Tag 3441 – Kebab.

Nachdem wir ja tagelang nur rumgegammelt haben und wegen Wetter bzw. Untergrund (vereist) das Haus nicht verlassen haben, sind Herr Rabe, Michel und ich heute in die Hauptstadt gefahren. Die Kinder haben neue Handys zu Weihnachten bekommen, aber wir hatten noch keine Bumper besorgt und das wollten wir heute tun. Erst habe ich mich total gefreut. Dann wurde mir klar, dass das bedeutet, dass da überall Leute sind. Leute, die im Zug laut telefonieren. Leute, die im Zug laut mit ihrer Freundin diskutieren („Du schenkst mir nen DILDO??? Würdest du deiner Mutter erzählen, dass du mir nen DILDO schenkst???“). Leute in Oslo die da Dinge tun, Bumper kaufen und ähnliches. War eigentlich doch ganz schön zu Hause.

Aber weil wir dann ja schon mal da waren, erfüllten wir Michel noch einen Wunsch und gingen Kebab essen. Er hat nämlich behauptet, er habe das noch nie gegessen und als Deutscher (!) geht das ja nicht. Das traditionelle deutsche Essen, der Döner. Aber hey, besser als wenn er sich Eisbein wünscht. Herr Rabe hatte auch eine Dönerbude mit echtem Dönerspieß aufgetan (hier kommt sonst so ne Beleidigung des Begriffes Kebab oft aus der Pfanne, ist also eigentlich Geschnetzeltes), der auch „bisschen scharf“ anbot und es fühlte sich alles sehr heimisch an. Jedenfalls für Herrn Rabe und mich. Michel war nicht so sehr angetan, das war ihm alles ein bisschen zu durcheinander. Aber jetzt hat er es mal probiert.

Tag 3439 und 3440 – Sehr geruhsame Weihnachten.

Wir machen ungefähr nichts außer essen.

Wobei, das stimmt nicht ganz, also erstens muss das Essen ja auch zubereitet werden und zumindest ich schiebe täglichen Sport und tägliches Geige spielen irgendwo ein. Heute allerdings nach einer absurd langen Blob-Phase, zwischen Sofa und Esstisch pendelnd und nichts sinnvolles tuend. Aber ehrlich gesagt, an Zyklustag 33 (what the eff das nun wieder soll, so ganz generell) habe ich keinerlei Motivation für irgendwas außer rum-bloben. Das einzige, was mich in die Sporthose bekommen hat, war meine eiserne (mitunter ans selbstschädliche grenzende) Selbstdisziplin, Bedürfnis nach Routinen und Kontrolle und die Aussicht auf Klöße mit Bratensauce. Letzteres in Mengen, die normale Portionsgrößen übersteigen, und statt Chips auf dem Sofa noch einen extra Kloß.

Pippi übernachtet heute mit ihrer Freundin M. auf der Hütte von deren Großvater, wir haben also nur ein Kind da. Michel wurde mit sanfter Gewalt dazu gezwungen, mit seinen Eltern Zeit ohne Bildschirme zu verbringen und wir spielten „Taco, cat, goat, cheese, pizza“. Das ist ein sehr lustiges Kartenspiel mit sehr einfachen Regeln, und auch Michel hatte sichtlich Spaß daran. Das Spiel erinnert mich an Halli Galli, das wir vor 30 Jahren bis zum Abwinken und bis die Glocke zerdellt war, gespielt haben. Bei Taco, cat, goat, cheese, pizza haut man sich nur die Finger selbst kaputt, vor allem die von uns, die ihre Kraft im Eifer des Gefechts nicht unbedingt super toll unter Kontrolle haben (also mich und Michel). Nach einer halben Stunde haben wir deshalb auch lieber aufgehört, da hatte auch jeder von uns ein mal gewonnen. (Wir haben übrigens die zweite Auflage, Taco, BACK, goat, cheese, Pizza, wo man noch extra aufpassen muss, wie rum die Bilder sind, und wie rum man dann die Hand auf den Tisch hauen muss. Sehr lustig.) Ich bin sehr froh, dass man mit Michel inzwischen auch solche Spiele ganz gut spielen kann, ohne dass er irgendwann mit Karten um sich wirft, weil der Frust des Verlierens nicht aushaltbar für ihn ist. Nicht, dass er jetzt super gut im Verlieren wäre, bin ich ja selbst bis heute nicht, aber er hat gelernt, damit umzugehen und dass das auch zum Spaß beiträgt, wenn es ein bisschen spannend bleibt.

