Tag 3683 und 3684 – Außer Arbeit nichts los.

Bei der Arbeit aber alle bekloppt. Machste nichts.

Um dem allgemeinen Wahnsinn im Werk zu entfliehen, habe ich heute mit dem Reisebüro telefoniert und dann eine Indienreise für mich und den Lieblingskollegen gebucht. Der Lieblingskollege hat krasse Skills im Reisebuchungsportal, aber wollte zehntausend Prozent sicher sein, dass die Tickets komplett flexibel sind, nachdem er da grad erst eine sehr blöde Erfahrung gemacht hat (nicht er selbst, aber ein anderer Inspektor musste dann halt vier Tage extra in Taiwan abhängen, weil die Änderung des Tickets so teuer gewesen wäre). Also habe ich angerufen und mir das bestätigen lassen. In der ersten Dezemberwoche geht es also wieder nach Indien. Vorher geht es noch nach Amsterdam und in die USA, ersteres ist ein Kurs, letzteres eine Inspektion. Ich finde, das sind dann auch genug Auslandsreisen im Jahr, fünf Stück, wenn ich mich nicht vertan habe. Zwei Kurse, drei Inspektionen. Ich freue mich trotzdem, ich darf dann nämlich auch Lead sein dieses Mal.

Ansonsten war nix. Ballett war, meine rechte Hüfte nervt dabei. Ich war kurz eine sehr gemeine Mutter, die nicht spontan alles fallen lässt, um ihr Baby, das morgens keine Regenjacke mitgenommen hatte, von der Schule abzuholen. Das Baby wurde dann nass. Und obendrein haben wir ja gar keine Badewanne und in der Dusche kann man sich ja quasi unmöglich aufwärmen und überhaupt, alles schlimm. Wenn man in der 5. Klasse ist, ist das schon ein Drama. Bei Gelegenheit muss ich den Kindern mal von vorm Kriech erzählen verklickern, was für ein Schwein sie haben, dass grundsätzlich erst mal alle Schulen, und in jedem Fall bis zur einschließlich 10. Klasse, in 2-4 Bushaltestellen Abstand zu uns liegen. Man kann da mit dem Rad hinfahren. Man kann auch einfach laufen! Damals vorm Kriech Ich hätte, bei aller Liebe, zu meinem Gymnasium nicht Rad fahren können. Wenn wir wegen irgendwas das Rad in der Schule haben mussten, musste ich halt das Rad in die Straßenbahn schleppen. So. Verwöhnte Brut.

Tag 3657 – Schiefer Haussegen.

Pippi ist ja jetzt 10 und ich glaube, 10 ist ein schwieriges Alter. Natürlich freuen wir uns alle schon ganz doll auf tatsächliche Pubertät, aber die Präpubertäre Phase ist auch schon nicht ohne und birgt einiges Konfliktpotential. Und generelles Meltdownpotential. Am meisten betrifft das natürlich Pippi, das ist ja auch nicht schön, wenn man ein Mal am Tag bei den Eltern zu Kreuze kriechen und sich für rotzgöriges Verhalten entschuldigen muss. Weil man ja eigentlich dann doch gar nicht ausziehen will und eigentlich doch die Eltern auch ganz okaye Menschen sind, selbst wenn deren Geduld für rotzgöriges Verhalten endlich ist.

Heute war so ein Tag, da war es extra schwierig und ein Einkaufstrip mit allen wurde vorzeitig beendet, obwohl Pippi ihr Geburtstags-Shopping versprochen worden war. Das führte komischerweise nicht zu Deeskalation. Aber nach einem Stück Baguette und einem halben Croissant und ein paar ruhigen Worten im Ferienhaus ging es bei Pippi wieder. Bei Herrn Rabe eher nicht so, der war noch sehr sauer und fand das auch falsch, aber ich hatte den Eindruck, dass Pippi vor allem ein *exklusives* Shoppingerlebnis möchte, mit 1:1-Zeit mit einem Erwachsenen (zum Bezahlen und Klamotten tragen). Also fuhren wir noch mal los. Wir sprachen auch im Auto darüber, was da vorher falsch gelaufen war. Aber es war dann wirklich sehr nett mit Pippi und sie hat sich auch an die vorher gesetzten Regeln gehalten (nur so und so viele Teile und maximal so und so viele Euro). Sie hat auch Sachen wieder weg gehängt, um andere Sachen kaufen zu können, und hoffentlich dabei was über Priorisierung gelernt.

