Tag 3358 – Seltsame Filme.

Heute ist nicht viel passiert hier im Rabenhaus. Außer dass Herr Rabe und ich abends ins Kino gegangen sind, in „Joker – Folie à deux“. Den ersten Joker-Film mit Joaquin Phoenix fand ich super, wenn auch brutal auf vielen Ebenen. Der zweite Film jetzt war ein Ritt, ein gut erzählter, etwas weniger brutaler, mit eindrücklich dreckiger Bildsprache. Aber ein Ritt. Mehr oder weniger random wird gesungen, es wird mehr und mehr klar, dass das sowohl Realitätsflucht als auch Kommunikationsverweigerung ist. Die ganze Geschichte strickt sich um: ist er nun der Joker, oder ist er nur zum Teil der Joker, oder ist er einfach er selbst und traumatisiert ohne Ende. Alle möglichen Parts in der Geschichte wollen entweder das eine oder das andere, nur er selbst hängt irgendwie dazwischen und wird ziemlich viel rumgeschubst. Niemand ist eindeutig gut oder böse, wie im richtigen Leben. Das Ende (das spoilere ich jetzt hier nicht) lässt einen, zumindest mich, einigermaßen ratlos zurück.

Also, Fazit: war schon gut, aber auch echt seltsam.

Ebenfalls Fazit: There‘s always a Joker in the pack.

Tag 3351 – So frei!

Meine Mutter ist ja zu Besuch, schon seit Mittwoch, nur war ich ja ca. gar nicht da bisher. Aber heute haben wir dann mal was geboten, nämlich einen Ausflug in die Hauptstadt und da in die Oper.

Ich habe ja noch nie eine Oper in der Oper gesehen, und finde Oper auch oft… naja irgendwie wenig zugänglich. Aber Herr Rabe hatte eine Anfänger-Operette aufgetan, nämlich „Die Czardas-Fürstin“ von Emmerich Kálmán, in einer modernisierten und norwegisierten Fassung. Nicht so modern, dass irgendwer sich auf der Bühne mit Kunstblut übergießt und schreiend im Kreis rennt, aber es kamen zum Beispiel Geschlechtsidentitäts-Themen vor. Die gab es als Gegenstand breiter, öffentlicher Debatten 1915 wahrscheinlich noch nicht (obwohl es natürlich auch da schon trans Personen gab). Ein paar Bühnenkostüme hatten einen deutlichen Anklang von Drag. Und das Ganze war schrill, bunt, albern und allgemein sehr vergnüglich. Natürlich auch musikalisch wirklich gut, es ist die Oper, die können da schon was. Aber eben auch gut inszeniert, mit einer Gypsy-Band immer mal wieder auf der Bühne und einer Gruppe von 6 Tänzer*innen, die im Hintergrund dauernd eskalierend alberne Dinge taten, während vorne überzogen schmalzige Duette und ähnliches vorgetragen wurden. Wir alle hatten viel Spaß, sogar Michel fand es „es war schon gut, aber ich hätte trotzdem lieber was anderes gemacht“. Die armen, armen Kinder, die von ihren Eltern in die Oper geschleift werden, ruft das Jugendamt an, da muss doch einer was machen! (Spaß. Wobei ich das Gesicht der Jugendamtangestellten gerne sehen würde…)

Also falls Sie eh in Oslo sind und immer mal neugierig auf eine Oper waren, aber bisher sich nicht getraut haben: https://www.operaen.no/forestillinger/czardasfyrstinnen-opera/?gad_source=1&gbraid=0AAAAADlW9JxMNMpZsvjOWC7Yz7-Nwd2W9&gclid=CjwKCAjw0t63BhAUEiwA5xP54Xs6Hezt1sKdyjSMgp2p2Q0jBFDQFJmuQgQyjOQEEMJp2JdhmgzgZBoCJUAQAvD_BwE

Es gibt auch Untertitel, Norwegisch und Englisch. Und nach den ersten 15 Minuten oder so waren die dann auch an.

Tag 3338 – Schwimmen, Klavier, Haare.

Pippi, Herr Rabe und ich waren heute im Schwimmbad, das war schön. Aber auch sehr voll, irgendwie war der ganze Ort da.

