Tag 3385 und 3386 – Kaum ist Herr Rabe aus dem Haus…

Herr Rabe kommt ja erst morgen zurück, bis dahin muss ich hier also Dinge allein regeln. Irgendwie geht das halbwegs, aber gut ist anders. Donnerstag früh war gehetzt, weil Halloween. Gestern früh war noch mehr gehetzt, weil ich um neun im Büro ein Beratungsgespräch hatte, also echt absolut pünktlich sein musste. Das bedeutet, den Zug um acht zu erwischen. Das bedeutet, um 07:45 mit den Kindern aus dem Haus zu sein. Das bedeutet, bis dahin müssen alle alles gepackt haben, Sportzeug hier, Brotdose da, Brille geputzt, Gesicht aufgemalt, „Mama, wo sind meine Socken?“ etc. Ich sag es mal so: der Ton war eher Drillseargeant als Säuselmutti hier, aber ich war pünktlich im Büro. Und war seriös und so weiter, as usual, die Beratenen waren zufrieden. Den Rest des Tages verschanzte ich mich in einem Mini-Meetingraum, weil ich mit dem Lieblingskollegen die anstehende Inspektion vorbereiten musste, den ganzen Rest des Tages. Über Teams, normale Leute sind ja freitags nicht im Büro. Abends kam ich dann mit der Freitagspizza unterm Arm nach Hause, versorgte alle mit Pizza und danach ging auch total überraschend quasi nichts mehr, ich schlief dabei ein, Pippi ins Bett zu bringen. Ich wachte auch wieder auf, so ist es nicht, aber aus „erst Sport, dann Geige“ wurde „ich tanze ein paar mal eine Choreografie durch“ und von da direkt ins Bett. Dass ich das Tanzen, also ein kleines bisschen Bewegung, überhaupt gemacht hab, verdanke ich Herrn Rabe, mit dem ich eine halbe Stunde telefonierte, nachdem ich mich bei Pippi wieder aus dem Bett geschält hatte.

Heute war auch viel los, ich habe mal wieder eine Impfung bekommen* (Auffrischung TDPP), dann direkt Sport (bevor mich die Impfung aus den Latschen haut), Duschen, Kinder einsacken, mit Michel Schuhe kaufen**, meine Brille fixen lassen (die hing irgendwie schief), einkaufen, einen neuen Satz Guppys*** kaufen. Nach Hause, Pippi zu ihrer Freundin jagen****, Guppys im Aquarium auswildern, umziehen, aufbrezeln und auf zu einem Date. Mit mir. Ich ging zu einer Burlesque-Show in Oslo, und es war super. Ganz allein, aber schick aussehend und mich wohl fühlend habe ich mich dafür beglückwünscht und belohnt, dass ich ein sehr okayer Mensch bin, eine gestresste, aber akzeptable und soweit irgendwie möglich zugewandte Mutter, eine echt gute Angestellte und außerdem sehe ich in einem engen, schwarzen Kleid und High Heels auch echt hot aus. So. Nicht erst seit extensivem Sportprogramm, das hat nur aus Gold Platin gemacht. Die Show war super, ich kann es nicht anders sagen, mir fehlen ein bisschen die Worte, weil es einfach so toll war. Wer verpasst hat, wie sich eine nahezu nackte Künstlerin auf/in/an einer Badewanne mit Löwenfüßen mit goldenem Glitzer aus einer Sektflasche übergießt, hat das halt verpasst. Kunstvoll, ästhetisch und sexy mit Glitzer übergießt, muss man dazu sagen. In anderen Zusammenhängen (moderner Tanz, modernes Theater etc.) finde ich Nacktheit ja sehr stark überbewertet und den Kunstaspekt sehr überfrachtet. Aber das hier war Entertainment ohne 57 Metamessages, und einfach sehr schön anzuschauen. Die Moderatorin des Abends war auch toll, witzig, charmant, schön und eine super Sängerin. Es war einfach echt ein toller Abend mit mir und Burlesque, und ich kann das nur empfehlen, also beides: mal sich für sich selbst fein machen und was schönes alleine machen, und auf eine professionelle Burlesque-Show gehen. Man kann das verbinden, muss man aber nicht.

Selbstliebe ist echt wichtig. Klingt abgedroschen, ist aber so.

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*Ich bin sehr froh, dass das hier in der Apotheke super einfach geht. Ich brauche nur ein Rezept für den Impfstoff von meinem Hausarzt, dann buche ich den Termin in der Apotheke und der Apotheker setzt mir die direkt. Da brauche ich dann nicht mehr, wie früher, die Impfung in der Apotheke kaufen und zur Arztpraxis schleppen, um sie dort von einer Arzthelferin setzen zu lassen.

**Hoher Verschleiß aufgrund ADHS ist bei Michels Schuhen echt ein Problem. Das Paar, das ich vorgestern ohne Zucken in die Mülltonne geschmissen habe, war Anfang August gekauft und jetzt wirklich komplett aufgelöst. Ich weiß nicht, was er damit macht, das weiß er selbst nicht mal, wahrscheinlich irgendein unbewusstes Gehampel.

