Tag 832 – Macht nix.

Also ich. Ich habe heute nichts gemacht, außer rumgeheult. Die Situation ist einfach wirklich scheiße. Nach zwei Gläsern Rotwein kommt sie mir nicht mehr völlig unschaffbar vor, aber sie ist und bleibt scheiße und mir jetzt bis Weihnachten den Wein statt Kaffee morgens schon reinschrauben, um nicht einfach weinend im Bett zu bleiben, ist ja auch keine Lösung.

Was mich weiterhin daran aufregt: wieso hat es vier Wochen gedauert, meine Proben, auf deren Bearbeitung sowohl ich als auch der Chef gedrängt haben, überhaupt mal ins Gerät zu stellen? Wie kann sowas passieren? Ich habe der Core Facility mit meinen Proben über 200.000 NOK eingebracht, werde aber trotzdem behandelt wie der letzte Arsch und bekomme immer wieder gesagt, wie viel Arbeit das doch ist mit meinen Proben?!?

Ich hoffe, bis Montag früh ist die Traurigkeit, das Versagensgefühl (und Sie so: häh?!? Und ich so: ja natürlich, denn ich hätte es wissen/mehr drängeln/ den Chef mehr einspannen müssen) und die Hilflosigkeit etwas erträglicher geworden und die Wut noch da, dann werde ich direkt ein Gespräch mit dem Chef und den zwei Damen der Core Facility anleiern. Wir brauchen da ne Lösung, und zwar eine, die nicht darauf hinausläuft, dass ich diese wirklich essentiellen Ergebnisse erst zwei Tage vor Weihnachten kriege. Ich habe langsam genug Verständnis gehabt, für alles und jeden, ja, andere Leute haben auch wichtige Proben, ja, der Chef hat grad für keinen Geld und das ist ein echtes Problem, dass die Angestellte der Core Facility nicht vernünftig bezahlt, aber mit Arbeit zugeschmissen wird. Das sind aber alles ganz und gar nicht meine Probleme und meine Fresse – danach bin ich weg. Sie sind die unangenehme Nerv-Tante dann doch los.

Vielleicht halt auch schon früher, wenn das alles nichts wird. Dann hat der Chef halt ne Absolventin weniger. Was das finanziell für die Gruppe bedeuten würde (ne? 200.000 Kronen, plus vier Jahre mein Gehalt, plus alles was ich sonst so gekostet habe, das will ja keiner einfach aus dem Fenster werfen) muss ich dann eventuell noch mal klar stellen und auch, dass es mir durchaus ernst ist damit, alles hinzuwerfen. Ja, jetzt noch.

Ich hab jetzt echt genug geschafft. Das Gespräch noch, und dann ist auch gut mit „Frau Rabe beißt sich durch, während wir ihr fröhlich Knüppel zwischen die Beine werfen“.

Jetzt sind andere mal dran.

___

Btw. hab ich gestern einen Fehler im Nature-Paper gefunden. Und der Kooperationspartner, den ich Mittwoch wegen der uns von ihm zur Verfügung gestellten Zellen kontaktiert habe, meldet sich auch nicht. Vielleicht werde ich auch einfach noch richtig, richtig unangenehm für alle. Grad wäre mir danach.

13 Gedanken zu “Tag 832 – Macht nix.

  1. MM schreibt:

    Oh ja!!! Frau Rabe packt den Flammenwerfer aus. Phew. (Ich lese hier zwar sehr aufmerksam und anteilnehmend mit, verstehe als Juristin aber fachlich vom Thema der Diss bloß Bahnhof und kann und will sowieso keine unerbetenen Ratschläge verteilen. Ich halte nur die Daumen, dass die Kinderchen Sie morgen viel schlafen lassen. Trotz Wochenende…)

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  2. Frau Em schreibt:

    Ich habe im Moment eine Position inne, bei der ich u.a. auch des öfteren meine Mitdoktoranden in schwierigen Situationen (oft auch sehr kurz vorm Abbruch) berate. Was ich jedem rate: Du kannst abbrechen, wenn Du meinst es wirklich tun zu müssen oder zu wollen. Aber triff die Entscheidung erst dann, wenn Du vorher alles probiert hast, um die Situation zu retten. Wenn alle Gespräche geführt, alle Leute genervt, alle kreativen Lösungen ausgeschöpft sind und es immer noch unmöglich oder nicht mehr wünschenswert ist, okay, dann brich ab. Aber nicht einfach so, ohne es wenigstens probiert zu haben.

