Tag 437 – Die Hochzeit. (Die in Bielefeld.)

Heute auf dem Programm: der Grund unserer Reise nach Bielefeld. Die Hochzeit meines Schwagers. Also Herrn Rabes jüngsten älteren Halbgeschwisters, mit seiner Frau, die sind nämlich schon neun Jahre standesamtlich verheiratet, heute folgte der kirchliche Teil und zwar ökumenisch in der Neuapostolischen Kirche. Soviel vorweg (Achtung, Spoiler!): es war das komplette Kontrastprogramm zur Hochzeit letzte Woche.

Erstmal: sich fertig machen und so, das klappt ja ohne Kinder auch irgendwie besser als mit. Letzte Woche war ich 40 Minuten zu früh fertig. Heute verkrümelte Pippi noch 15 Minuten nach der angepeilten Abfahrtszeit Maiswaffeln während ich hektisch Dinge in Rucksäcke stopfte (Lätzchen, Snacks, Windeln, Schlafanzüge, Draußensachen, Mützen, Puschen…), dann vergaß Herr Rabe noch sein Jackett, sodass wir noch mal umdrehen mussten. Am Ende waren wir zwei Minuten vor Beginn der Trauung in der Kirche. Puh. Aber unentspannt.

Minipferd mit Hut und Schleife. Und Nagellack.


Die Kirche. Also ich kann ja eh mit Kirche nichts anfangen, dann wurde auch noch versucht, mich mitsamt der potentiellen Krawallstifterin Pippi in den Mutter-Kind-Raum abzuschieben (eine Art schallisolierte Kammer mit Glasscheibe zum Kirchenraum, mit Lautsprechern, damit man die Predigt hören kann, die Gemeinde aber die furchtbar nervigen Kindergeräusche nicht), kurz: meine linke Augenbraue war schon wieder kurz vorm Haaransatz, als es losging. Wir trällerten dann fröhlich (manche) bis resigniert (ich) ein Lied in dem es viel um Vergebung und den Herrn und Gnade und so ging, währenddessen glotzte mir Pippi dauernd auf den Mund, das muss sehr komisch ausgesehen haben. Oder geklungen, obwohl ich nicht schlecht singe, piepsig vielleicht, aber ich treffe die Töne oder lasse es mit dem Singen ganz sein. Naja, danach hatte Pippi keine Lust mehr auf Stillsitzen, wir probierten es daraufhin doch kurz mit der Isolationshaft Mutter-Kind-Abteilung, aber da wollte Pippi auch nicht bleiben also wanderten wir durch die Kirche. Irgendwann war Ringtausch (die Ringe wurden von einem der Shetlandponys der Braut hereingetragen, das war schon sehr niedlich), Kuss, fertig, Anstehen zum Gratulieren. Gratulation, danach: eeeewiges Herumstehen. Es waren aber noch einige etwas zu spät zur Trauung gekommen, die begrüßten wir noch, zum Beispile Herr Rabes Cousinen plus Babys. Dabei ein Moment der Irritation, daran kann ich mich immer noch nicht gewöhnen:

Cousine S.: „Ich bin ja Fan.“
Ich: „???“
Cousine S.: „Ich les jeden Tag deinen Blog. Das ist wie so ne Sucht.“
Ich: „Oh! …“

Cousine S. hat übrigens das niedlichste Baby der Welt. Man vergisst ja so schnell, wie klein so kleine Babys anfangs sind.

Beim Herumstehen gab es außerdem noch einen kleinen Eklat: Herr Rabes Onkel hatte Michel vollmundig bei der Begrüßung ein Geschenk versprochen und hatte es dann aber zu Hause vergessen, das nahm Michel nicht ganz so positiv auf. Da hockte ich also 10 Minuten mit heulendem Kleinkind auf dem Boden, bis er sich ausgeheult hatte und es weiterging zur Party. Natürlich musste Michel dann doch nochmal aufs Klo („Nein, Michel, wir gehen ganz bestimmt nicht hier aufs Baumklo, das ist eine Kirche, hier gehen wir rein!“ – „Ooorrrr, das ist gar keine Kirche, die hat gar keinen Turm!“) und hatte dann plötzlich so riesigen Hunger, dass der Hungertod nah schien, also verfütterten wir während der zwanzigminütugen Fahrt fast eine ganze Tüte Knabberigel an die meuternde Brut auf dem Rücksitz.

