Tag 1958 – Wie ich mal früh ins Bett gehen wollte…

… und stattdessen nach Jessheim fuhr, um zwei gebrauchte Kallax-Regale abzuholen, in Jessheim feststellte, dass beide gleichzeitig zusammengebaut nicht in Carona passen, nach Hause fuhr, ein Regal ablieferte, wieder nach Jessheim fuhr, das zweite Regal holte und wieder nach Hause fuhr. Jede Tour 28 Minuten plus ein bisschen tragen.

Heute war wirklich eher so semi-koseliges Homeoffice und jetzt ist es sehr dreckig überall. Ich weiß nicht, was alles schief gelaufen ist, aber es dauerte auch alles länger als geplant und das Fenster ist jetzt zwar drin, aber es pfeift noch der Wind durch.

Das ist auch wesentlich größer, als ich gedacht hatte.

Die Arbeiter haben ordentlich geflucht (auf Polnisch) und kommen morgen wieder. Es soll ja auch noch die Tür versetzt werden.

Wir haben übrigens beide nicht mal den Hauch einer Chance, den Öffnungsmechanismus ohne Hilfsmittel zu erreichen. Müssen wir wohl ein kleines Leiterchen bereit stellen.

Die Arbeiter haben in den Fensterrahmen auch ne fiese Macke gemacht, ich hoffe, die bessern sie morgen aus ohne dass ich rumnerven muss. Aber ein mistneues 1.500€-Fenster darf bitte mackenfrei sein.

Ich hab letzte Nacht sehr schlecht geschlafen und das war jetzt heute alles ein bisschen viel. (Es kamen noch Kommunikationsprobleme hinzu, der Kindergarten hatte nur Herrn Rabe mitgeteilt, dass Pippi den Slot 08:00-15:00 bekommen hat und nicht 08:30-15:30, wie ich bis 08:23 heute morgen dachte. An schlechten Tagen wirft mich sowas voll aus der Bahn. Heute war ein relativ schlechter Tag, in dem Sinne dass ich eh schon ziemlich gestresst war.) Deshalb einfach gute Nacht.

Tag 1940 – Im Eimer.

Jöss, ich bin so müde. Inspektion ist anstrengend. Auch interessant. Wieder was anderes. Aber – uff.

Ich vermisse die Kinder, eins ist krank (natürlich, denn es ist immer ein Kind krank, wenn ich auf Inspektion bin) und schreibt mir süße Nachrichten, es ist zum Knutschen.

Hotelbett ist schon auch nice, aber wohl für ne Weile wieder das letzte Mal. Maaaaann. Scheiß Corona.

Tag 1930 – Flexibel.

Wie ein Betonklotz.

Es kommen bei der Arbeit sehr viele sehr spontane Sachen rein und ich bemühe mich redlich, da flexibel drauf zu reagieren, aber in echt ist es, wie einen Güterzug, der 200 Sachen fährt, anzuhalten und auf ein anderes Gleis zu hieven. Meine Flexibilitätskontingente für 2020 sind schon lange aufgebraucht, Bonus gibt’s nicht, schade, Schokolade.

Herr Rabe hatte heute ein Team-Building-Dings bei der Arbeit und war dafür das erste mal seit einem guten Monat zusammen mit Kollegen im Büro. Ich war dafür alleine für die Kinder zuständig, was gut geklappt hat, trotz Laune bei Michel und später dann Laune bei Pippi. Michel hat aber einen neuen Rekord beim Kornettunterricht aufgestellt: 19,47 Sekunden einen Ton gehalten! Danach war seine Laune dann gut, davor halt nicht.

1400 neu Infizierte in einer Woche und die zuständige Stelle sagt, man könne nicht von einer zweiten Welle sprechen. Ich frage mich, wovon denn dann? Ein zweiter Hügel? Eine dieses Mal breitere Welle, eher wie ein auftauchender Buckelwal? Es ist zum Heulen. Ganz einfach zum Heulen.

Wir haben weiter Homeoffice (außer Inspektionen halt, die gehen), weiß ich aus der Zeitung und dem Fernsehen.

Starkes Gefühl von alle bekloppt geworden.

