Tag 3853 – 3855 – Ewig müde.

Wir gehen hier alle zu spät ins Bett. Das ist nicht so gut. Unter der Woche klingelt der Wecker ja trotzdem (der Arsch!).

Ich melde mich deshalb hier auch nur kurz. Heute war ich auf einem „Hauskonzert“, das ist eine Konzertreihe, die mein Geigenlehrer betreibt und die in den Wohnungen von Leuten stattfindet, die sich dazu bereit erklären. Ich kannte dort außer meinem Lehrer niemanden, und wusste nichts über das Konzert, außer dass es Violine und Piano sein würde. Und es war sehr schön. Auch sehr Osloer-Hipster-Treffen und ein definitives Übergewicht an ehemaligen und aktiven Musikern. Gut, da fühle ich mich jetzt nicht so ganz richtig am Platz, aber die Leute sind trotzdem nett gewesen. Das Repertoire der zwei Musikerinnen war sehr divers und handelte so grob vom Thema „Nacht“. Da war von Bach bis zu einem freakigen neoklassizistischen Stück, das von einer Verfolgungsjagd durch Athen handelte, alles dabei. Und meine Güte, waren die gut.

Alles in allem hat sich das sehr gelohnt. Hach.

Tag 3842 – Hachz!

Herr Rabe und Pippi sind wieder da! Das ist sehr schön. Schon allein, weil ich sonst heute alleine auf ein Konzert hätte gehen müssen und das ohne Herrn Rabe bestimmt nicht so schön geworden wäre. Wir waren nämlich bei Biffy Clyro, den schottischen Königen des epischen Rocks und der Sad-Troubled-Boy-Liebeslieder. Und der abgefahrenen, eigentlich unspielbaren Rhythmen. Also, nicht so „schlimm“ wie z.B. Tool, aber schon rhythmisch oft eher anspruchsvoll, jedenfalls abseits der Radio-Hits. Und das war so schön alles, hach. Ich wusste vorher nicht, dass die zwei Violinistinnen mit auf Tour haben, und ebenfalls nicht, dass der Bassist wegen Krankheit auf der Tour durch eine Bassistin vertreten wird. Mehr Frauen auf der Bühne ist nie schlecht. There, I said it. Ich glaube, die Musik ist auch eh ein bisschen „Frauen-Rock“, wobei das Publikum sehr ausgewogen war. Hauptsächlich irgendwie Leute um die 40 und aufwärts, nicht so wie wir, ähm, wir sind ja jung und fresh. Nicht wahr.

Versehentlich den zweiten Gitarristen abgeschnitten, sorry. Stellen Sie sich einfach einen semi-coolen Englischlehrer Anfang 50 vor. Mit Gitarre.

Bei Many of Horror musste ich ein Tränchen verdrücken. So schön war das. Man sollte mehr E-Geigen-Rockmusik hören.

Jetzt, im Bett, merke ich allerdings die schlappen Beine und schlappes alles und die Müdigkeit. Aber das war es allemal wert.

Tag 3630 und 3631 – Von Getränken.

Ich sollte echt, wirklich ganz im Ernst, keinen Champagner trinken. Spätestens am nächsten Morgen bereue ich das. Heute zum Beispiel, weil wir gestern mit der Schwägerin auf das neue Haus angestoßen haben. Das war nett, aber mein Kopf heute morgen war nicht so nett.

Heute habe ich dafür auch nur Cola getrunken – aber spät. Auch das ist nicht so schlau (für mich), weil ich jetzt wach bin.

Der Grund, warum ich spät abends noch Cola trank, war, dass Herr Rabe mit seiner Band im lokalen Pub (der, der bei Hans voller Wasser gelaufen ist) ein Konzert gespielt hat. Ich musste danach noch fahren, nämlich Michel von seinem besten Freund abholen und die Schwägerin nach Hause bringen (ich wäre gelaufen, aber dann wäre nichts von den beiden Dingen möglich gewesen). Das Konzert war bombe, wirklich guter Sound und gut besucht (für ein wenig beworbenes Pub-Konzert). Wesentlich mehr Leute hätten in den Pub nicht rein gepasst. Ich glaube, auch der Getränkeumsatz war durchaus anständig, win-win also für die Band und die Pubbetreiberinnen.

