Tag 3531 – Alltag?

Eigentlich wäre ja heute Sport gewesen, aber seit gestern ist leider Pippi krank und dann hatte ich eben Homeoffice. Pippi hat irgendeine sehr fette Erkältung mit Fieber, Kopfschmerzen und schier unendlichen Mengen Rotz, also nichts, wo man jetzt in Panik geraten muss, aber auch nichts, mit dem sie fröhlich herumspringt oder zur Schule kann.

Homeoffice war auch echt besser so, denn ich habe nach langer Zeit mal wieder IT-Projekt-Dinge getan und bin da schon wieder kurz davor, alles anzuzünden. Neuester Clou, den sich irgendwer ausgedacht hat: nach dem neuen, großen Release, der im Sommer kommt und wegen dem wir, die das System schon seit bald drei Jahren benutzen, seit letztem Sommer nur noch ganz kritische Bugfixes bekommen, sollen wir weiter in unserer kleinen Ömmelecke arbeiten, während der neue Release ein shiny Facelift bekommt, aber halt getrennt von uns. Bei uns ist es ja unaufgeräumt und chaotisch, das will ja niemand. Dass wir User dafür nichts können ist denen, die das ausgedacht haben, egal. Dass es komplett bescheuerte Ressourcenverschwendung ist, zwei verschiedene User Interfaces für das gleiche System zu maintainen, ist auch egal. Hauptsache, wir werden noch mal dafür abgestraft, dass wir die Versuchskaninchen waren.

Immerhin bin ich da inzwischen eiskalt und stelle Inspektorinnenfragen an egal wen, sollen sie mich halt für respektlos halten. Inspektorinnenfragen sind solche, bei denen man nicht locker lässt, bis man eine Erklärung bekommen hat, die man begreift, oder bis das Gegenüber aufgibt und sagt „stimmt, war doof von uns“. „Warum?“ ist ein guter Einstieg für solche Fragen.

Im Homeoffice kann ich auch getrost ungeschminkt rumsitzen. Das ist zur Zeit ein Vorteil, denn meine Haut mag, wie jedes Jahr, den Frühling eher nicht so und blüht Pickelmäßig so richtig schon auf. Das nervt mich sehr, dann friemele ich an den Pickeln rum, weil die mich so nerven und dann wird es natürlich alles noch viel schlimmer. Ein frühlingshafter Teufelskreis.

Tag 3519 – Mehr Gejammer.

Die zweite Gürtelroseimpfung ist drin und ich will wirklich keinen von Impfungen abhalten, deshalb sage ich lieber nur: tatsächlich Gürtelrose haben ist wesentlich schlimmer. Ich hatte noch keine, aber ich kenne mehrere Leute, die eine hatten und es hat ja auch Gründe, warum das hier „Höllenfeuer“ heißt. Disclaimer: dass ich in meinem Alter die Impfung schon bekommen habe, ist eine Kombination aus meinem Unwissen, dass die für meine Altersklasse gar nicht zugelassen ist, zum Zeitpunkt als ich um das Rezept bat (inzwischen weiß ich das sehr wohl) und meinem Hausarzt, der da sein freies Verschreibungsrecht ausgeübt hat.

Weil es noch ganz gut ging, als wir losfuhren, war ich trotzdem mit Herrn Rabe und Pippi im Kino, in Wicked. Das ist ein sehr toller Film, den man sich gut angucken kann. Es sind auch entspannend wenige Männer in dem Film. Wenn man Musicalfilme nicht mag, ist er aber trotzdem nichts.

Danach wollte ich mich allerdings nach Hause ins Bett beamen, das wurde ein langes Warten auf den Zug und dann eine lange Zugfahrt.

Die Arbeitssache hängt mir noch nach. Kurz gesagt hat das Werk beschlossen, dass die Arbeit von 3/4 seiner Angestellten, darunter auch uns, unwichtig ist. Und außerdem haben wir kein Geld. Man kann sich denken, was das für diese 3/4 von uns dann bedeutet. Kein Geld für Nix, wer aufhört wird nicht ersetzt, wir müssen (wieder mal) alle unsere Aufgaben risikoeinschätzen und dann wird geguckt, was man sein lassen kann. Das wird auch gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben (wie Inspektionen) betreffen. Es erinnert ein bisschen an Musks Montags-e-mails. 5 Gründe, warum ich meinen Job behalten sollte. Gestern fiel mir schwer, fünf oder auch nur drei Gründe zu finden, warum ich meinen Job behalten WOLLEN sollte. Speziell, nachdem die Person, die uns diese „frohe“ Botschaft, dass gekürzt wird, was gekürzt werden kann, überbracht hat, sich nicht entblödete, am Ende zu sagen, dass das doch eigentlich eine gute Nachricht sei. Weil wir jetzt dabei sein können, was neues aufzubauen. Was spannendes! (Tut mir leid, ich finde Krisenbereitschaft überhaupt nicht spannend. Das einzige, was daran „spannend“ ist, ist dass damit bei uns Leute arbeiten, die keine Ahnung haben, wie die Pharma-Industrie funktioniert und wie so ne Fabrik eigentlich von innen aussieht. Das ist „spannend“ im Sinne einer „fetzigen“ Frisur.)

