Tag 3312 – Platt.

Michel ist direkt erst mal krank und früher aus der Schule nach Hause gekommen. Erkältung, nichts schlimmeres, Covid-Test negativ.

Arbeit heute zu lang und einigermaßen absurd. Wofür bei uns, vor allem auf der Personalseite, Geld rausgehauen wird und wofür nicht, ist schon echt… [ungläubige Stille]. Noch 20 Stunden, dann ist mein Flexiarbeitszeitkonto voll und ich werde dann immer schön nach meiner Arbeitszeit nach Hause gehen/den Computer ausmachen oder bezahlte Überstunden machen. Sonst sieht es ja niemand, dass es nicht tragbar ist.

Nach der Arbeit war es aber immerhin so spät, dass ich mein Sportprogramm im Trainingsraum komplett alleine machen konnte. Wenn ich alleine bin, mache ich das gerne total selbstverliebt nur in Trainingshose und Sport-BH (der ja mehr verdeckt als die meisten Bikinis) und erfreue mich daran, den Muskeln beim wachsen zuzugucken. so langsam sieht man nämlich auch echte Muskeldefinition überall. Mit meinen Beinen bin ich soweit schon zufrieden, an den Armen geht noch ein bisschen was, Bauch geht noch einiges, aber ist auch schon viel besser als vor 6 Wochen noch. Ein bisschen lustig finde ich, dass ich früher immer Angst hatte, zu viele Muskeln speziell an den Armen zu kriegen, und heute denke ich darüber komplett anders und finde ein Preisboxerinnenaussehen durchaus erstrebenswert. Lieber Preisboxerin als Marathonläuferin jedenfalls. Vielleicht spielt da auch die Erkenntnis mit rein, dass ich deutlich eher die Preisboxerinnengene habe. Früher fand ich immer furchtbar, dass ich so schnell Muskeln aufbaue, heute denke ich HURR HURR HER MIT DEN GRÖẞEREN HANTELN, EINMAL GEHT NOCH, NO PAIN NO GAIN!!! Und es zahlt sich ja auch aus, ich kann jetzt deutlich schwerer heben (aus Ober- und Unterkörper) als vor sechs Wochen noch. Das ständige Cardiotraining hilft auch, ich sterbe nicht mehr ganz so doll und kann meistens die Übungen voll durchziehen, auch das war, das ist ein bisschen unangenehm zuzugeben, vor ein paar Wochen noch anders. Ich war echt nicht fit Anfang Juli, wesentlich weniger fit als ich sein will jedenfalls, und das mochte ich ganz und gar nicht. Ich möchte nicht nach einer Stunde Krafttraining für Tänzer*innen anschließend krank sein, weil ich eigentlich nicht mithalten konnte und weit über meine Grenzen gegangen bin. Lieber wieder eine bessere Grundfitness erreichen, dann gehen auch solche Sondertrainings wieder.

Trotzdem bin ich natürlich nach einem Tag mit 90 Trainingsminuten platt, sehr, aber das ist auch ganz nett eigentlich, es schläft sich nämlich dann viel besser.

Tag 3285 und 3286 – Sportlich.

Gestern und heute ist hier nicht soooo viel passiert, das war bei auch mal ganz schön so. Herr Rabe fuhr gestern nach Ibbenbüren und kam wider Erwarten ohne einen Bass zurück. Dazu nahm er Pippi mit, die neue Sticks bekam. Michel und ich hingen in der Ferienwohnung herum, beziehungsweise hing ich gar nicht viel herum, sondern machte ein mörderisches Sportprogramm und spielte danach noch gründlich Geige. Nebenher wusch ich Wäsche.

Abends trafen wir uns mit unseren Ex-Nachbarn auf dem Siggi, das war sehr nett, obwohl es irgendwann einen krassen Wolkenbruch gab. Vorher hatte es sich schon so angehört, als würde irgendwer unaufhörlich große, leere Mülltonnen herumrollen, es donnerte pausenlos. Wir hielten es aber draußen aus, der Allwetterschirm hielt dem Wetter ebenfalls stand und irgendwann konnte man sich auch wieder unterhalten, ohne gegen den Regen anbrüllen zu müssen.