Hier ein paar Bilder.

Tag 3623 – Unterbrechung.

Heute haben wir ausgeschlafen. Also ich zumindest. Herr Rabe musste ein bisschen arbeiten. Aber Pippi hat beim Mini Dance Camp übernachtet und deshalb musste niemand heute früh raus um sie zu wecken und aus dem Haus zu bekommen. Hurra!

Nachmittags waren wir alle bei der Vorstellung, die es beim Mini Dance Camp immer als Abschluss der Woche gibt. Das war sehr schön, es ist wirklich beeindruckend, was die innerhalb einer Woche so auf die Beine gestellt bekommen. Unsere erwachsenen Beine und Rücken fanden auch gut, mal nicht den halben Tag auf dem Festivalgelände zu stehen. Aber, apropos Rücken: das ging erstaunlich gut, wie vermutet half Bewegung und inzwischen tut es kaum noch weh. Mittwoch war ich noch recht unelegant, wenn ich mich mal auf den Boden setzen wollte. Aber jetzt tun mir die Füße und Knie viel mehr weh geht es wieder alles fast normal. Zurück zu Pippi: das war eine schöne Vorstellung und es ist wirklich schön, dass sie so einen Spaß am Tanzen und am Zusammensein mit den anderen Kindern hat.

Wir waren dann dementsprechend heute erst spät auf dem Festival. Wir haben sicher auch einiges verpasst heute, aber was soll’s, wie gesagt, wir sind auch nicht mehr 20. Da niemand von uns großes Interesse an ultra darkem Gehämmer-Metal hatte, ließ ich mir kurzerhand die Ohren ausspritzen.

Es gab nämlich da einen Hörgeräteakustiker, der ein Angebot hatte. Ich kriege dann, wenn wir aus dem Urlaub wieder da sind, „richtigen“ Gehörschutz, angepasst auf meine (scheinbar sehr kleinen und sehr gewundenen) Gehörgänge. Und auch gleich welchen zum Schlafen, dann bin ich da weg von sicher nicht so umweltfreundlichen Silikon-Wegwerfprodukten.

Als heute tatsächlich einzige Band schauten wir uns Kaizer‘s Orchestra an, eine Band, die im Vorfeld für Aufregung gesorgt hatte, weil die ganzen Metalheads EMPÖRT waren, dass eine so un-metalige Band Headliner dort sein darf. Ich kannte die nicht (dachte ich. Mir fiel dann ein, dass ich die glaube ich sogar mal live gesehen habe, 2008 in Stockholm.) und es ist halt tatsächlich kein Metal. Es ist aber auch nicht wie irgendwas anderes. Es ist sehr eigen. Insofern war es eine nette Abwechslung und eine Pause vom Gehämmer. Stimmung haben die auch gemacht und die Musik ist durchaus gut, aber halt mit nichts so richtig zu vergleichen. Außer uns waren aber auch Ultrafans da, das macht natürlich die Stimmung auch gut. Insgesamt mein Eindruck: kann man durchaus mal anhören, aber ich glaube, die Band hasst oder liebt man, mit nichts dazwischen.

Jetzt Bett. Die müden Beine ausruhen.

Tag 3622 – 2.

2. male sind ja manchmal heilend. Geburten. Green Day-Konzerte. So als Beispiel.

Ganz damals, als American Idiot komplett durch die Decke gegangen war (for the record: ich hatte auch vorher schon Green Day gehört, das hat nämlich mein Cousin mal angeschleppt, noch mehr damals), war ich mal auf einem Green Day Konzert. In Düsseldorf, glaube ich. Das war ziemlich teurer Eintritt und dann war es doof. Die haben lustlos das Album runtergerattert und das war’s. Eine wirklich große Enttäuschung.

Aber ja lange her und man kann dem ja, vor allem auf einem Festival, eine neue Chance geben.

Und es war SUPER. Ein Fest von vorne bis hinten.

Wie man sieht, war es auch voller als gestern und wir nicht so nah an der Bühne. War trotzdem super.

