Tag 3450 – 2024 im Hause Rabe.

So war 2024. Es passierte viel und wenig, wie das eben so ist, bei normalen Leuten.

Ganz am Anfang des Jahres hatte Herr Rabe ein Konzert mit seiner neuen Band. Und es war Mega! Es folgten noch zwei weitere Konzerte dieses Jahr, eins davon sogar ein bezahlter Gig auf dem Dorffest. Herr Rabes Band ist sehr gut, und das sage ich nicht einfach so daher.

Wir waren nahezu erstaunlich wenig krank, aber im Januar fuhr ich auf eine Inspektion in einem Tal mitten im Nichts, vier Stunden Autofahrt und am zweiten Tag erwachte ich eigentlich zu krank für alles. Ich hoffte, dass meine Kollegin irgendwie übernehmen könnte, sodass ich maximal dekorativ rumsitzen müsste, traf sie aber beim Frühstück käsebleich an, sie hatte Migräne. Ich sag’s mal so: wir haben das durchgezogen und auch das irgendwie geschafft. Der Hersteller hat wenige Monate später seine Herstellerlaubnis zurückgezogen, aber das hatte mit der Inspektion selbst nicht zu tun.

Im März, zu meinem Geburtstag, zogen nach ein paar Wochen freudiger Erwartung Greg und Monty bei uns ein. Zunächst in einem mit einer Trennwand (wie wir dachten) geteilten Terrarium. Das funktionierte nicht, also baute ich so etwa über Ostern und an einem zweiten Terrarium herum. Mit den Wechselwarmen lief es holprig an, mit Futterverweigerung, schlechter Häutung und allem, was das Schlangenhalterinnendasein so zu bieten hat (bis auf Krankheiten und Parasiten, klopf auf Holz), aber irgendwann platzten alle diese Knoten und jetzt läuft alles sehr rund und wir erfreuen uns an zwei sehr ruhigen Mitbewohnenden in sehr hübschen Terrarien.

Im April und Mai wurde ich schnell noch auf sehr viele Kurse geschickt, damit mein Fortbildungsplan etwas hübscher aussieht. Die Kurse waren auch gut. Brüssel ist trotzdem keine sehr hübsche Stadt. Ich mag aber, nahezu wider Erwarten, mit anderen Inspekteur*innen zusammenkommen. Der Weirdo-Anteil ist da sehr hoch.

Parallel dazu lief im Frühjahr auch die Autismusdiagnostik und die führte Anfang Juni auch zu einer Diagnose. An der Stelle war ich davon nicht mehr überrascht. Trotzdem fühlt es sich sehr validierend an, das so bestätigt zu bekommen, dass ich mir das nicht alles nur einbilde oder halt ein soziales Weichei bin. Mir hilft es auch sehr, in entsprechenden Communities zu sein, wo alle weirdos der einen oder anderen Sorte sind. Gemeinsam ist man halt weniger allein. Niemand möchte sich wirklich dauerhaft wie ein Alien fühlen (glaube ich).

Vorm Sommer war ich noch schnell bei einer richtig schlimmen Inspektion, bei der ich spätestens beim abschließenden Meeting den noch sehr jungen Lead Inspector am liebsten ganz mütterlich auf den Schoß genommen hätte. Es ist sehr seltsam für mich, plötzlich auf mehrere Arten die Senior zu sein. Ich bin doch sonst immer die jüngste!

Um meine Chefin zu ärgern, färbte ich mir ebenfalls im Frühjahr (vielleicht auch Ostern?) die Haare mal wieder lila.

Meine Kolleg*Innen streikten für die Möglichkeit, einen eigenen Tarifvertrag für Akademiker im Staat zu behalten. Ich musste am Ende nicht streiken, hatte aber bei der Arbeit und zu Hause Meltdowns, weil ich das nicht zeitnah erfuhr, sondern ganze eineinhalb Tage vor der geplanten Inspektion, die dann so schlimm wurde. Es war unerträglich für mich, nicht zu wissen, ob ich reisen darf oder nicht. Übrigens ein „lustiger“ Fakt dazu: wir sind immer noch nicht mit der Tarifrunde durch, wir verhandeln um einen gesamten Topf von 2,7% (auch hier war die Inflation wesentlich höher als das), eventuelle Gehaltsanpassungen bekommen wir frühestens im Februar ausbezahlt und das wird schon knapp. Ich fühle mich ein bisschen verarscht von dem Ganzen.

Direkt vor und während der Streik-Sache hielt ich noch mal eben nen zweitägigen Kurs für qualified persons. War alles ein bisschen viel, vorsichtig ausgedrückt.

Michel hatte im ersten halben Jahr von 2024 immer mehr eskalierende Probleme mit seiner neuen Klassenlehrerin, die er zur 6. Klasse bekommen hatte. Die war dann irgendwann auch bis zu den Sommerferien krank geschrieben. Die Probleme bestanden wohl doch nicht nur mit Michel. Allerdings muss man dazu sagen, dass es seit den Sommerferien besser ist. Michel reißt sich mehr zusammen, die Lehrerin hat aber auch wohl an sich gearbeitet. Die Wogen haben sich etwas geglättet.

Die Sommerferien begannen wie üblich mit Ferienkursen, erst war Pippi auf einem Tanzkurs, dann waren beide Kinder beim Korpskurs. Beide Kinder finden diese Korpskurse richtig gut. Da sind auch viele Kinder, die so ein bisschen extra sind, da passen Pippi und Michel ausgesprochen gut rein, auf ihre individuellen Arten.

