Tag 543 – Spazieren gehen. 

Das mit dem Spazieren gehen habe ich heute mal ausprobiert. Eigentlich wollte ich schon zur Uni laufen, ich musste ja eh meine Krankmeldung abgeben und auch mit meinem Chef wollte ich gerne persönlich sprechen und nicht einfach per Mail mitteilen, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht komme. Dann war es aber nach einem kleinen Wellness-Programm (Haare färben und so, Zeug, für das mir die letzten zwei Wochen abwechselnd der Antrieb und die Zeit fehlten) und ausgiebigem Frühstück mit mir selbst schon elf und mir fiel ein, dass der Chef ja ab zwölf im Gruppenmeeting sitzt. Naja, ich nahm also den Bus, sprach mit meinem Chef (alles gar kein Problem, quasi ideales Timing, während ich auf Bestellungen warte kann ich ja eh nix machen und Krankschreibungen von mindestens zwei Wochen werden an die Projektfinanzierung einfach drangehängt (das ist was, was in Norwegen einfach total super ist!), also auch das: kein Ding. Gute Besserung und so.), schickte die Krankmeldung per Hauspost an die Verwaltung, nörgelte per Email an, warum meine Reisekostenabrechnung noch nicht bewilligt ist, blieb dann noch zum Meeting (wegen des Kuchens) und dann ging ich zu Fuß durch die Stadt nach Hause. 

Erstmal: ich bin nicht gut im Spazieren gehen. Grundsätzlich habe ich absolut gar nichts gegen Laufen: solange es ein Ziel gibt, gehe ich sogar lieber zu Fuß als beispielsweise Fahrrad zu fahren. Dann gehe ich gerne schnell und zielstrebig und ja, da kann ich mich dann auch an frischer Luft und Sonne erfreuen oder den Regen ignorieren. Aber so einfach in der Gegend rumlaufen, das ist so mittel. Deshalb auch als erster Ausflug: durch die Stadt. Ich brauchte neue Bodylotion und ach, mal durch die Läden bummeln hab ich ja so ganz ungestört auch schon länger nicht mehr gemacht. 
Ungefähr nach zwei Minuten laufen merkte ich, dass ich unheimlich schnell ging. Ich rief mich zur Ordnung, ich sei ja nicht auf der Flucht, sagte ich mir. Ich versuchte, Wege zu finden, die Sonnenbeschienen waren. Gar nicht so einfach, weil die Sonne immer noch sehr tief steht und die Häuser entsprechend lange Schatten werfen. Je mehr ich mich dabei von der Uni entfernte, desto besser und leichter fühlte ich mich. Es wird schon gehen. Vielleicht schaffe ich es sogar, in den zwei Wochen gar nicht zu arbeiten. (Sie lachen. Ist in Ordnung: Ich lache auch ein bisschen über mich. Und das ist super: mein Humor ist wieder da!) 

Was allerdings nicht ging, war bummeln. Ich war immer noch wie unter Strom, stand ewig vorm Nagellackregal und entschied mich dann doch dafür, in den USA ordentlich zu shoppen. Nagellack und außerdem hätte ich gerne mehr qualitativ gute Lidschatten, gerne bunt. Tipps sind Willkommen. Und Lippenstift. (Jaja, das lohnt sich schon sehr, das in den USA zu kaufen, Kosmetikprodukte sind hier schweineteuer.) Mir 6 Tage lang von 08:30 bis 21:30 durchgehend (!!!) Zeug anhören, das schaffe ich eh nicht. Da ist ein Ausflug irgendwohin zum Einkaufen eine gute Idee. Bestimmt. 

Also jedenfalls kaufte ich keinen Nagellack. Und im ersten Laden auch keine Bodylotion, weil es nur die gab, die ich gerade habe und die ist blöd. (Ich suche nach einer parfumfreien, ich vertrage das Parfum oft nicht so gut und mag das auch nicht so, nach drölfzig verschiedenen Sachen zu riechen.) Dann rannte ich (unter Strom!) zu einem anderen Laden und kaufte da die andere parfumfreie Creme aus dem Babyregal. Wenn die auch blöd ist, bleibt nur noch die Apotheke mit entsprechenden Preisen. 