Am Ende hatte ich ein sehr zufriedenes Kind, mit Teilen aus drei Läden (weil sie sich das so überlegt hatte, dass das Geld möglichst breit verteilt werden muss), das im Auto auf der viertelstündigen Rückfahrt einschlief. Die Teile sind alle nicht mein Geschmack, sondern ihrer. Ich habe zum ersten Mal einen Primark betreten. Wir sind nicht in den Sephora reingegangen. Und auch nicht in diverse Modeschmuckläden. Wir hatten zu zweit eine schöne Zeit. Und bei Herrn Rabe entschuldigt hat sie sich auch.

Die kreative Auslegung von „Set bestehend aus Hose und separat verkauftem Pulli“ als „1 Teil“ war so überzeugend, dass ich ein Auge zugedrückt habe.

Hier noch das kuriose Bild des Tages: ein Laundromat direkt auf dem Parkplatz des Shopping-Centers. Shop and wash, oder so.

Tag 3504 und 3505 – „Allein“.

Herr Rabe ist mit seiner Arbeit eine sehr norwegische Aktivität ausüben, nämlich auf einer Hütte sein. Morgen kommt er zurück, wir klatschen kurz ab und dann fahre ich auf eine Inspektion. Zwar in Norwegen, aber ich bin trotzdem die ganze Woche weg.

Weil Herr Rabe nicht da ist, bin ich hier alleine zuständig und weil ich in der Situation wirklich Angst hatte, von der für heute geplanten zweiten Gürtelroseimpfung wieder so ausgeknockt zu werden, wie nach der ersten Dosis, habe ich den Termin um zwei Wochen verschoben. Vorher habe ich den Beipackzettel und die Produktinformation durchgelesen, ob das auch wirklich kein Problem ist und nein, ist es wirklich gar nicht.

Pippi übernachtet heute bei einer Freundin, ich bin also mit Michel alleine. Michel sieht man am Wochenende eher selten, der spielt die meiste Zeit Minecraft, Roblox oder Fortnite. Zum Essen kommt er mal raus, oder um zum dritten mal zu fragen, wann Herr Rabe wieder kommt oder bei welcher Freundin denn Pippi genau schläft. Oder was „wir“ morgen machen, das ist seine Lieblingsfrage. Ich verstehe das Bedürfnis dahinter, nämlich möglichst genau Bescheid zu wissen, was passieren wird, sehr gut, aber manchmal amüsiert es mich doch, denn Michel ist am Wochenende wirklich nur mit Gewalt zu was anderem als Computer spielen zu bewegen. Was wir anderen machen, könnte ihm ja so gesehen ziemlich egal sein. Aber nein, er muss das alles ganz dringend wissen.

Was ich morgen mache: Aufstehen, Frühstück, Sport, Packen, Geige, Baden, Aufräumen (vielleicht nicht in dieser Reihenfolge), eventuell die üblichen Wochenenddinge wie Wasser am Aquarium tauschen und Blumen gießen, Essen machen, Essen und dann die Kollegin am Flughafen einsammeln und zum Ort fahren, wo wir dann eine Woche lang sind. Da ist auch ungefähr nichts außer dem Hersteller.

Jetzt mache ich mal das Licht aus, damit das morgen nicht doch noch in Stress ausartet.

Tag 3401 – Sonntag eben.

Hier ist heute nicht viel passiert. Herr Rabe und ich waren zusammen laufen, das hat für mich nur so mittel geklappt, weil ich viel zu schnell losgerannt bin und nach 15 Minuten kurz gehen musste. Aber Herr Rabe soll ja nicht denken, ich sei eine lahme Ente.