Dann: die Feier. Im Kreuzkruuuch in Großdoaanbeaach, wie man in Bielefeld sagt. Das ist alles ziemlich, ähh, urig da. Urig as in Holzvertäfelung. Und urig as in „Wie, es gibt Leute, die kein Fleisch essen???“. Aber was will man machen, Herr Rabes Familie feiert da seit Anbeginn der Zeiten alle Familienfeste. Familien-Reunions, runde Geburtstage und jetzt eben auch Hochzeiten. Holzvertäfelung hin oder her. Aber irgendwie passt es zu Herrn Rabes Familie, da tragen ja auch Menschen gerne mal Bärchen- oder Snoopy-Krawatten zu solchen Anlässen, und irgendwie schaffen Herr Rabe und ich es grundsätzlich overdressed (und over-make-upped, ich zumindest) zu sein, wenn seine Familie feiert. Bei meiner Familie passiert mir das fast nie, da brezeln sich die meisten sehr gerne auf. So sagte ich auch zu Herrn Rabe, der im Vorfeld wegen des an der Schulter nicht ganz perfekten Sitzes seines schmal geschnittenen Dreiteilers besorgt war: Das ist deine Familie, das sieht keiner. Meiner Oma oder meinem Cousin würde das auffallen, bei deinen Leuten… Naja. Wir haben trotzdem noch eine neue Krawatte für ihn gekauft, weil halt (und wenn ich weiß, das sich da was farblich beißt, kanns so dunkel gar nicht sein, und der Alkohol gar nicht so viel dass ich das vergesse). Apropos Alkohol: Herr Rabe und ich beschlossen, dass wir nach dem Glas zum Anstoßen aushandeln würden, wer uns alle nach Hause fährt. Nach dem Glas lieblichen (!!!) Sektes, eigentlich schon nach dem ersten Schluck, verzichtete ich dann dankend auf weitere solche Experimente und hielt mich für den Rest des Abends an Kaffee, Wasser und Cola fest. Und an meinen Kindern. 

Überhaupt die Kinder. Erstaunliches Durchhaltevermögen. Zwischen Ankunft im Kreuzkruuuch und Essen spielten sie schon recht fröhlich, es waren ja auch noch andere Kinder da, es gab also genug Partner für „Tanzen“ (=Rennen) und sonstigen Quatsch. Dabei blieben sie aber immer niedlich und unauffällig, quasi Vorzeigekinder, allesamt. Zum Essen (urig…) schaufelten dann zumindest meine Kinder einen Haufen aus der Rinderbrühe gefischte Nudeln und ein paar Pommes in sich rein, turnten dann wieder kurz und aßen dann jeder einen kompletten Nachtisch. 

Wir Erwachsenen schnackten über dies und das, das war alles sehr nett, doch, auch wenn man natürlich keine Zeit dafür hatte, mit allen zu sprechen. Dann aber wurde nach dem Essen das Tanzen eingeleitet, da war es dann schon aufgrund der Lautstärke vorbei mit dem Unterhalten. Und leider driftete der DJ nach den ersten drei Liedern „Pop Aktuell“, die ich mit Pippi auf dem Arm tanzte (mit Pippi, die sich jauchzend, giggelnd und hüpfend an meinem Kleid festhält, macht Tanzen fast so viel Spaß, wie ohne) ziemlich schnell erst Richtung 80er-Jahre-Pop und dann zu Schlager ab. Ich hasse Schlager. Echt. Herr Rabes Cousinen machten sich auch vom Acker, verständlicherweise, wegen langer Heimfahrten, ebenso der lustige Onkel, es blieben nur der nicht ganz so lustige aber dafür sehr verrückte Onkel und der Patenonkel mit der Bärchenkrawatte. Aus Verlegenheit schaukelte ich erstmal die inzwischen (es war neun) total fertige Pippi in den Schlaf. Dann legte ich sie in den Kinderwagen, wo sie, zerschossen wie sie nach einem 13-Stunden-Tag mit nur 10 Minuten Mittagsschlaf war, trotz der Lautstärke erstmal weiterschlief. Ich trank mit Herrn Rabe einen Kaffee und wir stellten fest, dass es unser 9. Jahrestag war, zumindest der offizielle, nachträglich festgelegte (ja, das war alles etwas chaotisch damals, als wir „einfach nur total gute Freunde“ waren), dann war Herr Rabe plötzlich weg und ich würde von einer meiner Schwägerinnen über die Demenz meiner Schwiegermutter (es geht rasant bergab, ziemlich schlimm mit anzusehen) vollgeschwafelt, und wie sie mit Demenzkranken mal gearbeitet hat und die eine, die war erst vierzig, die vergaß wie man isst und ist dann verhungert… Da war ich dann kurz fast froh, dass sich Michel mit den anderen Kindern und wegen totaler Erschöpfung über irgendwas in die Haare gekriegt hatte und ich ihn trösten musste. Ich schleppte also den 17 kg schweren Michel auf dem Arm herum, der wurde dann auch immer schwerer und schlief nach ca. 2 Minuten sang- und klanglos ein. Mein Glück, denn so bekam ich den von Herrn Rabe und seinen Schwestern aufgeführten Sketch (!!!) nur am Rande mit und entging überdies der direkt danach durchgeführten Polonaise (!!!). Passend zum Syrtaki (!!!) wurde Pippi wach, also holte ich sie mit auf meinen Arm. Da saß ich also, begraben unter Kindern und war damit nicht allzu unzufrieden. 

