Tag 329 – Runtime err-orrrr. 

Heute bei der Arbeit wollte ich, getragen vom Hochgefühl, dass die Zellkulturen sich zu berappeln scheinen, ein paar Proben für meinen Kollegen messen. Auch, um einen großen Batzen von der To-Do-Liste zu streichen, damit ich mir Freitag guten Gewissens frei nehmen kann. Jedenfalls, wir messen die Aktivität für unsere Enzyme mit einem tausend zwanzig Jahre alten Assay. Da wird auch noch fröhlich mit (sehr schwacher) Radioaktivität herumgepanscht und ich musste damals als ich hier anfing extra zu einem dreitägigen Radioaktivitätskurs, in dem wir so Blödsinn ausrechnen mussten wie wieviel nach Tschernobyl immer noch strahlendes Rentierfleisch wir essen können, um die Grenzwerte zu erreichen. Es war viel. Sehr viel. Irgendwie sowas bei 70 kg im Jahr oder so. Den Kurs musste ich tatsächlich nur wegen dem einen Assay machen, den ich seither so fünf mal gemacht hab. 

Nun ja, ich strahlte also lustig rum und machte die 24 Proben fertig und sprotzte mit der (total giftigen) Zählerflüssigkeit und das dauerte alles ziemlich lange und war nervig und wirklich keine spaßige Laborarbeit. Und wie ich so mit meinen fertigen Proben zum Szintillationszähler Anno 1990 gehe, sehe ich, dass der aus ist. Ach nee, es war nur der Bildschirm aus. Den schaltete ich wieder an. (Alter Röhrenbildschirm, die machen noch dieses schöne „Fump“ beim Anschalten, erinnern Sie sich?) Aber das Programm war aus. Wenn ich auf das Icon klickte, passierte nichts. Ich versuchte den Computer herunterzufahren. Ich hatte angeblich nicht die Rechte. Ich suchte den Ausschalter, fand aber zuerst nur ein Diskettenlaufwerk. Nach langem Gesuche und der Überlegung, einfach den Stecker zu ziehen, fand ich doch noch einen Schalter. Ich machte das ganze Ding samt seinem On-Board Computer aus und wieder an. 

Dann sah ich einer Weile den rennenden Zahlen beim Booten von Windows XP (nicht mal irgendwie Service Pack 2 oder so. Aber ich sollte wahrscheinlich froh sein, dass es nicht Windows 95 war) zu. Es dauerte zwar ewig, aber der Rechner startete letztlich problemlos. Das Programm ging aber immer noch nicht. Immerhin bekam ich jetzt aber eine Fehlermeldung: „Runtime error“.


Ich probierte noch ein Weilchen herum mit aus- und anmachen, länger auslassen und so weiter. Dann warf ich das Handtuch, sagte der Geräteverantwortlichen* Bescheid und ging einfach nach Hause. 

So nen Mist braucht echt kein Mensch. 

* Die ging übrigens zum Gerät und fragte mich, ob ich es ausgemacht hätte. Ich sagte ja. Sie machte den Bildschirm aus und wieder an und sagte: stimmt, geht nicht. Das ließ ich dann mal so stehen. Sie ruft ja eh den Techniker. 

7 Gedanken zu “Tag 329 – Runtime err-orrrr. 

  1. maskenkatja schreibt:

    Sieht aus wie mein Fernseher :-D. Ich weigere mich ja, einen neuen zu kaufen, da wir ohnehin so selten schauen.
    Aber für die Arbeit so eine alte Röhre ist wirklich nervig!

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  2. Marsupilami schreibt:

    Kommt mir bekannt vor…. ich hab meine Proben immer an einem Beta-Counter messen dürfen, der unter MS-DOS (!!!) lief … im Endeffekt saß ich davor und habe die Counts aufgeschrieben – per Hand!
    Aber das Gerät läuft immer noch, obwohl es wahrscheinlich älter ist als ich.
    Naja, Ihre Proben strahlen sicher noch ein paar Tage vor sich hin, da ist wenigstens der Assay nicht verloren. Viel Glück, dass sich „zeitnah“ ein Techniker findet (mit Ahnung wäre auch von Vorteil J)!

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  3. ohmskine schreibt:

    Hallo Frau Rabe,

    ich dachte immer, die skandinavischen Life Sciences seien vorbildlich und hochmodern ausgerüstet.
    Oder ist das nur eine Urban Legend unter Naturwissenschaftlern?

    Ich hab das Confocal noch über Norton Commander gestartet. Aber das ist auch schon fast eine Dekade her (fühle mich plötzlich sehr alt).

    Gruß,
    ohmskine

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