Ächz. Zu langer Tag im Büro. Macht keinen Spaß da. Da sind alle bekloppt, außer dem Lieblingskollegen. Also der ist auch bekloppt, aber er freut sich auch ehrlich nen Loch in den Bauch über ein mitgebrachtes Glas mit Lemon Curd. Mich macht das immer sehr glücklich, wenn sich der grumpy Mann so freut. Hach. Wir haben auch ein bisschen rumgefrotzelt, dass wir uns zur Inspektionsplanung mangels Zeit im Kalender aber sich nähernder Frist einfach an einem Samstag Abend treffen (also mit der Lieblingskollegin auch, nicht nur wir zwei). Nach ner Flasche Wein geht das nämlich alles viel entspannter von der Hand. Außerdem meckern wir ja immer drüber, dass wir so wenige soziale Zusammenkünfte haben, und wenn, dann immer mit gleich 20 Leuten. Wir sind nämlich alle drei ziemlich introvertiert und weirdos. Aber zu dritt funktionieren wir super.
Anyway. Morgen ist Inspektion. Aus Gründen gehe ich ins Hotel. Obwohl es in Oslo ist. Aber deshalb muss ich jetzt auch schlafen. Gute Nacht.
Nachdem wir ja tagelang nur rumgegammelt haben und wegen Wetter bzw. Untergrund (vereist) das Haus nicht verlassen haben, sind Herr Rabe, Michel und ich heute in die Hauptstadt gefahren. Die Kinder haben neue Handys zu Weihnachten bekommen, aber wir hatten noch keine Bumper besorgt und das wollten wir heute tun. Erst habe ich mich total gefreut. Dann wurde mir klar, dass das bedeutet, dass da überall Leute sind. Leute, die im Zug laut telefonieren. Leute, die im Zug laut mit ihrer Freundin diskutieren („Du schenkst mir nen DILDO??? Würdest du deiner Mutter erzählen, dass du mir nen DILDO schenkst???“). Leute in Oslo die da Dinge tun, Bumper kaufen und ähnliches. War eigentlich doch ganz schön zu Hause.
Aber weil wir dann ja schon mal da waren, erfüllten wir Michel noch einen Wunsch und gingen Kebab essen. Er hat nämlich behauptet, er habe das noch nie gegessen und als Deutscher (!) geht das ja nicht. Das traditionelle deutsche Essen, der Döner. Aber hey, besser als wenn er sich Eisbein wünscht. Herr Rabe hatte auch eine Dönerbude mit echtem Dönerspieß aufgetan (hier kommt sonst so ne Beleidigung des Begriffes Kebab oft aus der Pfanne, ist also eigentlich Geschnetzeltes), der auch „bisschen scharf“ anbot und es fühlte sich alles sehr heimisch an. Jedenfalls für Herrn Rabe und mich. Michel war nicht so sehr angetan, das war ihm alles ein bisschen zu durcheinander. Aber jetzt hat er es mal probiert.
Der Team-Tag war schlimm. Exakt wie befürchtet, nur anstrengender. Ich wollte die meiste Zeit weglaufen oder meinen eigenen Kopf abschrauben, der sich geweigert hat, irgendwas anderes zu sehen, als die ganzen Löcher in der Teambuildingtheorie des Tages und der allein darauf fokussiert war, wie schlimm das alles ist.
Aber ich bin jetzt um eine Erfahrung reicher. Man (ich) kann da sitzen, mit rosa Brille und dicken, schwarzen Ohrstöpseln, und konstant in repetitiven Bewegungen an einer Perlenkette friemeln (stimmen), man kann vor wenigen Minuten unpassend laut gesagt haben „Ich möchte das nicht machen, ich fühle mich nicht wohl damit mit all diesen Menschen“ und wenn man dann sagt, man sei autistisch, fallen Leute trotzdem aus allen Wolken.