***Letzter Versuch. Wenn die nun auch wieder über die Wupper gehen, lassen wir es mit Guppys. Die Platys haben ja offenbar das beste Leben im Aquarium, wir haben inzwischen wirklich viele Babyplatys. Da muss man beim Wasser wechseln echt aufpassen, dass man keinen Winzfisch mit wegsaugt.

****Ich hatte Übernachtung für sie organisiert, damit ich nicht beide Kinder alleine zu Hause lassen muss, um zu der Show zu gehen. Win win für alle, Michel hat nämlich ganz gerne mal das Haus für sich.

Tag 3351 – So frei!

Meine Mutter ist ja zu Besuch, schon seit Mittwoch, nur war ich ja ca. gar nicht da bisher. Aber heute haben wir dann mal was geboten, nämlich einen Ausflug in die Hauptstadt und da in die Oper.

Ich habe ja noch nie eine Oper in der Oper gesehen, und finde Oper auch oft… naja irgendwie wenig zugänglich. Aber Herr Rabe hatte eine Anfänger-Operette aufgetan, nämlich „Die Czardas-Fürstin“ von Emmerich Kálmán, in einer modernisierten und norwegisierten Fassung. Nicht so modern, dass irgendwer sich auf der Bühne mit Kunstblut übergießt und schreiend im Kreis rennt, aber es kamen zum Beispiel Geschlechtsidentitäts-Themen vor. Die gab es als Gegenstand breiter, öffentlicher Debatten 1915 wahrscheinlich noch nicht (obwohl es natürlich auch da schon trans Personen gab). Ein paar Bühnenkostüme hatten einen deutlichen Anklang von Drag. Und das Ganze war schrill, bunt, albern und allgemein sehr vergnüglich. Natürlich auch musikalisch wirklich gut, es ist die Oper, die können da schon was. Aber eben auch gut inszeniert, mit einer Gypsy-Band immer mal wieder auf der Bühne und einer Gruppe von 6 Tänzer*innen, die im Hintergrund dauernd eskalierend alberne Dinge taten, während vorne überzogen schmalzige Duette und ähnliches vorgetragen wurden. Wir alle hatten viel Spaß, sogar Michel fand es „es war schon gut, aber ich hätte trotzdem lieber was anderes gemacht“. Die armen, armen Kinder, die von ihren Eltern in die Oper geschleift werden, ruft das Jugendamt an, da muss doch einer was machen! (Spaß. Wobei ich das Gesicht der Jugendamtangestellten gerne sehen würde…)

Also falls Sie eh in Oslo sind und immer mal neugierig auf eine Oper waren, aber bisher sich nicht getraut haben: https://www.operaen.no/forestillinger/czardasfyrstinnen-opera/?gad_source=1&gbraid=0AAAAADlW9JxMNMpZsvjOWC7Yz7-Nwd2W9&gclid=CjwKCAjw0t63BhAUEiwA5xP54Xs6Hezt1sKdyjSMgp2p2Q0jBFDQFJmuQgQyjOQEEMJp2JdhmgzgZBoCJUAQAvD_BwE

Es gibt auch Untertitel, Norwegisch und Englisch. Und nach den ersten 15 Minuten oder so waren die dann auch an.

Tag 3240 – Fortsetzung und wie mir mal Essen ausgegeben wurde.

Ich wollte ja was zu Essen haben und ich war einigermaßen fein gemacht, mit Lippenstift und Kleid und allem. Mit der Subway fuhr ich erst mal wieder zur Ecke vom Central Park und dann… hatte ich keinen großen Plan, also lief ich erst mal ein paar hundert Meter und fragte dann Google Maps. Mir war nach Pizza und ein paar Blöcke vom Lincoln Center entfernt war ein Italiener mit ausgezeichneten Bewertungen. Mir war irgendwie danach, mir was zu gönnen, also war mir auch der Preis fast egal. Ich lief da hin und… es war winzig und bumsvoll. Naja, ich fragte höflich, ob sie nicht vielleicht einen einzelnen Platz haben, und wurde gefragt „Do you mind sitting at the bar?“. Nö, das minde ich gar nicht, also saß ich an der Bar, bekam Wasser, Brot mit Olivenöl und die Karte und studierte die erst mal. Der Laden war laut und voll und sehr lebendig und zur Abwechslung machte mir das überhaupt nichts aus, im Gegenteil, ich saß sehr zufrieden da und genoss das Leben um mich rum, an dem ich nicht weiter teilhaben musste. Wie im Kino, nur mit einer Karte, auf der es alles möglich gab, nur keine Pizza. Ich bestellte mir, nach gründlichem Studium aller Optionen, Ossobucco auf Safranrisotto und, zur Feier des Tages und des Dates mit mir selbst, ein Glas Pinot Grigio. Scheiß auf Vegetarier, Scheiß auf keinen Alkohol, heute wird gegönnt, dachte ich mir. Allzu teuer war es auch nicht, eigentlich okaye Preise – für jemanden, der aus Norwegen kommt. Ich hatte grad bestellt, als mich die Kellnerin bat, etwas zur Seite zu rücken, denn es kamen noch weitere Gäste, die an der Bar sitzen wollten.