Im Gegensatz zu damals merkte man denen richtig an, dass sie da einen Mega Spaß dran hatten.

Was Muse gestern nicht geschafft hat, schaffte „Good riddance“, der Rausschmeißer, kombiniert mit Feuerwerk (was ja niemand wirklich braucht und Alternativen wären besser gewesen, aber schön anzusehen ist es), wo mir ein paar Tränen die Wange runterkullerten. So emotional war das alles.

(Wie Michel, während wir die noch lebenden Reste der Sex Pistols anschauten, beim Rasen mähen bei der Babysitterfamilie von irgendwas fies in den Fuß gebissen oder gestochen wurde und wir alle erst dachten „KREUZOTTER!“ und dass das Superleichtgewichtkind jetzt mindestens stirbt, erzähle ich bei passender Gelegenheit.)

Tag 3621 – Eine großartige Liveband!

Es ist sehr spät, aber das war vorherzusehen. Herr Rabe und ich sind nämlich jetzt ein paar Tage auf einem Festival in Oslo. Tons of Rock heißt das. Da wird sehr viel Rock gespielt. Und morgen sehr viel Punkrock. Samstag sehr viel Metal. Heute war, weshalb wir die Tickets gekauft haben. Aber dazu muss ich ausholen.

2006 war ich auf meinem ersten Festival, dem Hurricane in Scheeßel. Mit Camping und so. Es war heiß, es war staubig, ich hatte schnell derben Sonnenbrand, wir tranken lauwarmes Bier aus Plastikflaschen vom Aldi, es war super. Bands waren da auch (Billy Talent habe ich da entdeckt und viele Jahre heiß geliebt. Vor nem Jahr hab ich herausgefunden, dass die ein neues Album rausgebracht haben, reingehört und schockiert wieder ausgemacht. Aber 2006 waren die super!). Gefühlt das halbe Publikum war wegen einer Band angereist, die ich nicht kannte und die Sonntag Abend als letztes spielen sollte. Eine großartige Liveband sei das. Wirklich großartig. Sagten wirklich ungefähr alle, mit denen man da sprach. Vielleicht minus die, die nur BIERBONG! und HEEELGAAA! grölten. Wir (also die, mit denen ich zusammen da war, Herrn Rabe kannte ich da noch nicht) beschlossen deshalb auch, diese Band noch anzugucken, aber schon nachmittags das Zelt abzubauen und einzupacken, damit wir danach direkt fahren konnten.

Es war aber ja so affenheiß gewesen. Was passiert, wenn es im Sommer sehr heiß ist, gerne mal? Genau. Hitzegewitter. Während wir Apokalyptica anschauten, zog es sich zu. Die Bildschirme wurden von der Bühne abgehängt, weil es plötzlich sehr windig wurde. Der Himmel wurde dunkler und dunkler und das passte zu Apokalyptika ausgezeichnet, so richtig dachten wir uns nichts dabei. Dann kam die Durchsage, dass das Festivalgelände evakuiert werden müsse, die letzte Band, die großartige Liveband, spiele nicht, bitte alle JETZT SOFORT gehen. Als wir uns umdrehten, um zum Ausgang zu gehen, sahen wir auch, warum: eine beeindruckende, schwarze Wolkenwand war da zu sehen. Wir wurden plötzlich sehr schnell. Trotzdem kamen wir nicht schnell genug zum Zeltplatz (wo Freunde von uns unsere letzten Rucksäcke in deren Ex-Rotkreuz-Sanitäter-Zelt aufbewahrten) um dem epischsten aller Wolkenbrüche zu entgehen. Der staubige Acker verwandelte sich binnen Sekunden in einen Oberwasser-Tümpel und mehr als ein Zelt trieb an uns vorbei. Als wir am Zelt ankamen, waren wir bis auf die Unterhosen durchgeweicht und matschig, in den Schuhen stand das Wasser – und wir hatten ausgezeichnete Laune. Die Freunde fanden wir im Gestänge des Zeltes hängend, einen Kampf mit dem Wind um das Zelt führend. Wir hängten uns dazu. Das Zelt blieb tatsächlich weitgehend unten. Die großartige Liveband war vergessen, wir hatten plötzlich mit Wassermassen, Schlamm und Wind zu tun. Statt um elf Uhr abends kamen wir so gegen 3 Uhr nachts endlich los, und da waren wir alle komplett nass und müde statt gehupt von der großartigen Liveband. Aber dass diese Band eine großartige Liveband ist, etabliert sich im Freundeskreis schnell als running gag.