Apropos Spielen: abends haben Herr Rabe und ich dann noch die erste Folge der neuen Staffel Squid Game geguckt. Die ist gewohnt, ähm, erbaulich. Minimal traurig ist nur, dass ich nur sporadisch mal Fetzen verstehe, aber immerhin kann ich ein bisschen was lesen und erkenne dann auch Wörter wie „Straße“ und „Lied-Haus“ (Karaokebar) und kann Namen lesen und so. Yeah, I guess. Irgendwann lerne ich das noch mal ordentlich.

Tag 3438 – Frohe Weihnachten!

Oder geruhsame Feiertage, je nachdem, wie Sie es mögen.

Ich habe was für Sie, ein Geschenk, wenn Sie so wollen. Das Geschenk ist, dass ich Ihnen allen, die das hier lesen, soweit vertraue, dass ich das hochlade. Es ist nicht perfekt, und deshalb ist es für mich wirklich was besonderes. Es kommt von Herzen und wir tun jetzt alle so, als wäre ich so 8 und Sie meine Eltern und Großeltern, und alle so oaaahhh, wie schön.

Deal? Deal.

https://youtu.be/Hb8OMuTLbGI?si=t_0OdH4qla8SUXV9

Tag 3437 – Mehr Weihnachtsvorbereitungen.

Der große Küchentag. Es wurde gekocht, vorbereitet, Kekse gebacken. Der Kühlschrank ist wieder um die Rumpelkammer am Carport erweitert („Sportsbod“ nennen die Norweger das, denn man soll dort eigentlich seine Skier und Fahrräder lagern. Bei uns sind es eher Kühltaschen, Schuhe die grad nicht Saison haben, Vorräte, Autoputzmittel, Werkzeug, Altglas, etc.). Ich habe die erste und vermutlich letzte Rinderbrühe meines Lebens from scratch gekocht. Da steht Aufwand ungefähr in keinem Verhältnis zum Ergebnis und vermutlich könnte man auch für den Preis der Zutaten und der Stromkosten ein paar Gläser ziemlich guten Rinderfond kaufen. Also wenn man nicht immense Befriedigung daraus zieht, so etwas selbst zu machen (das tue ich nicht), kann man seine Zeit getrost für was anderes verwenden.

Herr Rabe war heute dankenswerterweise noch die Reste einkaufen (also Lebensmittel), weshalb ich auch heute das Haus bewachte. Immerhin kamen die Geschenke für die Kinder heute an. Es wurde auch Zeit.

Abends hat Herr Rabe mit den Kindern den Weihnachtsbaum geschmückt. Der sieht jetzt sehr schön aus. (Ich stand in der Küche und machte Abendessen.)

Tag 3435 und 3436 – Weihnachtsvorbereitungen.

Hier passieren so Dinge, die gewöhnlich kurz vor Weihnachten passieren. Last Minute Geschenke werden gekauft, gestern haben wir einen Weihnachtsbaum geholt, Essen wird geplant und vorbereitet. Ich habe gestern beim Bauern Kartoffeln gekauft, war aber schlau genug, erst mal eine davon als Test zu kochen und nope, diese Sorte wird sich nicht zu normalen Salzkartoffeln machen lassen. Aber die wird bestimmt zu guten Klößen. Für „Janssons Frestelse“ (eine traditionelle schwedische Kartoffelbeilage) brauchen wir allerdings andere Kartoffeln, die nicht zerfallen, bevor sie überhaupt gar sind. Note to self: „Hoff“-Kartoffeln sind nicht aus Witz DIE Pommes-Kartoffeln, die sind halt zu nix anderem zu gebrauchen. Schmecken auch enttäuschend wenig. Ich bin von diesen Kartoffeln echt unterwältigt.

