Tag 3568 und 3569 – Wochenende im Schnellabriss.

Eieiei, es ist schon wieder so spät.

Gestern: wir waren alle zusammen in Oslo. Es gab einiges zu besorgen, weiße, kurzärmelige Hemden für die Kinder, geheime Geheimnisdinge für Menschen, die bald Geburtstag haben, glitzernde Stoffe und anderen Glitzerkram für mich, einen Anzug für Herrn Rabe und Pippi wollte gerne Haare schneiden. Haben wir alles gemacht, nur einen Anzug haben wir nicht bekommen. Pippis Fusselhaare sind jetzt unten begradigt und sehr viele kaputte Spitzen ab.

Außerdem war der Kauf eines BHs etwas frustig. Ich dachte, jetzt, wo ich meine BH-Größe kenne, könnte ich einfach in einen Laden gehen und einen günstigen BH in dieser Größe kaufen, aber nein. Die saßen alle s scheiße, auch in den Größen „drumrum“. Am Ende habe ich dann wieder im teuren Laden einen bestellt.

Heute hatte ich eine Geigenstunde, die war gut, wir haben ein bisschen Duett gespielt. Nur dass der Geigenlehrer mich mit Bartok-Duetten quält, ist etwas, äh, eher so mittel. Vorsichtig ausgedrückt. Das sind alles sowohl harmonisch als auch rhythmisch ungewohnte Dinge, mit random Taktartwechseln und ähnlichem. Ich möchte das nicht, ich möchte in Frieden Bach spielen, wo ich mich drauf verlassen kann, dass nicht plötzlich irgendwo ne kleine Prim als Doppelgriff auftaucht, oder munter zwischen 6/8-, 5/8- und 3/4-Takt hin und her gewechselt wird.

Den Rest des Tages habe ich erst (produktiv, zum Beispiel habe ich das Aquarium sauber gemacht und meine Sachen für morgen gepackt) prokrastiniert, und dann habe ich Intros für meinen Auftritt am 30. geschrieben, sowohl für die Show als auch für Social Media, ich habe Bilder hochgeladen und alles, urgs, ich hasse mich selbst zu promoten. Aber she’s a showgirl. Da gehört das dazu. Abgeschickt habe ich das 10 Minuten vor der Frist. Was die besten Bewerbungen sein können, die für meinen Job habe ich auch so abgeschickt.

Tag 3548 – Erster Ferientag schon rum.

Herr Rabe und Pippi sind gut in Deutschland angekommen. Jetzt ist es hier schon viel stiller als normalerweise. Michel war heute mit seinen Schulfreunden schwimmen, was fast glatt gelaufen ist, nur eine vergessene Badehose und generelle Verwirrung wegen Eintritt bezahlen, die Kinder sind allesamt nicht so fokussiert, glaube ich. Ich war derweil in Oslo zu einer Geigenstunde. Die war soweit ganz ok. Bach ist schon eher anspruchsvoll, selbst die einfachen Stücke. Aber so schön dabei. Hach.

Ansonsten habe ich Sport gemacht, gebadet, Michel und ich haben Sushi gegessen und ich habe abends Kleider anprobiert, die lange gar nicht mehr zugingen. Aber jetzt gehen sie zu und ich kann dann auch noch atmen. Nachdem mir meine Inspektionshosen (von denen ich ja drei identische habe) nämlich jetzt alle nicht mehr passen, dachte ich, ich könnte diese heiß geliebten Kleider mal wieder anprobieren. Ich weiß, von Größe 42 abzunehmen ist Meckern auf sehr hohem Niveau und es ging (und geht) mir ja auch nicht zentral ums abnehmen (sonst würde ich weniger essen und das möchte ich gar nicht). Aber mehr generelle Fitness, mehr machen können, weniger Wehwehchen haben, besser schlafen und weniger weich überall sein, hat inzwischen zwei Kleidergrößen weniger als Nebenwirkung gehabt. Was eben nur heißt, dass mir jetzt meine Klamotten von vor Covid und diesem phasenweise immer wieder ungesunden Job wieder passen. Ich bin da sehr stolz drauf, das habe ich nämlich ganz allein so durchgezogen. Und ziehe weiter durch. Und ohne weniger essen. Oder irgendwas nicht mehr essen. Tragisch, übrigens, dass ich am Samstag keine Biscoff-Creme bekommen habe, ich hoffe inständig, dass der Laden, wo ich die kaufe, die nicht dauerhaft aus dem Programm genommen hat. Das wäre wirklich ein großer Verlust für mich.