Pippi schaut entgeistert dem Syrtaki zu.


Danach mussten wir leider, leider gehen. So schade. (Tatsächlich wurden wir noch belabert, zu so ner kitschigen Knicklicht-Ballon-steigen-lassen-Aktion zu bleiben. Nur ganz kurz. Es war sehr kalt, die Kinder meckerten im Halbschlaf, alles dauerte ewig und was Anzünden wäre vielleicht wenigstens insofern sinnvoll gewesen, als dass es warm gewesen wäre…)

Alles in allem: skurril wie es nur meine Schwiegerfamile schafft, aber irgendwie schön auch. 

Tag 426 – Die Hochzeit. 

Heute die Langfassung, nachdem ich ausgenüchtert bin. 

Diese Hochzeit war ja einfach mal komplett anders, als alle anderen Hochzeiten auf denen ich überhaupt je war, und so langsam sind das ja auch einige. Sie war nämlich extrem durchgeplant von einem richtig echten Weddingplanner. Sowas kenne ich nur aus dem Fernsehen. Ehrlich. Meine Freunde machen sowas nicht, schon alleine weil es einen Haufen Geld kostet. Aber naja, diese (meines Onkels) Seite der Familie hat ja Geld. Es wurde also nichts dem Zufall überlassen. Von der Deko über das Essen (Probeessen zwei Tage vorher!) über die letzte Anpassung des Brautkleids am Vorabend zum Anschneiden der Torte auf einem beleuchteten Tisch mit Wunderkerzen mit dem Logo-Schriftzug der beiden Namen dran. Menükarten mit dem gleichen Design wie die Einladungkarten, Tischkarten, Sitzplan. Es gab sogar ne Hochzeitsprobe! Am faszinierenden fand ich aber, dass man von dem ganzen Brimborium im Hintergrund während der Feier selbst fast gar nichts merkte. Vermutlich macht das einen guten Weddingplanner aus: dass man ihn und seine Arbeit als Gast nicht bemerkt. 

Die Trauung selbst war tatsächlich traumhaft schön, im Innenhof der Pousada unterm Orangenbaum. Zuerst marschierten die Trauzeugen und Brautjungfern (jaja, natürlich, je drei, und die Damen hatten ähnliche, aber nicht gleiche Kleider an, wie es muss.) zu Musik ein, dann der Bräutigam mit seiner Mutter (zum Allzeit-Karaoke-Schmetterklassiker „Wonderwall“) und dann die Braut mit ihrem Vater. Die Musik war eine tatsächlich gelungene Kombi aus Aufnahme und Live-Stehgeiger, mit E-Violine und vollem Emo-Körpereinsatz. 

