Tag 115 – Behindernd. 

Heute ist internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen und da passt es ja, dass ich gestern schon über was schreiben wollte wo ich dann aber drüber weggekommen bin. Ich bin nämlich gestern bei Facebook über eine Werbung gestolpert. Die Kinder-Outdoormarke Vossatassar veranstaltet einen Adventskalender und man sollte da so nen Beitrag kommentieren und konnte dann Regenzeug oder so gewinnen. Jedenfalls hatte eins von den Kindern auf dem Bild offensichtlich Trisomie 21. Völlig unkommentiert, einfach zwischen den anderen Kindern. Und ich so: YEAHHHHH! EIN BEHINDERTES* KIND, HIER, INKLUSION UND SO!!! Und dann ganz schnell der Gedanke, wie scheiße das doch eigentlich ist, dass mir sowas so auffällt. Dass es eben immer noch heraussticht aus der Masse der heile-Welt-alle-gleich-süß Kinderwerbung. Geht man mal davon aus, dass übern ganz großen Daumen jede elfte in Deutschland lebende Person als schwerbehindert gilt, ist es doch mehr als verwunderlich, dass ein Kind mit Trisomie 21 in einer Werbeanzeige ins Auge fällt wie ein Osterhase unter Weihnachtsmännern. Ich finde es schlimm, wenn ich lese oder höre, wie wenig Inklusion tatsächlich passiert, wie viele Steine Menschen mit Beeinträchtigungen ständig in den Weg gelegt werden. Ich schäme mich sehr dafür, als Teenager oft das Wort „behindert“ als Synonym für „doof“ benutzt zu haben („schwul“ übrigens auch und haben Sie schon mal versucht, sich eine schlechte (Sprach-)Gewohnheit abzutrainieren? Das ist sehr schwer. Aber der Mühe Wert.). Ich finde schade, dass man nicht mehr Vielfalt sieht im Alltag. Dass den einen beeinträchtigten Dozenten an der Uni, der seinen Rollstuhl mit einem Pusteball (?) steuert, wirklich jeder kennt, statt dass man sagen muss: welchen meinst du denn? Denn rein statistisch gesehen müsste es überall verschieden beeinträchtigte Menschen geben. Jede/r elfte eben. 

Was jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung ist, ist der ungezwungene Umgang mit Beeinträchtigungen. Und da finde ich eben die Werbung oben ganz toll. Ein Kind unter vielen. Die Firma hat übrigens dazu gesagt, dass sie Daniel als Model ausgewählt hat, weil ihnen der Blog der Mama so gefallen hätte. Ich freue mich auch immer über die Geschichten von Noah bei der Sendung mit dem Elefanten. Denn Beeinträchtigungen werden erst durch die Umwelt und deren Barrieren zu Behinderungen. 

Für mehr Vielfalt!

Wer weiterlesen möchte, sehr umfangreiche Informationen gibt es bei leidmedien.de. Über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind in Deutschland schreibt sehr berührend Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich, da habe ich mich schon viele Male festgelesen. Besonders die Rubrik „behinderte Momente“ Ihres Blogs geht mir immer sehr zu Herzen. 

*Behindert ist eigentlich ein doofes Wort, siehe oben. Ich versuche noch, es mir abzugewöhnen, hier lasse ich es stehen um die Impulshaftigkeit meiner Reaktion zu unterstreichen. 

Ein Gedanke zu “Tag 115 – Behindernd. 

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