Ansonsten Sonntag eben. Wir versuchen, winterfertig zu werden, Herr Rabe hat gestern schon im Garten aufgeräumt, ich habe heute den Ofen gereinigt und Holz geholt. Wir hoffen mal, dass bei uns nicht auch der Schornstein brennt.

Ich übe ein Weihnachtslied. Das war letztes Jahr noch nicht machbar (aufgrund des Arrangements mit lauter Doppelgriffen), dieses Jahr habe ich erstens noch 4 Wochen Zeit und habe zweitens seit fast einem Jahr gezielt Doppelgriffe geübt, da geht das schon viel besser. Außerdem habe ich bessere Übungstechniken gelernt. Ha. Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekäme.

Michel übt auch ein Weihnachtslied. Er hasst uns dafür, dass wir ihn zum Üben zwingen, aber ich lasse da meine innere Musiklehrerin raushängen und lasse nicht locker, bis es klappt. Und dann lobe ich ganz doll, natürlich. Michel hat noch knappe drei Wochen, bis er das spielen muss, sollte sich also nach Möglichkeit am Riemen reißen mit dem Üben. Michels Weihnachtslied ist schön, aber ein Kirchenlied, mit all dem, was das an seltsamen Rhythmen und Harmonien so mit sich bringt. Es ist auch nichts, was man halt so kennt, er muss also wirklich auf die Noten gucken. Dir Motivation dazu ist eher marginal.

Tag 3379 – Tröt Ultras und Käse.

Die Kinder waren ja heute auf Korpsseminar und hatten es da super gut. Michel fand zwar die Uhrzeit unmenschlich früh für Wochenende, und hat sich abends drei mal erkundigt, ob wir morgen auch wirklich, WIRKLICH „nichts machen“, aber er hatte da sehr viel Spaß, bei dem Seminar. Ich bin echt begeistert, was die da an einem einzigen Tag auf die Beine gestellt haben, Wahnsinn. Ich kann’s echt immer wieder nur empfehlen, Musik ist so super, die Gemeinschaft ist toll, die Kinder haben Erfolgserlebnisse und weder Kinder noch Eltern müssen im Nieselregen auf oder an Fußballplätzen stehen. Ein mal im Jahr läuft man gegebenenfalls im schlechten Wetter rum, aber wenigstens nicht jedes Wochenende. Am Anfang sind sie süß und wenn sie nicht mehr ganz so süß sind, werden sie immer besser.

Ich nutzte eine der Touren* zum Einkaufen. Jetzt ist der Kühlschrank wieder voll und niemand muss an Nutellamangel sterben.

Abends war Pippi auf ihrer Halloweenparty. Das Bild kann ich zeigen:

Das ist „Osten den ostete skurken“

Übersetzt „Käse der käsige Schurke“. Das Schurkentum ist auf Diebstahl ausgelegt. Der Bär hilft dabei.

Alle** anderen Kinder waren Wednesday, Pippi war hingegen als Käse sehr glücklich.

Jetzt liegt der kleine Käse hier neben mir im Bett und schnarcht. Ich freue mich auf eine längere Nacht, mit Schlafbrille und Ohrenstöpseln. Wer mich weckt, sollte dafür sehr gute Gründe haben, eigentlich zählt alles unter starker Blutung, offenen Brüchen und Haus brennt nicht.

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*Insgesamt für das ganze Gedön heute 150 km, dabei habe ich die Ortsgrenzen nicht verlassen

**nur leicht übertrieben

Tag 3300 – Quak, quak.

Hier sitze ich so, und warte darauf, dass 5 Mädchen zwischen 7 und 11 Jahren schlafen. Bisher schläft keins und alle quaken. Pippi hat sich Übernachtungsgeburtstag mit allen Nachbarsmädchen gewünscht. Soll sie ja haben, aber meine Güte, was für ein Hühnerhaufen.

Jetzt erklingen total echte, gar nicht künstliche Schnarchgeräusche.

Jetzt behauptet wer, sie würde schlafwandeln.

Schnarchgeräusch.

Kichern.