Bevor das Essen kam. Vom Essen selbst gibt’s kein Bild, weil das so göttlich war, dass ich es einfach gegessen habe.

„Oh my god, I love your hair!“ sagte der Mann, der sich neben mich setzte. Daran hatte ich mich schon fast gewöhnt, denn das habe ich in 7 Tagen 5 mal gehört. Sie sind da ganz anders, die Amerikaner, die sagen das einfach so. Für die sexuellen Präferenzen des Mannes brauchte man nicht mal nen Gaydar, der Tonfall wie er das sagte, reichte schon aus. Nagellack, akkurat gezupfte und gestylte Augenbrauen und ein sehr weit aufgeknöpftes, ansonsten sehr enges Hemd, sagten alles unnötige auch noch aus. Nun ist es ja so, dass amerikanische Umgangsformen total simpel sind: einfach immer ein mal höflicher und überschwänglicher wie du. Ich bedankte mich also überschwänglich für das Kompliment, er fragte, ob ich auch Essen bestellt habe, sie (er und seine Begleitung) wollten nur Wein trinken „but oh my god the food here is AMAZING, we order here SO OFTEN, you’re not gonna regret it!“ und dann unterhielten sich die zwei erst mal unter sich. Offenbar waren beide unzufrieden mit ihrem Datingleben, das ließ sich nicht überhören, und irgendwann fragte mich der Mann, wo ich herkäme, und wie da das Datinglife so sei. Ich musste gestehen, dass ich da keinerlei Erfahrungen aus erster Hand habe, aber gehört hätte, dass Norweger*innen sich gerne mal vollaufen lassen und dann im Nachhinein erst mal rauszufinden versuchen, wer die andere Person im Bett eigentlich ist und ob man sich da ne Beziehung vorstellen kann. Worauf er sein Herz ausschüttete, wie schrecklich das Dating in New York sei, die Typen wollen alle nur unverpflichtende Situationships, bloß keine Monogamie, und das sei nichts für ihn, er käme aus Frankreich und suche einen Partner, keine Bekanntschaft. Dem schloss sich die Begleiterin an, das sei auch für heterosexuelle Frauen ein Graus in New York, sie habe jetzt aufgegeben, aber sie sei halt auch in Manhattan aufgewachsen und wolle nirgendwo anders hin. Sie hat aber jetzt ein anderes Baby, denn sie hat ihre eigene Praxis eröffnet. Psychologin sei sie, mit Spezialisierung in forensischer Psychologie. Und ja, sie macht auch viele Besuche im Gefängnis. Währenddessen kam übrigens mein Essen und war ganz einfach himmlisch, ich kann es gar nicht beschreiben, ich glaube man würde auch das Fünffache dafür bezahlen können. Das Risotto war auf den Punkt gegart und hatte genau die richtige Säure, um das Fleisch auszubalancieren. Das Fleisch war butterzart und fiel von selbst vom Knochen ab. Ich hatte sogar ein kleines Gäbelchen, um das Mark aus dem Knochen zu pulen. Ich hätte mich da rein legen können, mich dann da drin wälzen und um mich rum essen können. Das sagte ich auch den gesprächigen New Yorkern, dass sie nicht zu viel versprochen hätten, das sei ungefähr das beste, was ich seit langer Zeit gegessen hätte. Das schien sie sichtlich zu freuen, und wir unterhielten uns noch ein bisschen darüber, wie ich New York fände und dass wirklich nicht alle New Yorker falsch und unmöglich seien, es gäbe auch nette, ganz ehrlich. Das hatte ich ja nie bezweifelt. Es war ein wirklich netter Abend, ich bestellte noch einen Espresso (der ebenfalls ausgezeichnet war) und musste dann aber wirklich auch los zu meinem Konzert. Ich bat um die Rechnung, aber als ich dem Barmann (da hatte ich mich inzwischen dran gewöhnt) einfach meine Kreditkarte geben wollte, wurde mir das von dem gesprächigen Mann verwehrt. Er meinte, er lade mich auf das Essen ein, sie hätten sich so nett mit mir unterhalten und ich solle das als Geschenk von New York, nicht von ihm persönlich, betrachten. Ich solle die Stadt in guter Erinnerung behalten. Ehrlich gesagt war ich so perplex, dass ich kaum schaffte, zu protestieren, und ich musste ja auch dann wirklich gehen und konnte mich überhaupt nicht revanchieren, aber andererseits sagte er ja auch er wolle das gerne so und ich hab ihm ja nichts aufgezwungen. Jedenfalls, so war das. Dann ging ich, total verwirrt ob dieses für mich, äh, sagen wir mal, untypischen Ereignisses, zur Philharmonie.

Dort stellte ich fest, dass ich einen Restricted View Platz hatte.

New York Philharmonic beim Aufwärmen.

Ich konnte etwas mehr als die Hälfte der Bühne sehen. Tatsächlich konnte ich beim ersten Stück – Mozart Concerto für Violine und Viola – nur die Violistin sehen. Es war trotzdem schön. Wenn auch etwas unfair, Viola muss sich sehr anstrengen, um gegen eine Solovioline und ein (sparsam besetztes, aber trotzdem) Orchester anzukommen. Ein bisschen schade ist das schon, ich hätte gern mehr Viola gehört.

