Tag 1689 – Corontäne Tag 16.

Großer Putztag, aber spät, weil erst noch Putzmittel eingekauft werden mussten. Ok, ein Putzmittel. Und Lebensmittel. Es war eigentlich abgemacht, dass Herr Rabe schon mal mit dem Putzen anfängt, während ich das eine Putzmittel besorge. Man hätte ohne dieses Putzmittel schätzungsweise etwa 97% des Hauses putzen können. Ich kaufte also ein. Das war schön, so alleine, und überall wenige Leute, die alle auf Abstand achten, überall lagen Handschuhe und Desinfektionsmittel aus, und bis auf Hefe und geschälte Tomaten in der Dose gab es auch alles noch. Ich kaufte, weil es die gab*, Hanteln, damit ist jetzt jede Ausrede weg und ich kann deutlich effektiveres Krafttraining für die Schulter machen auch wenn ich zur Zeit nicht in den Fitnessraum bei der Arbeit oder das Fitnessstudio kann. Ich kaufte auch einen neuen Mopp, weil ich dachte, das würde vielleicht motivieren, aber Herr Rabe mobbt den Mopp und hätte lieber einen Wischer, aber die sind leider, leider alle weggehamstert**.

Jedenfalls kam ich nach Hause, verräumte die Einkäufe und wollte nur eben Herrn Rabe mitteilen, dass nun auch die letzten 3% geputzt werden können, aber als ich nach oben kam, entfleuchte mir ein „Oh je.“. Herr Rabe hatte nämlich irgendwie zu Anfang des Putzens aus Gründen den Lagerraum betreten und dann da angefangen aufzuräumen. Dazu wurde der ganze Raum zunächst ausgeräumt, diverses umsortiert und manches wieder zurückgeräumt, aber nicht alles und das lag alles lustig verstreut und aufgetürmt vor dem Lagerraum herum. Man kennt das – putzen wollen und dann erst mal mehr Chaos veranstalten, weil man im so ziemlich unwichtigsten Raum des Hauses drauf kommt, dass die Weihnachtsbaumkugeln in einer durchsichtigen Box doch besser zur Geltung kommen.

Also Herr Rabe kennt das. Ich kenne sowas überhaupt gar nicht, ich kann ja bei einem Plan von diesem nicht abweichen. Inzwischen hatte ich fast 13 Jahre Zeit um mich daran zu gewöhnen und an guten Tagen, so wie heute, kann ich mit Herrn Rabe zusammen über unsere manchmal schwer zu vereinbaren Eigenheiten lachen. An schlechten (die deutlich überwiegen) flippe ich wegen sowas gerne aus und wir kriegen uns darüber furchtbar in die Haare.

Immerhin haben wir jetzt einen sehr aufgeräumten Lagerraum und Herr Rabe hat auch noch Bilder aufgehängt. Und unter dem Bett gesaugt.

Ich habe die Küche geputzt und die Bäder so halb. So zum Vergleich.

Während des Ganzen hatte ich übrigens den ganzen Tag „Pink fluffy unicorns dancing on rainbows“ im Ohr, weil Pippi gestern ein Bastelset von der Tante bekam und den ganzen Tag rosa Einhörner anmalt.

In meinem Kopf war es heute sehr lustig.

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*online sind Hanteln und vieles andere Sportzeug überall ausverkauft

**nicht wirklich aber wer den Mopp kauft hat die Macht, so will es das Gesetz

Tag 1688 – Corontäne Tag 15.

Alle Tage sind gleich.

Die Blumen wachsen.

Herrn Rabes Firma macht Geld mit Sport. Also grad nicht.

Herrn Rabes Firma führt Kurzarbeit ein.

Arbeit für mich – alles eskaliert.

Abends möchte ich eigentlich um acht ins Bett, klappt nie.

Twitterkneipe – weiter viel Liebe.

Die Kinder sind motzig. Heute vor allem Pippi. Völlige Verweigerung gegen alles wegen nix.

Michel ist ein großer Spatz. Wir sind heute zusammen spazieren gegangen, er und ich, das war schön. Haben wir uns auch hinterher gesagt.

Ich vermisse meine Kollegen doll.

Und normale Arbeit auch.

3.581 Fälle, 302 im Krankenhaus, 81 zur Zeit auf der Intensivstation.

16 Tote.

78.036 durchgeführte Tests.