Fast forward ein Jahr, ich lerne Herr Rabe kennen und ein Lied* der großartigen Liveband spielt dabei eine so zentrale Rolle, dass es danach jahrelang mein personalisierter Klingelton für Herrn Rabe ist.

Fast forward noch ein Jahr: ich bin in Schweden, wir feiern eine Party im Wohnheim, mir gefällt ein Lied, ich frage, was das ist. Ein Lied** von der großartigen Liveband NATÜRLICH! Das weiß man doch.

Ich wusste das nicht, aber als ich wieder in Deutschland war, zog ich mir die komplette Discographie. Und seither ist das eine meiner absoluten Lieblingsbands. Absolut großartige Band.

Heute konnten wir verifizieren, WIE großartig die als Liveband sind. UNFASSBAR GROSSARTIG nämlich. Was für ein Fest.

Muse live.

Ein Traum von über 16 Jahren ist da in Erfüllung gegangen. Es war so toll! Hach! Gehen Sie alle Muse angucken, vor allem auf Festivals.

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*Supermassive Black Hole

*Hysteria

Tag 3575 und 3576 – Keine Bilder.

Gestern hatten die Kinder ein Korps-Treffen in einem Militärlager, da sind sie mit mehreren anderen Korpsen rummarschiert und haben ihre Märsche und andere Stücke gespielt und das war für die Kinder sehr schön. Es gab eine Medaille nachher, die an die Uniform zu den anderen Medaillen gepinnt wird. Ich stand derweil in dem Militärlager im Kiosk und habe Kaffee und Boller verkauft, was das Zeug hielt. Das war auch ganz gut, weil ich dann nicht so viel Zeit hatte, mich zwischen den ganzen Panzern und Waffen und olivgrünen Uniformen super unwohl zu fühlen. Ich mag diesen ganzen Militärkram echt überhaupt nicht, aber der hat 1. in Norwegen einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland und 2. jährt sich für die Norweger dieses Jahr die Befreiung ihres Landes zum 80. mal. Das ist hier ein Anlass zum feierlichen Gedenken. Generell wird ja am 8. Mai auch von vielen geflaggt, aber dieses Jahr gibt es eben einiges „Extra“, wie Korps-Treffen in Militärlagern.

Danach war etwas Stress. In zwei Stunden wurde mich selbst Umziehen und Schminken, Kinder zum Umziehen und Pippi zum Duschen nötigen, Michel zu seinem Kumpel fahren, Einkaufen und Pippi zum Packen ihrer Übernachtungssachen anhalten gequetscht. Am Ende vergaß ich leider ausgerechnet die Tiefkühltüte auszuräumen, die stand noch im Flur, als Herr Rabe und ich um Mitternacht wieder nach Hause kamen.

Herrn Rabe traf ich nämlich in Oslo, wo wir zum Burlesque-Karaoke gingen. Um 18:30, weil halt. Es war sehr sehr lustig und wir haben sogar gesungen, auf der Bühne, das arme Publikum. Aber wir hatten Spaß, das ist ja das wichtigste. Außerdem waren es wieder tolle Performances und ich Fangirle ab jetzt dann eine Dragqueen (Salty), die auch Draglesque macht. Was. Für. Eine. Show.

Weil das so früh angefangen hatte, war es aber auch früh vorbei, also hatte ich uns beim Inder noch schnell einen Tisch zu 21 Uhr reserviert. Der Pepper’n Gror, sehr zu empfehlen! Inzwischen war dann auch klar, dass Michel bei seinem Kumpel übernachten wollte, wir hatten also keine Kinderverantwortung. Das war mal wieder sehr schön. Lange Gespräche mit Herrn Rabe über alles mögliche, hach. Bei einem Spaziergang vom Bahnhof nach Hause (weil wir beide Bier getrunken hatten) setzten wir das fort. Es war wirklich ein schöner Abend.