Tag 3527 – Herr Rabe atmet auf.

Vor ein paar Wochen fragte Herr Rabe mich was, was er nicht böse meinte. Das muss ich voraus schicken. Die Frage war, ob ich nicht mal langsam ein neues Stück üben könnte. Der Hintergrund war, dass er das Stück, das ich seit vor Weihnachten übe, nun wirklich nicht mehr hören kann. Ich kann das verstehen, also rational jedenfalls, weil ich halt nahezu täglich übe und grade, wenn ich wenig Zeit habe (also unter einer Stunde), übe ich auch wirklich nur dieses eine Stück. Es hat drei Seiten, davon habe ich die letzten 2 Monate (oder mehr, ähäm) eigentlich nur auf die letzten zwei fokussiert und die erste nur noch poliert. Macht… ziemlich viele Stunden, wo Herr Rabe diese zwei Seiten hören musste, immer und immer wieder. In zweifelhafter Qualität. Und immer wieder die selben Takte, weil das halt schon echt hart ist und ich ein paar Stellen wirklich bis zum Erbrechen geübt habe, weil ich’s musste. Also rational verstehe ich das. Für mich ist das nur gar nicht so. Ich merke das selber nicht, dass das nervig ist. Ich merke nur, dass es ätzend ist, wenn es nach 50 mal üben bei mal 51 bis 69 super klappt und beim 70. Mal dann plötzlich nicht mehr. Das ist frustrierend. (Wir reden von 1-2 Takten maximal, nicht dem ganzen Stück. Das wäre „over-practice“.) Ich mag eigentlich ganz gerne diese Pisselarbeit an Kleinigkeiten. Herr Rabe mag dabei nur nicht zuhören.

Egal, ob Herr Rabe das nun so meinte oder nicht, machte die Frage, dass ich erst mal total gehemmt war und mich wieder daran störte, wenn mich irgendwer beim Üben potentiell hören konnte. Ich übte effektiv nur noch, wenn ich alleine war und wenn nicht, machte ich entweder nichts oder kramte alte Stücke raus, um sie aufzuwärmen. Letzteres ist eine ganz gute Taktik für mich, auch wenn ich selbst die Lust an einem Stück verliere oder merke, dass ich Gefahr laufe, zu viel zu üben. Dann mache ich was anderes, etwas, das mir Spaß macht und das mir einen Selbstwertgefühl-Boost gibt.

Ich machte auch eine Geigenstunde aus, und schrieb dem Lehrer auch gleich, dass Herr Rabe lieb darum bittet, dass er nicht mehr dieses Stück hören muss. Die Geigenstunde war heute. Und naja. Das Stück ist auch mit dem ganzen Üben nicht perfekt geworden, aber es ist ok. Das ist, für ein Stück, das ich und der Lehrer anfangs für viel zu schwer für mich hielten, ganz ordentlich, finde ich. Ich bin mit „ganz ok“ und den üblichen Detailkommentaren des Lehrers wirklich ganz zufrieden. Vielleicht poliere ich an den Detailkommentaren noch rum, wenn Herr Rabe nicht da ist. Vielleicht auch nicht.