Abends haben wir gestern mit Pippi Harry Potter gesehen, wir sind jetzt beim 6. Teil. Es ist ziemlich gruselig und sie hängt einem quasi dauernd auf dem Arm, aber möchte unbedingt weiter gucken. Gestern war sie dann aber genau passend zu der Stelle, wo Harry und Dumbledore aufbrechen, um dieses Medaillon von der Insel mit den Inferi zu holen, zu müde, und dann haben wir die wirklich schlimme letzte halbe Stunde des Films heute nachgeholt.

Pippi findet Knutschen in Filmen immer noch sehr eklig. Knutschen in echt auch, das wird bei Herrn Rabe und mir immer mit sehr angewiderten Geräuschen kommentiert.

Herr Rabe und ich haben endlich an unserem Exit-Adventskalender weitergerätselt. Wir hinken da ein paar Tage hinterher, aber es ist wieder sehr lustig.

Unsere anderen Adventskalender sind Tee-Adventskalender von dm, da waren bisher nur wenige (vielleicht so 3?) Tees dabei, die ich wirklich gar nicht mochte, aber einer davon war heute. Ich mag wirklich echt keinen grünen Tee. Wirklich gar nicht. Ich hab’s probiert, aber nee. Nicht für mich. Ein anderer, den ich gar nicht mochte, war einer, der schmeckte, als würde man sich Meerschweinchenheu als Tee aufgießen. Also, das ist bestimmt für andere ein Hochgenuss, aber ich bleibe bei Früchte- und Kräutertees und mache weiter um Gräser und Grünen (und schwarzen und weißen und so weiter) Tee einen weiten Bogen.

Heute Abend habe ich mir ein halbes Glas Rotwein, den Rest aus einer Flasche, an der ich schon ewig rumtrinke, eingeschenkt. Pippi fragte daraufhin, ob das „koffeinfreies Bier“ sei. Ich finde, das ist eine Markt- oder zumindest eine Marketing-Lücke.

Tag 3430 – Schubidu.

Zu allererst mal Danke für alle Ihre lieben Worte! Ich freue mich da wirklich sehr drüber! Weiß gar nicht, was ich sagen soll, ohne dass es cheesy wird. Sie sind alle sehr lieb!

Von der Arbeit gibt es heute nicht so richtig was zu erzählen. Viele sind schon im Urlaub. Ich schiebe eine ruhige Kugel und reiße mir zur Abwechslung mal nicht ein Bein aus, um irgendwas „fertig“ zu kriegen, als gäbe es kein nächstes Jahr. Was es gibt, ist ein sehr gut gefülltes Überstundenkonto, und das wird dann jetzt mal ein klitzekleines bisschen reduziert, so 30-45 Minuten an 2-3 Tagen der Woche. Wow, nicht wahr.

Heute habe ich zum Beispiel die Zeit genutzt, um früh nach Hause zu fahren weil ich schon um 17 Uhr Ballett hatte. Das war eine Sonderstunde, eigentlich ist das Semester vorbei, aber wir Erwachsenen wollten gerne ne Extra-Stunde machen und durften die Räumlichkeiten netterweise nutzen. Unsere Vertretungslehrerin hat uns ganz schön gequält und ich sehe schlimmen Wadenmuskelkater in meiner näheren Zukunft. Aber schön war’s. Danach haben wir alle noch einen Kaffee zusammen getrunken, das war auch sehr schön. Ich mag die Ballettladies sehr gern. Hach.

Abends Geige geübt, das war auch sehr schön. Und jetzt Bett, das ist noch viel schöner.

So langsam freue ich mich auch auf Weihnachten. Im selben Takt wie sich meine Schultern senken, steigt bei mir die Weihnachtsstimmung.

(Mich dünkt, man sagt auf deutsch gar nicht „im selben Takt“, kann das sein? Schade eigentlich, denn es ist ein schöner Ausdruck. Hiermit ist er im Zweifel eingeführt. So.)

Tag 3087 – Ausführlicher.

Ein bisschen ausführlicher, wie es uns über die Feiertage so ergangen ist.

