Ich arbeite ja jetzt seit zwei Wochen wieder. Letzte Woche wurde ich deshalb in einem Kommentar gefragt, wie das denn so für mich wäre. Naja, also Hier kann man nachlesen, wie es mir unmittelbar davor ging. Kacke, nämlich. Inzwischen ist es etwas anders.
Die Rahmenbedingungen sehen so aus: Pippi ist jetzt fast zehn Monate alt. Ich stehe gegen halb sieben auf, je nach Müdigkeitsstatus klappt das mehr oder weniger gut. Dann mache ich mich fertig und mir einen Kaffee. Den nehme ich in meiner heiß geliebten Thermotasse mit und verlasse gegen halb acht (seien wir ehrlich: viertel vor) das Haus. Meist schlafen da noch alle. Dann bin ich gegen acht bei der Arbeit, frühstücke da, arbeite eben so vor mich hin, führe Erwachsenengespräche auf Englisch und Norwegisch und Deutsch wild durcheinander, werde gefragt, was der Nachwuchs so treibt, zücke mein Telefon, zeige Fotos herum, gebe Anekdoten zum Besten und Zack ist es halb drei und schon wieder Zeit nach Hause zu fahren. Ich habe nämlich den unheimlichen Luxus der Stillpausen von eigentlich 2 (!!!) Stunden am Tag, außerdem ist „Sommer“ und der Arbeitstag geht regulär eh nur bis um drei… Aber irgendwas will man ja trotzdem wegschaffen. Das ist meine deutsche Mentalität, die da durchschlägt. Ich bin also gegen drei wieder zu Hause. Das deckt sich auch gut mit meiner Milchproduktion und dem Bedürfnis zu Stillen. Siebeneinhalb Stunden bin ich insgesamt weg, ca. acht bis neun Stunden sind es für Pippi ohne Stillen.
Das klingt jetzt viel härter als es für uns alle ist. Klar, die ersten Tage habe ich mich bei der Arbeit komplett fehl am Platze gefühlt. Das geht wohl jeder Person so, die mal so eine lange Zeit (es waren jetzt ja 10 Monate insgesamt) nicht der gewohnten Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, dann aber zurück kommt. Man selbst ist halb anders, halb gleich geblieben, das gleiche gilt für die Arbeitsumgebung. Kurz: es ist weird. Aber ich habe mich schnell wieder daran gewöhnt. Jetzt sind eben wieder Meetings normal und geregelte Pausenzeiten und damit verbundenes Essen und Laborgedöns und Geräte reservieren und so weiter und so fort.
Ja, aber wie geht es mir jetzt damit? Gut. Doch. Gut. Das hat sicher mehrere Gründe. Zum einen geht es Pippi bei Papa total prima und die beiden können jetzt noch mal eine engere Bindung aufbauen, das finde ich für uns alle vier gut. Sicher ist es für mich auch beruhigend zu sehen (Gluckenalarm!!!), dass ich trotzdem noch Pippis Nummer eins bin, das will ich gar nicht verschweigen. Auch das mit dem Essen klappt gut, sie ist jedenfalls noch an keinem Tag komplett ausgehungert gewesen als ich zurückkam. Zum Anderen mag ich meine Arbeit im Grunde ja doch, und dass mich mein Chef mit Arbeit zuschüttet ist auch recht willkommen. So habe ich nämlich keine Zeit, darüber nachzudenken, ob und wie doll ich mein Baby vermisse. (Klar vermisse ich sie.) Es ist auch gut, dass hier in Norwegen fast alle Mütter nach ca. 7 bis 10 Monaten wieder arbeiten gehen. Denn man stößt auf viel Verständnis, alle haben das durch, viele Stillen weiterhin, alle vermissen ihre Babies oder größeren Kinder. Aber dieses Rabenmutter-Ding fällt weg. Arbeiten ist normal, mehrjährige Elternzeit die absolute Ausname. Ich bin also auch kein Exot.
Und der schönste Moment des Tages ist es, nach Hause zu kommen und das riesig breite Grinsen meines Babys zu sehen, wenn sie mich sieht. Dann guckt sie zu Papa, sagt „Da! [Ist die Mama wieder, guck mal Papa!“ und krabbelt auf mich zu. Da geht mir das Herz auf, wir kuscheln und Stillen und dann hole ich Michel aus dem Kindergarten ab, bevorzugt ohne Pippi, damit er wenigstens 20 Minuten Exklusivzeit mit mir hat. Und auch die sind meistens richtig schön.
Also insgesamt war es doch die richtige Entscheidung. Aber am Tag davor geht einem ja gerne mal die Düse…