Aber wir hatten sehr freundlichen Besuch, der unseren Versuch, auf dem Tisch keinen Sturzbach zu kriegen, sehr gut fand:

Heute waren wir shoppen, unter anderem bekam Pippi Inline Skates. Plus Helm und Schoner. Das zog sie an und fuhr quasi sofort los, als hätte sie nie was anderes gemacht.

Der Rest der Einkaufstour war einigermaßen ätzend und ich berichte lieber nicht darüber. Die Bielefelder Innenstadt ist jetzt nicht so der Place to be mit nöligen, überreizten Kindern, wenn man selbst auch nölig und überreizt ist. Und, ey, sorry, aber immer mehr Menschen stinken. Immer mehr Menschen benutzen grauenvoll schwere, Moschusreiche Parfüms in Mengen, die für eine komplette Woche reichen müssten. Es wird immer schlimmer. Dabei bin ich urlaubig entspannt und gar nicht so empfindlich wie sonst schon gerne mal. Aber immer wieder laufe ich quasi gegen eine Wand aus Parfüm und will nur noch weglaufen. Wer möchte denn bitte Leute mit Parfüm vergraulen?

Tag 3284 – Neun Jahre!

Heute ist Pippi, die kleine Mini-Maus, schon neun Jahre alt. Eben war sie noch so klein, winzig quasi, und saß bei jeder Gelegenheit (also immer wenn ich mich mal kurz umgedreht habe) auf dem Tisch oder der Fensterbank oder sonst irgendwo, wo sie nicht sein sollte. Wie eine Katze. Wie eine Katze weiß sie auch nach wie vor sehr genau was sie will und was sie nicht will. Außerdem ist sie schlau, sportlich, begeisterungsfähig, kreativ, hübsch, eine Rampensau und lustig. Sie will ja gerne Tierpflegerin werden, aber könnte echt auch irgendwelche darstellende Kunst machen, das würde eigentlich sehr gut passen.

Hach ja. Sie ist schon sehr wohlgeraten bisher und wir haben sie alle sehr lieb.

Zur Feier des Tages haben wir erst in der Ferienwohnung gefrühstückt, mit Pippis Oma, Pippis Opa und Pippis Onkel D. Es war ein spätes und gemütliches Frühstück mit Kuchen Muffins und tonnenweise Geschenken für Pippi (und ein paar für Michel). Nachmittags waren wir in der Blocbuster Boulderhalle in Bielefeld und da bekam Pippi von Oma ein paar Kletterschuhe, die jetzt ihre ganz eigenen sind. Herr Rabe kaufte sich ebenfalls welche (nach ausführlicher Beratung und Testung in der Halle, wirklich ein ausgesprochen guter Service) und wir boulderten dann auch alle (nicht die Oma), bis die Arme nichts mehr hergaben, was leider recht fix passierte. Aber, wirklich, wenn sie Bouldern mögen, das ist eine sehr schöne Halle, mit wirklich viel Platz und wirklich vielfältigen Bouldern für jede Könnensstufe. Auch das Publikum war nett und nicht judgy. Ich habe, mit Hängen (haha) und Würgen, einen Boulder auf der allerleichtesten Stufe, aber an einer stark überhängenden Wand geschafft und war und bin darüber sehr stolz. Übergänge sind nicht so mein Ding, mein Schwerpunkt ist halt da, wo der bei knapp 40 Jahre alten Frauen so ist. Ich habe aber auch noch mehrere 2er und 3er Boulder an halbwegs geraden Wänden geschafft und bin insgesamt, bis auf die überhaupt nicht vorhandene Ausdauer in den Unterarmen, zufrieden. Herr Rabe fand es auch sehr gut und möchte noch mal hin, Pippi war sehr begeistert und sogar Michel ließ sich zu 2-3 Bouldern hinreißen.

