Tag 828 – Fingernägel.

Früher habe ich echt viel auf meinen Nägeln gekaut. Also wirklich richtig viel. Irgendwann dann und nach drölfzig erfolglosen Versuchen mit allerlei Hilfsmitteln (kleiner Tipp: Tabasco auf den Fingernägeln hält zwar effektiv vom Kauen ab, ist aber die absolute Hölle, wenn man damit an Schleimhäute kommt. So wie auf dem Klo zum Beispiel.) hörte ich mit schierer Willenskraft auf. Keine Hilfe, kein Druckmittel, nichts hatte was geholfen, außer: ich will das jetzt nicht mehr. So hab ich ein paar Jahre später übrigens auch aufgehört zu rauchen. Aber genau wie das Rauchen fehlt mir das Nägel kauen bis heute manchmal. Wenn ich nervös bin. Im Moment bin ich sehr nervös, dieses Vorstellungsgespräch übermorgen macht mich dezent irre und ich kann kaum noch schlafen und prokrastiniere das Wiederholen der Structural Biology-Kursinhalte damit, die Abbildungen für die Diss zu machen (immerhin hab ich so jetzt 5 von 6 Abbildungen fertig, es ist also schlaues Prokrastinieren!) und habe gestern obwohl ich es wirklich nicht brauche mal wieder Schminkkram* bestellt. Das, meine Lieben, macht Nervosität mit mir. Danach kommt die Phase, in der ich nichts mehr esse, das gehetzte Reh hat keine Zeit für Nahrungsaufnahme, ich schätze, ab morgen früh wird das ca. losgehen. Aber das Fingernägelkauen, es fehlt, aber ich will es ja nicht und was läge da näher, als einfach ne ordentliche Schicht Lack draufzumachen? Sieht eh schicker aus und ich hab diesen einen, der (so wie er in der Flasche aussieht) perfekt zum Kleid passt.

Und jetzt sitze ich hier, die Fingernägel sind sensationell bescheiden lackiert, der Lack ist gefühlt auf meinen ganzen Händen verteilt und auf den Nägeln ist er viel weniger dunkel und dafür etwas oranger und beißt sich jetzt vermutlich mit dem Kleid.

Nervös bin ich auch immer noch. Dabei hatte ich so auf mehr als vier Stunden Schlaf gehofft. Naja, die Nacht ist ja noch jung, ich kann mir ja theoretisch noch drei, viel mal die Fingernägel umlackieren und mir Gedanken drüber machen, dass das bestimmt viel zu aufgebrezelt rüberkommt und rot auch unseriös ist und vielleicht nehme ich auch einfach ne Schlaftablette. Zwei Nächte Grübelei am Stück sind auch genug.

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*2 for 1 auf Lidschatten von ColourPop. Selbst mit Versandkosten bin ich so bei 3,50 USD pro Lidschatten und muss das nicht mal verzollen. Hurra!

Tag 589 nachgetragen – Das Kleinkind! Der Jetlag! Hurz!

Weshalb ich gestern nichts schrieb, ist prinzipiell sehr schnell erklärt: ich bin mit Pippi im Bett eingeschlafen. Sonst habe ich ja dann gerne mal nachts noch eben sowas geschrieben, gestern eben nicht, ich wollte nämlich einfach nur eins: bis zum Morgen weiterschlafen. (Und dann um fünf ausgeruht aufstehen und hier schreiben, was ich für ein Genie bin und dass ich endlich den Jetlag besiegt habe.)

Um zehn war Pippi wach. Herr Rabe war aber auch noch wach und holte sie zum Banane essen ab. Sie aß eine komplette Banane. Dann brachte Herr Rabe sie wieder und sie schlief recht fix wieder ein. 

Um halb zwölf kam Herr Rabe ins Bett, Pippi rödelte daraufhin im Bett herum und beschwerte sich. Ich glaube, sie konnte sich so spontan nicht entscheiden, mit wem sie lieber wrestlen kuscheln wollte. Nach ca. 15 Minuten schlief sie wieder ein. Ich brauchte für dieselbe Tätigkeit ca. 30 Minuten. 

Um eins war Pippi wieder wach. Richtig wach, mit Treten und Brüllen und allgemein schlechter Laune wegen

  1. Hunger (ja, echt, schon wieder!)
  2. Durst
  3. Der Schlafanzug hat Füße (hier Weltuntergangsankündigungsmusik* vorstellen)

Also aß sie noch eine halbe Banane, trank einen halben Becher Wasser und wir zogen ihr mitten in der Nacht den Schlafanzug aus und einen Body an. Inzwischen war es halb zwei, aber Pippi schlief recht schnell wieder ein.