Was mich sehr gefreut hat, ist, dass der Lehrer Noten mitgebracht hatte, die, jeweils auf ihre Art, schon recht anspruchsvoll sind. Das Bach Doppelkonzert für zwei Geigen und das 3. Violinkonzert von Mozart. Meine Wahl fiel tatsächlich sofort auf Bach, weil das so ein tolles Stück ist. Ich liebe ja Bach eh sehr. Ich durfte sogar die Partitur vom Lehrer leihen. Hach.

Nichts gegen Mozart, das ist auch toll, aber das läuft ja auch nicht weg.

(Ich hoffe nur, es läuft nicht wie das Presto, das ich irgendwann am liebsten in die Ecke gepfeffert und angezündet hätte. Das könnte ich allerdings mal wieder probieren. So aus Spaß. Ist auch schon wieder fast zwei Jahre her, da könnte sich ja vielleicht was getan haben.)

Tag 3524 und 3525 – Ächz.

Gestern habe ich es vermutlich beim Sport übertrieben. Ich merkte zwar, dass ich nicht so mega leistungsfähig war, aber zog trotzdem durch (weil ich zwanghaft Dinge durchziehe, die ich mir vorgenommen habe) und zu Hause bekam ich dann die Quittung in Form von bleierner Müdigkeit. Nachdem ich Michel um halb neun von seinem Kumpel abgeholt hatte, brachte ich Pippi ins Bett, döste da ein, und kroch von da mehr oder weniger in mein eigenes Bett. Heute wachte ich mit mörderischen Kopfschmerzen auf, die sich bis Mittags zu einer Migräne verschoben. Könnte auch Zyklusendemigräne gewesen sein. Ist auch egal, jedenfalls war mit mir nicht so richtig viel los heute und da der Arbeitstag trotz Homeoffice auch in höchstem Maße chaotisch lief, bekam ich gefühlt nichts produktives gebacken.

Immerhin habe ich abends heute Geige gespielt und noch eine halbe Stunde leichtes Yoga-Stretching für meine sehr müden Muskeln gemacht. Und immerhin war das Geige spielen nicht so grausig wie Mittwoch.

Was Mittwoch los war, weiß ich auch nicht. Der Arbeitstag war eigentlich ganz gut gewesen, ich habe viel weg geschafft. Mittags hatte ich ein „Kaffee-Date“ mit unserem neuen Direktor, das konnte man vor ein paar Wochen mal buchen. Ich weiß jetzt, dass ihn tatsächlich außer Krisenbereitschaft nichts interessiert. Ein bisschen schade ist das. Und ein bisschen lächerlich auch, wie jetzt alle versuchen, ihr kleines Nischenthema als irgendwie bereitschaftsrelevant zu verkaufen, egal wie viel Phantasie das erfordert. Aber Nachmittags beim Geige spielen habe ich mich echt angestellt, als hätte ich grad erst nach 15 Jahren Pause wieder angefangen. Etwas bedröppelt zockelte ich danach zum Burlesque-Kurs, aber da kann ich immerhin Sachen. Ich merkte, dass ich ausgesprochen gut gehen kann, also laufen, von einem Ende des Raums zum anderen, im Takt, elegant, langsam, schnell, mit und ohne Arme, mit und ohne über Kreuz und Step touch und wasweißich. Sag mir, wie ich laufen soll, ich laufe. Ich präsentiere meine Ferse und mein Dekolleté und hebe die Arme aus dem Rücken und dabei habe ich auch noch Spaß. Viele andere schauen verzweifelt auf ihre Füße bei allem, was nicht stumpf geradeaus laufen ist, und verlieren auch dabei nach drei Schritten den Takt. Ich denke, ich sollte mehr laufen. Gehen. Schreiten. Ein bisschen ausdrucksvoll rumstehen vielleicht.

Was ich auch Mittwoch gelernt habe: ich kann ganz passabel elegant ein Korsett ausziehen. Aber mich selber da einschnüren ist gar nicht so einfach. Und hinter dem Rücken eine Schleife binden auch nicht.

