Wir sind wieder zu Hause. Auch die Rückreise war recht friedlich und entspannt. Nur bin ich sehr überreizt, von den letzten Tagen und auch von der Reise (Gatwick ist ein furchtbarer Flughafen für Menschen mit sensorischen Issues und keinen Löffeln mehr), mein Körper reagiert schon mit Ohrenklingeln und 50 Shades of Kopfschmerzen und ich gehe jetzt besser schlafen.
Gute Nachrichten:
Michel ist auch gleich viel ausgeglichener. Dessen Sozialverträglichkeit verhält sich umgekehrt proportional zur Anzahl Menschen, mit denen er gleichzeitig sozialisieren soll. Komisch, kenne ich gaaar nicht…
Alle unsere Heizungen (sofern eingestöpselt) sind jetzt echt fernsteuerbar, also auch von England aus. Dann kann man schon mal das Haus warm machen bevor man nach Hause kommt, Hurra!
Alles für die Schlangen ist da und morgen können wir basteln. Vielleicht, ganz vielleicht, schreibe ich dann einen Artikel für Dummies, wie so Terrarien-Thermostate und -Heizquellen funktionieren. Das steht nämlich irgendwie nirgends und deshalb war ich sehr gespannt, ob, und wie, das nun alles zusammenpassen würde. Es ist total simpel, wenn man die Teile erst mal in der Hand hat, aber es wär echt Mega, wenn man das vorher schon wüsste, dass das gehen wird und wie. Das könnten auch die Anbieter von Terrarien-Thermostaten voll gut als „Werbung“ benutzen, es wirkt nämlich jetzt ein bisschen so, als wollten sie nicht unbedingt was verkaufen.
Super kurzer Abriss der letzten zwei Tage: gestern sind wir alle nach Brighton gereist. Das klappt inzwischen mit den großen Kindern echt gut. Heute waren wir dann bei so richtig englischem Wetter (Wind und Regen aus allen Richtungen) in Brighton unterwegs. Man kann auch drei mal am Tag Haare föhnen. Die armen Haare, aber in meinem Fall sind die ja kurz und müssen eh dringend wieder noch kürzer. Abends waren wir dann bei der Antrittsvorlesung der Schwägerin, schlappe 5 Jahre, nachdem sie einen Lehrstuhl bekommen hat, fand die nämlich endlich mal statt. Mir war bisher nicht so ganz in allen Ausmaßen klar, wie krass meine Schwägerin in ihrem Feld ist, aber jetzt weiß ich es etwas besser und… hui. Nach der Vorlesung gab es noch eine Feier in einem indonesischen Restaurant (indonesisches Essen ist das beste Essen PUNKT ENDE DER DISKUSSION). Vier von vier Norwegen-Raben sind jetzt müde, und mindestens drei von vier Norwegen-Raben sind auch zu 1000% überreizt. Ich glaube die Vorlesung war ein Erfolg und die Feier auch, ich hoffe nur (für meine Schwägerin), dass andere etwas länger durchgehalten haben.
Haaaaach, Bielefeld, Perle am Teutoburger Wald! Was bist du… nass und grau wie immer.
Wir sind gut angekommen. Die Überfahrt war zwar schaukelig, aber problemlos. Eigentlich ist es ja ganz gemütlich, wenn es brummt und schaukelt. Ich schlafe da sehr gut.
Hier in Bielefeld waren Herr Rabe und ich erst mal beim Bäcker und im Supermarkt. Beim Bäcker brauche ich keine Brötchen, wenn ich frisches Graubrot haben kann, das innen noch ein bisschen klebt. Supermarkt, selbst so ein relativ kleiner wie hier, ist immer ein bisschen wie Kirmes: ich bin gleichzeitig überfordert und begeistert von der Auswahl. „Guck mal hier, vegetarische Teewurst!“ „Ich hab den veganen Zwiebelschmalz gefunden, von früher!“ „KRITARAKI! Für das eine Hello Fresh-Rezept!!!“ „Lebkuchenaufstrich!“ „Zig Sorten Honig!“ und so weiter.