Von da ging es für mich direkt zu einem Konzert in der örtlichen Kirche, wo einer der vielleicht 30 Zuschauer überraschender Weise mein Geigenlehrer war. Der kennt wohl den Pianisten. Es wurden die Goldberg-Variationen von Bach gespielt und das war sehr schön. Was nicht so schön war, war, dass zwei Elternpaare gedacht hatten, das sei doch ideal, um dort Kinder im Alter von 3-4 Jahren mit hin zu nehmen. War es nicht. Ganz und gar nicht, die Kinder benahmen sich halt wie Kinder es bei barocker Klaviermusik gemeinhin so tun und stiegen nicht nur Bildlich gesprochen über die Kirchenbänke. Fand ich jetzt eher so nicht so schön. Meine Kinder wären exakt genau so gewesen und deshalb haben wir sowas auch einfach nicht gemacht, als sie so klein waren. Selbst bei Hochzeiten etc. muss man ja drauf vorbereitet sein, dass man irgendwann mit den Kindern raus gehen muss, bevor die aus lauter Langeweile anfangen, sich die Kerzen in die Nase zu stecken oder ähnliches.

Abends habe ich meine noch leicht Rest-bläulichen Haare blondiert und dann wieder lila getönt, das hat beides auch nur so mittel geklappt. Also das Blondieren hat schon geklappt, ich war nur nicht drauf vorbereitet, dass die Haare danach grün sind. Dann habe ich obendrein noch geschafft, einen grünen Fleck in den Haaren zu lassen, als ich sie getönt habe und jetzt sitze ich hier im Bad mit ner zweiten Runde Tönung in den Haaren, damit ich nicht morgen mit lila Haaren und einem grünen Fleck zur Arbeit gehen muss.

Tag 3296 – So ein Samstag eben.

Fischi hat einen Namen bekommen, hen heißt jetzt Carrot.

Mein Fuß ist leicht blau und tut weiter weh, wenn man drauf rumdrückt, aber auch nur dann. Also drücke ich da lieber nicht drauf rum.

Pippi war heute den halben Tag bei ihrer Freundin H. Herr Rabe und der Papa von H. gingen dann noch mit den beiden auf die Kirmes, die hier grad im Ort ist. Dadurch blieb mir das erspart. Ich schwitzte stattdessen die Yogamatte voll (es war aber auch feucht heute). Wir brauchen wohl mal eine neue Yogamatte, ich bin nämlich nach dem Sport gerne mal voller blauer Krümel. Unverschämtheit, die Matte haben wir seit höchstens 13 oder 14 Jahren! Genauso wie die Ikea-Waschlappen, grad mal 12 Jahre alt und allerhöchstens 3000 mal gewaschen, schon lösen die sich auf. Im Urlaub habe ich auch ein Fast Fashion T-Shirt weggeschmissen, das hatte ich 2009 in Stockholm gekauft, also quasi gestern.

Ansonsten habe ich heute die Urlaubsabrechnung und allgemeinen Finanz-Check gemacht. Das war zwar nicht schlimm (im Sinne von keine bösen Überraschungen oder so), aber das ist trotzdem so eine Hassaufgabe für mich, ein bisschen wie bügeln, es muss halt sein und ich mache es dann ja auch, aber ich mache es wirklich nicht gerne. Besonders wenig gerne dieses Mal, weil ich ja geschafft hatte, meine deutsche EC-Karte zu sperren und mich auch aus dem online-Banking ausgesperrt hatte, beides wegen vergessener PIN und Passwörter. Jetzt habe ich aber ein neues Passwort (bereits eingespeichert in diverse Passwortmanager) und eine neue PIN für die Karte ist auch angefordert. Dann muss ich nur dran denken, dass ich mit der Karte zu einem Volksbank-Automaten muss, um die neue PIN zu aktivieren. What could possibly go wrong, so für wen der eigentlich IMMER bei der Sparkasse war und ja auch jetzt nicht bei der Volksbank selbst ist.

Abends eingekauft, lecker gegessen und Geige gespielt. Sonst war nichts.

Tag 3247 – Fortsetzung und echt tighter Rock.

Hab den Titel gestern nicht erklärt, es war ja auch schon spät. Ich habe das Gefühl, ich habe nicht nur kein sonderlich dickes Fell, sondern ich habe einfach gar kein Fell, wie so ein Nacktmull, was bestimmte Dinge angeht. Zum Beispiel die Kommunikation mit anderen Menschen und, speziell, missverstanden zu werden. Da gehen alle Rollos runter. An schlechteren Tagen hab ich nicht mal Haut (also wie so eine gepellte Weißwurst, oder ein Nacktmull ohne Mütze, äh…) und Mittwoch und Donnerstag waren echt schlechte Tage.