Ich bin sehr müde, aber ich gehe hier auch sicher nicht weg, bevor zumindest 3/5 schlafen.

Geschichten wurden bereits erzählt. Keine gruseligen. Und unwitzige Witze.

Also, ich verstehe ja, dass das sehr aufregend ist, aber bei dem Gewühl, Gelaber und Gekicher könnte ich auch nicht schlafen.

Jetzt werden Decken neu hin und her verteilt und getauscht.

Ahhhh…

Tag 3269 – Alle Jahre wieder.

Erstmal kurz Update: beide Küken waren heute Morgen weg, und da sie wohl nicht von selbst aus den Terrarien spaziert sind und die Schlangen beide sehr zufrieden wirkend an warmen Plätzchen schliefen, gehe ich mal davon aus, dass es geschmeckt hat.

Heute haben wir quasi den ganzen Tag damit zugebracht, Pippis Zimmer aufzuräumen. Denn Pippi war ja gegen Schlangen als Haustiere (jetzt findet sie die aber doch sehr spannend) und ließ sich nur überreden, indem wir in ein Aquarium eingewilligt haben. Das soll natürlich in ihrem Zimmer stehen und sie hat sich auch im örtlichen Zoohandel schon die schönsten Guppys ausgesucht. Aaaaaaber, so wie es in ihrem Zimmer aussah, und so viel Kram, wie dieses Kind hat, war da leider einfach gar kein Platz. Ganz simpel. Ich frage mich ja schon etwas, wie dieses Kind das schafft, weil wir ca. ein mal im Jahr da so Mammut-Aufräumaktionen machen. Vielleicht hat das Zimmer ein außergewöhnliches Gravitationsfeld, und Zeug wird da einfach reingezogen.

Sechs Stunden und drei ziemlich fertige Personen (Herr Rabe, Pippi und ich) später sind aber sehr sehr viele Dinge aussortiert, einiges entsorgt (die Papiertonne ist jetzt fast voll), alles neu verräumt und wo ich grad dabei war, habe ich auch ihren Schreibtisch höher gestellt. Wiedergefunden haben wir auch einiges. Das rigorose Ausmisten hat ein kleines Billy-Regal überflüssig gemacht und da kann jetzt das Aquarium hin.

Ich bin echt platt jetzt. Und habe festgestellt: ich kann zwar recht gut wegschmeißen/aussortieren, aber meine Grenze geht bei „Kleiner, weißer Fisch“, „Bist du meine Mama?“ und „Wir sind jetzt vier“, allesamt Bücher, die ich so oft vorgelesen habe, dass sie mir zwischenzeitlich überall wieder rauskamen und die ich vermutlich bis heute komplett auswendig vortragen kann, mit extra Stimmen für die verschiedenen Tiere und Meeresbewohner.

Pippi kann übrigens auch überraschend gut aussortieren. Ihr Herz hängt dafür an anderen, random Dingen. Und über sechs Stunden den Fokus auf Aufräumen halten und nicht anfangen, mit allem erst mal zu spielen, war nicht so leicht. Aber das hatte ich auch nicht erwartet.

(Mein Problem ist dann, dass ich nicht aufhören kann, bevor es wirklich fertig ist. Ich pushe einfach immer weiter, es wird spät, Kind wird nölig oder irgendwann total abwesend, Mann wird hungrig und ich kann es einfach nicht bei „80% und den Rest machen wir morgen“ belassen. Ich sage sogar, lass uns den Rest morgen machen, aber ich mache dann trotzdem weiter. Weil so halb fertige Projekte bei mir echt körperliches Unbehagen auslösen. Aber hey. Es ist jetzt fertig. Wir können jetzt ein Aquarium besorgen und da so Wasserkulturen rein setzen, die dann da eh erst mal drei Wochen drin sein sollen, bis man Fische rein setzt. Yeah.)

Übrigens: drei Schubladen Bastelkram, plus eine Tüte mit Wolle fürs Fingerhäkeln, plus drei kleine Schubladen in einem Rollcontainer mit Stiften, Kleber, Scheren, Tesa und Schreibkram… das Kind kann eigentlich einen kleineren Bastelladen aufmachen.