Nach dem ersten Stück waren etwas rechts von mir auf dem obersten Ring aber mit besserer Sicht 4 Gäste immer noch nicht gekommen. Also setzte ich mich da hin. Das zweite Stück – Shostakovich Konzert für Piano und Trompete – war… interessant. Ganz anders als Mozart und auch ganz anders als das darauf folgende Konzert für Violine und Cello von Brahms. Es war irgendwie sehr jazzig und warum Solotrompete haben und die dann nur sporadisch mal spielen lassen erschließt sich mir nicht. Der Pianist Igor Levit war der einzige Musiker, der nicht zur Philharmonie gehört, das fand ich auch schön. Insgesamt aber sehr lohnenswert. Nur, note to self: nie mehr da in der Pause Weißwein kaufen. 17$ für einen Plastikbecher mit (zugegebener Maßen leckerem) Weißwein, den man dann quasi exen muss, weil man außer Wasser nichts mit in den Saal nehmen darf. Was ja verständlich ist, aber… 17$!

Ein leicht desorientiertes Selfie. Rechts von mir (im Bild rechts) ist übrigens Juilliard.

Auch die Philharmonie hat sich gelohnt, ich hatte einen tollen Abend. Leider stieg ich danach in die falsche Linie der Subway und musste 15 Minuten extra durch das sehr zentrale downtown Manhattan laufen, um halb elf und über Obdachlose stolpernd. Am Times Square. Da sieht man aber auch Super Mario rumfahren.

Fazit des Tages: New York ist einigermaßen verrückt, auf ganz viele Arten. Und Giardino 54, West 54 Street, hat wirklich ausnehmend gutes Essen. Und guten Espresso.

Tag 3239 – WACH!

Jet lag, so schön. Erst steht man um mitten in der Nacht auf, tut den Tag über so, als sei man irgendwie mehr als rein körperlich anwesend, nickt ganz kurz (echt nur ganz ganz kurz) auf dem Sofa ein und dann ist man WACH. Ist ja auch erst halb sieben. Halb acht, wenn man den Worten meines Lieblingskollegen glaubt, der sagt: 1 Stunde pro Tag.

Aber dann kann ich ja erzählen, wie letztes Wochenende war. Ansonsten habe ich ja nur inspiziert, das war für Sie langweilig und für uns vor Ort viel spannender, als wir gedacht hatten. Aber dann war Samstag und wir fuhren nach New York. Es war morgens schon super warm und ich hatte meinen Kram zum Übernachten auf das eingedampft, was in meinen (kleinen) Arbeitsrucksack passt, weil ich den tagsüber rumschleppen musste. Die deutschen Inspektoren wollten sich ja mit „Familie“ treffen, was sich als ein Onkel rausstellte, der vorschlug, eine Hop on, Hop off Bustur zu machen. Das kann ich empfehlen. Wir fuhren erst mal eine Runde durch Downtown Manhattan, bis da hin wo die Fähren nach Ellis Island fahren. Wenn Sie die Freiheitsstatue sehen wollen, lassen Sie das, da hin zu fahren, oder nehmen Sie tatsächlich das Boot. Weil sonst stehen Sie bloß an einem Zaun.

Zaun, mehr Zaun, irgendwann Wasser. Sehr klein die Freiheitsstatue.

Nach einem Kaffee hopten wir wieder on den Bus und machten den Rest der Downtown-Runde. Sehr beeindruckend alles, auch sehr überwältigend. Wenig Fotos, alles nur Hochhäuser. Als wir wieder am Ausgangspunkt waren, wollten die anderen Bier und ich wollte ins Ballett, also trennten sich unsere Wege erst mal. Ich wollte den Uptown-Bus nehmen, aber da war kein Platz mehr frei, also machte ich das un-amerikanischste, was man machen kann und lief knapp 3 Kilometer bis zum Lincoln Center of Performing Arts. In der Mittagshitze, mit meinem Sonnenhut und UV-Jacke an, aber das war immer noch besser als Sonnencremegeschmiere. Ich bin SEHR zufrieden mit dem Kauf von mehr UV-Kleidung. Eigentlich wollte ich mich im Ballett noch umziehen, aber dank schlechtem Orientierungssinn (da hilft auch nicht, dass alles gerade, rechtwinklig und durchnummeriert ist) hatte ich dafür keine Zeit mehr, also erklomm ich den vierten Ring und saß da mit meinem schwitzigen Körper und meinem Übernachtungsrucksack zwischen Omis und Opis und adrett gekleideten Ballettmädchen. Naja. Frischer Schweiß riecht ja (noch) nicht so und unter der UV-Kleidung hatte ich nur Baumwolle an, die stinkt ja auch nicht so schnell.

Das Ballett war GROẞ!

Blick vom Platz, den ich mir leisten konnte.

