ich bastele, aus Schaden klug, fleißig Prototypen. Kapuze in Kombination mit Nackenbeleg sowie Reißverschlusslösung wollen gut durchdacht sein, ich kenne mich ja und ärgere mich sonst für immer über die kleinen Schummeleien überall. Ebenfalls aus Schaden klug hefte ich auch tatsächlich lieber erst einmal, als bombenfeste Nähte wegen undurchdachter Aktionen stundenlang wieder aufzutrennen. So komme ich zwar nicht so schnell voran, wie ich könnte, bin aber hoffentlich am Ende glücklicher mit dem Ergebnis. Bonus, wenn ich noch dran denke, einen Aufhänger dran zu basteln. Das habe ich bei keinem Mantel bisher getan und es nervt halt immer dann, wenn kein Bügel zum Aufhängen da ist, total.

Fotos folgen, wenn fertig. Das, was schon fertig ist (das Oberteil minus der Reißverschluss und der untere Teil, die müssen nur noch heiraten) sieht sehr vielversprechend aus und ich bin total begeistert von den Farben, die ich mir da ausgesucht habe. Trotz Gebastel bin ich auch (noch) sehr glücklich mit den Änderungen, die ich mir da ausgedacht habe.

Was allerdings an Softshell echt nervig ist: der Stoffstift hält nicht, Kleber hält nicht, Bügeleinlage* hält nicht und doof zu nähen ist es auch. Zumindest meine Maschine überspringt bei dem Stoff manchmal Stiche, trotz Microtex-Nadel. Beim Futterstoff, den ich aus Faulheit mit dem gleichen Nadel-Garn-Setup nähe, passiert das aber nicht, und faszinierender Weise auch viel weniger, wenn ich einfach voll Gas gebe. Die Devise ist also Pedal einfach durchtreten und aufs Beste (also gerade Nähte) hoffen.

(Keine Sorge, ich hatte schon schlimmere Stoffe, das hier ist nur nervig, aber bedarf eigentlich keiner weiteren Maßnahmen, weder zum Nähen noch zur seelischen Unterstützung.)

Tag 2965 – Schönes Wochenende.

Das war… ironisch. Also ich wünsche Ihnen natürlich ein schönes Wochenende, aber dann mit Ausrufezeichen. Meins ist bisher so lala. Ich war mit beiden Kindern in der Hauptstadt und first things first, wir haben jetzt eine komplette Ballettausrüstung für Pippi und Herbstschuhe für beide Kinder. So weit so gut. Es war aber auch gefühlt ganz Südnorwegen plus 184.803 ausländische Touristen in Oslo, es war da also voll, laut, hektisch und insgesamt ein Albtraum. Bis auf im Ballettladen, da war es erträglich. Alles andere war schlimm bis nicht auszuhalten. Bitte, liebe Eltern, wenn euer Kind gerne sämtliche quietschenden Hundespielzeuge in einem Laden quietschen lassen will, denkt doch bitte dran, dass es euch vielleicht nicht stört, aber das nicht heißt, dass es niemanden stört. Manchen Leuten tun solche Geräusche regelrecht weh, vor allem, wenn sie völlig unvermittelt plötzlich aus irgendeiner Ecke in einem Laden kommen.

Für’s nächste Mal note to self: mit den Kindern unter keinen Umständen samstags nach Oslo. Irgendwann unter der Woche, oder am Wochenende alleine (dann kann ich noise cancelling Kopfhörer tragen und Musik hören, da ist automatisch der Stressfaktor Hundespielzeuggequietsche und Rumpeltrikk auf ein erträgliches Maß reduziert). Nicht kombinieren.

Der Akku ging noch in Oslo so leer, dass ich erst nicht schaffte, Pippi ein Wasser zu kaufen, weil ich schon von der Vorstellung überfordert war und dann auf dem Bahnsteig anfing zu heulen, weil zu dem Zeitpunkt, zu dem sonst immer ein Zug kommt, der sogar, trotz weiterhin unter Wasser stehendem Bahnhof*, in Eidsvoll hält und (!) sogar Leute aussteigen lässt, kein Zug kam. Wegen des Wassers im Bahnhof kommen wir momentan nur ein Mal pro Stunde zurück und ich wollte doch einfach nur noch nach Hause und nichts mehr hören und sehen und riechen müssen. Herr Rabe bot dann an, uns abzuholen, wenn wir mit einem der Züge fahren, die nur bis zur Haltestelle vor Eidsvoll fahren. Herr Rabe ist der beste. Und weil ich dann ja eh schon die Nerven verloren und mich zum Horst gemacht hatte, kaufte ich Pippi noch ein Wasser mit Erdbeergeschmack.

Morgen möchte ich nicht kommunizieren müssen. Wenn ich mich nicht melde, dann vermutlich weil ich im Laufe des Tages gemerkt haben werde**, dass das auch für schriftliche Kommunikation gilt.

___

*man könnte den schon seit geraumer Zeit leer pumpen, aber mir scheint, sie warten drauf, dass das Wasser einfach von allein verdunstet.

**ich weiß nicht ob die Anwendung hier korrekt ist, es müsste noch ein Konjunktiv dazu, vielleicht „könnte gemerkt haben werden“?, aber: Es lebe das Futur II!