Tag 839 – Beste Mama ever!

Wenn meine Kinder wählen könnten, wäre ich das wohl heute geworden. Zumindest zum Teil. Oder eher: bis auf Ausnahmen.

Weil, also, hmm, für dieses „Erziehen“ braucht man definitiv mehr Nerven als ich zur Zeit habe. Auf der Ebene fand heute also nur das Allernötigste statt und das kostete mich schon alle meine spärlichen Nervenvorräte. Jupp, ich bin die Mutter, die im Parkhaus erst ihr Kind anschreit (so richtig mit der Mom-Voice und den fiesen Sätzen die direkt aus der dunklen Masse der eigenen Kindheit stammen) und dann das brüllende Kind recht ruppig im Autositz anschnallt, weil NEIN, OHNE ANSCHNALLEN FAHREN WIR NICHT LOS UND NEIN, WIR WERDEN HIER NICHT NOCH NE STUNDE LANG HERUMHAMPELN, ES IST SCHON SPÄT UND WIR MÜSSEN NOCH EINKAUFEN. Das passierte heute zwei mal innerhalb von nicht mal anderthalb Stunden. Dazwischen lag ein Einkauf aus der Hölle, weil Pippi, die sture und trotzphasige Rübennase, das Geburtstagsgeschenk für ihre Freundin trotz ca. 5000-maliger Ermahnung und „Ja, R. sin!“-Beteuerungen ihrerseits dann doch ausgepackt hat, woraufhin ich ihr das wegnahm. Ja. Ich bin also auch die Mutter, die erst ihr brüllendes, zappelndes Kind aus dem Parkhaus schleppt (das hallt da so!), dann vor dem Supermarkt mit dem brüllenden Kind auf dem Boden hockt, vom brüllenden Kind gehauen wird, dem brüllenden Kind mitteilt, dass jetzt eingekauft wird, deren brüllendes Kind aus dem Einkaufswagen klettert und deren brüllendes Kind im Supermarkt mitten im Weg auf dem Boden liegt. Mütter mit seit längerem ungeduschten Teenagern gingen vorbei und ich sah das „Gott sei dank ist das vorbei!“ in ihren Augen. Mütter mit rosigen Babies gingen vorbei und ich sah das „Oh mein Gott, das arme Kind, meins wird das ja nie machen, weil…“ in ihren Augen. Ältere Damen gingen vorbei und schüttelten „Tztztz“-machend den Kopf. Und dann war es irgendwann vorbei und meine Nerven auch und hier ist die Liste der Dinge, die wir kauften um weitere Tantrums auf jeden Fall zu verhindern:

  • Zwei trockene Brötchen
  • Eine extra Packung Apfelsaft
  • Cornflakes
  • Pappsüßen Kinderjoghurt (ok, den wollte Michel haben)
  • Fettarme Milch
  • Tomatensoße mit Basilikum von Barilla
  • Äpfel
  • Überraschungseier (wollte auch Michel haben)

Nur beim Eis an der Kasse blieb ich hart und es war mir dann auch echt egal, dass sie da wieder herumbrüllte, dann sollen die aufhören, ihre Quengelware in Hörweite der Kassierer*Innen aufzustellen, wenn die das zu sehr stört (mich hat das in meinen vielen, vielen Jahren an diversen Kassen übrigens nie gestört).

Ansonsten hab ich mich heute nur beim Anziehen und beim Zähne putzen durchgesetzt, alles andere habe ich einfach durchgehen lassen. Ich traue Ihnen genug Phantasie zu, um sich „alles andere“ realitätsnah auszumalen.

Dieses Kind schafft mich. Und dann ist die wieder so niedlich, dass ich sie fressen möchte. Wenn Sie ihren Bruder füttert zum Beispiel. Oder ihr Bärchen ins Bett bringt.

6 Gedanken zu “Tag 839 – Beste Mama ever!

  1. Es ist lange her, aber ich erinnere mich gut, es waren teilweise wirklich Höllentrips, da war z.B. so ein Besuch im schwedischen Möbelhaus … sperriger Einkauf, lange Regalbretter, einen ewig lange Schlange an der Kasse und mein brüllendes und strampelndes kleines Monster mitten drin. Jeder gab Ratschläge, eine Diskussion entbrannte zwischen den Ratschlaggebenden, die sich nun ebenfalls laut stritten, wobei ein paar zu einem ordentlichen Satz Prügel rieten, „der noch keinem gwschadet habe“, woraufhin ich diese Typen als potentielle Serienkiller bezeichnete (Nerven). Mein Kind, der kleine Engel lutschte inzwischen friedlich am Daumen und fand, was um es geschah anscheinend höchst interessant.
    Der Trost, irgendwann wird es besser!

    Liebste Grüße Ela

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  2. Lulu schreibt:

    Ich erinnere mich an einen Tobsuchtsanfall (also, meinen), als mein Vater auf meinem (!) Fahrrad fuhr. Da ich mich nur an diesen einen erinnere, hoffe ich einfach, beim Einkaufen pflegeleichter für meine Mutter gewesen zu sein. Andererseits: diesen einen hatte mein Opa auf Film festgehalten – vielleicht erinnere ich mich nur an den, weil ich ihn häufiger sehen durfte. Vielleicht habe ich sowas also auch im Supermarkt hingelegt. Dann, liebe Mutti, im Nachhinein: Es tut mir ehrlich leid.

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  3. Mamamaj schreibt:

    Mittlerweile wird ja ständig von Autonomiephase statt von Trotzphase gesprochen. Oder abgekürzt von A- Phase. Ich übersetz das immer mit Arschlochphase…
    Das Gute daran: es ist nur eine Phase. Das Schlechte: nach der Phase ist vor der Phase… 🙂

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    • Ja, also der war auch anstrengend, aber bei weitem nicht so ausdauernd und sie ist halt wirklich stur, das war sie schon immer, das ist er gar nicht. Bei ihr habe ich viel mehr den Eindruck, dass es um “den Willen kriegen” geht, bei ihm wars eher so “ich weiß ja auch nicht was mit mir los ist, ich bin einfach total reizbar”.

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