Tag 158 – Achtung, es geht um Beinbehaarung bei Frauen!

Ich hab mir mal einen Sommer lang nicht die Beine rasiert. Aus mehreren Gründen.
Erstens wollte ich wissen, wieviel Behaarung denn da überhaupt wächst, wenn ich sie lasse, schließlich enthaarte ich meine Beine seit meinem 12. Lebensjahr.
(Kurzer, aber lustiger Exkurs: als ich mir die Beine das erste Mal rasierte, kurz vorm Schwimmbadbesuch und ohne meine Mutter, die da eh Kind der 60er ist, zu Rate zu ziehen, wusste ich nicht, dass Feuchtigkeit ein essentieller Faktor dabei ist. Ich rasierte also trocken mit dem stumpfen Nassrasierer (jaja, wieso heißt das wohl so, hmmmm?) meiner Mutter. Im Schwimmbad sah ich dann aus als wäre ich durch Ameisenhaufen dorthin gewatet. Meine damals beste Freundin sagte auch sofort als ich aus der Dusche kam: „OH GOTT, HAST DU ETWA KEINEN SCHAUM GENOMMEN???“. Ich horchte sie daraufhin vorsichtig über die richtige Technik aus. Sonst wäre es wohl bei dem einen Versuch geblieben.)
Zweitens hatte ich die (zwei? drei?) Jahre davor ausschließlich epiliert, in der Hoffnung, die Behaarung würde weniger borstig-pieksig und insgesamt weniger werden. (Spoiler: Nö. Weniger borstig-pieksig wird’s wenn die Haare länger werden. Und weniger… naja. Siehe unten.) Ich hoffte also auf mäßige Befolgung, ich bin ja auch blond, so sehr sollte das also nicht auffallen.
Drittens stellte ich irgendwann beim Epilieren fest, dass ich alle 2-3 Wochen 30-40 Minuten damit beschäftigt war, mir Haare auszureißen, also ziemlich viel Zeit darauf verwendete, mir Schmerzen zuzufügen (Ja, man gewöhnt sich dran. Nein, es tut nicht irgendwann gar nicht mehr weh. Hallo, Ameisenhaufen.).
Und viertens ist ja aus einer feministischen Perspektive dieses ganze Entfernen von bei erwachsenen Frauen völlig natürlicher Behaarung  auch totaler Schwachsinn und eine neumodische Erscheinung sowieso und wann hat sich eigentlich das letzte Mal ein Mann für mich die Beine rasiert??? (2004, und ich fands furchtbar, der Mann piekste und kratzte von Brust bis Wade).
Also probierte ich es einfach aus. Und hatte bald recht flauschige Beine. Blonde Behaarung sieht man vielleicht nicht so wie braune, aber dafür werden meine Beinhaare echt lang und locken sich auch irgendwann, kurz gesagt, ich sah bis zur Mitte des Oberschenkels exakt so aus wie mein Bruder. Ich erwischte mich manchmal dabei, wie ich versonnen meine Schienenbeine kraulte, weil sich das so witzig anfühlte. Am wenigsten störten mich unerwarteter Weise die Blicke der Anderen. Feministisches Statement und so. Die Argumente hatte ich parat, nur leider sprach mich nie (!) jemand direkt darauf an. Also dachte ich mir, soll se doch gucken, mir Wurscht. Aber mich störte es irgendwann dann doch. Mich störte, dass die Haare sich unter Strumpfhosen komisch abzeichnen oder durch den Stoff nach draußen pieken. Mich störte, dass mich die Haare bei bestimmten Hosen oder Socken kitzelten. Ich hatte Angst, dass mich der Ballettlehrer zum Korrigieren anfassen und flauschiges Bein merken würde. Und als dann ein Termin im Spa anstand entschloss ich mich, das Experiment abzubrechen. Für mich.
Ein bisschen überlegte ich dann, wie ich das machen sollte. Beim nass Rasieren (mit Schaum) hab ich mir mal eine 5 cm lange Narbe am Schienenbein zugefügt, die sieht man immer noch (Stichwort Sparschäler). Außerdem sind die Klingen teuer und ungerechtfertigter Weise auch für Frauen nur wegen irgend welchem unnötigen Aloe-Vera-Gedön und Goldbeschichtung und trallala nochmal viel teurer als für Männer mit ihrem genauso unnötigen Lithium-High-Tech-Ultra-Sound-Quatsch. Vom Epilieren hatte ich aber immer erstmal einen Tag rote Punkte (der Spa-Termin war am nächsten Tag) und dann später dauernd eingewachsene Härchen, das war also auch nicht soooo der Knüller. Zudem immer einige Härchen stehen blieben, die mich fortan bis zur nächsten Epiliertour wahnsinnig machten.
Schlussendlich entschied ich mich für den Kompromiss nämlich trocken rasieren mit der Rasierfunktion des Epilierers. Und es war super. Super glatt, kein Haar übrig gelassen, wesentlich schneller und vor allem schmerzloser gemacht als Epilieren, keine Hautreaktionen, schneiden kann man sich auch nicht dabei. Ein Träumchen.
Leider geht der Rasierer seit Kurzem nicht mehr. Hat wohl den Heimaturlaub nicht vertragen. Jedenfalls wollte ich heute meine Beine rasieren und es passierte ungefähr nix. Und da stand ich wieder, die feministisches Statement-Überlegung ist immer noch da, es ist weiterhin eigentlich Quatsch und zeugt nur von bekloppter „Hygiene“-Sozialisation (als wären Haare an den Beinen unhygienisch) und „Du musst immer alle sexuell zumindest nicht abstoßen“-Denke aka schlechtem Selbstwertgefühl. Plus ein bisschen An-den-Beinen-kitzeln.
Jedenfalls hab ich gleich heute einen neuen Rasierer gekauft.

3 Gedanken zu “Tag 158 – Achtung, es geht um Beinbehaarung bei Frauen!

  1. Lustige Sache: Hier in China ist es so, dass das Enthaaren verpönt ist. Nur Schlampen rasieren oder epilieren sich. Führt manchmal zu seltsamen Anblicken, wenn ein halbnacktes Gogo-Girl durch einen Club tanzt und dabei voll behaart ist (und das mit dicken, buschigen, schwarzen Haaren, die man nicht übersehen kann)…

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  2. So ähnlich ist es hier auch: Ich rasiere seit Jahrzehnten (zunächst mit ähnlich trockenen Erfahrungen). Da ich sehr dunkle und sehr dicke Haare auf sehr heller (und extrem bräunungsunwilliger) Haut habe, sehe ich allem Feminismus zum Trotz da auch keine Alternative. Epilieren fand ich fürchterlich, aggresive Chemie will ich nicht ständig auf meine Haut schmieren und IPL war (an anderer Stelle) wenig erfolgreich – also bleibe ich bei der Nassrasur unter der Dusche. Und weil ich Aloe-Gedöns für Frauen genauso doof finde wie den High-Tech-Rasierer für Männer, bleibe ich beim klassischen Rasierhobel (und habe eben erst gelernt, dass der so heißt).

    Aber vielleicht sollte ich über einen Umzug nach China nachdenken?

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  3. Holger schreibt:

    Frauen, die ihre Haare entfernen, fühlen sich für einen Mann an wie Schaufensterpuppen. – Für mich ein, den Ort der Begegnung sofort zu verlassen. Noch schlimmer wäre allerdings eine Frau mit entfernter Schambehaarung. – Sowas regt nur Männer an, die auch auf Kinder stehen.

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