Tag 3009 – Probieren.

Ich hab das mit dem Wedeln heute mal im Hellen probiert. Zur besten Nachmittagsspaziergangzeit. Das Ergebnis dieser Fallstudie ist: die meisten scheinen sich zu freuen, wenn ihnen eine offensichtlich fröhliche Person entgegenkommt. Ein Paar guckte sehr angestrengt woanders hin, aber deren Kind im Kinderwagen freute sich trotzdem.

Pippi ist wieder da! Sie war sehr sehr müde, und hat uns sooooo doll vermisst, dass wir sie zu zweit ins Bett bringen mussten. Sie hatte aber wohl eine ausgesprochen gute Zeit mit ihrer Freundin, sie waren sehr viel draußen unterwegs und „da war es sooo kalt, da war sogar manchmal Schnee!“. Vermutlich eher Raureif, das ist ja bloß 150 km von hier, nicht in Finnmark oder so. Aber Hauptsache sie hatten Spaß und das hatten sie wohl.

Herr Rabe und ich stritten uns letzten Sonntag übel über den Haushalt. Von beiden Seiten fielen da fiese Worte und ich war drauf und dran, auf dem Sofa zu schlafen, aber dann kam Herr Rabe mit einem Friedensangebot wenn wir uns noch mal zusammen setzen und über unsere Erwartungen reden und gucken, wie wir das besser verteilen können. Turns out, das ist gar nicht so einfach wie man vielleicht meint, so ein geplantes Gespräch über ein Konfliktbehaftetes Thema. Ehrlich gesagt eierten wir zwei Tage lang herum und es war immer plötzlich irgendwas anderes total wichtig. Ich schreibe das hier, damit es nicht aussieht, als wären wir Vollprofis im Miteinander reden und ständen da über allem, denn mitnichten. Wir streiten selten, aber dann heftig und dann fallen alle diese Worte, die Paartherapeuten nicht hören wollen, „immer“ und „nie“ und so weiter. Sich vertragen geht meistens gut, dann aber sich hinsetzen und versuchen Mittel und Wege zu finden, es beim nächsten Mal besser zu machen oder gar nicht erst in dieser Situation zu landen… schwierig. Wie bei so normalen Leuten eben.

Jedenfalls haben wir jetzt eine Liste von Sachen, die wir voneinander erwarten und bei Sachen, die beide regelmäßig machen müssen, sind die Verantwortlichkeiten geklärt. Der erste Sonntag mit dem neuen Ziel „Es hängt/liegt am Ende des Tages keine Wäsche herum und ist so aufgeräumt, dass die Putzhilfe kommen könnte“ war ein bisschen holprig, aber jetzt ist es tatsächlich ordentlich und die Schränke sind voll. Wir werden das weiter testen.

Tag 2360 – Tschö, Bielefeld!

Heute besuchten wir noch schnell M., der einstmals unser Trauzeuge war und jetzt schauspielernder Eigenheimbesitzer mit drei Kindern ist. Gefühlt gestern waren wir noch an der Uni zusammen und lernten für „Gene und Genome“, die dämlichste Multiple-Choice-Prüfung, die ich in der Uni hatte. Heute durfte ich den jüngsten Spross (2 Monate) der Familie ein bisschen herumschuckeln und so Babies sind ja schon süß und diese winzigen Füßchen und diese flaumigen Haare und so, aber meine Eierstöcke blieben komplett entspannt und ich bin einfach nur froh, dass ich nachts nicht mehr alle paar Stunden geweckt werde, weil so ein kleines Würmchen ernährt werden will. (Aber so niedlich! Nawwww! Angucken und schuckeln immer gerne.)

Danach Packen*, Opa noch mal drücken und los auf die Autobahn.

Autobahn ist nach wie vor schlimm. Der Überlebenswille einiger deutscher Autofahrenden scheint nicht sonderlich ausgeprägt zu sein.

Jetzt sind wir in Kiel im Hotel, werden hier noch Silvester feiern und dann Samstag ganz gemütlich aufs Schiff rollen, statt schmerzhaft früh in Bielefeld losfahren zu müssen. Außerdem ist Michels Allergie direkt verschwunden und das für ihn eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität.

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*Man sollte meinen, dass, nachdem zwei Kisten mit deutschsprachigen Büchern nach Deutschland gefahren und zur Brockensammlung gebracht wurden, das Auto auf dem Rückweg leerer sein würde. Aber da hat man die Rechnung ohne vier Plastikboxen mit Kabeln (???) und eine Eishockeyausrüstung gemacht, die wundersamer Weise beim Schwiegervater auftauchten und in Norwegen sicher dringend benötigt werden. Man könnte sogar fast den Eindruck gehabt haben, dass versucht wurde, das ohne mein Wissen ins Auto zu schmuggeln. Aber nur fast.

Tag 2337 – Allein, aber mit Meter.

Herr Rabes Konferenz läuft jetzt so: heute war nicht, bzw. nur Aufbau. Morgen ist mit drei Kohorten á maximal 200 Gästen (die Kohorten wurden wohl nicht voll, so groß war das Interesse an physischer Teilnahme dann doch nicht). Dann werden über Nacht wieder die Regeln geändert und deshalb ist Donnerstag dann ganz ohne Publikum.

Weil die Tage für die Orga- und Ordnungstruppe aber trotzdem lang werden, ist Herr Rabe im Hotel in Oslo. Das hat auch für mich viele Vorteile, zum Beispiel könnte ich theoretisch sogar mit offenem Fenster schlafen*. Ich muss niemandem sagen, dass Waschmaschine und Trockner bevorzugt nachts um drei laufen sollten (weil da der Strom am billigsten ist) und es klingelt kein Wecker zu völlig irrwitzigen Zeiten, weil Advent of Code ist und um sechs Uhr die Aufgaben veröffentlicht werden.

Dafür muss ich halt alleine alles machen, Kinder rumfahren, Arbeiten, zusehen, dass ich vernünftig esse.

Wird schon werden.

Osloer Julebord-Update: es sind wohl bei der Chipsfabrik noch ein paar dazu gekommen, genaue Zahlen konnte ich aber grad so schnell nicht finden. Insgesamt knackt Norwegen heute aber die 500er-Inzidenz und Oslo marschiert auf die 1000 zu (900 heute). 320 liegen im Krankenhaus, damit sind wir nur noch 5 belegte Betten vom Allzeit-Coronahoch vom 1.4.2020 entfernt. Es ist alles total toll, und deshalb haben wir jetzt den Meter wieder und Norwegen hat jetzt auch beschlossen, dass Lüften ne gute Idee ist. Ich bin gespannt, ob der Zaunpfahl „MEHR Homeoffice“ dieses Mal von meinem Arbeitgeber aufgegriffen wird. Mir ist es ja egal, niemand zwingt mich ins Büro, aber ich denke, es wäre ein gutes Signal, dass man die Entwicklung auch bei uns ernst nimmt. Außerdem ist die Ventilation bei uns grottig.

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*praktisch wäre selbst mir das jetzt grad zu kalt, draußen sind nachts so -15 Grad. Außerdem muss ich dann erst die Geige ausquartieren, neulich hatten sich nämlich schon zwei Wirbel gelöst, durch, so vermute ich jedenfalls, zu starke Temperaturschwankungen bei gleichzeitig sehr trockener Winterluft.