Abends gab es auf Pippis Wunsch hin Käsespätzle. Das ist ihr absolutes Lieblingsessen: selbst gemachte Käsespätzle. Deshalb fahren wir auch mit einer Spätzlepresse in den Urlaub. Alles total normal. Aber Pippi war sehr zufrieden mit den Spätzle und dem Tag generell und ist dann auch zufrieden das erste mal mit neun Jahren ins Bett gegangen. Bald kann ich nicht mehr von „kleiner Maus“ sprechen, aber ein bisschen geht noch.

Tag 3205 – Hmm okay.

Elterngespräch Nummer 2, mit Michel, und es war… okay? Ich bin einigermaßen irritiert, ehrlich gesagt. Vielleicht hat die Lehrerin aber auch inzwischen eingesehen, dass, wenn plötzlich 2/3 der Klasse irgendwelche Probleme haben, eventuell gar nicht die individuellen Kinder alle individuelle Ursachen dafür mitbringen. Jedenfalls ist Michel (ausgerechnet) in Mathe inzwischen weiter als alle anderen in der Klasse, behauptet aber weiterhin, das nicht zu können. Alle anderen Fächer waren ja noch nie ein Problem und sind es auch weiter nicht. Faszinierende Erkenntnis, die aber ungefähr alles erklärt, was mir seit 6,5 Schuljahren regelmäßig Augenzucken beschert: in Norwegen werden Rechtschreibfehler nicht mehr korrigiert und Rechtschreibung nicht bewertet. Es ist egal, man hat eh immer ein Autokorrekturwerkzeug dabei, es kommt mit der Zeit oft eh von allein (und wenn nicht, ist es ja egal, weil wir jederzeit Hilfsmittel zur Hand haben) und es ist wichtiger, einen sinnvollen Fließtext schreiben zu können, als dass dieser fehlerfrei ist. Ich bin echt fasziniert davon. Ich frage mich auch, ob das schon bis zu Arbeitgebern etc. durchgedrungen ist. Aber egal. Jedenfalls ist Michel gut in der Schule und eckt scheinbar auch nicht mehr so viel mit der Lehrerin an. Das ist gut, auch wenn ich dem Braten noch nicht zu 100% traue.

Abends waren wir alle klettern, woran selbst Michel einigermaßen Spaß hat, seit er weiß, dass er besser als seine Eltern darin ist. Er wiegt halt nichts und hat lange Gräten, das ist ein echter Vorteil. Herr Rabe und ich wiegen schon was. Ich bin geschmeidiger, er hat mehr Kraft. Insgesamt sind wir so ca. gleich schlecht gut. Allerdings habe ich mir an einem Boulder einen ganz enorm dicken Splitter unter den Fingernagel des rechten Zeigefingers gerammt und erst als ich am vorletzten Griff aufgeben musste, weil keine Kraft mehr irgendwo war, gemerkt, dass das ordentlich blutete. Nachdem ich den Splitter rausgezogen hatte, blutete es noch mehr und ich musste mir ein Plaster holen, was ich wenig später an einem anderen Boulder verlor. Das war dann aber auch der letzte, da waren meine Arme schon nur noch unbenutzbarer Pudding.

Ich kann übrigens nicht empfehlen, mit Post-Kletter-Nudelarmen Geige zu spielen. Ich konnte knapp die Saiten runter drücken und hatte auch etwa gar keine Koordination mehr. Also das war in seiner Lächerlichkeit schon fast wieder lustig.

Anyway. Morgen habe ich dann selbst „Elterngespräch“ (Mitarbeitergespräch), nur muss ich da, zu Michels Bestürzung, ganz alleine hingehen. Ich hatte überlegt, ob ich wohl einen emotional support husband dabei haben kann, aber ich will ja auch nicht komischer erscheinen als unbedingt nötig. Ich nehme Daumen für das Gespräch, echt, weil ich eine ganze Reihe unangenehmer Dinge ansprechen muss, damit sie endlich besser werden, und ein Teil dieser Dinge ist direkte Kritik an meiner Chefin. Hurra.

Tag 3182 und 3183 – Nope.

