Tag 2738 – Lieber schlafen.

Michel hat es grad irgendwie schwer. Scheinbar ist es schwierig, in der 5. Klasse zu sein. Jedenfalls wollte ich gern, dass er weiß, dass ich da bin, und so wurde aus GEH WEG!!! Vorlesen, neben ihm im Bett liegen ohne berühren, dann ein knochiger Po und Füße, die sich zu mir schoben, dann kuscheln und dann bin ich eingeschlafen. Michel wohl auch.

Naja, heute dann kein Sport, man kann nicht alles haben.

P.S. Ich möchte irgendwo beantragen können, dass mein Körper diesen Zyklus beendet. Alles tut weh und ich mag nicht mehr und mein Antrieb ist auch nicht wirklich existent.

Tag 2737 – Back to müde.

Drei mal früh aufgestanden diese Woche, wär jetzt bereit für Ausschlafen. Haha.

Michel hat mich vorhin auch sehr wütend angegrunzt, als ich ihm erklärte, dass seiner Schule und meiner Arbeit leider egal ist, dass wir abends noch mal aktiv werden und schlecht ins Bett und morgens dann da schlecht wieder raus kommen. Ich fühle das sehr. Michel möchte sich später eine Arbeit suchen, wo er nur nachts arbeitet, das ist eine sehr pragmatische Herangehensweise (leider ein bisschen kurz gedacht und mit Familienleben eher mittelgut kombinierbar).

Tag 2735 – My 5 am morning routine.

Gott, wie ich so Influencer-Selbstoptimierungs-Getue hasse. Toll, morgens um 5 aufstehen und mit nem grünen Tee in der einen und dem Bullet Journal in der anderen erst mal achtsam Yoga machen. Kotzipopotzi.

Wenn ich (wie heute) den Wecker auf 05:30 gestellt habe, sieht das so aus:

Snooze. Tablette nehmen. Noch mal Snooze. Das Kind im Bett wühlt, ich hab scheiße geschlafen und bin eigentlich eh wach. Jetzt knirscht es auch noch mit den Zähnen, dann kann ich auch aufstehen. 05:50. Ich hasse alles, abgrundtief, das ist doch keine normale Uhrzeit. Das einzige, was ich nicht hasse, ist mein Ich von gestern, das schon alle Klamotten rausgelegt hat. Ich brauche nur nen frischen Schlüpfer aus dem Schrank holen und scheitere beinahe sogar daran. Naja, dann ziehe ich die Hose halt noch mal aus, ne? Ich gucke vorsichtshalber nicht mit Brille auf in den Spiegel, ich sehe morgens aus wie… naja, jemand der fünfeinhalb Stunden schlecht geschlafen hat. Kurz Gesicht waschen, eincremen, Zähne Putzen, hups, wie ist es 06:10 geworden, Essen einpacken, Kaffee machen und los. Drei Minuten um vom Parkplatz zum Gleis zu kommen, KEIN PROBLEM! Ach nee, der Scheiß Zug fährt auf Gleis 2, da muss ich einmal um den halben Bahnhof rum, Treppe runter und wieder rauf. Und es ist glatt. Zu glatt zum laufen. Also zum Zug geeiert und wohl so mitleiderregend dabei ausgesehen, dass die Schaffnerin auf mich gewartet hat. Fast hätte ich mir den Hals gebrochen, kann man so einen Bahnsteig nicht vernünftig streuen?

Im Zug endlich Kaffee, die Stunde seit der Levaxintablette ist rum. Es ist halb sieben und der Zug ist erschreckend voll. Mit Leuten, mit denen ich auf gar keinen Fall irgendwie kommunizieren will. Weil Montag morgen ist und pervers früh.

Um zwanzig nach sieben bin ich bei der Arbeit. Da sind auch schon so viele Leute, haben die alle kein Leben? Ekelerregend, Menschen, bah. Gehe demonstrativ Musik hörend und den Fußboden inspizierend zu meinem Wunsch-Arbeitsplatz und belege den erst mal, indem ich meinen Kram da abstelle. Deutsche gonna Handtuch hinlegen. Gehe dann, Apropos Handtuch, in den Fitnessraum.

Auch da erschreckend viele Menschen ohne Leben. Immerhin keine Grünteetassen. Mache ohne mehr Kommunikation als Hallo in den Raum sagen, ein Workout. Warum macht man sowas morgens? Nichts ist schön daran, aber sonst hab ich ja keine Zeit.