Aufgeführt wurde „Ein Sommernachtstraum“, also das Stück von Shakespeare mit Musik von Mendelssohn. Es war wirklich ganz wunderbar. Ich konnte erstaunlich gut sehen von meinem Budgetplatz, die Aufführung war toll, lustig und romantisch und die Kinder, die die Elfen und Käfer getanzt haben, waren super niedlich. Das hat sich sehr gelohnt und ich sollte öfter ins Ballett gehen. In der Pause kaufte ich mir Gummibärchen und Cola und bewunderte den Theatersaal weiter.

Danach fuhr ich, mit der Subway, weil ich jetzt entspannt genug für diese Art Abenteuer war, in mein Hotel, mich endlich umziehen. Mein Hotel war direkt am Times Square. Times Square ist mir zu nahezu jeder Zeit viel zu viel, zu laut, zu schrill und zu viele Leute. Sonntag morgens um sieben ging es.

Das Hotel war… stark parfümiert und hellhörig, aber sauber. Ich stöpselte die Klimaanlage aus, weil ich (richtig) vermutete, dass die den Geruch nach Rasierwasser verströmte. Zog mich um, verwarf nach einigem hin und her probieren doch den BH ganz, weil er nicht unterm Kleid unsichtbar werden wollte schmierte stattdessen Cremedeo unter… naja dahin wo Haut auf Haut ist und schrieb den Deutschen, die im gleichen Hotel waren, dass wir uns unten in der Lobby treffen. Spoiler: es gibt mehrere Courtyard by Marriott Hotels am Times Square. Und wir waren nicht im gleichen. Es gab also einige Verwirrung und auch keinen Platz in dem Restaurant, wo wir eigentlich Käsekuchen essen wollten. Mir war das wumpe, ich fand alleine mit mir Essen gehen eh verlockender.

(Jetzt kickt das Melatonin. Ich schreibe morgen weiter. Gute Nacht!)

Tag 3239 – WACH!

Jet lag, so schön. Erst steht man um mitten in der Nacht auf, tut den Tag über so, als sei man irgendwie mehr als rein körperlich anwesend, nickt ganz kurz (echt nur ganz ganz kurz) auf dem Sofa ein und dann ist man WACH. Ist ja auch erst halb sieben. Halb acht, wenn man den Worten meines Lieblingskollegen glaubt, der sagt: 1 Stunde pro Tag.

Aber dann kann ich ja erzählen, wie letztes Wochenende war. Ansonsten habe ich ja nur inspiziert, das war für Sie langweilig und für uns vor Ort viel spannender, als wir gedacht hatten. Aber dann war Samstag und wir fuhren nach New York. Es war morgens schon super warm und ich hatte meinen Kram zum Übernachten auf das eingedampft, was in meinen (kleinen) Arbeitsrucksack passt, weil ich den tagsüber rumschleppen musste. Die deutschen Inspektoren wollten sich ja mit „Familie“ treffen, was sich als ein Onkel rausstellte, der vorschlug, eine Hop on, Hop off Bustur zu machen. Das kann ich empfehlen. Wir fuhren erst mal eine Runde durch Downtown Manhattan, bis da hin wo die Fähren nach Ellis Island fahren. Wenn Sie die Freiheitsstatue sehen wollen, lassen Sie das, da hin zu fahren, oder nehmen Sie tatsächlich das Boot. Weil sonst stehen Sie bloß an einem Zaun.

Zaun, mehr Zaun, irgendwann Wasser. Sehr klein die Freiheitsstatue.

Nach einem Kaffee hopten wir wieder on den Bus und machten den Rest der Downtown-Runde. Sehr beeindruckend alles, auch sehr überwältigend. Wenig Fotos, alles nur Hochhäuser. Als wir wieder am Ausgangspunkt waren, wollten die anderen Bier und ich wollte ins Ballett, also trennten sich unsere Wege erst mal. Ich wollte den Uptown-Bus nehmen, aber da war kein Platz mehr frei, also machte ich das un-amerikanischste, was man machen kann und lief knapp 3 Kilometer bis zum Lincoln Center of Performing Arts. In der Mittagshitze, mit meinem Sonnenhut und UV-Jacke an, aber das war immer noch besser als Sonnencremegeschmiere. Ich bin SEHR zufrieden mit dem Kauf von mehr UV-Kleidung. Eigentlich wollte ich mich im Ballett noch umziehen, aber dank schlechtem Orientierungssinn (da hilft auch nicht, dass alles gerade, rechtwinklig und durchnummeriert ist) hatte ich dafür keine Zeit mehr, also erklomm ich den vierten Ring und saß da mit meinem schwitzigen Körper und meinem Übernachtungsrucksack zwischen Omis und Opis und adrett gekleideten Ballettmädchen. Naja. Frischer Schweiß riecht ja (noch) nicht so und unter der UV-Kleidung hatte ich nur Baumwolle an, die stinkt ja auch nicht so schnell.

Das Ballett war GROẞ!

Blick vom Platz, den ich mir leisten konnte.

Aufgeführt wurde „Ein Sommernachtstraum“, also das Stück von Shakespeare mit Musik von Mendelssohn. Es war wirklich ganz wunderbar. Ich konnte erstaunlich gut sehen von meinem Budgetplatz, die Aufführung war toll, lustig und romantisch und die Kinder, die die Elfen und Käfer getanzt haben, waren super niedlich. Das hat sich sehr gelohnt und ich sollte öfter ins Ballett gehen. In der Pause kaufte ich mir Gummibärchen und Cola und bewunderte den Theatersaal weiter.