Was hatte ich erwartet? Naja, ich hatte zumindest NICHT erwartet, dass Leute in eine simple Bitte ganz offenbar lauter Zeug reininterpretieren, was da nicht steht und ich auch nicht denke. Aber vielleicht ist das halt auch so ein Ding, was eventuell damit zusammenhängt, dass mich missverstanden zu werden so ungemein frustriert. Ich kommuniziere direkt und brauche und erwarte auch dass mit mir direkt kommuniziert wird. Untertöne nehme ich (sogar sehr gut) wahr, die verwirren mich aber meistens und es braucht lange (meistens auch Rückversicherung bei anderen), bis ich die entwirrt habe und eine ungefähre Idee habe, was man mir nonverbal zu vermitteln versuchte. Ich schreibe deshalb selbst auch nichts zwischen die Linien. Viele andere Leute schreiben aber ganz viel zwischen Linien und nehmen daher auch an, dass alle anderen das tun. Und dann passiert halt sowas.

Auch in diesem Fall brauchte es übrigens einen Übersetzer für die Untertöne. Herr Rabe sagte nach einem Blick auf die Replys: Die fühlen sich ertappt, weil die wissen, dass das eigentlich nicht so geil ist, aber sie es trotzdem erlauben, und jetzt hast du ausgesprochen, dass das nicht so geil ist und sie haben ein schlechtes Gewissen.

Das war nicht meine Absicht gewesen, aber ändern kann ich’s jetzt auch nicht mehr. Nächstes mal (hahahahaha als würde ich noch mal irgendwas substantielleres als „Schönes Wetter heute“ da äußern) kommt dann halt noch der Disclaimer dazu, dass ich keinem irgendwas vorwerfe und niemanden shamen möchte.

Auf Twitter hätte ich so eine Reaktion im Übrigen erwartet, auch deshalb bin ich da auch nicht mehr. Und generell habe ich gestern festgestellt, dass ich einfach lieber mit Leuten rede, die im Zweifel nachfragen, wie etwas gemeint ist, bevor sie verbal zuschlagen.

Besonders enttäuschend, dass ich sogar gemacht habe, was ich im Kommunikationsseminar gelernt habe, also das Rezept peinlich genau befolgt, und der Kuchen ist trotzdem leider im Ofen explodiert. Fast so als wären Rezepte nicht auf Menschen anwendbar. Meh. Aber jetzt ist das Krönchen wieder drauf. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, nicht wahr.

___

Gestern Abend, ja, das war wirklich feuchtfröhlich. Mit dem kompletten pädagogisch-psychologischen Dienst des Dorfes. Die sind jetzt alle inhabil (ich glaube es heißt auf deutsch befangen?) uns gegenüber. Die Dame, die Michels Vordiagnostik gemacht hat, war auch da. Auch der Kommunenpsychologe war da. Wir hatten echt viel Spaß, die Babysittermama ist eine totale Partyqueen und reißt auch ruhigere Gemüter gnadenlos mit. Bis ich merkte, dass der Fruchtpunsch Alkohol enthielt (man schmeckte das wirklich überhaupt nicht), war es auch schon zu spät und ich hatte zu viel davon intus, als dass ich noch hätte Auto fahren können. Also nicht hackenstramm, andere waren hackenstramm, dagegen war ich richtig zahm angetütert, aber halt jenseits von Fahrtüchtigkeit. Herr Rabe auch, aber dem hatte ich auch nicht ansonsten nur alkoholfreies Radler gekauft. Naja und dann konnte ich auch noch ein drittes Glas davon trinken und weigerte mich auch nicht gegen Mojito. Einen. (Ich mag Mojito echt gerne.) Und irgendwie waren wir dann plötzlich in der einzigen Kneipe des Dorfes (so plötzlich nicht, der Sohn der Chefin der Babysittermama hat uns gefahren, die Chefin ließ sich aber lieber nach Hause statt in die Kneipe bringen, kluge Frau). Da liefen aber nur die selben 5 Lieder in Dauerschleife und der Abstand der Alkoholpegel zwischen mir, Herrn Rabe und dem Kommunenpsychologen nebst Freundin und… dem ganzen Rest war auch auffallend hoch, weshalb wir uns nach einem alkoholfreien Bier verabschiedeten und nach Hause gingen.

___

Heute morgen war trotzdem hart, ich hatte versprochen, um 11 bei der Pride Parade im Dorf aufzulaufen, deshalb klingelte um neun der Wecker. Mein Kopf erinnerte mich daran, dass ich Alkohol oft echt nicht so gut vertrage, auch in moderaten Mengen nicht. Bis ich meinen (muskelkaterigen) Hintern aus dem Bett gehievt hatte, war es aber auch irgendwie schon nach zehn. Ich warf Brötchen in den Ofen, Herr Rabe machte mir Kaffee, ich wusch meine Haare und schminkte meine Augen ratzfatz in Blau-Lila-Pink mit ordentlich Glitzer (und schminkte den Rest von meinem Gesicht einfach gar nicht, weil keine Zeit) und dann war ich auch nur ein ganz bisschen nach elf bei der Pride. Die war sehr niedlich, wir gingen mit etwa 100 Leuten ein Mal um den Block. Es ist trotzdem wichtig, finde ich, zu zeigen, dass jede*r willkommen ist, solange es nette, weltoffene und tolerante Menschen sind. Von der Party-Truppe von gestern war übrigens nur eine da, mit dickem Kopf aber ansonsten fit. Der Rest wollte kommen, war aber durch verschiedene Umstände verhindert.