Komme mir vom Werk derbe veräppelt vor zur Zeit. Und überhaupt nicht wertgeschätzt. Neuer Titel hin oder her, am Ende sind sie nur dran interessiert, dass ich mich für sie weiter verheizen lasse, mit möglichst wenig Aufwand von ihrer Seite.

Tag 3500 und 3501 – Arbeit, Arbeit.

Gestern war mal wieder so ein Kacktag bei der Arbeit. Ehrlich, wenn ich den eigentlichen Job nicht so mögen würde, ne? Für die Organisation oder die Chefinnen und Chefs bleibe ich jedenfalls nicht da. Die interessieren sich ja auch allesamt nicht für mich (oder irgendwelche anderen Angestellten), außer dass ich gefälligst meinen Job machen soll ohne zu meckern. Während alles, was irgendwie den Hauch von „Extra“ hat, zusammengestrichen wird. Hrmpf.

Heute Homeoffice, das ist schon viel besser, da muss ich wenigstens nicht auch noch für einen Salat mit sehr dürftigen Mengen satt machendem Zubehör 50 Kronen hinblättern. Und ich muss nicht in der lauten Kantine essen.

Und ich kann Michel zum Kieferorthopäden fahren, wo ich dann davon überrumpelt werde, dass die Praxis irgendwie verkauft wurde (?) und der Kieferorthopäde jetzt nicht mehr da ist, dafür aber zwei neue. Und auch irgendwie null Helferinnen? Es ist alles etwas seltsam. Aber die Behandlung soll so weiter laufen, wie gehabt. Neuer Termin nach Ostern. Der neue Kieferorthopäde ist auch wirklich nett, das ist es nicht, ich war nur sehr überrascht.

Abends Geige gespielt und mich darin gesonnt, dass mein Lehrer am Sonntag sehr viel Lob für mich hatte. Aufgrund von Erkältung hatte ich die Stunde kurzfristig auf online umgebucht, dann bin ich auch weniger nervös. Ich wollte aber wirklich in erster Linie nicht meinen Lehrer anstecken, der ist ja auch Gesangslehrer und professioneller Sänger. Muss ja nicht sein, meine Viren mehr als nötig zu verteilen. Gestern war ich dann abends auch nicht beim Ballett, aus dem selben Grund. Aber im Büro war ich, das sagt jetzt sicher ganz viel über meine Prioritäten aus. Fit genug für Sport bin ich nämlich durchaus, Herr Rabe und ich haben gestern und heute auch fleißig das Programm durchgezogen. (Gedenken Sie so ca. übermorgen ruhig Herrn Rabe, ich sehe schrecklichen Muskelkater am Horizont aufziehen.)

Apropos Geige: ich muss jetzt wirklich eigentlich immer mit Gehörschutz üben, weil irgendwas passiert ist, das macht, dass ich jetzt viel mehr Geräusch erzeuge als vor ein paar… ja tatsächlich Wochen noch. Es ist laut. Und danach klingeln meine Ohren, besonders das linke, was mir gar nicht gefällt.

Älter werden ist nichts für Feiglinge.

Tag 3493 – [Mir fällt kein Titel ein.]

Michel geht es viel besser und Pippi scheint auch fit wie ein Turnschuh zu sein. Gut.

Bei der Arbeit langweilige, doofe Sachen gemacht. Die sind jetzt aber erledigt. Morgen Homeoffice für minimal weniger langweilige, doofe Sachen.

Abends 70 Minuten Sport, es sind ja Ferien, da ist kein Ballett. Aber dieses Workout hatte es in sich, morgen kann ich wahrscheinlich nichts bewegen. Es ist aber, das weiß ich bei der zweiten Runde, das längste Workout des vier Wochen Programmes.

Wenn die Kinder nicht tausendundeine Nachmittagsveranstaltung haben und Herr Rabe und ich früh Feierabend machen, haben wir noch echt viel vom Nachmittag. Das ist auch mal echt schön.

Tag 3487 und 3488 – Es passiert mal wieder nichts.