Ich würde mir 50% dieser Auswahl in Norwegen wünschen. Gar nicht mal alles, denn da ist auch viel Quatsch bei, Lebkuchenaufstrich zum Beispiel. Aber wie lange wir in Norwegen schon nach Kritaraki suchen, ist absurd. Und den Supermarkthonig aus Norwegen habe ich echt satt. Ich kann aufzählen, welchen Honig es gibt: Akazienhonig und „Berghonig“ aus der Quetschflasche. Den im Eimer, den in der Dose und den von Kolonihagen. Eigentlich ist nur letzterer ok und den gibt’s erst seit 3-4 Jahren. Das Angebot in Norwegen unterscheidet sich auch nicht von Kette zu Kette, es ist einfach immer überall das Selbe. Das ist vorhersehbar, ja, aber dann ist auch vorhersehbar, dass wir uns in Deutschland mit Honig eindecken.
Wir sind auf der Fähre. Es war ein ganz schöner Aufriss, ehrlich gesagt. Wir ackerten seit morgens die To-Do-Liste ab und waren dann tatsächlich einigermaßen innerhalb des Zeitplans fertig mit allem (ich glaube wir waren bisher fast nie tatsächlich mit allem fertig, was wir uns vorgenommen hatten). Da kam, als wir grade los wollten, von der Nachbarin, die etwas früher in Richtung der selben Fähre aufgebrochen war, dass es ab Jessheim „wohl“ sehr langsam voranginge. Das brachte mich aus dem Konzept, wohl, hieß das, sie ist nicht mitgefahren? Aber Ø. (ihr Mann) fährt doch bestimmt nicht alleine mit den Kindern ihre Eltern besuchen??? Außerdem: NO PRESSURE ABER IHR SEID SPÄT DRAN, oder wie? Nicht hilfreich.
Das mit dem „wohl“ klärte sich etwas später. Denn schon vor Jessheim sind auf der E6 Schilder, die die Verkehrssituation anzeigen, zum Beispiel in Form von „große Verzögerungen“. Das erklärte auch, weshalb das Auto nicht die normalen ca. 45-50 Minuten bis zur Fähre anzeigte, sondern deutlich über einer Stunde. Das Wetter allein – Schnee, viel, unten, oben, überall – war es nicht ganz, aber dank des Wetters waren Unfälle passiert (laut Nachrichten nur Blech kaputt) und dann halt Chaos und Stau. Mein Problem in den folgenden knapp eineinhalb Stunden war die Ansage auf der Homepage und den Tickets der Fähre: letzter Check-in 13:15. Das Auto und Google Maps sagten, selbst wenn wir den schlimmsten Stau umfahren, seien wir um 13:25 da. Sowas macht mich komplett irre. Wir gurkten über Land, immer 10-20 km/h unter der Geschwindigkeitsbegrenzung, weil so viel Schnee in der sympathischen Konsistenz von feuchter Kartoffelstärke auf der Straße lag. Immer wieder ging es noch langsamer, weil wir nicht die einzigen waren, die über Land fuhren, um die E6 zu vermeiden.
(Sowohl Herr Rabe als auch ich mussten außerdem eigentlich ab der halben Strecke dringend aufs Klo.)
Wir waren tatsächlich um 13:22 an der Fähre. Ein Check-In-Schalter war auch noch offen und wir konnten aufs Boot fahren, zusammen mit den anderen Trödlern, nach den LKWs. Wahrscheinlich müssen wir morgen auch wieder ewig warten, bis wir vom Boot fahren dürfen. Aber egal, das Boot fährt (im Gegensatz zu Fähren nach Dänemark und Flügen nach Deutschland) und wir sind drauf UND das Auto ist heile.