Heute haben wir dann eine Joggingtour zum Bahnhof gemacht, um die Autos abzuholen. Spontan noch ein Haus besichtigt, das wirklich direkt am Bahnhof liegt (im Schlendertempo 5 Minuten zu Fuß). Schön groß, schöner Garten, ein Keller und eine richtige Waschküche, die Küche ist niedlich (und hat eine Echtholzarbeitsplatte, genau wie ich sie haben will), sehr viele Einbauschränke in bereits abgebeiztem Echtholz, im Keller ist eine Sauna und eine Garage gibt es auch. Es gibt aber auch keinerlei Ventilation, überall Stofffasertapeten aus den 90ern, 2 winzige Bäder, davon eins renovierungsbedürftig (inklusive Fußboden rausreißen), im Waschkeller muss ebenfalls der Boden aufgerissen und eine vernünftige Membran verlegt werden und der Abwasserablauf saniert werden und zur Drainage rund ums Haus und eventueller Feuchtigkeit im Keller sagt der Sachverständige in seinem Report „die Drainage, so vorhanden, ist entweder beschädigt oder hat ihr Lebensalter erreicht, jedenfalls scheint sie nicht zu funktionieren“. Also das Haus an sich ist wirklich schön, es gibt mir so richtige „Oma-Haus“-Vibes, aber ich schätze locker eine extra Million Kronen muss man da rein investieren, damit man sich sicher sein kann, dass einem nicht irgendwann das Fundament wegrottet. Ob ich das will… zweifelhaft. Aber am Donnerstag gucken wir vielleicht noch ein Haus an, das wo ganz anders liegt, aber einen wesentlich besseren Standard hat. Wir werden sehen. Eigentlich will ich ja auch gar nicht umziehen (auf keinen Fall, eigentlich), aber mehr Platz haben wäre schon echt schön.

Danach habe ich angefangen, etwas aus Paillettenstoff zu machen und das mache ich auch so schnell nicht wieder. ÜBERALL sind jetzt Pailletten. Der Staubsauger weint auch schon.

Nur Bilder habe ich das ganze Wochenende nicht gemacht.

Tag 3566 und 3567 – Tatsächlich mal was zu erzählen.

Volle Tage, trotz (oder wegen) Feiertag. Aber es ist auch schon wieder echt spät. Mal sehen, wie weit ich komme, bevor mir die Augen zufallen.

Gestern hatten die Kinder den obligatorischen 1. Mai-Marsch mit dem Korps. Es war WARM. In erster Linie jedenfalls. Morgens habe ich noch in Windeseile Michels Hose unten ausgelassen und oben enger genäht und die ganze Sache dann gebügelt. Auf die letzte Minute fertig geworden. Jaja. Für den 17. Mai ist ähnliches Wetter angesagt, da müssen wir vorher den Kindern noch kurzärmelige Hemden kaufen. Die gehen sonst ein in den Uniformen.

Nachmittags waren Herr Rabe und ich 30 Minuten joggen und ich bin jetzt dabei (in dieser Zyklusphase) fitter als Herr Rabe. Hähä.

Heute war erst Arbeit, zwei dicke und doofe Brocken erledigt, drülf weitere nicht geschafft. Tjanun. Dann in Rekordzeit aus Homeofficeschlumpf ausgehfein für ne Drag-Show gemacht, in den Supermarkt gedüst, den Kindern Pizza besorgt, zum Bahnhof gedüst und in den Zug gesprungen. Im Zug schnell aufs Klo, dabei ein Loch in den halterlosen Strumpf (she‘s a showgirl!) gerissen. Nicht so schlimm, der rutschte eh. Herr Rabe bot an, Ersatz zu besorgen. Ich wollte eigentlich mich dann noch im Zug der kaputten und rutschenden Strümpfe entledigen, aber der Zug war so voll, dass ich nicht zum Klo durchkam. Macht nichts, dachte ich, geht schon. Ging nicht. Die rutschenden Strümpfe machten mich nach 10 Schritten wahnsinnig und waren auch das Gegenteil von elegant. Würdelos stolperte ich mit an den entblößten Knien hängenden Strümpfen in das abgeranzteste Einkaufszentrum Oslos (Gunerius, für die Ortskenntlichen) auf der Suche nach einer Toilette, aber da war keine. Was da war, war so eine Fotokabine. Da ging ich rein und zog, immer noch würdelos, die Strümpfe aus. Die wanderten auch direkt in den Müll. Und ich, mit nackten Beinen, Herrn Rabe treffen.