Wieder zu Hause aß ich endlich mein Brötchen. Wir schnackten ein bisschen, Herr Rabe und ich, und dann trennten sich unsere Wege, Herr Rabe zum Aufbau mit seiner Band, ich die Kinder von der Korpstour wieder abholen. Die Kinder wollten, zu meiner großen Überraschung, beide nicht mit nach Hause. Michel sagte, es sei SEHR gut gewesen, die Tour. Hach. Das freut mich immer sehr, die haben da einen tollen Zusammenhalt, wo auch Kinder wie Michel, der sonst sozial eher etwas zurückhaltend ist, voll aufgenommen werden. Hach, Hach.

Abends schnappte ich mir dann die Kinder, Papas Auftritt angucken. Und was soll ich sagen, die Band ist einfach richtig gut. Der Sound war gut (ich habe zwei Lautstärkewarnungen von meiner Uhr bekommen), und die drei produzieren ein fettes Brett aus Rock, Punk, (Mainstream) Metal und Indie. Sehr tight, 10 von 10 Punkten von einer sehr kritischen Zuhörerin. Bisher spielen sie nur Coversongs, aber ab dem Sommer möchten sie selbst Lieder schreiben. Das wichtigste aber ist, dass man denen anmerkt, dass sie da echt Spaß dran haben. Eine Stunde lang haben die drei abgeliefert, im Regen und vor einem kleinen Publikum, aber, ich habe das mitverfolgt: das Publikum sind alle bis zum Schluss da geblieben und es kam echt viel Applaus und Jubel. Dafür dass das nicht so viele Leute und Norweger waren, war das Publikum ziemlich laut in seiner positiven Rückmeldung. Pippi fand es auch super, Michel hielt sich am Rand und wollte, glaube ich, hauptsächlich nicht mit den Stufenkameraden sprechen. Die haben inzwischen sehr unterschiedliche Interessen. Tja.

Mit albernen Hüten. Von den coolen Kids geliehen und daher auch zu klein für drei erwachsene Schädel.

Das war schön. Herr Rabe sieht auch einfach sehr gut aus, muss ich sagen, ich stehe inzwischen auf Ü-40-Jährige Bassisten mit grauen Strähnen in langen Haaren. So gesehen sollte ich der Band vielleicht keinen weiteren Erfolg wünschen (hinterher kommt Herr Rabe noch rum und wird von Groupies belagert), aber ich glaube, da habe ich ganz schlechte Karten, das war sehr solide abgeliefert heute.

Bämm!

Tag 3247 – Fortsetzung und echt tighter Rock.

Hab den Titel gestern nicht erklärt, es war ja auch schon spät. Ich habe das Gefühl, ich habe nicht nur kein sonderlich dickes Fell, sondern ich habe einfach gar kein Fell, wie so ein Nacktmull, was bestimmte Dinge angeht. Zum Beispiel die Kommunikation mit anderen Menschen und, speziell, missverstanden zu werden. Da gehen alle Rollos runter. An schlechteren Tagen hab ich nicht mal Haut (also wie so eine gepellte Weißwurst, oder ein Nacktmull ohne Mütze, äh…) und Mittwoch und Donnerstag waren echt schlechte Tage.

Was hatte ich erwartet? Naja, ich hatte zumindest NICHT erwartet, dass Leute in eine simple Bitte ganz offenbar lauter Zeug reininterpretieren, was da nicht steht und ich auch nicht denke. Aber vielleicht ist das halt auch so ein Ding, was eventuell damit zusammenhängt, dass mich missverstanden zu werden so ungemein frustriert. Ich kommuniziere direkt und brauche und erwarte auch dass mit mir direkt kommuniziert wird. Untertöne nehme ich (sogar sehr gut) wahr, die verwirren mich aber meistens und es braucht lange (meistens auch Rückversicherung bei anderen), bis ich die entwirrt habe und eine ungefähre Idee habe, was man mir nonverbal zu vermitteln versuchte. Ich schreibe deshalb selbst auch nichts zwischen die Linien. Viele andere Leute schreiben aber ganz viel zwischen Linien und nehmen daher auch an, dass alle anderen das tun. Und dann passiert halt sowas.