Hier auf dem Boot macht sich das Wetter auch bemerkbar, in Form von Schaukeln. Vorhin, als ich den Mantel reparierte (Bild folgt), war es wesentlich schlimmer, jetzt geht es eigentlich, soll aber bis Mitternacht wieder deutlich anziehen. Jetzt ist aber auch egal eigentlich, weil wir alle vom Buffet so vollgefressen sind, dass wir gleich bestimmt wie die Steine schlafen.
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Seltsame Phänomene 1: ich habe Muskelkater in den Oberschenkeln, ohne trainiert oder mich auch nur irgendwie bewegt zu haben. Vielleicht war ich unbewusst sehr angespannt (aber warum gerade in den Oberschenkeln?) in den letzten Tagen.
Seltsame Phänomene 2: wir hatten, als ich am Dienstag im Büro die letzten Aufgaben abackerte, ein hübsches Wetterphänomen, nämlich „Perlmuttwolken“.
Schönere Bilder auf so ziemlich allen norwegischen Medien: „perlemorskyer“
Die entstehen wohl durch die Reflektion der tiefstehenden Wintersonne in Eiskristallen in den Wolken. Das macht dann sehr hübsche Regenbogenfarben. Fand ich fair, wenn ich schon um vier noch im Büro abhänge.
Kopf zu voll zum Schreiben. Manchmal passiert das. Meistens, wenn ich zu beschäftigt damit bin, alles aufzusaugen und zu speichern für schlechte Zeiten. Oder für alle Zeiten.
Donnerstag und gestern haben wir ausgiebig vom Strand Abschied genommen. Das Wetter war noch mal wie am Anfang – warm, sonnig und mit mäßigem Wind. Sogar die Kinder waren zufrieden. Es wurden riesige Gebilde aus Sand geschaffen und ich buddelte Michel einmal auf eigenen Wunsch bis zum Hals ein. Es ist wohl unnötig zu sagen, wo hinterher überall Sand war und wie viel Sand anschließend, trotz gründlichem Ausschütteln vorher, noch aus der gewaschenen Wäsche rieselte.
Der Rest von gestern bestand leider aus Packen. Lustlos und widerstrebend (die Erwachsenen) bis protestierend und alles verweigernd (die Kinder) taten wir das. Niemand möchte nach Hause, bzw. wollen einige von uns einfach zu Hause sein, magisch, ohne Packen und Reisen. Ich verstehe das, Übergänge sind doof, aber ich habe die leise Befürchtung, dass keinen Übergang zu haben und einfach in eine neue Situation geworfen zu werden, noch viel doofer wäre. Hmm.
Was mich persönlich glücklich ich macht: wir haben am Donnerstag Abend die letzte Grundregel von Magic Maze gespielt und können jetzt im nächsten Urlaub vielleicht direkt loslegen mit dem richtigen Spielen. Das klingt jetzt, als sei das ein extrem kompliziertes Spiel, das ist es eigentlich nicht, aber die Spielmechanik ist ungewohnt (alle bewegen alle Spielfiguren gleichzeitig) und deshalb macht es schon Sinn, sich die verschiedenen Regeln langsam zu erschließen.
Was mich auch glücklich macht: ich habe gestern meinen ganzen Körper in die Nordsee getaucht, endlich. Man kann zwar dort am Strand wahrscheinlich bis nach England rüberwaten und (als exakt durchnittlich große Erwachsene) immer noch stehen, aber man kann sich ja trotzdem ins Wasser werfen. Es war erstaunlich unkalt, sehr klar, sehr salzig und die einzigen Quallen, die ich gesehen habe, waren golfballgroß und tot am Strand. Hachz. (Nicht die toten Quallen. Aber der Rest.)
Heute zur Abfahrt machte das Wetter es uns aber sehr sehr leicht. Es goss wie aus Eimern. Tschüss sagen zu Familie Wunnibar-Igelbert (Wunnibert? Igelbar?) war trotzdem ziemlich hart.
Jetzt Boot und gleich kein Internet mehr. Seufz. Tschüssi, Dänemark, schön war’s!