Egal. Ich liege im Bett mit meinem acht Jahre alten Baby, das ist sehr schön und das Baby sehr kuschelig und ich mache jetzt die Augen zu. Morgen ist ein neuer Tag in diesem Scheißjahr mit dieser Scheißpandemie.

Tag 1918 – Nix genaues weiß man nicht.

Vielleicht muss ich morgen arbeiten, alternativ muss ich morgen eben streiken. Mir macht das sehr zu schaffen, das nicht zu wissen, ehrlich gesagt. Ausgerechnet in diesem (Kack-)Jahr, wo eh schon jede Toleranz gegenüber Unvorhersehbarkeit seit langem aufgebraucht ist.

Für den Fall der Fälle weiß ich auch nicht, wie das Streiken aussähe. Natürlich wär’s nett (und nötig), einen Haushaltstag geschenkt zu bekommen, aber mir ist natürlich klar, dass das keine Ferien sein sollen. Schwierig, das alles.

Mein Körper dankt es mir mit Migräne und (neu im Programm) ab und an auftretendem Schwindel.

Es ist, ganz einfach, von allem grad zu viel.

Tag 1845 – Superwoman.

Ich komme mir grad vor wie so ne Bilderbuch-Karrieremutter aus irgendeiner amerikanischen Serie. So eine, die auch morgens mit perfektem Make-up und kunstvoll zerwühlten Haaren aus makellos weißer Bettwäsche aufsteht. Denn ich bin heute aufgestanden, habe mich fertig gemacht, dann die Kinder geweckt, denen Frühstück kredenzt, mir dabei zwei Kaffee gekocht, einen getrunken, die Kinder angezogen, Zähne geputzt, habe uns alle rechtzeitig und ohne irgendwelche Ausrüstung zu vergessen (Bonuslevel Schwimmunterricht!) aus dem Haus bekommen ohne dass irgendwer geweint hat, habe Michel, dann Pippi, dann Michels Sportzeug abgeliefert, bin 30 Minuten zur Arbeit gefahren, habe 9,5 Stunden lang gearbeitet, bin 30 Minuten zurückgefahren, habe auf dem Weg das Auto geladen, habe zu Hause Michel Harry Potter vorgelesen und ihn zu 90% ins Bett gebracht, habe dann noch mal 45 Minuten gearbeitet (interne Nachbesprechung, die wir Coronabedingt im Teams und nicht beim Hersteller in irgendeinem Raum machen), während ich das Abendessen fertig gekocht habe, und dann haben Herr Rabe und ich sogar noch Sport gemacht.

Morgen reiße ich ein paar Bäume aus oder mache noch die Meerschweinkiste sauber oder so.

Tag 1703 – Corontäne Tag 30.

Es zieht sich. Zyklusbedingt war mein Antrieb heute eh nicht so auf der Höhe, deshalb habe ich konsequent den Fitnesstracker ignoriert und sehr viel Yoshis Crafted World auf der Switch gespielt. Erst mit beiden Kindern, aber das regt Michel innerhalb von 20 Minuten so auf, dass er heulend davon rennt. Dann sehr lange mit Pippi, die mich immer dann spielen ließ, wenn sie kurz was anderes vorhatte, zum Beispiel von der Banane abbeißen. Mitten im Level. Mitten im Sprung. „Hier, Mama!“. Da Pippi auch völlig random und ziellos, aber mit großer Freude und Ausdauer die gleichen Level spielt, war ich dann ein bisschen froh, als die Kinder im Bett waren, denn da hatte ich noch eineinhalb Stunden Yoshi für mich. Einen weiteren Stein habe ich schon frei gespielt, Juhu!

Außerdem haben wir heute „Hecke“ gekauft, die die „Hecke“ ersetzen soll, die wir haben und die ich doof finde und die auch irgendeinen Pilz hat. Und weil Pippi die ungekrönte Königin dieser Familie ist und niedliche Zöpfchen hatte und einfach so lieb gucken kann haben wir jetzt eine kleine Hängeweide. Das Argument für die Hängeweide war „Weidenkätzchen!“. Fragen Sie nicht.

