Tag 3856 – Durchschnitt.

Also so im gewichteten Mittel war der Tag ok. Stellenweise war er doof, muss ich sagen. Ich hab mich kurz mit Herrn Rabe in den Haaren gehabt und die Kinder wollte ich auch kurz aussetzen, die Schule (besser gesagt: die anderen Eltern) regen mich alle sehr auf und zwischendurch war ich auch nicht motiviert, irgendwas sinnvolles zu tun. Aber nachdem ich meinen Hintern zum Sport gehievt hatte (das ist ja nicht so weit, nur bis ins Hobbyzimmer) und das durchgezogen hatte, gekocht hatte und Geige gespielt hab, ging es mir deutlich besser.

Apropos Geige: waruuuuum muss man ne halbe Etüde Caprize in der 4. Lage in E-Dur schreiben? Die vierte Lage ist doof, E-Dur ist doof, das ist alles doof. Pierre Rode muss ein ziemlicher Sadist gewesen sein. Tonarten mit mehr als drei Vorzeichen kann man auch einfach abschaffen, finde ich. So.

Tag 3850 – Gut.

Geigenstunde war richtig gut. Also, ich hab gut gespielt von Anfang an (das ist ja schon mal was. Nach nur zwei oder drei? Jahren oder so habe ich aufgehört, mich jedes Mal vor meinem Lehrer halb einzupullern vor Angst). Dann habe ich Tipps bekommen und dann habe ich tatsächlich direkt noch besser gespielt und dann noch mal besser und das war alles sehr sehr gut fürs Selbstwertgefühl. Dann haben wir noch kurz die neuen Stücke fürs Orchester angeschaut, das ist moderner Folk, was ich einfach noch nie, überhaupt gar nicht, gespielt habe. Habe ein paar Tipps fürs Feeling bekommen und bin dann sehr zufrieden nach Hause gefahren.

Da habe ich Michel beim Aufräumen und Staubsaugen ein Stück weit geholfen (das war anstrengend) und dann hab ich kurz mit dem Lieblingskollegen telefoniert, was sehr nett war. Wir haben beide nämlich bis zur letzten Minute prokrastiniert, zu den angekündigten Organisationsänderungen unseren Senf dazu zu geben. Also haben wir kurz darüber gesprochen und dann… über alles mögliche andere. Musik, zum Beispiel.

Abends habe ich gekocht, sehr leckeres Curry mit Lachs, und dann versucht, Pippi ins Bett zu bringen. Das hat nicht so funktioniert, weil sie wieder nicht schlafen kann. Aber immerhin konnte ich bei dem Versuch Folge 5 von Heated Rivalry gucken (mit Kopfhörern und so, dass Pippi auf keinen Fall was davon zu sehen bekommt). Und Folge 6, nachdem Herr Rabe mich abgelöst hat. Hach, das war so schön. Wenn man einer Serie über schwule Icehockeystars nicht abgeneigt ist, in der es auch sehr viele sehr explizite Szenen gibt, ist das eine sehr schöne und romantische Serie. Der Hype ist wirklich gerechtfertigt.

Tag 3840 und 3841 – Schockschwerenot.

Gestern wurde ich zum zweiten Mal wach (das erste Mal war ich, wie an allen letzten Tagen, gegen fünf Uhr wach) mit der schockierten Erkenntnis, dass am Dienstag Konzert ist und ich seit… zehn Tagen oder so nicht Geige geübt hatte. Also gar nicht, nicht mal ein bisschen. Hilfe! Also habe ich gestern geübt und heute auch und huff, ich hab nicht alles vergessen! Die Muskeln erinnern sich ja auch.

Apropos Muskeln: die größeren Muskeln meines Körpers habe ich seit fast drei Wochen nicht benutzt, das Hotel in China hatte keinen Fitnessraum. Und an den Abenden, wo ich ne halbe Stunde bis Stunde vom Schlaf abzwacken konnte, habe ich lieber Geige gespielt (die E-Geige war zu diesem Zweck eine gute Anschaffung und der Transport auch kein Problem, Businessclass hat ja glücklicherweise reichlich Platz für Handgepäck) als im Hotelzimmer auf dem Teppich rumzuhüpfen. Mir graut davor, wieder in die Gänge zu kommen mit Sport, es ist immer der Anfang, der am schwersten fällt.

Heute erster Tag an dem ich mich insgesamt normal und auch normal belastbar gefühlt habe.

Mit Michel allein zu Hause zu sein ist sehr angenehm. Da erzählt er auch mal was und ist allgemein überaus kooperativ und hilfsbereit. Ich fürchte, im Alltag kriegt er zu wenig 1:1-Kontakt mit einem von uns Erwachsenen. Da muss ich mal überlegen, wie wir uns da Inseln für schaffen können.