Langweilig. Arbeit, Arbeit, Kochen, Essen, Geige, Bett. Gegebenenfalls Sport, dafür war es heute aber zu spät. Morgen nach der Arbeit bin ich aber fest entschlossen, zum Zirkeltraining zu gehen.

Arbeit grad sehr zäh. Habe mir eine Aufgabe selbst aufgehalst, die richtig, RICHTIG ätzend ist. Möchte jetzt die EU Kommission aus Gründen verhauen.

Immerhin habe ich heute, im Gegensatz zu Montag, nicht wieder Kopfschmerzen, nachdem ich im Büro war. Es sind die kleinen Dinge, ne?

Tag 3479 und 3480 – Büro und seine Nachwirkungen.

Gestern war eigentlich ein okayer Tag, nur etwas voll. Ich hatte 30 Minuten Mittagspause und ansonsten den ganzen Tag über Meetings „butt-to-butt“. Trotzdem dachte ich auf dem Weg zum Zug noch, dass es eigentlich ein recht produktiver Tag war.

Ich hetzte nach Hause, um Michel zum Kornettunterricht zu fahren. In der Tagesplanung war nicht vorgesehen, dass der Zug zehn Minuten extra im Tunnel rumsteht. Wieder zu Hause machte ich Essen. Dann fuhr ich zum Ballett (bevor ich selbst was gegessen hatte).

Beim Ballett sagte die Lehrerin, ich sei so schön anzusehen, und ich sagte danke. Immerhin. Jetzt würde ich das auch gerne so sehen, ich sehe irgendwie immer nur Beine, die nicht hoch genug gehen, Füße, die den wahrscheinlich flachesten Spann der Welt haben, ein Relevé, das höher sein könnte, Passés, die höher sein könnten, generell könnte alles stabiler sein, das nicht auf einem flachen Fuß stattfindet und Drehungen sind ja nun mal leider tagesformabhängig, gestern war kein Dreh-Tag. Ich arbeite an einer weniger kritischen Einstellung gegenüber mir selbst und sage deshalb jetzt was ich kann: 1) Arme, Kopf, Hals, Schultern 2) Musikalität 3) alles was Kraft braucht, also Pliés, Fondues, Springen, etc. und aus irgendeinem Grund 4) Flexibilität und Kraft im unteren Rücken, sprich, ich kann meine Beine nach hinten gut heben. Und bei all dem Gemecker oben: das ist Jammern auf hohem Niveau, gestern habe ich die Beine im Adagio eigentlich immer knapp über Hüfthöhe bekommen. Mit fast 40 und der Anatomie einer Preisboxerin.

Anyway. Ich hatte schon seit Nachmittags latente Kopfschmerzen, dachte aber, das ließe sich bestimmt wegschlafen. Ich lerne das in diesem Leben auch nicht mehr: das klappt NIE. Einfach nie. Das klappte auch von gestern auf heute nicht, eher im Gegenteil. Ich wachte mit Migräne auf. Ich nahm dann eine Tablette (gestern Abend hätte es wahrscheinlich eine Ibuprofen getan) und manchmal macht mein Körper dann echt lustige Sachen mit seinem Kreislauf, so auch heute. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und war nur froh, als ich die Kinder in der Schule hatte und mich wieder hinlegen konnte. Jetzt nicht mehr mit Kopfschmerzen, dafür aber mit gefühlt keinem Blutdruck, leichter Übelkeit und Klingeln in den Ohren. Brav, weil wir das jetzt müssen, schrieb ich meiner Chefin eine SMS, dass ich krank sei und dann schlief ich noch mal drei Stunden. Es ist selten (zum Glück) dass ich so starke Nebenwirkungen von den Migränemedikamenten kriege, aber wenn es auftritt, geht echt gar nichts mehr.

Mich lässt der Gedanke nicht los, dass ich einen Tag im Büro mit einem halben Tag im Bett bezahlt habe und das gefällt mir nicht.

Tag 3473 – Der zweite Tag…

Jetlag ist wie Muskelkater. Der zweite Tag ist am schlimmsten. Heute ist gewissermaßen ja der zweite Abend und ich bin knallwach. Kein Wunder, es ist ja auch erst halb sieben. Tjanun. Ich habe jetzt Melatonin genommen und warte auf die Wirkung.

Der Tag war langsam. Vor allem am Anfang. Ich hörte einem Webinar über Risikomanagement zu und ganz vielleicht bin ich irgendwann gegen 11 darüber auch eingedöst, weil es so langweilig und ich so müde war. Der Lieblingskollege hat mich geweckt, indem er mich angerufen hat.