Mir ist nicht nach Ostern. Mir ist nach Sommer. Ich mag keine kalten, harten Eier und nur selten Schokolade, an irgendwelche Wunder tuenden Leute glaube ich auch nicht und nicht an Auferstehung und Sünden vergeben und weißnichtwas. Ich freue mich drauf, unsere Corontänefreunde wie jeden Sonntag morgen zu sehen, wir haben Eierfarben gefunden (alljährlicher Reminder: wir haben sehr sehr viele Eierfarben und brauchen frühestens zu Ostern 2023 neue, nach Ostern 2022 im Schlussverkauf böte sich also zum Kauf an!) und auch die Ostereier für die Kinder gepackt. Da beide dringend Körperpflege inklusive Grundreinigung benötigen, haben wir die Versteckzeit schon klar. Ostersonntag kann (und wird) also kommen, ob ich da jetzt Lust drauf habe oder nicht.

Keine Bilder.

Tag 1688 – Corontäne Tag 15.

Alle Tage sind gleich.

Die Blumen wachsen.

Herrn Rabes Firma macht Geld mit Sport. Also grad nicht.

Herrn Rabes Firma führt Kurzarbeit ein.

Arbeit für mich – alles eskaliert.

Abends möchte ich eigentlich um acht ins Bett, klappt nie.

Twitterkneipe – weiter viel Liebe.

Die Kinder sind motzig. Heute vor allem Pippi. Völlige Verweigerung gegen alles wegen nix.

Michel ist ein großer Spatz. Wir sind heute zusammen spazieren gegangen, er und ich, das war schön. Haben wir uns auch hinterher gesagt.

Ich vermisse meine Kollegen doll.

Und normale Arbeit auch.

3.581 Fälle, 302 im Krankenhaus, 81 zur Zeit auf der Intensivstation.

16 Tote.

78.036 durchgeführte Tests.

Scheiß Film.

Tag 1685 – Corontäne Tag 12.

Ein Tag der Anpassungen. (Eigentlich schon die letzten Tage, aber wir setzen es jetzt um.) Der Tagesplan wurde etwas umgestellt, nach einer gründlichen Evaluierung der implementierten Maßnahmen am Wochenende. Und zwar ist jetzt nach dem Essen erst Spaziergang/Draußenzeit FÜR ALLE, dann Aufräumen und dann Medienzeit. Wir erhoffen uns dadurch bessere Compliance bei Draußenzeit und Aufräumen und mehr frische Luft für die Erwachsenen. Auch diese Maßnahmen werden nach einer Woche kritisch bewertet und gegebenenfalls nachjustiert werden.

Naja und beim Essen wird auch immer mal hin und her verschoben.

Weiterhin wurde das Kanban-Board vervollständigt, ich ärgere mich jetzt schon über die schlechte Klebequalität der Post-it’s…

Jede/r eine Farbe und manche Tätigkeiten (Putzen…) stehen jeweils auf 2 Zetteln, sind ja 2 Erwachsene hier im Haus.

Wir haben unsere Steuererklärungen angepasst (alle Jahre wieder Ende März/Anfang April, weiter ganz einfach) und abgeschickt, unser Kreditzins fürs Haus wird angepasst (erheblich gesenkt, weil die norwegische Bank den Leitzins gesenkt hat), die Dauer der Kindergarten- und Schulschließungen wurde angepasst (verlängert) und das Wetter hat sich an die allgemeine Doomsday-Stimmung angepasst.

Sah in echt viel bedrohlicher aus.

Und ich hab jetzt die Maus wieder links. Aua, aua.

Tag 1684 – Corontäne Tag 11.

Tja, nichts passiert so richtig. Alles zäh. Finde die Kollegen doof, die sich über SO UNFASSBAR VIEL ARBEIT!!! beschweren, während ich reinste Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen machen soll. Das sind, so ungefähr jedenfalls, alle. Aber angeboten habe ich mich echt oft genug. Viel zu wenig Bewegung, die Schulter tut weh. Die Kinder Michel motzig. Alle nur zufrieden, während man draußen ist und das ist man zu kurz. Nicht mal wirklich Bilder habe ich gemacht.

Es sprießt schon was!
Wir haben jetzt ein Familien-Kanban-Board. Meine Zettel hängen noch nicht, morgen zeige ich das mal detaillierter.