Tag 3822 – Bachliebe.

Also, ich bin ja seit dem Sommer in diesem kleinen, lokalen Kammerorchester. Das habe ich nicht so viel erzählt, glaube ich, es war mir irgendwie ein bisschen unangenehm, falls ich doch ganz schnell wieder austrete. Aber es ist wirklich sehr nett. Die (ausschließlich) Damen sind zwischen 16 und 50 und spielen zwischen 1 und 20 Jahren lang Geige oder Bratsche. Wir haben leider keine Celli und schon mal gar keinen Kontrabass, beides wäre nice. Andererseits können so die beiden, die seit einem Jahr erst spielen, eine modifizierte Cellostimme spielen. Solange wir uns kein Cellokonzert vornehmen, passt das schon.

Dieses Kammerorchesterchen war voller Begeisterung, dass ich da auftauchte. Das ist sehr ungewohnt, ich bin ja echt nicht gut, also, ich bin so ok, und gut genug für vieles, aber wahrlich nicht herausragend in irgendeiner Form. Aber – ich übe und ich hänge mich echt rein. Also so gesehen ist das schon berechtigt mit der Begeisterung. Ich wurde direkt in die erste Geige gesetzt und es wurde beschlossen, dass wir dann ja Eine kleine Nachtmusik spielen können, mit jetzt dann 2 fähigen ersten Geigen. Was, im Übrigen, enorm Spaß macht, zu spielen. Ein richtiger Banger aus dem 18. Jahrhundert. Aber… kurz dachte ich, haben die gehört, wie ich spiele? Dann schluckte ich das runter, fing an zu üben, schrieb eine „Hilfe!“ Mail an meinen Geigenlehrer, und vier Wochen später hatten wir unser erstes Konzertchen im Altersheim. Nur der erste Satz und ein paar weitere, einfache Stücke. Das ging überraschend gut, Altersheim ist ein sehr dankbares Publikum die hören schlecht und vergessen alles sofort wieder.

Jetzt sollen wir aber in drei Wochen ein richtiges Konzert haben, mit der kompletten Nachtmusik (der vierte Satz kommt mir langsam zu den Ohren wieder raus), noch zwei weiteren, eher einfachen Stücken, und ein paar Soli und Duetten. Ich wurde gefragt, ob ich nicht mit der anderen ersten Geige ein Duett spielen könne. Ja klar. Whatever. Geht schon. Die andere erste Geige wohnt Luftlinie 20 Meter von uns entfernt, nämlich quasi unter uns am Hang. Und ist die Mutter von einem Kind aus Michels Stufe, weil das hier halt ein Kaff ist. Wir hatten bisher nicht viel Gelegenheit zum Üben, weil sie grad zur Reha war, aber jetzt ist sie wieder da und aus Mangel an Zeit, was komplett Neues zu üben (ich bin ja dann auch erst mal nicht da), fiel unsere Wahl auf das Bach Double Concerto, und zwar den 2. Satz. Der ist schön, nicht so bekannt, relativ einfach und ein schöner Kontrast zu den anderen Stücken, ohne sich komplett krass abzuheben.

Heute haben wir uns dann zusammengesetzt und zusammen geübt und das war toll. Richtig schön. Wir sind wirklich beide etwa auf dem gleichen Niveau, und konnten quasi direkt durchspielen. Bis auf ein paar rhythmisch etwas herausfordernde Stellen ging das wie am Schnürchen. Und das Stück ist einfach so schön, hach. Ein paar Mal habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Ich muss mich da am Riemen reißen, um mich nicht wegzuträumen. Ich mag besonders, dass das Stück wie ein Tanz ist, man macht immer wieder was gleichzeitig, aber unterschiedlich, man lässt mal dem einen, mal dem anderen den Vortritt und tritt selbst in den Hintergrund, mal macht man parallel das gleiche. Alleine macht es nicht mal halb so viel Spaß, wie zu zweit.

300 Jahre alte Musik, und so zeitlos schön. Man sollte viel mehr Bach hören. Und spielen.

(Der letzte Satz ist nur halb ernst gemeint. Weil Bach auch ganz ganz schnell frustrierend schwer werden kann, das weiß ich aus eigener Erfahrung.)

Danach haben die andere erste Geige und ich uns sehr ausgiebig verquatscht, das war auch schön, ist aber eine ganz andere Geschichte.

Tag 3815 – Wochenendende.

Sonntag. Niemand hat sich am Hang festgefahren. Yeah.