Dienstag waren wir beim Elternabend der Jugendschule für Michel. Das sind die Jahrgangsstufen 8-10. Jetzt müssen sie schon mal wählen, welche Wahlfächer sie haben wollen (da gibt es so Sachen wie „Kulturerbe“, „Outdoorleben“ und „Einsatz für Andere“) und vor allem, ob sie eine zweite Fremdsprache anfangen wollen oder nicht. Wenn sie das nicht jetzt machen, müssen sie in der Oberstufe drei Jahre lang eine zweite Fremdsprache habe. Michel wollte gerne Deutsch als „Fremd-“Sprache machen, das wollten wir aber nicht und dann waren wir in einem sehr unlustigen Kreis aus Spanisch-Deutsch-Keins von beidem gefangen, den wir mit Michel 3849 mal durchexerzierten. Am Ende wählte er dann doch Spanisch, aber der Weg dahin war schwierig. Er kann dann in der Oberstufe in Deutsch ein „Muttersprache-Examen“ ablegen und bekommt die Note angerechnet, als wäre er sechs Jahre lang fleißig zum Deutschunterricht gegangen. Da muss er ein bisschen Grammatik und Rechtschreibung für lernen, aber da ist ja auch noch Zeit. Besser, als sich in der kompletten Jugendschule im Deutschunterricht mit allen anderen, die blutige Anfänger*innen sind, zu Tode zu langweilen. Auf jeden Fall für ein Kind mit ADHS.

Das Muttersprache-Examen kann man übrigens in ganz vielen verschiedenen Sprachen machen. Auch in Sprachen, die nicht in der Schule unterrichtet werden, wie Arabisch oder Finnisch. Das finde ich sehr gut. Es ist nicht alles schlecht oder seltsam hier.

Jedenfalls hat Michel mit seiner Wahl Frieden gemacht und jetzt will er Spanisch „dann auch gut machen“ und schon mal mit Duolingo üben. Wir sind alle froh, dass das Thema erstmal erledigt ist.

Tag 3500 und 3501 – Arbeit, Arbeit.

Gestern war mal wieder so ein Kacktag bei der Arbeit. Ehrlich, wenn ich den eigentlichen Job nicht so mögen würde, ne? Für die Organisation oder die Chefinnen und Chefs bleibe ich jedenfalls nicht da. Die interessieren sich ja auch allesamt nicht für mich (oder irgendwelche anderen Angestellten), außer dass ich gefälligst meinen Job machen soll ohne zu meckern. Während alles, was irgendwie den Hauch von „Extra“ hat, zusammengestrichen wird. Hrmpf.

Heute Homeoffice, das ist schon viel besser, da muss ich wenigstens nicht auch noch für einen Salat mit sehr dürftigen Mengen satt machendem Zubehör 50 Kronen hinblättern. Und ich muss nicht in der lauten Kantine essen.

Und ich kann Michel zum Kieferorthopäden fahren, wo ich dann davon überrumpelt werde, dass die Praxis irgendwie verkauft wurde (?) und der Kieferorthopäde jetzt nicht mehr da ist, dafür aber zwei neue. Und auch irgendwie null Helferinnen? Es ist alles etwas seltsam. Aber die Behandlung soll so weiter laufen, wie gehabt. Neuer Termin nach Ostern. Der neue Kieferorthopäde ist auch wirklich nett, das ist es nicht, ich war nur sehr überrascht.