Den geringsten Redeanteil an der Trauung hatte die Standesbeamtin, die kurz zu Anfang was sagte, dann gab es je eine Rede vom Vater der Braut, von der Mutter des Bräutigams, vom Best Man und der Maid of Honour (die mir etwas leid tat, weil ihr zwei Monate altes Baby auf dem Arm des Papas die ganze Zeit wie am Spieß brüllte). Dann Trauzeremonie mit sämtlichen Formeln die es gibt bis auf das Ding mit dem Schweigen. Plus jeweils selbst geschriebene Vows von Braut und Bräutigam (in Heftchen mit dem Hochzeits-Design, natürlich), Ringtausch (die Ringe wurden von der zweijährigen Tochter der Maid of honour gebracht, und alle so: aaaaawwwwwwww!!!, es war aber auch so unheimlich süß) und Kuss und fertig. Klingt jetzt voll nüchtern, wenn ich das so schreibe, aber ich sachs mal so: ich brauchte sehr sehr viele Taschentücher und das lag nicht (nur) an der Sonne, die mir voll in die Augen schien. Und auch nicht daran, dass ich „bei Hochzeiten immer heule“, wie es ja vielen geht, mir nicht so, ich gehe ja auch immer erstmal nicht von einer Verbindung für immer und ewig aus, noch nicht mal (oder vor allem nicht?) bei meiner eigenen Hochzeit. Aber es war schon sehr schön, vor allem die Reden und überhaupt, das Ganze, so ein schönes Kleid, mit Schleier und dem ganzen Scheiß, den ich nie haben wollen würde, aber hier passte es einfach. Dann passt auch Heulen. 

Nach der Trauung gab es nach den obligatorischen Gratulationsschlangen erstmal Snacks und Getränke, ich fokussierte mich auf Snacks, weil ich sonst wohl wen angefallen hätte vor Hunger. Das Paar machte dann weiter Fotos, es wurde überhaupt wahnsinnig viel fotografiert und gefilmt, später wurde das etwas nervig, als nicht nur ein Fotograf, sondern auch ein Videograf und ein Beleuchtungsheini mit einer grellen Lichtstange zwischen den Tanzenden auf der Tanzfläche herumhüpften. Jedenfalls war mit den Snacks quasi ein sechsstündiger Fressmarathon eingeläutet, mit vier Gängen und dann noch Hochzeitstorte, von der ich mein Stück da schon nicht mehr aufessen konnte, weil ich sonst echt einfach geplatzt wär. Das Essen war größtenteils echt sehr gut, der Nachtisch war bombastisch gut, dazu musste man etwas aufpassen, dass man nicht zu schnell den Wein trank, weil die Kellner das Glas immer voll hielten. 

Wie das aber ja so ist, ist das Interessante bei sowas eher das Drumrum, deshalb hier ein paar Highlights aus den Tischgesprächen:

  • Mein („kleiner“) Cousin, der sich aufregte, dass die kulturlosen Kanadier alle schon ihre Jackets ausgezogen hatten, obwohl der Bräutigam seins noch anhatte. Er ging dann echt hin und machte die an, worauf einer von denen mit ihm zum Bräutigam ging, der nur sagte „You know, I don’t give a f*ck.“. 
  • Mein („großer“) Cousin https://twitter.com/rabensalat/status/784496913231990784
  • Meine Mutter (natürlich), die sich nur mit Mühe von der Idee abbringen ließ, man könne die Army-Kanadier bestimmt zum Pazifismus bekehren, wenn man nur gewaltfrei kommunizieren würde. Bei der Vorstellung, wie meine Mutter zu den Army-Kanadiern marschiert (die sich ja alle für lange Jahre, teilweise Lebenszeit, verpflichtet haben!) und denen sagt „Dass ihr Soldaten seid, macht mich sehr traurig, ich möchte gerne verstehen, warum ihr das System Konflikt wertschätzt!“ muss ich immer noch lachen. Das Beste war dann aber folgender Dialog zwischen meiner Mutter und meinem Cousin, der meine Auffassung teilte, dass die Army-Kanadier eine wie gewaltfrei auch immer geäußerte Kritik an der Armee mit großer Sicherheit als Angriff auf sie selbst und ihre Lebensentscheidung interpretieren würden: https://twitter.com/rabensalat/status/784526587224096769
  • Die kleine Ringträgerin, die total begeistert davon war, dass ihr jemand vier Gabeln, drei Messer und drei langstielige Weingläser gedeckt hatte. Und ihr Papa, der panisch versuchte, ihr ohne Geschrei das meiste davon abzuluchsen. Dafür viel <3.