Heute habe ich mich endlich getraut, die Fotos und das Video von der Burlesque-Show anzugucken. Aus Gründen überraschend großer Feigheit (ich habe große Probleme damit, Bilder und vor allem Videos von mir selbst anzusehen. Auf Bildern sehe ich zu 90% seltsam aus, auf Videos fallen mir Dinge auf, die mir lieber weiterhin nicht bewusst wären) habe ich das jetzt gut zwei Wochen vor mir her geschoben. Das Video muss ich noch hochladen, aber hier sind zwei Bilder, vom Anfang und vom Ende:

Beide Bilder von Joakim S. Enger (@engerj). Er ist sehr gut, denn ich sehe nicht seltsam aus.

Hach, ich freu mich drauf, wieder die Netzstrumpfhose anzuziehen.

Tag 3464 – Planänderung.

Die Niederländerinnen riefen heute morgen an. Das konnte nichts gutes bedeuten und tat es auch nicht: sie haben ihren Anschlussflug in Paris verpasst und kommen jetzt erst morgen Abend an. Tja. Ich werde also morgen vom Hotelzimmer aus arbeiten, 5 PQRs lesen und Listen erstellen, was wir alles in den nun nur noch 4 Inspektionstagen ansehen wollen.

Heute habe ich nicht viel gemacht, es dauerte fast einen halben Tag, mich selbst aus dem Hotel zu zerren um endlich was einzukaufen. Aber jetzt habe ich mehr Wasser, als den halben Liter Wasser, den sie einer hier im Hotel am Tag gönnen. Und, viel wichtiger, ich habe Tee und kann jetzt heißes Wasser mit Geschmack trinken, in der einsamen Hoffnung, dass das meinen Husten beruhigt. Ich meine, man muss so fair sein und sagen, dass es das tatsächlich auch tut. Entweder wegen Tee oder wegen der Zufuhr großer Mengen Flüssigkeit. Ist ja egal, was, Hauptsache es wirkt. Der Spaziergang zum Supermarkt war ebenfalls nice. Ich passte eine Pause im Dauerregen ab, aber es war kühl und feucht draußen, ein Traum für meine leicht geschundenen Atemwege. Der Supermarkt überforderte mich, das haben Supermärkte ja eh schon so an sich, aber in fremden Ländern und speziell hier ist es mit 10 potenziert. Irgendwie bekam ich aber alles, was auf meiner Liste stand.

Am Nachmittag arbeitete ich ein bisschen und las dann, während ich auf Uber eats wartete, über North Carolina nach. Ich war recht zufrieden, als sich bestätigte, was ich so halb zu erinnern glaubte: das ist einer der Swing States. Was ich allerdings nicht wusste, ist, dass diesem Staat auch immer wieder „Gerrymandering“ vorgeworfen wurde. Das ist das gezielte Verschieben von Grenzen, um bestimmte Wählergruppen entweder in den Staat reinzuholen oder rauszuschieben. Gerrymandering als Begriff hat sich etabliert, weil das irgendwann damals(TM) mal so seltsame Auswüchse hatte, dass der Staat, den es betraf, aussah, wie eine bestimmte Art Salamander.

Nur wie die Waffengesetze hier sind, weiß ich noch nicht, aber ich hab ja morgen noch den ganzen Tag Zeit.

Tag 3460-3462 – Leicht angeschlagen.

Ich habe eine Erkältung oder sowas, es ist nervig, aber nicht wirklich schlimm. Es ist kein Covid. Fieber habe ich auch nicht. Gestern Abend schmeckte alles fad, aber heute war der Ingwertee schon wieder ordentlich scharf. Am schlimmsten finde ich die Gliederschmerzen (wie gesagt, mein Körper findet seit ein paar Jahren, dass die zwingend dazu gehören, wenn man schon mal irgendwas hat) und dass ich deshalb keinen Sport machen kann. Aber seit Mittwoch nachmittag hänge ich deshalb muffelnd in den Seilen und hasse alles. Packen habe ich heute aber geschafft und dabei festgestellt, dass mir eine Hose inklusive Gürtel abhanden gekommen ist. Wtf. Natürlich ein Gürtel, den ich sehr mag. Die Hose auch, das ist eine von drei identischen Inspektionshosen. Wer zur Hölle verschlürt eine Hose?

Morgen geht es in die USA. Wenn sich mein Körper dann immer noch in sämtlichen Knochen und Gelenken anfühlt, als wäre ich 80, werde ich wohl die ganze Zeit FFP2-Maske tragen und mich und meine Mitmenschen beglückwünschen, dass ich einen Platz mit mehr Platz gebucht habe, sodass ich wenigstens ein bisschen Abstand zu Leuten habe.