Ich hatte eine Geigenstunde, wo ich mein Leid über Rode 9 geklagt habe und zur Belohnung weiter daran arbeiten „darf“. Nein, es ist ja gut so, es ist sehr komplex und ich kann viel dabei lernen. Und etwas Lob habe ich auch bekommen, ich hätte mir eine gute Basis und ein stabiles Grundgerüst erarbeitet, es muss jetzt halt noch „schön“ werden. Es klingt grad noch sehr roboterhaft, was kein Wunder ist, weil im Kopf die ganze Zeit mehrere Metronome mitlaufen, Achtel, Sechzehntel, Triolen, Sekstolen. Außerdem ist mein Bogen zu kurz, oder anders gesagt: ich muss den Bogen wesentlich besser einteilen. Sonst verhungern die letzten Töne auf den laaaaaangen Bögen gerne mal. Das sind alles keine Überraschungen. Überhaupt nicht. Das Problem ist eher, dass alles gleichzeitig passiert. Aber dazu habe ich jetzt Übetipps bekommen und kann dann nun Häppchenweise Feinschliff betreiben.

Zu Hause angekommen hatte irgendwie niemand den Haushalt gemacht, Schweinerei. Also fing ich damit an. Pippi machte freiwillig mit. Michel schlief auf dem Sofa ein. Herr Rabe kam nach Hause und räumte endlich Weihnachten weg. Jetzt ist gestaubsaugt und die Bäder sind sauber und die Küche ist zumindest aufgeräumter als vorher. Tolle Laune kriege ich davon nicht, also das Ergebnis freut mich schon, aber der Weg dahin ist furchtbar ätzend.

Danach habe ich dann noch Essen gemacht. Das macht mir wenigstens mehr Spaß als Putzen.

Für morgen früh ist die Sporttasche gepackt. Sehr empörend finde ich, dass mir gestern im Schwimmbad meine Reiseshampooflasche entwendet wurde. Die hatte ich schon länger als wir in Norwegen leben, und die war schon überall mit, immer wieder aufgefüllt mit über die Jahre auch sicher 7-8 verschiedenen Shampoos. Es war nicht mal eine tolle Flasche oder so, einfach eine schnöde Reisegröße von einer dm-Eigenmarke. Keine Ahnung, wer sowas klaut, aber als wir gestern mit Schwimmen fertig waren, war das Shampoo nicht mehr in dem Fach in der Dusche. Alles andere war noch da, nur das Shampoo war weg. Sehr seltsam und sehr empörend. Jetzt musste ich ein neues Fläschchen abfüllen, und das ist falsch, das passt alles nicht so gut ins Reisetäschchen und ich finde nicht gut, dass ich jetzt wegen seltsamen Leuten im Schwimmbad meine Shampooflaschenroutine ändern muss. Ganz und gar nicht gut.

Tag 3809 – 3811 – Überlebt.

Es tut mir leid, dass ich grad so schreibfaul bin. Es ist eine Kombination aus vielem, von Weltpolitik bis allgemeine Januar-Winterschlaf-Stimmung. Anyway, ich habe am Montag das Personalgespräch überlebt (meine Chefin wollte mal „was neues“ machen und wir haben meine „Werte“ aufgestellt, das ist wohl so ein Leitungsding, von mir aus, soll sie haben). Danach hatte ich quasi Instant Migräne. Naja, die Pharmaindustrie richtet das. Abends Orchester war auch ganz gut, auch wenn ich wirklich nicht verstehe, warum ich die ganzen Verzierungen von Mozart zu Hause ganz gut hinbekomme, aber im Orchester dann einfach mal… gar nicht.

Gestern war Homeoffice, semi -produktiv, und abends Ballett, das war gut. Ich musste mich zwar quasi selbst an den Haaren hinschleifen, aber so ist das eben bei mir, 2 Wochen vom Monat sind eher… langsam. Wenn ich erst mal da bin geht’s, aber vorher suche ich nach jeder denkbaren Ausrede.