Auch in diesem Fall brauchte es übrigens einen Übersetzer für die Untertöne. Herr Rabe sagte nach einem Blick auf die Replys: Die fühlen sich ertappt, weil die wissen, dass das eigentlich nicht so geil ist, aber sie es trotzdem erlauben, und jetzt hast du ausgesprochen, dass das nicht so geil ist und sie haben ein schlechtes Gewissen.

Das war nicht meine Absicht gewesen, aber ändern kann ich’s jetzt auch nicht mehr. Nächstes mal (hahahahaha als würde ich noch mal irgendwas substantielleres als „Schönes Wetter heute“ da äußern) kommt dann halt noch der Disclaimer dazu, dass ich keinem irgendwas vorwerfe und niemanden shamen möchte.

Auf Twitter hätte ich so eine Reaktion im Übrigen erwartet, auch deshalb bin ich da auch nicht mehr. Und generell habe ich gestern festgestellt, dass ich einfach lieber mit Leuten rede, die im Zweifel nachfragen, wie etwas gemeint ist, bevor sie verbal zuschlagen.

Besonders enttäuschend, dass ich sogar gemacht habe, was ich im Kommunikationsseminar gelernt habe, also das Rezept peinlich genau befolgt, und der Kuchen ist trotzdem leider im Ofen explodiert. Fast so als wären Rezepte nicht auf Menschen anwendbar. Meh. Aber jetzt ist das Krönchen wieder drauf. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, nicht wahr.

___

Gestern Abend, ja, das war wirklich feuchtfröhlich. Mit dem kompletten pädagogisch-psychologischen Dienst des Dorfes. Die sind jetzt alle inhabil (ich glaube es heißt auf deutsch befangen?) uns gegenüber. Die Dame, die Michels Vordiagnostik gemacht hat, war auch da. Auch der Kommunenpsychologe war da. Wir hatten echt viel Spaß, die Babysittermama ist eine totale Partyqueen und reißt auch ruhigere Gemüter gnadenlos mit. Bis ich merkte, dass der Fruchtpunsch Alkohol enthielt (man schmeckte das wirklich überhaupt nicht), war es auch schon zu spät und ich hatte zu viel davon intus, als dass ich noch hätte Auto fahren können. Also nicht hackenstramm, andere waren hackenstramm, dagegen war ich richtig zahm angetütert, aber halt jenseits von Fahrtüchtigkeit. Herr Rabe auch, aber dem hatte ich auch nicht ansonsten nur alkoholfreies Radler gekauft. Naja und dann konnte ich auch noch ein drittes Glas davon trinken und weigerte mich auch nicht gegen Mojito. Einen. (Ich mag Mojito echt gerne.) Und irgendwie waren wir dann plötzlich in der einzigen Kneipe des Dorfes (so plötzlich nicht, der Sohn der Chefin der Babysittermama hat uns gefahren, die Chefin ließ sich aber lieber nach Hause statt in die Kneipe bringen, kluge Frau). Da liefen aber nur die selben 5 Lieder in Dauerschleife und der Abstand der Alkoholpegel zwischen mir, Herrn Rabe und dem Kommunenpsychologen nebst Freundin und… dem ganzen Rest war auch auffallend hoch, weshalb wir uns nach einem alkoholfreien Bier verabschiedeten und nach Hause gingen.

___

Heute morgen war trotzdem hart, ich hatte versprochen, um 11 bei der Pride Parade im Dorf aufzulaufen, deshalb klingelte um neun der Wecker. Mein Kopf erinnerte mich daran, dass ich Alkohol oft echt nicht so gut vertrage, auch in moderaten Mengen nicht. Bis ich meinen (muskelkaterigen) Hintern aus dem Bett gehievt hatte, war es aber auch irgendwie schon nach zehn. Ich warf Brötchen in den Ofen, Herr Rabe machte mir Kaffee, ich wusch meine Haare und schminkte meine Augen ratzfatz in Blau-Lila-Pink mit ordentlich Glitzer (und schminkte den Rest von meinem Gesicht einfach gar nicht, weil keine Zeit) und dann war ich auch nur ein ganz bisschen nach elf bei der Pride. Die war sehr niedlich, wir gingen mit etwa 100 Leuten ein Mal um den Block. Es ist trotzdem wichtig, finde ich, zu zeigen, dass jede*r willkommen ist, solange es nette, weltoffene und tolerante Menschen sind. Von der Party-Truppe von gestern war übrigens nur eine da, mit dickem Kopf aber ansonsten fit. Der Rest wollte kommen, war aber durch verschiedene Umstände verhindert.