Scheiß Film.

Tag 1687 – Corontäne Tag 14.

Huff, schon 2 Wochen! Erst 2 Wochen!

Heute war wenig los. Ich hab für die Nachmittagsarbeit den Bildschirm aufgebaut, jetzt haben wir quasi zwei Arbeitsplätze (der Stuhl ist da aber ganz und gar nicht ideal, vielleicht hole ich doch noch meinen Stuhl aus dem Werk).

Solange Kaffee da ist, ist alles gut.

Ansonsten heute aus Gründen rausgefunden, wie das mit Kindkrank-Tagen dieses Jahr läuft und wie mit Kurzarbeit* und vielleicht ist doch kein so guter Zeitpunkt, um ein neues gebrauchtes Auto zu kaufen. Hmmseufz.

Die Arbeitssache eskaliert weiter ein wenig. Immerhin heißt das, dass ich was zu tun hab, insofern keine Klagen hier.

Sonst war nix.

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*anders** als sonst, wegen Corona. Coronhier, Coronda, Coronüberall.

**sozialer, großzügiger, den Staat mehr kostender***

***I <3 den Sozialstaat hier grad so hart

Tag 1686 – Corontäne Tag 13.

Heute hatte ich den Vormittag mit den Kindern und ich hatte einen Ausflug ins Werk ausgelobt, falls Schulaufgaben zügig erledigt würden und Sport gemacht würde. Hat so einigermaßen geklappt, allerdings habe ich mich beim Sportprogramm für Grundschüler von Alba Berlin einigermaßen zum Horst gemacht. Die Kinder fanden es aber ganz ok.

Der Ausflug ins Werk war dann, um einen hastig beschafften extra Bildschirm abzuholen. Jetzt können wir Nachmittags, wenn die Kinder Medienzeit haben, beide arbeiten – eine*r oben, eine*r unten. Dann muss abends nicht mehr ganz so viel nachgeholt werden.

Nachmittags dann Arbeit, da ist versehentlich was eskaliert und jetzt hab ich eine lustige kleine Covid19-Sache an der Backe, mal gucken, was daraus noch wird. Jedenfalls musste ich nach einem Telefongespräch mit anderen Leuten zwecks gemeinsamen Haareraufens erst mal meinen Kollegen anrufen.

Apropos Haare raufen: ich werd am Ende dieses Lockdowns echt schlimm aussehen, ich müsste eigentlich ca. jetzt dringend Haare schneiden. Ob ich Herrn Rabe ranlasse? Sieht ja eh keiner von nahem in den nächsten 3,5 Wochen.

Nach der Arbeit war ich dann das erste mal seit Freitag dem 13. mittags eine signifikant lange Zeit ohne die Familie, nämlich bei der Apotheke und ein paar Lebensmittel einkaufen – zu Fuß. 15 Minuten hin, 10 Minuten für die 2 Einkäufe, 20 Minuten zurück (bepackt und bergauf). Ehrlich gesagt war das sehr schön.

Huch, ein Haus! Das war da neulich noch nicht.
Supermarkt-Impressionen 1.
Supermarkt-Impressionen 2.

Was 45 Minuten für die Laune ausmachen.

Dass ich das immer wieder vergesse.

Abends sehr lecker gegessen (Crêpes mit Käse für die Kinder, Crêpes mit Champignons, Zwiebeln und etwas Käse für mich), Kinder ins Bett verfrachtet und dann ins Hochzeitsoutfit (!) geschmissen für die Twitter-Kneipe. Da kam neulich eine Frage: wir machen das über Zoom, der Host braucht da einen Account, die anderen loggen sich einfach ins Meeting ein. Sehr einfach und gute Qualität des Gesprächs.

Tag 1685 – Corontäne Tag 12.

Ein Tag der Anpassungen. (Eigentlich schon die letzten Tage, aber wir setzen es jetzt um.) Der Tagesplan wurde etwas umgestellt, nach einer gründlichen Evaluierung der implementierten Maßnahmen am Wochenende. Und zwar ist jetzt nach dem Essen erst Spaziergang/Draußenzeit FÜR ALLE, dann Aufräumen und dann Medienzeit. Wir erhoffen uns dadurch bessere Compliance bei Draußenzeit und Aufräumen und mehr frische Luft für die Erwachsenen. Auch diese Maßnahmen werden nach einer Woche kritisch bewertet und gegebenenfalls nachjustiert werden.