Was das Kind so bastelt:

Kleine Waffen für ihr Bärchen. Winzig kleine Pistolen, mit Schnipselgroßen Pistolenkugeln.
Weiteres Reisegepäck: Pfeil und Bogen mit Köcher, eine Decke und eine Lunchbox.

Doch, wir sind ehrlich im Allgemeinen sehr pazifistisch hier im Haus.

Tag 3217 – Alles Gute!

Herr Rabe hat Geburtstag, Hurra, Hurra, Hurra!

Der beste Mann der Welt, bester Vater unserer Kinder und er schnarcht auch nur ganz selten und ganz leise, ehrlich wahr!

Nein, Spaß beiseite: ich freue mich, schon zum 17. Mal mit Herrn Rabe Geburtstag feiern zu dürfen. Manche Menschen werden ja mit den Jahren immer besser und facettenreicher, ich werde hier jetzt nicht das Wein-Klischee bedienen, aber Sie wissen, was ich meine. Ich finde es schön, daran teilzuhaben.

Alles was ich sonst noch schreiben könnte, wäre viel zu privat, das sage ich ihm dann doch lieber persönlich. Dem besten Mann.

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Uns wächst hier demnächst übrigens der Bedürfnisorientierungsorden: Pippi will seit Samstag im Zelt schlafen. Samstag waren auch tagsüber 24 Grad und nachts noch so 12-15 und es war Wochenende. Pippi will das aber weiterhin, auch wenn es heute tagsüber 12 Grad waren und heute Nacht runter gehen soll auf 4. Uns fällt kein guter Grund ein, dazu nein zu sagen, also schläft Pippi draußen, auf einer Luftmatratze mit Schaffellen drauf, unter zwei Bettdecken und in einem Fleece-Onesie und Wollsocken. Nachdem sie eingeschlafen war und ich meinen schlotternden Körper aus dem Zelt pellen musste, setzte ich ihr noch meine Mütze auf und dachte dabei an die schöne Liedzeile „Mir ist kalt, zieh‘ jetzt bitte deine Jacke an!“.

Tag 3207 und 3208 – Mädchenkram.

Gestern war ich mit Pippi alleine, weil Herr Rabe auf einer Beerdigung war und Michel bei seinem Kumpel übernachtet. Wir hatten also „Mädchenabend“ und was macht man da?

1. Shoppen – wir waren beim Optiker, einen Termin ausmachen, damit ich getönte Gläser ausprobieren kann und dann bei Lindex, wo ich ein Paket mit diverser Business-tauglicher Kleidung hinbestellt habe.

2. Beauty – danach waren wir Haare schneiden. Spontan beim Flughafen beim Drop-In-Friseur – es muss ja auch Vorteile haben, wenn man 10 Zugminuten vom Flughafen entfernt wohnt. Ich hatte einen Haarschnitt dringend nötig, Pippi aber eigentlich noch viel mehr, die hat das letzte mal irgendwann in der Pandemie die Haare geschnitten bekommen und da sie meine Haarstruktur geerbt hat, waren die Spitzen wirklich sehr fransig und splissig. Der Friseur spricht nur Englisch, aber das ist für eine Weltgewandte Achtjährige, die ständig YouTube Kids guckt, ja gar kein Problem. Sie hat total problemlos mit dem Friseur gesprochen und seine Aussprache korrigiert, so lieb, dieses Kind. Sie hat allerdings auch nicht aufgehört, zu labern. Während ihres Haarschnittes und während meines auch nicht. Während meines rollte sie aber noch auf einem Sattelstuhl kreuz und quer durch den Salon. Wie viel Energie kann ein Kind haben?

Da sitzt Pippi auf einem Kissen, aber sie ist tatsächlich auch einfach sehr groß geworden.