Wieder zu Hause aß ich endlich mein Brötchen. Wir schnackten ein bisschen, Herr Rabe und ich, und dann trennten sich unsere Wege, Herr Rabe zum Aufbau mit seiner Band, ich die Kinder von der Korpstour wieder abholen. Die Kinder wollten, zu meiner großen Überraschung, beide nicht mit nach Hause. Michel sagte, es sei SEHR gut gewesen, die Tour. Hach. Das freut mich immer sehr, die haben da einen tollen Zusammenhalt, wo auch Kinder wie Michel, der sonst sozial eher etwas zurückhaltend ist, voll aufgenommen werden. Hach, Hach.

Abends schnappte ich mir dann die Kinder, Papas Auftritt angucken. Und was soll ich sagen, die Band ist einfach richtig gut. Der Sound war gut (ich habe zwei Lautstärkewarnungen von meiner Uhr bekommen), und die drei produzieren ein fettes Brett aus Rock, Punk, (Mainstream) Metal und Indie. Sehr tight, 10 von 10 Punkten von einer sehr kritischen Zuhörerin. Bisher spielen sie nur Coversongs, aber ab dem Sommer möchten sie selbst Lieder schreiben. Das wichtigste aber ist, dass man denen anmerkt, dass sie da echt Spaß dran haben. Eine Stunde lang haben die drei abgeliefert, im Regen und vor einem kleinen Publikum, aber, ich habe das mitverfolgt: das Publikum sind alle bis zum Schluss da geblieben und es kam echt viel Applaus und Jubel. Dafür dass das nicht so viele Leute und Norweger waren, war das Publikum ziemlich laut in seiner positiven Rückmeldung. Pippi fand es auch super, Michel hielt sich am Rand und wollte, glaube ich, hauptsächlich nicht mit den Stufenkameraden sprechen. Die haben inzwischen sehr unterschiedliche Interessen. Tja.

Mit albernen Hüten. Von den coolen Kids geliehen und daher auch zu klein für drei erwachsene Schädel.

Das war schön. Herr Rabe sieht auch einfach sehr gut aus, muss ich sagen, ich stehe inzwischen auf Ü-40-Jährige Bassisten mit grauen Strähnen in langen Haaren. So gesehen sollte ich der Band vielleicht keinen weiteren Erfolg wünschen (hinterher kommt Herr Rabe noch rum und wird von Groupies belagert), aber ich glaube, da habe ich ganz schlechte Karten, das war sehr solide abgeliefert heute.

Bämm!

Tag 3193-3195 – Platt.

Die Inspektion war wirklich nicht so schlimm wie befürchtet, trotzdem war ich danach einfach Pudding. Freitag genoss ich noch das Hoch des Abschlusses und das herrliche Wetter und ging noch zum Piercingstudio, mein eines Piercing wieder einsetzen lassen. Das ist es nicht wert, da blind rumzufummeln und am Ende ein knallrotes Ohr zu haben, beim Piercer dauert es 3 Sekunden und kostet mich 100 Kronen. Beziehungsweise jetzt nicht mehr, weil man bei dem Studio quasi die Garantie kaufen kann, die man bekommt, wenn man da etwas hat stechen lassen, und dann tauschen die es fortan ohne extra Kosten. Die Garantie lohnt sich für mich noch vor dem Sommer.

Nach dem Piercer ging ich im Vinmonopolet vorbei und kaufte eine Flasche Sekt, weil mir wirklich nach Feiern war. Leider schlief dann Michel spät und Herr Rabe früh und deshalb wurde Freitag kein Sekt getrunken.

Abends fraßen wieder beide Schlangen nicht. Greg sieht allerdings auch aus, als wäre hen in eine Puderdose gefallen, wird sich also wohl bald Häuten. Monty roch kurz an der dargebotenen Maus und verzog sich dann wieder. Der Züchter sagt, wahrscheinlich ist das Terrarium noch zu „offen“, das Internet sagt, Futter verweigern für 4-6 Wochen nach einem Umzug ist normal und 2-3 Monate überhaupt kein Problem, man soll Geduld haben. Ich habe das Internet zu diesem Thema inzwischen durchgelesen und -geguckt. Einfach warten und in der Wartezeit in Ruhe ein zweites Terrarium einrichten, weil das zusammen wohnen mit Greg wahrscheinlich nichts besser macht für Monty.