Mit dem Kauf der Bodylotion war aber ja meine Mission erfüllt, also „bummelte“ ich. Gänsefüßchen. Riesige Gänsefüße! Ich ging immernoch sehr schnell. Und ich fand nichts. NICHTS! Ich fand alles blöd. Und das was ich nicht total blöd fand (mal ehrlich: diese Mode, dass man so Schlafanzughosen trägt, ein bauchfreies Top und darüber so ne Art Bademantel: wäh!) war so schlicht, dass ich dachte: das kannste dir auch selber nähen, nur dann halt in nem schöneren Stoff. Am Ende war ich so frustriert, dass ich am liebsten direkt Stoff eingekauft hätte. Das wirklich einzige, das mir gefiel, war ein türkiser Wollmantel in einem Laden namens Namastë (fragen Sie nicht) und der war mir, obwohl runtergesetzt, viel zu teuer. Ich trabte also mit meiner Bodylotion nach Hause, nahm mir noch einen Kaffee auf dem Weg mit und tat dann etwas, das mich wirklich entspannt: Fernsehen. Und Stricken. 

Danach hatte ich dann so viel Energie wiedergewonnen, dass ich die Kinder abholen konnte, wir machten Milchreis und aßen halbwegs harmonisch und dann gingen beide relativ fix ins Bett*. Und jetzt werde ich gleich lesen. In einem Buch. Sachen gibt’s…

Nächste Woche versuche ich es dann mal mit dieser Natur die da draußen überall ist. Vielleicht geht das mit dem Spazieren gehen da besser. 

*Herr Rabe ist dieses Wochenende auf dem alljährlichen Skitrip seiner Firma. Grandioses Timing, er hat auch angeboten, hier zu bleiben, aber ich schaffe das schon. Notfalls gibt’s dann eben viel Dino-Zug. Oder ich gehe mit den beiden spazieren, die können das auch nicht schlechter als ich. 

5 Gedanken zu “Tag 543 – Spazieren gehen. 

  1. LisP schreibt:

    Also, ich mag ja die Lidschatten von Urban Decay echt gerne. Sind zwar teuer, aber, die Farben! Ich besitze die Vice 4 Palette. Ein Träumchen.
    Und Nagellacke von ColorClub. Vor allem die Holos. Und erstaunlicher Weise halten die auf meinen Nägeln locker doppelt so lang wie Essie&Co. Ohne splittern.

    Ziellos spazieren gehen kann ich auch nicht gut. Deswegen gehe ich gelegentlich Geocachen. Oder ich nehme mir ein Buch mit und setze mich (je nach Jahreszeit und Wetter) auf eine Bank oder in ein Café. Tapetenwechsel und so.

    Ich wünsche jedenfalls gute Erholung und viel Entspannung!

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  2. Irene schreibt:

    Ich bin auch oft im „Stadt-Trab“ unterwegs und habe gern ein Ziel (zum Beispiel eine gute Konditorei ;-))
    Wie wäre es mit einer Foto-Safari? Dann musst du nicht „langweilig bummeln“, sondern kannst die Augen offen halten auf der Suche nach schönen Motiven. Und dabei entdeckst du die Stadt ganz neu.

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  3. Dana schreibt:

    Ja, das ziehllose Laufen, allein des Laufens wegen, ist uns gehetzten Müttern ja allen nicht so gegeben. Aber hey, das ist halt die Challenge, die es zu akzeptieren gilt. Das das nicht auf Anhieb klappt – logisch und geschenkt. Aber nach einiger Zeit und in schöner Landschaft ist es tatsächlich möglich und dann merkt man auch, dass es wirkt. Ach und Nähen ist ja für mich auch Entspannung…
    Bei Lidschatten mag ich die Art Deco Produkte.

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  4. weiderella schreibt:

    Ziel- und grundloses Spaziergehen fällt mir auch schwer. Auch deshalb bin ich sehr froh, dass wir wieder einen Hund haben…

    Shopping in den USA: die Lidschatten von Urban Decay, wie oben genannt, sind toll. Noch besser in Sachen Haltbarkeit und Farben finde ich persönlich die von Benefit, da gibt es auch noch andere tolle Make-Up Geschichten von. Lippenstifte: Tart. Oder auch die Eigenmarke von Sephora, da sind auch die Lippenstifte klasse.
    Und in den meisten amerikanischen Drogerien gibt es eine riesen Auswahl an Körperpflege von Eucerin und Cetaphil (ohne Duftstoffe etc.) zu wirklich super Preisen.
    Nagellack kaufe ich am liebsten in D, von Manhattan, der hält bei mir am besten, aber OPI ist natürlich auch immer super… Viel Spass!

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