Körper tut überall weh, gestern Ballett, heute Bouldern (die Kinder haben jetzt beide Mittwochs Kletterkurs, irgendwas muss eine ja tun, wenn sie da schon zwei Stunden in der Hanne abhängen muss). Immer noch an Erkältung sterbend, die tötet mich aber so langsam, dass ich Ballett und sowas alles noch machen kann, es ist nur die Nase, die betroffen ist. Die dafür nervend. Gestern Abend herrschte mich Michel an, als ich ihn ins Bett bringen wollte: „Lass das!“ Es war meine Nebenhöhle, die wegen irgendwelcher Druckausgleichsgeschichten knackte. Nichts, was ich irgendwie bewusst steuern und sein lassen könnte.

Bei der Arbeit sehr viel nein gesagt. Verstehe aber tatsächlich nicht, dass meine Chefin, nachdem ich zu zwei Sachen wegen keine Zeit Nein gesagt habe, trotzdem noch mit der dritten und vierten Sache ankommt. Da fühle ich mich nicht sonderlich ernst genommen. Speziell finde ich auch, dass sie mich, nachdem ich meine Teilnahme an einem (Entschuldigung, aber Bullshit-)Ganztagsmeeting abgesagt habe, fragt, warum ich das mache. Weil ich da im Ausland bin, auf einer Inspektion, das steht seit vor Weihnachten in meinem Kalender. Der für alle zugänglich ist. Gestern habe ich auch einmal sehr laut und sehr deutlich gesagt, dass mein Nein nicht an mangelnden Interesse liegt, sondern daran, dass meine Arbeitszeit bis Ende September in weiten Teilen komplett verplant ist. Es ist für mich ein erstaunlich großer Stressfaktor, wenn ich ständig „geht nicht“ zu allem sagen muss, und dann auch noch erklären muss, warum es nicht geht, VOR ALLEM wenn ich das Leuten wiederholt erklären muss und VOR ALLEM wenn ich das meiner personalverantwortlichen Chefin erklären muss, immer wieder, ohne dass sie es irgendwie zu verstehen scheint. Der Frau, deren Job es ist, meine Arbeitsbelastung zu kennen.

Was ich außerdem heute für die Zukunft gecancelt habe, ist, meine Reiseabrechnungen zu „attestieren“. Ich muss da in so einem furchtbaren System eigentlich nur bestätigen, dass ich eine Reise bestellt und/oder getan habe, dass ich in einem Hotel gewohnt und mit einem Flugzeug geflogen bin, etc. In der Praxis muss ich aber drölfzig Buchhaltungsaufgaben machen, zum Beispiel das Frühstück vom Hotel aus der Hotelrechnung extrahieren und dann für die einzelnen Posten die richtigen Steuercodes angeben (ungleich Steuersätze, das wäre ja einfach, aber wir haben zum Beispiel 2 Codes für „12% Umsatzsteuer“, und es ist sehr wichtig den richtigen zu nehmen, aber es ist nicht ersichtlich und auch nicht logisch, welchen man nehmen muss. Zu bedenken außerdem: wir sind jetzt ein Papierfreies Büro mit Clean desk und free seating und können nicht mehr wie früher Listen mit Kostenstellen und Projektnummern und effing Steuercodes am Arbeitsplatz an die Pinnwand pinnen. Die Pinnwand ist noch da, die ist nur leer. Leere, graue Cubicles, was könnte es schöneres geben?). Und ich scheitere daran JE.DES. MAL. Jede einzelne meiner Attestierungen kommt zurück, weil ich irgendwas falsch gemacht habe. Literally jede und manche mehrmals. Ich gebe mir wirklich Mühe und mache trotzdem immer irgendwas falsch, und statt dass unsere Buchhaltung das alles so fertig macht, dass ich nur noch auf „bestätigen“ drücken muss, schreibt sie mir so Sachen wie „der Betrag ist falsch“ oder „falscher Steuercode, Hotelfrühstück ist 00“ (es ist nicht 00, weil es 0% Steuern sind. Es sind 25% Steuern. Code 7 ist auch 25% Steuern, aber scheinbar ein anderer) und dann darf ich wieder 5-10 Minuten mit steigendem Puls versuchen, ob ich es dieses Mal schaffe. Heute kam eine Rechnung zurück, bei der ein Betrag falsch war, den ich gestern aber nicht ändern konnte. Ich habe es extra meiner Kollegin gezeigt, und gefragt, ob ich irgendwie zu doof bin, diesen Betrag zu ändern. Heute kam es also wegen was zurück, das sich gestern technisch nicht lösen ließ und dann löste ich das total erwachsen und schrieb meiner Chefin, der ich auch schon vor 4 Wochen geschrieben hatte, dass ich mich von unserer Buchhaltung wegen diesem Rotz langsam gemobbt fühle und dass man Ressourcen sicher sinnvoller einsetzen kann als so, dass ich jetzt aufgebe. Ich mache das nicht mehr. Fertig. Ich kann ihnen gerne in anderer Form bestätigen, dass ich das war, die eine Reise gebucht hat. Aber nicht in diesem System, und definitiv nicht nachdem ich erst mal einen Haufen anderer, zum Teil technisch nicht möglicher Dinge machen muss. Einfach nein. Morgen richte ich mir ne Outlook-Regel ein, dass alles schön gesammelt und als gelesen markiert wird, und Ende. Und nein, ich will auch nicht noch ne Schulung in dem System, ich will, dass alle im Haus ihre Arbeit tun, die Buchhaltung ihre und ich meine. Ende.