Samstag hatten die Kinder Korps-Meisterschaft, allerdings beide verschiedene, weil Pippi im Junior-Korps spielt und Michel im Hauptkorps. Herr Rabe fuhr morgens mit Michel hin, ich mit Pippi später mit dem Zug hinterher, wir trafen uns in Lillestrøm, tauschten die Kinder aus und ich fuhr mit Michel wieder zurück. Den Rest des Tages hing ich ziemlich durch und machte nicht viel, außer „Pørni“ zu Bingen. Das ist eine sehr herzerwärmende Serie aus Norwegen, die ich sehr empfehlen kann, falls sie mögen, wenn normale Menschen, die normal aussehen, normale Dinge erleben. Kein übermäßiges Drama, keine unaushaltbare Spannung. Einfach das nicht besonders wilde Leben einer alleinerziehenden Mutter von zwei Töchtern, Teenie und junge Erwachsene, plus dem da wohnenden Teenie-Neffen und was das alles so mit sich bringt.

Samstag Abend tranken Herr Rabe und ich dann aber den Sekt, darauf, dass die Firma so viel besser geworden ist, wozu ich sie kind of gezwungen habe, was sehr viel Arbeit war. Das war sehr schön, also vor allem mit Herrn Rabe mal wieder einfach zwei Stunden zu reden.

Natürlich hatte ich heute dann erst mal Kopfschmerzen, weil ich inzwischen nur noch alle Jubeljahre Alkohol trinke und auch vorher schon immer Glückssache war, mal hinterher keinen dicken Kopf zu bekommen. Das ist ätzend, und mit einer der Gründe, warum ich mir inzwischen meistens (as in: in 95 von 100 Fällen) auch das eine Bier oder das eine Glas Wein klemme. Der nette Abend mit Herrn Rabe auf dem Sofa war es trotzdem wert.

Nur mit mir los war auch den Rest des Tages nichts, auch nicht, als sich die Kopfschmerzen verzogen hatten. Ich möchte morgen eigentlich noch nicht wieder mit Menschen reden, jedenfalls nicht mit welchen, mit denen ich nicht verheiratet bin. Dieses Wochenende bin ich Herr Rabe wirklich sehr dankbar, dass er das Korpsmeisterschaftsdings übernommen hat und heute mit Pippi im Schwimmbad war. Nächstes Wochenende versuche ich wieder eine bessere Mutter zu sein. Heute musste es reichen, dass ich ein paar im Haus vorhandene, ungiftige Pflanzen (Grünlilien und Pilea) in reines Kokossubstrat umgetopft und dann ins Terrarium gestellt habe – damit es weniger „offen“ ist. Weil ich dann so gut dabei war, habe ich noch weitere Pflanzen umgetopft. Auch wie so ein normaler Mensch der normale Dinge erlebt.

Tag 3165 – Tief atmen.

Es schneit schon wieder. Es war grad auf den Straßen alles weggetaut und weggeregnet, selbst auf dem Hof waren nur noch Schneereste und jetzt schneit es wieder, in der Version „super nass und klebt sofort zu einer Eisschicht zusammen“. Es ist zum heulen. Ok, nicht für alle, manche wollen ja Ostern Ski laufen und bezeichnen frischen Schnee Ende März bis Anfang April als „Osterstimmung“. Ich bezeichne das als FALSCH. Osterstimmung ist singende Vögel und blühende Narzissen, deshalb heißen die ja auch OSTERglocken. Osterstimmung ist nicht weiße Eier im Schnee suchen.

Ansonsten heute langsamer Tag mit Eskalation am Ende, Streit mit Michel, auch das ist… puh, alles, und er pubertiert ja noch nicht mal. Es kann also noch sehr viel spannender hier werden, als es eh schon ist. Hurra. (Muss das mit dem nicht-Trinken noch mal überdenken… Nein. Und eigentlich sollte man darüber auch nicht frotzeln.)

Gut:

  • in meiner Geige-üben-App stolperte ich zufällig in Ray Chens Übe-Session und das war sehr unterhaltsam und auch sehr lehrreich (und andere würden bestimmt „inspirierend“ sagen, aber ich mag das Wort so gar nicht).
  • Später, als ich selbst übte, besuchte mich eine in meiner Session, mit der ich da hin und wieder Kontakt habe, eine Tierärztin aus Australien, die ebenfalls als Erwachsene das Instrument wieder aufgenommen hat und etwa das gleiche Level hat. Da konnte ich mein Leid über die Doppelgriffetüden klagen und wurde verstanden und bekam Zuspruch, Hurra! Die Etüden sind aber auch tricky, aber das Gute daran ist: die sind nur bei den ersten 2-3 Malen schlimm, danach geht es recht schnell bergauf. Ich spiele die so vielleicht 10-ish mal, einzelne Passagen öfter, bis es sich passabel anhört und nicht mehr anfühlt, als würden sich meine Finger verknoten, und dann fange ich die nächste an. Gut genug ist dabei echt gut genug, ich will damit ja nicht auftreten, ich will nur die innere Hemmschwelle vor Doppelgriffen und Akkorden abbauen und auch schneller vom Blatt ablesen können.
  • Abends, als hen aktiv war, holte ich Monty für ein paar Minuten aus dem Terrarium. Die sollen sich ja schon daran gewöhnen, angefasst zu werden. So ein mal pro Woche, sagte der Züchter, kann man das ruhig machen, sollte man vor allem am Anfang auch, weil man sie ja einfach hin und wieder anfassen MUSS (sauber machen, Tierarzt, etc.) und dann ist es halt gut, wenn sie nicht total panisch werden, weil sie das nicht kennen. Monty ließ das über sich ergehen, ohne fauchen oder sich zusammen rollen, und schnupperte irgendwann auch neugierig meine Hand an, was ganz schön kitzelte. Hach. Zurück im warmen Terrarium machte hen sich aber ohne Umwege auf in das Lüftungsloch. Happy place.