Heiligabend. Wir feierten beim Schwiegervater, mit Tante H. und meiner Mutter, die ich abholte, während Schwiegervater und Schwägerin in der Kirche waren. Wegen Augentralala, das man halt mal so hat, wenn man älter wird, kann meine Mutter zur Zeit nicht gut im Dunkeln Auto fahren. Aber wir sind ja mit dem Auto hier, also alles kein Problem, außer Kackwetter und dass ich mich auf dem Weg echt fast verfahren hätte. Außerdem absurd viele Geschwindigkeitsbegrenzungswechsel und Ampeln, überall Ampeln, alle hundert Meter ne Ampel! Liebes Deutschland, ich hab nen Geheimtipp für euch: Fußgängerunterführungen!!! Und Kreisverkehre. Trotzdem war ich noch vor beendeter Kirche mit meiner Mutter wieder bei meinem Schwiegervater und konnte noch Herrn Rabe beim Kochen etwas zur Hand gehen. Es gab Lachs und dazu Kartoffeln und Brokkoli aus dem Ofen, mit eigentlich Aioli, aber auch Sauce Hollandaise für die eher traditionellen Teile der Familie. Das Gute an Sauce Hollandaise ist, dass wir einen Haufen Eier unbekannten (aber vermutlich eher hohen) Alters aus des Schwiegervaters Kühlschrank wegkochen konnten. Alle noch gut, ich habe sie einzeln ausgiebig beschnuppert. Nach dem Essen und großen Portionen Eis zum Nachtisch gab es Bescherung – aber erst noch ein kleines, sehr niedliches Konzert von Pippi und ein Weihnachtsgedicht von meiner Mutter. Beschenkt wurden die Kinder reichlich und die Erwachsenen nicht ganz so reichlich. Herr Rabe und ich haben uns ja schon vor einem Monat den neuen Fernseher geschenkt. Ansonsten gab es Zirkuskarten für alle. Es war alles sehr gemütlich und beschaulich. Kein Singen, ich weiß nicht, warum.

Am 1. Weihnachtsfeiertag gab es erst Mittagessen beim Schwiegervater, in der gleichen Besetzung wie Heiligabend plus Onkel J. samt Frau. Hirschgulasch vom Caterer, gewürzt für „es muss halt jeden Geschmack treffen“, das war ein bisschen schade. Es hätte durchaus noch was dran gekonnt, sowohl Säure als auch Schärfe. Aber man meckert ja nicht übers Weihnachtsessen, also Schwamm drüber. Vollgefressen ging es mit allen in den Zirkus FlicFlac. Wie auch schon vor zwei Jahren war das sehr gut, hat auch den Kindern sehr gefallen und alle gut unterhalten. Ich fand dieses Mal die Diabolo-Artistengruppe am besten, die hatten, zumindest augenscheinlich, selbst sehr großen Spaß an ihrer Nummer. Beim Rausgehen aus dem Zelt kurzer Eklat, weil ich Pippis Popcorn aufgegessen hatte, weil ich dachte, es sei Michels, der das nicht mehr wollte. Wir setzten die Kinder beim Schwiegervater ab und dann brachten Herr Rabe und ich meine Mutter nach Hause und bekamen noch eine Führung durch das zu 80% fertig renovierte Haus. Das nimmt tatsächlich langsam Form an und meine Mutter freut sich sichtlich (und verständlicher Weise, auf einer Baustelle leben ist einfach kacke) auf die restlichen 20%. Ich habe als Lektion für mich mitgenommen: Handwerker erst nach getaner Arbeit bezahlen, sonst hat man hinterher ne Tür, die aussieht, als hätte man sie selbst lackiert. Mit einer Hand hinter den Rücken gebunden. Und der anderen Hand in Gips. Aber die Tür gehört zu den 20%, die noch mal gemacht werden. Bald irgendwann.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag schliefen wir erstmals länger als bis halb neun, jedenfalls war das der Plan, ich war dann um acht wach. Ja, Fraktion Lerche guckt schockiert, für uns, insbesondere mich im Urlaub, ist das früh. Wir ließen es gemütlich angehen und weihten nachmittags die Kinder in das Konzept „Spaßbad“ ein. Das war sehr schön, vor allem weil die Kinder groß genug sind, um allein 285 mal zu rutschen und sich 163 mal durch den Strömungskanal spülen zu lassen. Vielleicht sind wir auch total gleichgültige Eltern, die meisten Kinder im Alter von unseren waren in ständiger Armreichweite eines Erwachsenen. Ich rede uns damit raus, dass das in Norwegen deutlich normaler ist, die Kinder einfach ölen zu lassen. Schwimmen können sie beide, es ist kein offenes Meer oder ein menschenleerer Tümpel im Wald, und ich muss nicht 285 mal rutschen (und im Treppenhaus anstehen, wo es furchtbar hallt und viele aufgeregte Kinder sich nicht grad in Zimmerlautstärke unterhalten, garniert mit gelegentlichen Quietschern und Jauchzern ohne Vorwarnung aus dem Schalltrichter der Rutsche). Die Kinder hatten (beide) die beste Zeit ever und waren eigentlich nur mit Gewalt nach den 4 Stunden Badezeit aus dem Schwimmbad zu entfernen.