Abends Geige gespielt und mich darin gesonnt, dass mein Lehrer am Sonntag sehr viel Lob für mich hatte. Aufgrund von Erkältung hatte ich die Stunde kurzfristig auf online umgebucht, dann bin ich auch weniger nervös. Ich wollte aber wirklich in erster Linie nicht meinen Lehrer anstecken, der ist ja auch Gesangslehrer und professioneller Sänger. Muss ja nicht sein, meine Viren mehr als nötig zu verteilen. Gestern war ich dann abends auch nicht beim Ballett, aus dem selben Grund. Aber im Büro war ich, das sagt jetzt sicher ganz viel über meine Prioritäten aus. Fit genug für Sport bin ich nämlich durchaus, Herr Rabe und ich haben gestern und heute auch fleißig das Programm durchgezogen. (Gedenken Sie so ca. übermorgen ruhig Herrn Rabe, ich sehe schrecklichen Muskelkater am Horizont aufziehen.)

Apropos Geige: ich muss jetzt wirklich eigentlich immer mit Gehörschutz üben, weil irgendwas passiert ist, das macht, dass ich jetzt viel mehr Geräusch erzeuge als vor ein paar… ja tatsächlich Wochen noch. Es ist laut. Und danach klingeln meine Ohren, besonders das linke, was mir gar nicht gefällt.

Älter werden ist nichts für Feiglinge.

Tag 3446 – Ein bisschen Mimimi.

Rückblick morgen oder sogar erst Freitag, wir werden sehen. Aber hier erst mal wie angekündigt mein momentan tägliches wtf-Erlebnis und Konfrontation mit meinen Unzulänglichkeiten.

Es folgt ein Ausflug in ein Spezialinteresse. Sorry.

Das geht ja noch. Das ist auch nicht schnell. Der schnell aussehende Teil in der Mitte ist Andante, und soll laut Lehrer ordentlich schmalzig klingen. Zumindest in meinen Ohren, denn wenn ich glaube, ich übertreibe jetzt voll und es trieft vor Schmalz, hört man davon nur „Ja, süß“.

Der Lehrer hatte übrigens ursprünglich gesagt, ich soll nur die erste Seite machen, weil wir ja seit ein paar Monaten Martelé-Striche geübt haben. Und dann war er ganz schockiert, dass ich den Rest nicht angeschaut hatte, und auch nur die zweite Seite dabei hatte (die dritte lag irgendwo zu Hause).

Die zweite Seite:

Die Doppelgriffe! HURZ!

Und die Killer-Seite.

Ab der 5. Zeile, für 4 Zeilen, möchte ich zur Zeit nur in Embryonalstellung auf dem Boden liegen. Der ganze Teil erschließt sich mir einfach nicht, auch nicht, nachdem ich verschiedene Aufnahmen angehört habe. Was sollen diese leeren E-Saiten da überall, außer eine quälen?

Heute habe ich kurz gemacht, was ich bisher vermieden hatte: die Akkorde angeschaut. Nun ist es ja so, dass diese Streichinstrumente so gebaut sind, dass es eigentlich nicht möglich ist, mehr als zwei Saiten gleichzeitig zu spielen. AUSSER, und das soll man hier tun, man haut den Bogen mit viel Gewicht auf die Saiten und braucht keinen lange gehaltenen Ton, dann kann man, weil die Haare ja biegsam sind, auch drei Saiten schaffen. Und das ist glaube ich auch der Clou bei dem Stück: das ist eigentlich sogar noch ganz „nett“ geschrieben. Die dritte Saite bei den meisten dieser Akkorde ist die leere E-Saite, das heißt, man muss nur auf zwei Saiten greifen. Laut spielen ist außerdem viel leichter als leise spielen, dass man den Bogen quasi auf die Saiten werfen muss, ist also mitgedacht. Das ist, dafür dass es Akkorde sind, also noch (sehr viele Anführungszeichen denken) einfach*. Und so ist es bei mehreren Teilen. Dafür dass es in der gefühlt 17. Lage ist, ist es noch ok, weil man da oben viele Es, Gs, Ds und As hat, also gut hören kann, ob man so ca. richtig getroffen hat. Dafür dass es Doppelgriffe sind, ist es noch nett, weil man oft nur einen Finger umgreifen muss. Generell kann man viel „liegen lassen“, was Intonation einfacher macht. Aber. Es ist halt so viel.