Danach fuhr ich, mit der Subway, weil ich jetzt entspannt genug für diese Art Abenteuer war, in mein Hotel, mich endlich umziehen. Mein Hotel war direkt am Times Square. Times Square ist mir zu nahezu jeder Zeit viel zu viel, zu laut, zu schrill und zu viele Leute. Sonntag morgens um sieben ging es.

Das Hotel war… stark parfümiert und hellhörig, aber sauber. Ich stöpselte die Klimaanlage aus, weil ich (richtig) vermutete, dass die den Geruch nach Rasierwasser verströmte. Zog mich um, verwarf nach einigem hin und her probieren doch den BH ganz, weil er nicht unterm Kleid unsichtbar werden wollte schmierte stattdessen Cremedeo unter… naja dahin wo Haut auf Haut ist und schrieb den Deutschen, die im gleichen Hotel waren, dass wir uns unten in der Lobby treffen. Spoiler: es gibt mehrere Courtyard by Marriott Hotels am Times Square. Und wir waren nicht im gleichen. Es gab also einige Verwirrung und auch keinen Platz in dem Restaurant, wo wir eigentlich Käsekuchen essen wollten. Mir war das wumpe, ich fand alleine mit mir Essen gehen eh verlockender.

(Jetzt kickt das Melatonin. Ich schreibe morgen weiter. Gute Nacht!)

Tag 3229 – Kunst.

Heute waren wir, bei bestem Wetter, im Kistefos-Skulpturen-Museum. Da gibt es unter anderem das berühmte Gebäude „The Twist“ zu sehen:

Und auch weitere Kunst, die ich persönlich mal mehr, mal weniger zugänglich fand. Sobald man ein Pamphlet braucht, um zu erkennen, ob das, wovor man steht, überhaupt Kunst ist, bin ich raus.

Ein Kunstwerk, das mich sehr froh gemacht hat:

Happy Aliens.

Das war ein schöner Ausflug. Das Kistefos-Museum ist auf jeden Fall einen Abstecher wert, wenn man mal in der Gegend ist.

Abends habe ich Geige gespielt und danach habe ich dann doch lieber mal die Saiten sauber gemacht.

Man sollte eigentlich keine schwarzen Fingerspitzen davon bekommen.

Ich mache das immer noch so, wie mir meine Geigenlehrerin das damals gezeigt hat. Ich benutze sogar das original Equipment von damals. Also, nicht dass sie jetzt sonstwas denken, ich mache nach jedem Spielen die Saiten mit einem Staubtuch sauber, weil sich da sonst ja Kolophonium drauf ansammelt und auch das Holz zusetzt. Da bin ich echt penibel. Aber trotzdem muss ich alle 4-6 Wochen die Saiten richtig sauber machen. Dazu mache ich ein paar Tropfen 4711 auf ein Zewa und rubbele damit die Saiten von allen Seiten ab, bis nichts mehr quietscht. Dann ist nämlich das Kolophonium runter. Ganz vorsichtig mache ich dann noch das obere Ende der Saiten sauber. Danach riecht die Geige gut und quietscht nicht mehr. Und macht die Finger nicht mehr schwarz.

Das mit dem 4711 ist gefährlich. Man muss sehr aufpassen, dass nichts auf den Lack kommt, denn der Alkohol würde den Lack vermutlich auflösen oder zumindest beschädigen. Das Griffbrett ist nicht lackiert, aber unter dem Griffbrett schon. Also: lieber nur sehr sehr vorsichtig zu Hause ausprobieren.

Tag 3167 – Kultur!

Erst mit der Arbeit nach der Arbeit eine Führung durch die Oper gemacht:

Dann Konzert:

Und bei beidem war Fotos machen nicht so sehr erwünscht bis verboten.

Aber es war wirklich schön. Die Oper (sie kennen das Gebäude sicher mindestens von Bildern, ein etwas klotziges Gebäude am Fjord, komplett weiß und man kann aufs Dach gehen, das ganze Dach ist wie eine Rampe) ist so ein architektonisch bestimmt ganz tolles Gebäude, nur verstehe ich von Architektur quasi nichts. Ich finde weiß schön anzusehen, ich finde auch Holz schön anzusehen, aber mir bringen diese ganzen hochgelobten Kontraste wenig außer auf die Dauer Kopfschmerzen. Also die Einzelteile gefallen mir, aber man muss jetzt halt auch irgendwie nicht alles mit Bedeutung überladen. Ja, schön, der „innere“ Teil, wo all die Angestellten ihre Arbeit hinter der Bühne tun, soll an eine Fabrik erinnern und die Platten mit den verschieden großen Beulen sollen Lochkarten sein (aber nicht etwa für IT-steinzeitliche Computer, sondern für Webstühle), ich find trotzdem, dass die aussehen wie Blindenschrift und finde Waschbeton trotzdem nicht schön.