Das waren die letzten drei Tage. Heute waren wir erst mit Pippi auf dem Weihnachtsmarkt (Michel muffelte herum weil er seinen Manga lesen wollte und blieb schlussendlich ganz zu Hause) und aßen lauter leckeren, ungesunden und frittierten Quatsch. Danach fuhren wir alle zu meiner Tante und verbrachten den Rest des Tages da, das war sehr schön, sehr entspannt, und sogar meine „kleine“ Cousine war da. Die war neulich noch so! Jetzt ist sie bald mit der Berufsschule fertig! Verrückt. Herr Rabe nerdete ein bisschen mit meinem Onkel über Bässe ab und spielte ein bisschen mit seinen neuen in-ears herum. Michel bekam irgendwann einen Laberflash, als er sein Buch ausgelesen hatte. Da ist er ja sehr niedlich, aber auch ein bisschen anstrengend in seinem Engagement. Aber es war ein wirklich schöner Nachmittag und Abend. Hachz.

Tag 3078 – Mehr Weihnachten!

Die Weihnachtsstimmung mag sich nicht so richtig einstellen. Daran ändert auch nichts, dass das Haus nach Keksen riecht (vielleicht schaffe ich es dieses Mal ja, Schokolade drauf zu machen, bevor sie aufgegessen sind) und dass Michel heute bei einem Baum anzünden* mit dem Korps gespielt hat. Mit Mitsingen, ich muss echt endlich mal diverse norwegische Weihnachtslieder auswendig lernen**. Weihnachtsfilme, Weihnachtsmusik, wir machen alles eigentlich richtig, ich möchte trotzdem eigentlich nur meinen Kopf in eine Kiste mit Weihnachtsschmuck stecken und so tun als wäre ich nicht da.

Noch zwei Tage Arbeit, ein Tag Wahnsinn*** und dann nach Deutschland fahren.

Klingelingeling.

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*Man zündet eigentlich nicht den Baum an, sondern nur die Lichter daran, und dabei läuft man im Kreis drum rum und singt Lieder. Aber es heißt nunmal Weihnachtsbaumanzünden.

**noch eine Anekdote von gestern: der Dirigent kündigte das letzte Stück der Gruppe an mit „also das letzte Stück, bevor das kommt, was immer kommt, ne? *zwinker zwinker*“ und alle lachten. Michel flüsterte mir zu „Mama, was kommt dann?“ und ich flüsterte zurück „Ich weiß auch nicht!“ Was kam war: alle singen „Deilig er jorden“. Was obendrein ein Lied ist, dessen Melodie ANFÄNGT wie ein deutsches Weihnachtslied (das mir grad nicht einfällt, aber in dem Moment aus dem Rückenmark kommt) aber dann nach den ersten zwei Zeilen ganz anders weitergeht. Quasi ein musikalischer false friend, dessen Text ich nicht kann. Irgendwas mit pilgern und Erlöser und insgesamt sehr christlich.

