Tag 1041 – Der Bauch und ich.

Neulich bekam ich zu diesem Foto hier den Kommentar, ich hätte einen schönen Bauch. Und ich antwortete, dieser Bauch sei das Produkt von guter Grundfitness, dann zwei Schwangerschaften, zweimal Schilddrüsenscheiß und jetzt sechs Monaten Training. Das wurde als Verteidigung verstanden, dabei war es gar nicht so gemeint gewesen. Seitdem wollte ich das mal näher ausführen, und heute, als ich in einer Umkleidekabine so ein hautfarbenes Ganzkörper-Shaping-Dings anhatte, fasste ich den Entschluss, das auch zu tun.

Also. Mein Bauch. Einstmals war er super trainiert, ganz flach und vor allem fest. Das ist aber wirklich schon sehr lange her, nämlich schätzungsweise 15-18 Jahre. Dann bekam ich ohne erkennbaren Auslöser so ein kleines (also wirklich ein sehr kleines) rundes „Frauenbäuchlein“. Also halt eine kleine Minikugel unterm Bauchnabel, an einigen Tagen und in einigen Phasen deutlicher zu sehen als an/in anderen. Anfangs störte mich dieses Bäuchlein total, weil man das sah, wenn ich saß, das rollte sich und plötzlich konnte man auf die Idee kommen, das sei keine Kugel sondern eine Rolle. Ich fühlte mich unwohl und versuchte das wegzutrainieren, mit mäßigem Erfolg. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass mein Bauch halt, egal wie trainiert ich war, nicht wieder ganz flach wurde, aber so richtig happy war ich nicht damit.

Dann bekam ich ein Kind, der Bauch wurde riesig, bekam Schilddrüsenscheiß und der Bauch ging tatsächlich ganz weg, bekam noch ein Kind und der Bauch wurde wieder riesig, bekam wieder Schilddrüsenscheiß, bemerkte es aber rechtzeitig, sodass sich der Gewichtsverlust dieses Mal in Grenzen hielt und dann trainierte ich viel, auch den Bauch, vor allem aber die gesamte Rumpfmuskulatur, und dann ist jetzt.

Wie ist mein Bauch jetzt? Nun, optisch nicht so viel anders als damals mit meinem Frauenbäuchlein. Etwas breiter ist er geblieben, weil sich die Rektusdiastase nicht wieder ganz geschlossen hat, etwa einen Zentimeter habe ich da also jetzt mehr. Der Bauchnabel sieht etwas anders aus. Je nach Zyklusphase, Blasenfüllstand und dem zeitlichen Abstand zur letzten Mahlzeit habe ich ein mehr oder weniger deutliches Frauenbäuchlein unterhalb und mehr oder weniger erkennbare Bauchmuskeln oberhalb des Nabels. Die Haptik hingegen hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert, denn mein Bauch ist jetzt weich. Über den Bauchmuskeln spannt sich jetzt keine straffe Teenie-Haut mehr, sondern man kann die wattige Haut-Speckschicht munter hin- und herschieben und darin herumwalken (etwas, das die Kinder auch gerne tun, das ich aber meist sehr schnell unterbinde). Wenn ich beim Sport im Vierfüßlerstand stehe, hängt dieser Teil des Bauches richtig runter, wie bei einem Beuteltier. Also, so stelle ich mir das vor, wenn sich ein Beuteltier so hinstellen würde, dass da dann einfach der Beutel runterhängt.

Tatsächlich gucke ich in den Spiegel (und das tue ich oft, ich bin einigermaßen eitel), pieke ein bisschen in den weichen Bauch, bohre mich manchmal zu den Muskeln durch und freue mich darüber, wie fest die sind und dann schaue ich ganz genau hin und finde mich total in Ordnung so. Weich. Mit einem Bauch, dem man ansieht, was er geschafft hat und was er mitgemacht hat. Vielleicht ist auch mein Blick auf meinen Körper weicher geworden, wer weiß das schon so genau. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mehr dauernd denke „Oha, so nicht sitzen, der Bauch!“. Objektiv gesehen war ich vor 10 Jahren noch viel näher am allgemeinen Bild von Schönheit, dabei mag ich meinen Körper jetzt in der post-Straffheits-Phase viel mehr.