Tag 3004 – Autschn.

Heute haben wir einen Familienausflug gemacht, denn hier hat Ende August ganz in der Nähe eine Kletterhalle aufgemacht. Jetzt ist es so, dass ich da so ein bisschen (hahahahaha, eher total) vorgeschädigt bin, denn vor Herrn Rabe hatte ich ja durchaus auch schon Beziehungen, eine davon über sechs Jahre, und dieser Ex war sehr sehr sportlich. Als wir uns kennenlernten war das hauptsächlich Laufen und Badminton, aber dann schleppte ihn der kleine Bruder eines Freundes mal mit in den „Boulderkeller“. Ab da war er mehr in diesem Boulderkeller als sonst wo, und weil ich meinen Freund auch ab und zu sehen wollte, war ich auch da. (Uff, der Muff da. Uff, uff, uff. Käsefüße, Schweiß, Chalk und olle Turnmatten, in einem Keller. Uff.) Der Keller gehörte zum Alpenverein, der irgendwann beschloss, eine richtige Kletterhalle in einem alten Kornsilo zu bauen. Zu dem Zeitpunkt waren wir dann auch alle schon im Alpenverein, was in Bielefeld mit seinem 400 m hohen „Berg“ schon auch ein bisschen lustig ist. Die Kletterhalle war auch noch nur ein paar hundert Meter von dem Tanzsaal, den der Tanzverein, in dem ich war (im Vorstand, das mache ich auch nicht noch mal), zeitgleich baute. In dem Tanzsaal habe ich Parkett geschliffen, in der Kletterhalle Wände gestrichen. Quasi mein kompletter Freundeskreis war auch ständig in dieser Kletterhalle, als sie dann stand. Als irgendwann mit dem Ex Schluss war, kam ich mit einem aus dem Freundeskreis zusammen, der ebenfalls boulderte. Kurz: ich war für viele Jahre ständig in Kletterhallen. Ich war sogar in Fountaine Bleau für Urlaub, und auf der Weltmeisterschaft in München als Zuschauerin, 2000irgendwas. Ich selbst war nie gut, nicht mal ambitioniert, aber kletterte ganz gerne so ein bisschen rum und stellte mich ansonsten bereitwillig zum Sichern zur Verfügung. Es war auch nicht schlimm, den oberkörperfreien Männern mit ihren durchtrainierten Rücken beim Bouldern zuzugucken, ähäm. Der Ex besitzt (? führt? keine Ahnung wie die geschäftlichen Arrangements da sind) inzwischen zwei eigene Boulderhallen, eine in Paderborn und eine in Bielefeld und wir sind immer noch ok miteinander, also gehen Sie da ruhig hin, BlocBuster, und grüßen Sie schön.