Naja und beim Essen wird auch immer mal hin und her verschoben.

Weiterhin wurde das Kanban-Board vervollständigt, ich ärgere mich jetzt schon über die schlechte Klebequalität der Post-it’s…

Jede/r eine Farbe und manche Tätigkeiten (Putzen…) stehen jeweils auf 2 Zetteln, sind ja 2 Erwachsene hier im Haus.

Wir haben unsere Steuererklärungen angepasst (alle Jahre wieder Ende März/Anfang April, weiter ganz einfach) und abgeschickt, unser Kreditzins fürs Haus wird angepasst (erheblich gesenkt, weil die norwegische Bank den Leitzins gesenkt hat), die Dauer der Kindergarten- und Schulschließungen wurde angepasst (verlängert) und das Wetter hat sich an die allgemeine Doomsday-Stimmung angepasst.

Sah in echt viel bedrohlicher aus.

Und ich hab jetzt die Maus wieder links. Aua, aua.

Tag 1684 – Corontäne Tag 11.

Tja, nichts passiert so richtig. Alles zäh. Finde die Kollegen doof, die sich über SO UNFASSBAR VIEL ARBEIT!!! beschweren, während ich reinste Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen machen soll. Das sind, so ungefähr jedenfalls, alle. Aber angeboten habe ich mich echt oft genug. Viel zu wenig Bewegung, die Schulter tut weh. Die Kinder Michel motzig. Alle nur zufrieden, während man draußen ist und das ist man zu kurz. Nicht mal wirklich Bilder habe ich gemacht.

Es sprießt schon was!
Wir haben jetzt ein Familien-Kanban-Board. Meine Zettel hängen noch nicht, morgen zeige ich das mal detaillierter.

Tag 1683 – Corontäne Tag 10.

Wir haben uns heute an eine Familie gebunden, die nun unser Kontakt für die nächsten Wochen wird. Gegenseitig. Und falls die Maßnahmen nicht – wie in Deutschland – doch noch verschärft werden. Die Wahl fiel, aus Gründen, auf B. und seine Eltern. Wir haben da nämlich ein Projekt, wir nennen es Casa Corona und es wird ein Baumhaus im Wald für die Jungs.

Michel fremdelte zunächst sehr mit der Situation. Das wird noch lustig, wenn hier irgendwann wieder normaler Betrieb losgeht (sicher nicht nächsten Freitag wie ursprünglich geplant). Es brauchte etwa eine halbe Stunde, bis sich Michel traute, ins Haus der Freunde, wo er schon drülfzig mal war, zu kommen.

Nach einem kleinen Update drinnen und einer Runde Händewaschen für alle ruinierten wir dann den Unterboden des Prius endgültig (es fielen weitere zwei Teile ab) und wir denken jetzt doch verschärft über den Kauf eines Traktors als neues Auto nach, aber so weit ist es auch wieder nicht zum Casa-Corona-Wald und wir wissen jetzt ja, dass das Auto für den Weg nicht geeignet ist. Jedenfalls war es da total schön und der ganze Nachmittag nahezu normal und so dringend nötig und dass wir eine Waldbrandwarnung haben, haben wir erst hinterher gesehen, ’schwör!

Wir haben sogar noch Würstchen über dem Feuer gegrillt. Wir sind so eingenorwegert!

Ansonsten: mir geht’s nicht so gut, das merkt man daran, dass ich um halb sieben wach war, nicht mehr schlafen konnte, und um viertel vor acht aufstand um das Bad zu putzen. Ich finde den Film nach wie vor scheiße.

Tag 1682 – Corontäne Tag 9.

Heute ist nicht viel passiert. Wir haben alle ein wenig Lagerkoller und es knirscht weiter hier und da. Pippi macht viel Show, Musik, Geschichten erzählen, Schauspiel. Michel möchte seine Ruhe. Wir alle bräuchten mal eine Weile ohne die anderen, aber. Haha. Ha. (Nur noch vier Wochen oder vier Monate oder so, oha wo ist der Schnaps.)