Danach eben mehr Fotos, mehr Wein, Hochzeitstorte (Uffz) und dann: Party. Da dann endlich auch größere Durchmischung der Gäste, noch mehr Wein (eieiei), irgendwann Whisky (der ging noch) und danach ein Zeug, was aussah wie Whisky und mir einfach in die Hand gedrückt wurde, ich ohne Hinterfragen herunterstürzte, das Gesicht ob des definitiv nicht Whisky-igen Geschmacks verzog und naja, danach war ich sehr lustig. Ich fragte den Typen, der mir das gegeben hatte noch, was das war und bekam die Antwort „I don’t have a clue. It sure tasted like the sum of bad life decisions.“. Möglicherweise war es Captain Morgan. Ist ja auch egal, danach war es wirklich lustig, es kam dann noch zu der Sache mit den Anklebe-Schnurrbärten, der Sache mit des Kanadiers Handy in diesem Tümpel (und vier Männern, die sich weigern, das wieder rauszuholen, weil is ja voll eklig, so Wasser. Aber Leute abknallen. Naja, Schwamm drüber.) und der Sache mit dem Wein auf und in meinen Schuhen. Ich schaffte es, der Braut auf der Tanzfläche für ein Foto ein Getränk in die Hand zu drücken, das Tanzen im Hochzeitskleid mit alkoholischem Getränk in der Hand ist eine Familientradition, die ich vor sieben Jahren startete. Zu dem Zeitpunkt trank sie aber schon gar nichts mehr, weil es ihr nicht soooo gut ging, also leerte ich das Glas auch noch. Die Musik war echt schräg, aber es wurde trotzdem viel getanzt, bis um drei Uhr die Party für beendet erklärt wurde. 

Wir, also der Rest, der den Diskoschluss nicht als willkommene Gelegenheit zum ins-Bett-Gehen nutzte, nahmen dann noch die angebrochenen Flaschen aus der Bar mit (jaja, dämlich…) und setzten uns auf die Terrasse, einer der Kanadier heulte sich bei mir aus, wie unheimlich schlecht es ihm ginge, seine Frau hat sich von ihm getrennt und lässt sich scheiden, die 18 Monate alte Tochter sieht er deshalb nur alle zwei Wochen für vier Tage, es ist alles ganz schrecklich. Vielleicht strahle ich so große Mütterlichkeit aus, dass man mir sowas erzählt. Oder er hatte sich eine andere Reaktion erhofft, vielleicht in Richtung „warmer Schlafplatz neben Frau“ anstatt „Oh, I’m sorry to hear that!“. Kurz drauf war der Wein leer und nur noch Portwein da (bläh), da fand ich es sinnvoll, ins Bett zu gehen. 

Insgesamt war es wirklich eine wunderbare Hochzeit. Und mein besonderes <3 geht an:

  • Die Freundin meines Cousins, die sicher 1,85 m groß ist und mit unheimlichem Selbstbewusstsein krass hohe Schuhe trug und damit sogar meinen Cousin deutlich überragte, der 1,90 m groß ist. (Und die den Brautstrauß fing, zwinkerzwinker.) 
  • Die Portugiesische Cousine, die trotz Gipsbein mit Krücken wild tanzte und bis zum Schluss durchhielt. (Und die das coolste Kleid von allen anhatte.) 
  • Den Bad-life-decisions-Typen, der irgendwann aus Solidarität mit den barfuß tanzenden Damen die Schuhe auszog. Der auch echt gut tanzen konnte und drauf bestand, die Dame zu sein: wenn ich mich schon nicht führen lasse dann aber richtig. 
  • Die 87 Jahre alte Oma des Bräutigams, die konsequent mit allen Anwesenden Portugiesisch sprach. 

Ach ja, doch, war schön. Und jetzt bin ich gleich wieder zu Hause, bei meinen Babies, das ist noch viel schöner. 

Tag 425 – Kater. 

Ähm ja. Das mit dem nicht so viel trinken hat nicht ganz so gut geklappt. Kurzzusammenfassung: die Trauung war sehr schön, das Essen größtenteils super, die Gespräche so hmm, alles war Bombe durchgeplant, die Party war trotz echt nicht so guter Musik echt gut. 

Ich fischte das Handy eines der Armykanadier aus einem Tümpel, da war viel Moos involviert und ich muss jetzt mein Kleid waschen. Aus einem nicht mehr ganz vollständig zu rekonstruierenden Grund sind meine Schuhe gebadet in Wein, ich habe Sonnenbrand vom verkaterten Rumschimmeln heute, eine Blase auf dem großen Zeh vom Tanzen und bin nach vier Stunden „Schlaf“ letzte Nacht unendlich müde. Und zufrieden. Und müde. Morgen um sechs geht mein Flug. 