3. Schick essen gehen – Der Flughafen hat ja auch eine Reihe Restaurants, Pippi wählte das, wo es Sushi gibt. Für mich gab es Ramen mit Pilzen und Tofu (und Gemüse und so weiter). Das war sehr lecker, aber Pippi laberte mir dabei konstant ein Schnitzel an die Backe (außer wenn sie sang. Dann nicht, aber dann sang sie halt). Dieses Kind ist ja sehr süß, aber auch ein nie endender Quell von Geräusch und Bewegung. Jetzt ist so ein Flughafen ja auch nicht der ruhigste Ort, in Kombination war das alles etwas anstrengend für mich. Ich kam auch viel zu spät darauf, dass ich ja meine anti-nerv-Ohrstöpsel dabei hatte. Pippi war jedenfalls höchst zufrieden mit ihrem Haarschnitt und ihrem Sushi und generell dem Tag und so fuhren wir nach Hause. Es gab noch einen Zwischenfall, weil Madame so lange auf dem Klo brauchte, dass wir den Zug verpassten, aber Schwamm drüber.

4. Noch mehr Beauty – Wegen heutigem Tanzauftritt hatte ich Pippi versprochen, dass ich ihr die Fingernägel rosa lackiere. Sie hatte das selbst versucht, aber nicht gut hinbekommen, keinen Überlack genommen und dann zu früh draufgetatscht. Als ich ihr die Fingernägel lackierte hielt sie tatsächlich durch zwei Schichten Lack plus Überlack still! Das Ergebnis war auch wirklich hübsch, ein hellrosa Ballettmädchen-Traum. Der Nagellack muss mal in einem Adventskalender gewesen sein, so eine Farbe würde ich mir nicht selbst kaufen. Ich habe ihn jetzt offiziell an Pippi abgetreten.

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Heute dann großer Auftritt für zwei Raben, grob geschätzt ca. 200 weitere Mädchen und Frauen und exakt einen Jungen. Es ist traurig, wie wenig anziehend Tanz auf Jungs wirkt. Normalerweise sind wenigstens noch ein paar HipHop-Jungs dabei, aber die sind wohl auf irgendeinem Wettbewerb grad. Trotzdem eine Schande, selbst wenn es sonst 3 Jungs auf 200 Mädchen sind.

Der Auftritt lief ganz ok für mich, ich habe leider nur ein Foto wo sonst niemand erkennbar drauf ist, und das ist von der Generalprobe.

Frau Rabe friemelt an ihren Fingern herum, die 100.000ste. Die Jacke war nur zum warm bleiben. Und es war vor dem Haare schneiden.

Pippi hat den Auftritt auch sehr gut gemeistert, sie hat sogar beide Shows heute getanzt. Mit Rad schlagen und Spagat am Ende! Zwischen den Shows waren wir Eis essen und frische Luft schnappen. Ich hatte mich für beide Shows als Freiwillige gemeldet und musste aufpassen, dass mir von einer Horde 10-12-Jähriger keine abhanden kommt. In der Praxis hieß das, dass ich etwa 8492 mal mit verschiedenen Mädchentrupps aufs Klo gegangen bin, Dutts gefixt habe, Pflaster und Tape verteilt habe und mittendrin feststellen musste, dass ich die falsche Liste in der Hand habe. Es löste sich trotzdem irgendwie und am Ende hatte ich alle zwei mal ein- und wieder ausgetragen und konnte sie nach Hause schicken. Hurra!

Das war alles relativ anstrengend. Das merkte ich daran, dass mich maßlos aufregt(e), dass der „Döner“-Foodtruck keinen sich drehenden Spieß hat und auch kein Der Gerät(TM), sondern das Fleisch in der Pfanne brät. Das ist FALSCH, ich weiß das, weil ich aus dem Land des Döners komme. Ähäm.

Jetzt Bett ist dringend nötig.

Tag 3094 – Letzter Urlaubstag (seufz).

Der Tag fing ziemlich früh an, die Kinder haben ja normal Schule seit heute. Die selben Kinder, die gestern Abend „gar nicht müde“ waren, heute Morgen aber um so mehr. Die Erwachsenen betraf beides allerdings auch, ich will deshalb gar nichts gesagt haben.

