Tag 738 – Erste Semesterwoche.

In einer Uni-Stadt leben hat ja sehr viele Vorteile. Zum Beispiel… äh… ach ja, wir haben viele sauteure Kneipen, (für so eine kleine Stadt) erstaunlich viele Diskos und Bars mit zu 90% der gleichen beschissenen Musik und relativ viele Restaurants bei denen man trotzdem meist nur das eine Alibi-vegetarische Essen bekommt. Naja, und wenn man wollte, könnte man Hipster-Klamotten an jeder Ecke kaufen oder von Hipstern sein Fahrrad reparieren lassen oder hipstermäßige Dinge wie Ingwersmoothies zu sich nehmen oder gleich alles drei. Aber das soll gar nicht Thema sein, sondern eigentlich wollte ich über die erste Semesterwoche reden. Die ist nämlich jetzt gerade. Man merkt es an vielen Faktoren:

  • Party im Hof, Leute gröhlen laut und vermutlich alkoholisiert, jetzt gerade. Das geht jetzt noch anderthalb Wochen so, dann stören mich wieder die nicht kastrierten Katzen und ihr vielfältiges Sexleben mehr.
  • In den letzten zwei Wochen schon und noch anhaltend sieht man immer wieder sehr junge Leute irgendwo einziehen, die Papas schleppen da tapfer Matratzen und Waschmaschinen rein, die jungen Leute sehen leicht verstört aus und die Mamas reden auf die jungen Leute ein.
  • Sehr junge Leute mit Bilderrahmen, Kerzenständern, Kissen und anderem IKEA-Kleinkram im Bus. Oder halt auch mal zwei Meter hohen Zimmerpalmen.
  • Sehr junge Leute, die durch Trondheim schlendern, als wäre es der allertollste, allerspannendste und allerhübscheste Ort auf Erden. (Spoiler: ist es… für ca. drei Tage.)
  • Aber mein Highlight: sehr junge Leute im Supermarkt. Manchmal fragt man sich echt, ob die jemals vorher in einem Supermarkt waren. Ein paar Dinge, die viele der, ich nenne sie mal Ersteinkäufer, offenbar sehr überraschen und leicht überfordern:
  1. Es gibt unterschiedliche Sorten Milch.
  2. Es gibt unterschiedliche Sorten Joghurt.
  3. Es gibt unterschiedliche Sorten Nudeln.
  4. Es gibt unterschiedliche Sorten Olivenöl (im Rema, wo wir das Meiste einkaufen, bestimmt so… drei).
  5. Brot muss man entweder zu Hause selbst schneiden oder im Laden selbst durch so eine Maschine jagen. Die Maschine ist eigentlich selbsterklärend und hat auch Bilder drauf, die die Anwendung illustrieren, hindert aber manche nicht an abenteuerlichen Versuchen, den Sicherheitsmechanismus zu umgehen.
  6. Fleisch ist sehr teuer. (Heute einen „Jesus!“-Stoßseufzer beim Passieren des Wurstregals mitbekommen… I feel you, aber:)
  7. Gemüse ist auch sehr teuer. Und lasst euch das gesagt sein, liebe Erstis: jetzt geht’s ja sogar noch, aber im Winter ziehen die Preise noch mal richtig an!
  8. Am teuersten ist alles, was Spaß macht: Süßkram, Chips, Bier, Tiefkühlpizza (und Tabakwaren, aber die kaufe ich ja nie). 
  9. Apropos Tiefkühlpizza: da gibt es sehr viele unterschiedliche Sorten!
  10. Was man eingekauft hat, muss man auch nach Hause schaffen. Dann ist das irgendwie blöd, wenn man acht Pakete YumYum-Nudeln, drei Kilo Hack und nen Angebots-sack Äpfel gekauft hat, man keinen Rucksack dabei hat so wie die Profi-Auf-dem-Heimweg-einkaufende-Mutti Rabe und draußen das Rennrad steht.

Tja, und was kaufen sie dann? Tütensuppen, Tütensaucen, die teuren Nudeln (Werbung funktioniert!), aber das billige Olivenöl (selbst das ist ja schon teuer genug), die leichteste Milch, den Joghurt mit weniger Fett und mehr Gelatine Proteinen, das billige Hack und kein Gemüse, eine Tüte der billigen Chips (da möchte ich immer rufen: Nein! Nie an den Chips sparen! Die schmecken total scheiße!), kein Bier und die Tiefkühlpizza, die Mama auch schon immer hatte (Grandiosa. Auch da: NEIN! Die schmeckt nicht! Die billige vom Rema ist echt gut, aber Grandiosa ist Müll!).

Sie sind schon putzig, die Erstis. Und gefühlt ja auch erst 15, da ist das wohl auch verständlich, dass das mit dem Einkaufen noch ganz aufregend und neu ist. Sonst mache ich mich halt einfach als Supermarkt-Einkaufscoach für Studenten selbständig. Lektion 1: der Einkaufszettel…

3 Gedanken zu “Tag 738 – Erste Semesterwoche.

  1. mmknudsen schreibt:

    Ohhhh so schön beobachtet und geschrieben!!! Hab da auch den ein oder anderen ähnlichen Gedanken gehabt, jedes Jahr aufs neue im August 😉 Aber wahrscheinlich bin ich ähnlich planlos im Supermarkt gestanden als ich in Trondheim ankam, aus anderen Gründen allerdings…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s