Tag 3131 – Sonntag.

Muttertag! Jedenfalls in Norwegen. Ist mir größtenteils egal, ich gehöre nicht zu denen, die da jetzt nen Aufstand in der Schule machen, wenn die Kinder was gebastelt haben, weil schlimme Rollenbilder und blablabla, aber ich erwarte auch keine Pralinen und Blumen, bloß weil ein random Tag ist. Ich erwarte Diamanten! Mindestens. Spaß beiseite: ich freue mich deutlich mehr über alltägliche Zusammenarbeit als Blumen ein Mal im Jahr.

Aber immerhin habe ich eine extra lange Übe-Session machen können, nahezu ungestört. Herr Rabe hat Essen gemacht und sogar „Fastelavnsboller“, quasi Hefeboller mit Vanillekrem, was man halt zu Karneval isst. Herr Rabe ist die viel bessere Mutti als ich, jedenfalls was sowas angeht. Jetzt versuche ich, früh ins Bett zu kommen, damit die nächste Woche hoffentlich nicht schon unausgeruht und doof anfängt.

Tag 3123 und 3124 – Wochenende KW5.

Nicht viel los gewesen, an diesem Wochenende. Das speziellste das passiert ist, ist dass Herr Rabe heute super früh aufgebrochen ist, um in Stockholm eine Konferenz zu besuchen. Dass er aufgebrochen ist, habe ich nicht mitbekommen, mit dem Resultat, dass mein Unterbewusstsein mir Zug-Verpassen-Albträume vom Feinsten bescherte. Obwohl ich ja hier geblieben bin. Mittwoch Nacht kommt er wieder, bis dahin muss ich das hier mit den Kindern allein schaukeln. Wird schon irgendwie werden.

Ich habe das Wochenende ansonsten genutzt, um mich zu erholen, zu diesem Zweck habe ich über drei Stunden Geige gespielt und jetzt tut mein Mittelfinger links an der Fingerspitze weh, vielleicht presse ich ein bisschen zu doll. Heute habe ich außerdem sehr mutig den Ablauf des Waschbeckens im Bad auseinandergenommen, denn da lief das Wasser nur noch tröpfelnd ab und das nervte mich. Nach Entfernung von Haar-Schleim-Ekel-Schlonz läuft es jetzt wieder und ich bin sehr zufrieden mit meiner Klempnerinnenleistung. Es ist auch alles wieder dicht, sieht aus wie vorher (habe Fotos gemacht, sicher ist sicher) und es ist auch nichts übrig geblieben, alle Dichtungsringe sind wieder verbaut. Mir war vorher so halb klar gewesen, dass es vermutlich nicht schwer ist, das auseinanderzubauen, aber dass man nur einen Schlitz-Schraubendreher braucht und sonst alles mit den Händen losdrehen kann, weil es literally komplett aus Plastik ist, hat mich dann doch überrascht. Anmerkung für nächstes mal: man braucht auch die Türen vom Schrank nicht ausbauen. Wenn man auf einer Seite die Regalbrett-Haltenippel rausnimmt, kann man das Brett kippen und rausziehen, dann hat man auch genug Platz zum Arbeiten. Das bewahrt eine zwar nicht davor, den ganzen Schrank auszuräumen (was aber gar nicht so übel ist, weil man dann auch mal wieder überflüssigen/abgelaufenen Kram wegwerfen kann), aber wenigstens muss eine (in diesem Fall tatsächlich einE) sich nicht beim Versuch, die Türen wieder einzubauen, zum Horst machen. Ich kann ja vieles, aber Schranktüren sind mein Endgegner, mit und ohne diese Schnell-Klips-Scharniere. Da fehlen mir sowohl ein paar räumliche Vorstellungs-Synapsen für, als auch ein dritter und möglicherweise auch ein vierter Arm.