Tag 1106 – Balance.

Heute morgen im Auto dachte ich darüber nach, dass ich, dafür dass nun wirklich grad alles nicht so wirklich einfach ist, einigermaßen ausgeglichen bin. Und woran das denn liegen könnte. Da spielen ja sicher viele Faktoren eine Rolle, zum Beispiel habe ich eine tolle Familie und jeden Morgen freue ich mich, wenn Pippi von hinten „Singe lauter!“ verlangt, damit ich die Musik lauter mache*, und dann „Mama også sing!“, damit ich mitsinge. Neulich habe ich Podcast gehört, da kam dann ein sehr enttäuschtes „Singt gar nix!“, das war wirklich sehr sehr niedlich. Also, ja, Familie toll, Haus schön, es ist eigentlich *nur* die Arbeit (und die Fahrerei nervt auch), die schlimm ist. Aber ich kenne mich ja, Sie kennen mich ja jetzt auch schon länger, das ist bei mir nicht *nur* so ein Nebenaspekt. Ich arbeite an sich gern, ich ziehe viel Bestätigung da raus und, ja, hab wohl auch gewisse Tendenzen es mit der Arbeit sowohl quantitativ als auch beim Faktor „Impact auf Restleben“ zu übertreiben. Gemessen daran müsste es mir also vermutlich echt schlecht gehen. Nicht nur so ein bisschen miese Laune am Morgen und allgemeine Müdigkeit am Nachmittag. Eher so kaputt. Aber das tut es nicht. Vielleicht ist mein Akku vom letzten halben Jahr noch gut geladen**. Aber ich glaube es kaum.

Ich glaube, es liegt daran, dass ich ziemlich genau seit ich den Job angefangen habe, wieder eine Pille nehme. Ja, hormonelle Verhütung, schlimmschlimm und eigentlich wollte ich das auch nie mehr. Aber dann kam nach Pippis Geburt das PMS aus der Hölle, das statt besser immer schlimmer wurde. Wirklich schlimm. So schlimm, dass ich an PMS-Tagen davon überzeugt war, depressiv zu sein und zwar nicht nur ein bisschen sondern schwer. Ja, inklusive Gedanken wie „Ohne mich wären hier alle besser dran“. So, liebe Leute, sollte keine Frau bloß wegen ein paar Hormonen Monat für Monat fühlen müssen. Aber was tun? Alle empfahlen mir eine Hormonspirale, aus diversen Gründen. Aber hier kostet das ein Schweinegeld und ich hatte im letzten Jahr von dem Verhütungsring, den ich vor den Kindern lange beschwerdefrei*** hatte, richtig ätzende Nebenwirkungen, das wollte ich nicht riskieren, da für 500 € ein Dings einsetzen zu lassen und das nach 2 Wochen zu bereuen. Also dachte ich mir einen Plan aus: wenn ich eine (Mikro-)Pille nähme, die den gleichen Wirkstoff hat, wie die Hormonspiralen, die es so auf dem Markt gibt, dann ist der höher dosiert als die Spirale am Tag abgibt. Außerdem wirkt die Spirale nicht so stark systemisch wie eine Pille. Würde ich also erträgliche Nebenwirkungen von der Pille bekommen, müssten die ja eher weniger werden bei einer Spirale. Aber eben: erträgliche Nebenwirkungen.

So fädelte ich das dann auch ein, blöd war nur dass es so eine Pille hier nicht gibt. Schlussendlich bestellte ich durch einen ganz komplizierten Prozess eine Pille aus Deutschland, ärgerte mich acht Wochen lang mit der davon völlig überforderten Apotheke herum und jetzt bin ich eben wieder druff. Und es geht mir sehr gut. Bei mir wirken solche Präparate offenbar gefühlsdämpfend, fast wie Antidrepessiva. Das kann ich grad recht gut gebrauchen, um ehrlich zu sein, und Hauptsache, das PMS bleibt weit, weit weg. Ich danke also für meine überraschende Ausgeglichenheit den Firmen B**** und J********, denke ich.

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Auto-Lobhudelei: seit 15 Tagen immer um 22 Uhr diese Pille eingeworfen.

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*Genre egal, aber „Mama, ich kan også sing: Lulululu BAH, BAH!****“ ist einfach Hachz hoch 10.

**hahahahaha. Das war emotional ein ziemlicher Ritt.

***auch da war ich ein wenig emotional gedämpft, hab’s aber erst im Nachhinein bemerkt.

****Der Opener vom Album „This is all yours“ von Alt-J.

6 Gedanken zu “Tag 1106 – Balance.

  1. Anki schreibt:

    Und noch ein hoch 💪🏻 Sie bloggen etwas früher. So muss ich nicht bis zum nächsten morgen fiebern 😉 so oder so: schön, dass trotz „Arbeitschaos“ die Welt doch positiv ist für Sie

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    • Ganz genau. (Bei mir ist das zwar genau andersrum, ich bin mit Pille im Dauer-PMS, aber es gibt ja Alternativen.)
      Und ja, diese Kommentare von der Rückbank können unglaublich niedlich sein, oder zumindest entwaffnend ehrlich.
      Und ja, die Lage auf der Arbeit beschäftigt einen einfach. Ist ja doch irgendwie wichtig, was man so in der Hälfte seiner wachen Zeit zu tun hat.

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  2. ohmskine schreibt:

    Sehr geehrte Frau Dr. Rabe,
    da wird mancher verblüfft sein, daß Pharma in Ihrem Fall besser hilft als Achtsamkeit, Biogemüse und Glaubuli.
    Ich freue mich für Sie, daß Sie einen Weg gefunden haben trotz komplizierter Arbeitssituation ausgeglichen zu sein.
    Herzliche Grüße vom Rhein!

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  3. Sabine schreibt:

    und vielleicht ist es auch trotz allem Kack eine entspanntere (haha) Arbeitssituation. Es ist nicht Deine Schuld, wenn der Chipsmann und alle Chefs seine Algen nicht schön und verkauft bekommt. Du solltest hoffentlich unabhängig davon Dein Gehalt bekommen.
    Vorher war ein Scheitern bei Dir immer mit der Angst vorm Scheitern der Doktorarbeit und damit der vielen vergeudeten Zeit verbunden. Du warst noch einmal viel mehr verantwortlich für Deinen eigenen Erfolg.
    Verstehst Du wie ich meine?

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