Tag 308 – Mutterbesuch vorbei

Meine Mutter ist heute nach Hause geflogen. Ihr Besuch war wie immer für mich durchwachsen. Eigentlich, um ehrlich zu sein, hauptsächlich anstrengend. Auf eine ganz andere Art als meine Schwiegereltern. Wahrscheinlich bin ich da einfach zu stark involviert, die Beziehung zu belastet. Ich weiß es nicht. Jetzt bin ich jedenfalls emotional leer und gleichzeitig froh, wieder „Ich“ sein zu können, vor allem eben emotional, weil nicht mehr jemand in jede Gefühlsäußerung ichweißnichtwas reininterpretiert. Genauso muss ich jetzt auch die Kinder nicht mehr gegen diese, ich nenne es mal „Psychische Übergriffigkeit“, verteidigen. Das ist gut, denn ich möchte nicht, dass den Kindern, die meiner Meinung nach einfach Kinder und sie selbst sind, irgendwelche Stempel a la „hochsensibel“ aufgedrückt werden. 

Ich würde so gerne was anderes schreiben, aber nach dem Besuch bin ich hauptsächlich müde. Müde des Mitdenkens, müde der Ausreden, müde des Ich-sag-nichts-leide-aber-demonstrativ. Müde der Andeutungen und „Verstehst schon, was ich meine.“, denn nein, tue ich nicht. Oder doch. Ich verstehe, dass sie offensichtlich total Angst hat, was falsches zu sagen, sie hätte so gerne mehr Gemeinsamkeiten mit mir und deutet deshalb alles nur an, damit ich nach Gutdünken vervollständigen kann. Und genau das macht mich so müde. Das ist so unreif. So schwach. Mütter sollten nicht schwach sein. 

Gestern fragte sie mich, was ich denn meinen Kindern gegenüber anders machen will als sie. (Das „bin ich dick? der Mutter.) Ich war nur halbehrlich. Zündete eine Nebelkerze. „Ich will den Kindern gegenüber ein asexuelles Wesen sein.“ Das traf sie schon hart genug, glaube ich. In Wirklichkeit fielen mir tausend Dinge auf einmal ein. Dinge, die sie wirklich verletzen würden.  

Das war ihr erster Besuch hier, ohne dass sie irgendwann mal geweint hat. 

Ich sehe meine Kinder an und hoffe, dass wir in 30 Jahren eine bessere Beziehung haben. 

7 Gedanken zu “Tag 308 – Mutterbesuch vorbei

  1. lareine schreibt:

    Da die Beziehung zu meinen Eltern, besonders meiner Mutter, auch sehr anstrengend war (habe dazu mal einen Blogartikel geschrieben „Freiwillig verwaist“ – der Titel verrät es: ich habe keinen Kontakt mehr haben wollen), kann ich Dir geradezu versprechen:
    Ja, das Verhältnis zwischen Dir und deinen Kindern wird besser sein. Weil Du darüber nachdenkst, was Dich stört und anstrengt. Weil Du aussprechen kannst, was Dich quält am Verhältnis zu deiner Mutter.
    So etwas sorgt direkt dafür, dass man sich selbst hinterfragt und anders verhält. Und das führt zu etwas Gutem ❤

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    • Dankeschön, das tut grad sehr gut, das zu hören.
      Ich kenne Deine Artikel und deine Geschichte und sie haben mich sehr berührt. Tatsächlich erkenne ich einiges wieder (lange nicht in der Ausprägung, aber die Grundzüge der Probleme in der Beziehung sind ähnlich) und ich habe seit dem Lesen schon öfter drüber nachgedacht, ob es nicht vielleicht für mich doch besser wäre, den Kontakt noch mehr einzuschränken, aber das kann ich (noch) nicht. Damit bräche ich ihr das Herz.

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      • lareine schreibt:

        Das war auch lange mein Gedanke. Dann dachte ich:“ Und was ist mit meinem Herzen und was mit den Kindern? Wodurch bereichert diese Frau mein und unser Leben?“
        Da spürte ich, dass sie mir nichts wirklich geben könnte aber sehr viel genommen hatte.
        In mir war ein Teil, dem es Herz brach: Jenes kleine Mädchen, das sich nach einer Mama sehnte.
        Um diesen Teil kümmere ich mich nun selber. Und besser.

        Das mag hart klingen, aber für mich war es richtig.
        Jeder hat seinen eigenen Weg.
        😊

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    • Ach, meine Mutter war einfach immer sehr sehr offen, was Sexualität anbelangt. Und naja, ich finde halt, man muss zum Beispiel nicht am Frühstückstisch seine präferierten Sexualpraktiken kundtun. (Natürlich will ich auch nicht, dass meine Kinder aus der Bravo aufgeklärt werden. Aber so manches Detail muss und sollte man weder über seine Kinder noch über seine Eltern wissen.)

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