Gut, dass ich das kurz drauf illustrieren konnte, weil ich fragen musste, was das heißt, dass der Kollege sagt „Wir stellen ja keine Petersilienblätter ein.“. In meinem Kopf wurde das nur zu „ja, das macht ja auch keinen Sinn, wenn da ein Topf Kräuter bei der Inspektion aufläuft“. Ich weiß jetzt, dass „Petersilienblatt“ sowas wie das norwegische „Snowflake“ ist. Eine sehr empfindliche Person eben.
Finde das ein bisschen unfair. Ich mag zwar nicht so gerne Petersilie, aber die ist frosthart, zäh, breitet sich aus wie Hulle, wenn man nicht aufpasst und Meerschweinchen lieben sie. Außerdem war ich heute auch nicht speziell robust. Ich hatte den ganzen Tag das Gefühl, mein Nervenkostüm aus Versehen auf links, mit den offenen Nervenenden außen, angezogen zu haben.
Das Essen hinterher war auch nicht so dolle. Teuer, aber schlechter (weil überforderter) Service.
Das einzige Gute am Tag war die Stunde Sport, die ich zwischen Teambuilding-Rotz und Essen gequetscht habe. Es ist sehr schön, Stress und Aggressionen wegzuhopsen.
Gestern der Schrecklichkeit von Einkaufszentren ins Gesicht geblickt. Aber was soll man auch machen, wenn das, was man bestellt, dann eben doch nicht passt oder gefällt oder oder oder. Und wir alle brauchen Dinge. Unterwäsche, festliche Anzüge, Hosen. Alle wachsen, manche in die Höhe, andere nicht so sehr in die Höhe. Am Ende des Tages hatte einer von uns Unterwäsche und alle hatten schlechte Laune, wegen Einkaufszentrum und wegen Dinge nicht bekommen.
Heute war zumindest bei mir nicht viel Aktivität. Ich habe endlich die Sommerklamotten weg- und die Winterklamotten in den Schrank geräumt. Seufzend. Aber heute wurde es auch den ganzen Tag nicht richtig hell. Dazu Schneeregen, damit man auch bloß nicht weiter raus als bis zur Mülltonne geht. Ich hasse November.
Bastelkram bestellt fürs Hobby, Videos angeguckt (auch fürs Hobby), Blogsrtikel gelesen (Hobby…). Mich beschleicht der Verdacht, dass ich da ein neues Spezialinteresse entwickele, hoppala.
Abends noch ein bisschen Bewegung im Wohnzimmer, dann in der Badewanne ein Lied sehr genau studiert. Wer‘s errät, hat’s erraten.
Heute Abend plötzlich etwas Land unter. Meine Chefin möchte mit uns komische Dinge machen, die ich nicht machen möchte, ich versuchte Herrn Rabe zu erklären, warum ich das nicht machen möchte und Herr Rabe versuchte mir zu erklären, warum meine Chefin das machen möchte und wie Normale Leute(TM) an sowas überhaupt herangehen. Alles daran war mir sehr fremd, diese normalen Leute und wie sie denken. Alles mögliche wird in dieser Situation auch bei mir (ich hasse das Wort, aber hier passt es mal) getriggert, von Mobbing in der Mittelstufe bis zu Bewerbungssituationen wo man die richtige Antwort auf die Frage „Was sind deine Schwächen?“ geben muss. Kurz gefasst: ich möchte gern selbst entscheiden, wem ich was von mir preisgebe. Auf keinen Fall möchte ich Informationen, die für mich sehr intim sind (z.B. zu meinen tatsächlichen Schwächen), unter Kolleg*innen wie in einer Gruppentherapiesitzung (aber auf Wish bestellt) breittreten.
Heute sehr eingeschränkt in meiner Funktion. Manchmal überkommen mich Zweifel, was die Diagnose betrifft. Aber an solchen Tagen passt sie dann doch nahezu gruselig gut.