Heute war Office-Office, danach Geige im Übungshotel, danach Burlesque. Routinen, so wichtig. Burlesque ist zur Zeit nur Drop-In, kein fester Kurs, aber da ich ja eh nie kann, passte mir das ganz gut. Ich hatte nur verdrängt, dass heute gar nicht normal Burlesque war, sondern „Club Style Lapdance“. Ähähähäh. Darauf war ich geistig nicht richtig vorbereitet. Aber es war sehr lustig und sehr lehrreich und ich sagte es ja bereits ein paar mal: Ich sollte durchaus öfter meine Comfortzone verlassen. Heute habe ich sie nicht nur verlassen, sondern bin eher auf einem anderen Kontinent gewesen. Beim Burlesque wird ja nicht angefasst (es sei denn, man will das unbedingt) und man hat Interaktion mit dem Publikum, aber das steckt einem definitiv keine Scheine in den String. Beim Lapdance, das ist schon mehr Hands on. Und scheiße anstrengend. Ich vermute, ich hab vom ganzen Grinden morgen zwischen Knien und Brustkorb überall Muskelkater. Meine Partnerin habe ich vorher noch nie getroffen und dann muss man da irgendwie auf deren Schoß klettern… oder die setzt sich auf deinen Schoß… eieieiei. Aber nach den ersten sehr seltsamen Momenten war es recht entspannt und sie hat mich auch nur einmal auf den Boden fallen lassen. Yeah, I Guess. Was ich wirklich gut und interessant fand (weil ich da noch nie drüber nachgedacht hatte): wie man consent abfragt, wenn man zum Beispiel als Überraschung auf nem Junggesellenabschied auftritt und keine Gelegenheit hat, vorher ein komplettes Gespräch mit dem Partner (also dem, auf dessen Schoß man dann sitzt) zu führen. Also, Fazit: ich kann mich jetzt an Leuten reiben. Und das war sehr lustig. Ich bevorzuge aber dann doch die „nur gucken!“-Version von Striptease.

Tag 3781 und 3782 – Putzputzrödel.

Ein großes Haus macht echt viel Arbeit, wer hätte das gedacht. Folgen Sie mir für weitere Tipps von Captain Obvious. Es zeigt sich auch: ich habe ein Kind, das sehr gerne hilft, vor allem bei so „Erwachsenen-“ Sachen, und eines, das… naja. Dabei viel mosert. Und versucht, sich durch besonders schludriges Arbeiten über „Orrrr gib her, ich mach das grad!“ unsererseits um die Arbeit zu drücken.

Weihnachtlich ist es irgendwie noch nicht. Keksteig ist im Kühlschrank (jaja, viel zu spät…), vielleicht hilft das ja. Und heute haben Herr Rabe und Pippi die größte Schnittblume des Jahres aus dem Garten geholt. Wir haben da so viele Tannen und Fichten, die da nicht sein sollen, und eine Tanne hatte ideale Weihnachtsbaummaße. Das ging für die Tanne nicht gut aus. Und wir haben den frischesten Weihnachtsbaum aller Zeiten.

Heute haben wir, wegen einer spontanen Planänderung, den Kindern Hosen gekauft. Pippis Lieblingsjeans hat inzwischen zwei dicke Löcher, eins am Po und eins im Schritt. Und Michel möchte plötzlich doch auch Jeans tragen. Beide Kinder wachsen wie Unkraut. Also waren wir bei den großen Ketten und jetzt haben die Kinder die Jeans ihres jeweiligen Begehrens. Ich verkneife mir den Kindern gegenüber jeglichen Kommentar, dass Baggy auch 1999 schon eigentlich scheiße aussah. Das dürfen sie selber lernen und sie sind beide aus dem Alter raus, wo wir sie noch dazu zwingen konnten, bestimmte Dinge anzuziehen oder nicht anzuziehen. This too shall pass.

So gehen hier die Vorweihnachtstage ins Land. Zwischendurch versuche ich irgendwie, mir das hier zu erschließen:

Ohne die ganzen Vorschläge und kleinen Noten habe ich jetzt, glaube ich, die ersten vier Zeilen Rhythmisch verstanden. Hurra. Aber das Zählen ist allein schon ne Herausforderung und dann kommt noch dazu, dass mein Bogen gar nicht vier Meter lang ist. Die Markierungen sind übriges von meinem Geigenlehrer, aus Zeiten, wo er selbst daran arbeitete. Das ist sein Buch, ich darf das leihen. Rode 24 Capricen ist das, und die sind überraschend schön, aber wirklich hart.

Und Laune ist auch. Gestern Abend war’s echt fies.

Tag 3754 – Godt jobba!

Bin heute ganz beflügelt aus meiner Geigenstunde rausgegangen, weil ich mit etwas über einer Woche Üben aus „Wahhhh, Hilfe!“ ein okayes Stück hinbekommen habe, mit sauberen Oktaven, sauberen Akkorden, und einer wesentlich entspannteren linken Hand. Sogar Lob vom Lehrer habe ich bekommen! Hurra! Vielleicht bin ich doch kein hoffnungsloser Fall. Wenn ich jetzt noch eine kleine Nachmusik in einem spielerischen, leichten, schnellen Tempo hinbekomme, bin ich zufrieden.