Ebenfalls Anfang der Sommerferien stieg ich seit langer Zeit mal wieder auf die Waage (ich hatte beim Ballett im Spiegel Dinge gesehen, die mir nicht gefielen) und mich traf offen gestanden fast der Schlag. Da war eine 8 vorne. Am nächsten Tag begann ich ein Trainingsprogramm, das ich seither eisern durchgezogen habe (soweit es ging. In Indien war das wirklich schwer und manchmal ging es halt nicht). An mindestens 6 von 7 Tagen die Woche mache ich jetzt Sport, entweder das Fitnessblender-Programm, oder Ballett, oder Klettern, oder Schwimmen, oder Burlesque, oder laufen. Das hat sehr viele positive Effekte, nicht nur ist die 8 weg (ich glaube, die war eh nur ein ungünstiger Tag), ich habe tatsächlich etwa 5 kg Gewicht abgenommen, optisch eher so 8 kg, ich habe wesentlich mehr Muskeln und bin auch stärker und ich bin vor allem viel ausgeglichener. Ich mag meinen Körper im Spiegel wieder mehr angucken, auch in Unterwäsche. Die Winkeärmchen sind weg, der Hintern ist wieder straffer, der Bauch ist je nach Zyklusphase jetzt dann auch mal wieder richtig flach (wenn auch weich, waren ja auch zwei mal Babys drin, ne?). Ich habe keine Diät gemacht, nur wesentlich mehr Sport. Die Waage, die auch das angeblich beurteilen kann, sagt, ich habe jetzt normal viel Fett an meinem Körper und viele Muskeln. Statt wie Anfang Juli viel Fett und normal viele Muskeln. Bei all dem ist mein BMI immer noch im Übergewichtsbereich, was ich einigermaßen lächerlich finde. Wenn mir wer mit Übergewicht kommt, zerquetsche ich di*en einfach mit meinen super starken Oberschenkeln.

Apropos Gewicht: nachdem Michel im Mai oder so beschloss, kein Ritalin mehr nehmen zu wollen, ist Essen kein Dauerthema mehr und er hat zugenommen. Jetzt ist er nur noch dünn, nicht besorgniserregend dürr.

Ja, Burlesque. Als die Kinder beim Korps-Sommerkurs waren, waren wir beim Burlesque-Bingo und danach meldete ich mich für den Kurs an. Aber vorher waren wir noch…

… Sommerurlaub in Bielefeld machen. Das war super schön. Sehr entspannt für alle in einer Ferienwohnung. Wir trafen viele, aber nicht zu viele, Leute und sahen Bielefeld mal als Touristen. Hach.

Nach dem Urlaub ging es direkt rund. Pippi bekam Fische und die starben erstmal dauernd. Michel fuhr auf Klassenfahrt und fand es gut. Mein Burlesque-Kurs ging los und ich fand ihn gut. Pippi bekam endlich einen richtigen Trommellehrer und findet das nach wie vor gut. Dann war ich auf einigen anstrengenden Inspektionen inklusive einer, bei der ich die ganze Zeit unter Beobachtung durch einen französischen Inspektor stand. Ich war auf einem 20-Jahre-Abi-Treffen. Meine Mutter war zu Besuch. Ich war in Bergen beim Mensa-Landstreff. Ich hielt einen Vortrag bei einem Reinraumseminar (das ist, weil ich mich ja so super gut mit Reinräumen auskenne, ne? Hahaha). Ich färbte meine Haare blau. Ich reiste nach Indien, auf eine irre anstrengende Inspektion. Zum ersten Mal verschlief ich SO RICHTIG auf einer Inspektionsreise. Kein Wunder, wenn man bis Mitternacht arbeitet. Die Inspektion lief für die Firma katastrophal, aber wir pflanzten trotzdem hinterher einen Baum dort. Den „düngen“ sie jetzt wahrscheinlich mit Aceton oder so.

Insgesamt war August bis Dezember ein einziger Brei aus zu viel, ehrlich gesagt. Es lief für mich beruflich gut, das ist das einzig positive. Der Preis dafür war aber hoch.

Privat hatte ich irgendwann ab Mitte November SEHR VIEL mit der Burlesque-Show zu tun und Mitte Dezember strippte ich das erste mal vor einem johlenden Publikum. Ich habe auch die Choreografie ganz selbst gemacht, darauf bin ich mindestens ebenso stolz. Das war absolut alle Mühe wert. Das nächste mal fange ich nur früher an.

Zwischen Sport und Burlesque und der vielen, vielen Arbeit habe ich leider weniger Geige gespielt, als ich mir wünschen würde. Vielleicht kann ich das wieder ein bisschen drehen, ich spiele ja gerne Geige.

Zwischen den Jahren tauschten die Kinder die Zimmer und ich stellte fest, dass mein Zyklus inzwischen ziemlich out of whack ist, dieses Jahr hatte ich Zyklen zwischen 24 und 35 Tagen Länge, das ist für einige normal, für mich aber nicht.

Insgesamt ein so ganz okayes Jahr, würde ich sagen. Viele gute Dinge, aber in der Grundstimmung zu viel von allem. Vieles von dem will ich aber ja auch gerne machen, es ist also Klagen über selbst zugeführten Schmerz.

Man sollte solche Artikel vielleicht nicht auf „Schmerz“ beenden. Insofern: auf ein neues Jahr, es bringt Veränderungen im Hause Rabe mit sich. Michel wechselt die Schule, Pippi wechselt die Lehrerin, Herr Rabe wird die magischen 42 Jahre alt, ich werde endlich erwachsen 40. Das kann ja eigentlich nur gut werden alles.