Tag 2702 – Müde.

Todmüde zum Fachtag gefahren. Pippi hat nämlich nachts gebrochen, immerhin nichtig unser Bett (Meilenstein!!!) und dann hat niemand vernünftig geschlafen. Herr Rabe vielleicht, der hat zumindest geschnauft. Ich weiß übrigens schon lange vorher, dass Pippi bald brechen wird, keine Ahnung woher.

Der Fachtag war exakt wie befürchtet schlimm. Nicht durchgängig, aber besonders zu Anfang, wo eine externe Vortragende eingeladen war um mit uns über „Arbeitsfreude in stressigen Zeiten“ zu sprechen. Es war dann aber viel, hmm, wie beschreibe ich es? Nicht sonderlich relevant für uns. Weil wir als Gruppe in einer großen, schlecht geführten Organisation, halt nur zu einem gewissen Grad in der Hand haben, welche Ressourcen wir haben und wie wir sie nutzen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir bitte uns fixen sollen, aber ohne, dass wir dafür einen Rahmen oder Unterstützung von oben bekommen. Bitte macht mehr und ohne zu meckern, wir tun dafür exakt gar nichts und wenn es aussieht, als hättet ihr den Kopf gerade so über Wasser, kommen wir direkt mit der nächsten Sache an. Teile des Vortrages möchte ich der Direktion ans Herz legen, aber die sind ja damit beschäftigt, alles an uns runter zu delegieren.

Und das wo ich daran arbeite, mich als Einzelperson nicht mehr fixen zu wollen, nur damit ich weiter für Arbeitgeber und co. funktioniere und insgesamt nicht unangenehm auffalle. Da kommt das selbe in Grün auf Gruppenebene um die Ecke.

Abends waren wir dann noch Essen, das war nett, aber ich bin jetzt gerädert und möchte nicht mit Menschen reden, wenn sich das vermeiden lässt.

(Auftritt IT-Projekt, wo ich heute [bin im Kalender als abwesend markiert] angerufen wurde, weil drei meiner Kolleginnen ein Meeting morgen abgelehnt haben. Ob ich einen anderen Terminvorschlag machen könnte und den Kolleginnen sagen könnte, sie sollen das bitte priorisieren. Als würden die Meetings einfach aus Jux und Dollerei oder um das IT-Projekt maximal zu ärgern, ablehnen. Orrrrrrr ey.)

Tag 2687 und 2688 – Im Tunnel.

Bin im Inspektionstunnel. Es ist die letzte Inspektion in diesem Jahr und wieder 5 Tage, allerdings Dienstag bis Freitag plus Dienstag nächste Woche. Ich mache viele Kreuze, wenn sie vorbei ist. Ehrlich.

Derweil eskaliert das IT-Projekt weiter, es wird jetzt das Blame Game gespielt, wer schuld ist an allem(TM), wer hat wem was nicht gesagt und wer hat welche Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt und so weiter und so fort. Auf Inspektion sein ist gar nicht so schlecht, da kriege ich das alles nämlich nur am Rande mit.

Gestern war außer Inspektion noch Ausschusssitzung und da dampft auch der Kot, weil die Kommune durch Kündigungen im kommunalen ÖD sehr viel Geld sparen möchte. Das möchte nur außer der Kommune niemand.

Morgen fahren auch noch Herr Rabe und die Kinder weg, allerdings sieht hier noch nichts danach aus. Vermutlich werde ich morgen Abend erst mal aufräumen.

Alles immer noch ein bisschen sehr viel.

Tag 2683 – Früher…

… war alles viel besser, denn da bloggte ich öfter mal bevor ich zum Umfallen müde war. Zum Beispiel über neue Autos, die jetzt viel besser zu uns passen als Carona, so gern ich sie hab. Aber es ist eigentlich zu groß, eigentlich zu teuer und hat zu hohen Verbrauch und zu geringe Reichweite. Es nervt auch, auf der Fähre wegen 5 cm den Wohnmobil-Preis zahlen zu müssen und so eine Geschichte wie in dem Parkhaus in Dänemark, wo ich echt fast auf der Rampe aufgegeben hätte und gesagt hätte, tja, schade, aber ich kann nicht vor und nicht zurück, Auto hat zu großen Wendekreis, sorry, das bleibt hier jetzt so stehen, brauche ich auch nicht mehr. Deshalb und weil Musk echt doof ist, der Service grottig, die Versicherung absurd teuer und so weiter, also jetzt ein kleineres Auto. Aus Südkorea. Näheres Montag. Denn jetzt, und damit schlage ich den Bogen zur Einleitung, ist es schon so spät und ich sehr müde. Es war ein anstrengender und aufregender Tag.

Tag 2682 – Piep!

Hatte einen okayen Tag. Habe beschlossen, nicht mehr so zu tun als sei alles super, das hilft. Ansonsten hab ich mich einfach in einen der kleinen Meetingräume gesetzt, weil ich Meetings von 9:30-17 Uhr hatte. Mit gloriosen 20 Minuten Mittagspause. Normalize Hoodies, auch das ein neuer Vorsatz, wenn ich ins Büro muss, will ich mich nicht obendrein verkleiden müssen.

Abends im Konzert gewesen und noch geflasht, außerdem für ein Auto entschieden. Alles ok so weit.

Tag 2681 – Platt.