***Packen, Aufräumen, Dinge fixen (hab ich erwähnt dass mein Mantel kaputt ist? Mein Mantel ist kaputt, ich habe ein enormes Loch mitten in den Stoff gerissen weil ich wo hängen geblieben bin und muss jetzt einen anderen Mantel tragen, wo das Schnittmuster von der Marke ist, wo immer die Ärmel zu eng sind. Was ich noch nicht wusste als ich den Mantel nähte. Ich kann den kaputten Mantel reparieren, aber musste erst mal eine Weile überlegen, wie, weil der gewebte Stoff rund um den Riss irgendwie stabilisiert werden muss. Unsichtbar wird das eh nicht, also Scheiße mit Schwung in Kontrastfarbe, aber mir kam auch erst heute eine Idee wie ich das stabilisieren kann ohne den halben Mantel aufzutrennen. Da hab ich dann also Mittwoch Zeit für während ich packe und für Urlaub aufräume, haha.), Herr Rabe hat ein Weihnachtsdings, wir haben noch keine Weihnachtsgeschenke, beide Erwachsene haben Musikdinge, zeitgleich und abends. Toll, was könnte schon schief gehen.

Tag 3077 – Weihnachtlich.

Am ersten Tag mit Tauwetter seit ewig machten Michel und ich uns heute auf den Weg in die Hauptstadt, um das Weihnachtskonzert meines Lieblingskollegens anzugucken. Der spielt in einer Janitsjar, also sowas wie einem Korps, und zwar seit… mehreren Jahrzehnten in der selben Janitsjar. Die sind schon recht gut, aber noch nicht so unerreichbar gut wie die Garde zum Beispiel und außerdem mag ich den Lieblingskollegen. Der macht zwar aus seinem Privatleben immer ein großes Geheimnis, aber ich habe mich mal wieder aufgedrängt und der Lieblingskollege hat sich auch aufrichtig gefreut. Michel habe ich mitgeschleppt, damit der mal aus dem Haus kommt und weil er im Frühjahr auch schon mal mit war und das ganz gut fand. Das Konzert war dann auch wirklich gut, eine schöne Mischung aus traditionellen und moderneren Weihnachtsstücken und als Bonus ein recht abgefahrenes Saxophon-Quartett, das nichts mit Weihnachten zu tun hatte. Michel fand es auch gut und möchte beim nächsten Mal wieder mit kommen (dabei waren wir dieses Mal nicht mal hinterher Sushi essen).

Anekdote: vorher waren wir noch schnell ein Buch zurück geben, das ich versehentlich doppelt gekauft habe, und selbstverständlich ist es an einem Samstag eine Woche vor Weihnachten in Oslo unerträglich voll. Michel hatte zwar sein Auge auf Paradiesäpfel geworfen, die da wohl auf dem Weihnachtsmarkt verkauft wurden, und wir standen auch vor dem Eingang zum Weihnachtsmarkt (der ist da abgegrenzt und umzäunt, wahrscheinlich damit die besoffenen Büroangestellten sich post Weihnachtsfeier nicht zwischen den Buden verlaufen). Da fragte ich Michel aber, ob es total schlimm wäre, wenn wir das mit dem Paradiesapfel sein ließen, und er sagte, nein, gar nicht schlimm und da auch viel zu viele Leute. Es gab dann lieber ein HotDog vom Kiosk an der Bahnhaltestelle. Später beschwerte sich Michel noch darüber, dass alles komisch riecht und alles durcheinander riecht „Essen, Parfüm, Kamin, und die Bahn riecht nach nassem Dreck, das ist zusammen total eklig!“ und ich konnte dem nur beipflichten. Ich möchte noch „nasse Wollkleidung“ und „Füße die den ganzen Tag in dicken Stiefeln stecken“ auf der Gruselgeruchsliste hinzufügen. Im Winter riechen Leute einfach nicht gut.

Abends rätselten Herr Rabe und ich am gemeinsamen Adventskalender weiter, bis es sehr spät war und mein Kopf auch nicht mehr ganz dabei war.