Danach bin ich wenigstens wach, sehe aber aus wie ein Hummer, weil mein Gesicht immer so rot wird, wenn ich mich bewege. 08:00. Ich gehe duschen. Mein Körper hat akzeptiert, dass Tag ist. Ich male mein rotes Gesicht ein wenig an und gehe an den reservierten Arbeitsplatz. Setze mich hin und – könnte schon wieder einschlafen. Hätte ich mir auch verdient, finde ich.

Mein Bullet Journal ist ein Taschenkalender und ich schreibe da auch keine Affirmationen rein oder manifestiere irgendwas, sondern da sind meine Termine und To-Dos drin. Mit Kuli geschrieben, nicht mit 27 verschiedenfarbigen Stabilos (das ist doch auch alles nur die konsequente Weiterführung vom 1995er-Diddl-Kalender, was die Influenzas da betreiben). Manches ist auch nicht so ganz leserlich, Handlettering wird eher nicht mehr mein Hobby.

Es ist jetzt 08:30. Mein Körper ist zu müde und ausgepowert, um sämtlichen Mitmenschen, die durch Geräusch oder anderweitig auffallen, die Köpfe abzubeißen. Gut für die.

Weiß ehrlich nicht, wie man sowas jeden Tag mit einem Lächeln und aufgeklebten Wimpern machen soll.

Tag 2725 – Piep.

Meh, Freitag Abend und müde und Kopf voll aber einzelne Gedanken wollen sich nicht fassen lassen. Das Wetter ist auch wieder zum abgewöhnen, es regnet auf festgebackenen Schnee, da ist selbst Müll rausbringen Risikosport. Vorgestern, bei -13 Grad, dachte ich noch, ach, was ist das schön hier. Haha. Und dann kommt wieder dieses Wetter. Meh, meh, meh.

Morgen muss ich mich echt um diese Foto-Sache hier auf dem Blog kümmern, das ist ja kein Zustand hier.

Tag 2716 – Nicht der Rede wert.

Vergessen wir diesen Tag einfach. Würd gern berichten können wie ich gleichzeitig optimal entspannt, Self-Care gemacht und Weihnachten vorbereitet habe, aber das wären gleich drei Lügen auf einmal, und ich kann ja so schlecht lügen.

Morgen ist bestimmt besser. Und etwas ist tatsächlich auch echt super: Michel hat sich spontan überlegt, bei seinem Kumpel zu übernachten. Er ist nach der Schule heute mit zu dem Kumpel gegangen, sie haben Kekse gebacken, und als Herr Rabe mal vorsichtig anfragte, wann wir ihn denn abholen sollen, kam als Antwort „morgen!“. Also hat Herr Rabe nur einen Haufen Zeug zum Kumpel gefahren, Michel braucht zum Übernachten ein klitzkleines bisschen mehr Kram, als Pippi. Also tatsächlich, weil er wegen der Hausstaubmilbenallergie wesentlich besser mit seinem eigenen Bettzeug schläft als mit Gästebettzeug. Ach, schön, dass er das jetzt so kann, einfach so.

Tag 2703 – Lazarett.

Michel hat Herrn Rabe angesteckt, der macht nun auch das Brikett und hat den Tag in weiten Teilen verschlafen. Michel wachte mit erhöhter Temperatur und Kopfschmerzen auf und war dementsprechend auch nicht in der Schule. Kotzi, äh, Pippi, hat seit 4 Uhr morgens gestern früh nicht mehr gekotzt und später auch gegessen und so, aber es gilt die 48-Stunden-Regel, also war sie heute auch zu Hause. Und ich hatte Homeoffice. Es war ganz toll, nur zu empfehlen, vor allem, als dann auch noch das Internet ausfiel und diverse Unterhaltungselektronik nicht unterhalten wollte. Jetzt liege ich wieder in Michels Bett und die Herren können sich gegenseitig anhusten, auch schon egal.

Abends war ich mit Pippi bei der Weihnachtsfeier der zweiten Klassen, nachdem ich extra gefragt hatte, ob das ok sei wegen eben 48-Stunden-Regel. Die Lehrerin schrieb, sie fände das in Ordnung, wenn wir kämen. Und Pippi ging die Wände hoch. Also schickte ich Pippi duschen und setzte mich, weil ich Pippi sehr lieb habe, in eine Turnhalle voller Menschen und schreiender Kinder, die auf Zucker durch die Gegend sprangen wie Flipperkugeln. Geredet habe ich maximal 3 Sätze, jedenfalls mit anderen Erwachsenen, es war nicht der kommunikativste aller Tage. Pippi war aber sehr froh, dass wir hingegangen sind und sie alle ihre Freundinnen sehen konnte. Die Kinder haben auch sehr schön gesungen, muss man sagen. Die sind ja schon süß alle mit ihren Zahnlücken.