Fundstück auf dem Handy heute morgen.

Sparklers. Falls Sie sich fragen, wie Wunderkerze auf Englisch heißt.

Alles ca. 1000 mal schicker, als unsere Hochzeit damals war.

Tag 386 – Gemischtes. 

Jo, der Muskelkater von gestern ist schon fies. 

Das eine von zwei Hardcore-Experimenten weiter gemacht und dann weiter gegeben. Beide hängen jetzt bei der gleichen Person, wobei Experiment A darauf wartet, dass das „gute“ Gerät repariert wird, während Experiment B hoffentlich morgen schon weiter gemacht werden kann. Dieses Schneckentempo regt mich ein bisschen auf. Meinen Chef aber auch. 

So halb lustig: die Proben, die ich vor meiner Elternzeit in vierwöchiger Arbeit erzeugt hab, wurden endlich analysiert. Bisher kamen 2 (!!!) Proteine raus. 2!!! Es ist zum Heulen. (Ich hätte eher so 200 bis 2000 erwartet. 2 heißt: da ist ganz gründlich was schief gelaufen. Vielleicht ist es eben doch nicht so gut, die Proben ein Jahr in der Truhe liegen zu haben…)

Blöder Anruf aus dem Kindergarten: Pippi hat wieder Fieber. Meh. Also hingefahren: fühlte sich zwar warm an, war aber fröhlich und wirkte eindeutig nicht krank. Sie haben aber 38,1 Grad gemessen. Tja. Den Rest des Nachmittags und Abends war sie topfit, spielte und aß wie ein Scheunendrescher und war auch nicht anhänglich oder sonstwas. Vorm Ins-Bett-Gehen maß Herr Rabe nochmal ihre Temperatur: 36,5 Grad. Sie ist einfach nicht krank und war es vermutlich auch (heute) nie. Das muss ich jetzt „nur“ noch morgen früh dem Kindergarten erklären, der hat nämlich (aus völlig nachvollziehbaren Gründen, die trotzdem dauernd missachtet werden)  eine 24-h-Fieberfrei-Regel. Das wird bestimmt ein Spaß morgen früh. 

Michels Autonomiephase ist anstrengend. Sehr. 

Ballett: so schön. Leider sehr sehr voll. Noch viel leiderer: eins der Mädels, ein (wie ich finde) ausgesprochen sympathisches und schönes, hat sich ein wirklich hässliches Tattoo einer Libelle machen lassen. In den Nacken. Ich finde Tattoos oft schön, aber das ist echt misslungen und dann auch noch an so ner Stelle, die man eben nur mit langem Haar bedecken kann. Vermutlich einfach ein schlechter Tätowierer, aber sie muss jetzt erstmal ne Weile damit rumlaufen. 

Herr Rabes Bruder heiratet im Oktober zum zweiten Mal dieselbe Frau (diesmal kirchlich, vor 9 Jahren war standesamtlich) und wir fahren alle hin. Ich hab eh schon keinen Bock wegen Stress und den, ähhhhh, interessanten Familienfeiern der Familie Rabe (das schreib ich mal gesondert auf, das wird sonst hier zu lang). Heute bekam dann Herr Rabe von seiner einen Schwester eine Nachricht: ob er für einen Sketch, den sie mit der anderen Schwester aufführen möchte, den Erzähler spielen könnte. Einen Sketch aus so ner Art westfälischem Witzebuch. Ich kann gar nicht sagen, wie grauenvoll ich Sketche finde und AUS GUTEM GRUND habe ich bei meiner eigenen Hochzeit alles in die Richtung gehende untersagt und MIT RECHT weigern die eigenen Kinder meiner Schwägerin sich, bei sowas mitzumachen. Aber das wird wohl eine Hochzeit mit Sketchen und „witzigen“ (aka sexistischen, Fremdscham-erzeugenden) Spielchen. Ich brauche Schnaps. 

Apropos Schnaps: ich dachte heute übers Stillen nach und ich frage mich wirklich, ob es bei Kühen auch so ist, dass Abpumpen die Milchproduktion anregt, Ausstreichen (also Melken) aber nicht. Und ob das überhaupt auch bei Menschen mal wer untersucht hat, ob das echt so ist, oder nur ein Ammenmärchen. Falls jemand darauf Antworten hat: es interessiert mich wirklich ganz im Ernst!