Heute war anstrengend, die Auto-Sache nimmt Form an und ist dadurch aber eben auch wieder anstrengend und bietet vor allem die Qual der Wahl. Eh schon schwierig, aber grad… puh. Puh. Außerdem zwei Stunden lang von professioneller Seite zu Michels Eigenarten befragt worden, was ich immens anstrengend finde. Jetzt sind wir Eltern aber auch erst mal durch, bis auf einen Stapel Fragebögen (oh, Knoten ins Taschentuch, dran denken, die für den Lehrer morgen Michel mitzugeben) und vermutlich mindestens zwei Fahrdienste, damit Michel auch noch untersucht werden kann. Leider kommt bei mir dann auch noch dazu, dass Michel und ich uns ja sehr ähnlich sind und mir dann Sachen aus meiner eigenen Kindheit wieder einfallen, wie dass ich in der Grundschule nach nahezu jeder Sportstunde in der Umkleide geheult habe, weil irgendwas meiner Meinung nach falsch gelaufen oder ungerecht war. Oder die Episode, wie ich meine Federmappe nach einem Mobber geworfen habe und sie leider an ihm vorbei aus dem offenen Fenster flog – da war ich so alt wie Michel jetzt, Michel wirft in der Schule bisher nur mit Kniffelwürfeln, Fensterstatus unbekannt. Oder wie ich Peinlichkeiten rausgeblubbert habe (mehrmals), was für ein unerträglicher Klugscheißer ich war (und bin), oder wie ich aus Langeweile in der ersten Klasse im Matheunterricht laut gestöhnt habe und dann den Rest der Stunde die Klinke von außen runter drücken musste. Ach ja, was waren sie schön, die 90er. König der Löwen, Tamagotchis und neurodivers waren nur Jungs und überhaupt, was ist neurodivers, Zappelphillip und Rainman, dazwischen und außerhalb davon gibt’s nix und die gehen gefälligst auf ne Sonderschule!

Jedenfalls ist das anstrengend. Sehr. Weiterhin wird niemand unser Auto wollen und wir werden eins kaufen, was zu groß ist/zu langsam lädt/in dem wir nichts unterkriegen/bei dem die Software dauernd spinnt. Wenn all das noch nicht reicht, könnte tatsächlich ein Krieg ausbrechen und dann sollte man vielleicht lieber nen Diesel haben, der zur Not auch mit Rohöl läuft statt einer fancy Karre die nach 400 km einfach stehen bleibt. Ob Michel sich viel Sorgen machen oder viel Grübeln würde?

Tag 2678 – Aufrappeln.

Während Michel und Herr Rabe auf einer Cosplay- und Gaming-Messe waren, hingen Pippi und ich zu Hause rum. Ich könnte durchaus Urlaub gebrauchen, aber naja, bald. Morgen arbeiten erfüllt mich jedenfalls nicht mit freudiger Erregung, um das mal vorsichtig auszudrücken. Immerhin war ich heute seit Ewigkeiten mal wieder spazieren, das hat echt gut getan in der kühlen und feuchten Novemberluft. Habe das Gefühl, es kam endlich mal wieder Luft bis in den hintersten Zipfel der Lungen. Hatte außer auf Luft auch auf Licht gehofft, allerdings ist halt November. Es ist grau und alles stirbt und es ist entweder bedeckt und nebelig oder bedeckt mit Regen. Diesen Herbst auch noch mit Klima-Anxiety-auslösenden 8-15 Grad dabei, statt der üblichen 2-5. Trotzdem hat es gut getan, vor allem das alleine sein, ich kann schon fast wieder meine eigenen Gedanken hören und greifen, bevor der nächste kommt. Dazu beigetragen hat auch eine ausführliche Geigen-session. Gestern hab ich hauptsächlich Etüden gespielt, heute hauptsächlich ein Stück. Hauptsächlich, weil ich immer erst eine Art selbstgezimmertes Warm-up mache und grad eine Etüde beackere, die nur Lagenwechsel ist, immer hin und her, und da ich das zu üben wirklich noch gut gebrauchen kann, habe ich die wie ein erweitertes Warm-Up gemacht.

Es stehen eigentlich ein paar Dinge an, für die ich aber erstmal Mut und Energie zusammenkratzen muss. Mit der Chefin reden, eine*n Geigenlehrer*In suchen, zum Hausarzt (der Vertretung, weil die Liste immer noch nicht verkauft ist) gehen. In meinem linken Nasenloch eine Ader veröden lassen, nochmal versuchen, jemanden dazu zu bekommen, in meinem Gehirn zu prokeln, ob meinen gesammelten Seltsamkeiten nicht doch was anderes zugrunde liegt. Vermutlich bin ich aber einfach nur komisch, nicht belastbar und hasse Menschen, zumindest ist es das, was ich befürchte, was dann (wieder) gesagt wird. Willkommen in meinem Kopf. (Wenn die öffentlichen Dienste mich wieder ablehnen, weil’s mir ja nicht schlecht genug geht, bezahle ich es halt aus eigener Tasche. So.)

Tag 2676 – Bett.

Ach wunderbar, das eigene Bett. Eigenes Kissen (das Reisekissen hatte ich vergessen), eigene Matratze und eigene Familienmitglieder, an denen man riechen kann und die vertraute Geräusche machen.

Möchte jetzt bis Montag am liebsten absolut gar niemanden sehen und schon gar nicht sprechen. Es schlaucht.

Das Experiment endete übrigens mit 46 ungelesenen Mails. Wobei meine out-of-Office-Nachricht ja noch bis einschließlich nächsten Mittwoch aktiv ist, höhö. Es könnte also noch was dazu kommen. Dazu muss ich Montag meinen Akku befragen. Akut sagt der Akku: der Computer bleib aus.