Ich bin sehr dankbar für Herrn Rabe, der mir unermüdlich die Menschen erklärt, ohne, dass ich mir belehrt vorkomme. Belehren darf man mich nämlich grundsätzlich nicht.
Gestern auch Arbeit, heute frei, ich war auf einem indischen Markt, so viele Leute, Hilfe. Hinterher (doch noch) Arbeit, jetzt dringend Bett. Morgen Arbeit.
Es ist so schön, hier unter anderen Neurospicy Leuten zu sein. Ich bin überwältigt davon, wie viel Spaß ich hier habe.
Es ging los mit Frühstück, wo sich zwei Entwickler aus Hamar zu mir setzten, die interessante Einblicke in einen anderen staatlichen Etat boten. Werde das mal unserer Direktion vorschlagen (falls ich mal kündige, weil danach definitiv die Hütte brennt).
Danach war Speed Friending, das war auf viele Arten sehr anstrengend, aber am Ende bin ich noch fast ne Stunde mit einer der anderen Teilnehmerinnen da sitzen geblieben und habe mich unterhalten, also ich würde sagen, geklappt hat es mit dem friending.
Dann war Chor, dann Mittagessen, dann Bouldern. Chor und Bouldern war beides sehr gut. Überraschend, was ich so kann, bei beidem. Beim Bouldern musste ich trotzdem nach einer Stunde aufgeben, weil meine Arme nur noch Pudding waren. Da hatte ich dann aber auch echt was geschafft.
Dann zwei Vorträge, einer über den weiblichen Zyklus und einer über ADHS. Möchte die Gynäkologin, die mir vor nem Jahr die Pille verschrieben hat, zu der Zyklus-Vortragenden schicken, ich glaube, die kann da noch was lernen. Auch der ADHS-Vortrag war sehr interessant.
Dann Chor. (Wir müssen ja was schaffen, morgen sollen wir beim Galadinner „auftreten“, nach nur 4 Proben bei der nie alle gleichzeitig anwesend waren.)
Dann Abendessen, mit der F.84-Gruppe aus dem 2 %-Club hier. Das ist eine sehr angenehme Subgruppe Leute, die ich zum allergrößten Teil sehr gern habe.
Dann fertig machen für die Mottoparty „Film und Fernsehen“, was ich zunächst sehr gruselig fand. Aber dann war’s gar nicht schlimm und sehr lustig.
Dann Stand-Up (einer aus dem Club ist Comedian) und danach eigentlich Party, aber das habe ich nicht lange ausgehalten. Stattdessen habe ich mit zwei anderen (F.84-) Frauen Magic Maze gespielt und muss sagen, so viel Spaß zu haben hatte ich echt nicht mit gerechnet. Wir zogen auch die ganze Aufmerksamkeit des Brettspiel-Raumes auf uns, weil wir uns so einen abgeierten, immer wieder unterbrochen von sehr stillen Pausen. Das ist einfach ein super Spiel.
Aber anders. Denn ich bin jetzt wo, wo ich drei Tage lang nichts anderes mache, als neue Leute kennen zu lernen.
Bisher läuft das ganz ok. Aber ich gehe jetzt dann auch lieber ins Bett, obwohl noch Brettspiel, Poker, Gaming und generell geselliges Beisammensein läuft. Das läuft aber auch ohne mich. Meine Batterie im Hinblick auf meine Einschränkungen ist eh schon ziemlich leer, gestern merkte ich das sehr deutlich, und es liegen noch zwei volle Tage vor mir. Lieber Kräfte schonen. Aber ich war schon beim Pop Up Chor und habe gesungen, das war zwar musikalisch jetzt eher so njaaa aber ansonsten sehr schön.
Aus gegebenem Anlass habe ich gestern meine Haare getönt. Und auf komplett weiß knallt die Farbe auch richtig.