Was mich allerdings sehr beeindruckt hat, war, wie GROẞ all diese Bereiche hinter der Bühne sind. Also nicht nur literally direkt hinter und rechts und links neben der (Haupt-)Bühne, wo nochmal je ein Raum in der Größe eben jener Hauptbühne (16×16 Meter) ist und wo man mit der Bühne wie mit diesen Schiebebildern aus meiner Kindheit Tetris spielen kann. Da kann man die ganze Bühne versenken, verschieben, von rechts eine andere Bühne rein schieben, von oben was runter lassen, you name it. Wir wurden zufällig Zeugen, wie die Bühne oben auf dem Bild nach hinten verschoben wurde: da senkt sich erst hinten der Boden ab, dann fährt die ganze Bühne (ohne dieses Dreieck, das ist nämlich aufgehängt) nach hinten, und zum Schluss fährt vorne der Boden wieder hoch. Aus irgendwelchen Gründen konnte ich mir den Prozess kaum angucken, weil ich irgendwie sowas wie Ekel dabei empfand, sehr seltsam. Aber auch der Rest „hinter der Bühne“ ist irre groß. Eine Etage für das Orchester, eine Etage für die Tänzer*innen und die Werkstätten, eine halbe Etage mit den Garderoben der Schauspieler*innen, eine Etage mit Ballettsälen und Probenräumen. Da arbeiten grob überschlagen 300 Leute. Das war wirklich faszinierend und irgendwie logisch, aber in dem Ausmaß doch wirklich beeindruckend.

[Danach gingen die anderen von der Arbeit Essen, aber es waren viele Leute dabei, die ich kaum kenne und deshalb kniff ich mir das. Rücksichtnahme auf eigene Socializing-Ressourcen. Ich ging stattdessen in die Bibliothek, arbeitete da ein wenig und ging dann alleine Sushi essen, sehr glücklich mit mir als alleiniger Gesellschaft.]

Danach war ich auf dem Konzert, das hat mir meine Mutter zum Geburtstag geschenkt (danke nochmal!) und es war wirklich sehr lustig und sehr, sehr gute Musik. In einem sich nicht so bierernst nehmenden Rahmen. Das Publikum war etwa 40 Jahre jünger als es sonst so in der Philharmonie ist, es gab lautes Gelächter und am Ende verdiente standing ovations. Beeindruckend: Sophie „Oui Oui“ eröffnete mit Mephisto Waltz von Liszt und schaffte es dabei, dass eine Klaviersaite riss, die dann jedes Mal fies schnarrte, als sie angeschlagen wurde. Sie fixierte die Saite danach, was die Nebengeräusche wenigstens minimierte, aber ich hätte jetzt nicht gedacht, dass so ne Saite an nem Flügel mal eben reißen kann. Wenn Twoset mal zu Ihnen in die Nähe kommt, gehen Sie da ruhig hin, und wenn es nur ist, weil Sie immer schon mal (spätestens jetzt) sehen wollten, wie jemand schmalzige Romantikstücke spielt und dabei eisern Hoola-Hoopt. Und wie gesagt: das ist auch viel Blödsinn, aber durchgehend Musik auf sehr hohem Niveau. Wenn man die Augen zumacht, denkt man nicht, dass da jemand nebenher einen blauen Glitzer-Ring um die Hüfte kreisen lässt. Es ist halt wirklich klassische Musik für ein jüngeres und diverseres Publikum, ich mag das sehr.

Tag 3128 und 3129 – Musik.

Gestern waren Herr Rabe und ich in der Philharmonie, weil ich Herr Rabe da hingeschleppt habe. Die Kinder haben sich alleine ins Bett gebracht und das hat zu 50% geklappt, die anderen 50% haben wenig überzeugend bei voller Beleuchtung so getan als schliefen sie, als wir zurück kamen. Was, das muss man dazu sagen, um kurz nach zehn war und da schlafen diese 50% normalerweise auch nur manchmal schon.

Jedenfalls wollte ich gerne in die Philharmonie, um Sheku Kanneh-Mason zu sehen, einen Cellisten, den ich auf Aufnahmen sehr mag. Jetzt mag ich ihn auch live, das war sehr gefühlvoll und schön (Elgar Cellokonzert). Das beste war allerdings die Zugabe, ein Solostück mit gepfiffener Melodie. Ich finde das nicht auf YouTube, Sie müssen wohl selbst hingehen.

Nach dem Cellokonzert wurde noch die 3. Symphonie von Brahms gespielt, die auch einfach toll ist. Wir gingen ganz beschwingt und gut gelaunt nach Hause.

Gestern war dann spät und müde und überhaupt. Heute habe ich aber sehr viel Geige gespielt, aus mir wird zwar kein Wunderkind mehr, aber vielleicht eine passable Hobbyspielerin. Ich möchte Vivaldi jetzt langsam mal abschließen, mit was neuem habe ich schon angefangen, nämlich dem 2. und 3. Teil hiervon: https://youtu.be/BTghQEzMEqw?si=FfoFKxLqU59ivC9f (wo man von Brahms sprach, ne, juicy Geschichten da im 19. Jahrhundert). Der Kontrast zu Vivaldi ist hart.

Tag 3070 und 3071 – Kulturelle Erziehung.