Ich hingegen war dann erstmal wach. Richtig „Ich könnte jetzt aufstehen und den Tag starten“-wach. Bis drei. Oder jedenfalls so ungefähr, ich gucke nachts fast nicht auf die Uhr, das stresst ja doch nur, zu wissen, wie wenig Schlaf noch bis zum Weckerklingeln bleibt. Ich lag also im Bett und dachte so vor mich hin, keine schlimmen Grübeleien, eher so Alltagskram:

  • Würde es Sinn machen, aufzustehen? Ich könnte dann die Wäsche aufhängen. Und die Schnecken einsprühen, Herr Rabe hat das bestimmt vergessen. Hmm, lieber nicht noch den Kreislauf ankurbeln.
  • Ich könnte auch jetzt den Blogeintrag schreiben. Hinterher machen sich Leute Sorgen, wenn ich nicht schreibe! Hmm, lieber nicht, das Displaylicht würde mich bestimmt auch noch wacher machen. Obwohl, es ist ja nachtgedämpft. Ach nee, besser nicht.
  • Ich könnte lesen. Ach nee, mein Buch liegt irgendwo, nicht hier, weil ich das beim Schwimmen mithatte.
  • Schlafmittel? Nee, dann komme ich morgen vor Mittag gar nicht raus.
  • OK, Autogenes Training. Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein rechter Arm ist
  • Ich könnte vielleicht tRNA als internen Standard nehmen. Oder gleich als Oligo-Ersatz.
  • Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein
  • Ahhhh, nee, dann würde ja an allen Us… Obwohl, nee, UNG wirkt nicht an RNA. Oder? 
  • Mein rechter
  • Wenn ich kompetitiv vom Antikörper eluiere, kann ich dann nachher noch Nukleoside quantifizieren? Hmm. Sind einzelne Nukleoside in dem Fällungszeug löslich? Bestimmt. 
  • Mein rechter Arm ist
  • Ooooder ich mache das dann über die Säulchen, muss ich ja eh. Ja. Das klappt.

Sie haben ein Bild. Natürlich war es mir dann um fünf Uhr gänzlich unmöglich, aufzustehen. Um sechs beschloss ich, es einfach zu lassen mit dem Aufstehen. Um sieben war Pippi wach und sang und wurde dann von Herrn Rabe abgeholt. Michel war auf Nachfrage noch nicht wach, sondern „sliten“ (kaputt) und kuschelte sich an. Um halb acht weckte Herr Rabe uns mit den Worten „Es schneit!“. 

Um halb neun hatte ich die Kinder (alles, vor allem den Schnee, abgrundtief hassend) mit dem Schlitten in den Kindergarten gezerrt, stellte fest, dass ich meine Kopfhörer vergessen hatte, ging wieder nach Hause und machte mir einen Kaffee. Hängte die Wäsche auf und sprühte die Schnecken ein. Packte meine Ballettsachen. Und dann fuhr ich, halbwegs besänftigt und nicht mehr ganz so hasserfüllt mit dem Bus zur Arbeit. 

Das mit dem Jetlag könnte dann bitte auch mal langsam ausgestanden sein. Und Pippis Schlechtschlafphase auch. Bittebitte.
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* ich bin mir ganz sicher, dass es da für den Fall der Fälle eines sich kurzfristig ankündigenden, direkt bevorstehenden Weltuntergangs á la Independence Day zu diesem Zweck von Hans Zimmer vorkomponierte Musik gibt, die dann über Lautsprecher weltweit abgespielt wird. 

Tag 512 – Orrrrrrrr!

Es reicht, ey. 

Erst will sie meine berufliche Zukunft mit mir diskutieren (dieses Gespräch nervt mich immer, weil das alles so ein großes, schwarzes Loch ist, aber mit ihr noch viel mehr weil ich dann direkt bitte noch ihre – natürlich unausgesprochenen – Wünsche mitdenken soll. Bei einem Thema, an das ich am liebsten überhaupt gar nicht denken möchte. Was sie nicht merkt und meine Gesprächsabwendungsversuche wurden auch einfach ignoriert) dann guckt sie mit uns fern und lacht in der allerletzten Sekunde der allerletzten Szene die in der Trage schlafende Pippi wach. Jetzt liegen wir hier wieder mit hellwachem Kind, in meinem Kopf kreist die nackte Zukunftspanik (ist ja nicht so, als könnte ich sonst grad supi dupi einschlafen oder könnte generell gut schlafen, durchschlafen oder was man sonst so im Bett tut) und in meinem Bauch kocht die Wut. 

Und die ganze Zeit frage ich mich, ob wir wohl auch einfach immer so weiter machen mit dem unausgesprochenen Scheiß zwischen uns, so wie sie und ihre Mutter es ja auch schon immer tun. Die Antwort ist wohl 50/50: entweder platzt alles irgendwann aus mir raus oder nicht.