Danach war noch Ballett und da habe ich auch gekämpft (wie immer) aber auch das ging heute einigermaßen, sogar Balancieren. Wenn ich einigermaßen sage, meine ich: so dass ich zufrieden mit mir bin. Das ist alles jetzt nicht unbedingt auf Opernhaus-Niveau (weder Geige noch Ballett) aber ich merke selbst, wo ich besser werde. Und darauf kommt es an. Nur bin ich ja Westfälin, da ist „joa“ Lob genug.

Jetzt schnell Bubu machen. Morgen ist schon wieder ein (langer Arbeits-)Tag.

Tag 3753 – Nur Alltag.

Furchtbar langweilig tatsächlich. Aber auch sehr gut. Lauter Routinen. Arbeit/Arbeit/Schule/Schule. Danach fahren wir in einem überfüllten Zug nach Hause, Einkaufen, Essen machen, einer fährt mit Michel zum Trompetenunterricht (er ist seit einem halben Jahr doch umgestiegen, er wollte ja ursprünglich für immer beim Kornett bleiben). Ich habe Streichorchester, von dem ich hier noch nie was erzählt habe, glaube ich. Quasi ein Geheimnis. Es ist auch nix dolles, aber macht Spaß. Und ich lerne was. Danach mache ich noch Sport, Herr Rabe bringt Pippi ins Bett, Michel geht selbständig ins Bett, ich dusche und dödele dann noch ein bisschen rum und jetzt ist Schlafenszeit. Morgen Büro und dann Geigenstunde – Schauen, was ich in einer Woche mit der Rode Etüde habe ausrichten können. Und einen Blick auf Eine kleine Nachtmusik 4. Satz werfen, die ganzen Verzierungen bringen mich sehr stark ins Schwitzen.

Tag 3745 – Putzeputz.

Heute habe ich die Kinder vor die Wahl gestellt, ob sie lieber Badezimmer oder lieber Küche putzen lernen wollen. Das untere Bad hatte ich gestern schon geputzt, aber das Kinderbad noch nicht. Überraschender Weise wollten dann beide Badezimmer putzen. Pippi hatte es aber zuerst gesagt, und Michel gab auf, als ich gesagt habe, das Bad machen wir JETZT, die Küche später. Also hat Pippi heute eine Einweisung in Bad und Klo putzen bekommen und das auch echt alles sehr gut gemacht. Klo fand sie eklig, aber tja nun, wer nicht? Mir bereitet das auch keine sonderlich große Freude. Das habe ich auch gesagt, und sie hat es auch verstanden und dann ohne weiteres Meckern die Klobürste geschwungen (ich bin ja kein Unmensch. Ich selbst putze auch gelegentlich so richtig mit den Händen und nem Glitzischwamm halb im Rohr hängend, aber das war nach optischer Beurteilung nicht nötig). Und als sie Wischen durfte, war sie auch wieder sehr zufrieden.

Michel hat dann später mit Herrn Rabe unter erheblich mehr Meckerei die Küche so halb geputzt. Zugegebenermaßen konnten sie den Herd und alles drum rum nicht putzen, weil ich da Essen machte.

Jetzt ist alles sauber. Nur kurz, aber immerhin. Und die Kinder können nicht behaupten, sie wüssten ja gaaaaar nicht, wie man so ein Waschbecken von Zahnpastaspuren befreit, oder die Krümel vom Brot schneiden wegsaugt.

Zwischendurch hatte ich eine wirklich gute Geigenstunde. Im Moment breche ich mir ziemlich einen ab an Rode Etüde Nummer 2 (nicht von der Zahl auf die Schwierigkeit schließen, das ist recht brutal auf viele Arten und Weisen, schwierig sowohl für die rechte als auch die linke Hand, geht bis zur drülften Position hoch (da wo es langsam echt eng mit dem Platz wird, also einfach physikalisch), hat einen ganzen Jungel aus losen Vorzeichen und ist schnell) und hatte das Gefühl, es wird irgendwie nicht mehr besser. Also haben wir geübt, nicht zu schludern (manchmal mache ich das, selten, aber es kommt vor) und Fehler konzentriert auszumerzen. Wie eigentlich immer sagt mein Lehrer, man hört mir die Panik vor dem Stück an und wir haben dann daran gearbeitet (mal wieder) erst mal selbstbewusst irgendwas zu machen, statt zu zögern und zu stolpern und auf Zehenspitzen auf die extra schwierigen Passagen zuzugehen. Meistens löst es sich tatsächlich fast von selbst, und Fehler lassen sich auch besser bearbeiten, wenn man sie sehr deutlich macht.

Das war das. Wochenende schon wieder rum.