Das Wochenende plätscherte so dahin, zu meinem Glück und Frohlocken war ich gestern sogar gute vier Stunden alleine zu Hause und hab auch nur in der Hälfte davon Geige gespielt. Ähäm.

Heute bekamen wir leider einen übermüdeten Michel zurück, der keine Medikamente genommen hatte und wegen Müdigkeit extra Kotzbrockig drauf war. Diesen motzenden, unzufriedenen, überreizten, zappeligen Haufen Kind und seine kleine Schwester zerrten wir dann in ein klassisches Konzert, weil was könnte schon schief gehen.

Das Konzert war aber tatsächlich super. Ein Klassiker unter den Klassikern und leicht zugänglich auch für Kinder – Die 4 Jahreszeiten von Vivaldi. Die kompletten*. Der Solist und, hmm, das heißt sicher nicht Dirigent, Orchesterleiter? war Christian Li, ein „Wunderkind“ aus Australien, über den ich schon viel gutes gehört hatte. Und es war auch wirklich toll. Wenn ich überlege, was ich mit 16 so gemacht habe, und wie reif, vielseitig, präsent, bescheiden und geschmackvoll diese Aufführung heute war… ähm ja. Prodigy gonna prodigy. Aber wirklich faszinierend, wie sich dieser auch körperlich nicht große Typ mit 16 Jahren da hinstellt und ein komplettes Streichorchester (alle mindestens doppelt so alt wie er) anleitet, dabei selber spielt und das ganze so hinkriegt, dass man nicht das Gefühl hat, 300 Jahre alte Musik zu hören, die man (also zumindest ich) auch schon in 142 verschiedenen Aufnahmen gehört hat. Wirklich toll.

Michel verschlief einen großen Teil des Konzerts und so löste sich auch diese Herausforderung. Pippi fand das Konzert super gut und lief auch danach noch durch den Bahnhof und machte „DÄNN-döddeldöddeldöddel-DÄNN-döddeldöddeldöddel-DÄNN-döddeldöddeldöddel-DÄNN!“

Jetzt schlafen alle. Inklusive mir, jedenfalls fast. Gute Nacht!

___

*Naaaa, wie viele Sätze haben die 4 Jahreszeiten? Wenn Sie mal angeben wollen: 12, denn jede Jahreszeit ist ein eigenes Konzert mit 3 Sätzen, jedes klassisch mit einem schnellen, einem langsamen und dann wieder einem schnellen Satz. „Man“ kennt halt aus jeder Jahreszeit nur einen, höchstens zwei Sätze, nämlich die schnellen.

Tag 3012 und 3013 – Freitag der 13.

Wegen meiner Trotteligkeit habe ich Tag 3000 verpasst. So ärgerlich, ey. Ich bin aber schon bei Ende Juli mit dem Korrigieren angekommen. Das mache ich immer mal so nebenbei, das braucht keine Gehirnzellen sondern eigentlich nur Daumen.

Michel ist das Wochenende über weg. Mit seinem besten Freund auf der, Sie ahnen es, Hütte. Alle unsere Kinder waren jetzt also vor uns Erwachsenen auf Hüttentour. Ungerecht. Aber das wichtigste ist, dass sich Michel das überhaupt zutraut und das mitmacht und sicher eine gute Zeit hat. Trotzdem komisch mit nur einem Kind, genau wie letztes Wochenende.

Ich war gestern und heute im Büro. Gestern, weil ich nachmittags Geigenunterricht hatte. (War echt gut, ich kam um Bach herum, spielte aber dafür ca. hundert mal die ersten 4 Ds von Chanson triste [Tchaikovsky] bis der Lehrer einigermaßen zufrieden war.) Heute, weil ich mitten am Tag in die Philharmonie ging, da gab es ein Mittagskonzert mit Janine Jansen, Sibelius Violinkonzert und danach noch Sibelius Symphonie Nr. 5. Es war ganz wunderbar, Janine Jansen ist eine tolle Performerin, die alle Stimmungen in diesem recht vielschichtigen Stück hervorragend rüberbringt, ohne zu routiniert dabei zu wirken. Und Symphonie Nr. 5 ist immer toll. Ich hatte ja mal erwähnt, dass mich Sibelius immer irgendwie an Zugvögel erinnert. Heute las ich im Programmheft, dass die 5. Symphonie das sogenannte Schwanenthema hat, zu dem Sibelius angeblich inspiriert wurde, als er von einem See abhebende Schwäne sah. Ich sag mal so, 1. lag ich mit Gänsen gar nicht so weit daneben und 2. was für ein krasser Komponist muss man sein, damit eine random Person 100 Jahre später an große, fliegende Vögel denkt, wenn sie die Musik hört.

Jedenfalls war das super. Über den Rest des Tages breiten wir gnädig den Mantel des Schweigens. Es ist halt auch schon wieder kurz vor Zyklusanfang, dieses Mal mal wieder mit plötzlichem und anlasslosen Nasenbluten. Hoffentlich bald vorbei, der Zyklus.

Freitag der 13.-mäßig ist gar nicht passiert. Langweilig. Ich hab noch nicht mal ne Katze gesehen, geschweige denn eine schwarze in der Nähe von Leitern.