Trotzdem war das heute so ein bisschen wie eine Zeitreise in eine ganz andere Zeit. Eine, in der ich körperlich und psychisch irgendwie wesentlich fitter war, und in der ich sowas wie ne Clique hatte. Die ist jetzt weg. Seit vielen Jahren schon, und im Gegensatz zum Ex tut der Verlust des kompletten Freundeskreises tatsächlich immer noch weh, wenn ich mich daran zurück erinnere. Was man zwangsläufig tut, wenn man sich nach vielen Jahren das erste mal wieder in diese Fußmordenden Schuhe quetscht.

Aber, was viel wichtiger ist, als mein PTBS: die Kinder hatten total Spaß. Die sind ja auch beide vom Körperbau ideal, haben lange Arme und Beine und wiegen quasi nichts. Pippi kletterte überaus ausdauernd die Wände hoch und runter (sichern musste man nicht, das waren automatisch sichernde Top-Ropes), Michel war sehr gut im Bouldern. Wie ich kletterte er zumeist die Boulder wieder runter, weil es viel zu gruselig ist, 3-4 Meter runter zu springen (mein Beckenboden fand das auch gar nicht so lustig, als ich es dann doch mal probiert habe). Wie Kinder generell sind Pippi und Michel auch recht respektlos und probieren einfach, wo erwachsene Schisshasen wie ich eher aufgeben und sich in Ruhe von unten Lösungen überlegen.

Also – für die Kinder gern wieder. Für Herrn Rabe auch. Für mich – naja. Jetzt bin ich auf den Schmerz, nicht nur den körperlichen, vorbereitet. Geht dann vielleicht auch irgendwann besser, auch körperlich. Morgen werden wir Erwachsenen das aber vermutlich bereuen.

Tag 2968 und 2969 – Autschn.

Gestern war die erste Ballettstunde nach den Ferien und es war fast wie immer. Nicht ganz. Ich war wie immer, habe also ohne Rücksicht auf knappe zwei Monate Pause Vollgas gegeben. Die Ballettlehrerin hat aber das Niveau ein Stück angezogen. Wir machen sogar ein paar der Übungen aus dem mörderischen Sommerkurs, unter anderem das Hüpfen auf einem Bein (klingt einfach, ne? Ist es nicht. Versuchen Sie mal auf einem Bein zu hüpfen, aber eigentlich fast (möglichst?) nur aus dem Sprungelenk, ohne den Oberkörper mitzubewegen oder sonstwie Schwung zu holen, und jedes Mal müssen Sie so hoch kommen, dass Sie den Fuß im Sprung ganz durchstrecken können. Acht mal, dann das andere Bein, dann zwei mal 4, 2, 2, 1, 1, 1, 1). Ich kam sogar ganz gut mit, habe ja auch den Sommerkurs überlebt. Aber seit heute Nachmittag fängt alles an meinem Körper an, wehzutun.

Und weil es ja nicht sein kann, nur in den Beinen und im Bauch, Rücken und Hintern Muskelkater zu kriegen, habe ich heute morgen dann bei der Arbeit noch ein Krafttraining für Schultern, oberen Rücken und Arme gemacht. In erster Linie, weil mir schon wieder die Schulter weh tut von am Rechner hocken.

Das wird ein feiner Muskelkater.

P.S. ich habe mir ja neue Ballettschuhe kaufen müssen, weil sich meine großen Zehen aus den alten befreit hatten, jetzt habe ich Schläppchen von Bloch, die mir erst zu klein vorkamen, die aber astrein sitzen. Endlich wandert die Sohle unter dem Ballen nicht mehr herum und nervt unsäglich dabei. Außerdem habe ich mir am Wochenende aus der Grabbelkiste beim Ballettladen ein Trikot gekauft, das mir sehr gefällt. Es fühlt sich nämlich sehr viel mehr als mein bisheriges so an, als sei man vollständig bekleidet. Nur die Farbe war nicht so klug gewählt (gut, es gab keine Wahl, Grabbelkiste halt), in grau sieht man dunkle Schweißflecken halt optimal. Oder wie ein Mädchen es ausdrückte, als wir Muttis nach dem Training aus dem Raum kamen: Puh, die stinken! (Japp, ist mir aber egal, so ist das halt, wenn man beim Sport schwitzt und älter als 10 ist.)