Wie kam es dann zum Shapewear-Vorfall? Nun, der oben gezeigte Rock ist ein biiiisschen durchsichtig. Nicht schlimm, aber so, dass sich meine üblichen weißen Unterhosen abzeichnen. Es sieht dann von oben nach unten so aus: Rockbündchen, haut-durchscheinender Rock, weiß-durchscheinender Rock. Für das Foto hatte ich deshalb auch eine Unterhose bis zum Anschlag hochgezogen, das ist nur nicht praktikabel, wenn man auch gehen möchte. Oder atmen. Also wollte ich mir neue Unterhosen kaufen und dachte mir, ich könnte es ja mal mit so Shapewear probieren, wer weiß, was die noch rausreißt und dann könnte ich ja auch bestimmt ganz toll sitzen ohne dass der Bauch in seiner ganzen Weichheit irgendwelche Sachen macht, die ein Gegenüber vielleicht mit nicht ganz so weichem Blick betrachtet. Und weil ich keine Ahnung habe, habe ich heute bei Lindex (ja eh meinem favorisierten Unterwäsche-Laden) einfach alle verfügbaren Modelle in 36/38 und 40/42 mit in die Umkleide genommen. Beim Anprobieren fing ich bei „festerer Schlüpper“ an und arbeitete mich bis zu „20er-Jahre-Badeanzug in hautfarben“ vor. Die Größe war schon eine Hürde, weil 40/42 zwar bequemer saß, aber rutschte (die wenig formenden Versionen) oder Falten warf (die stärker formenden). 36/38 war bei einigen Unterhosen-Modellen am Beinausschnitt zu eng, sodass es da eine Beule gab und beim Body und beim Badeanzug war einfach die Gesamtlänge viel zu kurz (als wären schlanke Frauen automatisch auch viel kürzer). Und so stand ich in der Umkleide, probierte und probierte, beäugte meinen Körper kritisch von allen Seiten, alle Fältchen und Röllchen und den weichen Bauch und den weichen Bauch in der plattgedrückt-Version und die Kalbsschnitzel Brüste und ich fragte mich, ob man bei so einem Body oder auch dem Badeanzug den BH wohl drüber oder drunter trägt und ob sich da keiner fragt, warum jemand vier BH-Träger hat und ich guckte ganz kritisch meinen Bauch und meine Taille an und die Beinausschnitte und den Po und dann zog ich mich an und hängte den ganzen Kram auf den Nein-Danke-Ständer und holte ganz normale High-Waist Unterhosen in weiß. Und am Ende hätte ich dann fast sechs davon gekauft. Das Durchschein-Problem beheben die nämlich genauso und mein Bauch gefällt mir formlos un-shaped immernoch am Besten. Das hat selbst mich ein bisschen überrascht. Aber positiv.

Keine „gefürchteten Bauch-Weg-Schlüpfer“ wie in Bridget Jones.

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Auto-Lobhudelei: voll zufrieden mit meiner Entscheidung und allem. Außerdem hat noch nie wer so effizient die relevanten Infos (Essen ja/nein? Wann bringen? Wann holen? Wann anfangen?) Bei der Erzieherin von Pippis neuer Kita abgefragt wie ich heute.

9 Gedanken zu “Tag 1041 – Der Bauch und ich.

  1. Bea schreibt:

    Bei einem Body keinen BH. Der ist ja praktisch schon dabei. Und auch wenn shapewear passt, das was da weggedrückt wird, verschwindet ja nicht. Das wird nur verlagert und kommt dann an anderer Stelle wieder raus. Das sieht dann nur mir viiel Photoshop gut aus. Und so wie es ist ist es gut. Sehr gut sogar. Beste Grüße

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  2. Daniela schreibt:

    Liebe Frau Rabe,
    Habe die Erfahrung gemacht, dass sich unter jeglicher heller Kleidung hautfarbene Unterwäsche am besten macht…
    Alles Liebe,
    Daniela

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  3. Kati schreibt:

    Die Auswahl sieht doch schön aus :-)
    Ich kenne das „gross und schlank“-Problem vor allem von Badeanzügen (ich mag keine Bikinis und die Suche nach Bodies habe ich schon vor Jahren aufgegeben)… da sitzen dann das Cup oder der Armausschnitt sehr sehr tief. Selbst adidas ist nix für Große, da war ich schon erstaunt. Arena kann ich aber empfehlen, das ist bis jetzt immer das einzige, was mit nach Hause durfte…..

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    • Ich bin ja gar nicht groß. Ich bin ganz durchschnittlich groß, aber für meine Figur müsste ich offensichtlich eher 5 cm kleiner sein. Und Arena war auch immer meine liebste Marke für Badeanzüge, hatte aber immer die Sport-Versionen und dann nur noch Bikinis.

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