Mimimi.

(Übrigens: „Man kann viel liegen lassen“, „Dafür dass die Lagen so hoch sind, geht’s eigentlich noch“ und „die Akkorde sind gar nicht so schlimm“ sind alles Sachen, die mir vor zwei Jahren niemals über die Lippen aus den Fingern gekommen wären. Üben hilft halt doch. Und ein Lehrer, der eine zu Finger-liegen-lass-Etüden zwingt, auch. Auch wenn ich damals beleidigt war dass ich so Kinderkram kriege.)

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* lediglich die dritte Zeile von unten, erster Takt, letzte zwei Achtel: Hä??? Zwei Es gleichzeitig, also ein leeres E und eins auf der A-Saite, und dann noch ein C? Auf der D-Saite dann, gezwungener Maßen, also, äh, 4-2-0 und dann der nächste ist, äh, 3-1-0. Uh, dann kann man da bleiben und den nächsten 4-0-0 spielen, statt 4-2-0. Aber Lagenwechsel in dem Tempo. Aber auch da wieder: „nur“ in die dritte Lage. Aber, aber, aber, nur, geht noch, ist ok. Sind mir ein bisschen viele Abers und nurs.

Tag 3444 und 3445 – Frohes Neues Jahr!

Frohes Neues Ihnen allen. Ich werde das Jahr in den nächsten Tagen mal Revue passieren lassen. Aber nicht mehr heute Nacht.

Wir sind gut reingekommen, haben lecker gegessen und um Mitternacht unsere Wunderkerzen angezündet und das Feuerwerk in der Gegend betrachtet. Das wird auch immer weniger und aus vielen Gründen finde ich das auch gut so, auch wenn ich das wirklich gerne anschaue. Oslo hatte dieses Jahr eine Licht- und Musikshow in der gesamten Innenstadt, da muss ich mich mal umhören, wie das war. In Oslo dürfen Privatpersonen innerhalb von „Ring 2“, also in der, sagen wir mal, großzügigeren Innenstadt, kein Feuerwerk zünden. Und auch das finde ich aus vielen Gründen gut so.

Leider scheint Michel das neue Jahr kränklich zu beginnen, der schlief schon nach dem Essen auf dem Sofa ein und verzog sich um 0:14 Uhr ohne Umwege ins Bett. Da er auch hustet und über Ohrenschmerzen klagt, ist da wohl was im Gange.

Monty ist davon, dass so spät abends in „ihrem“ Wohnzimmer noch so viel Leben ist, eher wenig angetan. Das merkt man an erheblich weniger Rumturnen als sonst, es wird hin und wieder mal der Kopf rausgestreckt, festgestellt, dass es immer noch hell ist, und dann der Kopf wieder eingezogen. Von einem Versteck ins andere kriecht sie so, dass man sie nicht sieht. Wenn man einfach spät abends auf dem Sofa sitzt und Fernsehen guckt, ist das Bild ein ganz anderes, da wird das ganze Terrarium genutzt, inklusive der Scheiben, und daran herumgeturnt, geklettert und geschlängelt. Hunger konnte in den letzten Tagen nicht die Ursache des Turnens sein, es gab einen Weihnachtsbraten (ungebraten. Und im Ganzen, mit einem langen Schwanz).