Highlight: ein ca. 15 Monate altes Kind, das freudestrahlend auf mich zuwackelte, als ich auf dem Boden in einer Ecke saß, während die größeren Kinder um den Baum tanzten. Wir hatten eine angeregte Unterhaltung über Pippis Süßkramtüte und das Verteilen von Zuckerzeug an sehr kleine Kinder ohne Einverständnis der Eltern, bevor eine gestresste Mutter sich vielmals entschuldigend ihr abhanden gekommenes Kind wieder einsammelte. Fremde, gut gelaunte Kinder in dem Alter mag ich echt gern, die sind noch so neugierig und leicht zu begeistern. War also gar nichts zu entschuldigen, das war eine angenehme Abwechslung und Ablenkung in einer hoffnungslos überreizenden Umgebung.

Morgen dann Weihnachtskonzert mit dem Schulkorps. Da werde ich wohl auch mit Pippi allein hin gehen. Seufz.

Tag 2702 – Müde.

Todmüde zum Fachtag gefahren. Pippi hat nämlich nachts gebrochen, immerhin nichtig unser Bett (Meilenstein!!!) und dann hat niemand vernünftig geschlafen. Herr Rabe vielleicht, der hat zumindest geschnauft. Ich weiß übrigens schon lange vorher, dass Pippi bald brechen wird, keine Ahnung woher.

Der Fachtag war exakt wie befürchtet schlimm. Nicht durchgängig, aber besonders zu Anfang, wo eine externe Vortragende eingeladen war um mit uns über „Arbeitsfreude in stressigen Zeiten“ zu sprechen. Es war dann aber viel, hmm, wie beschreibe ich es? Nicht sonderlich relevant für uns. Weil wir als Gruppe in einer großen, schlecht geführten Organisation, halt nur zu einem gewissen Grad in der Hand haben, welche Ressourcen wir haben und wie wir sie nutzen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir bitte uns fixen sollen, aber ohne, dass wir dafür einen Rahmen oder Unterstützung von oben bekommen. Bitte macht mehr und ohne zu meckern, wir tun dafür exakt gar nichts und wenn es aussieht, als hättet ihr den Kopf gerade so über Wasser, kommen wir direkt mit der nächsten Sache an. Teile des Vortrages möchte ich der Direktion ans Herz legen, aber die sind ja damit beschäftigt, alles an uns runter zu delegieren.

Und das wo ich daran arbeite, mich als Einzelperson nicht mehr fixen zu wollen, nur damit ich weiter für Arbeitgeber und co. funktioniere und insgesamt nicht unangenehm auffalle. Da kommt das selbe in Grün auf Gruppenebene um die Ecke.

Abends waren wir dann noch Essen, das war nett, aber ich bin jetzt gerädert und möchte nicht mit Menschen reden, wenn sich das vermeiden lässt.

(Auftritt IT-Projekt, wo ich heute [bin im Kalender als abwesend markiert] angerufen wurde, weil drei meiner Kolleginnen ein Meeting morgen abgelehnt haben. Ob ich einen anderen Terminvorschlag machen könnte und den Kolleginnen sagen könnte, sie sollen das bitte priorisieren. Als würden die Meetings einfach aus Jux und Dollerei oder um das IT-Projekt maximal zu ärgern, ablehnen. Orrrrrrr ey.)

Tag 2687 und 2688 – Im Tunnel.

Bin im Inspektionstunnel. Es ist die letzte Inspektion in diesem Jahr und wieder 5 Tage, allerdings Dienstag bis Freitag plus Dienstag nächste Woche. Ich mache viele Kreuze, wenn sie vorbei ist. Ehrlich.

Derweil eskaliert das IT-Projekt weiter, es wird jetzt das Blame Game gespielt, wer schuld ist an allem(TM), wer hat wem was nicht gesagt und wer hat welche Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt und so weiter und so fort. Auf Inspektion sein ist gar nicht so schlecht, da kriege ich das alles nämlich nur am Rande mit.

Gestern war außer Inspektion noch Ausschusssitzung und da dampft auch der Kot, weil die Kommune durch Kündigungen im kommunalen ÖD sehr viel Geld sparen möchte. Das möchte nur außer der Kommune niemand.

Morgen fahren auch noch Herr Rabe und die Kinder weg, allerdings sieht hier noch nichts danach aus. Vermutlich werde ich morgen Abend erst mal aufräumen.

Alles immer noch ein bisschen sehr viel.