Die Drag Show war super, nur leider recht dünn besucht. Dies ist eine kleine Aufforderung, Kunst, die man mag, auch tatsächlich anzuschauen. Sowas stirbt sonst, weil es sich nicht rechnet. Wir haben sehr viel gelacht und uns insgesamt super amüsiert.

Was ich allerdings nicht noch mal mache: meinen, ich könnte auf meinen mörderisch hohen Absatzschuhen (she‘s a showgirl!) bis zum Bahnhof laufen. Ich hatte meine Turnschuhe im Rucksack, das war gar nicht nötig, auf dem Hinweg hatte ich die hochhackigen Schuhe auch nicht an. Aber auf dem Rückweg war ich dann zu stolz und meine Füße werden mir das sicher die nächsten Tage noch übel nehmen.

Das sind nämlich echt hohe Schuhe. Und steinhart sind sie auch. Aber hübsch.

Tag 3519 – Mehr Gejammer.

Die zweite Gürtelroseimpfung ist drin und ich will wirklich keinen von Impfungen abhalten, deshalb sage ich lieber nur: tatsächlich Gürtelrose haben ist wesentlich schlimmer. Ich hatte noch keine, aber ich kenne mehrere Leute, die eine hatten und es hat ja auch Gründe, warum das hier „Höllenfeuer“ heißt. Disclaimer: dass ich in meinem Alter die Impfung schon bekommen habe, ist eine Kombination aus meinem Unwissen, dass die für meine Altersklasse gar nicht zugelassen ist, zum Zeitpunkt als ich um das Rezept bat (inzwischen weiß ich das sehr wohl) und meinem Hausarzt, der da sein freies Verschreibungsrecht ausgeübt hat.

Weil es noch ganz gut ging, als wir losfuhren, war ich trotzdem mit Herrn Rabe und Pippi im Kino, in Wicked. Das ist ein sehr toller Film, den man sich gut angucken kann. Es sind auch entspannend wenige Männer in dem Film. Wenn man Musicalfilme nicht mag, ist er aber trotzdem nichts.

Danach wollte ich mich allerdings nach Hause ins Bett beamen, das wurde ein langes Warten auf den Zug und dann eine lange Zugfahrt.

Die Arbeitssache hängt mir noch nach. Kurz gesagt hat das Werk beschlossen, dass die Arbeit von 3/4 seiner Angestellten, darunter auch uns, unwichtig ist. Und außerdem haben wir kein Geld. Man kann sich denken, was das für diese 3/4 von uns dann bedeutet. Kein Geld für Nix, wer aufhört wird nicht ersetzt, wir müssen (wieder mal) alle unsere Aufgaben risikoeinschätzen und dann wird geguckt, was man sein lassen kann. Das wird auch gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben (wie Inspektionen) betreffen. Es erinnert ein bisschen an Musks Montags-e-mails. 5 Gründe, warum ich meinen Job behalten sollte. Gestern fiel mir schwer, fünf oder auch nur drei Gründe zu finden, warum ich meinen Job behalten WOLLEN sollte. Speziell, nachdem die Person, die uns diese „frohe“ Botschaft, dass gekürzt wird, was gekürzt werden kann, überbracht hat, sich nicht entblödete, am Ende zu sagen, dass das doch eigentlich eine gute Nachricht sei. Weil wir jetzt dabei sein können, was neues aufzubauen. Was spannendes! (Tut mir leid, ich finde Krisenbereitschaft überhaupt nicht spannend. Das einzige, was daran „spannend“ ist, ist dass damit bei uns Leute arbeiten, die keine Ahnung haben, wie die Pharma-Industrie funktioniert und wie so ne Fabrik eigentlich von innen aussieht. Das ist „spannend“ im Sinne einer „fetzigen“ Frisur.)

