Tag 1101 – Schönreden.

Also, ich war heute sehr produktiv. Zusammen mit meinem Kollegen habe ich den ganzen Tag lang Recherchiert und gerechnet und dann etwas verzweifelter recherchiert und neu gerechnet und nochmal neu gerechnet und dann nochmal so gerechnet und andersrum auch. Ich bin da auch sehr gewissenhaft bei gewesen (also, der Kollege auch) und bin deshalb jetzt sehr sicher, dass meine Berechnungen korrekt sind und sich durch Optimierung der Prozessparameter jedenfalls nicht mehr in der Größenordnung etwas ändern würde. Darauf reagierte ich auch einigermaßen gefasst (nachdem ich was gegessen hatte, vorher musste ich kurz im Internet über so unsinnige Dinge wie Algentee abranten), obwohl mir sehr klar war, dass der Ast, auf dem ich sitze, schon so morsch ist, dass er sich unter meinem Hintern ganz weich und flauschig und warm anfühlt. Auch gut war, dass ich den Kollegen immer mal wieder auf das produktive Gleis zurück gestellt habe, wenn er sich mal wieder in Nachkommastellen verrennen wollte. Nett, aber bestimmt. Er nennt mich Boss. Hihi. Und weil ich der Boss bin, weil ich erwachsen bin, weil ich ehrlich bin und aufrichtig und mir wichtiger ist, dass kein Geld von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne und die mir total egal sein könnten, die ja sogar selbst mal hätten nachrechnen können, jedenfalls, dass deren Geld nicht sinnlos verbrannt wird ist mir wichtiger als mein eigenes Gehalt zu sichern und deshalb habe ich dann auch eine sehr präzise Mail geschrieben, in der ich auch nochmal mein Bedauern ausgedrückt habe, habe alle die Berechnungen angehängt und dann habe ich auf Ast absägen geklickt. Die Geschäftsführung ist dementsprechend informiert und hat sich artig für die gute Arbeit und die Offenheit und meine Einschätzung bedankt. Montag werden ich und der Kollege das dann noch möglichst schonend dem Chipsmann beibringen, der ja von all dem noch nichts weiß, weil er durch die Wälder wandert und dann kann man noch hoffen, dass irgendwem irgendein Wunder einfällt, oder vielleicht krieg ich auch schnell nen neuen Job und einen Kindergartenplatz der nicht 25 km in die falsche Richtung liegt, jedenfalls hab ich mein Bestes gegeben und dass es nicht klappt liegt nicht daran, dass mein Bestes nicht gut genug ist sondern im Gegenteil, mein Bestes hat erst dafür gesorgt, dass mal aufgefallen ist, dass das Pferd das wir reiten wollten leider nie lebensfähig war.

Und jetzt trinke ich Bier und baue Möbelkleinteile zusammen. Wenn Sie mal wen brauchen, der Ihnen in Rekordzeit Schubladen zusammenbaut: ich nehme ganz stark an, dass ich ab demnächst wieder viel Zeit haben werde.

3 Gedanken zu “Tag 1101 – Schönreden.

  1. allegra schreibt:

    So schlimm?
    Und das Unternehmen hat kein zweites Standbein? Ein fertig entwickeltes Produkt, das den Rest über eine Hungerphase trägt? Sie haben weit mehr gemacht, als man erwarten kann. Man hätte in diese Situation hinein gar niemanden neu einstellen dürfen.
    Ich wünsche Ihnen eine baldige Auflösung dieses Alptraums und vor allem eine gute Stelle, mit Chips oder halt ohne.

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