Aber holla, färbt die Farbe ab. Also, dass Directions in den ersten Tagen ausbluten, bin ich gewohnt, aber das ist ein neues Level. Lustiger Weise geht es von den Händen (an die es nur abgefärbt hat) dann aber nie mehr runter. So soll die Farbe aber auch nur kurz sein, genau genommen nur dieses Wochenende, da kann ich das verschmerzen.
So, also jetzt habe ich auch mal ein Abschlussmeeting einer Inspektion von der anderen Seite erlebt. Also von der Seite, der mitgeteilt wird, was sie alles falsch macht. Gestern habe ich ja erst eines gehalten, die Seite kenne ich ja. Das habe ich, naja, vielleicht nicht hundertmal, aber sicher so 60-70 mal gemacht bisher. Die Firma hat das auch gut über die Bühne gebracht, die waren eigentlich ganz gut, die paar Sachen, die wir da haben, sind zum allergrößten Teil Pillepalle. Ein bisschen taten die mir leid, weil wir wegen des französischen Inspekteurs mega ultra super gründlich waren und wirklich kein Fitzelchen haben durchgehen lassen. Der französische Inspekteur hatte auch an uns kaum was zu meckern, und die paar Dinge, die er uns vorgeschlagen hat, waren ebenfalls auf einem (rein fachlichen) Fitzelniveau. Sowohl gestern als auch heute im Abschlussmeeting hat er ausdrücklich meine und der Kollegin technische, fachliche und Softskills gelobt. So entspannt sei ich, sagte er, und würde eine gute Atmosphäre schaffen. Ich danke an dieser Stelle dem professionellen Inspekteur-Renana-Kostüm, das das alles stets locker flockig wuppt. Besonders freut mich, dass der französische Inspekteur das heute halt alles noch mal vor allen meinen Kolleg*innen, Chefinnen und dem Direktor selbst wiederholt hat. Zusammen mit: kein Finding für die observierte Inspektion, alles top, nicht mal Verbesserungsvorschläge. Mit Glanz bestanden, würde ich sagen. Sowohl ich als auch das Kostüm.
Nach dem Abschlussmeeting heute habe ich endlich mal wieder richtig Sport gemacht. Das war sehr anstrengend und aber auch sehr gut. Nach der Woche war ich aber bei der anschließenden „Hurra, es ist vorbei!“-Feier so platt, dass ich hätte einschlafen können. Zusätzlich waren sowohl Pizza als auch Kuchen falsch geschnitten und mein Kostüm war irgendwie schon ins Wochenende gestartet. Meine Kollegin hat mir dann ein Stück Kuchen abgeschnitten, weil ich nicht darüber hinweg kam, wie die anderen ihn angeschnitten hatten. Ich habe dann auch brav meine Ohrenstöpsel geholt. Und mir auch nichts vorgeworfen, ja mei, dann muss ich halt wen haben, der mir nach so ner Woche den Kuchen schneidet. So what.
Ich war eine nahezu gute Korpsmama und habe den ganzen Tag beim Flohmarkt zugebracht. Nahezu weil ich das eigentlich morgen auch tun müsste, aber das schaffe ich nicht, vor allem nicht mental, habe ich heute wieder mal feststellen dürfen. Das war so anstrengend, mit all dem Chaos, den Menschen, den wirklich zum Teil sehr seltsamen Interaktionen, dass ich danach erst mal drei Stunden im Bett verbracht habe. Aber hey, Pflicht getan.
Weil sich das alles so hinzog, und das im Bett atmen und runterkommen dann natürlich auch weitere Verzögerungen im Tagesplan mit sich brachte, ist es jetzt schon sehr spät. Soeben ist aber eine Maschine Wäsche mit einzelnen Wäschestücken, die ich für meine morgen beginnende Reise (nur Norwegen, aber die ganze Woche und mit Hotel) brauche, fertig geworden. Die hänge ich jetzt noch auf und dann gehe ich endlich auch ins Bett (und lasse mich von Pippi anschnarchen, die Herrn Rabes Platz für ihn warm hält).