Geigenmäßig breche ich mich zur Zeit schlimm einen ab. Ich kann das morgen mal zeigen, also die Noten, aber ich muss meinen Geigenlehrer echt mal fragen, ob das so sein Ernst ist. Ich hab das Stück bekommen mit der Anweisung, mir das anzugucken und dann zu melden, aber ich schaffe selbst beim Angucken (also so grob gucken und ein bisschen rumprobieren, wie das gehen könnte, wie man es greifen könnte und wie ich will, dass es klingt und phrasiert wird) nur so eine Phrase am Tag, also vielleicht so 8 Takte (von denen 4 ne Wiederholung sind). In ner Stunde, grob. Weil nahezu jede Phrase irgendwas neues gemeines hat, komische Betonungen in Dreiermustern, die nicht dem Takt folgen, Triller, Zeug in der drülfzigsten Lage, Doppelgriffe, schnelle Akkorde, und wenn sonst nichts ist, ist es Allegro und Sechzehntel DIE GANZE ZEIT. Über zwei Seiten. Ich bin durch die ersten eineinhalb Seiten jetzt durch, das hat aber auch über eine Woche gedauert. Und meistens hab ich das, was ich am Tag zuvor gemacht und mühselig erarbeitet hab, am nächsten Tag schon wieder vergessen. Ich sitze da zur Zeit mit nem Flickenteppich aus Phrasen in unterschiedlichen Tempi, weil ich nicht alles gleich schnell kann. Wie gesagt, ich muss den Geigenlehrer echt fragen, ob er das ernst meint. Ich mag ja Herausforderungen, aber, puh. Puh, puh. Ächz.

Ich habe mich übrigens über all ihre lieben Worte zu meinem Weihnachtsgeschenk an Sie sehr gefreut. Das wollte ich auch noch sagen.

Tag 3438 – Frohe Weihnachten!

Oder geruhsame Feiertage, je nachdem, wie Sie es mögen.

Ich habe was für Sie, ein Geschenk, wenn Sie so wollen. Das Geschenk ist, dass ich Ihnen allen, die das hier lesen, soweit vertraue, dass ich das hochlade. Es ist nicht perfekt, und deshalb ist es für mich wirklich was besonderes. Es kommt von Herzen und wir tun jetzt alle so, als wäre ich so 8 und Sie meine Eltern und Großeltern, und alle so oaaahhh, wie schön.

Deal? Deal.

https://youtu.be/Hb8OMuTLbGI?si=t_0OdH4qla8SUXV9

Tag 3431 und 3432 – Mittwoch.

Gestern hatte ich meine Geige bei der Arbeit dabei. Ich schiebe ja eine ruhige Kugel und hatte mir deshalb mitten in den Tag eine Geigenstunde gelegt. Ne Woche vor Weihnachten kann man das ja mal machen. Womit ich nicht gerechnet hatte, was, dass ich komplett verwirrt sein würde, und das für mindestens zwei Tage, weil ich sonst ja seit ein paar Monaten immer Mittwochs meine Geige dabei hatte. Zwischen Burlesque-Kurs und Arbeit habe ich nämlich im Übungshotel geübt, schon allein, damit ich nicht bis 19 Uhr bei der Arbeit rumhänge. Aber wegen dieser Gewohnheit dachte ich gestern den ganzen Tag über, es sei Mittwoch. Und da gestern ja Mittwoch war, musste heute Donnerstag sein. Mal sehen, wann ich wieder in normaler Zeitrechnung ankomme. Die Geigenstunde war jedenfalls sehr interessant, wie immer war das Feedback total unerwartet, in alle Richtungen. Eine Sache, die mich ärgert, nämlich, dass ich beim Martelé immer die anderen Seiten treffe, fand der Lehrer überhaupt nicht schlimm. Er meinte, das sei nur ein Zeichen, dass ich jetzt so viel Gewicht im Bogen habe und so tief in der Saite spiele, dass es halt nen Tacken zu viel ist, aber was wieder rauszunehmen was jetzt zu viel ist, ist kein großes Ding. Dafür dachte ich, ich hätte einen lyrischen Teil total schmalzig gespielt und er so „du klingst wie ein Roboter, alle Töne gleich“. Ja okeeehhh. Aber er ist ja ein guter Lehrer, und deshalb hat er mir ganz viele Tipps gegeben und gezeigt, wie ich beides behebe, also das Martelé-Problem und das Roboter-Problem. Letzteres ist wie ein Showgirl sein: man muss es überziehen, damit es wirkt. Also noch viel viel mehr Schmalz. (Kreisler ist aber schon auch nicht einfach. Muss man auch dazu sagen.)

