Tag 529 – Zukunftspläne. 

Schon damals als ich meinen Master machte schwebte es wie ein Damoklesschwert über mir. Seit ich sie das erste mal gesehen hatte, hatte ich Angst davor, dass mir das auch einmal blühen würde. Und jedes Mal, wenn sie kommen, sie emails schreiben, sie mit mir einen Kaffee trinken wollen, ganz unverbindlich versteht sich, und am allerschlimmsten auf Messen und Veranstaltungen, wenn sie verloren neben ihren Ständen stehen, wird diese Angst neu entfacht. 

Die Rede ist von Vertreter*Innen. 

Genauer: Vertreter*Innen für Labortralala und Biotechnologische Ausrüstung. 

Das heißt, heute heißt das ja gar nicht mehr so, sondern Sales Blabla oder Customer irgendwas. Aber sie sind eben Vertreter*Innen. Versuchen (hier jetzt gerade) nicht entscheidungsbefähigte Doktorand*Innen davon zu überzeugen, ihre Clean Benches, Photometer und Fluoreszenzscanner zu kaufen*. Und die Meute davon abzuhalten, einfach nur Kugelschreiber und Gummibärchen in Eppiform abzugreifen. Wenigstens nen blöden Flyer sollen die Masterand*Innen da doch bitte noch zu mitnehmen!

Und erschreckend viele von denen haben einen PhD. Mindestens Master of Science. Und noch viel erschreckender viele von denen** scheinen nicht besonders happy mit ihrem Job zu sein. Also sind das vermutlich Notlösungs-Jobs. Und da ist es wieder, das Damoklesschwert. Vielleicht kriege ich ja (auch?) keinen richtigen, echten Job? Vielleicht muss ich auch am Ende sowas machen? 

Ey, nee. Dann lieber Kellnern. 

(Schon alleine, weil ich ja meine Familie auch mag, also ist „Außendienst“ ganz hinten auf der Jobwunschliste. Auch wenn Videotelefonie mit den Kindern manchmal ganz lustig ist. 

)

*wohl wissend, dass das Gegenüber 1. keine Entscheidungsgewalt hat und 2. nur die Gummibärchen in Eppiform will. 

**bestimmt nicht alle, und ich will auch ganz sicher keinem auf den Schlips treten. Aber für mich wärs eben nix.

3 Gedanken zu “Tag 529 – Zukunftspläne. 

  1. Öhm, Frau Rabe, ich schüttle dich mal kurz durch und wuschel dir durch die zauberhaft liegenden Haare, ja?
    Also sorry, aber DU bist ja so wenig ein Vertreterinnentyp wie ich ja was…äh wie ich der Politessentyp bin. Nix gegen Politessen, die sind ja zwischendurch – so alle 10 Jahre – mal ganz umgänglich und überhaupt können die ja nichts dafür l, dass sie…zurück zum Wesentlichen: Ich wette!, dass du mit deiner fachlichen Kompetenz (und dem Herrn Rabe plus den entzückenden Astrid Lindgren Kindern) ganz sicher einen dich erfüllenden Job ergattern wirst. Da gibt’s keine Zweifel. Punkt.
    Tschüssi. 😘

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  2. ohmksine schreibt:

    Hallo Frau Rabe,

    ich als Vertreter*in mit PhD kann Ihnen sagen, daß

    man son Job gerade wegen der familientauglichen Arbeitszeiten machen kann (keine Bakterien/Zellen/Versuchstiere, die Samstags nachts betreut werden müssen und kein AG-Leiter, der bei 30 Std.-Vertrag mindestens 55 Wochenstunden Anwesenheit im Lab erwartet.),

    man dann gelegentlich die Möglichkeit hat, kinder-störungsfrei Hotelnächte auf Firmenkosten zu genießen,

    und die Beratung von Wissenschaftlern, um diese bei Ihren Projekten voranzubringen, tatsächlich auch wissenschaftlich anspruchsvoll ist und sogar verdammt viel Spaß machen kann.

    Was nicht heißt, daß ich die jammervoll dreinblickenden Gestalten hinter ihren mit Flyern, Give-aways und hochtechnischen Geräten beladenen Tischen nicht auch kenne. Und womöglich sehe ich an manchen Tagen auch so ähnlich aus.
    Aber wer tut das im Lab nicht auch manchmal? (Da gibts nur kein so kritisches Publikum.)

    Falls Sie ernsthaftes Interesse an einer Gegendarstellung haben, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.

    Herzliche Grüße,
    ohmskine

    Gefällt 1 Person

  3. ohmksine schreibt:

    Das (für mich) Wichtigste Argument hab ich gerade vergessen:

    Ich hab jetzt eine feste Stelle.
    Keine Befristung, keine Anträge schreiben, kein Zittern um Gelder und Paper und so.
    Vermutlich werden miene Kinder die örtlichen KiTas und Schulen bis zum Abschluß besuchen können, wir müssen nicht alle paar Jahre umziehen oder gar für einen Post-Doc nach Übersee ziehen.

    Gefällt 1 Person

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