Diese Fährüberfahrt haben wir ja schon vor Monaten gebucht. Ich weiß nicht mehr, was da mit uns los war, spontane Spendierlaune oder so, aber wir haben statt der üblichen Minikabine eine etwas größere mit Doppelbett und Schrank gebucht. In der ist eine mit Snacks (Nüssen, Schoko) und Softdrinks gefüllte Minibar enthalten, und, für so Leute wie uns wesentlich wichtiger, WLAN. Wir haben also zum ersten Mal die ganze Überfahrt über Netz und deshalb kann ich auch jetzt noch schreiben.
Die Fahrt bisher war relativ unspektakulär. Wir kamen nahezu pünktlich los und super durch, waren also schon vor 12 am Boot Schiff. Aufgeregte Kinder waren natürlich aufgeregt. Aufgeregte Erwachsene (ich) waren auch aufgeregt, aber Herr Rabe managte alles, sodass ich mich überaus wichtigen Übersprungshandlungen widmen konnte, wie noch schnell das Spülmaschinensieb sauber zu machen.
Auf dem Boot Schiff ist es super leer. Ich glaube nicht, dass sich diese Fahrt für Color Line lohnt. Für uns ist das natürlich schön, es gibt kaum Wartezeiten auf irgendwas, Abstand halten ist überhaupt kein Problem, das Personal ist überaus zuvorkommend. (Letzteres ist eigentlich immer so, aber jetzt fällt es noch mal extra auf, weil die alle sehr entspannt scheinen. Ist ja auch kaum was los, da kann man dem einzelnen Gast mehr Zeit widmen.)
Alles in allem fühlt sich das sehr luxuriös an und ich sag es mal so – ich brauche diese Kinder-Unterhaltungsshow gar nicht so dringend. Oder die Erwachsenenshows. Oder Shows generell. Oder viele Menschen auf einem Haufen. So ist schon ok.
(Es ist dann auch viel einfacher, Michel Ängste zu nehmen, weil WENN das Boot Schiff sinken würde, könnten wir vermutlich ein Rettungsboot pro Person haben.)
– ich habe gepackt, Pippi und ich fliegen morgen früh zu Frau Brüllen, *kreiiiiisch* ich bin total aufgeregt und deshalb ging das mit dem Packen suuuuuuper langsam und bestimmt habe ich die Hälfte vergessen und die andere Hälfte wird auslaufen.
– ich war heute morgen beim Arzt, mein Kopf hat sinnlose Zahlen gespeichert, darin ist er gut: TSH <0,01, fT4 31,2, fT3 19,0, TRAS 3,9, a-TPO 660. Einheiten weiß ich nicht, ist auch Wurst, die sind bis auf den TSH alle zu hoch, bis auf den a-TPO nicht dramatisch, aber zu hoch. Ich bekam Neo-Mercazole verschrieben, dazu noch Beta-Blocker, holte das direkt aus der Apotheke und fuhr zur Arbeit. Nahm alles und… katapultierte mich versehentlich mit dem Beta-Blocker fast in den Tiefschlaf. Jöss, so müde war ich ja ewig nicht. Um halb drei gab ich alles auf und fuhr nach Hause, wo ich erstmal für eine Stunde schlief wie erschossen. Ab jetzt nur noch ne halbe am Morgen.
– Die Kinder abgeholt und direkt mit beiden neue Gummistiefel für Michel gekauft. Gummistiefel mit Löchern in der Sohle sind so sinnvoll wie gar keine Gummistiefel. Aber, hey, betäubte Frau Rabe ist entspannte Frau Rabe und es ging alles relativ smooth über die Bühne, sogar das Anprobieren lief ok. Vielleicht lags auch an den Keksen, die ich eingepackt hatte und mit denen ich Pippi eiskalt bestach, nicht alles im Laden anzugrabbeln.
– kurz bevor ich die Arbeit verließ, noch das zweite Drittel Daten bekommen. Naja, dann hab ich wenigstens was zu tun im Flugzeug.
***vergessen: Auto-Lobhudelei. Ähm, das mit dem Einkaufen war mein lichter Moment heute.