Aber der Lehrer ist nicht nur gut, sondern auch unglaublich nett und hat mir Freikarten für den Grieg-Chor aus Bergen geschenkt. Das habe ich mir dann heute angehört, mit dem Lieblingskollegen, weil Herr Rabe mit Pippi beim Klettern war. Das Program war ausschließlich Musik der letzten 100 Jahre.

Der Grieg-Chor ist ein professioneller Solisten-Chor aus Bergen, das künstlerische und technische Niveau ist extrem hoch. Schon allein, um mal einen wirklich, WIRKLICH tollen Chor zu hören, hat es sich absolut gelohnt. Das Programm war… halt modern. Aber nicht moderne Popsongs, sondern so Weber und Schönberg-modern. Ein Stück war geschrieben für 16 Solostimmen, in Mikrotönen. Komplett dissonant zur Person daneben, zum Teil wirklich schrill schmerzhaft in den Ohren (bestimmt gewollt so), zum Teil kaum menschlich klingend. Das muss man schon auch mögen, ich bin dafür bestimmt einfach zu banausig, auf Spotify würde ich das jedenfalls jetzt nicht unbedingt suchen. Ein Stück war wunderschön, von Schmitzke (?). Ich mag Weber lieber als Schönberg. Und verstehe das Gedicht von Hölderlin, auf dem das Lied mit den Mikrotönen basiert, nahezu genauso wenig, wie das Lied. Britten sollte man mehr hören (auch wenn das nur die Zugabe war, ein Lied aus einer Adventsmesse (?) ). Es war wirklich ein spannendes und auf eine ungewöhnliche Art auch schönes Konzert. Gute Chöre sind schon was sehr berührendes und schönes. Und wenn schon Mikrotöne, dann von Profis gesungene. Ich überdenke meine Einstellung zu moderner „Klassik“ eventuell, aber ein paar Vorurteile wurden halt auch bestätigt (looking at you, Schönberg).

Und morgen ist Donnerstag. Nicht Freitag.

Tag 3401 – Sonntag eben.

Hier ist heute nicht viel passiert. Herr Rabe und ich waren zusammen laufen, das hat für mich nur so mittel geklappt, weil ich viel zu schnell losgerannt bin und nach 15 Minuten kurz gehen musste. Aber Herr Rabe soll ja nicht denken, ich sei eine lahme Ente.

Ansonsten Sonntag eben. Wir versuchen, winterfertig zu werden, Herr Rabe hat gestern schon im Garten aufgeräumt, ich habe heute den Ofen gereinigt und Holz geholt. Wir hoffen mal, dass bei uns nicht auch der Schornstein brennt.

Ich übe ein Weihnachtslied. Das war letztes Jahr noch nicht machbar (aufgrund des Arrangements mit lauter Doppelgriffen), dieses Jahr habe ich erstens noch 4 Wochen Zeit und habe zweitens seit fast einem Jahr gezielt Doppelgriffe geübt, da geht das schon viel besser. Außerdem habe ich bessere Übungstechniken gelernt. Ha. Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekäme.

Michel übt auch ein Weihnachtslied. Er hasst uns dafür, dass wir ihn zum Üben zwingen, aber ich lasse da meine innere Musiklehrerin raushängen und lasse nicht locker, bis es klappt. Und dann lobe ich ganz doll, natürlich. Michel hat noch knappe drei Wochen, bis er das spielen muss, sollte sich also nach Möglichkeit am Riemen reißen mit dem Üben. Michels Weihnachtslied ist schön, aber ein Kirchenlied, mit all dem, was das an seltsamen Rhythmen und Harmonien so mit sich bringt. Es ist auch nichts, was man halt so kennt, er muss also wirklich auf die Noten gucken. Dir Motivation dazu ist eher marginal.