    Denn – und das kenne ich auch sehr gut aus der Erfahrung meines Mannes, der nach vielen, vielen, langen Gesprächen und Diskussionen und Versuchen und und und…nach 4 Jahren tatsächlich abgebrochen hat – mit der Entschiedung, Abzubrechen, muss man auch Jahre später noch leben. Er kann das, denn er hat alles probiert und sich „guten Gewissens“ trotzdem am Ende gegen die Promotion entschieden. Aber ich möchte nicht wissen, wie es ihm heute ginge, wenn noch irgendwelche Möglichkeiten offen gewesen wären.

    Ob oder inwiefern man den Punkt „alles ausgeschöpft“ erreicht hat ist letztendlich eine sehr persönliche Entscheidung, die auch keiner von außen treffen kann. Der heutige Post lässt vermuten, dass es derzeit noch ein oder zwei Gespräche, also Möglichkeiten, gibt. Schöpfen Sie die aus und schauen, was diese bringen und wo Sie danach stehen und bewerten Sie dann neu: ob Sie weitermachen können/wollen bzw. ob sich noch weitere Möglichkeiten zum Ausschöpfen eröffnet haben.

    Ich wünsche Ihnen für die nächsten Wochen ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen, besonders liebe und süße Kinder zur Inspiration und einen tatkräftig unterstützenden Ehemann, der Ihnen den Rücken gleichzeitig stärken und freihalten kann.

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  3. Jajaja, weg mit allem, was nicht Wut ist, und wenn es nur für Montag ist! Und wenn eine Emotion gerade begründet ist, dann Wut!
    Und mach Dir keine Gedanken über arme norwegische Gemüter: Sie werden den teutonischen Ausbruch schon überleben – und Du wirst eine Lösung bekommen.
    Dafür drücke ich die Daumen.

    (Vielleicht solltest du dem Chef stecken, dass gerade ganz viele Teuton*innen in den Startlöchern stecken, um ihm gehörig die Hölle heiß zu machen. Noch ein „det ordner seg“ und wir chartern ein Flugzeug!)

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  4. KH schreibt:

    Liebe Frau Rabe,

    SIE SCHAFFEN DAS!!!!!
    Und: Sie sind KEIN Versager, Sie sind eine HELDIN!
    Wenn Sie die Geschichte mal im Schaukelstuhl sitzend ihren Enkeln erzählen werden, dann wird sie damit enden, wie unglaublich stockbesoffen Sie auf Ihrer Dissfeier Charleston getanzt haben!

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  5. Kari schreibt:

    Werde bitte unangenehm. Wenn es nicht anders geht, dann eben so. Wir Mädels sind sowieso alle viel zu nett/angepasst/mitfühlend/zurücksteckend/: such dir was aus.
    Danken tut es einem keiner gemäß dem Spruch: everybodys darling ist everybodys A….
    Lass die Sau raus, hinschmeißen kannst Du danach immer noch.

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  6. Frau Em schreibt:

    Noch kurz ein anderer Gedanke: auch wenn ich ebenfalls der Meinung bin, dass eigentlich Ihr Chef dafür verantwortlich ist, hier noch Geld locker zu machen, so hört sich das zumindest schwierig an. In Deutschland gibt es an vielen Unis kurzfristige Promotionsabschluss-Stipendien (unter diesem Begriff auch zu ergooglen), teilweise sogar explizit für ausländische Studenten. Wäre sowas eine Option, entweder über die Uni Trondheim oder z.B. durch den DAAD oder einer anderen deutschen Institution, die Akademiker im Ausland unterstützt?

    Wenn Sie die Diskussion Ihres Papers diese Woche sowieso nicht schreiben können und auch sonst keine Lösung in Sicht ist, wäre vielleicht eine solche Bewerbung noch eine Idee.

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    • Das gab es an unserem Institut bisher immer. Dieses Jahr wurde es nicht ausgeschrieben. Der Chef wollte gerne, dass ich das beantrage – dann gleich für ein ganzes Jahr. Das wollte ich aber nicht. Aber wie gesagt, es wurde dieses Jahr auch einfach nicht ausgeschrieben. Meine Bürokollegin hatte sich da etwas drauf verlassen und steht jetzt ziemlich verlassen da.

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      • Frau Em schreibt:

        Oh Mann… 😦

        Dann drücke ich für das Gespräch morgen ganz fest die Daumen!! Hoffentlich wird sich der Chef so langsam mal seiner Verpflichtungen bewusst, jetzt wär’s echt mal an der Zeit…

        Gefällt 1 Person

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