Ordnung ist wichtig, wenn eh alles chaotisch ist. Mich nervte schon lange meine Strumpfhosenschublade. Ich habe ein Strumpfhosenproblem, das weiß ich, das Problem ist darin begründet, dass ich immer neue kaufe, sobald ich schöne im Angebot finde. Ähäm. Tja. Jedenfalls habe ich heute aufgeräumt.

Eine habe ich an, eine ist in der Wäsche.
Nachher. Eine war kaputt, eine war eigentlich eine Wollleggins von Michel und für die Leggins (neben der Schublade) muss ich einen anderen Platz finden.

Ich muss dringend aufhören, Strumpfhosen zu kaufen.

Tag 1681 – Corontäne Tag 8.

Es knirscht und holpert und ist einfach anders und einfach ist anders. Aber es muss ja. Und deshalb wird es auch.

Ich hatte heute den Schul-Teil des Tages und habe den dazu genutzt, mit den Kindern nahezu zu machen, was auf dem Stundenplan stand, nämlich Blumen pflanzen. Ich erzähle lieber nicht zu viel darüber, wie das war. Ich bin ein Kontrolletti und das klappt mit wuseligen Kindern eher mäßig.

Blumenkreißsaal.

Draußen guckt der Rhabarber aus der Erde, sonst aber leider noch nichts.

Mittags durfte ich meine neue Sonnenbrille abholen. Morgens Blutprobe. Beides sehr Corona-gekennzeichnet. Beim Arzt durfte ich ausnahmsweise im Wartezimmer warten aber auch nur, weil da niemand anderes saß. Andere Patient*Innen sollten draußen warten und wurden angerufen, damit sie rein kommen können. Das selbe beim Optiker: ich wartete im Auto auf meinen abgemachten Termin, während drinnen die Optikerin über alle Oberflächen putzte, die der vorherige Kunde angefasst hatte. Optiker haben hier auch seit Montag eigentlich Zwangs-zu, die Brille durfte ich nur abholen, weil ich sie lange vor den Maßnahmen jetzt bestellt habe. Und eben einzeln und nach Terminabsprache und mit minimalem Kontakt zur Optikerin. (Bild vielleicht morgen.)

Ich finde das alles gruselig. So stelle ich mir die Angangssequenz aus Zombie-Filmen vor, die ich aus Gründen nicht gucke.

Mittag bis später Nachmittag: Arbeit. Meetings (Remote) und Anleitungen für die Kolleg*Innen basteln. Es ist kompliziert.

Es ist etwas verstörend, zu sehen, dass der Kollege sich nicht rasiert und die Kollegin sich nicht schminkt, andererseits sitze ich auch ungeschminkt vorm PC.

Es braucht wohl alles noch ein bisschen Gewöhnung.

Tag 1680 – Corontäne Tag 7.

Hrgls ich muss eigentlich echt dringend ins Bett. Meine Augen sind schon ganz klein.

Ich freue mich ein bisschen darauf und darüber, meinen Kolleg*Innen all die schönen Arbeitstools nahezubringen, die wir ja eigentlich schon eine Weile bis zufällig vor kurzem bekommen haben, aber nicht in Betrieb genommen haben. Ich bin die ganze Zeit voll pädagogisch (finde ich) und schreibe immer z.B. wo man welche Daten findet. Das Screenshot-Tool ist mein bester Freund und ich schreibe das erste Wiki meines Lebens. Und dann schreibe ich eine Mail, wo steht, wo man in Teams das Wiki findet. Aber das wird schon alles werden, mir macht sowas ja Spaß und es ist DIE Gelegenheit, alles vom vollgemüllten Server zu retten, was wirklich gebraucht wird und den Rest in Gorleben umzubenennen.

Wir haben heute Blumenerde gekauft. Nicht so viel, wie ich wollte, aber schon viel. Dazu bin ich mit den Kindern zur Miljøstation gefahren und habe Komposterde in Säcken auf dem einsamen Parkplatz in den Kofferraum geworfen, danach habe ich kontaktlos mit Karte bezahlt. Menschlicher Kontakt: quasi 0. Der Frühling kann jetzt kommen.

Eigentlich ist der Frühling schon da. 12 Grad und warme Sonnenstrahlen!

Spaziergang ohne Menschen. Die drei, die wir trafen, machten einen sehr weiten Bogen um uns und wir um sie.