Komme mir vom Werk derbe veräppelt vor zur Zeit. Und überhaupt nicht wertgeschätzt. Neuer Titel hin oder her, am Ende sind sie nur dran interessiert, dass ich mich für sie weiter verheizen lasse, mit möglichst wenig Aufwand von ihrer Seite.

Tag 3456 – Eltern gehen aus.

Lustige Zahl heute.

Herr Rabe schleppte neulich via den Schlagzeuger seiner Band eine norwegische Punkrockband an, die ein richtig fettes Brett Musik macht und dazu… hauptsächlich Quatschtexte, zum Beispiel wie sie ewig lang Bolognesesauce (oder so?) kochen und sich dabei so richtig geil und fein vorkommen, wenn das da ewig rumköchelt und sie immer mal ein Stückchen Butter reintun. Herr Rabe wollte mit besagtem Schlagzeuger heute auf ein Konzert gehen, jaja, sagte ich damals, also letztes Jahr noch, das ist ja ewig her. Ich frotzelte noch, dass ich ja mitkommen könnte.

Heute entschied ich mich recht spontan dazu, tatsächlich mitzukommen. Ich mag solche Musik wirklich gerne, und wen juckt’s, wenn ich keinen einzigen Text kenne, das ist ja kein Karaokewettbewerb. Pippi übernachtete bei einer Freundin, Michel ist gerne mal einen Abend alleine zu Hause.

Der Schlagzeuger plus ein Haufen Kumpels wollte gerne auf der Galerie sitzen, also saßen wir da erst mal.

Auf alles vorbereitet, deshalb auch Kontaktlinsen statt Brille.

Naja also da so sitzen, das ist ganz nett, aber nicht so ganz die hundertprozentige Konzertexperience für mich. Die Ränge dort füllten sich zwar noch mit Gästelistenbesuchenden (die alle aussahen, als wären sie die Familien den Bandmitglieder, also so Mutter, Vater, Tante, Onkel, Cousine Tina und ihr Typ), die ein bisschen fehl am Platz wirkten und auch der Rest der Galerie füllte sich komplett. Aber unten war alles voll. Irgendwie leicht verlockend, um ehrlich zu sein.

Die Voracts fingen recht pünktlich um 8 an, und waren… was soll man sagen… irgendwie Troll-mäßig ausgewählt? Denn es war erst ein HipHop-DJ, der amerikanischen HipHop auflegte, und dann ein Comedian, der mit wem aus dem Publikum ein Bier exte. Sehr seltsame Geschichte. Aber um etwa neun Uhr ging es endlich los mit: Aktiv Dödshjelp. Übersetzt: Aktive Sterbehilfe. Da hatten wir auch echt lange genug auf dem Hintern gesessen.

Wie man sieht, eine 4-Bassisten-Band*.

Und es war super. Es war laut (ein Hoch auf die Ohropax-Musik-Ohrstöpsel), es war schnell, es war Quatsch und Gegröle und die Licht-Show war auch echt super. Es gab sogar Pyrotechnik und alles! Wir reden hier von einer Band, die grade mal ein (1) Album draußen hat. Der Saal war voll, die Laune gut und es stimmte alles. Nach vier oder fünf Liedern gingen Herr Rabe und ich runter und kämpften uns ein Stück nach vorne.

Da wurde getanzt, weiter vorne auch gepogt, und die ganze Stimmung war super. Sogar die paar rotzevollen Typen, die es einfach immer gibt, waren friedlich und niedlich.

Die Band spielte eineinhalb Stunden etwa, was beim durchschnittlichen Energielevel der Songs wirklich beachtlich lange ist. Es gab auch kaum Labermoderationspausen, wie bei den Ärzten. Lieder wurden kaum angesagt. Einfach Zack, nächstes, weiter geht’s.

Es war rundum richtig gut. Nur hinterher 45 Minuten an der Garderobe anstehen, das war nicht so cool.

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*natürlich nicht 4 Bassisten. Das ist ein Insider.