Tag 1001 – Nächte.

1001 Tage hier. Genau genommen blogge ich aber meistens spätabends, oder nachts, je nachdem wie man das definieren möchte. In den letzten 1001 Nächten ist echt viel passiert.

Pippi ist vom Säugling zum Baby geworden, hat Robben, Krabbeln und Laufen gelernt, ich habe sie abgestillt und wir haben sie gemeinsam in ihr eigenes Bett ausquartiert. Sie schlief irgendwann durch und wir auch wieder. Dann aß sie plötzlich jede Nacht eine Banane. Sie hat mit der Kita angefangen und es war furchtbar und dann wurde es gut. Und dann sehr gut. Und dann war sie dauernd krank. Sie fing an zu sprechen und zu singen und sogar ihre Haare wuchsen. Neuerdings fährt sie Laufrad.

Michel ist vom Kleinkind zum nicht mehr so kleinen Kind zum Vorschulkind geworden. Wir haben es durch die A-Phase geschafft, Michel ist trocken geworden, irgendwann sogar nachts, er hat Freunde gefunden und übernachtet sogar bei denen. Er bekam ein Fahrrad mit „Patilen“ und dann ein großes Fahrrad für richtige Vorschulkinder. Er kann alle Buchstaben erkennen und einfache, kurze Wörter lesen und schreibt wunderbare Nachrichten in lautschriftlichem Norwegisch. Er erzählt non-stop, Wichtiges verpackt in einen Brei von Belanglosigkeiten und jede Nacht kriecht er irgendwann in unser Bett: ans Fußende. So haben wir alle größtmöglichen Platz und Michel kann kuscheln, mit unseren Füßen zwar, aber das stört ihn nicht, Hauptsache Körperkontakt. Und er hat die hinreißendsten Sommersprossen der ganzen Welt.

Herr Rabe hat sich in seinem Job weiterentwickelt und ist bei der selben Firma in einem inzwischen anderen Team und einer sich stetig entwickelnden Position sehr glücklich. Weil Herr Rabe eben, wie nicht ganz so viele Informatiker*Innen, auch sehr gut mit Leuten kann. Was ich natürlich immer schon wusste, schließlich ist er der beste Mann und auch der beste Vater, den ich mir für mich und meine Kinder vorstellen kann. Seine Geduld mit den Kindern hätte ich gerne auch nur ansatzweise. Und seine Geduld mit mir… auch.

Das Blog hier hat sich von ca. 3 Lesern pro Tag zu (für mich) wahnwitzigen 1200 gemausert. Ich habe in fast allen Nächten etwas hereingeschrieben, manchmal erst nach Mitternacht und einmal erst am nächsten Tag, nach einer Nacht voll Schlaf. Das Blog war mit auf Korfu, in Frankfurt, in Bergen, in den USA, in der Schweiz, in Porto, gefühlt ständig in Oslo und mehrmals in Bielefeld. Es war mit bei guten und beschissenen Vorstellungsgesprächen, bei der Legevakt, im Labor, im Familienleben, im Waldorf-Kindergarten und beim Schwimmkurs. Es wurde gefüllt von alltäglichem, mit gelegentlichen Ausflügen in Bereiche wie Erziehung und Ernährung, Beiträge, die immernoch zu den am häufigsten gelesenen gehören. Es ist ein Teil von mir geworden. Einer, dessen Wichtigkeit ich irgendwo bei „Milz“ einordnen würde: ohne geht auch, ist aber echt blöd, und die Entfernung wäre schmerzhaft.

Die Schnecken sind echt groß geworden. Ansonsten sind sie weiterhin Schnecken: nicht besonders schlau, sehr langsam, ziemlich gefräßig.

Und ich? Ja. Ich habe den Statistikkurs überlebt, die Babyzeit mit Pippi und den Schlafmangel überstanden, war beim Muttisport und wurde erstaunlich fit, habe wieder angefangen zu arbeiten, wurde erstaunlich unfit, fing wieder mit Ballett an und hörte erst wieder auf, als ich anfing, die Diss zu schreiben. Wechselte das Diss-Projekt. Machte tausend mal „das letzte Experiment“. Organisierte mir die Konferenz in Kalifornien, samt Reisestipendium. Ging kaputt. Wechselte viele Bettbezüge. War mit krankem Kind zu Hause. Fing an, immer mehr Sachen für mich und immer weniger für die Kinder zu nähen. Buk Brot. Ging spazieren und wurde wieder halbwegs heile. Lernte viele tolle Leute kennen. Schrieb meine Diss auf. Wurde gescoopt und merkte, wie kaputt ich eigentlich noch war. Machte weitere tausend male „das letzte Experiment“, schlug mir Nächte am Mikroskop um die Ohren, schlug mir weitere Nächte am Rechner um die Ohren um die Bilder auszuwerten und Daten zu analysieren. Schrieb einen Artikel in vier Tagen und Nächten. Bekam die Schilddrüsenscheiße zurück, ging wieder kaputt und ignorierte es, ging durch Mordor und zurück, schrieb tausendundeine Bewerbung, bekam 788 Absagen und 211 mal gar keine Antwort, sagte einen Job ab, gab die Diss ab und dann war endlich Weihnachten. Leckte zwei Monate lang meine Wunden, nähte viel, versuchte, in dem ganzen Murks mein Ich als Mutter und auch Partnerin wiederzufinden und mich wieder zusammenzuflicken. Machte viel Sport. Hasste meistens das Wetter hier. Disputierte. Versuchte, stolz auf „disputierte“ zu sein, statt sich wegen „arbeitslos“ zu grämen. Und schrieb täglich in dieses Internet. Mal überlegt, mal lustig, mal frustig, mal kurz, mal sehr lang, mal verzweifelt, mal mit vielen Bildern und dann wieder ganz ohne, mal in Schnipseln und mal in Dialogen. Aber fast immer nachts.

So kann es doch weitergehen.

11 Gedanken zu “Tag 1001 – Nächte.

  1. Sunni schreibt:

    Das finde ich eine richtig tolle Zeit. Da gehören auch die schwarzen Teile dazu. Insgesamt ein Hochleistungslauf. Und jetzt weiter, die nächsten 1000 Tage, wenn auch nachts, meistens. :-) Dafür alles Gute und für den Rest auch!

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  2. Franziska schreibt:

    Ich lese Dich sehr gern. Du bist so sehr Du und stehst dazu. Tägliches Bloggen stell ich mir ja sehr anstrengend vor, als Leserin aber finde ich es toll😊. Liebe Grüße

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  3. Georg schreibt:

    So kann es gerne weitergehen! Vielleicht mit etwas weniger Schattenseiten, das wäre schön. Vielen Dank für diese Ausdauer, ich lese sehr gerne hier!

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