Spontan beschloss ich, mein Rucksackproblem wie eine Erwachsene anzugehen. Im Internet, in meinem Rabbithole gestern, hatte ich mir vier Rucksäcke einer namhaften Koffermarke mit S rausgesucht, und die Koffermarke hat in Oslo einen Store. Da waren zwar nicht die Farben vorrätig, die ich von den verschiedenen Modellen gerne hätte, aber um auszuprobieren, ob ich meinen dringend notwendigen Kram da rein bekomme, oder ob das auch einfach nur schicke und teure Tüten zum auf den Rücken schnallen sind, tut es ja auch die Version in fröhlichem schwarz. Also ging ich zum Laden, ließ mir alle vier Versionen geben, verwarf eine gleich wegen doch hässlich, verwarf eine weitere wegen doch kein akzeptables Preis-Optik-Verhältnis und packte meinen dringend notwendigen Kram erst in den einen, dann in den anderen verbleibenden Rucksack, spazierte mit beiden ein bisschen durch den Laden und entschied mich dann schlussendlich für den kleineren (aber verifiziert ausreichend großen) Rucksack. Den bestellte ich in kreischendem Pink, nächste Woche kommt er an. Auf der zweiten verbleibenden Version dachte ich noch ein bisschen herum, allerdings nicht in der Alltagsrucksackgröße, sondern eine Nummer größer, als Handgepäck-Reiserucksack. Das teilte ich der Verkäuferin auch so mit, dass ich das mal überlegen müsste, weil PRAKTISCH ist das ja schon mit einem vernünftigen Rucksack für 1-2 Übernachtungen, und dann auch trotzdem nicht potthässlich… Ich verließ den Laden und dachte ca. 150 Meter weiter daran herum, drehte um und bestellte ihn auch noch. Der Rucksack den ich sonst für solche Zwecke nutze, ist nämlich auch bei Licht betrachtet fertig, der eine Reißverschluss (an einem unwichtigen Fach) ist kaputt und die innere Beschichtung löst sich auf, sodass man immer Beschichtungsbrösel an allem hängen hat. Das wird ein deutliches Qualitätsupgrade zu meinen neuen Rucksäcken und ich freue mich wirklich sehr darauf. Ich bin außerdem einigermaßen stolz auf mich, dass ich keine (übermäßige) Wissenschaft aus der Auswahl gemacht habe und dass ich einfach beschlossen habe, dass ich „so viel Geld“ für sowas für mich ausgeben darf, weil ich groß bin und dieses Geld ganz selbst verdient habe. Auch wenn es sicher günstiger geht – ich muss nicht für mich immer die günstige Option wählen. Ich kann auch ganz alleine entscheiden, was ich haben möchte und brauche dafür keine externe Instanz.

Zufrieden fuhr ich nach Hause und verbrachte die nächsten Stunden zunehmend unzufrieden mit dem erfolglosen Versuch, die Bank zu wechseln. Andererseits passiert auch so ungefähr gar nichts, wenn das jetzt noch nen Monat dauert mit dem Bankwechsel, es stand nur für heute auf meinem Zettel und dann fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass es heute nichts wird (aus Gründen, die nicht bei mir liegen). Auf jeden Fall habe ich aber schon mal alles vorbereitet, sodass ich, wenn sich eine Person von der neuen Bank hoffentlich bald bei mir meldet, gleich auflisten kann, was (also welche Konten und Dienstleistungen) wir alles brauchen. Theoretisch* geht das alles online und problemlos, aber die neue Bank scheint zur Zeit etwas überfordert zu sein, inklusive Homepage, wo mich hinter jeder Ecke heute nur eine Fehlermeldung erwartete.

Das war so ca. mein Tag. Abends brachte ich einen „gar nicht müden“ Michel ins Bett, der nach 10 Minuten lesen freiwillig das Licht ausmachte und weitere 5 Minuten später zu schnarchen anfing. Das war schön. Kindergeschnorchel ist sehr gemütlich.

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*praktisch auch, habe ich ja in Norwegen schon zwei mal gemacht, aber das setzt halt voraus, dass die Technik funktioniert.