Tag 2770 – In der Weihnachtsbäckerei…

Wer sagt, dass man nur zu Weihnachten Kekse essen kann? Außerdem haben wir zu Weihnachten gar keine Kekse gebacken, wegen StressKrankPlatt, und jetzt mussten Haselnüsse weg, bevor sie ranzig werden. Morgen werde ich also eine Dose Grümmel-Nuss-Kekse mit zur Arbeit nehmen und dann freuen sich alle und ein Gespräch am frühen Nachmittag wird vielleicht nicht grauenvoll schlimm, Hurra.

Es geht heute schon besser als gestern mit dem Antrieb, ich war sogar flott spazieren. Die selbe Runde wie letzte Woche Samstag, nur 5 Minuten schneller. Und glatter. Meine Uhr sagt, ich nähere mich wieder einer durchschnittlichen Cardiofitness an, was auch immer das heißt, jedenfalls war sie bis Mitte 2020 überdurchschnittlich und ging dann stetig runter wegen Faulheit. Da der Durchschnitt eine Linie ist, gibt es nur unter- oder überdurchschnittlich, was auch irgendwie nicht sehr wissenschaftlich erscheint. Aber ich erfreue mich am Aufwärtstrend. Mein faules Rumhänge-Ich kann ich nämlich gar nicht mal so gut leiden, aus vielen Gründen. Einer davon ist, dass Sport sich bei mir positiv auf die Psyche auswirkt. Insofern könnte man mich, wenn ich schlechte Laune hab, auch fragen, ob ich mich heute schon bewegt hab, aber dann riskiert man, den Kopf abgebissen zu bekommen… es ist kompliziert.

Sport und Kekse machen das Leben besser. Und Geige, das auch, das hab ich heute auch knappe 2 Stunden lang gemacht.

Tag 2260 – Noch platter.

Sport, also, warum macht man das überhaupt. Au Füße. Au alles.

Ich hoffe wenigstens auf guten Schlaf zur Belohnung.

Ansonsten ist Homeoffice ja auch ganz schön, Homeoffice alleine hat auch was für sich. Das muss alles in die Planung der teilweisen Rückkehr ins Büro mit einfließen.

Michel hatte heute wie jeden Dienstag Korps und fand das zwar nach dem Hort erst eine totale Zumutung, nachdem er was gegessen hatte gar nicht mehr so schlimm und dann war es wie immer gut. Was haben sie gemacht? „Na Musik.“ Ja, ach so. Hinterher meinte er zu mir, ich könne mich doch auch beim Korps anmelden, einem für Erwachsene und mit Geigen. Das gäbe es nämlich. „Meinst du ein Orchester?“ Ja, das meinte er. Aber Korps für Erwachsene mit Geigen find ich auch gut.

(Tatsächlich hab ich da schon öfter drüber nachgedacht, aber ich hab so unregelmäßig Zeit, das macht mich als Ensemblespielerin nun nicht sonderlich attraktiv. Naja, mal gucken.)

Mehr war heute nicht. Doch – ich hab eine Erinnerung bekommen, doch bitte mal wieder zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu gehen. Sind schon wieder drei Jahre rum, na sowas. Mache ich natürlich, man muss hier in Norwegen jede Vorsorge mitnehmen, die man kriegen kann.

Tag 2157 – Hoppla, eingeschlafen.

Tja, also dieses Sport ist halt schon anstrengend. Ich hab danach noch etwas arbeiten wollen, da das aber nur lesen von Richtlinien war, war es nicht spannend genug und ich bin darüber eingeschlafen. Hups.

Gestern war ein guter Tag mit ausgesprochen guten Neuigkeiten, aber so ganz traue ich mich noch nicht, es auszusprechen, Näheres also in einer Woche.

Jetzt muss ich erst mal sehr viel Wasser in mich hinein füllen, ich hab gestern beim Sport so dermaßen geschwitzt, dass ich mich heute fühle wie eine Trockenpflaume.